Ausgabe 
5.7.1900 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die Tapferkeit gehört nebenbei auch nicht gerade zu 'den Tugenden des chinesischen Soldaten, dagegen ist er bis zu einem gewissen Grade willig und bedürfnislos. Vor allem erträgt er Hitze und Kälte ebenso wie Hunger und Durst mit großer Leichtigkeit, während er wieder gegen die Unbedeutendsten Regen- und Schneefälle sowie gegen starken Wind sehr empfindlich ist. Das starre Festhalten am Althergebrachten, an guten und schlechten Sitten, an Vorurteilen, Gewohnheiten und an Aberglauben der ver­schiedensten Art, sowie die Verachtung aller fremdländi­schen Kultur haben in China eine Art von Abderitentum großgezogen, das besonders der Wehrkraft des Landes zum Schaden gereicht. Die Thorheiten, die in militärischer Be­ziehung von der, gewöhnlich durch einen Zivil­beamten ausgeübten Leitung des Heeres an bis zur Thätigkeit des einzelnen Soldaten hinunter fort­gesetzt begangen werden, sind so groß, und so mannig­faltig, daß sie derjenige kaum für möglich halten wird, der nicht selbst in der Lage war, chinesische Truppen zu beobachten. Es ift| z. B. eine charakteristische Thatsache und keineswegs eine Erfindung, daß im letzten Kriege mit den Japanern nicht nur die weit vom Schuß befindlichen Dmp- pen-Kommandeure, sondern auch die im Bereiche des feindlichen Feuers liegenden Offiziere und Soldaten beim Fallen einiger Regentropfen ihrer angeborenen Wasserscheu nachgebend schleu­nigst durchs Aufspannen von Schirmen gegen den Regen Deckung gesucht und hierdurch dem feindlichen Feuer ein größeres Ziel geboten haben. Die Abderitenstreiche der leitenden Stellen sind den Chinesen sehr oft verhängnisvoll geworden und haben noch im Jahre 1884 dem französischen Admiral Courbet zu dem billigen Triumphe von Futschau verhalfen, der dann von Jules Ferry als eine der ruhmreichsten Wafsenthaten übermäßig gefeiert worden ist.

Die angeblich so große Zahl der chinesischen Soldaten, die Zahl der chinesischen Festungswerke und besonders auch die große Zahl der darin auf gestellten, meist von Krupp und Armstrong gelieferten Geschütze können europäische Beurteiler, wie z. B. die bei Ausbruche der Feindseligkeiten mit Japan chinafreundlichen englischen Berichterstatter ge- than haben, leicht verleiten, von der Wehrkraft Chinas mit größerer Achtung zu sprechen, als sie verdient. Der an europäische Verhältnisse gewöhnte Beurteiler kann sich kaum vorstellen, in wie hohem Maße das bereits gekenn-^ zeichnete chinesische Abderitentum die zweckmäßige Anlage von Festungswerken und besonders auch die zweckmäßige Verwendung der vorhandenen Geschütze von vornherein Verhindert. Der preußische Leutnant und jetzige chinesische General v. Hanneken durfte als Festungsbaudhrektov von Port Arthur die schweren Verteidigungsgeschütze nicht an den zur sicheren Bestreichung des Hafens, der vorliegen­den See und des vorliegenden Geländes geeignetsten! Stellen, etwa gar dem Auge des Beobachters möglichst ent­zogen, aufstellen, sondern mußte auf das gebieterische Ver­langen der Chinesen die Batterien auf den höchsten und weithin sichtbarsten Punkten errichten, damit dem Feinde' größere Furcht eingeflößt werden sollte. Die Folge davon war, daß der größte Teil des Hafens im toten Winkel lag. 9hir mit Mühe konnte Hanneken die zweckmäßige An­lage einiger kleineren Batterien erreichen.

Aehnlich lagen die Verhältnisse in Taku, das aller­dings mit Batterien förmlich gespickt war. Dagegen war hier das Baumaterial der Lehm des Peho das denkbar ungeeignetste. Taku, dieser Stolz Chinas, ist nach int ganzen siebenstündiaem Kampfe in die Hände der Europäer ge­fallen, und das eine Meile nördlich von Taku am Ausfluß des Petangflusses gelegene Petang wird wohl ohne Sang und Klang das Schicksal Takus geteilt haben. Tsiaotschang und Lutai, die Sitze der Generalkommandos südlich und nördlich des Peho, sind garnicht befestigt, und das zwischen Taku und Tientsin am Peho gelegene kleine Sperrfort scheint schon vor der Erstürmung Takus in den Händen der Europäer gewesen zu sein. 1

