"SBalberfee geht einen schweren Gang, ohne hoffen zu dürfen, viel Tank damit zu ernten. Tenn alle werden über uns herfallen, wenn dort die Sache schief geht. Und was haben wir da zu thun? Kommen die Chinesen zu uns, um Land zu annektieren? Brau ch e n wir denn einen Krieg zwischen Morgen- und Abendland, haben wir denn hier nickt genug zu thun?
Wenn wir uns die ganzen Zustänoe so ansehen, da kann man wahrlich nicht mehr von einem Aufschwung spreche n. Tenn wo sieht man einen Aufschwung? Nur bei den Millionären um noch einige Millionen, also an falscher Stelle, keinesfalls bei der Landwirtschaft «und Gewerbe. Im Gegenteil, diesen sind die Roh- inaterialien nur verteuert worden. Ties will aber die Regierung nicht eher einsehen, als bis sie darauf angewiesen ist, zu erkennen, daß Mittelstand und Bauernstand ihre festesten Stützen sind. Tann wird sie einsehen, daß es nicht so leicht ist, Deutschland den Agrarstaat aufzuheben und in einen Industriestaat zu verwandeln. Alle Zeiten haben noch gezeigt, daß ein Staat ohne gesunden Bauernstand rettungslos verloren war. Auch die Blüte, die England eine zeitlang getrieben hat, ist ja verwelkt. Daran sollte man sich doch ein Beispiel nehmen. Was ein Bauernstand zu leisten vermag, zeigt ja der Bur in Transvaal.
Noch immer leistet er der großen englischen Armee Widerstand, noch immer verteidigt das tapfere Volk Vaterland und Freiheit in seinen Bergen. Und so tapfer ist der Bauernstand von jeher gewesen. Aber mit dem Altbewährten will man scheinbar aufräumen, um modernem Tand Platz zu machen. So wie wir kämpfen müssen um unsere Existenz im Frieden, kämpfen jene um ihre politische Existenz im Kriege. Wir sollen jetzt ja in einer Aera leben, in der man Zivilisation schafft: dort aber schafft man jetzt eine Wüste. Wo bis dahin Wohlstand, Frieden und Glück herrschten, kann man jetzt einen Denkstein errichten mit der Inschrift: „Hier schuf ein Kulturvolk Zivilisation!"
Ja, soll man lachen über all die leeren Phrasen, die heute gemacht werden, oder soll man sich darüber ärgern, wie so heute Recht und Gerechtigkeit mit Füßen vor der ganzen Welt getreten werden? Der Burenkrieg hat meinen Glauben an die Menschheit sehr erschüttert. Gerade heute, wo hier Bauern versammelt sind, kann ich nur sagen: Lassen Sie Sich dies eine Mahnung sein. Eure Vorfahren haben auch das Land bebaut und die Scholle, amf der Ihr sitzt, Euch erhalten. Und all die Mühe soll nun dahin sein und sich allmählich abbröckeln; auf Euren Grund und Boden soll heute die Fabrik treten? Ich kann nicht sagen, daß alle Interessen im Staate dieselben sind. Sie sehen ja heute schon, wie es heißt, die Arbeiter könnten mit amerikanischem Fleische genährt werden. Bald wird es heißen, wir brauchen keine Landwirtschaft mehr, das Ausland liefert uns ja alles. Lassen die Landwirte sich nicht trennen, dann werden wir wenigstens bald das erreichen, daß wir angemessene Preise für unsere Erzeugnisse erzielen, sodaß wir unseren Verpflichtungen gegen Staat und Menschheit nachkommen können. Tenn mögen wir auch billige Preise haben, die Steuern bleiben dieselben und der Staat erläßt keine.
Unser Banner flattert heute schon stark irn Winde. Bleibt wie bisher treu bei dieser Fahne, dann können wir selbst unser Retter sein. 10 Jahre haben wir zusammengehalten, und der Staat sieht dies. Er muß schließlich wieder ein Verständnis dafür bekommen, daß sein festestes Fundament niemand anders sein kann, als der d e u t s ch e M i t t e l st a n d, der d e u t s ch e B a u ernst a n d!
