Die Berliner Morrarcherrbegegnung und die Lage am Balkan.
Aus Wien wird uns von besonderer Seite gei schrieben:
Bekanntlich giebt es in allen Ländern und unter allen Himmelsbreiten Menschen, welche die naheliegenden, sozuq sagen natürlichen Ursachen gewisser Zeitgeschehnisse für nicht diskutierbar betrachten. Dieser Kategorie von Leute:, läßt eine überreiche Phantasie die reale Bedeutung, welche den Ereignissen zukommt, als zu prosaisch, zu trocken erscheinen — man nmß ihnen immer Unwahrscheinliches bieten, damit sie das Thatsächliche besser goutieren können.
Die Reise des Kaisers Franz Josef nach Berlin ist,' wiederholt jjn den offiziösen Organen der österreichischungarischen Regierung auf die natürlichste Art von der Welt erklärt worden. Der deutsche Kaiser hat in den letzten Jahren aus verschiedenen Anlässen zwei Besuche dem Ober- Haupte der Donau-Monarchie abgestattet, und es wäre ganz natürlich, daß diese Besuche erwidert werden. Nun bietet sich noch ein besonderer Anlaß, um die Gegenvisite gerade jetzt sehr plausibel erscheinen zu lassen, nämlich die Großjährigkeitsfeier des deutschen Kronprinzen — ein Ereignis, dem doch wohl neben der dynastischen auch eine staat- liiche Bedeutung beigemessen werden darf. Wie in maßgebenden Kreisen der hiesigen Diplomatie versichert wird, hat nun der greise Monarch, dessen feines Taktgefühl wohlbekannt ist, in spontaner Weise seine Absicht, an der Berliner Feier persönlich teilzunehmen, dem Kaiser Wilhelm, gegenüber Ausdruck gegeben. Mit den Vorgängen am! Wiener Hofe und innerhalb der gemeinsamen Regierung, vertraute Persönlichkeiten reduzieren die Bedeutung des! Kaiserbesuchs auf diesen einen Umstand und erklären nachdrücklich, daß aktuelle politische Fragen dem Besuche fern lägen. Aber diese Aufklärung genügt und behagt der erwähnten Menschengattung nicht, und ein bekanntes Blatt in Berlin brachte die Berliner Monarchenbegegnung mit der Lage am Balkan im direkten Zusammenhang, wobei angedeutet wurde, daß „der Balkan verspielt worden sei".
In der Regel kann man nur etwas „verspielen" oder verlieren, was man überhaupt besessen hat. Oesterreich- Ungarn wurde seitens des Petersburger Kabinetts zu wiederholten Malen, ganz besonders in den Jahren 1831,. 1853 und 1879, die Teilung der Einflußsphären auf der! Balkan-Halbinsel angeboten. Tas Angebot wurde aber stets zurückgewiesen, und der verstorbene Graf Andrassy gab dem damaligen Spezialgesandten des Kaisers Alexander II., dem Grafen Jgnatieff, eine weitläufige Aufklärung über -.diese Haltung des Wiener Hofes. Tie Politik dieses- bedeutenden ungarischen Staatsmannes resümierte sich iw den folgenden wenigen Worten:
>„Wir suchen keine politischen Eroberungen im Osten Europas, wir wünschen die Balkanstaaten unabhängig und.selbständig zu sehen; aber andererseits müssen wir wünschen und fordern, daß auch Rußland diese Unabhängigkeit und Selbständigkeit respektiere; für uns ist daher die Teilung des Balkans in russische und österreichische Einflußsphären nicht annehmbar."
Ter nach Andrassy auf den Ministerposten gelangte Davon Heymerle wurde zu schnell vom Tode ereilt, um in. der großen Politik eine Spur zurückzulassen. Sein Nachfolger, Graf Kalnoky, erklärte wiederholt in den Delegationen, daß Oesterreich-Ungarn am Balkan für sich in politischer Beziehung nitchs anstrebe und brachte bekanntlich die Beziehungen der Monarchie zu Rußland — als dessen Einmischung in Bulgarien zur Abdikation des Fürsten Alexander von Battenberg führte — in eine bedeutende Spannung. Erst unter Goluchowsky hat dieselbe nachge^ lassen und der wohlbekannten „Entente" vom April 1897 Platz gemacht.
