I Tochter fluchtig gegangene polnische Händler Lewin dorthin geschickt hatte (s. Gieß. Anz. Nr. 230). Auch die Frau I unP oer älteste Sohn des Lewin wurden gestern abend, I &er Beihilfe an dem Betrug schuldig sein sollen, I verhaftet.
I • 2? 2*. Oktober. Der städtischen Verwaltung ist
I ewe Kollektwerngabe verschiedener hiesiger Geschäftszweige I oem Ersuchen unterbreitet worden, den allgemeinen Laden- I “ul o Uhr abends festzulegen. Weiter wünschen die betr.
Geschäfte Ladenschluß um 9 Uhr an allen Samstagen und I an allen Wochentagen vor einem gesetzlichen Feiertag, 8 Tage I vor Utnacht, 14 Tage vor Ostern, 14 Tage vor Pfingsten, I vom 20. Oktober bis 1. November und während des ganzen I Dezember, die letzten 14 Tage im Dezember bis 10 Uhr I abends. — In dem benachbarten Bodenheim hat sich der Zigarrenagent Lorenz Müller erhängt. — In einem I Affigen Hotel wurde gestern abend der Reisende eines I Münchener Hauses auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft I ZU München wegen Betrügereien verhaftet.
Wehlar, 3. Oktober. Der christlich-soziale Part erlag beginnt am 9. Oktober im „Schützengarten" vor der Stadt. Abends 8 Uhr findet eine öffentliche Volks- Versammlung statt. Thema: Die Bekämpfung der Sozialdemokratie und das Festhalten an der gesetzlichen Reform, em Lebensinteresse des Arbeitcrstandes selbst. Referenten sind: 1. Reichstagsabg. Stöcker, 2. Geschäftsführer des Ziegler-Gewerkvereins Ellerkamp-Lage, 3. Lic. Wrber- M.-Gladbach. Die Tagesordnung am Mittwoch dem 10. Oktober, an welchem Tage Jeder freien Zutritt hat, ist morgens 9 Uhr: 1. Begrüßung des Präsidenten Abg. Stocker. 2. Jahres- und Kassenbericht des Parteisekretärs. 3. Decharge der am Tage vorher zu wählenden Revisions , I kommst fron. 4. Vortrag über Christentum und Weltpolitik. 1 Referent Herr Dietrich von Oertzen. Diskussion. 3 Uhr! nachmittags Vortrag des ReichStagSabg. Stöcker über die bevorstehenden Handelsverträge und Vortrag des Herrn Landwirt Hufendick aus Tödtheide bei Bracke in Westfalen über bte Handelsverträge und die Lage des Kleinbauernstandes. Diskussion.
Frankfurt a. M., 2. Oktober. Heute früh starb an emem Nierenleiden in Eppstein im Taunus, wo er zur Erholung weilte, der Banker Kommerzienrat Alfred von Neufville. Er war erster Vorsitzender der hiesigen Handelskammer und Generalkonsul von Italien. — Ueber den Nachlaß des Rechtsanwaltes Dr. jur. Sigismund Marx ist — so heißt es in einer im Amtsblatt veröffentlichten Bekanntmachung des Gerichtsschreibers des königl. Amtsgerichts. Abt. 17, zu Frankfurt a. M. — aus Antrag emes Gläubigers am 20. September 1900, nachmittags 1 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da derselbe überschuldet ist. Aus den Übereinstimmenden Angaben der ge- I hörten, mit den Vermögensverhältnissen des Marx ver- I trauten Personen, aus der Thatsache, daß Letzterer Selbst- I word verübt hat und in den beiden Konkursen, in denen I er Konkursverwalter war, gegen 150,000 Mark vereinnahmte Gelder fehlen, endlich aus den angestellten I Ermittelungen über seine Aktiven ergibt sich als unzweifel- I haft, daß der Nachlaß sehr stark überschuldet ist. Der Rechtsanwalt Dr. Hassel dahier ist zum Konkursverwalter I ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 15. November I 1900 bei dem Gerichte anzumelden. Für den Fall schriftlicher Anmeldung wird Vorlage in doppelter Ausfertigung dringend empfohlen. Es ist zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubiger- ausschusfes, eintretenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände aus Dienstag den 16. Oktober, vormittags 11 Uhr, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Dienstag den 4. Dezember, vormittags 9 Uhr, Termin anberaumt.
** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Am Sonntag Morgen geriet b<i Nie'der-Wöllstadt ein Wagen des um 10 Uhr 30 Min. in Frankfurt eintreffenden Personenzuges auf unaufgeklärte Weise in Brand. Nachdem derselbe ausrangiert worden, konnte die Fahrt I fortgesetzt werden. — Im letzten Monat ist in Fach in gen I bei Diez, dem „Diezer Kreisbl." zufolge, ein ganz bedeu- I tender Eisenerzfund von einer Brüsseler Firma gemacht worden. Das Lager hat eine Mächtigkeit von 5 Meter und soll auf 2 Kilometer nachgewiesen sein. Da das Vor- I kommen wohl eines der bedeutendsten in Nassau sein dürfte, I so ist zu hoffen, daß der Bergbau, der seit einigen Jahren I speziell in nächster Nähe sehr zurückgegangen war, wieder mehr Leben bekommen wird, und würden viele Arbeiter, die jetzt fern der Heimat ihre Arbeit suchen müssen, in I dieser selbst dauernde und lohnende Beschäftigung finden.
Verhältnisse auch von den Damen, daß sie sich ernstlich mit der Stenographie beschäftigen und sie so beherrschen lernen, daß sie praktischen Nutzen davon haben können. Die Beherrschung dieser Kunst ist ein Empfehlungsbrief, der die Damen bei Behörden sowohl, als auch bei Privaten in jeder Stellung aufs beste einsührt und bei Bewerbungen oft den Ausschlag gibt. Den hiesigen Damen bietet sich zur Erlernung gerade jetzt paßende Gelegenheit, da das Damenkränzchen des Babelsberger Stenographenvereins, wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, demnächst wieder einen Anfangskursus eröffnet.
** Weihnachtspakete für die ostafiatifchen Truppen sind spätestens am Sonntag dem 28. Oktober in Berlin zur Post zu geben, falls sie die letzte Postdampferverbindung vor dem Fest, welche Bremerhaven am 30. Oktober verläßt, erreichen sollen. Es empfiehlt sich jedoch, Weihnachtspakete schon mit der am 17. Oktober von Hamburg abgehenden Feldpaketpost abzusenden. Die Schlußzeit derselben ist für Berlin Montag den 15. Oktober. Zulässig sind Pakete bis 2i/2 Kilogramm. Die Adressierung erfolgt mittels Feldpostkarte. Das Porto beträgt 1 Mark.
** Die zur Reserve entlaßenen Mannschaften seien daran enmert, daß sie innerhalb 14 Tagen, vom Tage der Entlassung an gerechnet, ihre Anmeldung bei dem zuständigen Bezirkökommando zu bewerkstelligen haben. Das kann entweder mündlich geschehen oder aber der Paß kann dem Kommando zur Signierung eingesandt werden. Wer die Anmeldung unterläßt oder die Frist versäumt, hat Arreststrafe zu gewärtigen.
§ Butzbach, 3. Oktober. Ein etwa 17 Jahre alter i hier bediensteter Taglöhner von auswärts wurde gestern nachmittag wegen Sittlichkeitsvergehens an einem Schulmädchen durch die Gendarmerie verhaftet und in das GerichtSgefängnis verbracht. — Der Zwetschenversandt ab hiesiger Station ist in den letzten Tagen ein sehr bedeutender gewesen; die Preise waren trotz der Ueberpro- duktion gestern einmal auf 2,30 Mk. gestiegen. Für die zum Verkauf gekommenen Falläpfel wurden durchschnittlich 7 Mk. per Malter bezahlt.
Grünberg, 2. Oktober. Die von dem hiesigen Gewerbe- verein bei der Landesausstellung für Lehrlingsarbeiten in Worms ausgestellten Gesellenstücke nebst dazu gehörigen Zeichnungen, angefertigt von: Heimich Siek-Grünberg, August Lenz-Atzenhain, Heinrich Schiefer stein- Nieder- Bessingen wurden sämtlich mit einem zweiten Preis ausgezeichnet. Die Preise bestehen in Büchern und Zeichen- I Werkzeugen. Zur Ausstellung wurden nur solche Arbeiten zugelaffen, die von der örtlichen Prüfungskommission die I Note „gut" erhalten hatten.
