erachtet die 47. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands es als eine wichtige Ausgabe der Gesetzgebung und Verwaltung, der bedrängten Landwirtschaft weitgehenden Schutz angedeihen zu lassen, insbe sondere auch durch Berücksichtigung der berechtigten Forderungen der Landwirte bezüglich einer notwendigen Erhöhung der bestehenden Zölle landwirtschaftlicher Produkte bei der bevorstehenden Neufestsetzung des Zolltarifs.
Auf Antrag des rheinischen Bauernvereins, der durch den Vorsitzenden Grafen von Spee vertreten war, wurde in eine Verhandlung über das geplante Kartell der Bauernvereine nicht eingetreten, sondern die Versammlung sofort geschlossen, weil die Wahl von Zeit und Ort als dem paritätischen Eharakter der Bauernvereine zuwiderlaufend und möglicherweise beim Zusammenschlüsse aller Bauernvereinigungen nachträglich inopportun sei. Ein neuer Antrag will dem alten Gymnasium seinen rein humanistischen Charakter erhalten bezw. zurückgeben und den Realschulen ihre Berechtigung gewähren. Ein weiterer Antrag verlangt, daß die Katholiken neben dem gymnasialen Studium auch dem realen erhöhte Beachtung schenken und auf die Gründung katholischer Real - und Fachschulen hinarbeiten. Nach kurzen Erörterungen wurden alle Anträge unverändert angenommen.
feilte vormittag fand die General-Versammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland statt. Der Volksverein zählte im verflossenen Jahre 186 818 Mitglieder. Er verfolgt neben der Abwehr der Bestrebungen der Sozialdemokratie die Förderung der sozialen Reformen sowie die Hebung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage der einzelnen Berufsstände unter den Katholiken. Abg. Dr. Porsch- Breslau sprach über die soziale Frage, deren Lösung durch Niederwerfung und Mundtotmachung der Sozialdemokratie nicht zu erreichen sei. Es sei zunächst notwendig, eine praktische soziale Thätigkeit zu entfalten. Pflicht eines jeden Katholiken sei es, alle katholischen Arbeiter ohne Unterschied geistig, wirtschaftlich und gesellschaftlich, zu heben. Dem Volksverein gehören in Baiern 50 000 Arbeiter an. Abg. Rechtsanwalt Dr. Trimborn forderte zur Teilnahme an dem praktisch - sozialen Kursus in Köln aus.
Stuttgart, 4. September. Bei der heutigen Eröffnung der Hauptversammlung des deutschen Apothekervereins hielt der Minister von Pischek eine Begrüßungsansprache. Er kam daher auch auf die Ablösung der Apotheken zu sprechen und betonte unter dem Beifall der Versammlung, daß die württembergische Regierung, wenn überhaupt, nur unter entsprechender Schadloshaltung der Besitzer einer Ablösung zustimmen könne.
München, 4. September. Durch ein Handschreiben hat der Prinzregent dem König von Italien das 19. baierische Infanterie-Regiment in Erlangen verliehen und verfügt, daß das Regiment künftig die Benennung „König Viktor Emanuel III. von Italien" zu führen hat.
Ausland.
Loudon, 4. September. Der Anarchiftenführer M a l a - testa hielt in einer gestern abgehaltenen großen Versamm' lung eine Rede, in der er die That Brescis verherrlichte. König Humbert sei ein Despot gewesen und habe nur erhalten, was er verdient habe.
Paris, 4. September. Das Handschreiben des Kaisers Nikolaus II., das Fürst Urussow gestern mit dem AndreaSorden dem Präsidenten Loubet überreichte, besagt: „Es ist mir ganz besonders angenehm, Ihnen diesen Beweis meiner Wertschätzung zu einer Zeit anzubieten, wo daS so glücklich zwischen Frankreich und Rußland erzielte Einvernehmen mehr als je seinen wohlthätigen Einfluß nicht nur auf die direkten Interessen beider Länder, sondern auch auf die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens üben kann, der uns in gleicher Weise am Herzen liegt.H DaS Schreiben drückt alsdann das Bedauern des Kaisers und der Kaiserin aus, gegenwärtig die Ausstellung nicht besuchen zu können; „aber-, fährt das Schreiben fort, „ob fern oder nah, gewohnt, an allem Anteil zu nehmen, was Frankreich betrifft, begrüßen wir mit Befriedigung, was zu seinem Ruhm und seiner Wohlfahrt beiträgt." Das Handschreiben hat eine große, allerdings uneingestandene Enttäuschung hervorgebracht.