Die verbündeten europäischen Truppenteile treffen bis Peking keine Festungen, boefy ist jede chinesische Stadt mit einer Mauer umgeben. Die Mauern von Peking selbst sind außerordentlich, hoch und breit, doch! wird eine Ver­teidigung derselben, ebenso wie im Jahre 1860, kaum ver­sucht werden. Das Gelände der Pehoebene ist lehmig, auch 'befinden sich- die Wege und Brücken in sehr schlechtem Zustande, sodaß bei Regenwetter das Fortkommen ziemlich erschwert ist. Der Peho kann jedoch bis Tungtschao un­gefähr 35 Kilometer von Peking als Wasserstraße benutzt werden. Das Vorrücken der europäischen Truppenteile bis Peking hat also, selbst wenn die Benutzung der teilweise zerstörten Eisenbahnlinie nicht angängig ist, mit verhält­nismäßig unbedeutenden Schwierigkeiten ju rechnen.

Das chinesische Landheer setzt sich aus dem kaiserlichen Heere, im engeren Sinne, und den Provinzialtruppen zu­sammen. Das ausacht Bannern" bestehende eigentliche kaiserliche Heer ergänzt sich nur aus Mandschuren, aus den seit der Eroberung Chinas mit ihnen verbündeten Mon­golen der östtichen Aimaks und aus den Nachkommen der­jenigen chinesischen Soldaten, welche zu derselben Zeit (1644) freiwillig unter den Mandschuren gefochten haben. Dieses Heer steht teilweise in der Nähe Pekings, in den Provinzen Tschili und Liaotong, besonders auch in Schan- haikvan, wo die große Mauer an der Grenze der vorge­nannten Provinzen bis in das Meer hinein geführt worden! ist, teilweise steht es unter besonderen Bannergeneralen in den entfernteren Provinzen, die eine Art Aufsicht über die Zivilgouverneure ausüben. Die kriegerische Kraft der im Laufe her Jahrhunderte verweichlichten, in Sitten und Gebräuchen völlig in den Chinesen aufgegangenen Mand­schuren ist bis auf die in der alten Mandschurei zurück­gebliebenen Reste dieses Tartarenstammes völlig erloschen. Ebenso ist auch die kriegerische Kraft der ganz unter der schwerlastenden Herrschaft der Leamapriester stehenden, vielleicht noch zwei Millionen Köpfe zählenden Nomaden- bevölkerung derartig zurückgegangen, daß ihre Reiterei selbst in China den Schrecken des 13. Jahrhundert völlig verloren hat und europäischen Truppen gegenüber wenig in Betracht kommen kann.

Außer der kaiserlichen Armee besteht in jeder Provinz und den in der Verwaltung den Provinzen gleichgestellten Nebengebieten Chinas eine besondere, unter je einem Titu oder kommandierenden General stehende Provinzialarmee. Die Titus unterstehen sowohl dem Kriegsministerium zu Peking als auch den Zivilgouverneuren ihrer Provinz.

Die Stärkere schinesischenHeeres soll im Frieden 1 200 000 Mann, also noch nicht ein Drittel Prozent der Bevölkerung gusmachen, während sie in Wirklichkeit höch­stens 300 000 Mann, also vielleicht ein Fünfzehntel Prozent der gegenwärtig auf ungefähr 450 Millionen Ein­wohner zu veranschlagenden Bevölkerung des über 11 Millionen Quadratkilometer großen Reiches zählt. Die taktische Einheit bilden Lager von 500 Mann, von denen in den entfernteren Provinzen oft nur 50 Stammmännschäften ständig versammelt sind, welche Zahl sich in der am schärfsten kontrollierten Provinz Tschili auf etwa 300 bis 350 Mann erhöht. Der Sold der fehlenden Soldaten, die durch erspartes Pferdefutter und ähnliche Unregelmäßig­keiten erzielten Ersparnisse und anderweitigen Nebenein­nahmen fließen zunächst in die Tasche der Lagerkomman­danten, die aber ihren Vorgesetzten sowie den revidierenden Beamten einen Teil der Beute abgeben müssen.