Es ist jedermann bekannt, daß das Einvernehmen dieser Mächte auf der Grundlage des „Status quo" am Balkan aufgerichtet ist. Allerdings hat die russische Diplomatie in der letzten Zeit sich lebhafter in Sofia und Cettinje vernehmen lassen, .alA maw es in hon dem Friedensgedanken huldigenden Kreisen für angemessen halten dürfte. Andererseits zeichnete sich die Moskovitische Diplomatie iw Belgrad nicht gerade dur cheine absolut tadellose Korrektheit aus. Allein nach der Anschauung, die in hiesigen, unterrichteten Kreisen gehegt wird, ist die „Entente" durch diese Vorgänge und Erscheinungen in ihrem Lebensnerv nicht berührt worden. Formell stehen Oesterreich-Ungarn und Rußland auf dem von Murawiew und Goluchowsky! vereinbarten Arrangement, und es giebt, nach der An-; schauung eben jener unterrichteter Wiener Kreise, für beide Kabinette keine Balkanfrage. Dieser Standpunkt des Wiener Kabinetts schließt die von gewissen Organen der öffentlichen Meinung gemachte Supposition, daß Balkan- den Kaiser Franz Josef nach Berlin führten, aus, ^tmal das Petersburger Kabinett erst in jüngster Zeit gekommen hat, beruhigende Erklärungen über die Mi^wn seiner Agenten in Montenegro und in Bulgarien abzugeben, eine Mission, die nur auf Wunsch der betreffenden Herrscher erfolgt ist, und an der Rußland selbst kein! Jnlerene gehabt hätte.
$ f muß übrigens bemerkt werden, daß über das Schick- J—, Balkanvölker außerhalb des Balkans am Beginn ™ . - ZArhunderts nicht mehr entschieden werden kann. Speziell Rumänien und Serbien sind doch zu bedeutsame Faktoren geworden, sobald es sich um das Geschick dieser Königreiche handelt. Serbien hat ganz besonders in dem Yrcten- ö^i Jahren das Werk der Regenerierung und der allseitigen Konsolidierung soweit gebracht, daß es mit Vertrauen die Gestaltung seines Schicksals in die eiqene Hand nehmen kann. Eine sehr respektable, vortrefflich ausae- rilpete Heeresmacht schützt diesen Staat in militärischer Beziehung, wahrend das Kabinett Gjorgevitsch den staatlichen Organismus gefestigt und mit einer intensiven Lebenskraft ausgestattet hat. lieber dieses Serbien nach eiae- inem Gutdünken zu verfügen, daran kann wohl auch Rußland nicht mehr denken, und schon aus diesem Grunde er scheinen die Kombinationen, die aus Anlaß der bevorstehenden Reise des Kaisers Franz Josef nach Berlin ge- tznacht werden, als ganz hinfällig.
Deutscher Reichstag.
183. Sitzung vom 1. Mai. 1 Uhr.
Der Reichstag beschäftigte sich heute mit Wahlprüfungen. Tie Wahl des Abg. Doenhoff-Frie-
dr ich stein (kons.) wird beanstandet. Tie Wahl der Abgg. Werner (nl.), E r n st (freis. Ver.), K r a e m e r (nl.) werden für giltig erklärt. Die Wahl des Abg. v. Loe- b e I I (kons.) soll nach Kommissionsbeschluß für ungiltig erklärt werden. Ein konservativer Antrag will die Beschlußfassung über die Wahl zum Zweck weiterer Beweiserhebungen ausgesetzt wissen.
Abg. Auer (Soz.) widerspricht diesem Antrag und unterzieht die betreffenden Wahlvorgänge einer scharfen Kritik.
Abg. Dr. Arendt (Reichsp.) tritt Auers Ausführungen entgegen.
Abg. Schwjarze-Lippstadt (Zentr.) ist der Ueber- zeugung, daß durch die Ausweisungen die bestehenden Vorschriften über die Oeffentlichkeit des Wahlaktes gröblich verletzt sind und damit die Notwendigkeit der Kassierung, der Wahlen jn den 11 Bezirken gegeben, womit die ganze Wahl hinfällig werde.
