ftimmung des § 55a, Abs. 2, Satz 2, findet Anwendung. — Nach § 1395 kann auf Antrag von mindestens zwei Dritteln der beteiligten Geschäftsinhaber für eine Gemeinde oder mehrere örtlich unmittelbar zusammenhängende Gemeinden durch Anordnung der höheren Verwaltungsbehörde nach Anhörung der Gemeindebehörden für alle oder einzelne Geschäftszweige angeordnet werden, daß die offenen Verkaufsstellen während bestimmter Zeiträume oder während des ganzen Jahres auch in der Zeit zwischen 8 und 9 Uhr abends und zwischen 5 und 7 Uhr morgens für den geschäftlichen Verkehr geschlossen sein müssen. Die Bestimmungen bcr §§ 139c und 139d werden hierdurch nicht berührt. Auf Antrag von mindestens einem Drittel der beteiligten Geschäftsinhaber hat die höhere Verwaltungsbehörde die beteiligten Geschäftsinhaber durch ortsübliche Bekanntmachung oder besondere Mitteilung zu einer Aeußerung für oder gegen die Einführung des Ladenschlusses im Sinn des vorstehenden Absatzes auszufordern. Erklären sich zwei Drittel der Abstimmenden für die Einführung, so kann die höhere Verwaltungsbehörde die entsprechende Anordnung treffen. — Was die in den vorstehenden Bestimmungen ausgeführten Ausnahmetage anbelangt, so sollen dieselben den jeweiligen lokalen Bedürfnissen entsprechend geregelt werden.
** Lehrerverfammlung. Am Samstag wird hier im Hotel „Großherzog von Hessen" eine Lehrerversammlung stattfinden, an der die Bezirksvereine Gießen-Stadt und Gießen'Land, sowie Großen-Linden, Lollar und Großen- Buseck teilnehmen. Reallehrer Kaßlik-Darmstadt wird einen Vortrag halten über die Verhältnisse und Thä- tigkeit der Lehrer- Witwen- und Waisenkasse und über die Neugestaltung der Ludwig-und Alice- stiftung. Da die Ausführungen des Redners recht in- tereffant zu werden versprechen, so dürsten der Versammlung auch zahlreiche Lehrer aus der entfernteren Umgegend Gießens beiwohnen. Die Versammlung wird nachmittags um 3 Uhr ihren Anfang nehmen.
** Die Preußische Slaatseisenbahn-Ver- w a l t u n g läßt gegenwärtig die hierzu geeigneten Personenwagen an den Innenseiten der Abteilthüren bezw. bei den Durchgangswagen an den Innenseiten der nach den Plattformen mündenden Ausgangsthüren mit Thür- griffen versehen, durch welche es den Reisenden ermöglicht wird, die Thüren von innen selbst zu öffnen. Diese zur Erleichterung des Aussteigens für das Publikum und mit Rücksicht auf etwaige Unfälle, bei denen Lin sck)-nelles Verlassen der Wagen geboten ist, getroffene nützliche Einrichtung ist indessen dann nicht ohne Gefahren sowohl für die Reisenden als für die Zugbeamten, wenn das ordnungsmäßige Schließen der Thüren nach, dem Verlassen der Wagen bezw. nach dem Einsteigen lin dieselben unterlassen wird. Insbesondere können durch das Anlehnen an die nicht vollständig geschlossenen Thüren der Abteilwagen leicht Unglücksfälle durch Abstürzen aus den Wagen herbeigeführt werden. Es ist deshalb im allgemeinen Interesse dringend zu wünschen, daß die Reisenden sich der leichten Mühe des Schießens der Wagenthüren unterziehen, wenn nicht noch andere Reisende bei dem Ein- oder Aussteigen nachfolgen, sowie ferner, daß die Thüren zum Aussteigen nicht eher geöffnet werden, bevor der Zug hält. Durch einen Anschlag an den Thüren der betreffenden Wagen wird hierauf noch besonders hingewiesen. Von Wichtigkeit ist auch., daß die in den Abteilen befindlichen Reisenden sich vor Abfahrt der Züge von dem Verschluß der Wagenthüren überzeugen und Kinder, sowie jugendliche Personen auf die event. eintretenden Gefahren durch ihre Begleiter aufmerksam gemacht werden.
