wollte, von den Chinesen durch gütliches Verhandeln etwas erlangen zu können. Diese. Söhne des Himmels sind keinen andern Gefühlen zugänglich- als denen der Furcht und es bedurfte der blutigen Nieder!ag e von Tientsin, um sie zum Nachdenken zu bringen. Solange die Machthaber in Peking in ihrer kindlichen Unkenntnis europäischer Machtmittel noch der Ansicht sein konnten, daß es den chinesischen Truppen gelingen werde, den europäischen Angriff zurückzuweisen, solange forderten kaiserliche Erlasse zur Ausrottung der Christen auf, und solange wurden die Gesandtschaften mit allen Mitteln unter voller Beteiligung des chinesischen Militärs angegriffen. Erst als der Schlag von Tientsin erfolgte, kam plötzlich ein neuer Erlaß, der die Schonung der Gesandten anbefiehlt, und gleichzeitig wurden auch die Angriffe auf die Europäer in Peking eingestellt, ja, es scheint sogar, daß man eine gewisse Verproviantierung ^gestattete. Sehr bezeichnend ist auch die von verschiedenen Briefschreibern gemachte Bemerkung, daß die Nachricht, die Verbündeten marschierten auf Peking, Mitte Juli plötzlich für die Gesandtschaften einen Wandel zum Bessern hervorrief.- die Angriffe hörten auf, und nachdem noch kurz zuvor ein kaiserlicher Erlaß die Boxer belobt hatte, befahl jetzt ein neuer Erlaß, die Fr e m - den zu schützen. Auch das ist ein Wink, der die Hoffnung aufs neue belebt, daß die Rettung der Belagerten gelingen wird; wenn schon, damals der Sieg der Verbündeten in Tientsin und Hie falsche Nachricht von ihrem Vormarsch auf die Hauptstadt den Machthabern in Peking eine solche Angst einflößte, so,ist das ein Zeichen, daß ihre Energie und ihre Mordlust «erlahmt sind, und daß die Verbündeten, die jetzt den Vormarsch thatsächlich angetreten haben, kaum noch ernsten Widerstand zu erwarten haben, falls die ersten Schläge, die sie auszuteilen haben, kräftig und entscheidend sind. — ,
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Der „Petersburger Regierungsbote" schreibt: Die Nachrichten über den Gang der Ereignisse in China beweisen vollkommen die Machtlosigkeit der Pekinger Regierung gegenüber der rebellischen Bewegung einiger Reichsprovinzen und die Schwierigkeit der Herstellung der Ordnung. Diese Lage hat den Bogdochan, den einzigen legalen Herrscher in China bewogen, Kaiser Nikolaus II. um seine Vermittlung zu bitten. Das vom 3. Juli datierte Telegramm des Kaisers Kuangsü an den Kaiser von Rußland schreibt alle Unordnung böswilligen Agitationen und dem Haß gegen die Christen zu. Als die Meuterei aus- brach, war es sür die Regierung zu spät, Repressivmaß^ regeln zu ergreifen. Die allgemeine Volksaufregung war für ein energisches Einschreiten bereits zu groß, es war sowohl für die Gesandtschaften als auch für die Europäer in den Freihäfen Gefahr im Verzüge, und der Aufruhr war allgemein geworden. Tie europäischen Regierungen glaubten, hierin ein Gewährenlassen der Rebellion seitens der Regierung des Bogdochan sehen zu müssen, weshalb Europa gegen China rüstete. Der Kaiser Kuangsü bittet deshalb unter Berufung auf die zweihundertjährige Freundschaft Rußlands und Chinas den Kaiser Nikolaus II., ihm Maßregeln zur Rettung Chinas anzugeben und gleichzeitig die Initiative zur richtigen Anwendung solcher Maßregeln zu ergreifen. Am 3. Juli wurde durch Vermittlung der chinesischen Gesandtschaft das Telegramm folgendermaßen beantwortet: Der Kaiser von Rußland sieht mit Bedauern die Ereignisse im himmlischen Reiche wegen ihrer schweren Folgen. Die vollkommene Unkenntnis über die Lage in Peking, die Abwesenheit von Nachrichten über das Schicksal der kaiserlichen und der anderen Gesandtschaften sowie der russischen und anderen europäischen Unterthanen erschweren jede Vermittelung zu Gunsten Chinas. Die Bestrebungen Rußlands sind auf ein Ziel gerichtet: auf die Mitwirkung zur Herstellung der Ordnung und Ruhe im chinesischen Reiche. Die russische Regierung, die sich« durch stete Freundschaft zu China leiten läßt, wünscht, daß China die ihm drohende Gefahr und die Verwickelungen