Woche stand die politische Erörterung noch immer im Zeichen des Falles PosadowSky-Woedtke-Bueck. Der Versuch des Leipziger sozialdemokratischen Blattes, zu dem ersten Zwölftausend Mark-Fall noch einen zweiten zu kon» struieren, ist mißglückt, aber der Thatbestand des ersten Falles konnte von keiner Seite bestritten werden. Selbst diejenigen, welche geneigt sind, das Verhalten des Reichsamtes des Innern zu entschuldigen und zu verteidigen, haben doch zumeist wenigstens eingestehen müssen, daß hier ein ^bedauerlicher Mißgriff" vorliege. Wie die Angelegenheit sich weiter entwickeln und ob sie nach der einen oder anderen Richtung hin politische Folgen zeitigen wird, bleibt abzuwarten, das aber steht fest, daß die Regierung im Reichstage keinen leichten Stand haben wird, die Angriffe, die dort gegen das Reichsamt des Innern mit Sicherheit zu erwarten sind, abzuwehren.
Dagegen haben die Bemühungen der Regierung, in Sachen der chinesischen Frage wenigstens mit einer Halbwegs geklärten Situation vor den Reichstag treten zu können, in letzter Zeit eine wesentliche Förderung erfahren. Das deutsch-englische Abkommen, das zuerst von etlichen Politikern, die deutscher zu sein glauben als andere, heftige Anfeindungen zu erdulden hatte, hat sich in der Thal als ein Erfolg der deutschen Politik erwiesen, und der neue Reichskanzler kann sich rühmen, sich hiermit auf dem Gebiet der auswärtigen Politik in sein Amt eingeführt zu haben. Wie erinnerlich, enthält das deutsch englische Abkommen vier Punkte. Artikel 1 proklamiert die Politik der offenen Thür für China, und Artikel 2 enthält die Verpflichtung, den Territorialbestand des chinesischen Reiches unvermindert zu erhalten. Die Artikel 3 und 4 haben nur eine sekundäre Bedeutung. Artikel 3 enthält den Vorbehalt etwaiger Schritte zur Sicherung der eigenen Interessen falls eine andere Macht territoriale Vorteile in China an strebt, und Artikel 4 enthält die Aufforderung an die anderen Mächte, diesem Abkommen beizutreten. Dieser letzteren Aufforderung sind alle Mächte bezüglich der Artikel 1 und 2 insofern gefolgt, als sie ihre Zustimmung dazu unverkennbar geäußert haben, und damit hat der Eventual-Artikel 3 jede praktische Bedeutung verloren. Dieser Erfolg ist um so höher anzuschlagen, als mehrfach von Seiten Frankreichs und Rußlands und auch der Vereinigten Staaten von Amerika Schwierigkeiten erwartet wurden. Aber Rußland und Frankreich haben jenem deutsch-englischen Programm nicht gut widersprechen können, ohne ihrem eigenen Programm ins Gesicht zu schlagen. Und waS die Vereinigten Staaten von Amerika betrifft, so hat man dort längst erkannt, daß in der chinesischen Frage jede Sonderaktion ebenso gefährlich und schädlich wäre, als der einige Zeit lang ins Auge gefaßte Verzicht auf jegliche Aktion.
In den Vereinigten Staaten von Amerika sind zurzeit überhaupt alle politischen Interessen zurück getreten vor dem Kampf um die Präsidentschaftswahlen, deren Beginn unmittelbar bevorsteht. * Aus diesem Kampf sind zurzeit sowohl die chinesische wie die anderen internationalen Fragen ausgeschieden, und die Demokraten beschränken sich auf die Parole: „Für das Silber und gegen den Imperialismus!", die Republikaner auf die Parole: „Gegen das Silber und für den Imperialismus!" Was die Aussichten der Wahl betrifft, so behaupten beide Parteien, sowohl die Republikaner, deren Kandidat MacKinley ist, als auch die Demokraten, deren Kandidat Bryan ist, daß ihnen der Sieg sicher sei, aber nach den Stimmungsberichten aus Washington scheinen die Aussichten der Republikaner die größeren zu sein.
