^°tzteu°mach°r Rohde h°t für ben VEmeistcr ÄtM eine Fleischbank gemacht irn Marz- vor dem Morde. Ferner hat kr im April einen Notz abgesägt. Dieser war etwas
^0^ Polizeikommissar Block hat dreimal bei Lewy und einmal in der Synagoge Haussuchungen vorgenommen. Auch die Räucherkammer des Lewy hat er durchsucht, und ebenso den gesamten Papiervorrat. Aber nicht Die Spur wurde gesunden. , e ~ ,
Kriminalkommissar Wehn i)t am -o. ^rz ^uach Könitz gekommen. Nach der Vernehmung der Letyy sehen Familie bat ihn der alte Lewy selbst, die ganze Wohnung genau zu durchsuchen. Bei einer spateren Haussuchung hat er den Kriminalschutzmann Beyer mit speziellen Instruktionen sich beteiligen lassen, doch ergab | auch diese Untersuchung ein ganz negatives Resultat.
Das Gericht beschließt eine neue Untersuchung so- sort vornehmen zu lassen.
Wehn fand eine Aussage von Masloff am 24 Marz vor. Damals hat er gesagt, daß ihm die hellen Fenster ausgefallen seien. Masloff, der in Könitz fremd war kann den Eingang zu dem Lewy'fchen Hause gar nuh gefunden haben. Dann bin ich mit Beyer m Den - l gegangen. Braun blieb mit Masloff bei ^er Thur u dieser mußte sich hinlegen, konnte aber nichts s Y - Da sagte er, die Leute hätten eine Lampe gehabt. nahm nun eine Lampe, wir traten in den Kelle traten heraus. Braun fragte, wie viel Personen aus oem Keller kämen. Masloff wußte bei mehrmaligen.^rsu^en die Zahl der Personen, die dort herauskamen, nicht rm^iig anzugeben. Masloff war bei Moritz Lewy und hat diesem gesagt, daß er jetzt wisse, wer der Mörder sei, und aus i eine weitere Frage von Lewy, ob die Juden oder Eh st n, hat Masloff gesagt: Die Juden und Sie sind auch dabei. Darauf hat ihm Moritz Lewy gesagt, dann wußte er ja, wo er hingehen sollte. Nun erklärte ich mir, daß Masloff nur hingegangen ist, um sich,Zu orientieren.
I Bezüglich der Angaben der Frau Roß habe ich festge- I stellt, daß man nicht, wie diese behauptet, eine Person I sehen kann, die aus dem Keller kommt. Das ist, wie I die Probe bewiesen hat, völlig unmöglich. Uebrigens haben I alle Nachforschungen nach dem Taschentuch, der Photo- . V. .;•••">/ pinophach: | graphie und der Uhrkette bei Lewy stets ein negatives | abgenutzt und emgeyam.
ausgeführten Karten, die das alte Schloß, die Universität i und die Johanneskirche wiedergeben, dürften sich einer all- I gemeinen günstigen Aufnahme zu erfreuen haben. _ I U ** Aktiengesellschaften. Im laufenden Jahre siud im Großherzogtum Hessen 8 3.. J wQ?aaVqVn' L schäften u. s. w. zur E i n k o m ui e n st i u e r zugegangen, l welche ein Gesamteinkommensteuerkapttal von I '
versteuern, oder nahezu 5 Prozent des Gesamteinkommen^ I . steuerkapitals von 40 218 025 M Von dem Einkommen' , steuerkapital der Aktiengesellschaften eutfa ler1057 ,80 M (etwa die Hälfte) auf die Provinz Starkenburg, 990 3/0 I . Mark auf Rheinhessen und nur 66 ^M.ai^ Oberhessen. Die zu versteuernden Einkommen der 83 Gesellschaften I gehen von der Einkommensklasse von <a0 M. aufwärts I l)ia 5u derjenigen von 1833 000 M.
