Ausgabe 
3.2.1900 Erstes Blatt
 
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Samstarr den 3 Februar

Erstes Blatt.

Meßmer Anzeiger

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lirektor fi. Traut- r Johannes Hegat

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, R. Schumann.

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* Vom Kriegsschauplatz

ES wird immer klarer, daß der Kampf am 23. und 24. Januar nicht blos am Spionkop, sondern

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L. Boccherlni, . Fr. Megan . Fr Schubert, es

. J. S. Bach.

sie richten wird, wenn Ich sie ermahne, auszuhalten in ihrer Anstrengung und sie zu erneuern, bis wir den Stampf um die Aufrechterhaltung des Reiches und die Sicl)erung der Vormachtsstellung in Südafrika zum sieg­reichen Ende geführt haben."

Die Thronrede erwähnt dann den Abschluß des Samoa­vertrages mit dem Deutschen Reiche und die Beteiligung der Vereinigten Staaten an diesem Vertrage und kündigt ferner die baldige Vorlegung des von den fünf australischen Kolonien angenommenen Planes betr. die Förderatiou an und bemerkt, die Königin hege die Zuversicht, daß die Errichtung eines großen Bundes in Australien sich für das ganze Reich als vorteilhaft erweisen werde. Die Thron­rede bespricht sodann den Mut und die soldatischen Eigen­schaften, die die an dem Kampf in Südafrika beteiligten Truppen aus den Kolonien an den Tag gelegt haben. Sie gedenkt der zahlreichen, von eingeborenen Fürsten Indiens eingegangenen Hilfsangebote, erwähnt bedauernd die Hun- gersnvt und die'Pest in Indien und legt die zur Linderung der Leiden der Bevölkerung ergriffenen Maßnahmen dar. Die Thronrede kündigt alsdann eine beträchtliche Vermeh­rung der Heeresausgaben in Folge der militärischen Ope­rationen in Südafrika an. Hierüber heißt es wörtlich:

Die Erfahrung eines großen Krieges muß den mi­litärischen Behörden des Landes notwendigerweise Leh­ren von der größten Bedeutung liefern. Ich bin über­zeugt, daß das Parlament vor keiner Ausgabe zurück­schrecken wird, die erforderlich ist, um unsere Verteidi­gungsrüstungen auf gleiche Höhe mit den Berantwortlich- lichkeiten zu bringen, die der Besitz eines so großen Reiches auferlegt. Zu einer Zeit, wo mehrere andere Rationen ihre Flottenrüstungen unter steigenden Anstrengungen und Opfern vervollkommnen, wird die Besorgtheit, mit der das Parlament für die Schlagfertigkeit der britischen Flotte und Küstenverteidigungswerke Vorkehrung traf, sicherlich nicht ermatten."

Nachdem die Thronrede noch bemerkt hat, daß die Zeit für innere Reformen, die große Ausgaben erheischen, nicht günstig sei, und einige kleinere Vorlagen von örtlicher Bedeutung'aufgezählt hat, schließt sie mit den Worten: Ich empfehle Ihre Beratungen in dieser sorgenvollen Zeit dem Segen und der Lenkung des allmächtigen Gottes."

Die im Anfang der Rede ausgesprochene Klage, daß der Friede in Südafrikagebrochen" worden sei, ist gewiß berechtigt, aber außerhalb Englands wird man es wohl kaum verstehen, daß man die Schuld daran den Bureu- republiken zuweist. Die Konzentration von englischen Trup­pen an der Grenze Transvaals hatte stattgefunden, bevor irgend ein Burgher Ohm Pauls zu den Waffen gerufen war. Wenn Transvaal nicht warten wollte, bis die eng­lischen Bataillone nach Eintreffen der unterwegs befind­lichen Verstärkungen seine Grenzen überschritten, so han­delte es nur in gerechter Notwehr. Der Krieg war in Loudon beschlossene Sache. Daß er mit unzureichenden Mitteln begonnen wurde, dafür soll man die englischen Minister und die militärischen Leiter des Feldzuges nicht aber die Buren verantwortlich machen. Gerade­zu als unerhört muß es bezeick)net werden, daß in einem derartigen offiziellen Aktenstück, wie es doch eine Thronrede ist, eine solche verlogene Heu­chelei getrieben wird, die der Wahrheit geradezu ins Gesicht schlägt, und nicht einmal aufrichtig denkende Eng- länder zu täuschen vermag.

