Vermißter eingehen. Bon allen Leiche» sind *»r fünf identifiziert, nämlich diejenige des Kapitän- Mirow von der „Saale", der auf seinem Schiffe den Heldentod starb, indem er die Rettung desselben versuchte; ferner die Leichen der Stewardeß Philomena Cordes aus Bremerhaven, des Matrosen Christian Bolchmann und des Führers der Frachtverlader, Henry F. Kardel aus Ho- bolen, des Stewards Ludwig Meyer von der „Saale".
Unter den Vermißten find die Oberstewardeß Anna Elbut von der „Saale", Carl Gahre, zweiter Maschinist der „Saale", Matrose William Hackbord, Koch Georg Hannewacker, Obersteward Charles Kolbe, Steward Adolph Oelberking, Steward Hermann Prendt, Matrose Oskar Richter, Hochbootsmann Diederich Rolfs (derselbe kam um, weil er nicht die „Bremen" verlaffen wollte, bevor nicht seine Untergebenen gerettet waren), Steward Joseph Thiele- mann, Küchenmann Otto Weber, der Oberingenieur des Schiffes „Bremen", Hagen, und der erste Offizier, Halberg. Die Liste der vermißten Schiffsmannschaften ist noch lange nicht vollständig.
Schwerverletzt sind der erste Offizier der „Bremen", Adolph Ahlborn, der Elektriker desselben Dampfers, Her- Mann Becker, die Stewardeß Dorothea Holme, Obersteward Gustav Kühne, die Stewardeß Lina Ella Laine und Emma Petersen, der Heizer Emil Weieuheimer, der Matrose Ernst Benner und die Stewardeß Emilie Schmuck. Die vollständige Liste der Vermißten soll erst morgen ausgegeben werden, da noch Leute in den Hospitälern gefunden werden.
Die Schuld an der Ausbreitung des Feuers wird dem Umstande zugeschrieben, daß in Hoboken und New-Aork noch hölzerne Speicher altmodischer Art vor- Händen waren. Die Schiffsmannschaft hielt sich durchweg vorzüglich, dagegen werde mehrfach geklagt, daß die Feuerwehren von Hoboken mehr Wert darauf legten, Eigenthum als Menschen zu retten.
Die Direktion des Norddeutschen Lloyd teilt mit, daß die auf Piers befindlichen Bauten durch Verficherung ge- deckt find. Auf den in Frage kommenden Dampfern läuft der Lloyd ein Selbstrifiko von 8,700,000 Mk. Der Umfang des Schadens an den Dampfern ist noch nicht fest- zustellen. Die Direktion hofft jedoch, daß es fich bei allen drei Dampfern lediglich um Partialschäden handelt.
Der Kontreadmiral Melville erklärte, daß er den Brand von einem Remarqueur aus angesehen habe, und daß die Aufführung des Schiffspersonals, speziell auch der Offiziere, über alles Lob erhaben sei. Er erklärte ferner, es sei ein Fehler der Schiffsbauer, daß sie die Luken so klein und eng Herstellen, daß Niemand sich durchzwängen könne. — Der Kapitän H. Engelhart vom „Kaiser Wilhem der Große" übersandte den Blättern ein Schreiben, in dem er der Mannschaft für die aufopfernde Thätigkeit während des Feuers dankt. Der Schiffsarzt
Grahn von der „Phoenicia" sowie der zweite Offizier Zander erzählen, daß ein Schleppboot-Kapitän, als er aufgefordert ward, zu retten, erklärte: „Laßt doch die Grünhörner ersaufen!" Dieser, sowie andere die Hilfe verweigernde Kapitäne sind bekannt, und werden zur Verantwortung gezogen. — Der deutsche Botschafter von Holleben hat eine Konferenz mit Schwab. — Der Norddeutsche Lloyd kaufte eine Grabstätte für die Opfer der Katastrophe.
Graf Zeppelins lenkbares Luftschiff.
Friedrichshafen, 30. Juni.
