Ausgabe 
7.9.1900 Erstes Blatt
 
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geschah, weil ein großer Teil des freiwerdenden Festungs- geländeS für die Vergrößerung einer Kavalleriekaftrne und für die Herstellung der neuen Bahnlinie Mainz-Mombach- Castel-Bifchofsheim erforderlich ist.

Mainz, 5. September. Ein Vorfall, der sich, wie derM. Anz." schreibt, gestern abend auf dem Schillerplatz zutrug, verfehlte nicht in seiner drastischen Wirkung eine große Zuschauermenge anzulocken. Ein bekannter Renn­fahrer ging mit einem Freunde über den Platz, als eine junge Dame auf die beiden zutrat und. ohne langes Besinnen aufden Rennfahrer kräftig mit den Fäusten.-'und dem Schirme einzuschlagen be­gann. Verschmähte Liebe und das Gefühl, schmählich be­trogen worden zu sein, verliehen dem Mädchen ungeahnte Kräfte, die den Herrn Rennfahrer unfähig zu jedem Widerstande machten. Ein Schutzmann brachte sie beide auf den Bezirk. Dieschlagfertige" junge Dame folgte dem Hüter des Gesetzes nicht eher, als bis auch der einstige Geliebte aufgesordert wurde, mit auf den Bezirk zu gehen. - Bei dem Mangel an geeigneten Dienstboten macht sich neuerdings die Spezies der Mietgeld sch wrndler- innen in bedenklicher Weise breit, und es vergeht keine Woche in der nicht eine Reihe von Anzeigen dieser Art bei den Polizeibezirken einlaufen. Der Dienstbotenmangel läßt nämlich die Hausfrauen bei dem Mieten von Personal Die früher geübte Vorsicht bei Seite lassen. Meldet sich heute ein Mädchen, so wird in vielen Fällen gar nicht nach seinem Dienstbuch gefragt. Das Mädchen verspricht, sein Buch alsbald zu beschaffen, wird ohne ein solches gemietet und bekommt häufig bis zu drei Mark Mietgeld und dann geht Johanna und niminer kehrt sie wieder. Eine dieser Schwindlerinnen gelang es gestern zu verhaften, aber noch eine stattliche Anzahl wird von der Polizei gesucht.