Aber wie auch die Wahl ausfällt, die einstmals von den Buren gehegte Hoffnung, daß sie von Amerika aus irgend welche Schritte zur Hilfeleistung zu erwarten hätten, hat sich längst als eitel erwiesen. Nicht minder aussichtslos scheint der letzte Versuch zu sein, den Präsident Krüger unternimmt, um die eine oder andere der europäischen Mächte zu einer Intervention zu veranlassen und auf diese Weise wenigstens die völlige Vernichtung der Burenstaaten abzuwenden. Im Uebrigen haben die Engländer das Fell des Bären zerteilt, bevor er erlegt ist. Auf dem südafrikanischen Kriegsschauplatz geht der Guerillakrieg noch immer seinen Gang und die Hoffnungen der Engländer, diesen Krieg in absehbarer Zeit zu beendigen, haben sich erheblich herabgestimmt. Wenn übrigens Chamberlain gehofft hat, auf Grund der zweifelhaften südafrikanischen Erfolge zu einem höheren Gipfel der Macht emporzuklettern, so hat er sich geschnitten. Lord Salisbury hat sich entschlossen, fürs erste an der Spitze des Kabinetts zu verharren, und wenn er auch auf die Leitung der äußeren Politik verzichten will, so geschieht dies nicht zugunsten des Herrn Chamberlain.
Trostlos sehey die Verhältnisse in Spanien aus. Die ungeheure wirtschaftliche Kalamität ist der Boden, auf dem me Karlistenbewegung neue und reiche Nahrung gefunden hat. Die erst kürzlich beigelegte Kabinettskrisis erscheint bedeutungslos gegenüber der chronischen wirtschaftlichen und politrschen Krisis, bie das Land unaufhaltsam dem Niedergang entgegensuhrt.
Potitifche Tagesschau.
Wir lesen in der „Voss. Ztg.":
Die lebhafte Beängstigung, die in weitesten Kreisen der I-abak- industriellen infolge der Bestrebungen einzelner T-b!?pfl-m7r»ur Erhöhung -e- Ta-akschutzzoveS und der gleichzeitigen Versuche eine Erhöhung deS bestehenden EingangSzolle« auf Eiaarren und Cigaretten Platz gegriffen hat, sucht man jetzt durch die Nachricht zu beruhigen, daß in dem neuen Zolltarif der EinganaSroll auf Rohtabak tn der alten Höhe erscheinen werde. Wir bemerken dazu, daß daran eigentlich niemand gezweifelt hat, aber ebensowenig ist eS zweifelhaft, daß bet der Beratung deS neuen Tarif« im Reichstage und in der Kommission deS Reichstages der Antrag auf eine Verdoppelung des bestehenden Schutzzolles gestellt werden wird. Ob die Einbringung dieses Antrages seitens des Zentrums oder der nationalliberalen Partei geschehen wird, ist ziemlich gleich-, gtlttg. Sicher ist aber, daß in beiden Parteien nicht alle Mitglieder
gleicher Ansicht sind; e8 giebt viele, bie gegen einen solchen Antrag sind, besonders solche Abgeordnete, welch! in Wahlbezirken gewählt worden stad, in denen eine starke E'garrenindustrte zu Hause ist.
