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6.9.1900 Zweites Blatt
 
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Dl. August bereits nach Tokio abgereist ist. Damit scheint der A m o y - Z w i s ch e n f a l l erledigt.

Am 3. September fand eine Konferenz zwischen den auswärtigen Konsuln und dem Taotai über die Zu­rückziehung aller fremden Truppen statt. Ein Beschluß ist noch nicht gefaßt worden. Mehrere Kriegs­schiffe haben am 3. d. M. die Rhede von Amoy verlassen.

DenBert. N. N." wird bestätigt, daß mehrere Mächte an ihren diplomatischen Vertreter in Peking die Anfrage gerichtet haben, welche Ansicht sie über den russischen Räu­mungs-Vorschlag haben. Da für eine telegraphische An­frage in Peking und deren Beantwortung reichlich zwei Wochen gerechnet werden müssen, so ist brs auf weiteres eine endgiltige Entschließung der Mächte nicht zu erwarte 11. Eine bindende Stellung­nahme in der von Rußland angeregten Frage ist bisher noch von keiner Regierung erfolgt.

Der erste Lcgationssekretär der japanischen Gesandt­schaft in Wien hat sich gegenüber dem Herausgeber der Wissensch. Korresp." dahin geäußert, Japan könne sich der Meinung Rußlands, daß mit der Befreiung der Ge­sandten die Aufgabe der fremden Truppen erfüllt sei, keinesfalls anschließen und müsse die Beendigung der Aktion von per ^endgiltigen Besiegung der Boxer und Sicher - ung geordneter Verhältnisse in China abhängig machen. Zur schnellen Beendigung des Krieges würde cs beitragen, wenn man der Kaiserin und des Kaisers habhaft werden könnte. Dringend wünschenswert sei die Erhaltung der Mandschu-Dynastie. Der Versuch, die Dynastie zu stürzen, würde höchstwahrscheinlich einen allgemeinen Aufstand zur Folge haben, der von unberechenbaren Folgen sein könnte. Da vielfache Beweise dafür vorliegen, daß. die Kaiserin- Witwe die Boxerbewegung direkt befördert hat, so sei na­türlich an eine Erhaltung der Kaiserin-Witwe auf dem Throne nicht zu denken, wohl aber wäre es nicht nur denk­bar, sondern sogar wünschenswert, den Kaiser auf dem Throne zu belassen.

DasWiener Fremdenblatt" tritt in einem längeren Artikel der Anschauung entgegen, daß durch das Verhalten Rußlands das Konzert'der Mächte in Ostasien ausgespielt hätte. Die Fundamente, auf denen die Po­litik in China ruhe, seien für lange Zeit festgelegt durch den festen Entschluß der Mächte, China nicht aufzuteilen und das übereinstimmende Bestreben, in wesentlichen Fragen die Einigkeit der zivilisierten Welt in der chinesi­schen Frage aufrecht zu erhalten. Das kleine Kontingent, das Oe st erreich -Ungarn im Dienste der gemeinsamen Kulturarbeit nach China entsandt habe, werde unter allen llmständcn dem Kommamdv des Grasen Walder- s e e unter st ellt werden.

Man meldet aus London: Der amerikanische Kriegs- Minister Root erklärte auf eine direkt an ihn gerichtete Frage der Agentur Laffan, daß keinerlei Befehle für den Rückzug der amerikanischen Truppen aus Peking gegeben seien.

Der zweite Admiral des deutschen zkreuzergeschwaders meldet aus Taku vom 3. September: Das Vorkommando unter dem Major v. Falckenhayn ist eingetroffen. Ka­pitän Pohl telegraphiert aus Peking unter dem 25. August: Ich habe gestern mit einer Kompagnie den Kohlen­hügel in der kaiserlichen Stadt besetzt. Am Dienstag er­folgt der Durchmarsch durch den Palast. Auf der Rhede von Taku sind etwa 2000 Mann italienischer Truppen ein­getroffen.