Darmstadt, 2. Oktober. Die Handelskammer Darmstadt beschloß in ihrer gestrigen Sitzung, auf dem I demnächst in Mainz stattfindenden hessischen Handelskammer- I tag eine energische Zurückweisung der in der Diskussion I über die neuen Handelsverträge hervorgetretenen über- I triebenen und ungerechtfertigten Forderungen und unwahren I Behauptungen der Agrarier zu veranlassen und den Stand- I punkt des Handels und der Industrie entschieden zur Gel- I tung zu bringen. Gegen das Börsensteuergesetz soll im Sinne der Frankfurter Erklärung aufgetreten werden. I In der Frage der hessischen Handelshochschule soll I eine Eingabe an das Ministerium gerichtet werden, in der I alle für Darmstadt sprechenden Gründe niedergelegt sind. I Zur Betreibung des Baues der Bahnlinie Oppenheim- Darmstadt wird die Handelskammer dem Material, das I die Stadtverwaltung dem neuen Leiter des hessischen Finanz- I Ministeriums übermitteln wird, ein Begleitschreiben anfügen. I Es soll darin Einspruch erhoben werden gegen die Be- I mängelung des von den Darmstädter Handelsinteressenten I beigebrachten Materials über den zu erwartenden Güter- I verkehr durch den früheren Finanzminifter Küchler, dem der I Finanzausschuß der Zweiten Kammer gefolgt ist.
Darmstadt, 2. Oktober. Wie die „Kl. Pr." schreibt, I ist der Entwurf zur Wahlrechtsreform von der Re- I gierung soweit gefördert, daß er demnächst die Ministerial- I sitzung beschäftigen und in nicht zu ferner Zeit den Ständen zugestellt werden kann. Ueber die Tendenz des Resorm- entwmfs verlautet neuerdings nichts, doch wird sie wahr- I scheinlich den Andeutungen entsprechen, die Staatsminister I Rothe in der Sitzung der zweiten Kammer vom 16. Februar I d- I. machte. Danach dürfte das direkte Wahlrecht I mit bestimmten „Garantien" zur Einführung gelangen. I Vielleicht wird auch eine Vertretung der Stadtverwaltungen I herbeigeführt, ob in der ersten oder zweiten Kammer, ließ I der Minister damals unentschieden. — Unter den Gegen- I ständen, mit denen sich der anfangs nächster Woche zusammen- I tretende Finanzausschuß der zweiten Kammer beschäs- I tigen wird, befindet sich auch die Nebenbahnvorlage,! mit deren erneuter Beratung wenigstens begonnen werden I fou, um dem Präsidenten des Finanzministerums Gelegen- I velt Zu einer Meinungsäußerung zu geben. — Die über I den Nachfolger des Geheimrats Haas als Kreisrat von I Off-nbach umlaufenden Gerüchte sind lediglich Kombinationen. Die Ernennung des Nachfolgers ist bisher ebenso wenig vollzogen, als bte Pensionierung des Herrn Haas, die aller- | dings unbedingt sicher ist.
Neu-Isenburg, 2. Oktober. Die von der hessischen Staats- I «gierung bet der Versteigerung der F ü r st l i ch I s e n b u r g- Birstetn tchen Liegenschaften gebotenen Mk 7 491000, womit sie das Höchstgebot erreichte, würde reichlich ae- I nügen, um den ausstehenden Betrag der Anleihe nebst den Rückständen zu decken. Die Zahlung soll bekanntlich in 41 Jahresraten erfolgen, doch werden zunächst die Rückstände an Zinsen und Amortisation in Bar zu entrichten sein. Die übrigen Pfandobjekte bleiben der Anleihe bis zur völligen Tilgung verhaftet.