Am 7. Dezember 1899, nachmittags 2 Uhr, übergab der italienische Justizminister Bonasi dem Kammerpräsidenten Colombo ein versiegeltes Paket. Es enthielt das B e - lastungSmaterial gegen den Abgeordneten für Palermo I, den Gutsbesitzer, Gemeinderat, Großoffizier des italienischen Kronenordens, Komtur deS griechischen Erlöserordens und anderer Ehrenzeichen, Raffaele Palizzolo, geb. 1845, wegen Anstiftung des Mordes an dem Bank- Direktor Notarbartolo zu Palermo. Um 5 Uhr erstattete der ad hoc eingesetzte Untersuchungsausschuß von fünf Abgeordneten den Bericht an daS Parlament, der die Aberkennung der parlamentarischen Unverletzlichkeit des Abg. Palizzolo begehrte. Um 6 Uhr abends hatte die Kammer mit 320 Stimmen gegen 16 dem Justizminister die Erlaubnis zur strafrechtlichen Verfolgung des Angeschuldigten gegeben. Um 6 Uhr 10 Minuten ging daS Telegramm des Gesamt- ministeriumS an den Präfekten nach Palermo, den Angeschuldigten augenblicklich zu verhaften. Um 7 Uhr 5 Min. traf dessen Nachricht ein, daß Palizzole dem Gefängnis eingeliefert sei. Um 7 Uhr 20 Min. wurde der telegraphische Dienst mit der Insel ©teilten, der für das Publikum von nachmittags 2 Uhr an suspendiert war, wieder freigegeben. Alle diese energischen Vorkehrungen deS Generals Pelloux und des Justizministers Bonasi waren wohl angebracht; denn Palizzolo als Haupt der Maffia hatte seine Flucht nach Griechenland aufs sorgfältigste vorbereitet und Freunde im Parlament gerade genug, die ihn rechtzeitig zu warnen willens waren. Die Voruntersuchung begann sofort und führte zur Verhaftung von Notarbartolos Mörder, dem Guts aufseh er Fontana. Gleichzeitig aber griff der Untersuchungsrichter eine andere Strafsache auf: die Erforschung eines anderen Mordfalles, worin das sterbende Opfer Gott und seine Heiligen als Zeugen dafür angerufen hatte, daß niemand anders als der schlimme Nachbar Palizzolo den Auftrag zu seiner Ermordung gegeben habe. Dieser Ermordete war der Gutsbesitzer Francesco Miceli. Schon Ende der 80er Jahre geriet Miceli in Streit mit seinen Nachbarn Vitale und Palizzolo wegen verschiedener diesen wenig bequemer Weg- und Wasserdienstbarkeiten. Miceli hatte auf seiner Seite das Recht, das Haupt der Maffia aber die Macht. Zuerst wurde darum — die Herren Mörder auf der altfeudalen Insel sind höfliche Leute — Mieeli eindringlich gewarnt, einmal, zweimal, zuerst mündlich, dann symbolisch. Als er eines Abends in Begleitung seiner Frau heimkehrte, ging aus nächster Nähe ein Schuß los. Miceli tröstete die geängstigte Frau mit den Worten: „Hab' keine Furcht. Der Schuß war blind, es ist die letzte gütliche Ermahnung der Maffia, sie war mir vor drei Tagen angekündigt!" Palizzolo als richtiger Güterschlächter erbot sich damals, die besten Stücke des Micelischen Gutes Gentile um eine Bagatelle zu kaufen, aber Miceli wies das listige Angebot ab, wodurch dem Käufer der Rest des Gutes von selber zufallen mußte, und fügte seiner Weigerung die Bemerkung hinzu, er verachte die Drohungen der Maffia. Damit war sein Los besiegelt. Am Abend des 17. Juli 1892 wurde Miceli, als er von einem Trauerbesuche heimfuhr, an der Seite seiner Frau durch Flintenschüsse ermordet. Die in vier Bänden zu je 500 Seiten niedergelegte Voruntersuchung schloß mit der Verweisung Palizzolos wegen Anstiftung zum Mord und der Gebrüder Vitale und des Palizzolo'schen Feldhüters Trapani wegen Ausführung des Mordes vor das Schwurgericht. Die Verhandlung wird selbstverständlich nicht vor sizilianischen, sondern vor oberitalienischen Geschworenen stattfinden. Das Ergebnis im Fall Notarbartolo, das sieben Foliobände füllt, ist erst in etwa drei Wochen zu erwarten.
Aus Stadt und Kand.
Gießen, 5 November 1900.
** Personalnachrichten. Mit Wahrnehmung der Tienstverrichtungen eines Amtsrichters wurden beauftragt bei dem Amtsgericht Offenbach der Gerich^sassessor Dr. Mahr in Offenbach, bei dem Amtsgericht Seligenstadt der Gerichtsassessor Dr. Jäger in Darmstadt, bei dem Amtsgericht Gießen der Gerichtsassessor Schumacher in Gießen, bei dem Amtsgericht Alzey der Gerichtsafsessor Hörtfch in Wöllstein, bei dem Amtsgericht Wöllstein der Gerichtsassessor B o n h a r d in Alzey; mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Staatsanwalts am Landgericht der Provinz Oberhessen der Gerichtsassessor Dr. Maurer in Darmstadt; mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsanwalts bei den Amtsgerichten Darmstadt, Groß-Gerau und Langen der Gerichtsassessor Kißner in Mainz, bei den Amtsgerichten Offenbach und Seligenstadt der Gerichtsassessor Bernhards in Büdingen und bei den Amtsgerichten Büdingen, Altenstadt, Nidda, Ortenberg und Schotten der Gerichtsassessor Dr. Weiffenbach in Friedberg.