Deutscher Reichstag.

140. Sitzung vom 1. Februar. 12 Uhr.

Tages-Ordnung: Extraordinarium des Postetats. Bei der Forderung einer ersten Rate für einen Postneubau in Düsseldorf bittet

Abg. Kirsch (Zentr.) um Einstellung der Rest-Raten möglichst schon in den nächsten Etat.

Staatssekretär v. Podbielski sagt möglichste Be­schleunigung des Neubaues zu.

Zur Errichtung und zum Ankauf von Dienst-Wohn­gebäuden für Unterbeamte an solchen Landorten und iso­lierten Bahnhöfen, wo es an geeigneten Wohnungen mangelt, werden 315 000 Mark gefordert.

Äbg. Gamp (Rp.) wünscht eine Erhöhung des Fonds.

Staatssekretär v. Podbielski bemerkt, der Erwerb von geeigneten Grundstücken zum Bau von Wohnhäusern für die Landbriesträger stoße häufig auf Schwierigkeiten, weil die Grundbesitzer oft nicht gewillt seien, ihr Land her­zugeben. Die Verwaltung müsse deshalb auch gelegentlich Häuser kaufen oder bauen, resp. mieten.

Der Titel wird genehmigt, ebenso der Nest des Extra- ordinariums ohne Debatte. Debattelos wird der Etat der Reichsdruckerei genehmigt. Nächste Sitzung Diens- tag 1 Uhr. Tagesordnung: Lex Heinze. Schluß 1 Uhr.

Die Thronrede der Königin.

Die Thronrede, mit der die Parlamentssitzung eröff­net wurde, enthält folgende bemerkenswerte Stellen:

Der Friede, der jüngst in Südafrika gebrochen wor­den ist, zu der Zeit, wo Ich das letzte Mal zum Parlamente sprach, ist leider nicht wiederhergestellt, davon abge­sehen, sind aber die Beziehungen zu den anderen Staaten freundschaftlich. Zum Widerstand gegen den Einbruch (!) in Meine südafrikanischen Kolonien durch die süd­afrikanische Republik uud den Oranaefreistaat antwortete Mein Volk mit Hingebung und Begeisterung auf den an es gerichteten Appell. Der Heldenmut der Soldaten im Felde, sowie der Matrosen und Marinetruppen, die gelandet sind zu gemeinsamer Thätigkeit mit den Land­truppen, ist nicht hinter den edelsten Traditionen un­serer militärischen Geschichte zurückgeblieben (?). Ich bin tief betrübt, daß so viele kostbare Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Aber ich habe mit Stolz und herzlichster Befriedigung den Eifer und die spontane Loyalität gesehen, mit der Meine Untertanen in allen Seiten des Reiches hervortraten, um Teil zu nehmen »n der gemeinsamen Verteidigung der Reick)sinteressen. och vertraue, daß sich Mein Blick nicht vergebens auf

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Die Eröffnung des englischen Parlaments.