4. September. Ein aus dem süditalienischen ^-eestadtchen Giovaninazzo an den hiesigen Magistrat ge- langter Brref enthält die Anzeige, daß ein gefährlicher Anarchlst namens Luigi Boschetti nach Budapest gefahren sei, um dort an einer Anarchistenversammlung teil- zunehmen. Von Budapest seien etwa 50 Anarchisten nach Deutschland, Rußland und Rumänien gegangen, letztere, u” g°g°n den Fürsten Ferdinand
auSzusühren. Die Polizei hat sofort -ine energische Unter- suchung emgelettet, vorläufig ohne Resultat.
Aus Stadt und Kand.
Gießen, 5. September 1900.
-x. Launsbach, 5. September. Als gestern abend mit dem 8-Uhrzuge mehrere Fabrikarbeiter von der Lollarer Eisenhütte, die mit dem 6 Uhrzuge hierher gefahren waren, die Rückfahrt antreten wollten, versuchte der Fabrikarbeiter Andreas Kämmerer die Schienen vor dem einfahrenden Zuge zu überschreiten. Er wurde aber von der Maschine erfaßt, und ihm ein Arm abgefahren. Außerdem erlitt er am Kopf erhebliche Verletzungen. Bewußtlos wurde er in die Gießener Klinik überführt. Sein Zustand ist hoffnungslos.
t- Ober-Ohmen, 4. September. Heute mittag 11/2 Uhr Al die beim Landwirt Georg Brost beschäftigte Taglöhnerin Konrad Kratz IV. Witwe beim Spreuabladen von dem ^agen herunter auf den Kopf und blieb aus der Stelle rot hegen. Am Kopse zeigte sich eine kleine Verletzung.
Ob die Verunglückte daS Genick gebrochen hat, oder ob der Tod durch die kleine Verletzung eingetreten ist, wird die Sektion ergeben. Die Verunglückte war 70 Jahre alt und hinterläßt eine großjährige Tochter.
Vermischtes.
• Selbstmord. Wie aus Weimar gemeldet wird, hat sich die dort als Gattin des Rechtsanwalts Hofmann lebende ehemalige Violinvirtuosin Arma Loretta Senkrah in Abwesenheit ihres Gatten erschossen. Sie war 1864 in New- York geboren, Schülerin von Arno Hilf in Leipzig, Wie- niawski in Brüssel und Massaet, in Paris erhielt 1881 am Pariser Konservatorium den ersten Preis, reiste dann mit großem Erfolg und heiratete 1888. (Die schöne Frau wurde in der Weimarischen Gesellschaft viel gefeiert und man wußte dort allgemein, daß sie eine vortreffliche Gattin, Hausfrau und Mutter war. Ihr eigentlicher Mädchenname war übrigens nicht Senkrah, sondern umgekehrt Harknes; als Künstlerin nannte sie sich Senkrah. D. Red.)
* Köln, 4. September. Die Typhus epi d emie im Mülheimer 65. Infanterie-Regiment nimmt beständig zu. Täglich werden weitere Erkrankungen gemeldet, bisher sind 2 Mann gestorben. In das Kölner Garni- sonlazaret wurde auch ein Offizier eingeliefert. Die Mülheimer Kajerne qt für den Verkehr mit dec Cwilbe- völkerung streng gesperrt.
* Glasgow, 4. September. Man hat sestgestellt, daß ein in Govan gestorbener Junge die Beulen pest hatte. Dagegen erklären die Behörden, das gestern tot ausgefundene junge Mädchen habe nur bösartigen Typhus gehabt. Gestern abend befanden sich elf wirkliche und ein zweifelhafter Pestfall im Hospital und 86 Personen unter Observation. Die von Glasgow kommenden Dampfer sollen in allen englischen Häfen genau inspiziert werden. Die Zahl der Pestkranken beläuft sich im ganzen auf 138. Die Bevölkerung von Glasgow ist ernstlich besorgt über die Ausdehnung, welche die Post hier angenommen hat.