Der inzwischen erschienene erste Vorsitzende des Hess. Bauernbundes, Reichstagsabgeordneter Köhler- Langsdorf, brachte auf Dr. Böckel ein begeistert aufgenommenes Hoch la'.us, und erteilte dem Hess. Landtagsabgeordneten Wolfs das Wort, der in längeren Ausführungen die ArbeitdesBauernbundes in Hessen behandelte. Er giebt zunächst seiner Freude darüber Ausdruck, das Fest im Kreise Gleichgesinnter feiern und den Reichstagsabgeordneten Dr. Böckel begrüßen und den Schriftführer des hessischen Bauernbundes, Redakteur H i r s ch e l - Offeu- bach, von langer Krankheit wieder genesen sehen zu dürfen. Er führt id'ann des längeren aus, daß der Bauer Politik treiben müsse, daß er sich rühren müsse. Dann geht der Redner auf die Thätigkeit der vom Bund in den Landtag gesandten Abgeordneten ein und erklärt deren oft schroffen Ton, der indessen heute nicht mehr nötig sei. Im Anschluß daran beleuchtet auch er noch einmal die Vorgänge bei den letzten Wahlen und kommt auf den letzten Mini st e r w e ch s e l zu sprechen. Schließlich kommt der Redner auf dieStellungdeshessischenBauernbundes -umBundderLandwirtezu sprechen. Alle Streitigkeiten sollten zwischen beiden möglichst der Vergangenheit und Vergessenheit angehüren. Hand in Hand müßten sie gehen, dann würde der Bauernstand Anteil haben an der Gesetzgebung, wie er bei der Bedeutung der Landwirtschaft ihm gebührt. Rücksprache solle vom Vorstande mit dem Bunde der Landwirte demnächst genommen werden. Zum Schluß gedenkt der Redner noch des Sedantages. £>eute würde er, wie ganz angebracht, nicht mit großem Pomp gefeiert. Als treue deutsche Bauern aber sollten sie heute der siegreichen Armee Deutschlands vor 30 Jahren gedenken. So treu wie die Väter damals im Kriege, ständen sie alle heute im Frieden für Thron und Altar. Doch es gäbe keinen Thron und Altar, wenn kein Volkswohl dabei sei; dazu aber gehöre Volk sfreih eit. Darum müsse man heute geloben, nicht abzuschweifen von dem gesteckten ;stele. Aus Uneinigkeit könne nur Unheil ent- stel>en, darum solle Freiheit und Volkswohl leben!
Reichs und Landtagsabg. Köhler-Langsdorf geht «uf die ausgesprochen freisinnige Anschauung des Finanzministers Gnauth ein. Menn er in die Fußtapfen Küchlers eintrete, könne alles gut werden; aber daran glaube er nicht so recht. Er hoffe vielmehr, daß Gnauth sie, die Bauernbündler, so in die Fuchtel nehmen wird, daß sie einig werden, damit nicht der Abg. Dr. David nochmals sagen könne: Die freie Vereinigung fei eine freie Veruneinigung.
Redakteur Hirschei legt noch dar, wie wenig freisinnige Stimmen bei der letzten Wahl im Lande abgegeben seien: trotzdem aber fei ein ausgesprochen freisinniger Mann Finanzminister geworden. Er bitte die Abgeordneten, Herrn Gnauth keine Rosen aus den Weg zu streuen.
Als Vertreter des Bundes der Landwirte spricht Neure u t h e r - Offenbach und betont ebenfalls, daß, wenn die Landwirtschaft einig sei, auch ihr zu gunsten Handelsverträge abgeschlossen werden würden. Dem Bund der Landwirte gehörten heute über 200 000 Mitglieder an. Alle deutschen Landwirte aber müßten sich rtnter einem Banner zusammenscharen. Jeder habe das Recht, einer Partei anzugehören, und in dieser Beziehung brauchten die Landwirte auch gar nicht alle unter einen Hut gebracht zu werden. Man solle nicht darüber streiten und die Hauptsache, die gemeinsamen Interessen der Landwirtschaft darüber vergessen. In der wirtschaftlichen Reform müsse und würde Einigkeit erzielt werden. Der Bund der Landwirte komme dem Bauernbunde gern entgegen, um gemeinsame Interessen zu verfolgen. Darum einig! Treiben wir als Landwirte gemeinsame Standespolitit, wie die anderen Stände; dann werden wir bald erreichen, was innerer lieben deutschen Landwirtschaft not thut.
Bürgermeister Köhler- Langsdorf begrüßt mit Freuden, daß eine Einigung in Aussicht steht, die leicht möglich fei, wenn der Bund der Landwirte etwas vom hessischen BaMrnbund lerne und umgekehrt.