Mainz, 1. Oktober. In München wurden infolge telegraphischer Weisung der hiesigen Staatsanwaltschaft lo große Kisten mit Waren konfisziert, die der mit seiner
erschienen an de? -^"btschungen bet - Gestern nachmittag UnolSX Smer von Tausenden umstandenen Ban nK -Ür Krnninalkomniifsar Wanowski' und ein MHr°Ls^"^Es^°t«es und Er- sch-k M
I schule aber erscheint ausgeschlossen^" Das^as^ist wohl I großen Mengen dem einen Gasometer entströmt Bei einem gewißen Mischungsverhältnis mst der Luft mukte dann die Explosion -erfolgen, da das Licht zablEe Und- quellen darstellte. Da die Hochschule und^alle ihre Laboratorien nun ohne Gas und Beleuchtung sind 0 Mußten bis auf weiteres die Vorlesungen und sämtliche Mbei en I omgestellt werden. An Verletzungen ist noch ein Waden- I beinbruch bei der Pförtnerfrau Schulz festgestellt & ftrau I an Herzkrämpfen: sie vermutete
hpr H Mann im Keller verunglückt sei, Unb
der Schreck machte sie krank. "
I tiT lisr'ÄO^ber. Neue Straßenbeleuch- I t^ng rn S i ch t. Der städtischen Gasdeputation, die Stadtrats Ramslau tagte, wurde leine Straßenlaterne vorgeführt, die, mit einer I swuen Art von Glühstrümpfen versehen, als die beste bisher dagewesene Gaslicht-Quelle gelten
I darf. Das 5 0 0 bis 600 Kerzen starke n j ck, t er- strahlte in einer Reinheit und gleichmäßigen Intensität' dem elektrischen Bogenlicht nahezu gleichkam. Der ^kinin^ALtr)Orst,Or be? Donatorensaale, in welchem die ^.chung stattfand, war durch die eine Gaslaterne taghell erleucht^. Von der Wirkung der neuen Flamme kann man sich einen Begriff machen, wenn man bedenkt, das; ^b jetzigen Glühlichtflammen in den Straßen nur eine Helligkeit von je 50 bis 80 Kerzen zu verbreiten vermögen. Die Deputation beschloß, einen größeren Versuch mit der ^uen ^ampe schleunigst in die Wege zu leiten, und zwar soll derselbe zunächst in der Friedrichstraße, zwischen Leipziger- und Taubenstraße, gemacht werden. Sollte dieser Versuch, wie zu erwarten steht, sich bewähren, so dürfte die neue Erfindung alsbald eine große Umwälzung pus ! ^biete der städtischen Straßenbeleuchtung herbei- fuhren — Die probeweise Beleuchtung der Leipziger- straße (zwstchen Dönhoffsplatz und Markgrafenstraße) durch über der Mitte des Straßendammes aufgehängte elektrische hat den Beifall der Deputation gefunden, sodaß beschlossen wurde, die Leipzigerstraße vom Potsdamer Platz bis zum Spittelmarkt (Gertraudtenbrücke) in derselben Weise einheitlich zu beleuchten. Das diesbezügliche Projekt ist von der Deputation genehmigt worden.
Endlich beschäftigte sich die Deputation noch mit*letner Verbesserung der häuslichen Beleuchtung, nämlich mit der Einführung von Gasdruckreglern, die das lästige Ein- stellen der Lampenhähne nach dem jeweiligen Gasdruck erübrigen sollen. Es wurde beschlossen, diese Apparate den Gaskonsumenten zunächst zur Verfügung zu stellen und dort, wo sie gewünscht werden, ähnlich wie für die Gasmesser, einen entsprechenden Mietspreis dafür in Rechnung zu stellen.
* Geringswalde, 2. Oktober. Gestern Abend gegen 9 Uhr wurden auf dem Heimwege vom hiesigen Jahrmärkte nach Groß-Milkau vier junge Mädchen von einem unbekannten Individuum an gefallen. Drei der Mädcken konnten sich flüchten, das vierte, die 16 Jahre alte Tochter eines Gutsbesitzers, ist in den Wald geschleppt worden und wurde dort mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Der Mörder ist entkommen.