Braunfels, 4. September. Bei der heutigen Trauerfeier für den Prinzen Hermann zu Solms-Braunfels hatten sich in dem Schlosse eine große Anzahl durch Geburt und hohen Rang hervorragende Trauergäste Rendezvous gegeben. Außer den fürstlichen Verwandten waren Vertreter regierender und befreundeter Fürstenhäuser, hohe Staatsbeamte, zahlreiche Offiziere usw. gekommen. Der Fürst zu Reuß j. L., Erbprinz und Erb- prinzessin zu Reuß j. L., Freiherr v. Röder, Flügeladjutant, als Vertreter des Großherzogs von Hessen, Kam- merherr von Reden, Vertreter des Herzogs von Cumber­land, General von der Lühe, Vertreter des Herzogs von Sachsen-Altenburg, Fürst zu Solms-Hohensolms-Lich, Fürst zu Jsenburg-Birstein, Fürst zu Löwenstein, Füflst Bent­heim, Prinz Ratibor, Prinz Ludwig zu Solms-Hohensolms- Lichi, Graf Görtz-Schlitz, Graf Erbach, Graf Jsenburg- Meerholz usw.; ferner die Mitglieder des Kreisausschiusses Wetzlar, Bürgermeister Moritz von Wetzlar, die Bürger­meister, Geistlichen, Lehrer und Vorsteher des Patronats­gebiets, die Stadtvertretungen von Braunfels und Hungen, der Krieger- und Gesangverein von Braunfels, sowie zahl­reiche sonstige Personen von nah und fern, namentlich aus den Städten Braunfels, Wetzlar und Hungen. Pünktlich! um halb 3 Uhr, wie in den ergangenen Einlad­ungen angegeben, nahm die Trauerfeier ihren Anfang. Unter Vorantritt fürstlicher Beamten begaben sich die im Schlosse wohnenden Fürstlichkeiten und sonstigen Herr­schaften (im Zuge nach der Schloßkapelle, vor deren Ein­gang die anderen Trauergäste, Korporationen, Vertret­ungen und Vereine Aufstellung genommen hatten. Die nächsten Verwandten des Verstorbenen hatten in dem für die fürstliche Familie reservierten Gestühl Platz genommen!, während die anderen Fürstlichkeiten, die Vertretungen usw. die vorderen Bänke vor der Empore besetzten, aus der der Sarg stand. Dieser war von prachtvollen Kranz­spenden und Blumenarrangements in reichster Fülle um­geben und bedeckt. Es hatten u. a. Kränze gesandt: Der Kaiser und die Kaiserin, die Kaiserin Fried­rich, Prinz Georg von Preußen, die Großherzöge von Baden, Hessen und Luxemburg, der Herzog von Cumberland, die Königin von England, die Prinzessin Marie, der Herzog von Sachsen-Altenburg, die konserva­tive Partei des Reichstages und Abgeordnetenhauses, mil­der WidmungIhrem treuen Freunde", der Kreis Wetzlar, die Städte Braunfels und Hungen, die Bürgermeistereien, des Patronatsgebietes, die fürstliche Beamtenschaft usw. Auf dem Sarg ruhten außer den Blumen auch noch dio Offiziersabzeick)en des verstorbenen Prinzen, die Majors- epauletten, Helm, Säbel usw., sowie seine zahlreichen Orden. Zu Häupten erhob sich die Fürstenkrone des Solms- Braunfelsischen Geschlechts. Nach der weit über eine halbe Stunde dauernden Predigt des Oberpfarrers Rebens- burg-Köln ließ der Braunfelser Gesangverein die Verse des Liedes:Christus, der ist mein Leben" ertönen. Hier­aus folgten Gebet, Glockengeläute und Ehrensalven. Der Gesang des Lehrerchors:Auferstehen, ja auferstehen" und der Segen des Geistlichen beschlossen-die erhebende Trauer­feier. Die Ueberführung der Leiche in die Familiengruft nach Altenberg erfolgte noch gestern abend. Hieran nahmen auch die meisten Fürstlichkeiten Anteil. Prinz Hermann schläft nun in der Ruhestätte seines Geschlechts feinen letzten Schlaf. Sein Andenken aber wird als das eines Mannes von echt ritterlicher Gesinnung, von lau­terem, besten Wollen, voll wohlwollender Herzensgüte und Freundlichkeit in dem Andenken aller derer fortleben, die ihn gekannt haben.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Gambach brachte die Kuh des Landwirts Heinrich Biedenkopf ein Kalb zur Welt, dem der Schwanz vollständig fehlt. Der Rückgrad des Tieres ist vollkommen ausge­wachsen, auch ist das Tier im Uebrigen gesund. In Mainz feierte der Justizrat und Notar a. D. Adolph Lipp old im Alter von 90 Jahren das Fest seiner gvldnen Hochzeit. Der Jubilar, der lange Jahre Notar in Oppenheim war, erfreut sich noch großer Rüstigkeit.

Vermischtes.

° : » Aschaffenburg, 5. September. Heute nacht drei Uhr brach in der WirtschaftZum Deutschen Hof" Feuer aus. Das Feuer ergriff sofort das Stiegenhaus und das Erdgeschoß und verbreitete sich, da viel Holz dort lagerte, mit großer Geschwindigkeit. Bald standen auch der Dachstuhl und sämtliche oberen Räume des Hauptge­

bäude- in Flammen. Leider find bei dem Brande drei Menschen, die nicht mehr über die brennende Treppe hinab konnten, in den Flammen umgekommev. Unter der Mansarde des Hauptgebäudes wurden die vollständig verkohlten Leichen der Dienstmädchen Eva Steuernagel und Katharina Wiebel aufgefunden und in einem Zimmer des Hintergebäudes die Leiche des dreißigjährigen Gaswerkbe­amten Deitz. Deitz ist erstickt, die beiden Mädchen sind verbrannt. Sie haben schrecklich um Hilfe geschrieen, aber es war nicht mehr möglich, sie zu retten.