Die ersten Mannschaften des Lesselschen Expe­ditionskorps auf den Dampfern Halle und Dresden haben die chinesische Ktkstc erreicht, nur wenige Stunden, nachdem die ersten Schiffe des dritten ostasiatischen Expe­ditionskorps den deutschen Boden verließen. 92 Offiziere und 1400 Mann liegen im Hafen von Hongkong, ihnen folgten 2300 Mann au Bord der Batavia, die vor der Sikiangmündung vor Anker ging. In umgekehrter Reihen­folge, wie sie die Heimat verließen, trafen sie in China ein. Die Halle hielt seit längerer Zeit die Spitze. Die Transportdampfer haben die 10 000 Seemeilen lange Strecke von Bremerhaven nach Hongkong mit Einschluß des Aufenthalts in Port Said, Colombo und Suez in 35 bezw. 36 Tagen zurückgelegt. Das ist eine sehr befriedi­gende Leistung, die unter sämtlichen Truppentransporten der letzten Jahre nur von der Darmstadt, die das 3. See­bataillon nach Tsingtau beförderte, überflügelt worden ist. Die gleichfalls mit der Darmstadt abgegangene Krefeld ge- brauclste ungefähr vierzig Tage. Da die übrigen sieben Trausportdampfer die gleiche Geschwindigkeit innehalten, so läßt sich heute feststellen, daß das letzte Schiff der Di­vision v. Lcssel spätestens am 10. September Hongkong erreichen wird. An diesem Tage befinden sich also 12 000 Mann des großen Expeditionskorps in den chinesischen Gewässern. Zwei Schiffe liegen schon in Singapore, die letzten fünf Schiffe schwimmen im östlichen Teil des indi- sck>en Ozeans. Das als Ersatz für die in China Gefallenen, Verwundeten und Vermißten ausersehene De t ach em e n t Seesoldaten verließ am 4. September die Kieler Garnison und vereinigte sich in Wilhelmshaven mit einer Ersatztruppe von gleicher Stärke, um die Fahrt nach dem KriegsfchaupLcch nnzutreten. Der angebliche Plan der Reichsregierung, die L i n i e n f ch i f f s d i v i s i o n dauernd in Ostasien zu statiouiereu, ist eine Erfindung. Dagegen soll die Absicht bestehen, gleich den anderen Mächten einige ältere Linienschiffe nach den chinesischen Gewässern zu ent­senden, sobald die Beilegung der Wirren erfolgt ist und die Linienschiffe der Brandenburg-Klasse in die Heimat zuruckgekehrt sind. Für die Stationierung in Ostasien sind die Panzerschiffe der Sachsenklasse, die Schwesterschiffe Baden, Bayern, Sachsen und Württemberg, die als voll­wertige Schlachtschiffe in den europäischen Gewässern "ichk länger gelten können, sehr geeignet. In China, das selbst kein Linienschiff besitzt, werden dagegen die moderni­sierten Schiffe noch auf Jahre hinaus gute Dienste leisten. Ihre mäßige Geschwindigkeit, ihre schwere, aber veraltete Artillerie genügen in jenen Gewässern. Seit dem Be­stehen der deutschen Marine gelangt zum ersten Male eine Linienschiffsdivision in außereuropäischen Gewässern zur Verlveuduug. Dach weist die Geschichte unserer Marine eine ähnliche Auslandsexpedition der Panzerschiffe auf, die sich indes auf die europäischen Gewässer beschränkte. Als der dcutscku' Konsul Abbot und sein französischer Kollege in Saloniki ermordet wurde, gingen 1876 die Linienschiffe Kaiser, Deutschland, Friedrich Karl und Kronprinz unter .dem Kommando des Kontreadmirals Bätsch nach der Türkei

ab. Die Panzerdivision erzielte damals volle Genug- thuung.

Telegramme des Gießener Anzeigers.

Berlin, 5. September. In einem Leipziger Blatte wurde kürzlich erzählt, das deutsche Auswärtige Amt habe sich bemüht, das Bombardement von Taku oder andere Bombardements in China zu verhindern. Wie dieNational- Zeitung" nach zuverlässigen Erkundigungen mitteilen kann, entbehrt diese Nachricht jeder Begründung.

Loudon, 5. September.Daily News- berichten aus Shanghai, daß sämtliche Konsuln gegen die Räu- mung Pekings seien und daß nach einer offiziösen Mit­teilung die Deutschen in Shanghai Truppen landen würden.

