Ausgabe 
4.7.1900 Erstes Blatt
 
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2. Aus die Märkte dürfen nur Tiere aus seuchen­freien Orten, deren Führer mit giltigen behörd­lichen Ursprungszeugnissen versehen sind, aus« getrieben werden, Tiere von Händlern aber nur dann, wenn in jenen NrsprungSzeugniffen weiter bescheinigt ist, daß die Tiere sich die letzten sieben Tage in unverseuchtem Zustand in seuchesreien Orten befunden haben.

Im übrigen gilt für die Einführung von Händlervieh in den Kreis Wetzlar die in Nr. 109 desWetzlarer An« zeiger" vom 11. Mai 1897 veröffentlichte polizeiliche An­ordnung des Herrn Regierung- - Präsidenten zu Koblenz vom 13. April 1897.

3. Bei dem Austrieb der Tiere hat der Eigentümer oder Füherr dem anwesenden Polizeibeamten das unter Nr. 2 erwähnte Ursprungszeugnis vor­zuzeigen.

Außer von der Kontrolle der Ursprungszeugnisse ist der Austrieb von der vorherigen Besichtigung und Nichtbeanstandung der Tiere durch den Kreis« tierarzt allhängig.

4. Seuchenkrauk und seuchenverdächtig befundenes Bieh unterliegt den vorläufigen Anordnungen des Kreis- tierarzteS.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Gprechftnnden der GerichtSfchreiberei auf 1012 Uhr vorrrrittagS festgesetzt sind, und daß der Gerichtstag, an welchem der unterzeichnete Richter für das Publikum zu sprechen ist, aus DouuerStag, und zwar in der Zeit von 812 Uhr vormittags und 35 Uhr nachmittag-, bestimmt ist.

Zu anderer als der festgesetzten Zeit hat niemand Anspruch, angehört zu werden, es handle sich denn um eine sehr dringende Angelegenheit.

Lich, den 26. Juni 1900.

Großherzogliches Amtsgericht.

_____________________Giller._____________________

Bekanntmachung.

Kiel, 14. April 1900. Wilhelmshaven, 20. April 1900.

Im Herbst 1901 wird eine größere Anzahl tropen- dienstfähiger Dreijährig-Freiwilliger für die Besatzung von Kiautscho« zur Einstellung gelangen.

Ausreise: Frühjahr 1902. Heimreise: Frühjahr 1904.

Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner u. s. w.) und andere Handwerker (Schuhmacher, Schneider usw.) werden bei der Einstellung bevorzugt.

Die Mannschaften erhalten in Kiautschou neben der Löhnung und Verpflegung eine Teuerungszulage. Bewerber, von kräftigem und mindestens 1,67 Meter großem Körperbau, welche vor dem 1. Oktober 1882 ge­boren sind, haben ihr Einstellungsgesuch mit einem auf dreijährigen Dienst lautenden Meldeschein entweder:

dem I. Teebataillon in Kiel: zum Diensteintritt für das DI. Seebataillon, oder

dem II. Seebataillon in Wilhelmshaven: zum Diensteintritt für da- III. Seebataillon und die Marineseldbatterie,

oder

der III. Matrosenartillerie-Abteilnng in Lehe: zum Diensteintritt für das Matrosenartillerie- Detachement Kiautschou (Küstenartillerie)

bis spätestens Ende Febrnar 1901 einzusenden. Kaiserliche Inspektion Kaiserliche Inspektion

der Marineinfanterie. der Marineartillerie.

Politische Tagesschau.

Der Schluß derEnquete" derDeutschen Juristenztg." über die Frage, ob das Rechtsstudium deu Realgymuafiasten zugänglich gemacht werden soll, wird in der neuesten Nummer des Blattes mitgeteilt. Es sei das folgende Gutachten des Hauptmitarbeiters am Bürgerlichen Gesetzbuch, des Wirkt. Geh. Rats Dr. Planck, hervorgehoben:

Für die Frage kommt es einerseits darauf an, ob die Kenntnis der griechischen Sprache unmittelbar für dm juristischen B«uf von Be­deutung ist, andererseits aber darauf, ob die allgemeine Vorblldung, welche die humanistischen Gymnasien unter Mitbenutzung des Griechischm gewähren, eine bessere Grundlage für das Rechtsstudium und für die Erfüllung der dem Juristen im Leben obliegmdm Aufgabm gewährt, wie sich auf den Realgymnasien erreichen läßt. Was dm ersterm Punkt anlangt, so glaube ich, daß die Kenntnis des Griechischen bei der jetzigen Lage des Rechtes nur noch eine geringe Bedeutung hat und daß die Kenntnis der neueren Sprachen für dm juristischen Beruf von größerem Werte ist wie die Kmntnis des Griechischen. Für wissenschaftliche, insbesondere rechtsgeschichtliche Arbeiten wird allerdings auch jetzt noch die Kenntnis des Griechischen nicht wohl zu mtbehren sein; dies kommt aber für die Vorbildung der Juristm im allgemeinen nicht in Betracht. Bei der Entscheidung der zweiten Frage handelt es sich darum, auf welchem Wege die gesamte Persönlichkeit am besten ent­wickelt und für den juristischen Beruf am tüchtigsten durchgebildet wird; es handelt sich hier also wesmtlich um ideale Mommte. Die Beant­wortung dieser Frage setzt eine genaue Kmntnis der Schulpläne der verschiedenen Arten der Gymnasien, und der Art und Weise, in welcher die Schulpläne ausgeführt werden, wie der Ergebniffe voraus, welche die verschiedenm Gymnasim erzielm. Die Kenntnis traue ich mir nicht in dem Maße zu, um eine bestimmte Antwort geben zu können. Meine persönliche Sympathie steht auf Seiten der humanistischen Gymnasim.

Der Brand der Lloyddocks in Hoboken.

Das Unglück, das den Norddeutschen Lloyd in New-. Work bettofffen hat, stellt sich als sehrvielgrößer und furchtbarer heraus, als anfangs angenom­men wurde. Der ganze große Pier mit seinen gesamten, Einrichtungen und den auf ihm lagernden Warenmassen' ist ein Raub der Flammen geworden, und drei der schönsten und größten Schiffe des Lloyds haben schwere Beschädigf­ungen erlitten. Ueber die Zahl der verlorenen Menschen­