Dem Abg. p. B r o ck h a u s e n, gegenüber, der für seinen Antrag noch geltend zu machen sucht, daß der Begriff der Oeffentlichkeit von der Kommissionsmehrheit verkannt tvörden sei, empfehlen die Abgg. Fischer-Berlin (Soz.) und Auer abermals den Kommissionsbeschluß.
Die Wahl des Abg. v. Soeben wird darauf gegen die Stimmen der beiden konservativen Parteien, der Anti-, semiten und der Nationalliberalen für u n g i l t i g erklärt.
Die Wahl der Abgg. Graßmann (nl.) und v. O h l e n- husen (fraktionslos) werden beanstandet, die der Abgg. v. Kardorff (Rp.), Graf Bismarck-Bohlen (kons.) und v. B o n i n (kons.) für giltig erklärt. Abg. Sachse- Waldenburg (Soz.) legt sein Mandat nieder, dessen Wahl soll für ungiltig erklärt werden. Die Wahl des Abg. Stöcker wird für giltig erklärt, die der Abgg. Baron de Schmid (Els.), Fürst zu Inn- und Knyphausen und Hbinel (Volksp.) werden beanstandet. Die Wahl der Abgg. Graf M a g n i e s (Zentr.), Dr. Hasse (nl.) und Tier tri ch (kons.) werden für giltig erklärt. — Antrag auf Beweiserhebung stellt die Kommission bezüglich der Wahl des Abg. Will (Stolp-Lauenburg).
Abg. G a m p hat gegen den Kommissionsantrag nichts« einzuwenden.
Abg. Pach nicke (fr. Vg.) tritt für den Kommissionsbeschluß ein. Die Wahlbeeinflussungen in diesem Wahlkreise seien unerhört gewesen, die Wahlkreisgeometrie grenze ans Fabelhafte und die kunstreiche Faltung der Wahlzettel habe wahre Triumphe gefeiert. Die gewaltsame Entreißung mißliebiger Stimmzettel sei an der Tagesordnung gewesen.
Abg. Kopsch pflichtet den Ausführungen des Abg. Pachnike bei und führt weitere Einzelheiten der konser-- vativen Wahlbeeinflussung an. In dieser Gegend thue ein Verein zum Schutze des geheimen Wahlrechts bitter not.
Abg. Spahn tritt ebenfalls^ dem Abg. Gamp entgegen.
Abg. Auer legt gegen die von dem Abg. Gamp ausgesprochene Behauptung der Käuflichkeit der Sozialdemokraten als eine Verleumdung Protest ein.
Vizepräsident v. Fr ege: Der Ausdruck Verleumdung ist parlamentarisch unzulässig.
Abg. v. Staudy (kons.): Daß in Breslau eine Wahlbestechung stattgefunden hat, ist vom Abg. de Witt im Abgeordnetenhause ausdrücklich erklärt worden. Die Behauptungen der Proteste haben sich in den meisten Fällen als erlogen erwiesen. (Große Unruhe links.) Mit der Behauptung, daß'dieiMnservativen in Wahlbeeinflussungen die Liberalen weit in den Schatten stellen, sollte man doch das Haus verschonen.
Abg. Singer (Soz.): Diese Behauptung des Herrn v. Staudy muß komisch wirken, wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln der Wahlbeeinflussung unter Nutzbarmachung des ganzen Beamtenapparats die Konservativen arbeiten. In Breslau hat keine Wahlbestechung stattgefunden; diese Behauptung ist eine nichtswürdige Verleumdung. Uebrigens traut man niemanden etwas zu, was man nicht selbst zu thun bereit ist.
Abg. d e Witt: Ich bin zwar richtig zitiert worden, in meinen Worten hat aber der Vorwurf der direkten Wahlbestechung nicht gelegen.
Abg. Gamp: Es hat mir durchaus ferngelegen, den Sozialdemokraten allgemein einen moralischen Makel vorzuhalten.