Die letzte Nummer des LondonerPunch" enthielt ein Bild, das eine Versammlung des Ministeriums vor der Parlamentseröffnung darstellt. Der Ministerpräsident Salisbury erklärt seinen Kollegen:Meine Herren, es fommt nicht darauf an, was wir sagen, sondern es ist dringend nötig, daß wir alle dasselbe sagen." Kern Wort kann treffender die gegenwärtige Situation bezeichnen. Will sich das Ministerium halteu, so darf nicht das beliebte Spiel beginnen, daß ein Minister die Last der Verant­wortung auf den anderen zu schieben sucht. Dann würde schließlich, und mit Recht, die Hauptschuld auch vor der Öffentlichkeit demgroßen Lügner", Joe Chamberlain, zugemessen werden. Das ganze Ministerium ist schuldig an dem furchtbaren Zusammenbruch der militärischen Macht Englands, indem es den von Chamberlain gewollten Shieg unvorbereitet und mit ungenügenden Mitteln be­gann; aber Chamberlain ist der Schuldigste. Er war es, auf dessen Drängen Jameson seinen Raubzug unternahm, er hat mit Rhodes und seinen Troßbuben die schmutzigsten Spekulationsgeschäfte betrieben, er hat die öffentliche Meinung gefälscht und betrogen, indem er durch die von ihm gekaufte Presse diesen Minen- und Aktienkrieg zu einer nationalen Frage stempelte, und er hat zuletzt uach dem Besuche .Kaiser Wilhelms II. die politische Situation durch eine Lüge zu retten gesucht. Er ist in letzter Linie daran schuld, daß das Weltreich England vor zwei kleinen Republiken, deren Gesamteinwohnerzahl von einer halben Million ungefähr der einer mittleren englischen Industrie­stadt gleich kommt, seinen militärischen Bankerott erklären muß. Wenn das Ministerium Salisbury seine Stellung behaupten will, so bleibt allerdings nichts übrig, als daß es sich mitschuldig erklärt, um den Hauptschuldigeu zu decken. Daß muß es auch thun, denn die Beziehungen der einzelnen Minister zu Chamberlain sind, mit oder ohne metallischen Beigeschmack so eng, daß sie ihn nicht fallen lassen dürfen. Der ehemalige Schraubeufabri- fant und jetzige Kolonialminister hat eben die Macht in Händen, er ist der tatsächliche spiritus rektor im Mini- Keriums Salisbury, und die Furcht vor ihm zwingt seine Kollegen, sich mit ihm zusammen auf die Anklagebank zu setzen.

Amtlicher Feil.

Bekanntmachung,

betreffend: Maul- und Klauenseuche.

In Stangenrod ist die Maul- und Klauenseuche erloschen, und Aushebung der Sperrmaßregeln angeordnet worden.

Gießen, den 1. Februar 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

___________________v. Bechtold.__

Gießen, am 1. Februar 1900.

Betr.: Statistische Nachweisungen über die Dienstverhält­nisse der Volksschullehrer.

Die

Grotzh. Kreis-Schulcommission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 20. Januar l. Js. (Gießener Anzeiger Nr. 19) noch nicht entsprochen haben, werden an umgehende Erledigung derselben erinnert.

v. Bechtold.

Rr. 28

Erscheint täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener KsmiltenStälter »erben dem Anzeiger im Wechsel mitHess. Landwirt" u.Blätter für Hess. Volkskunde" »SchU.4mal beigelegt.

getobt hat. Wir teilten schon die Meldung des Reuter'scheir Bureaus aus dem Lager Bullers mit, nach der die englische; Infanterie am 24. in den teuer erkauften Stellungen auf dem Thabamayama eingetroffen, aber mit schweren Verlusten aus diesemKugelfang" zurü ckgetriebew worden sei. Der Thabamayamahügel liegt, wie wir schon einmal an der Hand desTimes"-Berichtes klarstellten, nordöstlich vom Spionkop nach Ladysmith zu. Dort hatte das Centrum der Buren Posto gefaßt, während der rechte Flügel derselben auf dem Spionkop stand. Es war also Absicht Bullers, gleichzeitig mit Warren, der den Spionkop nehmen, und die Straße vom Alton Homes nach Ladysmith gewinnen sollte, den Versuch eines Durchbruchs durch das Centrum der Buren zu machen, und dann Warren vor Ladysmith die Hand zu reichen. Beide wurden geschlagen, und mußten sich nach dem Tugela zurückretten.

Die Verluste der Engländer sind noch lange nicht vollständig bekannt. Wir erhalten nur Teilresultate. So hat gestern wieder das Kriegsamt eine Ergänzungsliste der Verluste am Spionkop vom 24. Januar veröffentlicht, nach der 139 Mann getötet, 392 verwundet, 59 vermißt und 4 gefangen sind. Das sind erst 594 Mann. Es sollen aber nach burischer Quelle, aus derReuter's Bureau" schöpfte, beim Spionkop allein 1500 Tote das Schlachtfeld bedeckt haben.