leben Liegen Noch keine sicheren Nachrichten Vor, doch scheinen sie mehrere Hundert zu überschreiten. Der Pier des Norddeutschen Lloyds liegt am User von Hoboken, der halb oder vielmehr dreiviertel deutschen Vorstadt von New- Pork. Durch immer neue Ankäufe hat ihn der Lloyd dett- artig vergrößert, daß er heute die größte Hafenanlage in New-Pork darstellt. Die Anlage besteht aus drei oder vier senkrecht und parallel in den Hudson hineingebauten Pieren, d. h. breiten Holzstegen, an deren beiden Seiten je ein Schiff anlegen und löschen kann. Die Länge der Piere ist so bemessen, daß a« ihnen auch die allergrößten Dampfer Platz finden können, sie werden also über 200 Meter lang sein müssen. An dr.^p Pieren würden sechs Schiffe Platz finden können, und dafür ist manchmal auch Bedarf, da der Lloyd drei Linien nach New-Port unter­hält. Im Augenblicke des Brandts lagen vier Schiffe in der Anlage, sodaß auch die Zwischesträume zwischen drei Pieren ganz und gar ausgefüllt roarew Am Ufer, dort, wo die Piere auf das Festland stoßen, liegen in einer Aus­dehnung von ivohl 6- bis 700 Meter Front die großen Schuppen und sonstigen Baulichkeiten des Lloyds, ein mächs- tiger Komplex von Gebäuden, der den Raum zwischen den Pieren ujnd der Hobokener Hafenstraße ausfüllt. Hier be­finden sich alle Einrichtungen, die in allem den modernstes Anforderungen entsprachen. Oberster Leiter der Anlagen war der Inspektor Möller, der vor einigen Jahren an diesen Posten berufen wurde. Durch diese Lage der Piere erklärt sich, daß, als das Feuer auf den Festlandsanlagen ausbrach, den Leuten auf den Schiffen der Rückzug nach der Landseite vollständig abgeschnitten wurde. Da das Feuer mit unheimlicher Schnelligkeit um sich griff, konnten die auf den Pieren beschäftigten Menschen nur nach der Fluß­seite hin gerettet werden, und am einfachsten hätte sich das gemacht, wenn die Schiffe unter eigenem Dampf hätten auslaufen können. Zu allem Unglück aber waren die Dampfer nicht unter Dampf, sodaß sie nicht mit eigenex Kraft gehen konnten. Meist werden immer nach dem Ein­laufen im Hafen die Feuer gelöscht, um Kessel und Ma­schinen einer gründlichen Durchsicht und Reinigung zu unterziehen. Das Feuer wird erst wieder aufgemacht, wenn die <Ächisie auslaufen sollen. Da also eigene Kraft nicht vorhanden war, mußte man warten, bis Schlepper von der Flußseite eintrafen und die Schiffe aus dem Pier her- auszogen. Dies Eintreffen der Schlepper scheint sich aber auch verzögert zu haben, vielleicht sind auch nicht gleich eine genügende Anzahl Schlepper vorhanden gewesen, um alle Schiffe gleichzeitig zu schleppen; kurz, die Schiffe sind nur eines nach oem anderen herausgebracht worden und Main scheint überhaupt zwischen den Pieren stecken geblie­ben zu sein. Diejenigen Boote, deren Herausschleppen^ zuletzt in Angriff genommen wurde, standen schon in Flammen, sodaß die Anbringung der Schlepptaue nur schwer LAnd mit Zeitverlust erfolgen konnte. Außer der Besatzung der Schiffe befanden sich noch am Pier bezw. auf den Schiffen die mit dem Verladen beschäftigeten Arbei­ter, und endlich, wie es scheint, auch ein halbes tau­send Besucher, die an den hierzu freigegebenen Tagen sich auf den Lloydschiffen einzufinden pflegen. Alle diese Mepschen dürsten, da der Ausweg nach der Landseite durch Feuer versperrt war, sich zunächst auf die Schiffe gerettet haben in der Hoffnung, daß sie mit diesen rasch auf den,' Fluß gelangen könnten. (Äitwärts war auch kein Ent­rinnen möglich, da die seitwärts liegenden fremden Piere, darunter rechts das der Hamburg^-Amerika-Linie, durch hohe Bauten abgesperrt sind. Auch sich durch Schwimmen; von den bald brennenden Schiffen zu retten, war sehr be­denklich, da der 'glanze Raum zwischen den Pieren wahr- scheinlich bald durchbrennende Gegenstände ausgefüllt war, sodaß man den Mut hätte haben müssen, in ein Feuermeer zu springen. Zudem wird man wohl auch bis zum letzten Augenblick geglaubt haben, es werde wohl nicht so schlimm werden und man könne ruhig abwarten. Es versteht sich von selbst, daß die Besatzung bis zum letzten Augenblick ausharren und das Menschliche und Ueberinenschliche thun mußte, um die ihr anvertrauten Schiffe und die Menschen­leben zu retten. An Bord befinden sich alle möglichen! Löschvorrichtungen, die es ermöglichen, in kurzer Zeit ganze Kompartiments unter Wasser zu setzen und das im Schiffsraum entstehende Feuer durch Wasser oder durch Wasserdampf zu unterdrücken. Auch an Deck sind solche Vorrichtungen, und auch lvenn die Hauptkessel nicht unter Dampf stehen, wird ihr Funktionieren meist durch kleine Hilfsmaschinen gesichert, die so wie so zum Betriebe des Ladegeschirres nötig sind. Daß es Mit ihnen nicht möglich war, das Feuer zu bekämpfen, beweist, daß dieses in un­geheuren, unüberwindlichen Massen auf das Deck der Schiffe gefallen sein muß. Furchtbare Schrxckensscenep werden von den Dampfern Bremen, Saale und Main ge­meldet, wo anscheinend schwere Menschenverluste zu be­klagen sind. Als die Dampfer Bremen und Saale auf den Hudson hinausaeschleppt wurden, standen sie in Hellen Flammen, und die Mannschaften suchten sich durch Ueber- bordspringen zu retten, wobei auch, viele von den Schlepp­dampfern aufgefischt wurden. An Bord der Main hatten sich 16 Mann in die untersten Kohlenbunker geflüchtet, wo sie auch glücklich nach Löschung des Feuers lebend herauss» gezogen wurden. Was die beschädigten Schiffe anlangt, so ist der Kaiser Wilhelm der Große so bekannt, daß über ihn nichts gesagt zu werden braucht- Glücklicherweise ist es seinem wackeren Kapitän Engelbart gelungen, den stolzen Dampfer ohne allzuschwere Beschädigung zu retttrt. Der Schnelldampfer Saale, Kapitän Minow, hat 5300 Tonnen und 9500 Pferdekraft; erbaut ist die Saale im Jahre 1886, doch wurde sie vor zwei Jahren einem so durchgreifenden Umbau unterzogen, daß sie seitdem wieder für einen durchaus modernen erstklassigen Schnelldampfer, gelten konnte. Sie entwickelt eine Geschwindigkeit von un­gefähr 19 Knoten und gehört zu den beliebtesten Pafsagiev- schifsen. Gebaut ist die Saale noch in England, doch wurde ihr großer Umbau, durch den das Schiff auch zwei Schrau­ben erhielt, a'uf dem Stettiner Vulkan vollzogen. Die B r e m e n ist seit drei Jähren in Dienst und bei Schichau in Danzig gebaut. Die Bremen, Kapitän Nierich, gehört zur Klasse der Barbavossadampfer, die im Sommer zwischen Bremen und New-N^rk fahren, im Winter dagegen als Reichspostdampfer nach Australien gehen. Diese Schiffe von 10 500 Tonnen und sehr schönen Einrichtungen für Passagiere gehören zu den besten Booten des Lloyds und werden von solchen Reisenden, denen cm einer sehr schnellen Reise nicht viel gelegen ist, vielfach den Schnelldampfern vorgezogen. Sie haben über dem Hauptdeck einen unge­