* H a m b u r g, 1. Oktober. Wie die nun beendete Aufnahme der durch den B r a n d vor drei Tagen verursachten Schäden erkennen läßt, dürften sich die Verluste Her Waren auf nicht mehr als Mk. 8—9000 000 belaufen. Das verbrannte Oel- und Thranlager von Tietgens u. Robertson wird auf ca. 600 000 Mk. geschätzt, das Pflugk'sche Holzlager auf 45 000 Mk., die Mehlvorräte von G. Botsch auf 75 000 Mark lund das v. Eicken'sche Tabaklager auf 60 000 Mk. Wie uns aus Versicherungskreifen mitgeteilt wird, find hieran hauptsächlich folgende Assekuranzgesellschaften beteiligt: Aachen-Münchener 112 000 Mk. Colonia 100 000 Mk., Atlas 82 000 Mk., Royal Insurance 70 000 Mk., Leipziger 57 000 Mark, Northern 54000 Mk., Liverpool und London 50000 Mark, Deutsche Feuerversicherung 49 500 Mk., Sun 45 000 Mark, Norddeutsche 40 000 Mk., Berlinische 20 000 Mk., die sonst noch beteiligten deutschen und englischen Gesell- Gesellschaften sind mit geringeren Beträgen haftbar. Die Gebäudeschäden fallen zu Lasten der Hamburger Feuerkasse, die noch nicht genau festgestellten Mobiliar- schäden endlich verteilen' sich in kleinen Posten auf viele Gesellschaften. Alles in allem dürfte der Schaden sich! auf höchstens 2 Millionen Mark belaufen.
* Erlangen, 1. Oktober. Gestern genas hier ein zwölfjähriges Schulmädchen eines kräftigen KnäbleinS. Der Vater ist ein fünfzehnjähriger Bursche.
* Rom, 2. Oktober. Der „Agenzia Stefani" zufolge erbrachen Diebe einen Geldschrank im Vatikan und entwendeten 357,000 Lire in Rententiteln und 3000 Lire Bargeld. Der Geldschrank befindet sich im zweiten Stock des Vatikans und gehört der Verwaltung oeS päpstlichen Palastes. Es hat sich herauSgestellt, daß die Diebe mit der Oertlichkeit wohlvertraut waren und den Diebstahl sorgfältig vorbereitet hatten. Der Untersuchungsrichter des Vatikans stellte Nachforschungen an, jedoch dis jetzt ohne Erfolg.
* Wien, 2. Oktober. Wie erinnerlich, waren beim hiesigen Landesgerichte, beim Senat desObersthofmarschall- amtes und auch bei mehreren auswärtigen Gerichten Prozesse gegen die entmündigte Prinzessin Louise von K 0 b u r g -ainhängig, insbesondere einer bezüglich einer Schuld für Mieder in d er Höhe von 22 000 Francs und für Schmuck in der Höhe von einer halben Million Francs. Ueber diese beiden letzteren Prozesse wurde wiederholt berichtet und dabei auch der Name des ehemaligen Oberleutnants Matt ach ich-Keglevich genannt, der die Unterschriften der Prinzessin und ihrer Schwester, der nunmehrigen Gräfin Stefanie Lonyay, - gefälscht haben soll. Da über die Prinzessin die Kuratel verhängt wurde, so hielten sich die Gläubiger bekanntlich an ihren Gatten, den Prinzen Philipp von Ko bürg, der für den standesgemäßen Aufwand seiner Gemahlin aufzukommen
Uermischtes.
* Berlin, 1. Oktober. Zu der Gasexplosion in der Landwirtschaftlichen Hochschule werden noch einige Einzelheiten mitgeteilt. Kurz nach dem Anzünden des Lichtes nahmen der Kastellan Vespermann, der Pförtner Kulis und der Heizer Schurbaum einen so starken Gasgeruch wahr, daß alle drei in den Keller hinabgingen, um nach der Ursache zu forschen. Der Geruch lenkte hier die Aufmerksamkeit auf die drei Gasometer, die jeder 600 Flammen speisen. An dem, der am weitesten nach Westen zu stand, hörten sie ein Schnurren und ein schnelleres Durchlaufen des Gases, ein Zeichen, daß nicht alles in Ordnung war. Da die Gasometer und Haupt- Hähne den Angestellten der Hochschule nicht zugänglich sind, so begaben sie sich gleich in das im Erdgeschoß liegende Fernsprechzimmer, um der städtischen Gasanstalt ihre Wahrnehmungen mitzuteilen. Während einer von ihnen bereits am Apparat stand und ein anderer nach der Nummer der Anstalt suchte, erfolgte schon die Explosion mit einem gewaltigen Knall. Die drei Männer flogen durcheinander, und die Holzwand des Zimmers wurde eingedrückt. Ein Stück traf Vespermann am Rücken und