Die Offiziere ergänzen sich im allgemeinen aus den Soldaten und sollen nach den alten Ueberlieferungen nach! Maßgabe ihrer Kraft und Geschicklichkeit befördert werden. Meistens werden die Stellungen aber mehr oder minder öffentlich verkauft. Der Sold der chinesischen Soldaten übersteigt in China den durchschnittlichen Tagelohn ge­wöhnlicher Arbeiter, der nach unserem Gelde etwa 20 bis 40 Pfennig für den Tag beträgt Es kommt daher vor, daß die Einstellung als Soldat im Frieden bereits als eine gewinnbringende Beschäftigung angesehen wird, die bei stärkerem Angebot nur durch Gunst oder Bestechung erreicht werden kann. Andererseits nehmen sich, die Lagerkomman­danten, die Generale, sowie auch die hohen Zivilbeamten das Recht, die in ihrem Verwaltungsbereiche befindlichen Soldaten geeigneten Falles in ihrem persönlichen Interesse als Arbeiter zu. 'verwenden. In diesen Fällen werden Träg­heit und Nachlässigkeit sehr streng bestraft. Eine wichtige Nebenbeschäftigung der verwaltenden chinesischen Generale ist stcis die Unterhaltung mehrerer Pfandleihen. Erfteuen sich di.se Geld-Jnstttute des erwünschten Zuspruches noch nicht in dem erwarteten Maße, so werden einfach die mit den 1. und 15. jeden Mond-Monats festgesetzten Sold­zahlungen so lange ausgesetzt, als das Geschäftsinteresse des Generals dies zweckmäßig erscheinen läßt.

Die in den einzelnen chinesischen Provinzen errichteten Pulverfabriken und Militärschulen sind im großen ganzen nicht vielmehr als Attappen, und die Mühe und Pflicht- treue der europäischen Instrukteure fällt stets aus recht undankbaren Boden, weil sie sich mit dem Geschäftsinteresse der verwaltenden Generale in fortgesetztem Kampfe be­finden muß. Imm'erhin ist durch die Thätigkeit ber fremden Offiziere der Werteines Teiles der chinesischen Armee derartig gehoben, daß dieVerluftederEuroPäerindenGefechten künftighin größer sein müssen als früher. Dessen­ungeachtet wird die militärische Wehrkraft Chinas den euro­päischen Trupven sich nicht gewachsen zeigen und bald wie ein irdenes Gefäß im Zusammenstoß mit einem eisernen elend in Scherben zerbrechen. Dagegen steht zu befürchten, daß die überlegene chinesische Diplomatie unter kluger Be­nutzung des Interessengegensatzes der europäischen Mächte bald wieder ihre Triumphe feiern und die Ruchlosigkeit der dolosen chinesischen Handlungsweise vergessen machen wird.

Aus Stadt und Kand.

Gießen, den 4, Juli 1900.

Domstnger. Konzert. Mit großem Interesse ficht man in den musikliebenden Kreisen unserer Stadt dem Er­scheinen der König!. Domsänger aus Berlin entgegen. Die bekanntlich aus acht Herren bestehende Vereinigung, welche aus dieser Reise ihr 750. Konzert absolviert, und die auch hier zahlreiche Freunde besitzt, wird altem Gebrauche gemäß in dem ersten Teile ihres Programms Werke alter und neuer Meister aus dem Gebiete der musica sacra und im zweiten Teile Blüten weltlicher Mufik zu Gehör bringen. Das voraussichtlich stark besuchte Konzert findet am 9. Juli (Montag) in Steins Saalbau statt.

§ Vom Urkuudeustempelwese». Zufolge eines neueren Ministerialerlasses sollen nunmehr auch die Ortsgerichts­vorsteher sich dem Geschäfte des Stempelmarkenverkaufs unterziehen, damit Beamten und Privaten, die in die Lage kommen Stempel zu verwenden, eine raschere Beschaffung von Urkunden möglich ist. Diese Anordnung entspricht wohl einem Bedürfnis, das an solchen Plätzen empfunden wurde, die von einem Amtsgericht oder Kreisamt ziemlich entfernt liegen, resp. keine günstige Verbindung zu dem Sitze ge­nannter Behörden haben.

