Ausgabe 
7.6.1900 Zweites Blatt
 
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der Handelsstand Zeit genug hat, sich mit der Neugestaltung der Verhältnisse abzufinden. Zugegeben muß werden, daß die Gewerbeordnungsnovelle noch manche Unvollkommen- heiteu zurückläßt, da die Arbeitszeit auch künftig noch reich­lich bemessen bleibt, und die Engrosgeschäfte überhaupt nicht durch die Novelle berührt werden. Aber einen großen Fortschritt bedeutet die letztern darum doch, insbesondere wenn man bedenkt, daß augenblicklich überhaupt nicht mehr zu erreichen war. Wenn eS auch schon bisher eine Anzahl von Geschäften gab, die freiwillig eine Verkürzung der Arbeitszeit ihres Personals eingesührt hatten, so waren das doch nur Ausnahmefälle; die gesetzliche Festlegung des 9 Uhr-Ladenschlusses schützt nunmehr diese human denkenden Prinzipale vor geschäftlichen Verlusten, wie sie der frühere Schluß bisher vielfach mit sich gebracht hatte.

Einige Opposition wird daS neue Gesetz freilich auch bei unseren Hausfrauen finden, die nun eine Stunde früher ihre Einkäufe beendet haben müssen. Aber man darf wohl annehmen, daß sie sich bald mit dieser an­scheinenden Unbequemlichkeit auSgesöhnt haben werden, und nach kurzer Zeit wird die Neuordnung Bürgerrecht erlangt haben, umsomehr, da sie ja dem Wohle so vieler Tausender zu gute kommt.

Der Tod des Assessors v. Gagern.

Hinsichtlich des beklagenswerten frühzeitigen Todes des Assessors Freiherrn v. Gagern sind wir jetzt durch folgenden Bericht des Polizei-Inspektors Biernatzky, der di» Mannschaften der v. Gagernschen Expedition vernommen, hat, tznnd durch einen Bericht des Missionars Müller zu Nyamtan, der den so früh Abgerufenen auf seinen letzten Wegen begleitet hat, in der Lage, die näheren Umstände des traurigen Falles klarzustellen.

Assessor v. Gagern, der am 13. März d. I. die Sta­tion Jabassi verlassen, erreichte noch an diesem Tage gegen 7 Uhr abends die Mission außerordentlich angestrengt. Die Soldaten sagen aus, daß sie Gagern viel in der Hänge­matte haben tragen müssen, auch hätte der Boy stets beim Passieren eines Flusses oder Baches das Taschentuch ein­tauchen müssen, womit sich Herr v. Gagern den Kopf und die Brust anfeuchtete. Missionar Müller behauptet, daß Herr v. Gagern ihm gegenüber über starken Blutandrang zum Kopfe geklagt hätte.

Die Expedition verblieb den 14. auf der Missions^- station. Am 15. früh 6 einhalb Uhr brach Herr v. Gagern in Begleitung des Missionars Müller auf, und erreichte die Expedition um 3 Uhr nachmittags das Dorf Mang- walle. Die Soldaten schilderten den Tag als besonders/ heiß, sie seien sehr ermüdet gewesen.

Gagern soll abends über Fieberanfälle geklagt haben. Am 16. bach die Expedrition gegen 6 Uhr auf und ge­langte zunächst um 8 einhalb Uhr in das Dorf Mataue, wo ein sehr einflußreicher Häuptling Namens Disake seinen Sitz hat. Der Häuptling wurde durch Herrn v. Gagern beschenkt, stellte Führer und Leute und versprach, die Ex­pedition in jeder Hinsicht zu unterstützen. Er hat auch redlich sein Wort gehalten.

Disake hat mit seinem Bruder Lombi schon seit 19 Jahren Streit. Einige Händler von Nyamtan hatten dem Lombi große Geschenke gemacht mit der Bedingung, daß Lombi dafür seinem Bruder Disake den einzigen Handels­weg versperre, so daß der ganze Stamm der Ndogo- bamyaleute vom Handel ausgeschlossen wurde. Alle diese Händler stehen mit dem Häuptling von Bodiman, dem sogenannten King Mfomum, mit dem Beinamen Ngale, in Handelsverbindung, was den Handel, der besonders Dielt Elfenbein ergiebt, so nachteilig beeinflußt, daß unsere- deutschen Kaufleute kaum nennenswerte Erfolge erzielen. Diesem wollte Regierungsassessor Freiherr v. Gagern ab­helfen und versprach dem Disake, er wolle ihm den Weg, wieder öffnen und ihm die ihm gewaltsam weggenommenen Dörfer, die an diesem Wege gelegen sind, zurückgeben.