Loudon, 5. September. Aus Shanghai wird gemeldet: Ein neuerliches kaiserliches Edikt vom 20. August ist in der Provinz Schansi veröffentlicht worden. Dasselbe teilt mit, daß der kaiserliche Hos nach Tayun-fu verlegt worden ist und ersucht die Vizekönige, die Ruhe in ihren Provinzen wieder herzustellen. Das Edikt giebt die Ursache für die Verlegung des Hofes nach Tayunsu nicht an. Man glaubt hier, daß der Hos solange in der neuen Residenz verbleiben wird, bis die Friedensverhandlungen beendet sind. Die chinesische Presse berichtet, daß Iunglu als zweiter Friedensvermittler Li - Hung -Tschang beigegeben worden sei.

Loudon, 5. September.Daily Mail- meldet aus Rom, der italienische Gesandte in Peking habe mitgeteilt, daß die Europäer in Peking gegen die Räumung der Stadt aus politischen Gründen sind.

Rom, 5. September. König Victor Emanuel hatte i ine längere Konferenz mit dem hier aus Neapel zu­rückgekehrten italienischen Minister des Auswärtigen. Wie die Blätter berichten, hatte der König kurz vorher ein längeres Telegramm Kaiser Wilhelms über die chinesischen Angelegenheiten erhallen.

Rom, 5. September. Die Italic, die jedenfalls offiziös inspiriert ist, dementiert den Sensationsartikel eines italieni­schen Blattes, wonach Italien den Vorschlag Rußlands, Peking zu räumen, befürwortet habe. Es wird versichert, daß die italienische Politik bemüht ist, das vollste Zusammen­gehen der Mächte zu ermöglichen.

New York, 5. September. Gestern aus Shanghai ein­getroffene Drahtberichte schildern entsetzliche Greuel- tchaten, die an den Missionen in allerneuester Zeit be­gangen wurden. Vier Frauen wurden den Boxern aus­geliefert, vielfach vergewaltigt und in unbeschreiblich bestialischer Weise getötet. In Chuchan wurden 17 eng­lische Missionare und 6 Frauen und Kinder mit Heugabeln erstochen. In Shanghai herrscht die größte Erbitterung. Die Europäer werden durch Plakate zum entschiedensten Widerstande gegen die Räumung von Peking aufgefordert, die das Signal zu neuen Greuelthaten geben würde. In dem Eingeborenen-Viertel werden Bilder verkauft, in denen die Siege der Chinesen verherrlicht werden.

Washington, 5. September. Im Kriegsministerium herrscht eine gewisse Besorgnis wegen des Ausbleibens von direkten Nachrichten des Generals C h a f f e e, an den in den letzten Tagen einige sehr wichtige Depeschen gerichtet worden sind.

Deutsches Keich.

Berlin, 4. September. Der Kaiser machte heute vormittag mit der Kaiserin der Großen Kunst­ausstellung den ersten sehr eingehenden Besuch. Am Hauptportal wurde das Kaiserpaar u. a. vom Minister Dr. Studt, dem Geh. Kabinettsrat v. Lucanus und den Mitgliedern der Ausstellungskommission empfangen. Der Besuch, für den eine Stunde vorgesehen war, währte zwei­einhalb Stunden. Der Kaiser besichtigte die Bilder und Skulpturen mit größter Aufmerksamkeit. Mit Wehmut betrachtete der Monarch die letzten Porträts von Professor Max Koner und äußerte sein schmerzliches Bedauern über den früheren Heimgang des Künstlers, für den er immer die größten Sympathien gehabt habe. Im Saale der Franzosen zollte der Kaiser dem Sck)lachtenmaler Detaille die höchste Bewunderung. In seinen Aeußerungen ließ der Kaiser mehrmals deutlich erkennen, daß er kein Freund der modernen Richtung sei; wiederholt sprach er sich abfällig über solche Werke aus. (Diese Ge­schmacksrichtung des Kaisers ist auS den Knackfuß'schen Gemälden zur Genüge bekannt. D. Red.) Rach der Kunst­ausstellung besichtigte das Kaiserpaar den Umbau der alten Garnisonkirche und daran anschließend den Neubau des Kgl. Amts- und Landgerichts I. Hierauf begab sich das Kaiserpaar nach dem Schlosse zurück und beabsichtigte Nachmittags im Teltower Kreishause einen Entwurf zu einer Marmorstatue Kaiser Wilhelms I. in Augenschein zu nehmen und dann einige Atelierbesuche zu machen.