* Innsbruck, 4. September. Aus Cortina wird berichtet: Dr. Schaefer aus Bremen ist auf einer Bergtour zum Misurinasee verschollen. Die Alpine Rettungsgesellschaft hat die entsprechenden Nachforschungen ein- geleitet.
Gerichtssaal.
—l— Gießen, 4. September. Ferienstraf - kämm er. Hinter verschlossenen Thüren ward zunächst gegen den Karl Tob. Buß wegen Vergehens im Sinne des § 180 verhandelt. Ihm zur Seite hat sein der Beihilfe verdächtiger Genosse F. Will aus Annerod Platz ge- genommen, der indes von der Kammer freigesprochen wird, während B. eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten erhält, von der die Gesamtuntersuch-ungshaft in Mzug zu bringen ist. — Nachdem nunmehr die Verhandlung in einer Berufungssache gegen die Firma Schott u. Schatzmann in Bergen ausgesetzt und Weiterverhandlungstermin auf den 11. d. Mts. anberaumt wurde, wird die Strafsache gegen den 31jährigen Hilfszugführer Jak. Wilh. L>chweickardt aus Gustavsburg vorgenommen, der sich wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes, eines Vergehens im Sinne des § 316, 2, zu verantworten hat. Ter Anklage liegt folgender Thatbestand zu Grunde: Am 27. Dezember v. I. mußte Schweickardt, der schon einen ziemlich anstrengenden Dienst hinter sich hatte, um 7 Uhr 47 Min. abends bei Sturm und Schneegestöber eine Maschine nach Alsfeld zurückbringen, die zwischen Großen- Buseck und Reiskirchen mit einer von Grüuberg kommenden Maschine zusammenstieß, wodurch nicht nur ein Materialschaden von ca. 25 000 Mark entstand, sondern auch sämtliche auf der Maschine befindlichen fünf Personen schwere Verletzungen davontrugen, sodaß einige von ihnen an den nachteiligen Folgen zeitlebens werden zu tragen haben. Der Angeklagte giebt an, infolge der von dem dienstthuenden Beamten, Stationsassistenten Müller, erhaltenen Weisung, sich schnell aus dem Bahnhof zu entfernen, zunächst die Fahrgeschwindigkeit der Maschine beschleunigt, bald darauf aber in die normale Fahrgeschwindigkeit übergegangen zu sein. Im Bahnhof Großen-Buseck sei Einfahrt frei gewesen —i eine Behauptung, die von allen Beteiligten unter ihrem Eide bestritten wird —, der Stationsbeamte habe in der Thüre des Stationszimmers gestanden und ihn ohne jegliches Dazwischenthun die Station ohne Aufenthalt passieren lassen. Als der Angeklagte bald darauf, etwa auf eine Entfernung von 10 Meter hie ihm entgegenkommende Maschine bemerkte, hat er zwar Kontredampf gegeben und alles mögliche versucht, einen Zusammenstoß zu vermeiden, doch vergeblich. Ter Heizer Bechtel, der den Angeklagten schon am Morgen des dritten Weihnachtstages von Alsfeld bis Fulda und von dort zurück bis Gießen begleitete, hat sich wie hier, so auch bei der Rückfahrt von Gießen ganz auf den Führer verlassen, weil ihm die Strecke unbekannt ist, hat nicht auf das Einfahrtsignal geachtet, glaubt auch in der Thüre des Stations-Gebäudes zu Großen-Buseck einen Beamten bemerkt zu haben, der kein Zeichen zum Halten gegeben habe. Der Zeuge, der nicht geprüfter Heizer ist, hatte von den bezüglichen dienstlichen Obliegenheiten keine Kenntnis und vermochte nicht einmal die ihm auferlegteu Funktionen eines Heizers zu verrichten, vielmehr mußte sich der Angeklagte denselben mit unterziehen. Daß ihnen eine Maschine entgegen käme, war auch dem Zeugen nicht bekannt. Ter Heizer'Peil, als Führer der'von Grünberg kommenden Maschine, erhielt von dem Stationsbeamten in Reiskirchen