*DieBilanzderPariserWeltausstellung. Die Weltausstellung kostet bekanntlich, abgesehen von den Privatbauten, 105 Millionen Franken, wovon 20 vom Staate, 20 von der Stadt Paris hergegeben und 65 durch Ausgabe von Bons aufgebracht worden sind. Bei der Ausgabe dieser Bons, deren Inhaber bekanntlich je zwanzig Tickets erhalten haben, wurde auf einen Besuch von 60 Millionen Personen gerechnet. Die Zahl der Be­sucher im Jahre 1867 belief sich auf 11 Millionen, 1878 auf 13 Millionen, 1889 auf 23 Millionen. Wird nun dieses Jahr ein Besuch von 60 Millionen erzielt werden? Es erscheint dies mehr als fraglich. Vom 15. April bis zum 31. Juli, also während mehr als der Hälfte der Dauer der Ausstellung, wurde letztere insgesamt von 16 475 104 Personen besucht. Wenn man annimmt, daß der Besuch sich auf der gegenwärtigen Höhe erhält, ja sich noch etwas steigert, so wird die Zahl der Besucher am Schlußtage, dem 5. November auf rund 40 Millionen zu schätzen sein. Mithin gehen für 25 Millionen Franken Tickets verloren, und man kann sagen, daß die Ausstellung mit einem Defizit von 'gleicher Höhe abschließen wird._____________

Universität und Hochschule.

Der Philologe Geh.'Regierungsrat Prof. Franz Susemihl in Greifswald begeht am 7. Oktober sein goldenes Doktorjubiläum. Der Jubilar, der im 74. Lebensjahr steht, erwarb die Doktorwürde an der Universität Gießen. In Leipzig werden auch in diesem Winter volkstümliche Hochschulkurse abgehalten. - Dem Stadtpfarrer Dr. Von Höffer in Gmünd ist die erledigte Stelle eines Bibliothekars an der königl. öffentlichen Bibliothek in Stuttgart übertragen worden. Der Profeffor an der königl. Bergakademie in Berlin Dr. Fritz Kötter ist zum etatsmäßigen Profeffor an der technischen Hochschule m Berlin ernannt worden. Es wurde ihm die neuerrichtete Professur der technischen Mechanik für Bauingenieure verliehen. Aus Königsberg wird gemeldet: Der a.-o. Profeffor Lic. theol. Gustav Ecke ist zum o. Profeffor in der theologischen Fakultät der hiesigen Universität er­nannt worden. Die durch Berufung des Profeffors Dr. Bäumker nach Bonn freigewordene Stelle des Direktors am akademischen Institut für Kirchenmusik an der Universität Breslau wurde dem Profeffor Dr Vogt übertragen. In Rom starb am 29. August Professor A. Berwin, Direktor der Bibliothek der königl. Akademie SantaCecilia daselbst, im Alter von 55 Jahren.

Aus Marburg wird geschrieben: Vom 9. Januar bis zum 27. März n. I. sollen hier wissenschaftliche Vorlesungen für Volks - schullehrer und Lehrerinnen von Universitäts-Profefforen abge­halten werden. Es werden lesen: Profeffor G. v. Below:Deutsche Wirtschaftsgeschichte"; Prof. Paul Ratorp:Die psychologischen Grund­lagen der Pädagogik"; Prof. Edward Schröder:Geschichte der deutschen Sprache im Rahmen einer kurzen Geschichte der deutschen Litteratur". Dr. Franz Kaulen, Profeffor der katholischen alt- testamentlichen Theologie an der Universität Bonn, beging sein fünfzig­jähriges Priesterjubiläum. Kaulen ist 1827 in Düffeldorf geboren und wurde 1863 Privatdozent in Bonn, 1880 wurde er zum a.-o., 1882 zum o. Profeffor ernannt. Er ist einer der ältesten Lehrer der rhein­ischen Hochschule. Der Profeffor der darstellenden Geometrie und des konstruktiven Zeichnens an der technffchen Hochschule in Wien, Regier­ungsrat Dr. Gustav Ad. V. Peschka feierte seinen 70. Geburtstag. Dem im vorigen Jahre zum a.-o. Profeffor ernannten Dr. R. Mar­tin an der Universität Zürich wurde ein Ordinariat übertragen, neben dem Lehrstuhl Johannes Rankes in München nunmehr der zweite für das Fach der physischen Anthropologie an einer Hochschule deutscher Zunge. In Berlin ist der Geh. Sanitätßrat Dr. Moritz Markuse, der Gründer und Vorsitzende des dortigen militärärztlichen Vereins, im Alter von 63 Jahren gestorben.