abwende, und in dieser Hinsicht ist Rußland stets bereit, zur Unterdrückung der ausgebreiteten Bewegung jede Hilfe der legalen chinesischen Regierung angedeihen zu lassen. Der Kaiser hofft, der Bogdochan werde in dem vollen Bewußtsein seiner Verantwortlichkeit als oberster Chef der Gewalt die energischsten Maßregeln zur Herstellung der Ruhe in seinem Reiche und zur Sicherung des Lebens und des Eigentums nicht nur der russischen, sondern auch: der europäischen in China lebenden Unterthanen ergreisen. (Die russische Regierung, die noch bis in die neueste Zeit an dem Glauben festgehalten zu haben scheint, die Regierung in Peking sei machtlos und im übrigen gewillt, die Boxer zu unterdrücken, wird wohl durch die letzten Botschaften aus Peking eines bessern belehrt worden sein.)
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Reuters Bureau meldet: In den Boguesorts bei Kanton sind die Chinesen mit Schießübungen beschäftigt. — Die Behörden in Kanton stellen Rekruten zu einem Monatslohn von 9 Dollars ein, dem doppelten Betrag der bisherigen Löhnung. Ein Tagesbefehl bedroht die Offiziere mit Strafe, die sich einen Teil der Löhnung der Truppen aneignen, wie es bisher im chinesischen Heere üblich war.
Rußland «ud die Mandschurei.
Unter den aus Petersburg eingetroffeneu Meldungen befand sich auch eine, wonach General Rennenkampf das chinesische Fort Moche am Amur besetzt hat. Bei Moche befinden sich Goldgruben, deren ziemlich reiche Ausbeute nach Zizikar und von dort meist nach China gebracht wird. Ferner wurden die Chinesen in demselben Landstrich von den Goldgruben am Shetugaflusse vertrieben, der am Chingan entspringt und sich in den kleinen Albasicha, einen bei Albasin mündenden südlichen Nebenfluß des Amur, ergießt. Diese letzteren Gruben sind seit 1883 in regelrechtem Betriebe und sehr ergiebig. Seit 1888 werden sie durch eine Aktiengesellschaft betrieben, die eine hohe Dividende verteilen soll; der Ertrag geht zum Teil an die chinesische Regierung, die ihn zur Besoldung der Truppen verwendet. — Eine aus Niutschwang in Tokio eingetroffene Meldung bestätigt, daß am 26. ds. die Russen das chinesische Lager angriffen und ein etwa zweistündiger Kampf folgte, und fügt hinzu, daß die Lage in Niutschwang gefährlich sei. An demselben Tage wurden 4000 Russen von
7000 Chinesen bei Taschikiong angegriffen, woraus den ganzen Tag über gekämpft wurde.
Der Oberingenieur Jugowitsch teilte am 23. Juli der russischen Bevölkerung CHarb ins, wo er gegenwärtig den Befehl führt, mit, da die Chinesen baldige kriegerische Operationen von Zizikar aus in Aussicht stellten, sollten sich alle Frauen, Weiber und waffenlose Männer auf Dampfern den Ssungari abwärts nach der Grenze der Küftenprovinz begeben, dagegen sollen die Beamten, Techniker und Telegraphisten bleiben, um den Eisenbahn- und Dampferverkehr auftecht zu erhalten. Es sollen nach einer russischen Blättermeldung gegenwärtig 20 Dampfer mit über 9000 Pferdekräften dem Verkehr aus dem Amur und dessen Nebenflüssen dienen. Im Frühjahr wurde vom BerkehrSministerium in Blagowieschtschensk zum Bau von sechs hölzernen flachgehenden Dampfern geschritten, die für den Verkehr auf dem Argun bestimmt waren. Durch die andauernde Beschießung von Blagowieschtschensk dürften wahrscheinlich die Werften und die im Bau befindlichen Dampfer beschädigt sein. Durch die kriegerischen Ereignisse sind ferner große Scharen von Uebersiedlern, die nach dem Ussuri'Gebiet wollten, unterwegs auf unbestimmte Zeit ausgehalten worden. In Kansk und Tulun haben sich deren mehr als je 1000 Personen angesammelt. Sie werden von der Krone verpflegt und sollen zum Teil nach Irkutsk geführt werden. — Ein Telegramm des Generals Grodekow aus Chabarowsk meldet die Einnahme der chinesischen Grenzfestung Hunschun (wahrscheinlich am Amur) durch die Russen am 30. Juli, mit einem Verlust von 2 Offizieren und 6 Mann tot. Die Einnahme dieser Festung soll von einer gewissen Bedeutung für den Gang der militärischen Operationen in der Mandschurei sein.