** Das Verordnungsblatt für die evan-I^ aelische Kirche des Gr o ß h e r z o g tu m s Hessen Nr 18 ausqeqeben am 23. Oktober 1900, enthält: 1. Aus- I schreiben Nr. 24 vom 20. Oktober 1900, betreffend die Feier des Totenfestes. 2. Ausschreiben 9tr. 25 vom 26. September I 1900, betreffend Stempelfreiheit der Pfarreien bei Pacht- I vertrügen' und Versteigerungen. 3. Ausschrciben Nr. 26 vom 6. Oktober 1900, betreffend Einführung von Familien- I Stammbüchern. 4. Dienstnachrichten. Ernannt wurden: I Pfarrassistent Repp zu Schotten zum Pfarrverwalter in Mittel-Seemen, Dekanat Schotten; Pfarrassistent Sch ä f e r I zu Mainz zum Pfarrassistenten in Schotten, Dekanat I Schotten; Pfarrassistent Schuck zu Kastel-Kostheim zum Pfarrverwalter in Seckmauern, Dekanat Reinheim; Pfarr- I amtskandidat Linck, zuletzt Pfarrverwalter in Duden- | Hofen, tzum Assistenten -der Pfarrei Kastel-Kostheim, Dekanat I Mainz; Pfarrvikar Hotz zu Dieburg zum Pfarrverwalter I in Ober-Gleen, Dekanat Alsfeld; Psarramtskandidat Dr. I Thumm, zuletzt Pfarrassistent in Bingen, zum Pfarr- I Verwalter in Eschollbrücken, Dekanat Eberstadt; Pfarr- I assistent Scheune mann zu Darmstadt zum Pfarrver- I Walter in Osthofen, Dekanat Worms; Pfarramtskandidat I Götteri zu Büdingen zum Pfarrassistenten in Darm- I stadt, Dekanat Darmstadt; Pfarramtskandidat Schuster I zu Frischborn zum Pfarrassistenten in Mainz, Dekanat I Mainz; Pfarramtskandidat Vogt zu Darmstadt zum I Pfarrvikar in Mommenheim, Dekanat Oppenheim; Pfarr- I amtskandidat Herrmann zu Beienheim, Dekanat Fried- I berg, zum Pfarrvikar daselbst; Pfarrassistent H e ß zu Schlitz I zum Psarrverwalter in Münzenberg, Dekanat Hungen; I Pfarramtskandidat Bernbeck zu Gießen zum Pfarr- I assistenten in Schlitz, Dekanat Lauterbach; Pfarramtskan- I didat Ströher zu Darmstadt zum Pfarrvikar in Bü- I dingen, Dekanat Büdingen. Die Schluß Prüfung im I Juli und August 1900 haben bestanden: Franz Bernbeck | aus Lehrbach, zuGießen; Heinrich G ö t t e r t aus Kreuz- I nach- zu Büdingen; Adolf Herrmann aus Schwarz I (Provinz Sachsen), zu Beienheim; Wilhelm Roos zu I Echzell; Friedrick) Schuster aus Kleeberg (Provinz I Hessen-Nassau), zu Frischborn; Adolf Ströher zu Darm- I stadt; Paul Vogt aus Kaiserslautern, zu Darmstadt. Ge- I swrben sind: der evangelische Pfarrer und Dekan Friedrich I Schwörer zu Osthofen, Dekanat Worms, am 25. Sep- I tember; der erste evangelische Pfarrer zu Lauterbach, De- I kanat Lauterbach- Ober'pfarrer Friedrich Kullmann am I 14. Oktober. — Zur Wiederbesetzung wird ausge- I Mieben: die evangelische Pfarrstelle zu Burkhards, I Dekanat Schotten.
*• Deutscher Schulschiffverein. Man schreibt uns aus Berlin: Am 23 Oktober hat die Schiffbau-Kommission des „Deutschen Schulschiff-Vereins", der unter dem Protektorat des Großherzogs von Oldenburg sich Anfang dieses Jahres konstituiert hat, eine Besichtigung des Baues des Schulschiffes auf der Werft von Joh. C. Tecklenborg A.-G. zu Bremerhaven-Geestemünde vorgenommen. Hiernach er- I scheint es als sicher, daß das Schulschiff im April 1901 I seine erste Reise antreten wird. Das Schulschiff dient ohne I Fracht zu fahren lediglich der ersten einjährigen Ausbildung I junger Leute, die sich dem Seemannsberufe widmen wollen, I und soll zu diesem Zwecke während des Ausbildungsjahres I rtwa 7 Monate in der Nord- und Ostsee, die Wintermonate | in südlichen Meeren (Mittelmeer, Westindien) kreuzen. In I beschränktem Umfange soll auch später auf dem Schulschiff I der weiteren Ausbildung bis zum Offizier der Handels- I marine näher getreten werden. Der Vorteil dieser Art von | Ausbildung liegt darin, daß die jungen Leute bei voller | und allseitiger seemännischer Ausbildung in steter Aufsicht I und sorgfältiger Behandlung dem Berufe zugeführt werden. I Die Jahreskosten find nicht besonders erheblich und ein I gutes Fortkommen auf diesem Wege ist ohne Zweifel aus- I fichtSvoll. Die näheren Aufnahme-Bedingungen find von I der Geschäftsstelle des Deutschen Schulschiff-VereinS Berlin | NW., Lessingstraße 6 zu erbitten.
