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5.7.1900 Erstes Blatt
 
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von einigen benachbarten Orten, wie Eberstadt und Ober­hörgern, haben sich etliche junge Leute als Schüler an- gemeldet. Der wiederholt genannte Schulmann aus Mainz, der bei der Festsahrt zur Gutenbergfeier das Be­tragen der Darmstädter Hochschüler zu rechtfertigen suchte, hat einen halbjährigen Urlaub erhalten. In maßgebenden Kreisen wird es sehr bezweifelt, daß er seine seitherige Thätigkeit wieder aufnehmen wird. Nachrichten auS Darm­stadt besagen, daß man dort in höchsten Kreisen das Vor­kommen mit den Darmstädter Studenten aus daS lebhafteste bedauere.

Der Brand der Lloyddocks in Hoboken.

lieber die Katastrophe am Hudson werden nodj folgende Einzelheiten gemeldet: Im Maschinenraum und Herzraum derBremen" waren ungefähr 30 Personen einge­schlossen. Einige versuchten, aus der oberen Luke heraus­zusteigen, aber die Flammen trieben sie zurück und zwangen sie, zu bleiben, wo sie waren. Um das Wasser aus den überschwemmten Schiffsteilen herauszubringen, wurden 17 Mann der ein geschlossen en Mannschaft vom Maschinisten ausgeschickt, um die Pumpen in Thätigkeit zu setzen. Kaum hatten diese dem Befehle Folge geleistet, da gab eine der Zwischenwände nach, und eine Lawine brennender Kohlen! schloß sie in den engen Raum ein, in welchem sie arbeiten sollten. Trotz ihrer gefährlichen Lage singen sie an, an den Pumpen zu arbeiten. Inzwischen waren ihre Kame­raden gerettet und diese erzählten, in welcher Gefahr sich die anderen 17 befanden. Verzweifelte Versuche wurden dann gemacht, sie zu retten, was schließlich auch gelang.

Von einer Flotte von kleinen Dampfern umgeben, trieb dieSaal e" in den Strom hinaus. Jeder Teil des schönen alten Dampfers war entweder in Flammen oder von Hitze rotglühend. Wie viele ihrer Mannschaft im Feuer imtfdnten, ist nicht genau bekannt. Von einer Flottile brennender Kähne und Lichter begleitet, trieb dieSaale" den Strom hinab mit der sinkenden Ebbe. Ihre Eskorte schwimmender Dampfspritzen, ebenfalls vom Feuer ver­sengt, war immer noch bei der Arbeit, aus so vielen Schläuchen wie nur möglich auf das furchtbar brennende Schiff Wasser strömen zu lassen. Da das Hafenpolizeiboot Patrol" nicht int Dienst war, mietete der Hafenmeister Kapitän Smith den kleinen DampferMutual" und dampfte darauf mit einer Abteilung Hafenpolizei zum Wrack hinaus. DieMutual" rettete 37 Leute von der Mannschaft derSaale" und landete sie am Pier. Die meisten der Geretteten waren bewußtlos und viele waren schlimm verbrannt. Alle hatten durch Einatmen von Rauch gelitten. Während diese Leute vom Schaffe weggeschafft wurden, bemerkte Kapitän Smith verschiedene Leichen aus dvm Verdeck. Als dieMutual" ihre zweite Fahrt zur Saale" unternahm, waren alle diese Leichen unter Wasser. Aas Schiff war inzwischen zum Flußufer von New-Yersey htnübergetrieben, wo es vor den Sandbänken in den Schlamm sank. Massen von Leuten beobachteten die furcht­bare Szene vom Ufer aus. Männer und Frauen sah man von dort aus von den Piers springen, aber die brennenden

Schiffe machten ihr Entkommen nach den Ufer von New- Dersey hinüber unmöglich.

Licht er schiffe und kleine Boote, die alle brannten, trieben zu der Bai hinunter. Einige gelangten an den Pier an Governors Island. Hier wurden die Sol­daten ausgeschickt, um die Flammen zu löschen. Den furcht­barsten Anblick boten die Leute an den Lukenfenstern der Saale", die wie wahnsinnig um Hilfe riefen, denen aber unmöglich zu helfen war. Ein ungewöhnlich magerer Mann wurde durch eine Luke gezogen und gerettet, die anderen wurden wütend, als sie den Mann in Sicherheit sahen, sie ballten ihre Fäuste und heulten vor Aerger. Nur für die Leute in der Takellage konnte etwas gethau werden, und auch von diesen sielen inzwischen viele in den brennen­den Ofen hinab. Als dieSaale" in den Fluß hinausge­schleppt wurde, fand man, daß 40 Mann an ihrem Steuer­ruder hingen. Ehe ihnen aber Hilfe zu teil werden konnte, waren alle bis auf ein Dutzend ertrunken. Ein Floß, auf welchem sich 100 Personen befanden, die man aus dem Wasser gezogen hatte, schwamm auf einen der brennenden Pwrs zu. Hier schlug es um, und viele ertranfen. Kapitän Smith sah, wie eine Frau in einer Kabine derSaale" mit den Flammen kämpfte. Man reichte ihr einen Schlauch vom Dampfer aus, und damit spritzte sie in der Kabine um sich Während sie so noch weiter vergeblich mit dem Feuer kämpfte, sank das Schiff und ihre Kabine verschwand tm Wasser.