mein hohen Aufbau, an dem sich naturgemäß viel Holx befindet, sodaß das Feuer hier rasch und reichlich Nahnung fand. Auch dieses Schiff rst ein DoppelschrauSer, ebenso wie auch der Main, der bei der Katastrophe am schlimmsten fortgekommen zu sein scheint. Die vier in Frage kommen­den Schiffe dürften zusammen einen Wert von mehr al^ 20 Millionen darstellen, doch kann man sich natürlich kein Bild davon machen, wie groß die Kosten ihrer Wiederhers- stellung sein tvürden. Da der Kaiser Wilhelm der Gwße trotz der Beschädigungen fahrplanmäßig abgehen soll, so darf man annehmen, daß er wenigstens noch recht glimpf­lich fortgekommen ist. Durch das Feuer aus dem Nord­deutschen Lloyd »vurde auch der Pier der Hamburgs-Ame- riklvLinie, auf dem die Dampfer Kaiser Friedrich und Phönicia lagen, in Gefahr gebracht. Letzterer scheint auch, wenngleich uinerheblich, beschädigt zu sein. Erfreulich ist es, nach englischen Nachrichten feststellen zu können, daß die Disziplin an Bord der Schiffe, selbst in der furchtbaren Lage, in der sie fich befanden, durchweg gewahrt wurde« und daß der Ruf der deutschen Semannschaft auch ausj dieser schweren Prüfung glänzend hervorgegangen ist.

Nach, einer Meldung derDaily Expreß" aus New- Bork waren die Schiffe voll von Arbeitern, die Kohlen und Ladung hineinschafften, reinigten und anstrichen. Es war außerordentlich heiß und alles war dem Feuer günstig. Am frühen Nachmittage explodierte ein gläserner Ballon voll Säure, der mitten zwischen Haufen von Baumwollballen und anderen Waren stand. Die brennende Flüssigkeit verbreitete sich und das trockene Holz der Docks fing Feuer wie Zunder. Ehe die Leute auf den Piers und den Schiffen alarmiert werden konnten, sprangen die Flammen von Dock zu Dock und schnitten jeden Ausweg ab. Fast im Augenblick waren die Piers-Halbinseln vom Feuer bedeckt und das Feuer sprang über auf die Schiffe. Die Leute, Iberen Rückweg abgeschnitten war, liefen auf die Pierenden zu und stürzten sich in den Hudson. Dutzende, welche dies nicht konnten, wurden vom Ranchi überwältigt. Das Feuer bedeckte die oberen Decks der Schifte so schnell, daß Besucher und Arbeiter schon ihren Ausweg abge­schnitten fanden, als sie die Flammen entdeckten. Manche Männer arbeiteten noch tm Schiffsräume weiter, ohne vom Brande oben etwas zu wissen.