Dasselbe Bureau berichtet aus Prätoria vom 28. d. M., nach amtlichen Angaben betrügen die Verluste der Buren in der Schlacht am Spionkop 53 Tote und 120 Verwundete, was eher stimmen kann. Zweifellos sind diese Verluste für die Buren sehr empfindlich, aber sie sind mit denen Buller's nicht im entferntesten zu vergleichen.

Der Offizier, welcher ohne Befehl die englischen Truppen vom Spionkop zurückführte, ist Oberst Thorneycroft. Buller telegraphiert, ihm sei kein Tadel beizumessen. Sein Verhalten sei bewundernswürdig gewesen. Offenbar fast so bewundernswürdig, wie das seine, das den heroischen General auf den Trümmern seines nach der Flucht wieder gesammelten Heeres in der Pose des Triumphators zeigt.

Die Frage, wie sich nach der englischen Niederlage am Tugela die

Kriegslage in Natal

gestalten wird, erscheint nicht nur für den Militär, sondern auch für den Laien höchst interessant. Für den General Buller ist es dringendes Erfordernis, sich sobald wie mög­lich wieder an der Eisenbahnlinie Frere-Durban, die er mit seiner Hauptmacht gegen Mitte Januar verlassen hatte, festzusetzen, und die Verbindung nach Durban zu sichern. Denn seit der Niederlage am Spionkop ist diese Verbindung und der ungestörte Besitz der Eisenbahn Frere- Durban stark bedroht. Bei der Beweglichkeit der Buren ist es nicht ausgeschlossen, daß ein größeres Burenkorps von Osten her, etwa über Ween, gegen die Eisenbahn Frere- Estcourt alsbald vorgeht, und diese eher erreicht, als Buller mit seiner Hauptmacht. Glückte dies, so könnten die Buren durch Festsetzung am Braunkrasfluß ober am Bushmanns- fluß die Eisenbahnverbindung Bullers nach Durban an­dauernd abschneiden. Keinenfalls dürfte es den Buren aber schwer fallen, die Eisenbahn an verschiedenen Stellen nach­haltig zu zerstören. Ausgeschlossen ist eS auch nicht, daß die Buren selbstverständlich unter Aufrechterhaltung der Einschließung von Ladysmith direkt über Colenso nach Süden vorstoßen, um die Hauptmacht Bullers von der Eisenbahn abzuschneiden. Unwahrscheinlich ist dagegen eine direkte Verfolgung des geschlagenen Feindes durch die Buren über Trichard-, Wagon- ober Potgieter-Drift, weil solche ben Engländern nur bie wünschenswerte Rückzugsrichtung erleichterte. Gelingt es ben Buren, bem Feinbe bie Eisen­bahn nach Durban z. B. durch Besetzung von Estcourt bauernb abzuschneiben, so bleibt Buller nichts übrig, als das ihn abschneidenbe Burenkorps energisch anzugreifen ober seinen bereits zweimal mißglückten Versuch zum Entsatz von Ladysmith zu wiederholen. Daß letzteres-wenig Aus­sicht auf Erfolg hat, liegt auf der Hand. Buller muß daher baldmöglichst eine sichere Stellung an der Eisenbahn sei es bei Estcourt oder noch weiter südlich gewinnen, von wo aus er ungestörte Verbindung nach Durban hat, und in der er seine geschlagenen Truppen wieder in gute Verfassung bringen und Verstärkung abwarten kann. Bevor dies geschehen, kann er die Offensive nicht wieder auf* nehmen, ober aber er thut, wie schon angebeutet, ge­zwungen, wenn er nicht mehr ein noch aus weiß. Vielleicht ist es schon so weit, ba Buller ja melbete, er wolle einen brüten Entsatzversuch machen, unb hoffe in einer Woche in Labysmith zu sein.