Dem a.-o. Profeffor an der philosophffchen Fakultät in Jena, Dr Theodor Pfeiffer ist die erbetene Entlastung aus seiner akademischen Stellung für den 1. Oktober erteilt worden. In Danzig hat dieser Tage Oberpräsident v. Goßler den ersten Spatenstich zum Gebäude für die neue technische Hochschule gethan.

Am 4. Oktober wird die Universität Czernowitz ihr fünf: undzwanzigstes Gründungsfest feiern. Sie ist die jüngste der fünf deutschen Universitäten Oesterreichs; aber daß gerade in Czernowitz eine deutsche Universität blüht, das macht dieses Fest auch in der Ferne be­achtenswert.

Kunst und Wissenschaft.

Sein 50jähriges Doktorjubiläum hat dieser Tage, wie wir bereits mitteilten, der Geh.-Oberregierungsrat Dr. Georg Hinz- Peter, der Erzieher des Kaisers, gefeiert. Hinzpeter erwarb seinen Doktortitel an der Universität Berlin. Als Doktorschrift lieferte Hinz­peter eine geschichtliche Untersuchnng:De vi ac natura graecorum oraculorum praesertim belli Peloponesiaci aetate. 1827 zu Biele­feld als der Sohn des Gymnasialprofestors Friedrich Wilhelm Hinzpeter geboren, erhielt er feine Schulbildung auf dem Gymnasium feiner Vater­stadt. Mit 20 Jahren bezog er die Universität Halle, um Philologie, Geschichte und Philosophie zu studieren. Rach zweijährigem Studium in Halle wandte sich Hinzpeter nach Berlin. Rach dem Abgang von der Universität war Hmzpeter einige Zeit lang Lehrer am Gymnasium zu Bielefeld. Den Schwerpunkt feiner pädagogischen Thätigkeit legte Hinzpeter nicht auf das Wirken an einer öffentlichen Schule. Er fand fein Behagen an der Arbeit als Erzieher in vornehmen Häusern. Als Student unterrichtete er in der v. Schaper'schen Familie in Berlin. Später war er nacheinander in mehreren adeligen und fürstlichen Häusern mit der Ausbildung der Söhne betraut. Die Erfolge, die er dabei er­zielte, war für den nachmaligen Kaiser und seine Gemahlin bestimmend, Hinzpeter 1866 zur wissenschaftlichen Erziehung chrer beiden ältesten Söhne zu berufen. 1874 begleitete Hinzpeter dre Prinzen Wrlhelm und Heinrich nach Kaffel. Der Kronprinz und die Kronprinzessin hielten es für angebracht, daß, ganz gegen den sonstigen Brauch, die kaiserlrchen Prinzen eine Zeitlang an dem Unterricht in einer öffentlichen Schule teilnehmen sollten. Für die Wahl des Gymnasiums in Kastel war mrt der Umstand bestimmend, daß der vorwiegend militärischen Erziehung ein Gegengewicht gegeben werden sollte. Insbesondere sollte Prinz Wilhelm in Kaffel mit seiner Industrie und seinem Erwerbsleben kennen lernen, was für die allgemeine Wohlfahrt der Bürgerfleiß bedeutet. .Hinzpeter blieb bis zur Großjährigkeit des Prinzen Wilhelm fein Lehrer. Dann zog er sich in feine Heimat Bielefeld zurück. Man weiß, daß der Kaiser seinen einstigen Lehrer hochschätzt und wohl auch seinen Rat ein­holt. 1889 ließ sich der Kaiser von Hmzpeter über den Bergarbeiter­ausstand in Rheinland und Westfalen Bericht erstatten. Beständiger Vertrauensmann des Monarchen ist Hinzpeter in den Fragen der Schul­reform. Was Hinzpeter als Erzieher des Kaisers für sich in Anspruch nimmt, das ist, daß er durch seinephilosophisch-räsonierende Art in seinem Schüler eine gewiste Neigung zum Argumentieren und Diskutieren" erweckt habe. Aus der Thätigkeit Hinzpeters im kron- prinzlichen Haufe find zwei kleine Schriften erwachsen, für die man ihm dankbar sein muß. Die eine hat den Kaiser und die Kaiserin Friedrich