Die Feuerwehr war schnell zur Stelle, konnte aber wenig thun. Eine Feuerwehr-Station war nur 400 Fuß von den Docks entfernt, aber die Flammen rückten so schnell heran, daß, als die Dampffpritze ankam, ihr Führer von Hitze geblendet vom Sitze fiel, während die Pferde durch­gingen, tim die Flammen liefen und verbrannten. Der Lärm war fürchterlich, die Schreie der um kommenden Menschen, die Schreie der Pferde, das laute Geräusch der Flammen, die Explosion der Whisky-Fässer und der Säure- Ballons, das Fallen per Balken und das Tönen der Pfeifen der großen schwimmenden Dampffpritzen, die von New- Dork kamen, verursachten einen Lärm, der weit bis Man­hattan gehört wurde. So schnell sprangen die Menschen ins Wasser, daß es aussah, wie ein Seebad. Kleine Dampfer und andere Fahrzeuge eilten herbei, kamen so nahe heran wie es die Sicherheit gestattete und retteten Hunderte, aber ringsum ertranken Männer, Frauen und Kinder. Besucher und Arbeiter auf den Schiffen konnte man, während der Rauch sich hob, beim vergeblichem Versuche, an das Ge­länder zu kommen und über Bord zu springen, niederfallen sehen.

Die Beamten des Lloyd versuchten zunächst, die Schifte in den Fluß hinaus zu ziehen, wo die Dampffpritzen ihre gewaltigen Wasserströme ft ei über sie ergießen konnten. Zwanzig für 2000 Dollar gecharterte Schleppdampfer brachten den DampfexKaiser Wilhelm der Große" in Sicherheit. Wie demDaily Telegraph" aus New-Pork berichtet wird, sprangen drei Personen vomKaiser Wil­helm", als die Schleppdampfer an denselben befestigt wur­den, über Bord, allein sie wurden wieder aufgefischt. Die eisernen Taue hielten denKaiser Wilhelm" noch fest am Pier und sie waren so heiß geworden, daß die Mattosen sie nicht hantieren konnten. Sie mußten mit Aexten durch­gehackt rverden. Der große Dampfer brannte 30 Fuß über der Wasserlinie, aber der Brand wurde gelöscht wähtend Wan ihn hinausschteppte. DemExpreß" zufolge rissen sich dieSaale" undBremen", als sie völlig brennend hinaus geschleppt wurden, mitten im Sttome los und trieben zur New-Norker Seite hinüber, wo sie verschiedene Piers anzündeten. Durchs übermenschliche Ansttengungen brachten die Feuerwehr boote sie wieder in den Sttvm hinaus und setzten sie auf der New-Jersey-Seite auf den Strand. Auf derSaale" schoben verschiedene Mütter ihre Kinder durch die Luken und ließen sie in das Wasser fallen. Bei Nacht war die Szene fürchterlich. DieSaale" undBremen" brannten mitten im Flusse und Dutzende von Booten, die in den Docks gewesen waren, loderten hell. Ink Lichte der Flammen konnte man sehen, wie die unglücklichen Ueber- lebenden in den Schiffen an den Luken nach Luft rangen. Feuerwehrleute konnten deutlich ihre Hilferufe vernehmen, Äer tvenn diese auch; im stände gewesen tvären, an die Seite der Schiffe heranzukommen, so hätten sie doch nicht durch die Stahlplatten durchbrechen können. Die meisten Besucher waren auf derBremen", aber viele waren auch auf anderen Schiffen.

Die Hospitäler arbeiteten die ganze Nacht, um den endlosen Strom von Patienten zu behandeln. Erst Sonntag mittag bekam man das Feuer auf den Schiffen unter Kon­trolle. Die Feuerwehrboote zogen sie aus seichte Stellen, wo man sie bei der Ebbe erreichen kann. Biele Leichen sieht man jetzt aus den Verdecken. Der Norddeutsche Lloyd übernimmt die Beerdigung der geborgenen Leichen. Der Fluß ist voll von Wrackftücken und Trümmern von den Docks, den Schiffen und Booten. Spät am Sonntag­nachmittag wurden 50 Leichen von den oberen Verdecks der Saale" entfernt. Alle waren auf den Eisenplatten geröstet und verkohlt, viele Leichen in den unteren Verdecks sind bis zu Asche verbrannt.

Ueber die Verlustliste gehen die Meldungen der Blätter sehr auseinander. Die Staatszeitung" sagt, 360 Personen seien umgekommen, dieTimes" spricht von eben­soviel, während derHerald" die Zahl 320 und dieTri­büne" über 300 angiebt. Andere Blätter sind näher an 400 als an 300. Unzweifelhaft ist, daß viele Menschen verloren sind, von denen mau nie etwas erfahren wird, da bei der Polizei Meldungen von Angehörigen zahlreicher