(-) Wies eck, 3. September. Am Sonntag wurde die hiesige, im Laufe dieses Sommers renovierte und mit einer neuen Orgel ausgestattete Kirche bei zahlreich! versammelter Gemeinde ein geweiht. Während der Re- novicrungsarbeiten wurde der Gottesdienst in einem Saale der neuen Schule abgehalten. Die Anschaffung einer neuen Orgel war nötig geworden, weil die alte defekt und hinfällig geworden war. Während diese unpassender Weise im Ehor der Kirche stand, ist das neue, mit 14 Registern versehene, von der Firma Förster und Nikolaus in Lich bezogene vortreffliche Werk auf die dem Ehor gegenüberliegende Bühne gestellt worden und bildet einen herrlichen Schmuck des Gotteshauses. Um mehr Licht für dieses zu bekommen, wurde ein Ehorfenster, das seither zugemauert war, wieder geöffnet und nach dem Muster der beiden anderen Chorfenster hergestellt; die vier Fenster im Schiff wurden nm je 80 Ctm. erhöht. Im Chor wnrde neues Mstnhl errichtet, und der Altar inmitten desselben ausgestellt. Sowohl das Innere der Kirche als auch die Außenwände derselben erhielten durchweg einen neuen, geschmackvollen Anstrich Den Plan für die Renovierung fertigte Architekt Seuling von Gießen an, der auch die Arbeiten leitete. Fabrikant Heinrich Rau III. von hier 'schenkte ein neues, wertvolles Altarkruzifix. —
Avweihungsgottesdienst predigte der Ortsgeistliche über Ps. 26, 6—8. Die Orgel spielte Organist Lehrer
5'tr' hon der Gemeinde wurde von einem Schulerchor und dem Gesangverein Concordia bei der Feier gesungen. Den drei ältesten Mitgliedern des Kirchenvor- m äA cm läßlich der Feier je ein Gesangbuch in
• r.7nnb0J1 der Kirchengemeinde gewidmet. Das im llvthischen Styl angelegte Gotteshaus stammt aus dem 15. Jahrhundert.
o- Reu Ulrichstein, 3. September. Inder Arbeiter- Kolonie befanden sich Ende August stellen-, resp. arbeitslos 25 Mann. Dieselben verteilen sich nach dem Gewerbe: Arbeiter 12, Eisendreher 1, Former 1, Friseur 1 Gärtner 1 Kaufleute 2, Kellner 1, Kürschner 1, Maurer 1, Schlosser L Schneider 1, Schreiber 1, Schuhmacher 1. Seit Bestehen der Kolonie wurden ausgenommen 3743, entlassen 3718 Bestand am 1. August 1900: 22. Zugänge im Monat August 6, Abgänge im August 3. Die Abgänge verteilen sich: aus eigenen Wunsch 2, ohne Grund 1.
-eh- Darmstadt, 3. September. Gestern nachmittag wurde bei günstigem Wetter unter außerordentlicher Beteiligung, besonders der Kriegervereine, das von der Stadt
Bensheim errichtete Denkmal enthüllt. Am Festzug beteiligten sich ca. 70 Vereine mit Fahnen und Standarten. Die Festrede hielt Seminardirektor Geiger.
-nn. Bad Salzhausen, 3. September. Unser idyllisch gelegener Badeort erfreut sich einer von Jahr zu Jahr steigenden Frequenz. Die Zahl der abgegebenen Bäder betrug in diesem Jahr Ende August 6807, während sie sich Ende August 1899 nur auf 6588 belief. Die Anzahl der Nach- mittagsbäder übersteigt stets die der an den Vormittagen verabreichten. Das kommt daher, daß unser Bad, seit es Bahnverbindung hat, viel von Kranken aus der Umgegend besucht wird, die mit den Zügen ankommen und nach dem Baden wieder heimkehren. Aber auch die Logiergäste haben sich dieses Jahr zahlreicher eingestellt als in früheren Jahren. Das ist ja auch erklärlich, da die hier herrschende absolute Ruhe und die angenehme Waldlust die Heilerfolge nur günstig beeinflussen können. Mit der steigenden Frequenz hält die Bauthätigkeit gleichen Schritt. Neue Hotels und Logiervillen erstehen. Die vorhandenen waren dieses Jahr fast immer besetzt. Die Preise des Bauterrains sind bis jetzt hier noch mäßige. Der Quadratmeter kostet circa 2 Mk. Auch Baufirmen von Gießen haben hier bereits Bauplätze erworben und Neubauten aufgesührt. Die ganze weitere Entwickelung unseres Bades wird vom Erfolg der begonnenen Bohrproben, die eben in der Nähe der Lithiumquelle begonnen wurden, abhängen.