Der Norddeutsche Lloyd hält die Verlustliste noch zurück, da in Privathäusern noch Vermißte gesunden wer­den, soeben die Stewardeß Schmuck. Von den beim Lloyd Angestellten sind 140 Personen umgekommen, außerdem sehr viele Frachtverlader, wie Anfragen der Angehörigen darthun, ferner manche Schiffslbesucher, sodaß nach einer mäßigen Schätzung die Gesamtzahl der Toten auf 250 zu beziffern ist. Bis jetzt wurden 97 Tote gefunden, von manchen nur ein Fuß oder ein Arm. Die Behörden bieten fünf Dollars für jede gefundene Leiche. Es sucht nunmehr eine Menge Privater den Fluß ab. Die Feuer­wehr ist noch mit Löscharbeiten amMain" beschäftigt.

Die Schleppboot-Kapitäne hielten eine Ver­sammlung ab und sie offerieren tausend Dollars Belohnung für Beweismaterial gegen irgend einen Kapi­tän, der bei dem Brand der Lloyd-Docks und Schiffe die Rettung verweigerte.

Zwischen den Senaten von Hamburg und Bre­men fand folgender Depeschenwechsel statt:

An den Senat von Bremen. Dem Senate der Schwesterstadt Bremen spricht der Senat von Hamburg, er­schüttert von dem so schweren Unglück, das den Norddeut­schen Lloyd und mit ihm Bremen betroffen hat, seine wärmste Teilnahme aus und bittet den Senat, auch dem Nordd. Lloyd den Ausdruck tiefempfundenen Mitgefühls zu übermitteln. Hachmann.

An den Senat von Hamburg. Dem Senate von Hamburg sprechen wir für seine warme Teilnahme an dem Unglück, das den Nordd. Lloyd betroffen hat und unsere Stadt aufs tiefste berührt, unseren herzlichsten Dank aus. Dem Nordd. Lloyd haben wir von dem Telegramm Kennt­nis gegeben. Groening.

Der Norddeutsche Lloyd beschloß die Gewährung einer besonderen Rente an die Angehörigen der in Hv- doken umgekommenen O s f i z i e r e und M a n n s ch a f t e n neben den Bezügen aus der Seemannskasse der Witwen- und Waisenkasse.

Vom Kaiser ging heute aus Wilhelmshaven dem Norddeutschen Lloyd die folgende Beileids- d e p e f ch e zu:

Das Unglück, von welchem der Norddeutsche Lloyd in Newyork betroffen wurde, erfüllt mich mit wahrer Be­trübnis. Der große Verlust an Menschen und Schiffen ist ein harter Schlag. Ich habe aber die feste Ueberzeugung, daß die bewährte Leitung des Norddeutschen Lloyd auch dieser Prüfung mit mannhafter Stirn begegnen wird, und daß die Angestellten des Norddeutschen Lloyd in Newyork auch in dieser schweren Stunde sich ihrer gewohnten Pflicht treu gezeigt haben, gez. Wilhelm.

Der iltorddeutsche Lloyd antwortete darauf, daß die warme Anteilnahme an dem schweren Unglücksfall, ihn in dem Vertrauen stärke, daß der Norddeutsche Lloyd aus dem Kamps mit dem harten Mißgeschick seine Kraft in weiterer neuer Blüte entwickeln werde. Er danke dem Kaiser für feine Teilnahme.

DerFranks. Ztg." wird aus New-York berichtet: Auf einem 25 Quadrat fuß messenden Raum zwischen den Llvyd- docks sind 45 Ertrunkene aufgefunden worden. Die Tau­cher schildern das Innere derSaale" als vollkommen entblößt von Holzwerk. Viele Leichen fand man in den Kabinen schwimmend. Es ist eine Sammlung von Geldern für fciie Verunglückten begonnen worden. Dr. von der Schulenburg, ein bekannter Arzt, hatte einen Schiffs­arzt besucht und wird seither vermißt; er ist wahrscheinlich verbrannt.

Der Gesamtverlust beläuft sich auf 320 Tote und Ver­mißte. Besonders viele Deutsche, aber auch Oesterreicher und Amerikaner befinden sich darunter. Das Feuer auf demMain" war bis gestern nachmittag noch nicht gelöscht; es hatte die Kohlenräume des Schiffes erfaßt. Das Feuer auf derSaale" ist völlig gelöscht, mehrere Leichen wurden herausgeholt. Das Schiff sieht aus, wie von Granaten beschossen, lieber den Tod des Kapitän Mirow berichtet man: Der Kapitän stand auf der Kommandobrücke, bis die Flammen seine Uniform erfaßten, und er, den sicheren Tod vor Augen, zur Abkürzung des schrecklichen Endes mit einem Satze in die Glut hineinsprang. Er zuckte noch für einige Augenblicke und lag dann sttll, während Rauch und Flammen über ihm zusammenschlugen. Durch die un- vrenschlichen Äreuelthaten der Mannschaft der Schlepp­boote sind wenigstens 100 Menschen umgekommen.

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