Ein glühend heißer Tag. Männlein, Weiblein und Kinder wischen sich in der Mittagsglut den Schweiß von der Stirn. Wir»^ endlich jener seit Jahresfrist bis zum lleberdruß angetündchte und widerrufene Aufstteg vor sich gehen, an den auchl letzt grade die Einheimischen nicht recht glauben wollen ?Wtnd und Wetter sind so günsttg, als nur denkbar, und pieyveite Fläche des „schwäbischen Meeres" ist glatt, als ob sie mit Oel übergossen wäre. Auch weht auf der „Arche Noahs", wie die Ballonhalle ihrer Gestalt entsprechend hier scherzweise genannt wird, die deutsche Flagge, die den entscheidenden Entschluß zum Aufstteg anzudeuten scheint. Am Ufer haben Tausende von Menschen, und zwar die klügeren. Poften gefaßt, während diejenigen, die für ihr gutes Geld ein Dampferbillet erstanden hatten, dermaßen weit vom Schauplatz des beabsichtigten Aufsttegs entfernt blieben, daß sie bestenfalls so gut wie gar nichts gesehen haben würden. Imposant allerdings sah es aus, wie fast ein Dutzend Dampfer der fünf Uferstaaten in zwei Linien der Ballonhalle gegenüber Front machten. Schort war es 6 Uhr, also eine volle Stunde später als die festgesetzte Zeit des Aufstiegs, als im Auftrage des Grafen Zeppelin der Hafenkapitän von Friedrichshafen in einem Lernen Motorboot bei den verschiedenen Dampfern vorbeifuhr, um anzukündigen, daß man sich noch eine halbe Stunde gedulden möge, da der Graf alsdann ganz gewiß aufsteigen werde. Um 7 Uhr wurde jedoch die deutsche Flagge über der Salonhalle durch ein blaues Fähnchen ersetzt, woraus sowohl die Kapitäne der Dampfer als das Publikum den Schluß zogen, daß es für heute mit der Aussicht auf einen Aufstteg vorbei sei. Sehr verschieden lautet das Urteil über die Ursachen dieses- „Schwabens streiches". Während jene vielen Tausende, die aus ganz Schwäbenland, der Schweiz und Bayern zugereist sind, an irgend einen in letzter Stunde entdeckten Fehler des komplizierten Apparates denken, scheinen die Einheimischen eher der Ansicht zuzuneigen, daß der Graf den Aufstteg für heute überhaupt gar nicht ernstlich beabsichtigt habe. Bei- einer zweiten Ankündigung, so meint man, werde nicht der vierte, bei einer dritten nicht der zehnte oder zwanzigste Teil der heutigen Volksmenge anwesend und dadurch naturgemäß die ungenierte Erprobung des Unternehmens erleichtert sein. Gegen diese Annahme spricht jedoch, daß sich an Bord des Dampfers König Karl nicht nur in sehr großer Anzahl Offiziere verschiedener deutscher Heereskonttngente, sondern auch einige Mitglieder des
württembergischen Königshauses befanden, die man dochf schwerlich, selbst wenn man sich solches mit dem großen Publikum erlauben sollte, in dieser Weise an der Nase herumführen würde. Sehr interessant war es, die ganz vorzügliche Haltung dieses schwäbischen Publikums zu beobachten, das die Enttäuschung mit gutem Humor auffaßte und für alle Widerwärttgkeiten irgend ein Scherzwort in Bereitschaft hatte.
Friedrichshafen, 2. Juli. Gestern abend, als; sich das Publikum verlaufen hatte, wurde der gefüllte Zeppelinsche Ballon auf einem Floß aus der Halle herausgezogen und, während fünf Personen im Korbe Platz nahmen, auf seine Tragfähigkeit geprüft. Der Aufstteg unterblieb vorgestern, weil die Füllung unfertig war, gestern wegen mäßig starken Windes. Heute abend halb acht Uhr ist er a u f g e st i e g e n. Er ist glänzend gefahren, gegen und mit Wind, und hat dann Kehrt gemacht; er ist aber nach einer halben Stunde mangels Tragkraft oder infolge Undichttgkeit bei Immenstaad in den See gesunken. Die Mannschaft ist gerettet. Auch der Ballon kann wieder auf einen Ponton gehoben werden.
Vermischtes.
