Freitag den 7. September 150. Jahrgang LVOO
Grstes Blatt
Amts« und Anzeigeblatt für den Kreis Gieszen
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überaus
Kezugsprelo öietteljäbrl, 'IW monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn z durch dir tibbolcfttike D<crteljabr(. Ml. l.W monatlich 65 Psg.
Bei Postbezug Mk. 2,40 viertcljätzot. mit Bestellgeld.
Alle Anzeigen-BermtttumgSstellen de- In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgtg*, ZeilcnpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.
Gießen, den 4. September 1900.
Der Vorsitzende
Provinzialausschusses der Provinz Oberhesien und des Kreisausschuffes deS Kreises Gießen.
v. Bechtold.
w» Anzeigen zu der na^oi.nag- fMt Mi Äeg «scheinenden Nivnmer bis sorm. 1t i-Hr. Wsfcdfawtfxt spätesten- »«rher.
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MMta, und Druckest:
Och«rß»«te Nr. 7.
GrsÜsbettazr«: Gichenrr Zaunlienblätter, Zer heWtze Landwirt, Mtter für heftilche Nstdskn^e.
Bekanntmachung.
Betr.: Ergebnis der Faselkörung auf dem Markte zu Grünberg.
Bei der am 23. August zu Grünberg abgehaltenen öffentlichen Faselschau wurden folgende Fasel angekört.
Gießen, den 2. September 1900.
Grvßherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.,
Eine deutlich, daß die Beziehungen Deutschland und Rußland einen
Gießener Anzeiger
Heneral-Anzeiger
die gereizte Haltung der russischen Presse, die in auswärtigen Fragen nie etwas anderes erstrebte, als das Echo der Regierung zu sein, die jüngsten Verhandlungen mit Amerika lassen eine so schroffe Wendung im russischen Kurse erkennen, daß die Fahrt des Prinzen Heinrich nach Balmoral eine besondere politische Bedeutung gewinnt. Mag die Entscheidung über Peking im russischen oder im deutschen^Sinne fallen, so ist doch das z w i s ch e n
teilweise den Militäranwärtern Vorbehalten find. Die Stelle Nr. 1 ist von dem Provinzialausschuß der Provinz Ober- hessen, diejenigen Nr. 2 und 3 sind von dem KreisauSschuß Kreises Gießen zu vergeben.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Besetzung der Subaltern« und Unterbeamtenstellen bei den Kommunalbehörden pp. mit Militär- Anwärtern.
Es wird hiermit zur Kenntnis der Jntereffenten gebracht, daß nachverzeichnete Stellen entweder ganz oder
Der Ernst der Lage.
„Ter Kaiser soll, wie man uns von besonderer Seite mitteilt, am Samstag bei dem Festmahl zu Offizieren) geäußert haben, er werde auf keinen Fall Peking auf» geben, und wenn zu dem Zwecke alle Armeekorps mobilisiert werden wüßten" — so berichtete, wie wir bereits mitteilten, ein Berliner Blatt. Es ist in hohem Maße unwahrscheinlich, daß die Worte in der That so, wie hier dargestellt wird, gefallen sind. Denn so weit auch die Konzessionen sich ausdehnen, die man der augenblicklichen. Stimmung, der gekränkten Empfindlichkeit, dem Temperament machen darf, so begreiflich es auch wäre, wenn die verschlagene Politik der „Verbündeten" in dem Herzen eines Mannes starke Antipathien wachriefe, der noch stets mit'voller Offenheit seine Gedanken der Öffentlichkeit preisgab, so glauben wir doch auch, daß Kaiser Wilhelm die Pflichten seines hohen Amtes zu hoch stellt, als-daß er in gefahrvoller Stunde selbst im vertrauten Kreise bie Möglichkeit erörtern könnte, unsere gesamte Wehrkraft in den Dienst einer stets nur nebengeordneten Idee zu stellen. Tenn wie immer die Würfel in Ostasien rollen, ob es üns in der That beschieden ist, nachdem wir mit tausend bunt- bewimpelten Masten hinausgesegelt sind, „still auf gerettetem Boot" in den heimatlichen Hafen zurückzukehren, oder ob> Graf Waldersee sich rühmliche Lorbeern holt, so wird dozch« nie und nimmermehr sich fügen dürfen, iva^, jenes Blatt sagt. Richt in Ostasien, sondern in Mitteleuropa glänzen hie MerM unseres Schicksals.