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Telegramme des Gießener Anzeigers.
Berlin, 3. August. Gestern nachmittag 5 Uhr sind die beiden Lloyddampfer „Rhein" und „Adria" mit ungefähr 2700 Mann an Bord nach China in See gegangen.
London, 3. August. „Daily Expreß" meldet, 10,000 christliche Chinesen seien in der Nähe von Peking ermordet worden. Die chinesische Kavallerie gehe zu den Boxern über.
Loudon, 3. August. Der britische Gesandte in Peking, Sir Macdonald gab in seiner letzten Botschaft der Befürchtung Ausdruck, daß der am 18. Juli abgeschlossene Waffenstillstand von Seiten der Chinesen, denen offenbar die Munition ausgegangen war, nur eine List gewesen sei, um Zeit zu neuen Rüstungen zu gewinnen.
London, 3. August. Aus Tschisu wird gemeldet, der russische Gouverneur hat fein Haupt-Quartier in Hankau, in der Nähe von Niutschwang, ausgeschlagen. Die Stadt wird von 5000 Chinesen belagert. Sämtliche Dörfer an der Eisenbahnlinie auf eine Entfernung von 10 Meilen von der Stadt wurden zerstört. Zahlreiche Eingeborene sind getötet worden. Eine Schlacht, die 24 Stunden Dauerte, fand bei Takhe-Achao statt. Die Ruffen, 2000 Mann stark, griffen die Chinesen, die 3000 Mann stark waren, an. 500 Chinesen wurden getötet. Die Chinesen leiteten alsdann Unterhandlungen zur friedlichen Besetzung Nintschwangs ein.
Loudon, 3. August. „Daily News" berichten aus Tientsin, die Japaner rücken am rechten User des Peiho- flusses, die übrigen Truppen aus dem linken User gegen Peking vor.
London, 3. August. Daily Mail meldet aus Tientsin: Die Ausständischen errichten Barrikaden um die Gesandtschafts Gebäude in Peking und stellen Artillerie aus den Mauern der Kaiserstadt, die die Gesandtschastsgebäude überragt. Der russische General Schevanoff berichtet, 50 000 chinesische Soldaten befänden sich zwischen Tientsin und Peking.
London, 3. August. Eine Meldung aus Shanghai besagt, die Armee Tungsuhsiangs, unterstützt von Boxern sei bei Tetschuan mit Truppen IuanschikaiS in einen Kampf geraten. Der Ausgang der Schlacht ist noch unbekannt.
London, 3. August. „Daily Expreß" meldet aus Shanghai: Acht englische Missionare wurden von der Volksmenge in Tschi-Tschan enthauptet. Gerüchtweise verlautet, die Franzosen hätten Menatza in der Provinz Huenan besetzt. Die chinesische Kavallerie meuterte gegen ihre Führer und machte gemeinsame Sache mit den Boxern. Ein japanisches Torpedoboot ist in Wei-hai-wei aus Grund geraten.
Der Krieg in Südafrika.
