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Nr. 5
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Sonmag den 7 Januar
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Zur Beschlagnahme des deutschen Reichspostdampsers „Bundesrat".
♦ Der Krieg der Engländer gegen die Buren tritt heute vor der alle Deutschen mit Entrüstung erfüllenden Angelegenheit des deutschen Reichspostdampsers „Bundesrat", dessen Bild wir hier bringen, an zweite Stelle. Wir sind ohne unser Verschulden mit einem Schlage in einen äußerst ernsten Konflikt geraten, der von der gesamten deutschen Presse in seiner Bedeutung vollauf gewürdigt wird. Deutsche Dampfer von englischen Truppen und Behörden beschlagnahmt!
Die nächsten Tage werden uns wahrscheinlich Nachrichten bringen, daß auch deutsche Schisse im Mittelmeer, bei Samoa oder im Atlantischen Ozean ausgegriffen worden sind. Wir sind jetzt darauf gefaßt. Daß hier offen Gewalt gegen internationales Recht und gegen die berechtigten Ansprüche anderer Völker geübt wird, darüber ist kein Zweifel. Ist man sich in Berlin des vollen Ernstes der Lage bewußt, so wird man doch die Erregung, die jedem Deutschen das Herz schwellen läßt, nicht über die nüchterne politische Erwägung der Lage und der Machtmittel Herr werden lasten. Der Dreibund kann uns in dieser Frage nichts helfen; an der Seine und an der Newa giebt es starke Parteien, die nur aus eine ernste Verwickelung Deutschlands warten, um sie im eigenen Interesse auszunutzen.
Botschafter die Zusicherung erteilt worden, daß weder von Rußland noch von Frankreich irgend unfreundliche Schritte gegen England zu erwarten seien. Wir find also ganz zweifellos allein auf unsere eigenen Kräfte angewiesen. Nur nach sorgsamster Abwägung der beiderseitigen ^Kräfte darf der leitende Staatsmann die furchtbar schwere Verantwortung des Krieges auf sich nehmen, so lange es sich nicht darum handelt, einen ehreU- vollen Untergang, ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen. Wir wünschen also, daß man kaltes Blut behält. Den besonderen Wunsch wollen wir noch hinzufügen, daß Prinz Heinrich von Preußen die peinliche Situation erspart werden möge, heimkehrend auf dem schönen Kreuzer „Deutschland" etwa einem englischen Kriegsschiff, mit einem beschlagnahmten Reichspostdampfer im Schlepptau, zu begegnen oder in Aden englische Blaujacken und Rotröcke an Bord deutscher Dampfer die Herren spielen zu sehen!
Auch dem arglosesten Deutschen müssen nun die Augen darüber aufgehen, daß in dem Verfahren Englands ein
unser den Engländern unbequem gewordener Exporthandel getroffen werden soll. Man schlägt dadurch zwei Fliegen mit einer Klappe. Die englische Presse thut in echt englischer Heuchelei unbefangen oder sie hilft sich, indem sie eine naive Unverschämtheit auf eherner Stirne zur Schau trägt. Wir müssen nach dem bisherigen Verfahren Englands, das nur als eine beabsichtigte Unverschämtheit aufgefaßt werden kann, auch aus eine Verurteilung unserer deutschen Schiffe durch die gerechten englischen Prisengerichte völlig gefaßt sein. Es wäre fast ein Wunder, wenn sich in der Ladung eines großen Schiffes nicht Dinge finden sollten, die man mit soviel gutem Willen, wie wir ihn bei „Seeräubern" vorauszusetzen haben, nicht in irgend einer Beziehung zum Kriege bringen könnte. Und so ist auch die Beschlagnahme des „Bundesrats" kein völkerrechtlich zulässiger Akt sondern eine — schwere Beleidigung der deutschen Flagge!
Wie der Einzelne ihm widerfahrene Beschimpfungen nicht einen Moment ungerächt läßt —, so können leider die Staatsmänner einer Nation nicht verfahren; nicht um ihr eigenes Leben handelt es sich, sondern um das Leben, das Wohl und Wehe von Hunderitausenden.
Mit diesen Hunderttausenden wollte einst unser Kaiser unter „Volldampf voraus" fahren. Der Dampf scheint uns aber ausgegangen zu sein.
wohlberechnetes System steckt. Von Uebergriffen englischer Kommandanten kann keine Rede sein, es erscheint vielmehr sicher, daß alle diese Kommandanten nach einer von Londo?-. aus er gangen en einheitlich cnParole handeln. Wir zweifeln nicht daran, daß außer den
In einer Audienz beim Zaren ist dem britischen | Regierungen der Burenstaaten durch die Maßregel auch
London, 5. Januar. „Central News" erfährt ans Berlin, die amtliche englische Antwort auf die deutsche Note wegen des „Bundesrats" habe in der Wilhelmstraße durch ihren dilatorischen Charakter und die ungenügende Aufklärung über den Thatbestand verstimmt. Man fasse nun dort den Zwischenfall ernster auf. Ein Lloyd- telegramm aus Hamburg vom heutige» Tage sagt endgiltig, die Behauptung englischer Blätter, der „Bundesrat" führe Kontrebande, sei durchaus unbegründet.