-e- Launsbach, 2. November. Heute wurde hier I unser neuer Lehrer Bender vom Kreisschulinspektor I Pfarrer Geibel aus Dutenhofen in sein Amt eingesührt. I Es ist dies die erste Amtshandlung, die Herr Geibel als | Kreisfchulinfpektor vornahm. Zu dieser Einführung waren I i>er Schul-, Kirchen- und Gemeindevorstand, sowie die I Lehrer aus dem benachbarten Wißmar erschienen.
-o- A u s d e m K r e i s e W e tz l a r, 1. November. Heute nachmittag waren die Lehrer der Inspektion Wetzlar zum letztenmal um ihren aus dem Amte scheidenden Kreisschulinspektor versammelt. Durch eine Deputation wurde frerr Schoeler nach dem „Römischen Kaiser" geleitet, wo unter großer Beteiligung die A b s ch i e d s f e i e r statt- faud. Der Lehrerchor empfing den Scheidenden durch Vortrag des 46. Psalmes, worauf Rektor Luersen im Namen der Lehrer Herrn Schoeler begrüßte, der daraufhin herzliche Worte an seine Lehrer richtete, mit denen er so lauge in wahrer Freundschaft verbunden war. Während des Abschiedsmahles, woran sich fast sämtliche Geistliche sowie Landratsamtsverwalter Dr. Sartorius beteiligten, wurden von den verschiedensten Seiten Toaste ausgebracht und mehrere Lieder vorgetragen. So gab die Äbschiedsfeier Zeugnis von dem herzlichen Verhältnis zwischen Pfarr- und Lehramt, wie solches im Kreise Wetzlar seither bestanden und auch noch ferner bestehen dürfte.
Friedberg, 1. November. Die Eröffnjungs-Vor- stellung des Gießener Stadttheater-Ensembles im hiesigen Saalbau findet Montag den 5. November
Le"wy erklärt, daß er feit dem Morde nur ein oder zweimal habe schlachten können.
Schornsteinfegermeister Czawiadowski hat die heutige Besichtigung bei Lewy rnitgernacht. Auch er hat eine kleine au'sgebesserte Stelle gefunden. Lewy erklärt, daß er dies vor kurzer Zeit durch Schornsteinfeger- meister Zemke habe machen lassen, weil es bei Fraulein Kroll geraucht habe. .
Maurer Polar z hat die Feuerungsanlage m Lewy'schen Keller repariert. Von einem hohlen Raum darunter hat er nichts gemerkt. ,
Kriminalinspektor Braun ist an dem Tag Könitz gekommen, als der Lokalaugenlchein bei Lewy in folge ber Aussagen Masloffs stattfand Am Abend hat er den Lokaltermin bei Licht abgehalten. Zuers sp' M Masloff von einer Spalte in der ^hur von oben nach unten. Als er dort war und keine Spalte fand, meinte er, es sei unten eine Ritze gewesen, durch, die er gesehen habe. Bei dem vorgenommenen Versuch sah er wohl^icht konnte aber die Personen nicht unterscheiden und wußte auch nicht anzugeben, wieviel dort waren. Braun hat dann selbst den Versuch gemacht und konnte auch nicht mehr sehen. Ter Präsident Mit bem Masloss vor, daß er zuerst die LichtgcschiMe verschwiegen hatte MaZloss meint, bas sei nur nicht geschrieben - Inspektor Maun sagt weiter aus, daß er wiederholt die Raume von ~ » durchsucht habe, daß er aber weder unterirdische Raum n0^°Mat Ma“am 24. März vernommen. Damals hat Masloff von dem Licht tragenden Mann im “wenig erzählt wie von der -^nFtabaksdo ^ Er hält Masloff für einen schlechten Menschen, -riese Meldung ist damals an die Staatsanwaltschaft gegangen^ doch ist nichts erfolgt. Tie ausgesetzte Belohnung be- trna damals schon 200 Mark. ,
^Polizeikommissar Block wird gefragt, ob er einmal eine Haussuchung bei Frau Roß vorgenommen hatt ^ verneint dies. Er wollte nur durch das yau^ gehen Dabei gab es Streit, und am anderen Tage kam Frau Roß auf die Polizeiwache, um sich zu beschweren. Dabei erzählte sie dann die Geschichte von dem Knecht, der dieselben Wahrnehmungen gemacht ^en wottte, tote Masloff sie angegeben bat Zeuge hat sie nach dem
