Ausgabe 
5.9.1900 Erstes Blatt
 
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Fn der Debatte über die Landtagswahlen bemerkte LandtagSabg. Cramer-Darmstadt, daß es bei der Prü­fung der Mandate im Hessischen Landtage geradezu beschämend wirke, die sozialdemokratischen Wahlmänner, wenn sic sich in der Minorität befänden, sich der Ab­stimmung enthielten, wie dies im Wahlkreise Mainz-Land der Fall gewesen. Das dürfe in Zukunft nicht mehr Vor­kommen. .

Landtagsabg. Dr. David billigte -das Fernbleiben der Wahlmänner vom Wahlakte ebenfalls nicht, es sei dies eine verfehlte Taktik nnd geschehe nur, um Geld zu sparen. Es sei im Wahlkreise Mainz-Land eine überaus eifrige Arbeit entfaltet worden, und man hoffe in Zukunft diesen Wahlkreis zu erobern . Es empfehle sich, Formulare zur Ausnahme in den hessischen Staatsverband seitens des Landeskomitees drucken zu lassen, und die Aufnahme in den hessischen Staatsverband nicht zu einer vorübergehen­den, sondern zu einer dauernden Agitation zu gestalten.

Es wurde beschlossen, energisch in die Landtagswahlen einzutreten und die Wahlmänner zu bestimmen, auch wenn sie sich in der Minorität befinden, an dem Wahlakte teil­zunehmen. Auch der Antrag des Dr. David, Aufnahme- formulare drucken zu lassen, fand einstimmige Annahme.

Landtagsabg. Dr. David berichtete über den bevor­stehenden Parteitag in Mainz und den inter­nationalen Kongreß in Paris. Der Redner ge­dachte ebenfalls Liebknechts, der zum ersten Male auf dem Partei Kongresse fehle. Der Parteitag in Mainz werde keine tiefeingreifende Meinnngsverschiedenheiten zutage fördern, sondern friedlich verlaufen und beweisen, daß die Sozialdemokratie einig sei. Bei den nächsten Wahlen, be­sonders den preußischen Landtagswählen, müsse dem agrarisch-klerikalen Heerbann Abbruch geschehen, überall da, wo die Sozialdemokraten keine Aussicht auf Erfolg hätten, müßten sie fürdiebürgerlicheOpposition eintreten. Damit würden die Sozialdemokraten ihre Prin­zipien nicht änfgeben. Diese Frage würde den Parteitag ebenfalls beschäftigen, lieber die Weltmachtpolitik werde Singer referieren. Dieser Politik müsse ein ent­schiedenes Nein entgegengesetzt werden.

Die Landeskonferenz nahm folgende Resolution einstimmig an:

Ausgehend von dem Gedanken, daß die sozialdemo­kratische Partei keine Gelegenheit zur Propaganda ihrer Ideen und zur Verstärkung ihrer politischen Macht ver­absäumen soll, beantragt die hessische Landeskonferenz, der Parteitag wolle beschließen: Die Beteiligung an den Landtagswahlen wird den Parteigenossen aller Bundes­staaten zur Pflicht gemacht. Da, wo die Normirung eigener Kandidaten resp. Wahlmänner nicht möglich ist, sind diejenigen bürgerlichen Kandidaten zn unterstützen, die die weitgehendsten Garantien bieten."

Als Delegierte zum internationalen Kongreß in Paris wurden die Abgg. Ulrich nnd Dr. David gewählt. Auf Antrag Alsfeld wurde beschlossen, daß diejenigen Wahl­kreise, welche nicht in der Lage sind, aus eigenen Mitteln einen Delegierten auf den Parteitag in Mainz zu entsenden, von der Landeskasse Unterstützung erhalten. Die Anträge