** P o stp e r s o n a l n achr ich t e n. Versetzt sind: die Postkassierer Brügge mann von Offenbach (Main) nach Chemnitz als com. Postinspektor und Schultze von Windhoek (Deutsch-Südwestafrika) nach Offenbach, der Oberpostdirektionssekretär Hedler von Darmstadt nach Brandenburg als com. Postkassierer und der Postsekretär Ger- d i n g von Minden nach Darmstadt als com. Ober-Post direktionssekretär; ernannt ist zum Ober-Postdirektions- sekretär der Postsekretär Eh le in Darmstadt: angestellt sind: als Postassistent der Postanwärter Kuhl in Büdingen : als Telegraphenassistent die Telegraphenanivärter Gresser in Darmstadt und M e ch l e r in Mainz; angenommen ist als Postagent der Gemeinderechner und Post- hilfsstelleninhaber Biedert in Dalehim; in den Ruhestand übergetreten ist der Postdirektor Andreß in Darmstadt; gestorben ist der Postverwalter a. D. Jochim in Birkenau. — Der frühere Postassistent C o l l m a n n , der seit 1890 in Bangkok thätig ist, wurde zum Generalinspektor der siamesischen Post- und Telegraphen-Ver |
Wallung ernannt. (Collmann ist Hesse, Sohn des Tier-» arzts Collmann in Hanau: er war vor 14 Jahren noch hier in Gießen als Postgehilfe thätig.)
** Verlorene Gegen st än de auf der Eisenbahn. Als eine Erleichterung für die Reisenden zur Wiedererlangung in Verlust gerathener Gegenstände stellt sich eine Einrichtung dar, die jetzt auf^, den preußischen Staatsbahnen getroffen worden ist. Die Zugführer der Personen- und Schnellzüge sind mit Formularien zu Verlust-Anzeigen ausgestattet worden, die von den Reisenden während der Fahrt ausgefüllt und auf der nächsten geeigneten Station abgegeben werden können. Bisher konnten diese Formulare nur bei den Stationen entnommen werden, was immerhin etwas Zeitversäumnis verursachte.
** Ein bedauerlicher Unfall. Der Heldendarsteller des Nürnberger Stadttheaters, Herr Dietz sch, der zurzeit bie dem dort garnisonierenden Feloartillerie - Regiment sein Einjährig-Freiwilligenjahr abdient, gleichzeitig aber mit Bewilligung des Prinzregenten seine Thätigkeit am Stadttheater sortsetzen darf, ist bei einer Reitübung so unglücklich gestürzt, daß er sich eine Schulterverletzung zuzog, die ihn nach beiden Richtungen hin für einige Zeit dienstunfähig macht. Herr Dietzsch ist auch den hiesigen Theaterfreunden wohl bekannt.
§ Butzbach, 5. November. Gegen die Früher- legung der obligatorischen Fortbildungsschule macht sich hierorts eine Opposition im Kreise der Industriellen und Handwerksmeister geltend, weil dieselben durch die Entziehung der Lehrlinge in der Zeit von 1—3 Uhr angeblich geschädigt würden.
** Nidda, 3. November. Die Gemeinde Bad Salzhausen hat sich, wie schon kurz gemeldet, während sie früher zu Kohden gehörte, nunmehr auf eigene Füße gestellt. Aus den Einwohnern, die die gesetzliche Zeit dort wohnen, wurde ein Gemeinderat von sieben Mitgliedern gebildet. Neuerdings ist die Gemarkung durch Geländeankauf aus der anstoßenden Feldmark Geiß-Nidda arrondiert worden. — Die freiwillige Feuerwehr wird den Geburtstag des Großherzogs und der Großherzogin durch einen Kommers begehen; jedoch soll dem Vernehmen nach mit Rücksicht auf das Totenfest ein anderer Tag als der 25. November gewählt werden, wodurch man allen Wünschen gerecht werden will. — Das Wintersemester der erweiterten Handwerkerschute hier hat am 1. November mit 12 Schülern der Oberklasse und 2 Modellierhospitanten, 10 der ersten Kl., 12 der zweiten Kl. für die Tagesschule begonnen. Tie gewerbliche Abendschule besuchen 20 Schüler. Die Sonntags- schule wurde im Sommer von 88 und wird jetzt von 66 Schülern besucht. — 7 Herren unterrichten zum Teil an den verschiedenen Schulen. An der Tagesschule lehren 5 und 1 im Modellieren; an der Abendschule und Sonntagsschule sind je 2 Lehrkräfte beschäftigt.