Berlin, 5. Januar. Wie der „Lok.-Anz." zu berichten weiß, ist auf den Einspruch, den das Auswärtige Amt wegen der Beschlagnahme des „Bundesrat" in London erhoben hat, von dort jetzt eine dilatorische Antwort einge- Iroffen. Die englische Regierung stellt sich darnach auf den Standpunkt, daß erst das Ergebnis der örtlichen Untersuchung in Durban und der Spruch des Prisengerichtes abgewartet werden müssen. Die Vergewaltigung des Reichspostdampfers „General" dürfte auf diese Antworten noch nicht miteingewirkt haben. Man rechnet unter diesen Umständen hier mit der Möglichkeit weiterer Beschlagnahmen deutscher Schiffe und beginnt die Lage ernster anzusehen.
Berlin, 5. Januar. Zu der Londoner Meldung, daß der von den Engländern bei Aden beschlagnahmte deutsche Dampfer „General" wieder freigegeben worden sei, bemerkt die „Post", daß an hiesiger unterrichteter Stelle bis jetzt noch keine Bestätigung dieser Meldung eingetroffen ist.
Berlin, 5. Januar. Ein Berichterstatter schreibt über eine Unterredung mit dem hiesigen portugiesischen Ge
sandten, daß die portugiesische Regierung, sofort nachdem die Mitteilung von der Beschlagnahme des deutschen Reichspostdampfer „Bundesrat" in Liffabon bekannt wurde, an sämtliche Großmächte eine Note sandte, in der sie ihre Stellung zu dem Vorgehen Englands klarlcgte. Diese Note soll eine scharfe Protesterklärung gegen das Vorgehen Englands enthalten.
Berlin, 5. Januar. Die Vorstände der Abteilungen Berlin und Berlin-Charlottenburg der deutschen Kolonialgesellschaft haben die Veranstaltung von Protest Versammlungen wegen der Beschlagnahme deutscher Dampfer durch die englische Marinebehörde abgelehnt. (!)
Hamburg, 5. Januar. Aus Durban erhielt die Ostafrikalinie in Hamburg folgende Meldung vom gestrigen Tage: Die Behörden glauben, daß Kontrebande an Bord des „Bundesrat" sei. Der Kapitän des Schiffes er» schien heute vor dem Prisengericht. Die Ladung wird wahrscheinlich zur Untersuchung gelandet werden.
Berlin, 6. Januar. Die „Volksztg." erhält von ihrem Londoner Korrespondenten vom gestrigen Tage folgendes Telegramm: Die „BundeSrat"-Affaire wird trotz der entgegengesetzten Preß-Nachrichten sicherlich eine freundschaftliche Erledigung finden, da die Beziehungen der beiderseitigen Regierungen die besten sind. Prof. Holland in Oxford, der Verfasser des besten, als maßgebend betrachteten Werkes über Prisen-Gerichte ist der Ansicht, daß die voraussichtliche Bestimmung einer Schiffsladung für die Beschlagnahme eines Schiffes maßgebend sei und hält die Anwesenheit von Leuten, die in Transvaal Dienst nehmen
könnten, für ausschlaggebend. (Offenbar stützt sich das englische Auswärtige Amt auf das Urteil des Professors Holland).
London, 6. Januar. Hiesigen Blättern zufolge ist ei» Spezi al- Ko urier des deutsch en Kaisers mitBri es en und Depeschen i n Osborne eingetroffen. Diese Briefe sollen, wie behauptet wird, sich auf die Beschlagnahme des „Bundesrat" beziehen.
Rom, 6. Januar. Nach einer unbestätigten Zeitungsmeldung wurde in Neapel ein deutscher Dampfer, vermutlich der „Kanzler" an der Weiterfahrt nach Südafrika verhindert, weil die als Lazarett-Material bezeichnete Ladung aus Kricgs-Contrebande besteht. Thatsache ist, daß England alle italienischen Häfen scharf überwacht, nachdem den in verschiedenen Städten erschienenen Werbern Englands so scharf auf die Finger gesehen wird.
Wie rech^ wir mit unserer oben dargelegten Ansicht hatten, und wie richtig die soeben citierte „Zeitungsmeldung" ist, bestätigt uns folgendes Telegramm:
Paris, 6. Januar. Nach einem Telegramm aus Marseille wurde der deutsche Dampfer „Kanzler", an dessen Bord sich die holländische und russische Ambulanz des Roten Kreuzes, sowie der deutsche Konsul in Lorenzo Marquez bc- finden, angehalten und ein Teil seiner Ladung beschlagnahmt.