des Kreis-Wahlvereins Mainz-Oppenheim, ein ein­heitliches Mitgliedsbuch für das ganze Großherzogtum ein zusühren, und das Organisationsstatnt einer genauen Re­vision zu unterziehen, wurden abgclehnt, dagegen ein An­trag Raab-Pfungstadt: das Landeskomitee wird beauf­tragt, über ein einheitliches Mitgliedsbuch und ein Or­ganisationsstatut in 'Wer nächstjährigen Landeskonferenz Borlage zu machen angenommen. Auf Antrag Darm st a d t'-G r o ß-Ge r a u wurde das Landeskomitee beauf­tragt, eine K o n f e r e n z d e r s o z i a l d e m o k r a t i s ch e n Gemein de räte für das Großherzogtum Hessen zu arrangieren. Auf Antrag desselben Wahlkreises wurde ferner beschlossen, den Paragraph 11 des Organisation^ statuts der sozialdemokratischen Partei Hessens dahin ab­zuändern, daß der dem Landeskomitee verbleibende Betrag der 10-Pfg.-Marke um 5 Pfg. erhöht und der Landes­kassierer befugt ist, in vierteljährlichen Raten diesen er­höhten Beitrag der Gesamteinnahme an die Kasse der Gesamtpartei in Berlin abzusenden. Zum Schlüsse wurde das Landeskomitee wieder gewählt und zwar Ulrich - und Orb- Offenbach, Stock- Mainz, Berthold- Darm­stadt und Orb i g -Gießen. Ulrich schloß abends 5 Uhr die Landeskonferenz. __________________________________

Gerichtssaal.

Königsberg i. Pr., 31. August. Ein Prozeß wegen Heraus­forderung jnm Duell kommt demnächst vor unserer Strafkammer zur Verhandlung. Bon der Staatsanwaltschaft ist gegen den hiesigen Gymnasialprofeffor Dr. Friedrich Konstantin Schulz, Oberleutnant a. D., und gegen den Oberstleutnant a. D. Heinrich Sakowski deshalb Anklage erhoben worden. Die Herausforderung richtete sich gegen den Geh. Justizrat Hagen, den Vorsitzenden der hiesigen Anwaltskammer, und hatte ihre Veranlassung in Differenzen zwischen den Vorständen des Philharmonischen Orchestervereins, dessen Vorsitzender Geh. Rat Hagen ist, und des MusikvereinS, dessen Leitung in den Händen des Professors Schulz liegt. Im Verfolg dieser Differenzen wurden vom Philharmo­nischen Verein mehrere Briese an den Musikverein gerichtet, durch die sich Professor Schulz beleidigt fühlte. Er beauftragte den Oberstleutnant Sakowski damit, Geheimrat Hagen zur Zurücknahme seiner Erklärungen aufzufordern und ihm, falls eine Einigung nicht erzielt werden sollte, eine Herausforderung auf Pistolen zu überbringen. Diesen Auftrag führte Sakowski aus, indem er dem Geheimrat, der einen Widerruf seiner Aeußerungen ablehnte, erklärte, er habe eine Forderung deS Profeffors Schulz zu überbringen. Geheimrat Hagen nahm die Forder­ung nicht an. _________________________________ _ _

AlkMg aus den StandesmntsrezistttA Ser Sückt Meße«.

Aufgebote.

August 25. Theodor Friedrich Karl Otto Dupont, Großh. Gerichts- affeffor in Alzey mit Wilhelmine Johanna Antonie Emma Weidig dahier. 27. Hermann Franz Paul Mühlberger, Kaufmann in Frankfurt a. M. mit Kunigunde Rauch, Köchin in Frankfurt a. M. 28. Wilhelm Gott­fried Florus, Korbmacher dahier mit Elisabeth Christine Hermine Jöckel, geb. Affauer, Witwe dahier. 29. Johann August Geißler, Schreiner in Frankfurt a. M. mit Anna Katharine Elisabethe Brandt, Kleidermacherin dahier. 30. Georg Horst, Bahnarbeiter dahier mit Susanne Marie Margarethe Pfeiffer Hierselbst. Johann Daniel Carle, Bäcker dahier mit Margarethe Walbrecht Hierselbst. 31. Heinrich Hillgärtner, Schreiner

dahier mit Katharine Elisabethe Schmidt Hierselbst. Adam Bayer, Schneider dahier mit Eugenie Bing Hierselbst.