Generalversammlung und Stiftungsfest des hessischen Bauernbundes.
Fortsetzung statt Schluß.
N«-ch einem gemeinsamen Mittagsmahl wird nachmittags einhalb 3 Uhr im Garten des Gasthauses „Zum Löwen ' die Sitzung vor einer zahlreichen Zuhörerschor, die sich im Vergleich zu derjenigen am Vormittag tnahezu verdoppelt hatte, wieder ausgenommen, unb von dem stellvertretenden Vorsitzenden Volp dem Reichstagsabgeordneten Dr. B ö ck e l das Wort erteilt, der in längerer Rede über „den deutschen Bauernstand und den Freiheitskampf der Buren" sprach und etwa folgendes ausführte:
„Es macht mir außerordentlich viel Freude, nach langen Jahren manchen alten Bekannten und Freund hier wieder begrüßen zu können. Die Ereignisse der Politik sind leider nicht allzu erfreulich. Der deutsche Bauernstand und die deutsche Landwirtschaft haben ihre Interessen nicht mit genügender Energie vertreten. Handel und Industrie haben von jeher in dieser Beziehung mehr Energie besessen und bethätigt, und ihre Erfolge «dadurch errungen, daß sie es verstanden haben, durch Aufgebot von Geld und moralischer Macht, diese geltend zu machen und zu zeigen. Wenn wir gegenwärtig vor dem Feldzug mit Ehina stehen, so haben den in der Hauptursache die Interessen von Handel und Industrie gezeitigt. Deutsche Soldaten marschieren dafür; für die Interessen der deutschen Landwirtschaft aber seien noch nie Soldaten marschiert und würden wohl auch nie dafür marschieren. Dabei sehen wir, wie immer die Landwirtschaft zurückgestellt wird und so zurückgeht. 1882 waren 40 Prozent der Bevölkerung Landwirte, 1895 nur noch 35 Prozent. Wenn also in nur 13 Jahren ein so starker Rückgang zu verzeichnen wäre, wie viel würde in 100 Jahren noch übrig sein. Unsere heutige Reichsregierung, und von dieser spreche ich, ist, so meint Dr. B., nur zu geneigt, stets den Interessen des Handels nachzugeben. Wir stehen in der Jlottenaera. „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser", ist ihre Devise. Da die Landwirtschaft aber naturgemäß nur auf dem Lande leben kann, so haben wir Front zu machen gegen den Handel. Die Börse habe durch ihre großkapitalistischen Spekulationen ihr gewaltiges Streben nach der Weltherrschaft gezeigt, gegen die sich die Landwirtschaft wenden müsse. Der Bankdirektor Siemens, der von Sr. Majestät geadelt wurde, hat bei der Beratung des Börsengesetzes selbst gesagt, daß die Börse von außerordentlicher Wichtigkeit sei. Ein Bündnis zwischen Frankreich und Mißland kann nur bestehen, weil dieses von jenem immer und immer Geld braucht, und!der Dreibund nur, weil Italien und Oesterreich im gleichen Verhältnis zu Deutschland stehen. Das sagt ein deutscher Bankdirektor, der doch die Verhältnisse hinter den Koulissen der Börse kennt. Das bestätigt, daß die Börse alles ausnützt. Bei der Dreifusaffaire mit Drückung der fturfe und ebenso beim Beginn des Krieges in Südafrika setzte die Börse beim Zeichnen der Kriegsanleihe ein. Als für die Inder gesammelt werden sollte, da lieferte die deutsche Börse den Engländern das Geld. Wir sind heute so weit, daß Deutschland eine englische Dependance ist. Deutsche Herrscher rühmen sich, Engländer zu fein. Dieserwegen sind die Buren von den Völkern verleugnet und im Stich gelassen worden. Wir sollten, wenn nicht schon ans Gerechtigkeitssinn, durch die Bande der Blutsverwandschaft die Pflicht gehabt haben, für sie einzutreten und ihnen Beistand zu leisten. Aber die Buren seien ja nur arme Bauern, die für ihr Vaterland und ihre Freiheit kämpften. Ja, wenn das Georg von Griechenland oder der Prinz von Wales gewesen wären, so wären wir bereit gewesen, ihnen Beistand zu leisten. Von englischen Soldnerscharen werden die Buren in ihrem eigenen Lande als Rebellen behandelt. Selbst Napoleon hatte Verständnis dafür, wenn jemand sein Vaterland verteidigte. Es hat bis znm heutigen Tage noch keine größere Schmach gegeben, als die Unterdrückung der Buren; noch nie hat der Geldsack so gewaltsam geherrscht wie hier. Sogar mit dem Blute eines Deutschen hat Lord Roberts seine Hände jetzt besudelt. Aber