Der Weitermarsch erfolgte nach einer Stunde Rast, und dann wurde das gleichfalls dem Disake gehörige Dorf Ndol gegen 2 Uhr 15 Min. erreicht. Zwischendurch sind noch Marschpausen gewesen.

Hier erklärte Herr v. Gagern dem Missionar Müller,, er solle in diesem Dorfe mit fünf Soldaten und dem Gepäck bleiben. Herr v. Gagern marschierte darauf jn* furchtbarster Sonnenhitze mit 15 Soldaten weiter, passierte noch zwei Ortschaften, und da in der Front die Kriegs­trommel und Schießen zu hören, so entschloß er sich, das, letzte vor einem großen Hügel liegende Dorf, das er feind­licherseits besetzt glaubte, zu nehmen. t

Deinen Gebeinen. Ob Dein Grab heute auch mit frischen Blumen geschmückt sein mag? Wohl kaum! Das ganze Jahr hindurch kommt niemand zu Dir. Du bist verlassen! auf ewig! Du bist nicht mehr!

Doch Deine Seele ist unsterblich, in den Werken, die Du vollbrachtest, in den Gedanken derer, die Dich liebten, die Du liebtest, und die Dich lieben, so lange sie leben. Von Deinen Vätern hattest Du Deine geistige Kraft ererbt, durch ihre Arbeit und dieses Erbe macht die Väter un­sterblich, indem Du es Dir durch eigene Arbeit von ihnen erwarbst. Doch Du hast zu Deinem Erbe gar vieles durch wackeres Wirken hinzuerworben um den Menschenwert in Deiner Gemeinde nach bestem Können. Du hast Dir, wie jeder, der sich und allem gegenüber seine Pflicht thut, Un­sterblichkeit errungen, indem Du Deinen geistigen Besitz an Deine Angehörigen abtratest, die selbst die Unsterblichkeit erlangen werden durch den Erwerb der Grundlage, die Du ihnen schufst, und durch deren weiteren wackeren Ausbau.

Doch Dein Leib ist hin.....

Wie lange noch dauert'«, und von dem Hügel über Dir ist kaum eine Spur mehr. Der Friedhof ist vielleicht eine grüne Wildnis ohne Weg und Steg. Ueber Dir wuchert hohes GraS, aus dem gelber Löwenzahn grell hervorleuchtet. DaS Kreuz ist halb eingesunken, schief, verwittert. Die In­schrift ist verlöscht, mit Moos überzogen.

Dumme Pfingstgedanken! Ich werde zu S. gehen und eine halbe Flasche Chablis aus mein Wohl leeren.

Auf dem Hügel wollte, wie gerüchtweise verlautete, der Häuptling Lombi die Expedition aufhalten. Dev Führer wurde von Herrn v. Gagern später sofort zurück­gesandt, weil sich herausstellte, daß das Dorf nicht feind­lich besetzt war, sondern noch zu Disake gehörte und außer diesem kein Dorf, sondern nur ein Platz, bestehend aus» zerfallenen Palmhütten, vorhanden war.

Genommen wurde dieser Platz durch- großen Anlauf mit Gagern an der Spitze. Als Herr v. Gagern als Erster am jenseitigen Dorfausgange erschien, rief er, auf die Nachricht hin, der große Hügel sei nahebei, und nachdem er noch eine kurze Strecke weiter gegangen war, den Missions­dolmetscher Ngomdo, den schwarzen Lazarettgehilfen Boy- man und den Polizeisoldaten Mulei zu sich, und gab ihnen Befehl, bei ihm zu bleiben. Hierauf erteilte er dem farbigen Sergeanten Henne den Befehl, weiter vorzugehen und den Hügel zu nehmen, er käme sofort nach-, er könne jedoch jetzt nicht mehr. Hierauf stürmten die Soldaten unter Führung des Sergeanten Henne und schlugen die Buschleute! voll­ständig in die Flucht, wobei einige bet Feinde fielen. Das Dorf des Lombi auf dem Hügel nahmen die Soldaten in Besitz. i