GheschUetzupgerr.

August 28. Johannes Schneller, Former dahier mit Johannette Deichhardt Hierselbst. Heinrich Steinmttller, Taglöhner dahier mit Elisa» bethe Zimmermann Hierselbst.

«edoreae.

August 24. Dem Bergmann Konrad Schmidt ein Sohn. Konrad. Dem Friseur Philipp Lehrmund ein Sohn, Friedrich. Dem Bahnwärter Heinrich Heß ein Sohn. Dem Schloffer Friedrich Diehl eine Tochter. 27. Dem Eisendreher Gustav Heinrich Krausch ein Sohn. 28. Dem Prokurist Jakob Jung eine Tochter.

«estorbeue.

August 25. Auguste Panz, 6 Monate alt, Tochter deS Dachdeckers Wilhelm Panz dahier. 27. Johanna Fulda, geb. Rausch, Rentnerm dahier. Melchior Schäfer, Wirt dahier. 28. Johann Adam Werner, Werkmeister dahier. _______________

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Ufran«.Hurter Börae vom 8. September.

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Kotierungen: Kreditaktien 208.30-000-00, Dlskonto- Kommandit 174.30-174-000.00, Staatsbahn 142.20-142, Lombarden 27-26.80, Italiener 94 60, Spanier 72.90, Bproz Mexikaner 26.40, Bochumer 189-7.20-50 bz., Laura 205.10-000.00 bz., Harpener 184-4.70-50-00 bz., Gelsenkirchen 196.60-000.00 bz., Privat-Dis­kont 4 % % G.

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Bekanntmachung,

betreffend: Städtisches Elektrizitätswerk.

Um die Abgabe von Elrktr'zilät für den Bedarf des Stadtgebiete» bi» zum 1. April 1901 bewirken zu können, ist es jetzt schon erforderlich, die Verkeilung elektrischer Energie in diesem Gebiet festzustell n. Das Werk wird im Gleichstrom-Dreileitersystem 2 mal 220 Volt ausgeführt. Die Märke der Leitungen und die Führung derselben wird in den Straßen entsprechend dem voraussichtlichen Bedarfe au elektrischer Energie für die einzelnen Bezirke bestimmt. Wird dabei auch Spielraum für einen über den Rahmen der ersten Äumelduugeu hiuausgeheuden Verbrauch vor­gesehen, so können durch nachträgliche Anmeldungen den Abnehmern Schwierigkeiten und besondere Kosten er­wachsen. Es wird deshalb dringend gebeten, den voraus­sichtlichen Bedarf an elektrischer Energie bis zum 1. Oktober ds. IS. aus den dafür in dem Büreau des städtischen Elektrizitätswerkes (Neumühle) und bei der Großherzog­lichen Bürgermeisterei unentgeltlich zur Verfügung stehen­den Formularen anznmeldeu.

Die Bedingungen für den Bezug elektrischer Energie find ebendaselbst erhältlich. Die Aufforderung zur Stellung definitiver Anträge aus Anschluß erfolgt dann später. Zur Erläuterung sei bemerkt, daß jedes Grundstück in der Regel nur einen Anschluß an die elektrische Leitung erhält, daß aber die verschiedenen Gebäude eines Grundstückes oder die verschiedenen Stockwerke eines Gebäudes durch besonderen, mietweise überlaffenen, Zähler in ihrem Verbrauche kontrolliert werden können.

Bei der Anmeldung ist getrennt anzugeben der voraussichtliche Be­darf an elektrischer Energie

a) , Beleuchtungszwecke durch Bezeichnung der Art, Stärke und Zahl der Lampen,

d) für elektrische Motoren nach Pferdestärken des Elektrometers, c) für sonstige Zwecke unter Beschreibung der Verwendung, die beiden letzten Angaben mit Zusüarwg der Tageszeiten und Stunden, in welchen der Betrieb voll und beschränkt staufindet.