Der Kommissionsantrag wird angenommen. — Die Wahl des Abg. Harriehausen (B. d. L.)-Einbeck-Nort- heim hat die Wahlprüfungskommission mit 9 gegen 2 Stimmen für ungiltig erklärt, weil ein vom Kreiskriegerverband Einbeck erlassenes, vom Landrat mit unterzeichnetes Schreiben dringend zur Wahl des Gewählten aufgefordert hat und die Kommission hierin fast einstimmig eine mißbräuchliche Einwirkung auf die Wahl erblickt hat, die ähnlich einer behördlichen Einwirkung zu reprobieren ist. Alle Kriegervereine, in denen die Bekanntgabe dieses Erlasses bezeugt ist, sind in Betracht gezogen und die betreffenden Stimmen für ungiltig erklärt worden, wodurch es zweifelhaft wird, ob nicht ohne diese Beeinflussung statt des Sozialdemokraten Fischer der nationalliberale Kandidat in die Stichwahl gelangt wäre.
Abg. Bassermann (nl.) spricht sich für die Kassierung aus.
Dem Anträge der Kommission entsprechend wird die Wahl des Abg. Harriehausen für ungiltig erklärt. — Die Wahl des Abg. Dr. Zwick hat die Kommission b e anstandet. Dr. Zwick ist mit nur 47 Stimmen Mehrheit gewählt worden. Außerdem soll über die Behauptung Beweis erhoben werden, daß 36 Hospitaliten mitgestimmt haben.
Abg. Singer plädiert für den Kommissionsvorschlag.
Auch Abg. Spahn verteidigt den Kommissionsvorschlag, der angenommen wird.
Schließlich wird auch die B e a n st a n d u n g der Wahl des Abg. v. Stumm beschlossen.
___ Schluß einviertelsechs Uhr.
Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr. (Erste Beratung der Anträge Müller-Fulda und Bassermann, betreffend Abänderung des Reichsstempelgesetzes und des Zolltarifs (Dcckungsfrage); zweite Lesung der Unfallversicherungsnovellen.)
Die Flotteuvorlage in der Budgetkommission des Reichstages»
Berlin, 1. Mai 1900.
^0: 2lbg. üller-Fulda (Ztr.) ging ein Unterantra» em, welcher sich als eine spezielle Erweiterung des Ren» lrumsantrages in der Teckungsfrage darstellt Er umfaßt einen Abänderungsvorschlag zu den Bestimmungen des Reichsstempelgesetzes vom 27. Januar 1894, worin die Abgabeerhöhungen für Aktien, Kuxe, Renten u. s. ro enthalten sind.
Staatssekretär v. Thielmanu erklärt, die Regierungen sind zu einem nachdrücklichen'Schutz der deutschen Landwirtschaft bei Ausarbeitung eines neuen Zolltarifs entschlossen. Spezielle Erklärungen können naturgemäß erst nach der Vollendung der Vorarbeiten gegeben werden.
Abg. Müller (Fulda) vermißt, wenig befriedigt hiermit, eine Erklärung bezüglich der Leutenot; namentlich in Oberschlesien beständen ganz unhaltbare Zustände.
Abg. Frese (Freis. Vg.) bedauert die Erklärungen v. Thielmanns; diese Frage hänge nicht mit der Flottenvorlage zusammen.
Abg. v. Kardorff (Rp.) hält die Leutenot in Ober- schlesien direkt für bedrohlich.
Abg. Gröber (Zentr.) ist von dem Entgegenkommen der Regierungen zwar an sich befriedigt, die Frage der Leutenot müsse aber auch in Betracht gezogen werden. Seine politischen Freunde in Oberschlesien machten ihre Stellung zur Vorlage davon abhängig.
Abg. v. Klinckowstroem (kons.) führt aus, die Arbeiterverhältnisse seiner Heimat lägen gleichfalls sehr traurig.
Hierauf schildert Abg. Szmula (Zentr.) im Einverständnis mit der Kommission die Verhältnisse in Oberschlesien.
Graf Arnim (kons.) findet es unverständlich, wie man diese Frage mit dem Flottengesetz verquicke.
Abg. v. Stolberg (kons.) findet den Grund der Leutenot in der Bevorzugung der Industrie.
Abg. v. Kardorff (Rp.) warnt, die Diskussion in diesem Sinne weiterzuspinnen.
Abg. Bebel (Sozialdem.) beanstandet, daß die Diskussion beschränkt werde.
Abg. Hasse (ul.) warnt, die Landwirtschaft auf Kosten der Nationalität zu schützen.
Aus Stadt und Sand.