Inzwischen war Herr v. Gagern mit Unterstützung, der drei genannten Leute langsam bis zur halben Hügelhöhe nachgefolgt, legte sich dann aber plötzlich lang auf die Erde und schiien sehr ermüdet. Die Leute hoben ihn auf, und der Polizeisoldat Mullei bettete den Kops des Herrn v. Gagern in seinen Schoß. Gagern soll hierbei über furchtbare Kopfschmerzen geklagt haben, hatte aber noch die Kraft, aus dem Karabiner zwei Schüsse abzugeben, dann reichte er die Waffe dem Boyman weiter mit dem Befehl, er s olle schießen, desgleichen mußte Mullei schießen.

Dieses Handeln scheint schon im umnachteten Geiste geschehen zu sein, da die Buschleute vou den Soldaten bereits in die Fluchit geschlagen waren. Kurz darauf gab Herr v. Gagern auf Fragen keine Antwort mehr. Boyman lief zu Henne und teilte ihm mit, daß Herr v. Gagern sehr schwer erkrankt sei und nicht weiter könne. Henne kam sofort mit fünf Soldaten zurück, fand Herrn v. Gagern bereits in der geschilderten Verfassung und trug nunmehv mit den Soldaten Herrn v. Gagern nachs dem Dorfe auf den Hügel. Hier legten sie den Sterbenden an einem kühlen Orte nieder und versuchten, ihm alle Erleichterungen) zu Teil werden zu lassen.

Der Missionsdolmetscher Ngando ging in Begleitung einiger Soldaten zu dem Missionär Müller, um ihn zu holen. Müller traf nach ungefähr 70 Minuten ein und fand Gagern bereits verstorben vor. Der Tod trat gegen viereinhalb Uhr ein. Die Wiederbelebungsversuche des Herrn Müller waren erfolglos. Vorher hatten Soldaten versucht, Wasser zu finden, jedoch war in weiter Runde keines vorhanden. Herr v. Gagern und der Lazarettgehilse sollen auch keine Flüssigkeiten mitgenommen haben.

Die Soldaten beschlossen, den Leichnam mitzunehmen, und traten alsbald ihren Marsch an. Dev Rückmarsch machte den Eindruck eines Leichenzuges.

Am 18. März wurde die Station Nyamtan. erreicht. Desselben Tages im Laufe des Vormittags wurden die irdischen Reste des Verstorbenen am schönsten Platze auf der Mission unter drei Palmen begraben. Hierauf erklärte der Polizei-Inspektor Biernatzky der vollzählig angetretenen Truppe, daß Gagern im Gefecht gefallen und ließ, nachdem er am Grabe ein kurzes Gebet.gesprochen, drei Salven ab- geben.

Aus Stadt und Kand.

(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte-, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 6. Juni 1900.

Persoualuachrichlen. Der Gerichtsassessor Gill er in Darmstadt wurde mit Wahrnehmung der Dienst­verrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Darm­stadt I und der Gerichtsassessor Maser in Darmstadt mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Gießen beauf­tragt. Zum Rentamtsgehilsen wurde ernannt am 29. Mai Georg Jakob Schneicker aus Dornheim mit Wirkung vom 6. Juni l. I.

* Landeslotterie. Jetzt nahe vor dem 11. Juni, dem Ziehungstage der 3. Klaffe unserer Hess. Landeslotterie, ist gewiß ein Hinweis darauf nicht ohne Interesse, daß von den 11 000 Gewinnen im Gesamtbetrag von 4 446 000 Mk. bisher nur 1800 Gewinne mit zusammen 316 164 Mk. zur Ausspielung gelangt sind, daß also in den noch stattfindenden 3 Ziehungen 9200 Gewinne mit 4 129 836 Mk., somit noch fast 93 Prozent der Summe aller Gewinne, zur Verlosung gelangen. Da an der letzteren in der 3. Klasse nur noch 31 200, in der 4. Klasse 30 300 und in der 5. Klaffe 29 400 Lose teilnehmen, so kann von einer Verminderung der Gewinnaussichten noch keine Rede sein und wird dies allen denjenigen zum Tröste gereichen, die erst jetzt zu dem Entschlüsse kommen, einmal durch Kauf eines Loses der hessischen Landeslotterie dem Glücke die Hand zu bieten. Nach dem Erwähnten erscheint es zugleich ganz selbstver­ständlich, daß jeder, der die beiden ersten Klassen mitgespielt hat, sich auch in den weiteren Klaffen an der Lotterie be­teiligt, denn die beiden ersten bereits abgespielten Klaffen haben dem Lotterieteilnehmer vermöge ihrer verhältnismäßig sehr geringen Gewinnausstattung eine dem Einsätze ent­sprechende Gewinnaussicht überhaupt noch nicht bieten können. Dies geschieht erst bei vollkommener Durchspielung einer Lotterie und zwar im wesentlichen erst in 5. Klaffe. Es wird daher darauf aufmerksam gemacht, daß die Erneuerung der Lose zur 3. Klaffe nunmehr schleunigst stattfinden muß.