Auf allgemeinen Wunsch svricht dann noch einmal Dr. Böckel und mahnt ebenfalls zur Einigkeit, weil doch die Interessen die gleichen wären.
Mit einem Hoch auf den Hessischen Bauernbund schloß die Versammlung.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 5. September 1900.
** In dem verstorbenen Grafen Friedrich zu Solms- Laubach hat die Erste Kammer unseres Landes ein sehr hervorragendes Mitglied verloren. Der Graf verschloß sich nicht dem modernen Geist, namentlich nicht auf sozialpolitischem Gebiete. Für seine Gesinnungen sprach besonders beredt seine Haltung im Frühjahre 1898 in der Ersten Kammer bei der Beratung über das vom Reichstage angenommene Vereinsgesetz. Unsere Zweite Kammer hatte beschlossen, die Großherzogliche Regierung zu ersuchen, daß ihr Vertreter im Bundesrate für das vom Reichstage angenommene Vereinsgesetz stimme. Hierzu führte Graf zu SolmS Laubach in der Ersten Kammer aus, daß es seiner Ansicht nach unzuträglich sei, wenn die hessischen Vereine durch die Gesetzgebung anderer deutschen Staaten am Zusammenschluß mit deren Vereinen gehindert würden; diesen Zwang wolle er beseitigt wissen, und der Beschluß des Reichstages scheine ihm dazu dienlich. Er halte eS daher auch, entgegen dem Ausschuß, für richtig, dem Antrag der Zweiten Kammer beizutreten. Der Ausschuß der Ersten Kammer wolle dies deshalb nicht, weil der betreffende Reichstagsbeschluß ein Kampfmittel gegen den preußischen Landtag habe fein sollen und der hessischen Regierung aus einer feftgelegten Stellungnahme dazu im Bundesrate Un- gelegenheiten entstehen könnten. Diese Bedenken teile er nicht; was im preußischen Abgeordnetenhause vorgegangen sei, und welche Gründe der Reichstagsbeschluß habe, sei ihm gleichgiltig, er habe sich nur zu fragen, ob der vor- liegende Reichstagsbeschluß zu billigen sei. Dies sei der Fall, und deshalb wünsche er seine Durchführung. Daß unter dem Antrag der Zweiten Kammer die Namen von Sozialdemotrateu ständen, beeinflusse ihn in seiner Stellung nähme nicht. Die Erste Kammer aber lehnte es ab, dem Anträge der Zweiten Kammer beizutreten.
** Postpersonaluachrichten. Versetzt sind: die Post- direktoren Schad von Köln (Rhein) nach Darmstadt, Wittich von Mainz nach Rastenburg (Ostpreußen), BerniuS von Friedberg (Hessen) nach Mainz und der Postkassierer Wolf von Düsseldorf nach Friedberg (Heffen) als kom. Postdirektor. Gestorben ist der Oberpostassistent Hoffmann in Worms.
** Der Zweiten Kammer der Landstände ging u. a. die Vorstellung deS Gendarmeriewachtmeisters I. F. Bickel i. P. zu Nidda, betreffend sein Ruhegehalt zu.
Hungen, 2. September. In der Wasserversorgungsfrage für hiesige Stadt schweben, wie die „Landpost" schreibt, gegenwärtig intensive Unterhandlungen. Man ist zwar noch nicht schlüssig, ob eine ca. 15 Kilometer lange Rohrleitung bis in die Gegend von Ruppertsburg gelegt werden soll, oder ob ein Pumpwerk in hiesiger Gemarkung zu errichten ist. In Anbetracht des Kapitalaufwandes von ca. 150 bis 180 Tausend Mark, die eine solche Rohrleitung von Ruppertsburg einschließlich des Ankaufs von Quellen kosten würde, dürfte wohl ein Pumpwerk in der Gemarkung mit eigenen Quellen vorzuziehen sein. Die elektrische Kraft des Oberhefsifchen Elektrizitätswerks kommt dabei gut zu statten. Jedenfalls hofft man von den gegenwärtigen Unterhandlungen eine enbgiltigc Lösung unserer Wasserfrage.