Mainz, 2. November. Die hier wohnende verhetratete Sängerin Wichert von Frankfurt a. M. hat sich heute morgen um 3 Uhr in den Rhein gestürzt. Ein Schiffer von dem Dampfer „Moselana" hörte den Hilferuf der Frau und rettete die Lebensmüde.
Worms, 1. November. An die Mitglieder der Stadt- verordneten-Bersammlung hat Oberbürgermeister Köhler die Einladung zu einer Trauerversammlung aus Anlaß des Ablebens des Finanzministers a. D. Wilhelm Küchler in Darmstadt auf Freitag, 2. November, vormittags */,12 Uhr in den Rathaussaal ergehen lassen. Die Versammlung ist öffentlich. ____________________
Vermischtem
* Heidelberg, 1. November. Heule nachmittag stch der 50 Jahre alte Friseur Josef Miller, den ein Nervenleiden plagte, von der Teufelslanzel, dem bekannten, etwa 200 Meter hohen Aussichtspunkt, herabgestürzt. Er war sofort tot. .
• München, 4. November. Dieser Tage wurde auf einer Wiese unweit der Ecke der Rosenheimer- und Orleans» stcaße die der Prostitution ergebene 17jährige Dienstmagd Franziska Dachs ermordet aufgefunden. Die Lerche wies eine große klaffende Schnittwunde an der linken Halsseite auf. Bald nach Auffindung der Leiche wurden zwei vagierende, zur Klasse der Zuhälter gehörige Bäckerburschen und ein der Prostitution ergebenes Weib aufgegriffen. Letzteres erklärte, am letzten Sonntag mit der Dachs der Prostitution nachgegangen zu sein. 8 \
abends sei die Dachs mit einem fremden Burschen auf die Wiese gegangen. Gleich darauf s-i dt-s-r «ursche geflohen und ihm ein Kamerad, der aus der Strafe gewartet hatte, nachgeeilt. Di- beiden Backer und da« W-.b habendann angeblich die Dachs gesucht, diese al« L-tche gesunden und sich sofort, ohne irgend itmanb Mitteilung zu machen, m die Stadt begeben. Nach dem heutigen Stand der Erhebungen besteht kein Zweifel, daß die Angaben richtig sind. Als Thäter wird nunmehr verfolgt: Kook (auch Cok), Guiseppe, lediger Ziegelarbeiter von Buja bei Gemona, Provinz Udine, etwa 1,69 Mtr. groß, untersetzt, schwarze Haare, schwarzer Schnurrbart, ovale Gesichtsform, gesunde Zähne, spricht ziemlich gut deutsch, trug ber Der Flucht dunkelbraunen Sackanzug und schwarzen, weichen, oben eingedrückten Filzhut. Sein mir ihm flüchtig gegangener Kamerad ist der Ziegeleiarbeiter Antonio Mizzau, vulgo „Gendarmen-Toni" (Carabinierie-Toni), 32 Jahre alt, mittelgroß, etwa 1,69 Meter, schlank, mit dunklen Haaren, dunklem Schnurrbart, ovaler Gesichtsform, gesunder Gesichtsfarbe, schwarzen Augenbrauen, spricht rasch und hat aufgeregtes Benehmen. Er trug bei der Flucht grüne« Hut mit weißer, langer Flaumfeder, grüne Joppe, helle, weiß und schwarz karrirte Hose und schwarze Lederschuhe. Auch Mizzau spricht ziemlich gut deutsch. Kook und Mizzau standen bisher in einer Ziegelei in Unterföhring bei München in Arbeit, waren am letzten Sonntag in München uub kamen am folgenden Morgen uach Unterföhring zurück. Hier packten sie ihre Sachen und verließen die Arbeit, unter dem Vorgeben, in ihre Heimat reisen zu wollen-