Ein englisches Blatt fühlt sich bemüßigt, die Welt mit der Nachricht zu überraschen, einer der deutschen Fürsten habe einen scharf abgefaßten Bries an den deutschen Kaiser geschrieben, worin er sich über die ch i n e s i s ch e P o l i t i d e s K a i s e rs und namentlich über (den Charakter der Rache, den der Kaiser dem soge­nannten Kreuzzuge nach China gegeben hat, ausspricht. Der Kaiser soll' auf den Brief keine Antwort gegeben haben und jede Erwähnung der Angelegenheit in Deutsch­land soll verboten sein. Die englische Presse liebt es, von Zeit zu Zeit mit derartig sensationell zugestutzten Meldungen aufzuwarten, die sich fast regelmäßig als un­zutreffend erwiesen haben. Deshalb ist auch diesmal Vor­sicht am Platze, zumal schon der Schlußpassus von dem Verbot der Erörterung der Angelegenheit in Deutschland geradezu unsinnig ist.

Welche Zeitungen der Kaiser liest, erzählen mehrere Blätter. ES sind angeblich: DieKölnische Zei- tung", dieNational-Zeitung", die BerlinerNeuesten Nachrichten", dasKleine Journal", der BerlinerLokal- Anzeiger", derReichsanzeiger" und der PariserFigaro". Außerdem liest der Kaiser mehrere deutsche und englische

Witzblätter und illustrierte Zeitschriften, z. B.lieber Land und .Neer",Fliegende Blätter" ufw. Dazu bemerkt die Germania":Bedauerlich finden wir zunächst, daß sich unter der Lektüre des Kaisers kein katholisches Organ be­findet, sondern fast nur Knlturkampfblätter, und weiter kein Organ, das einer energischen Fortführung der Sozialreform das Wort redet."

Wie der WürttembergischeStaatsanzeiger" meldet, hat der König den Kronprinzen des Deutschen Reiches, der a la suite des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm II. (2. Württembergisches) Nr. 120 steht, zum Oberleutnant befördert.

Der Kaiser hat unter dem gestrigen Tage dem Viceadmiral Bendemann, Chef des Kreuzergeschwa­ders, den Stern mit Eichenlaub und Schwertern zum Roten. Adler-Orden 2. Klasse verliehen.

DieKöln. Ztg." verbreitet sich an leitender Stelle über die verschiedensten zwecks Abstellung der Kohlen- teuerung dem preuß. Staatsministerium unterbreiteten Vorschläge, zu denen das Ministerium demnächst Stellung nehmen werde, giebt aber in ihren augenscheinlich inspi­rierten Aeußerungen wenig Hoffnung, daß die unterbrei­teten Vorschläge angenommen werden könnten. Tie Aus­hebung der die Kohlenausfuhr aus Deutschland begünsti­genden Eisenbahntarife wird als unausführbar, die Er­mäßigung der Tarife für ausländische Kohle als eine Ver­günstigung bezeichnet, die nur einzelnen Küstenplätzen und nahe gelegenen Punkten zugute kommen. Dem Wunsche auf Herabsetzung der Preise in den Kgl. Gruben sei die Regierung für Oberschlesien nachgekommen; indessen ent­stehe daraus die Gefahr, daß ein unreeller Zwischenhandel durch künstliche Machenschaften den Preisunterschied für sich ausbeutet.

Es steht nunmehr fest, daß französische Offi­ziere an den großen Kaiser-Manövern teil­nehmen werden. In den nächsten Tagen werden aus Frankreich Brigade-General Michal, ein Oberstleutnant und ein Major in Stettin eintreffen.

In militärischen Kreisen wird das Gerücht verbrei­tet, daß der Chef des Militär-Kabinetts v. Hahnte seine Stellung verändern werde.

DieNordd. Allgem. Ztg." teilt im Gegensatz zu der gestrigen Hamburger Meldung.mit, daß der deut­schen O st a f r i k a - L i n i e als Schadenersatz für die Anhaltung der Reichspostdampfer Bundesrat, General und Herzog der Betrag von 20000 Pfund Sterling nebst einem Zusatzbetrag von 5 000 Pfund Sterling für *bte Schadloshaltung von Ladungs-Interessenten von einer aus deutschen und englischen Mitgliedern zusammengesetz­ten Kommission zugesprochen worden sind. Für die Auf­bringung der deutschen Bark Hans Wagner wurde eine Entschädigung von insgesamt 4435 Pfund Sterling und für die Festhaltung der deutschen Bark Marie 126 Pfund Sterling festgesetzt.