-ch. Darmstadt, 4. September. Der Großherzog ist heute abend von Viernheim mit reicher Jagdbeute zurückgekehrt und wird morgen vormittag zur Beisetzung des Grafen Solms-Laubach nach Laubach reifen. — Die Großherzogin nebst der kleinen Prinzessin wird voraussichtlich am nächsten Freitag von Schloß Oberhof bei Koburg zurückkehren und Aufenthalt auf Schloß Wolfsgarten nehmen, wohin der Großherzogliche Hofhalt dann wieder verlegt wird. — Am Sonntag, dem 16. September d. I. (gelegentlich der Landwirtschaftlichen Landesausstellung) wird vormittags 10 Uhr im Kaisersaal hier auf Veranlassung des Hessischen Bauernbundes, Hand in Hand mit dem Bund der Landwirte und unter Beteiligung von Mitgliedern des Landwirtschastlichen Vereins deS Großherzogtums Heffen eine große Bauernversammlung stattfinden, in welcher namhafte Führer der agrarischen Bewegung u. a. auch ReichStagSabg. Dr. Böckel, Menninger-Würzburg, ReichS- und Landtagsabg. Köhler-LangSdorf re. sprechen werden. — In der letzten geheimen Sitzung der Stadtverordneten, welche bis nahezu 9 Uhr abends dauerte, wurde auch im Prinzip dem sog. Schloßfreiheitsprojekt zugestimmt, das zur Schaffung eines freien Platzes am Residenzschloß und einer neuen Verkehrsstraße durch die Altstadt nach der Rosenhöhe mit einer Aufwendung von über 600000 Mk.
vorgesehen und schon lange im Werk ist, mit dem ausdrück. Uchen Vorbehalt zugestimmt, daß der seinerzeit von dem Finanzministerium. versprochene Staatszuschuß (der frühere Finanzminister Küchler hatte circa 250000 Mk. zugesagt) auch wirklich genehmigt wird. Ob der neue Finanzminister gleich günstige Zusagen macht, weiß man noch nicht. — Eigentümlich hat es berührt, daß man die neue Kühlanlage im Schlachthof in der gleichen Sitzung einer nicht- hessischen Firma übertrug, obwohl man von einer hiesigen sehr bedeutenden, sogar viel mit dem Ausland arbeitenden Firma eine nahezu 40pCt. billigere Offerte hatte.
Mainz, 3. September. Bei dem städtischen Unter* bietungsversahren sollen für die Folge nachstehende Grundsätze zur Einführung kommen: 1. Das AuSschreiben für Arbeiten und Lieferungen von 300 bis 5000 Mk. erfolgt nach Maßgabe eines Kostenanschlags, welcher von den arbeitsvergebenden Behörden in der Art festzustellen ist, daß in jedem Jahr von hinreichend erfahrenen Handwerksmeistern der einzelnen Handwerkszweige Preisangebote soweit möglich für alle einschlägigen Arbeiten eingezogen werden sollen. Der sich hieraus ergebende Durchschnittspreis ist alsdann bei Ausstellung der verschiedenen Kostenanschläge für die Arbeitsvergebungen zu Grund zu legen. 2. Lieferungen oder laufende Unterhaltungsarbeiten bis zum Betrag von 300 Mk. können zu Einheitspreisen aus freier Hand vergeben werden. Bei lausenden Nnterhaltungs- arbeiten sind in abwechselnder Reihenfolge die ortsansässigen Handwerker nach näheren Bestimmungen zu berücksichtigen. 3. Lieferungen im Wert von 300 bis 1000 Mk. können öffentlich ausgeschrieben werden^ doch können solche auch in engerem Ausschreiben vergeben werden. Bei dem letzteren Verfahren müssen mindestens drei Angebote vorliegen; der Zuschlag ist alsdann dem Mindestfordernden zu erteilen. Soweit eS sich ermöglichen läßt, sollen zu diesen Arbeiten die hierfür in Betracht kommenden Unternehmer abwechselnd herangezogen werden. 4. Lieferungen und Arbeiten im Wert von über 1000 Mk. sollen in der Regel öffentlich ausgeschrieben werden. Von den einlausenden Angeboten kommen nur diejenigen in Betracht, welche bis zu 10 vom Hundert über oder 10 vom Hundert unter dem bauamtlichen Kostenanschlag sich bewegen. Aus diesen Anerbietungen ist der Zuschlag im allgemeinen dem Mindestfordernden zu erteilen. 