Jede gewünschte weitere Auskunst erteilt der Betriebsleiter des städtischen Elektrizitätswerkes, Herr Mulert, auf der Neumühle in den Stunden von 1112 Uhr vormittag- und 56 Uhr nachmittags.

Gießen, den 27. August 1900.

Großherzoglichc Bürgermeisterei Gießen.

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Bekanntmachung.

Nachstehendes Ortsstatut wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

Gießen, den 30. August 1900. 5826

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Wolff.

Ortsftatut für die Stadt Gießen,

betreffend die Gesiudeordunng.

In Gemäßheit des Art. 7 der Gefindeordnung in der vom 1. Januar 1900 an geltenden Fassung wird hierdurch auf Beschluß der Stadt- verordmten-Versammlung vom 26. Juli 1900 und mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern vom 9. August 1900 zu Nr. M. d. 1.23278 bestimmt, daß für den Bezirk der Provinzialhauplstadt Gießen an Stelle des Art. 6 des Eingangs zitirten Gesetzes die folgenden Vorschriften über die Dauer der Dienstzeit zu treten haben:

Ist über die Dauer d,r Dienstzeit nicht» vereinbart, so wird d'.r Vertrag als auf die Dauer eines Kalendervierteljahres abgeschloffen an­gesehen. Das Kalenderoierteljahr beginnt mit dem ersten Werktag eines Vierteljahres und endigt mit dem Beginne des folgenden Kalender- vierteljahres.

Ein im Laufe des Kalendervierteljahres abgeschloffener Dienstvertrag gilt als bis zum Ende desselben eingegangen, falls nicht ein anderes vereinbart ist.

Gießen, den 30. August 1900.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Wolff.

Die am 1. Oktober er. fälligen Coupons unserer Pfand­briefe werden bereits vom 15. September er. ab an unserer Kasse in Berlin und an den bekannten Zahlstellen kostenlos eingelöst.

Gleichzeitig bringen wir hierdurch ZUr Kenntnis, dass eine Kündigung oder Verlosung unserer 5830

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vorläufig nicht beabsichtigt ist.

Ueber die Ausgabe der neuen Couponbogen erfolgt in Kürze weitere Bekanntmachung.

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Der Kursus beginnt am 10. September.

Anmeldungen werden in der Schule angenommen. 5579

5840] Die am 1. Oktober 1900 fälligen Coupons unserer Pfandbriefe werden bereits vom 15. Septbr. er. ab an unserer Kaffe sowie an den bekannten Zahlstellen kostenlos eingelöst.

Neustrelitz, 1. September 1900.

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Mittwoch den 5. September i. 1, nachmittags 3 Uhr,

werden im Bieker'schen Saale versteigert: I. Mehrere SofaS, Kommoden, Kleider, schränke, Tische, 1 Ausziehtisch, 1 Schreib­tisch, 1 Bücherregal, 1 Linoleumbelag, 1 Aquarium, 1 Bauerntischchen, 1 Regu­lator, 1 Vertikow, 1 Waschtisch, 1 voll­ständiges Bett, 1 Nähmaschine, 1 Hobel­bank, 1 Faß Sprit, 1 Damenfabrrad, 2 Faß Wein, 1 Ladenschrank, 2 Zugpferde, 2 Schweine u. a. m. II. 1 Regal mit 14 Gefachen, 1 Partie Notizbücher, Feder­halter, 12 Dutzend Bunt- und Bletstifte, 21 Pack Griffel, 4 Bilder, 1 silberne Cylinderuhr mit goldener Kette.

Die Versteigerung unter II. findet be» stimmt statt.

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Mittwoch den 5. Scptbr., nachmittags 2 Uhr, wird Mai gaffe 11 dahier 1 Taschenuhr, 1 Bett, 1 altes Sofa, 1 Tisch, mehrere Stühle, 1 Küchenschrank, Haus- und Küchengeräte, Kleider und Weißzeug gegen Barzahlung versteigert. 5834

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