die Erlaubnis zur Weiterfahrt nach Großen- Buseck,^ weil die Strecke angeblich frei war. Tas Gegenteil erfuhr der betreffende Beamte leider erst durch telegraphische Mitteilung von Großen-Buseck, nachdem die Maschine von ihm abgelassen worden war. Taß Peil alle möglichen Vorsichtsmaßregeln brauchte und alle Vorkehrungen traf, den Zusammenstoß zu vermeiden, wird von ihm nicht nur behauptet, sondern seine Behauptung wird auch durch den ihn begleitenden Maschinenputzer Berg, der als Heizer fungierte, sowie auch von dem Wagenwärter Sack, der mit dem Arbeiterzug nach Grünberg gekommen
war und die zurückgeheude Maschine zur Rückfahrt nach Gießen benutzt hatte, bestätigt. Außerdem wird dies noch durch weitere Zeugenaussagen erwiesen, die indes zum Teil auch dafür sprechen, daß seitens des Angeklagten alles aufgeboten worden war, um einem Zusammenstoß oorzubeugen, leider zu spät, als daß sich derselbe noch vermeiden ließe. — Nach einer zweistündigen Pause wird nachmittags um halb vier Uhr die Verhandlung fortgesetzt. Unter den gemachten Zeugenaussagen sei hervorgehoben die Erklärung des Lokomotivführers Reichert in Fulda, der behauptet, daß die Signalanlage in Großen- Buseck sehr mangelhaft funktioniere: ihm soll es tags vor dem Unglück vorgekommen sein, daß er zur Hälfte je rotes uud grünes Licht gesehen und diesen Mißstand auch dem Weichensteller Walther mitgeteilt habe, ein Vorfall, von dem Letzterem nichts bekannt ist, wie auch der Sachverständige bestreitet, daß ein solches Vorkommen überhaupt nicht möglich erscheine. Seitens der Entlastungszeugen wird übrigens die dem Angeklagten vorgeworfene Beschuldigung bestätigt, daß er zu rasch gefahren ist, wie der Sachverständige Reg.-Rat Roth behauptet, der in seinem Gutachten des weiteren anführt, daß der Angeklagte, wie ja auch durch Zeugenaussagen zweifellos erwiesen ist, die einschlägigen Bestimmungen der Signal-Ordnung verletzt und auch andern wichtigen Tienst-Vorschriften zuwidergehandelt habe. So hätte beispielsweise der Angeklagte in Großen-Buseck, als Zugfolgestation, unbedingt anhalten und sich hier eine schriftliche Bescheinigung erwirken müssen, daß einer Weiterfahrt nach Reiskirchen nichts im Wege stünde. Der von der Verteidigung geladene Sachverständige, Lokomotivführer i. P. Conradi, kritisiert zwar einige Mißstände im Betriebe und in der Verwaltung, vermag indes zur Entlastung des Angeklagten nichts beizutragen. Der Staatsanwalt, der den sträflichen Leichtsinn des Angeklagten schwer rügte, beantragt nach Maßgabe des Ergebnisses der Verhandlung Bestrafung des Angeklagten wegen fahrlässiger Körperverletzung, Vergehen im Sinne des § 230 St.-G.-B., in idealer Konkurrenz mit Vergehen im Sinne des § 306, dem ihm in der Anklage zur Last gelegten Vergehen, mit einer Gefängnisstrafe von zusammen 8 Monaten. Der Verteidiger, der nur eine Verfehlung seines Klienten darin erblickt, daß dieser den betreffenden Vorschriften zuwider, auf Station Großen- Buseck nicht angehalten habe, vertritt deshalb den Standpunkt, daß für seinen Klienten, der durch seine eigenen Verletzungen sich selbst schwer genug gestraft habe,' eine Geldstrafe am Platze sein dürfte und bittet das Gericht, es bei einer solchen bewenden zu lassen. Die Strafkammer indes erkennt, indem sie als erwiesen erachtet, daß die Einfahrt tzur Station Großen-Buseck nichtfreigegeben war, auf eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten.