London, 2. Aug. Mit außerordentlicher Spannung sieht man hier in politischen wie in militärischen Kreisen der weitern Entwicklung der Dinge auf dem südafrikanischen Kriegsschauplätze entgegen. Die Lage ist augenblicklich, gelinde gesagt, etwas verworren. Der Vorstoß, der vor wenigen Tagen gemacht wurde, um Botha zu sangen, ist anscheinend, jedenfalls was diesen Hauptzweck anbelangt, gescheitert. Die Transvaaler sind wiederum mit Geschütz und Gepäck den andrängenden Engländern entronnen. General French und andere Truppen stehen in Middelburg, aber Jan Hamilton ist von diesem Teil des Kriegsschauplatzes zurückgekehrt und vor ein paar Tagen durch Pretoria durchmarschiert. Ob er in der Nähe der Stadt stehen geblieben oder weiter nach Westen marschiert ist, bleibt einstweilen unaufgeklärt, und es bleibt jedermann unbenommen, sich seine eigene Erklärung über diesen Zug zurechtzumachen. Hier glaubt man vielfach, Jan Hamilton eile tzum Entsatz Baden-Powells heran und werde mit Lord Methuen die Bedränger des schneidigen Verteidigers von Mafeking abzufangen suchen. Mittlerweile hören wir aus Pretoria, daß Frau Botha vorgestern abend Tischgast bei Lord Roberts in Pretoria war. Frau Botha ist eine g/anze oder halbe Irländerin und außerdem eine sehr einflußreiche Frau, mit ber schon vor mehreren Wochen verhandelt worden ist. Was ihren Gemahl, den
heutigen Oberbefehlshaber anbelangt, so meldet der Berichterstatter des „Daily Telegraph" am vorigen Samstag aus Middelburg, zwei Tage vorher habe Botha int dortigen Transvaal-Hotel sein (Quartier gehabt und sei Tags darauf, also am letzten Freitag, abgezogen. Reuters Berichte melden wieder von großem Kriegsüberdruß der Buren und versichern, Bothas Truppen würden zum Teil nur mehr durch jöie ungeheuerlichsten Lügen über neuere Siege der Buren zusammengehalten und Botha werde die Waffen niederlegen, ohne lange zu zaudern, sobald de Wet in dieser Richtung den ersten Schritt thue. lieber Krügers Mißliebigkeit weiß derselbe Gewährsmann zu berichten: Besonders das neue Papiergeld, über dessen Wert und Sicherheit Krüger große Beteuerungen gemacht, die sich bald genug als unbegründet herausgestellt hatten, soll ihm viele Feinde gemacht haben. Ein Farmer zeigte dem Berichterstatter einen Stoß von 1500 L. solcher Noten, sein ganzes Geld, und brach in Thräuen aus, als er hörte, daß sie wertlos seien. Die Döpper in Pietersburg solleu des Krieges so überdrüssig sein, daß sie sich nicht nur von Krüger abgewandt, sondern sich von ihrer Sekte ganz losgesagt, ihre besondere Tracht aufgegeben haben und die Schnurrbärte wachsen lassen. Inzwischen zieht sich aber der Krieg noch immer weiter hin, weil augenscheinlich, die einflußreichern Persönlichkeiten sich noch immer nicht entschließen können, die Waffen zu strecken. —
Aus Lourenco Marquez wird gemeldet: Die Buren haben Machadadorp geräumt. Die telegraphische Verbindung zwischen Lydenburg und Nelspruit ist von den Buren fertiggestellt worden.
Wie dem „Daily Telegraph" aus K a p st a d t gemeldet wird, wurden in Pretoria wichtige, aus England stammende Sch ri ft stü ck e vorgefunden, durch die gewisse Parlamentsmitglieder und andere Politiker, die mit ihren Gesinnungen auf Seiten der Buren stehen, be- l ast et erscheinen.
Deutsches Reich.
Berlin, 2. August. Der Kaiser hörte gester. an Bord der „Hohenzollern" in Bremerhaven die Vorträge des Staatssekretärs Grafen Bülow, des Lloyddirektors Dr. Wiegand nub des aus China zurückgekehrten Oberstleutnants Dürr und empfing den kommandierenden General des ostasiatischen Expeditionskorps Generalleutnant v. L e s s e l. Heute hörte der Kaiser die Vorträge Hahnkes, Bülows und v. Senden-BibranS. — Zur gestrigen Abendtafel beim Kaiserpaar war, wie aus Bremerhaven gemeldet wird, der Generaldirektor des Norddeutschen Lloyd, Dr. Wiegand, zu der heutigen ist der Generalleutnant von Lessel geladen.