zum Vorwurf. Sie erschien zu ihrer silbernen Hochzeit unter dem Titel Zum 25. Januar 1883, eine Unterhaltung am häuslichen Herd für den Tag der silbernen Hochzeit des kronprinzlichen Paares". Im Mittel­punkte der an guten psychologischen Beobachtungen reichen Darstellung Hinzpeters steht eine Analyse der Grsinnungs» und GeistesgemeinschafL des Kronprinzen und der Kronprinzessin. Besonderes Gewicht legte Hinzpeter darauf, zu zeigen, wie diese Gemeinschaft durch wechselseitige Einwirkung allmählich sich ausbildete. Von Interests sind Hinzpeter- Nachrichten über die sozialen Bestrebungen des kronprinzlichen Paare-. Kaum auf einem anderen Gebiete, sagt er, wurde der Austausch und das Ergänzen im Denken und Fühlen zwffchen den beiden Gatten so eifrig und fruchtbar, als auf dem der sozialen Reform, wo politische- und humanitäres Interesse verbunden, den Eifer verdoppeln mußten. Während die Prinzessin mit Adam Smith und Thornton auch Stuart Mill und Spencer herbeibrachte, machte sich der Kronprmz die Ideen und Pläne von Rodbertus und Huber, von Schäffle und Adolf Wagner zu eigen; suchte das eine Mal Schulze-Delitzsch aus der Menge der Ab­geordneten zu einem längeren Gespräch heraus, und empfing ein anderes Mal den Pastor v. Bodelschwingh zu einem Vortrag über seine Arbeiter­kolonie Wilhelmsdorf. Hinzpeters zweite Schrift führt den TitelKaffer Wilhelm II., eine Skizze, nach der Natur gezeichnet". Es kam Hinz­peter, als Kaiser Wilhelm II. die Negierung antrat, darauf an, weitere Kreise mit der Eigenart des neuen Herrschers bekannt zu machen. Bor allem betont er in seiner Skizze diestark ausgeprägte Individualität des Monarchen.

Stockholm, 4. September. Die schwedische Nordpol- Expedition des Forschungsreisenden Kolthoff ist gestern abend in Tronthjem eingetroffcn, nach einer interestanten Reise durch das Polar- eis von Spitzbergen nach Ostgrönland. Die ornithologischen und sonstigen zoologischen Sammlungen, die die Expedition mitbringt, werden als die reichhaltigsten bisher aus der Polarqegend nach Schweden gebrachten an­gesehen. Die Expedition wird in Tronthjem aufgelöst.

Gerichtssaal.

Konih, 5. September. Vor der Strafkammer hatte sich gestern zu verantworten der Rechtsanwalt und Notar Willutzki aus Flatow wegen Unterschlagung resp. Veruntreuung ihm an­vertrauter Gelder in Hohe von 2680 Mk. Der in Untersuchungs­haft befindliche Angeklagte ist Landwebrosfizier c. D. und Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Kl., er befand sich in hochangesehener Stellung, war Magistratsmitglied, Mitglied der Anwaltskammer, Vorsitzender des Krtegervereins und war auch sonst in allen mög­lichen Körperschaften; anderer Strasthaten wegen wird er sich noch vor den Geschworenen zu verantworten haben. Der Angeklagte war heute im vollsten Matze geständig. Zwei Sachverständige sagten aus, daß er sich zurzeit der Einlieferung in die Jcrenanstalt Conradstetn, wo er auf seinen Geisteszustand hin untersucht werden sollte, wohl in einer gewißen nervösen Erregung befunden habe, zweiffelloS aber im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten sei und auch gewesen sei. Das Urteil lautete auf (ine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monate, 1000 Mk. Geldstrafe, im Unvermögenstalle noch 100 Tage Gefängnis und Ehrverlust auf die Dauer eines Jahres.