Ober Rosbach, 6. Juni. Als Kuriosität berichtet derOberheff. Anz.", daß Friedberger Bäcker Brot und Wecke, die sie doch erst hierherfahren müssen, die also Transportkosten verursachen, hier billiger verkaufen, als in Friedberg selbst. So kostet z. B. Brot, das in Friedberg zu 47 Pfg. verkauft wird, hier nur 43 Pfg.; ebenso be­kommt man hier 9 Wecke für 20 Pfg., während die Fried­berger nur 7 Wecke dafür bekommen.

Darmstadt, 5. Juni. Die Prinzessin Heinrich von Preußen besuchte heute vormittag mit der Schlüffel- dame Freiin v. SenarclenS-Grancy das Mausoleum auf

der Rosenhöhe und kehrte sodann wieder nach Wolfsgarten zurück. Die Prinzessin Heinrich von Preußen nebst den Prinzen Sigismund und Heinrich sind heut- abend von Jagdschloß Wolfsgarten wieder nach Kiel zurück­gereist. In deren Gefolge befindet sich die Hofdame Fräulein v. Plänkner.

Darmstadt, 5. Juni. Die Veranstaltungen der in diesen Tagen hier stattfindenden Hauptversammlung des allgemeinen deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande wurden gestern abend mit einer Vorfeier eröffnet. Es galt, die Vertreter auswärtiger Verbände und Ortsgruppen zu begrüßen. Der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe, Direktor SchweiSgut, vollzog diese Begrüßung. Die Präsenzliste ergab, daß sich unter den etwa 5060 Damen und Herren Vertreter aus allen deutschen Gauen befanden. Die Begrüßung der Gäste wurde durch den Vorsitzenden des Hauptvorstandes, Brandt von Berlin, erwidert, der Herrn SchweiSgut, denHans, wirf der Versammlung hochleben ließ. Profeffor Herr, mann von Baden Baden und Professor Dahn von Braun« schweig sprachen, ersterer auf den Verein und seine Be« strebungen, letzterer auf die Einigkeit in Verfolgung der Ziele, warme Worte und widmeten diesen ihr Hoch, worauf Herr Droll von Berlin der Deutschen im Auslande, und Herr Harnischfeger von Frankfurt a. M. der Damen in einem Hoch gedachte. Mit frischer Begeisterung, die seine 82 Jahre vergessen ließ, sprach Herr DiederichS von Bonn, berührte die schwere Aufgabe des Vereins, und ließ feine Worte in einem Hoch auf das deutsche Vaterland aus« klingen.

Bingen, 5. Juni. Auf dem Rheine ereignete sich heute früh bei Salzig ein Schiffsunglück. Der Schlepp­dampfer Haniel II ist mit einem Paffagierdampf- boot zufammengestoßen. Haniel II ist vollständig untergegangen, die Mannschaften konnten sich retten, nur der Kapitän trug eine leichte Verwundung davon. Der Passagierdampfer blieb ohne wesentliche Beschädigung

(?) Odenhauseu (Kreis Wetzlar), 4. Juni. Der hiesige Ort prangte heute im Festschmuck. Der hiesige, noch junge Gesangverein feierte nämlich feine Fahnenweihe, zu der sich noch sieben auswärtige Gesangvereine aus dem Kreise Wetzlar und der beiden angrenzenden Hessen ein. gefunden hatten. Zur Erhöhung der Feststimmung trug nicht allein die treffliche Witterung und die gute und billige Bedienung seitens des Festwirts bei, sondern auch die prachtvolle Lage des zudem noch reich geschmückten Fest- Platzes. Alles verlief in bester Ordnung, und die zahlreichen Festteilnehmer trennten sich mit dem Bewußtsein, einen schönen Tag verlebt zu haben.