— AuS Bremerhaven wird gemeldet: Die Aufstellung der Truppen unterblieb, weil am Nachmittag ein heftiges Ungewitter mit starkem Regenguß niederging. Der Kaiser kam um 4 Uhr an Land und besichtigte mit der Kaiserin eingehend die Schiffe „Rhein" und „Adria". Die Kaiserin ließ sechs aus ihrem Regiment mitgehende Leute vortreten und schenkte jedem ein Bild des Kaisers und eine wollene Leibbinde. Eine Ansprache erfolgte nicht.
— Der Besuch des Kaisers in Bielefeld ist vom Sonntag auf Montag, 6. August, verschoben worden.
— Wie wir zuverlässig hören, ist eS sehr fraglich, ob gerade Prinz Heinrich als Vertreter deS Kaisers zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Rom geht. Bestimmt kann nur mitgeteilt werden, daß der Kaiser selbst keinesfalls den Feierlichkeiten beiwohnen wird, sondern daß ein Vertreter dazu bestimmt werden wird. ©8 ist übrigens nicht ausgeschloffen, daß Gras Bülow, der ja bekanntlich in Rom Botschafter war, als Vertreter des Kaisers nach Rom gesandt werden wird.
— Der Erste Lord der englischen Admiralität, Goschen, hat folgendes Telegramm von Kaiser Wilhelm erhalten:
„Im Namen meiner Flotte bitte Ich Sie, den Ausdruck unserer Teilnahme beim Tod des Herzogs von Koburg anzunehmen. Die hervorragenden Eigenschaften, welche er in seiner glänzenden Laufbahn als Herzog von Edinburg in Ihrer britannischen Majestät Flotte entwickelt hat, hat ihn bei den Seeleuten beider Nationen volkstümlich gemacht. gez. Wilhelm, I. R., Admiral ob tho Fleet*.
Goschens Antwort lautete:
„Im Namen der britischen Flotte danke ich Eurer Majestät auf das aufrichügste für Euerer Majestät Teilnahme beim Tod Sr. Königlichen Hoheit des Admirals of the Fleet Herzogs von Koburg und für das beredte Zeugnis über seine Eigenschaften als Seeoffizier und über seine Volkstümlichkeit bei den Seeleuten beider Nationen, welches Euerer Majestät gnädige Drahtung übermittelt hat. gez. I. G. Goschen."
Der Kaiser verläßt morgen abenv 11 Uhr Bremerhaven und geht mit Sonderzug nach Koburg.
— Der Kaiser und die Kaiserin werden, früher als ursprünglich beabsichtigt, schon morgen auf Schloß Wilhelmshöhe eintreffen. Die kaiserlichen Kinder reisen schon heute dahin ab.
— Der Kaiser sprach unmittelbar nach dem Bekannt- werden des Todes des Herzogs Alfred der Herzogin- Witwe Marie telegraphisch sein inniges Beileid aus.
— Das „Marine-Vorordnungsblatt" veröffentlicht eine kaiserliche Ordre betr. die Trauer um den Herzog von Koburg. Darin heißt es:
„In dem Entschlafenen verlor meine Marine einen treuen Freund und hohen Gönner voll wärmsten Jntereffes für die Entwickelung und den Ausblau der Flotte. Der Kaiser befiehlt, daß die^ Schiffe rn der Heimat bis nach der Beisetzung die Flagge Halbstocks lehren Dre Seeoffiziere legen bis zum 7. August Trauer um den lmken Unterarm an. An den Beisetzungsfeirrlichkeiten nehmen der Generalrnspekteur der Marine und eine Abordnung, bestehend aus emem Contreadmn-al und je einem Offizier der folgenden Dienstgrade, sowie je einem Deckoffizier, Unteroffizier und Gemeinen der beiden Marine-SrationSkommandos teck."
Koburg, 2. August. Gestern nachmtttag um drei Uhr fand unter großer Beteiligung die feierliche Ueberführung der Lerche des Herzogs vom Kavalierhaus des Schlosses Rosenau nach Koburg statt. An der Spitze des Zuges marschierte das dritte Bataillon des 6. Thür. Jnf.-Regrs. 5to. 95A dessen Chef der Verstorbene gewesen ist. Dem Sarge folgte Waaen die gesamte herzogliche Familie. Gegen 5 uhr erreichte der Zug das Weichbild der Stadt, von toft