* ueber die Landung eines französischen Luftballons bei dem südlich von Papenburg gelegenen! Dorfe Börssum in Ostfriesland liegen jetzt folgende Einzeh- heiten vor. Der Ballon war am Sonntagabend 6 Uhr mit noch mehreren a'nderen Ballons vom Pariser Weltausstellungsplatze aufgestiegen; ttr der Gondel befanden sich der Direktor des Observatoriums auf dem Mont Blaue, I. Vallot, und ein französischer Sportsman, der Comte Henri de Levaulz. Die teilweise von einem heftigen Unwetter mit Regen und Hagelschlag begleitete Fahrt ging über Belgien; bei Köln überschritt der Ballon, der eine Höhe von 3200 Meter erreichte, den Rhein. Die Landung ging äußerst glatt von statten; denn noch ehe die verwunderten Dorfbewohner herbeigeeilt kamen, waren die Luftj- schiffer der Gondel entsttegen. Der zufällig in der Nähe weilende Landrat des Aschendorfer Kreises, Herr Hassenkamp, begleitete die Franzosen nach Aschendorf, woselbst sie sich im Bahnhofshotel stärkten. Da die Gondel, sowie die Ballonhülle infolge der heftigen Niederschläge sehr gelitten hatten, wurde die Rückreise nach Paris auf den anderen Tag verschoben. Die Fahrt von Paris nach Börssum währte 15 einhalb Stunden. Bor ihrer Abreise sprachen sich die französischen Luftschiffer über die ihnen; zu Teil gewordene freundliche Aufnahme sehr anerkennendi aus.
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Gießen, Airchenplatz 718
Bekanntmachung,
betr.: Die Beaufsichtigung der Hunde in der Provinzialhauptstadt Gießen.
Um eine bessere Kontrolle über die gesetzlich vorgeschriebene Anmeldung der Hunde ausüben zu können, haben wir mit Inkrafttreten des abgeänderten Gesetze«, betr.: die Hundesteuer, an Stelle der seither verausgabten (runden) Hundemarken solche in neuer (viereckiger) Form eingeführt, welche während der Büreaustunden im Bürgermeistereigebäude, Zimmer Nr. 14, verabfolgt werden. Die Verabfolgung der neuen Marken geschieht bis z«m 16. Juli er. rrueutgeltlich; nach diesem Zeitpunkte ist für jede Marke eine Gebühr vou IO Pfg. zu entrichten.
Im Uebrigen verweisen wir auf die Bestimmungen der 88 < und 7 des Lokalreglements vom 20. Januar 1882, nach demn die Besitzer von Hunden bei Meidung von Geldstrafe bis zu 30 Mark dafür zu sorgen haben, daß die Hunde auf der Straße die Marke stets am Halsbande oder am Maulkorb tragen. Hunde, welche auf der Straße nicht die vorgeschriebene Marke trogen, werden eingefangen und dem Wasenmeister überliefert.
Gießen, den 14. Juni 1900.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
______________________I. V.: Wolff._____________________4242
Bekanntmachung.
Nachstehende Polizeiverordnung, betr. die gewerbliche Nebenbeschäftigung schulpflichtiger Kinder, wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht.
Gießen, am 22. Juni 1900.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
I. V.: Wolff. 4448
Polizeiverordnung, betr.: die gewerbliche Nebenbeschäftigung schulpflichtiger Kinder.
Aus Grund des Art. 56 der Städteordnung und des 8 1 der Verordnung vom 5. Oktobrr 1898, die Handhabung der Lokalpolizei iu der Provinzialhauptstadt Gießen betreffend, wird nach Anhörung der Stadt- verordneten-Versammlung mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern vom 11. Juni 1900 zu Nr. M. d. I. III. 1822 für den Bezirk der Gemarkung Gießen verordnet, wie folgt:
o s le Schulpflichtige Kinder dürfen in der Zeit von 8 Uhr abends bi« 8 Uhr vormittags außerhalb der elterlichen Wohn- oder Werkstätte nicht mit gewerblichen Arbetten beschäftigt, oder zum Austragen von Backwaren, Milch, Zeitungen oder anderen Gegenständen verwendet werden.
8 2. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschrift des 8 1 werden an den Eltern, Pflegeeltern und Vormündern, sowie an den Arbeitgebern mit einer Geldstrafe bi« zu 80 Mk. oder im Falle der Uneinbringlichkeit mit entsprechender Haftstrafe geahndet.
8 3- Diese Polizeiverordnung tritt zwei Wochen nach ihrer Verkündigung im „Gießener Anzeiger" in Kraft.
Gießen, den 22. Juni 1900.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
I. V.: Wolff.
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O.R.P. Uber 50000 im Gebrauch D.R.P. fiouben's Baske izökn ^rospecte gratis. Vertreter an fast allen Plälzefb J.6.Houben Sohn £arl, Hache ft.
4436
Bekanntmachung.