Darf es denn jemals dazu kommen, daß aus den wilden Ereignissen in China sich tiefgreifende Verwickelungen, in Europa erheben, deren Lösung auf die Schwertfaust gestellt werden muß? Gerade, wenn wir „auf keinen Fall" und auch dann nicht Peking preisgeben würden^ wenn die Mächte einhellig ihre Truppen zurückzögen, würde die Gefahr für uns auf das Aeußerste sich steigern.
Wo ist der hallende Jubel, der einst, wie die Offiziösen versicherten, an, der Newa laut wurde, als die Mission des Grasen Waldersee zuerst die Welt überraschte? Die kühlen Erklärungen des Petersburger „Regierungsboten" mit ihren nach Berlin gerichteten Spitzen, die Antwort des Kaisers Wilhelm in seiner Casseler Tischrede,
schweren Stoß erlitten haben, und leicht ist es verständlich, wenn ernsthafte und zurückhaltende Organe in dem Uebermaß der von uns veranstalteten Feiern die Wurzel des gegen uns überall emporkeirnenden Argwohns erblicken. Man nimmt sich im Winterpalast, im Elysee und in Downingstreet nicht die Mühe zu psychologischen Analysen, sondern hält sich an dem thatsächlich Gegebenen, und indem man die Fülle der in Deutschland gefallenen Worte, indem man die Fülle der in Deutschland bekundeten Pläne zusammenadiert, gelangt man zu einem Faeit, das nach klaren Gesetzen die Wage des Vertrauens hoch in die Lüfte treibt. ' Wir mögen uns gegen die harte Macht der Thatsacheu sträuben: die Isolierung Deutschlands ist außer Zweifel gestellt, und wieder einmal ist die Stunde gekommen, in der wir Umschau, halten müssen nach der kühlen, selbstberechneten Freundschaft Albions.
Es ist ein Fehler gewesen, daß wir allzu eifrig an die Stelle der That das überschwängliche Wort gesetzt haben.
An dem, was ein Kaiser sagt, soll man nicht drehen und deuteln, und wer wollte leugnen, daß aus dem Laute seiner Worte sich Absichten herausschälen mußten, die mit den Plänen der anderen Mackste sich nur schwer vereinigen ließen. Und ein weiterer Fehler lag in der Sendung des Grafen Waldersee und in den unerfreulichen Erscheinungen, bie sie begleitet haben. Ein einhelliges, internationales Vertrauensvotum, das den tüchtigen Mann auf einen Ehrenposten berief, — nun wohl, das hätte Deutschland mit Genugthuung erfüllt, und eine besonnene, diplomatische Aktion, die vorher die Kompetenzen des Oberfeldherrn und den Umfang des gemeinsamen Vorgehens festgelegt hätte, würde dem Grafen Bülow Anerkennung eingetragen haben. Aber anders, als man annehmen durfte, haben sich die Dinge entwickelt, wir haben den Sprung gewagt, ehe wir die Tiefe ermaßen, und so müssen wir prüfen, ob uns die Gliedmaßen heil blieben. Heute bleibt uns als bester Bundesgenosse die finanzielle Depression Rußlands. , , t r ......
Wie überall, so muß auch hier jeder Schritt sorgfältig erwogen werden, die Besonnenheit muß das Steuer sUhren. Und hieran hat es gefehlt, vielleicht, weil mir allzu heftig
Auslagen beim Besuch des Kreisfeuerwehrtages eine Vergütung von 2 Mark aus der Gemeindekasse zu beziehen haben. Denjenigen Besuchern, welche einen weiteren Weg, insbesondere mit der Bahn, zurückzulegen haben, empfehlen wir eine etwas erhöhte Vergütung zu bewilligen.
I. V.: Boeckmann.
Gießen, den 4. September 1900.
Betr.: Die Unterstützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen em bie Geohh. Bürgermeistereien M Kreise-.
Wir beauftragen Sie, die Gemeinde-Einnehmer anzuweisen, alsbald und spätestens bis zum 1. November d. Js. bezüglich der von denselben in rubro vorgelegten Beträge mit unserer Kreiskasse abzurechnen.
v. Bechtvld.
Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme aus meine Bekanntmachung vom 16. August d. Js. gebe ich wiederholt bekannt, daß die in Gießen wohnenden Mitglieder des landw. Bezirksvereins ihr Exemplar des Büchleins über die landwirtschaftlich wichtigeren Neuerungen des bürgerlichen Gesetzbuchs kostenfrei aus der Registratur des Kreisamts in Empfang nehmen können.
Gießen, 5. September 1900.
Der Direktor des landw. Bezirksvereins, v. KZ echtold..
Gießen, den 3. September 1900.
Betr.: Abhaltung zweier Kreisfeuerwehrtage des Kreises Gießen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien der Land- gemeinden des Kreises.
Am Sonntag dem 14. Oktober d. IS. wird für den Bezirk Lich in Hungen, und am Sonntag dem 7. Oktober d. Js. für den Bezirk Grünberg in Grüv- berg ein Kreisseuerwehrtag abgehalten werden. Den Kommandanten der Feuerwehren wird hierzu besondere Einladung zugehen. Wir geben Ihnen hiervon mit dem Nnfügen Kenntnis, daß die Kommandanten oder im Verhinderungsfälle deren Stellvertreter als Ersatz für die
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Bezeichnung der Stellen, welche
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Etnkommm der Stellen im Jahr
Anforderungen, welche an den Bewerber gestellt werden
Der Anstellung gcht eine Probe- dtmstzeit voraus von
Die Anstellung erfolgt:
a) auf Lebenszeit, b) aus Kündigung mtt einer Frist von . . . 30lo: naten,
c) aufjederzeittgen Widerruf
Angabe über die Bedingungen des
Auf- rückenS in höhere
Stellm
Bemerkungen
unmittelbar aus der Zahl der Mtlitär- anwärter besetzt wer- dm können
in der Regel nur im Wege des Auf- rückens zu erreichen find
1
Dimer sdes chem.
Unter« suchungS« amtes der Provinz Oberheflm
—
1
ganz.
nein.
960 Mark.
—
—
auf jederzeUtgen Widerruf.
—
—
2
Bau- schretber.
—
1
zur Hälfte.
ja (aufWtder- ruf).
1200 Mark, steigend bis 1800 Mark.
Praktische und theoretische Kenntntffe des RechnungSwesms
6 Monate
auf Widerruf.
—
3
Kreitzboten
—
2
zu zwei Drittel.
nein.
je 600 Mark fix, Gebühren von rund 300 Mark (Transportauslagen find abgerechnet).
Ftnanzexamm
2. Kategorie.
auf jederzettigen Widerruf
Die Gesamt- thätigkeit eines Krets- boten beläuft stch auf etwa 8 Monate im Jahr.
Eigentümer
—
Fasel
-
—
Gesund-
Bemerkungen
Ordn.-
Namen
Wohnort
Raffe
Alter
Farbe
Körperbeschaffenheit
heits- u. Rähr- zustand
1
Carl Zimmer
Klein-Eichen
Vogelsberger
16 Monate
rot
genügend
gut
2
Carl Volp
Klein-Eichen
ff
15 Monate
genügend
■
r
Johs. Schmidt V.
Oueckborn
■
iv. Jahr
sehr gut
ff
4
Johs. Henkel
Grünberg
13 Monate
gut
ff
S
Heinr. Dickhard
Lehnheim
*
17 Monate
gut
■
s
Phil. Lückert
Wetterfeld
ff
15 Monate
genügend
ff
7
Ludw. Loth
Beltershain
H
17 Monate
genügend
ff
3
Konrad Bürger
Niederohmen
U .
iVz Jahr
gut
tf
angekauft v. d.Gern. Freienseen
9
Carl Gemmer
Oberohmen
Simmth.Remz.
15 Monate
Gelbrotscheck
sehr gut
■
10
11
Konrad Zimmer Otto SuMoff
Lich Merlau
tf V
n w
14 Monate
14 Monate
Falbscheck Hellfalbscheck
ziemlich gut
12
Heinrich Lein
Klein-Eichen
■ n
16 Monate
Hellfalbscheck
ft
angekauft v.d.Gem Oueckborn
18
Kaspar Lbchel
Reinhardshain
Simmth Krzg.
l‘/t Jahr
Falbscheck
gut
•