Lause mitgetcilt habe. Ebenso hat (ie. dem Zeugen dre Wich" von dem Knecht erzählt. Ber der nächsten Anne Nett des Knechtes habe Frau Roß mit ihm die "otatität sestgestellt. Es sei das S?au8 des Lewy acwesen. qeuac hat sich vergeblich bemüht, diesen Knecht zu ermitteln. Bei einem späteren Besuche hat dann Frau Roß auch von den Wahrnehmungen Maslosss erzählt, dagegen bei dem ersten Besuche schon von ^eßerung der Krau Lew». Daß diese jedoch die Aeußerung von der jüdischen Gemeinde geihan hat. hat Frau Roß^mcht gesagt ie hat nur von einer jüdischen Frau ohn»e ta gesprochen. Don der Uhrkctie, d)e Frau Ma-l°ss gesunMn haben wollte, W sic wahrscheinlich auch^ ich?" «bsstrochen. Bei dem dritten Besuche legte Zeuge,, dei^ mit Mer anderen Herren dort war, der Frau Masloss
I von Uhrketten vor, von denen sie solche, oxe Der ^inie schen ähnlich waren, heraussuchte. Bei diesem BeW
I ermhlte^ auch Frau Roß die Geschichte von dem Knechte I nber Hofrichter gewann den Eindruck, daß die #rau Roß fefet an der Stelle des Knechtes ihren Schwiegersohn
I unterschieben wollte, sodaß sie einmal die Unwahrheit
Resultat ergeben. Die vorgefundenen Ketten hätten keine Aehnlichkeit mit der Winter'schen. Ein Geschworener will im Keller Lewys bei dem Kessel Blutspuren bemerkt haben. Der Oberstaatsanwalt bemerkt, daß in einer Fleischerei das Vorkommen von Blut wohl natürlich ist. Es wäre jetzt nach sechs Monaten auch ohne Belange wenn sich Blutflecken finden würden.
Wehn erklärt, daß er damals bei der Untersuchung keine verdächtigen Blutflecken gesehen hat. Möbelhändler Kirstein hat ihm den Ort gezeigt, wo Masloff seine Wahrnehmungen gemacht haben will. Masloff hat diese Stelle Kirstein gezeigt. Diese Bekundung steht in direktem Widerspruch zu den gegenwärtigen Aussagen von Masloff. Auf Befragen des Präsidenten giebt Masloff an, daß er die Stelle mehreremale einigen Herren gezeigt hat.
Wehn: Lewy war jederzeit bemüht, alle dunklen Punkte aufzuklären. Als er zwei Pakete zurückerhielt und die Polizei das Papier der Pakete beschtagnehmen wollte, schaffte er selbst das Papier herbei, das noch die Post- nummer trug. . .
Inspektor Braun pflichtete ihm bei, daß es sich bei den Aussagen von Masloff und der Roß um ein Lügengewebe gehandelt haben'muß. Der Staatsanwalt fragt benj Zeugen nach den Bekundungen des Schreibers Orda. Dieser will gesehen haben, datz Sßinter auf der Chaussee von einem Fuhrwerke aus mit einem Lasso nieder gerissen sei und dabei gerufen habe: „Ich bin Ernst Winter!" Hunrath teilt mit, daß Orda bereits seinen Meineid eingestanden hat. ri o -
Der Oberstaatsanwalt verliest aus einem Artikel der „Staatsbürger^.", daß am 28. Oktober die beiden Berliner Kommissare mit Adolf Lewy sich ^.ausfälliger Weise an dessen Hause zu schaffen gemacht hatten. Kommissar Wehn bekundet, daß er an diesem Tage mit Dr. Puppe in Marienburg und Danzig gewesen ist. Kommissar Braun ist an diesem Tage überhaupt nicht ausgegangen. . . c ,
Stadtbaumeister Hampel berichtet über die soeben erfolgte Untersuchung der Lewyschen Räucherkammer. ^,ch fand' nichts Verdächtiges vor. Eine kleine Ausbesserung ist anscheinend vor etwa 14 Tagen gemacht worden. Adolf Lewy nennt den Namen des Arbeiters, der diese Ausbesserung gemacht hat. Die Spuren in der Nahe des- Kessels schienen dem Baumeister sehr alte Fettspritzer
statt. Aufgeführt wird Gustav v. MoserS vierakttgeS Lust- I spiel „Der Sureaufrat“, das in Gießen mit durchschlagendem I Erfolg gegeben wurde. , m „