Lord Byron hat einst schon prophezeit, daß die Völker einmal aufwachen müssen gegen die Uebergriffe Englands. Und das alles wird von der englischen Regierung kommandiert, nicht von Roberts, der Strohpuppe, sondern vom Prinzen von Wales und seinen Leuten, die das Geld der Buren und ihre Goldminen haben wollen. Diese berauben jenes Volk ihres Vaterlandes. Wir Deutsche nun, die wir 1870/71 erleben durften, sahen still zu, wie jene unterdrückt werden. Hoffentlich wird die deutsche Regierung es früher einsehen, ehe es zu spät ist, was für eine Stühe sie am Bauernstand stets gehabt hat und noch hat. Aber so kann es nicht weiter gehen. Wir müssen uns darauf besinnen, daß wir deutsch sind und ein freies, deutsches Wort unter freiem, deutschen
laudeo-Koufereiy der tzrMev S^mlbrrnohraten.
Am Sonntag tagte in Neu-Isenburg die Landes Konferenz der hessischen Sozialdemokraten. Zum Vorsitzenden wurde Reichs- und Landtagsabgeordneter Ulrich gewählt. Derselbe gedachte in seiner Eröffnungsrede des Todes Wilhelm Liebknechts. Der Verstorbene sei der erste sozial- demokratische ReickMagsabgeordnete in Hessen gewesen. — Von 70 Orten Hessens waren 90 Delegierte erschienen. Der Wahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda beantragte noch auf die Tagesordnung folgendes zu setzen: „Die Landeskonferenz möge die Aufstellung eines Kom- munal-Wahlprogramms für Hessen beschließen." Der Antrag wurde abgelehnt. Ulrich erstattete hieraus den Geschäftsbericht des Landeskomitees. Er meinte, daß mit der Landesorganisation ein gutes Stück marschiert worden sei, doch sei sie weiter auszuarbeiten, damit noch mehr als bisher geleistet werde. Auch bei den Land- tagswahlen habe die Organisation gut funktioniert. Das Landeskomitee habe 60 000 Exemplare des programmatischen Flugblattes herausgegeben, was recht unlieb von den Gegnern empfunden worden sei. Tas Resultat sei allerdings nicht wünschenswert ausgefallen, da man mindestens auf zwei Mandate Zuwachs geredjnet habe. Nur der Wahlkreis Groß-Gerau sei gewonnen worden und der schon als sicher betrachtete Gießener Landbezirk nicht. Hieran trage eine alte Burg der Sozialdemokratie, der Ort Heuchelheim, allein die Schuld, es habe an der dortigen mangelhaften Organisation gelegen. Doch die Stimmenzahl habe bedeutend zugenommen/ Es sei dies der außerordentlichen Arbeit der Parteigenossen der einzelnen Orte zuzuschreiben. Die Partei dürfe, so führte der Redner aus, keinen Augenblick ruhen, das bedeute Rückschritt, es müsse immer vorwärts marschiert werden. Das Landeskomitee sei dafür, daß noch in diesem Jahre ein Landeskalender gedruckt und gratis im ganzen Lande unter der Bevölkerung zur Verteilung gelange, der Kalender müsse besonders unter dem Bauernstände wirksam agitieren. Herr O v b - Offenbach erstattete hierauf den Rechenschaftsbericht. Unter den Einnahmen für verausgabte Landesmarken figuriert an erster Stelle Offenbach mit 1000 Mk., Mainz mit 647.99 Mk., Darmstadt mit 500 Mk., Gießen mit 120 Mk., Vilbel mit 70 Mk., Worms, Alzey und Erbach mit je 20 Mk. Im Ganzen betrugen die Einnahmen 3249.40 Mk., die Ausgaben 1619.99 Mk., sodaß ein lieber schuß von 1629.41 Mk. verbleibt. Der Mitglied erst and der organisierten Parteigenossen beträgt in Hessen 4 5 00. Es sei also im letzten Jahre eine Zunahme von 500 Mitgliedern zu verzeichnen. Nach einer ausgiebigen Debatte über den Etat der hessischen Sozialdemokratie wurde dem Kassirer einstimmig Decharge erteilt. Es wurde hierauf der einstimmige Beschluß gefaßt, noch in diesem Jahre den Landeskalender in einer Anzahl von 150 000 Exemplaren erscheinen zu lassen und ihn gratis zu verkeilen. t , ' . . t „
Berthold- Darmstadt berichtete über den Ausfall der Landtags wählen. Sieben Wahlkreise seien zur Bearbeitung empfohlen worden, darunter drei in Starkenburg, zwei in Rheinhessen, zweiinOber - Hessen. Von 48 Wahlmännern sei man auf 127 bei den letzten Wahlen fl-eftiegen. Es müsse energisch agitiert werden daß für die Landtagswahlen das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht eingeführt würde.