Nachdem die für 30. v. Mts. vorgesehene Versteigerung resultatlos verlaufen, soll die Ktrschenernte non bat städtischen Munterr auf dem Trieb im Wege schriftlichen Angebots öergeben werden.
Angebote auf die ganze Ernte oder einzelne Lose derselben find mit der Aufschrift „Angebot auf Kirschen" vis Aonnersta- bat 5. Anti, vormittags 9 M-r, verschlossen auf der Bürgermeisterei — Zimmer Nr. 15 — einzureichen.
Gießen, am 2. Juli 1900. 4595
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth.
Bekanntmachung.
Wegen Steinigung des Ktabtvaches wird das Wasser in demselben von Dienstag den 3. l. Mts. ab auf die Dauer vün etwa drei Wochen von morgens 6 Uhr bis abends 6 Uhr gesperrt.
Gießen, dm 2. Juli 1900. 4596
Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth.
Verdingung
der zur Ingebrauchnahme fertigen Herstellung der EmpfangSgebäude mit angebautem Güterschuppen und der Nebengebäude auf den Bahnhöfen Allendorf, TreiS und Mainzlar- Daubringen der Neubaustrecke Lollar— Londorf, eingeteilt in 3 Lose und zwar: Loos I die Gebäude in Mendorf, Los II diejenigen in Treis und Los III diejenigen in Mainzlar-Daubringen.
Termin: Samstag den 14. Juli 1900, vormittags 10 Uhr, im Bureau der Großherzoglichen Eisenbahn-Bauabteilung zu Grünberg.
Die Zeichnungen,Berechnungen,Bedingungen u. s. w. können daselbst eingesehen und die Angebotbogen gegen kostenfreie Einsendung von 1,60 Mk. für je ein Los von daher bezogen werden.
Zuschlagsfttst 3 Wochen. 4608 Grünberg (Hessen), im Juni 1900.
Großh. Eisenbahn-Bauabteilung.
Mittwoch de« 11. Ni 1900,
nachmittags 2Vs Uhr,
wird auf hiesigem Ortsgericht das der Ernst Hosch Ehefrau, Mathilde geb. Simon, in Wetter zustehende ideelle Fünftel von
Flur 1 Nr. 45 = 212 qm Hofraite in der Mühlgaffe
öffentlich meistbietend versteigett werden. Großh. Ottsgericht Gießen.
Gros. 4294
Mittwoch dr« 4. Juli I. J, nachmittags 2 Uhr, werden im Birker'schen Saale versteigett:
1. Möbel aller Arten, 1 Faß Rot- und 1 Faß Weißwein, 2 Hobelbänke, 1 Nähmaschine, 2 Bilder u. a.
2. 4 Ries Kanzlei- und Konzeptpapier, 6 Pfd. Kordel, 4 Bilder.
Die Versteigerung unter 2. findet bestimmt statt. 4584
Geitzler, Gettchtsvollzieher.
I Die Lieferung von Steinkohle« — Nußkohlen I oder II, oder doppelt gesiebten Stückkohlen, oder melierten Fett- stemkohlen mit 60% Stückgehalt — soll am Mittwoch den 25. Jnli d. IS., vormittags 10 Uhr, in 3 Losen i 240000 bezw. 200000 kg für 1900 verdungen werden.
Die Lieferungsbedingungen liegen im Geschäftszimmer 92, Kaserne I, zur Einsicht aus, können auch von der Garnisonverwaltung gegen Erstattung der Selbstkosten bezogen werden.
Schriftliche und versiegelte Angebote find an der vorbezeichneten Stelle vor Beginn des Termins mit der Aufschrift „Angebot auf Lieferung von Steinkohlen" versehen abzugeben. 4617
Garnisonverwaltung Gießen.
Dienstag den 10. und Mittwoch den 11. Jnli d. I., jedeSmal «ach« mittag- 2 Uhr, werden durch den Unterzeichneten im Pfandlokal SelterS- weg 11 dahier geg« Barzahlung versteigett:
2 Wagen, 1 Billard, 1 Klavier.
3 Nähmaschinen, 1 Sekretär, 2 Kommoden, mehrere Sofas, Kleider- sckränke und andere Möbel.
Gießen, den 2. Juli 1900.
4605 Johan«, Pfandmeister.
Montag-, Mittwochs u. Freitag-, von morgens 9 Uhr ab 4131
frischen
Zwiebelkuchen.
Wilh.Amend,KchllhM.K2
Textors Terrasse
Täglich 3223
frische Waffeln.