Stünberg, 31. Oktober. Zu der h-uttg-n Bezirks- lehrerkonferenz waren außer dem KrelSschulinspeftor Pro- I fessor Dr. Lucius und Turninspektor Schmuck, sowie etwa 40 Lehrarn, der hiesige Stadtvorstand, der Schul- I Vorstand und die Leiter des Turnvereins erschienen. Lue I turnerischen Leistungen der vier Schulklassen waren recht qut und fanden allgemeine Anerkennung. Em Vortrag des Turninspektors führte Zweck und Ziel des Turnunterrichts vor Augen. Da die hiesige Volksschule keme Turnhalle | besitzt, also bei jedem Wetter und in jeder Zelt darauf angewiesen ist, im Freien zu turnen, so waren schon früher Verhandlungen mit dem hiesigen Turnverein cingeleitet, Die die Ueberlassung der Turnhalle zum Turnunterricht der Volksschüler bezweckten. Leider ist biS jetzt noch keine Einigung erzielt worden. Es steht aber zu hoffen und wird allgemein gewünscht, daß ein billiger Vertrag zustande kommt. Die Hauptmängel beim Turnunterricht auf dem Lande bestehen darin, daß nicht bei jeder Witterung geturnt werden kann, sowie daß gewöhnlich Mangel an Turngeräten hinderlich wirkt. Dem wäre durch Ueberlassung der Turnhalle für Grünberg abgeholfen. Em einfaches Mittageffen vereinigte die Teilnehmer der Konferenz im Gasthaus „Zum Hirsch".
A. C. Neu Ulrichstein, 1.November. In der Arbeiter- ; Kolonie befanden sich Ende Oktober stellen-, resp. arbeitslos 30 Mann, darunter waren Arbeiter 18, Buchbinder 1, Former 1, Friseur 1, Kaufleute 2, Kellner 1, Maler und Lackierer 1, Maurer 1, Schlosser 1, Schneider 1, Schreiber 1, Schuhmacher 1. Seit Bestehen der Kolonie wurden auf- genommen 3764. entlassen 3734, mithin Bestand 30. Bestand am 1. Oktober 1900: 18. Zugänge im Monat Oktaber 15, Abgänge im Oktober 3. Die Entlassenen gingen auf eigenen Wunsch ab.
Biedenkopf, 1. November. Der seit längerer Zett am hiesigen Amtsgericht beschäftigte Referendar P. aus Kassel warf sich gestern nachmittag unterhalb der Stadt vor den um 3 Uhr 25 Min. hier fälligen Personenzug und wurde, trotzdem der Lokomotivführer noch Gegendampf gab, von der Maschine erfaßt und vollständig zermalmt. Wie Augenzeugen berichten, ging P. eine geraume Zeit vorher verschiedenemal die Chaussee auf und ab und wartete auf den Zug. Der Vorfall ereignete sich so schnell, daß es unmöglich war, das Unglück zu verhindern. Das Motiv zu dieser' unglückseligen That dürfte in einem Anfall von Geistesgestörtheit zu suchen sein.___
Der Prozeß Masloff in Könitz.
Am sechsten Verhandlungstage wird als erster, Zeuge Redakteur Zimmer vernommen. Zimmer hat erfahren, daß Zahnarzt Mübauer der Martha Masloff 10 Mark gegeben habe zur Unterstützung ihrer Familie.
Bürgermeister D e d i t i u s hat bei seinen Haussuchungen am 15. März auch den Lewy'schen Speicher durch- sucyt, wobei nichts Verdächtiges gefunden worden ist.
Auch Polizeikommissar Krischt berichtet über eine Reihe von Haussuchungen im Lewyschen Hause. Auch der Keller ist untersucht worden, und es find Nachgrabungen nach unterirdischen Gewölben angestellt worden. Ebenso sorgfältig sind der Hof, die Dunggrube und der Speicher durchsucht worden. Es hat sich aber nichts gefunden, auch nicht in der Synagoge oder in den anderen Grundstücken am Weg. Als unwahr bezeichnete er es, daß er einmal vor einer besetzten Badezelle im jüdischen Bade habe .Halt machen müssen. Zeuge erklärt, daß wiederholt die Thür des Lewy'schen Hauses offen gestanden hatte, sodaß jeder Vorübergehende sich über die lokalen Verhältnisse des Lewy'schen Hauses orientiern konnte.
Polizeisergeant Kühn hat ebenfalls an der Haussuchung bei Lewy und bei Hoffmann teilgenommen. Bei । diesen beiden sowohl wie in der Synagoge wurde nicht die geringste Spur gefunden. Alle Wände wurden be-