** Bertillonsche Körpermessung. Der in Bruchsal abgehaltene 1. badisch-hessische Lehrkursus zur Erlernung der Bertillonschen Körpermess­ungen wurde am Samstag geschlossen. An diesem Kursus, der von einem Kriminalkommissar aus Berlin ge­leitet wurde, nahmen Polizei- und Strafanstaltsbeamte aus Hessen und Baden teil, u. zw. aus den Städten: Gießen (Kriminalschutzmann Pfeffer), Mainz, Marienschloß und Worms, sowie Baden-Baden, Bruchsal, Freiburg, Karls­ruhe und Mannheim. Im ganzen wurden 12 Beamte aus­gebildet. Der Kursus wurde am 8. Juni von dem Re­gierungsrat Lenhard-Bruchfal mit warm empfundenen Worten eröffnet und während der Dauer desselben von dem Respizienten der Strafanstalten, Ober-Reg.-Rat Hübsch- Karlsruhe inspiziert. Das Bertillonsche System bezweckt die Identifizierung von Verbrechern, Selbstmör­dern, Vermißten u. dgl. und basiert auf der Thatsache, daß bei einem ausgewachsenen Menschen einzelne Körper­teile sich nicht mehr oder doch nur ganz unwesentlich ver­ändern. Es werden deshalb mehrere Körpermaße festge­stellt und zwar Körperlänge, Armspannweite, Sitzhohe, Kopflänge, Kopfbreite, Jochbeinbreite, Länge des rechten Ohres, linke Mittel- und Kleinfingerlänge, Länge des linken Fußes und linken Unterarmes. Außerdem wird die Farve der Augen-Jris beurteilt, und es findet eine nähere Be­schreibung einzelner Körperteile und der sich vvrfindenoen Merkmale (Narben u. dgl.) statt. Die auf genommenen Meßkarten werden an die Zentrale für den Erkennungs­dienst in Berlin gesandt und dort nach den einzelne Maß­angaben registriert. Wie wir hören, sind alle Kursteil­nehmer jetzt gründliche ausgebildet und des Lobes voll über

die klare und leftht verständliche Vortragsweise, sowie üben das freundliche Entgegenkommen ihres Jnsttuktors, des Herrn Kriminalkommissars Cellarius. DieT Teilnehmer des Kurses waren während der Dauer desselben von dem Re­gierungsrat Lenhard in seiner Wohnung zu einem gemüt­lichen Zusammensein, und von dem Vertteter der Badischen Regierung, Geh. Ober-Regierungsrat Hübsch zu einem Abendessen in das Hotel Keller in Bruchsal eingeladen. Als Zeichen ihres aufrichtigen Dankes überreichten sie dem Geh. Ober-Reg.-Rat Hübsch ein Gruppenbild, das sie als Erinnerung an ein, wenn auch arbeitsreiches, so doch auch fröhliches, drei Wochen langes Zusammensein hatten auf­nehmen lassen. In gleicher Weise wurde diese Photographie dem Regierungsrat Lenhard und Kriminal-Kommissar Cellarius überreicht, diesem außerdem ein silberner Becher mit entsprechender Widmung. Möge der Kursus zum Wohle der Allgemeinheit reiche Früchte tragen.

-i- Klein-Linoen, 3. Juli. Am Sonntagnach-- mittag wurde das Jahresfest unserer Kleinkinder­schule in erhebender Weise gefeiert. Mit schönen Kränz­chen >u»nd Blumen geschmückt erschienen die Kleinen, ge­führt von der Schwester. Obwohl der Himmel anfangs! noch sehr trüb war, so sandte doch bald die Sonne ihr« freundlichen Strahlen auf die blühende Kinderschar. Pfarrer H e p d i n g begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Nachdem alsdann die Kinder in schöner Weise ihre Liturgie« vorgetragen hatten, hielt Pfarrer Koch aus Lützellinden« die Festtede über den Text:Lasset die Kindlein zu mir kommen usw." Herr K. sprach in einem sehr ansprechen­den, ja volkstümlichen Tone und schilderte die Kleinkinoer- schulen als ein Werk der inneren Mission. Auch betonte er ihre große sittliche Bedeutung für Familie, Gemeinde und Staat. Hierauf hielt Pfarrer H e p d i n g noch« eine zu Herzen gehende Ansprache und forderte die Gemeind« auf,, nufere Kleinkinderschule nach Kräften zu unterstützen. Durch etliche Jugendspiele wurde die Feier beschlossen. Und Kopf an Kopf drängten sich die Anwesenden, um dem munteren Treiben der Kleinen zuzuschauen. Die gesunge­nen Choräle wurden von unserem Posaunenchor begleitet^ auch trug der Kirchengesangverein mehrere christliche Volkslieder vor.