Homburg v.d.Höhe,5. Juni. Zum mittelrheinischen Aerztetag sind heute insgesamt 120 Mitglieder hier ein» getroffen, darunter die Professoren Freund sen. und jun. aus Straßburg, Küster aus Marburg, Heidenhain aus Worms, Heffa aus Würzburg, Riegel aus Gießen, Rehn aus Frankfurt und v. BÜngner aus Hanau. Nach Besichtigung der Quellen und Bade-Einrichtungen fowie des Saalburgmuseums und nach einem auf der KurhanSterraffe eingenommenen Frühstück begannen um 1 Uhr die Vorträge in oen oberen Sälen des Kurhauses. Um 5 Uhr fand das gemeinschaftliche Diner in dem Speisesaale des Kurhause« statt. Die Firma B. B. Kassel-Frankfurt hat eine Anzahl Neuheiten chirurgischer Instrumente im Vorsaale des Audi« toriurns ausgestellt.

Die höheren Bürgerschulen.

Die rechtliche Stellung der höheren Bürgerschulen war bisher nicht in einheitlicher Weise geregelt. Die bestehen­den Verschiedenheiten in der Organisation und der Ver waltung dieser Schulen und der Mangel einer festen Rechtsgrundlage einerseits, sowie einer scharfen Abgrenz der Befugnisse und Organe dieser Anstalten andererseits, haben sich in mannigfacher Hinsicht als der gedeihlichen Entwickelung der höheren Bürgerschulen hinderlich er wiesen. Die hieraus sich ergebenden Unzuträglichkeiten sind in vermehrter Weise hervorgetreten, seitdem die höheren Bürgerschulen im Jahre 1898 unter Beseitigung der frü Heren Ausfichtsbesugnisse der diesen Anstalten örtlich näher stehenden Kreisschulkommissionen der Ministerial-Abteilung für Schul-Angelegenheiten direkt unterstellt sind.

Es erscheint deshalb, sowie auch im Hinblick auf die beträchtlichen Mittel, die der Staat für diese Schulen auf wendet, geboten, eine einheitliche Rechtsgrund­lage für die Verhältnisse der höheren Bürgerschulen zu schaffen. Diesem Bedürfnis sucht ein der Kammer zu­gegangener Gesetzentwurf Rechnung zu tragen.

In diesem Entwurf wird als Aufgabe der höheren Bürgerschulen die Gewährung einer über die Ziele der Volksschule hinausgeheuden Schulbildung be­zeichnet, sowie gegebenen Falls die Vorbereitung der Schüler zum späteren Uebertritt in höhere Lehranstalten; Die unter dem Namenhöhere Lehranstalten" zusammen­gefaßten Lehranstalten weisen im einzelnen eine ver­schiedene Entwickelung auf. Sie stellen sich der Regel nach als sogenannte verkürzte Anstalten dar. Ihrer recht' lichen Stellung nach gehören jedoch auch vollktassige An­stalten, wie beispielsweise die zehnstufige höhere Mädchen­schule zu Alzey, die je zwei Jahreskurse in einer An­stalt vereinigt, in die Kategorie der höheren Bürger­schulen, ebenso die mit einem Progymnasium vereinigte höhere Bürgerschule zu Dieburg.

Der Lehrplan ist deshalb für die einzelnen höheren Bürgerschulen unter Berücksichtigung der verschiedenen ört­lichen Bedürfnisse und Verhältnisse Durch die oberste Schul­behörde festzustellen. In pkr Regel soll er sich an Die Lehrpläne der Realschulen, bezw. an die der höheren Töchterschulen anschließen. Bedingung für die Ausnayme der Schüler und Schülerinnen bildet der Regel fnach Die Zurücklegung des dritten Schuljahres. Ausnahmen sollen nur für solche Schulen, an denen Vorschulklassen fcereiu bestehen, unter besonderen Verhältnissen durch die oberste Schulbehörde gestattet werden können.

Die Genehmigung zur Errichtung einer