Wöchentliche lleberstcht der Todesfälle in Gießen.

35. Woche. Vom 26. August bis 1. September 1900. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 800 (ivcl. 1600 Mann Militär) SterblichkettSziffer: 8,38, nach Abzug von 2 OrtSfremdm 4.19°/«.

Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachsene: tm 9tm

1. Lebensjahr: 2.IS.Jahrr

1

1

Summa: 4 (2) 4 (2)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gietzen gebrachte Kranke komme».

Bronchitis und Leber­entzündung 1

Rippenfellentzündung 1

Eitervergiftung (Pyämie) 1 (1)

Lungenentzündung 1 (1)

Sandel und Verkehr. Uolkswirtjchafl.

Fraaktorter Böjree vom 5. September.

Wechsel auf New-York zu 0.00-00.

Prämie» auf Kredit per ult Sept. 1.75%, do. per ult Okt. 2.70%, Diekonto-Kommandit per ult. Sept. 1.40 %, do. per ult Okt. 2.45 o/o, Lombarden per ult Sept. 0.80%, do. per ult Okt. 0.00%. Deutsche Bank per ult. Sept. 0.00%.

NoÜerancen r Kreditaktien 210.30-000.00, Diskonto- Kommandit 175.60-50-60.00, Staatsbahn 143.30-20, Lombarden 27.30-40-20, Italiener 94.50, Spanier 73.00, Bproz. Mexikaner 25.40, Bochumer 186.20-50 bz., Laura 203.50-000.00 bz., Harpener 183.20-60.00 bz., Gelsenkirchen 194.40-80 bz. G., Privat-Dis- kont 4% % Gt

1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 210.30-209.70 bz., Dis- konto-Kommandit 175.60-30 bz., Staatsbahn 143.30-142.90 bzn Lombarden 27,20-26.90 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesell­schaft 00.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz, 3proz. Portugiesen 24.10-20 bz., Ottomanbank 109.20 bi.

Märkte.

Limburg a. d.Lahn, 5. September. Fruchtmarkt Durch- schnittspreis pro Malter. Roter Weizen, alter, 14.35 Mk., neuer 12.25 Mk., Weißer Weizen. Mk., Korn 00.00 Mk., neues Korn 0 00 Mk., Gerste 00.00 Mk., Hafer, alter, 8.00 M., neuer 6.00 Mk., ErbsenMk., KartoffelnMk. ______________________

Kriefkasten der Redaktion.

Finanzen*. Sie thun am besten, sich an Herrn Hauptsteuer­amtsassistent Weise oder an Herrn Oktroi-Inspektor Mäser in Gießen zu wenden, die Herausgeber des Materials und Leiter des betr. Kursus sind, und gewiß gern die gewünschte Auskunft geben werden.

Schiffsnachrichten.

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch dis Agratra Earl Loos und I. M. Schulhof.

Bremen, 3. September. IPer transatlantischen Telegraph.) Der PostdampferMainz", Kapitän H. Ahrens, vom Norddeutschm Lloyd in Bremen, ist am 1. September 2 Uhr nachmittags wohl­behalten in Baltimore angekommen.

Bremen, 3. September. sVer transatlantischen Telegraph.) Der PostdampferHelgoland", KapUän W. Franke, vom Norddeutsche Lloyd in Bremen, ist gestern 6 Uhr abends wohlbehaltm in Baltimore angekommen.

Schul

nzüge

in grosser Auswahl!

Giessen, Kirchenplatz 11.

Markus Bauer.