5. Lieferungen und Arbeiten Über 5000 Mk. können an den Mindestsordernden vergeben werden; ebenso ist bei Lieferungen von reinen Handelswaren in der Regel das mindeste Angebot anzunehmen. 6. Generalunternehmer sind nur als Ausnahme in solchen Fällen zuzulassen, wenn der Teilung iinb Ausführung ber Arbeiten nach einzelnen Losen besondere technische Schwierigkeiten entgegenstehen; die dem Ver- dingungsanschlag beigesügten Zeichnungen sind so genau wie möglich zu fertigen und in Kopien möglichst unentgeltlich oder zum Selbstkostenpreis abzugeben. — Der Verein Mainzer Kaufleute hatte gestern abend, wie das „Mainzer Journal" schreibt, eine Anzahl von Vertretern der verschiedenen Branchen versammelt, um die kürzlich beschlossene Rundfrage bei den hiesigen Ladenbesitzern wegen deS Achtuhr-Ladenschlusses vorzubereiten. Es ist zu konstatieren, daß der weitaus größte Teil ber hiesigen Labeninhaber entschieden für ben Achtuhr-Labenschluß eintritt, unb lediglich bei einem Teil ber Zigarren- und Kolonialwarenhändler die Neigung besteht, für diese beiden Branchen eine Ausnahme zu schaffen. ES wurde somit be- schloffen, den Ladenbesitzern den Schluß der Läden auf 8 Uhr vorzuschlagen; dagegen für eine größere Anzahl von Abenden — wie Samstags usw. —, sowie für die Zeit vor Weihnachten und Neujahr bei der Bürgermeisterei auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen den Neunuhr- bezw. Zehnuhr- Ladenschluß zu erwirken.
Kleiu-Steinheim, 3. September. Vier Herren von hier, Hanau und Groß-Steinheim unternahmen dieser Tage eine Automobilfahrt in baß Kinzrgthal. Auf ber Rückkehr hatte bas Vehikel eine 8/4 Stunden lange, steil abfallende Straßenstrecke zu passieren. Um die Geschwindigkeit zu mäßigen, wurden gleich die Bremsen angezogen. Wenige Augenblicke später geriet trotzdem der Wagen in ein beschleunigteres Tempo. In demselben Momente wurde Rauch bemerkbar. Zum Schrecken der Ausflügler war die Lederbremse in Brand geraten. Alsbald ging eß mit Blitzes- schnelle vorwärts. Todesangst bemächtigte sich der In, fassen, als sie die Straße am unteren Ende durch einen querstehenden Bauernwagen versperrt sahen. Der Automobilführer riß, die drohende Gefahr erkennend, die Lenkstange des Motorwagens nach dem Trottoir. Infolge des vorhergegangenen Regenwetters war der Trottvirboden weich. Jnfolgedeffen gruben sich die Räder, an denen auch die nichtverbrannten Pneumatikreifen geplatzt waren, fuß- ief in den Boden. Das Automobil Überschlug sich und die Jnsaffen wurden teils hinauSgeschleudert, kamen teils unter den umgestürzten Wagen zu liegen. Die ganze Fahrt währte bis zu diesem Augenblick zirka 3 Minuten. Da ber Bauernwagen noch zirka 100 Meter von der Unglücksstelle entfernt war unb noch keine Anstalt zum Weichen machte, so wäre in wenigen Sekunden ein größeres Unglück unausbleiblich gewesen. Die Verunglückten kamen biß auf einige Kontusionen mit btm bloßen Schrecken davon, während das Fahrzeug stark beschädigt wurde. (Darmst. Ztg.)
Dillenburg, 3. September. Heute vormittag 11 Uhr wurden die Verhandlungen ber 79. Generalversammlung desVereins nassauischer Land- undAorst- wirte eröffnet, bie nach 32 Jahren wieder einmal hier stattfindet. Die Beteiligung aus allen Gegenden des Regierungsbezirks ist sehr stark, und m der Ausnahme, die man den etwa 170 Delegierten unb ber großen Zahl sonstiger Interessenten bereitet hat, bekundet sich aufs angenehmste der gastliche Sinn ber Bevölkerung. 77 Landes- birettor Sartorius-Wiesbaben betonte in ferner Eröffnung-- ansprache, daß ber Verein auch nach dem Inkrafttreten des I neuen Landwirtschaftskammergesetzes unzweifelhaft extfienz«