(N«ony«»e Giusendunaeu, gleichviel welche« ArrhaHe-, werde« grundsätzlich nicht aufgenomme«.-
Gießeu, 2. Mai 1900.
«efchicht-kalend-r. (Nachdruck verbot«.) Bor lieJ.hren, am 3. Mai 1784, wurde zu Augsburg Plus Alexander Wolff geboren, als Verfasser des von Weber komponierten Singspiels „Prisiosa" und erster Darsteller deS Goethe'schen Tasso bekannt. Wolff hatte den Weg zur Bühne durch die Hochschule genommen und ging 1803 ans Weimarer Hoftheater. 1816 erhielt er einen Ruf an das Königliche Schauspielhaus zu Berlin. Hier schuf er sein Lukispiel „Der Kammerdiener". Wolff starb am 28. August 1828 zu Weimar. ___________
* * Versetzungen. Postassistent Hartmann von Laubach nach Bad-Nauheim, Postassistent Mei Ski von Schotten nach Laubach.
* • Postalisches. Im Verkehr mit den deutschen Schutzgebieten werden vom 1. Mai ab Postanweisungen zu den Gebühren des Inlands befördert, für Postanweis- nugen an Mannschaften Soldaten) in Kiautschou werden auch im inneren Verkehr bis 15 Mk. nur 10 Pfg. erhoben, wenn die Anweisungen den Vermerk „Soldatenbrief" tragen.
Eine iVrstnudige Verspätung erlitt am Dienstag Vormittag der Personenzug Gelnhausen—Gießen dadurch, daß im Tunnel zwischen Stockheim und Ranstadt die Kuppelftange der Lokomotive entzwei ging. Die Passagiere flogen infolge des kräftigen Ruckes durcheinander und haben große Angst ausgestanden, zumal die Verkehrsstockung im Tunnel eintrat. Eine Ersatzmaschine brachte den Zug nach Gießen.
• • „Gießener Uuiverfitäts Taschenbuch für das Sommer- Semester 1900." Seit einer Reihe von Semestern giebt die Universitäts-Buchhandlung von August Frees ein Taschenbuch heraus, das den Zweck hat, die Studierenden über die wichtigsten Universitätsangelegenheiten kurz und zuverlässig zu unterrichten. Wir finden in dem Büchlein alles für den akademischen Bürger Wissenswerte, u. a. eine Uebersicht der Vorlesungen, ein Verzeichnis sämtlicher Uni-' versitätS-Behörden und Institute sowie aller Lehrkräfte mit Angabe der Wohnungen, Bestimmungen über Stipendien und Honorar-Stundungen, eine Aufzählung der Preisaufgaben, der akademischen Vereinigungen usw.; außerdem ist ein vollständiges Verzeichnis der an der hiesigen Hochschule eingeführten Lehr- und Handbücher beigegeben. Der Herausgeber versendet gratis an jeden Immatrikulierten ein Exemplar.
♦ * Neue Postordnung. Die mit 1. April eingeführte neue Postordnung brachte verschiedene sehr erhebliche Neuerungen, die jedoch noch nicht genügend der Allgemeinheit bekannt sind, weshalb diese Vergünstigungen nicht im vollen Umfange ausgenützt werden. Im Drucksachenversandte können z. B. jetzt 5 Worte auf Visitenkarten ge- schrieben werden. Die Protestwechsel brauchen jetzt nicht mehr sofort bei Vorzeigung, sondern können bis Abendschalterschluß bezahlt werden. Dann wurde die große Erleichterung der „Geschäftspapiere" im deutschen Reiche zugelassen! Was sind Geschäftspapiere? Viele wissen es nicht und wenden Brieftaxe an! Ge- schäftSpapiere sind alle Schriftstücke, Urkunden geschrieben, gedruckt, gezeichnet, welche nicht die Eigenschaft einer eigentlichen oder persönlichen Korrespondenz tragen. Es gehören hieher Rechnungen, Quittungen u. s. w. Alle wichtigen Neuerungen und Bestimmungen überhaupt, mit allen Portotaxen des Orts-, Nahe-, Fern- und WeltpostverkehrS sind von einem Fachmanne in übersichtlichstem Plakat - portotarif klargelegt, und möchten wir jedem, der diese Begünstigungen ausnützen will, nahelegen, sich dieses Prak-
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