Der zur Notifizierung der Thronbesteigung des Königs Victor Emanuel in außerordentlicher Mission entsandte Generalleutnant P e l l o u x trifft in Be­gleitung des Korvettenkapitäns und Adjutanten des Königs Grafen Casalion morgen hier ein.

Neustrelitz, 4. September. Der Groß. Herzog begeht am 6. d. Mts. sein vierzigjähriges Regie­rungsjubiläum. Am 6. Septeniber 1860 trat er nach dem Ableben des Großherzogs Georg die Regierung an.

Bremerhaven, 4. September. Nachdem sämtliche Truppentransporte gegen 4 Uhr eingetroffen waren, sammelten sich die Mannschaften vor den Lloyd- Hallen zur Paradeaufstellung. Major Sri d l verlas fol­gendes Telegramm des Kaisers:

Ich sende den Offizieren und Mannschaften, welche heute den vaterländischen Boden auf den Dampfern Hannover"' undArcadia" verlassen, meine wärmsten Abschiedsgrüße und bedauere aufrichtig, Euch nicht per­sönlich aussprechen zu können, wie meine besten Wünsche Euch begleiten. Ich weiß, Ihr werdet alles daran setzen. Euch durch Tapferkeit, Ausdauer und Manneszucht aus­zuzeichnen, um dem Rufe der deutschen Armee Ehre zu machen. Gott schütze Euch! Adieu, Kameraden!

W i l h e l m."

Bonn, 4. September. Die Katholiken-Ver- sammlung erhielt auf das an den Kaiser gesandte Huldigungstelegramm folgende Antwort'Seine Ma­jestät der Kaiser und König haben den Ausdruck der treuen Ergebenheit seitens der 47. Generalversammlung der Ka­tholiken Deutschlands huldvollst entgegcngenommen und lassen bestens danken. Auf allerhöchsten Befehl von Lu­canus". Die Antwort wurde stehend angehört. Auf An­regung des Vorsitzenden wurde ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht. Alsdann hielt Professor Dr. Mausbäch- Münster einen Vortrag über das Verhältnis zwischen Glauben und Denken und den Ausgleich zwischen Autorität und Freiheit. Im Laufe seiner Rede brachte er Kaiser Wilhelm, der vor dem Allmächtigen sein Knie beuge und die Feldzeichen senke, eine begeisterte Huldigung dar. Solange wir eine solche Autorität an der Spitze des Staates haben, so fügte er hinzu, wird es gut bestellt sein um' die staatliche Autorität und die Freiheit des Einzelnen. Landwirt Blum, Stadtverordneter in Kiefeld hielt einen ländlich-kernigen Vortrag über die Agrarfrage. Als- dann sprach Regierungsrat im Reichsvsrsicherungsamt Dr. 'W ü r m e l i n g - Berlin über die Aufgabe der Vinzenz-Ber- eine in unserer Zeit. Beide Redner ernteten stürmischen Beifall. Der soziale Ausschuß hatte folgende Resolution vorgeschlagen, die angenommen wurde:

1. Die Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands tritt wiederholt für eine berufsmäßige L,-r- ganisation der Landwirte ein und fordert alle Angehörigen dieses Standes, sowie die gesetzgebenden Körperschaften ans, nachdrücklich h>orsur zn wirken. 2. In Erwägung daß einerseits ein leis ungsfahlger und kräf­tiger Grnndbesitzcrstand eine der wichtigsten Stutzen unserer acsamtcn staatlichen und gcsellschastlichen Ord- nun» bildet daß andererseits die deutsche Landwirtschaft unter einer Notlage leidet, hauptsächlich infolge der niedrigen Preise der landwirtschaftlichen Er z eu a wisse, welche vorzugsweise durch die Kon­kurrenz billiger produzierender Importländer bervor- acruien find, und daß diese niedrigen Preise insbesondere eine zur Erhaltung der Arbeitskräfte in der Landwirt­schaft notwendige, mit Industrie und Gelverbe gleichen Schritt ballende Erhöhung der Löhne nicht gestaltet.