Himmel mitzusprechen haben. Schon vor Jahrtausenden hat Tacitus gesagt, die Deutschen wären ein freies Volk und em freies Volk wahre sich ein freies Wort! Es wird sichüber kurz oder lang zeigen, an wem die Regierung eine kräftigere Stütze und von wem Deutschland mehr hat, an Handel und Industrie oder Landwirtschaft. Dazu aber ist Einigkeit nötig. Wenn die Beratung der Handelsverträge beginnt, so wird man mit allem möglichen Druck von oben arbeiten, um das durchzubringen, was man am Regierungstisch beschlossen hat. Heute ist es noch Zeit, den Willen der Landwirtschaft kundzugeben. Und was will eigentlich die Regierung? Auf wen will sie sich denn verlassen? Will sie sich auf die Sozialdemokraten stützen, die sich mit Stolz die Internationalen nennen? Glaubt sie von den Geldleuten gehalten zu sein, die vom „Kanonen- giesten leben", vom Verkauf Von Waffen und Munition an unsere Gegner? Unsere tapferen deutschen Soldaten sind vor den Takuforts von deutschen Geschossen niedergeschmettert worden.
Ja, heute führen wir Krieg mit China. Vor ein paar Zähren hat man Li-Hung-Tschang alles angeboten und verkauft und ihm ein Denkmal errichtet. Heute ruft
• Kölker hütet Euch vor dem gelben Mann, der ist der Gefährliche! Man glaubt nicht, wie viel gethan wird, um die Wahrheit zu verdunkeln. Aber auch die wird eines Tages ans Licht kommen, ebenso wie eines Tages die Gerechtigkeit siegen wird, ehe es zu spät ist. Heute aber bewegt sich die Politik auf Bahnen, die nicht zum Segen des Allgemeinwohls führen. Die Landwirtschaft ist das bescheidene Waisenkind, das stets still und zufrieden war. Wenn aber nicht ein paar Schreier unter den „Agrariern" wären, hätte uns Amerika heute sein verdorbenes Fleisch eingeführt. Und nun soll im kommenden Winter das Börsengesetz refor- miert werden und der Terminhandel vielleicht wieder offiziell losgehen. Wir haben an; andern gesehen, daß, wer rührt mit der Trommel, vorwärts kommt. Lange hat die Landwirtschaft geschwiegen; da sie aber immer mehr und mehr unterdrückt wird, hat sie nicht geschwiegen. Wir müssen endlich auch anfangen, begehrlich zu werden, wir müssen und wollen auch mitsprechen in allen öffentlichen Angelegenheiten. Wenn Jndusttie und Handel ihre Interessen zu wahren «wissen, muß die Landwirtschaft es ebenfalls wissen, und wenn sie einig ist, wird sie auch etwas erreichen. Die Landwirtschaft stellt die meisten Soldaten und trägt die meisten Lasten; das wissen die Herren von der Regierung auch Aber sie glauben erst Handel und Industrie den Mund stopfen zu müssen. Wenn dann noch was übrig bleibt, dann fällt auch für uns etwas ab. Solange wollen wir aber nicht warten.
Die Zeit ist heute ernst. Was wird in C h i n a werden? Niemand weiß es; aber soviel wissen wir, daß wir schon 100 Millioueu sicher zu zahleu haben. Ta müsse doch; der Reichstag von rechtswegen b e ru fen werden.
Schluß folgt.