Mainz, 4. September. Ein Landwehrmann des ersten Aufgebots war wegen Fehlens bei der Kontrollversammlung mit einem Tage Arrest bestraft worden und richtete nach Verbüßung der Strafe an das Korpskommando eine Beschwerde, daß der Bezirksoffizier parteilich sei, denn es seien noch mehrere Leute zu spät gekommen, aber nicht bestraft worden. Die Untersuchung ergab die Haltlosigkeit dieser Beschuldigung, der Landwehrmann wurde vor das Kriegsgericht gestellt und erhielt von diesem wegen des genannten Vergehens eine Strafe von sechs Monaten Festung.____________________________________________________
Kunst und Wissenschaft.
Wien, 4. September. Der ehemalige Hof-Opernsänger Karl Sommer ist in Bleiburg (Kärnten) gestorben.
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Meldungen.
TelephorrischeMelduugen desGiehenerAnzeigers.
Berlin, 5. September. Der Polizeipräfident billigt die Bildung einer Sachverständigen Kommission aus Mitgliedern des Goethebundes, die in zweifelhaften Fällen die Polizeiorgane in ihrem Urteil unterstützen sollen.
Paris, 5. September. Die Blätter melden, etwa 80 Bürgermeister haben es abgelehnt, an dem Feste des Pariser Gemeinderat» teilzunehmeu. — Das Marine-JufanterieRegi- ment, das in einer Starke von 1800 Manu tu Daghana (Senegal) garnison-erte, ist nach Frankreich zurückgekehrt. Seine gegenwärlige Stärke beträgt nur 360 Manu und 8 Offiziere. Der Rest ist dem gelben Fieber erlegen.
Thanghai, 5. September. In einem Edikt vom 19. August legt der Kaiser dar, daß er es für seine Pflicht erachte, mit Rücksicht auf den Einzug der Verbündeten dem Wunsch der Kaiserin zu entsprechen und sie nach dem Westen zu begleiten. LiHungTschang fei angewiesen, sich alle Mühe zu geben, damit die Verhandlungen mit den Machten eröffnet werden können. Ein anderes Edikt vom 20. ordnet die Versetzung der hauptsächlichsten Beamten der Hauptstadt nach dem neuen Aufenthaltsorte der Kaiserin an und befiehlt den Vize- firnißen und Gouverneuren, ihre Gebietsteile zu schützen.
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Berlin, 5. September. Der Gouverneur von Deutsch - Ost - Afrika, Generalmajor von Lieb er t ist gestern abend hier eingetroffen und wird sich heute bei dem neuen Kolonial-Direktor Dr. Stübel melden.
Berlin, 5. September. In Sachen Brinkmann sind die Akten über die Bürgermeisterwahl schon seit sieben Wochen dem Zivilkabinett des Kaisers überreicht worden. Weiter wird versichert, daß nicht die Bestätigung, sondern die Nichtbestätigung erfolgen dürfte und zwar aus demselben Grunde wie die Nichtbestätigung des Dr. T u l l o in Königsberg erfolgt ist.
London, 5. September. Die Presse stellt zwar noch in Abrede, daß zwei Fälle von Bubonenpest in London vorgekommen seien, doch bereitet sich London auf diese Eventualität vor.
Rom, 5. September. Ministerpräsident Saracco ist gestern nach Neapel abgereist, um dem Monarchen die abgeschlossene Untersuchung über den Königsmord vorzulegen. Dem Vernehmen nach sollen darin manche B e amte st a r k kompromittiert sein. Das Schriftstück bespricht ferner die Unzulänglichkeit der Aufsicht der politischen Polizei und tadelt das Vorgehen der Newyorker Konsular-Behörden. Ter Bericht wirft ein schlechtes Licht auf das italienische Polizeiwesen, das entweder aus Finanznöten oder bureaukratischen Hindernissen manchmal nicht funktioniere. Tie vorgenommenen Verbesserungen sind einstweilen noch Geheimnis.