Friedberg, 3. Juli. Gestern mittag wurden von dem hiesigen Rangierbahnhose wieder acht Waggons Brief­tauben ausgelassen. Die Tiere, die aus dem nörd­lichen Rheinland kamen, brauchten diesesmal, da es trüb, und der Himmel wolkig war, eine verhältnismäßig lange Zeit, bis sie die Richtung nach Nordwesten sanden. Die Festesfreude, die in der Familie des Lokomotivführers Wehn am Sonntag, anläßlich des 25 jährigen Dienstjubiläums desselben, herrschte, wurde durch eine Unglücksbotschaft aus dem fernen Osten jählings unterbrochen. Ein Tele­gramm meldete, daß der Sohn Emil Wehn, der die Stelle eines HilsSheizerS auf dem Kanonenboot Iltis" innehatte, durch eine Kesselexplosion derart verwundet wurde, daß er alsbald starb. Der Tod des jungen Wehn erfolgte in dem ersten Gefecht vor Taku. Die Kesselexplosion wurde durch eine einschlagende Granate verursacht. (N. F. Ztg.)

Mainz, 3. Jnli. Die Bäckerinnung hat eine Anzahl ihrer Mitglieder, die trotz JnnungSbeschluffes an die hiesige sozialdemokratische Spar- und Kousum-Ge- nossenschast Backwaren geliefert hatte, aus der Innung ausgeschlossen. Gegen diesen Beschluß haben die Bäckermeister eine Beschwerde bei dem BerwaltungS- gericht eingereicht. Ueber hundert israelitische Aus­wanderer aus Rumänien, Männer, Weiber und Kinder, kamen gestern aus chrer Reise hierher und schlugen an der Landungsstelle der niederländischen Boote ihre Lager auf. Am Abend bezogen sie den Dampfer, mit dem sie heute früh die Reise nach Rotterdam antraten, von wo sie nach Canada fahren. Viele der Auswanderer mußten erst drei Wochen marschieren, ehe sie mit Hilft von Glaubens­genossen Bahn und Schiff benutzen konnten. Auch hier fanden sie entsprechende Fürsorge.

Frankfurt a. M., 3. Juni. ImEnglischen Hos« hielten heute die deutschen StandeSherren ihre Jahresversammlung ab. Es waren anwesend: Gras und Erbgras Solms-Laubach, Graf Neipperg, Fürst Bentheim- Steinfurth, Fürst Oettingen-Wallenstein, Graf Castell-Castell- Rüdenhausen, Gras Solms Wildensels, Fürst Hohenlohe- Bartenstein, Gras Görtz-Schlitz, Fürst Löwenstein-Wertheim- Freudenberg, Gras v. Bentinck, Fürst Salm-Horstmar, Fürst Salm-Dyck, Fürst Löwenstein-Kleinheubach, Gras Stolberg-

Roßla.

** Biedenkopf, 3. Juli. Der Oberlehrer amKgl. Realprogymnasium Flach ist mit der Abfassung em er Beschreibung des Kreises Biedenkopf (Hess. Hmt^land) be­schäftigt. Er bittet die Freunde hessischer Geschichte unb Landeskunde, sowie die Touristen, welche die eme oder andere Notiz Über Land und Leute im Hinterland m dieses Buch auf genommen sehen möchten, ihre Wünsche bis-zum 12. August kund tchun zu wollen. Im Jitterefie des« Kreises hat Herr Flach bereits einen Führer durchs Hinter­land, sowie durch Biedenkopf und nähere Umgebung ver­öffentlicht. In der letzten Schrift findet sich eine anschau­liche Schilderung des berühmten BiedenköPfer dreitägigen Grenzganges, eines echten, rechten Volksfestes, das nur alle fieben Jahre abgehalten wird, in diesem >;ahre vom 16. bis 18. August. Bei diesem Grenzgangftste begeht that- sächlich die gesamte Einwohnerschaft die Stadtgrenze, dis vorzugsweise durch die der Stadt erb- und Eigentümlich gehörenden prächtigen Waldungen geht.Es liegt em» tiefer Sinn in alten Bräuchen, man soll sie ehren.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten- Bei der Generalversammlung der Aktiengesellschaft für Trebertrocknung in Kassel wurden über 200 Mk. ge- sammelt, die dem Reichs-Marineamt übersandt wurden, um zu Gunsten der Hinterbliebenen deutscher Mitkämpfer, ins­besondere der Besatzung des KanonenbootesIltis", Ver­wendung zu finden. - In Gambach wurde am Sonntag die neugegründete Sonntagszeichenschule durch den Vorstand des Ortsgewerbevereins eröffnet. Em sprechender Beweis dafür, wie notwendig eine solche Schule war, ist, daß dieselbe bis jetzt schon über 30 Schüler besuchen. Auch