Ausgabe 
2.11.1900 Zweites Blatt
 
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London, 1. November. General French, ist, wie aus Pretoria berichtet wird, in Eleasberg cinge- troffen. Auf dem Wege dorthin erbeutete er eine große 'Anzahl Vieh und tötete hundert Buren.

Ausland.

Loudon, 31. Oktober. Wie gemeldet, hat Lord Salis­bury fein Amt als Minister des Auswärtigen niedergelegt und zwar that er dies auf den Rat der Aerzte, obwohl seine Gesundheit zu keinen Besorgnissen Anlaß giebt. In einem Leitartikel weist derDaily Tele­graph" darauf hin, daß sein Nachfolger Lord Lar^dS- downe als Vizekönig von Indien Erfolg gehabt habe ein perfekter Kenner des Französischen sei und überall Tüchtia- keit in Geschäften besitze. Lord Salisbury werde noch viele Jahre die auswärtige Politik Englands bestimmen und feinen Einfluß auf das auswärtige Amt und dessen neuen Chef ausüben. DieTimes" sagt in einem Leitartikel Lord Salisbury werde wahrscheinlich das auswärtige Amt an einen Kollegen abtreten, aber als Premierminister doch für die Leitung der auswärtigen Politik weiterhin verant­wortlich bleiben und das wichtige Departement, welches er solange verwaltet habe, weiterhin genau überwachen. Nach einer Meldung desExpreß" aus Gibraltar ist Herr Chamberlain dort ohne Demonstratiön empfangen

Deutsches Reich«

Berlin, 31. Oktober. Der Kaiser empfing gestern im Neuen Palais den Besuch des Herzogs Heinrich zu Mecklenburg und hörte heute morgen den Vor­trag des Landwirtschaftsministers, Frhrn. v. Hammerstein.

Von Station Wildpark wird gemeldet: Der Kaiser und die Kaiserin traten heute vormittag 5 Uhr 15 Min. die Reife nach Hildesheim an.

AuS Hildesheim wird gemeldet: Das Kaiser- paar traf heute nachmittag 1 Uhr 30 Min. bei pracht­vollem Wetter hier ein, um au der Enthüllung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. teilzunehmen. Unter großem Jubel der Menge erfolgte die Fahrt des Kaiserpaares vom Bahnhofe durch die festlich geschmückte Stadt zum Denkmalsplatze. Am Denkmal begrüßte der Regierungspräsident v. Philippsborn die hohen Herr­schaften mit einer Ansprache, die in einem Hoch auf deu Kaiser ausklang. Der Kaiser besichtigte das Denkmal, nachdem die Hülle gefallen war, von allen Seiten und sprach dem Schöpfer desselben, dem Bildhauer Lessing, Worte der Anerkennung über das Werk aus. In einer Ansprache, die alsdann Bürgermeister Struckmann an den Kaiser hielt, erinnerte dieser an den Besuch König Wilhelms im Jahre 1869 und gab seiner großen Freude über den heutigen Besuch des Kaiserpaares Ausdruck und hieß das Kaiserpaar aus dem altehrwürdigen Boden der Stadt Hildesheim herzlich- willkommen. Der Bürgermeister gab in seiner Ansprache noch einen kurzen Ueberblick über die Geschichte der Stadt und überreichte dem Kaiserpaar den Ehrentrunk. Der Kaiser dankte in seiner Entgegnung unter Beiseitelassung der Politik für den ihm und der Kaiserin zuteil gewordenen Empfang und erwähnte, daß aus den alten Häusern Hildesheims tausendjährige heilige Erinnerungen in die deutsche Geschichte gehen. Der Kaiser trank auf das Wohl der Stadt Hildesheim und auf ihr Blühen und Gedeihen. Das Kaiserpaar trug sich in das goldene Buch ein und besuchte dann den Dom, wo der Bischof mit der gesamten Geistlichkeit das Kaiserpaar er­wartete. Der Einweihungsfeier des Kaiser Wilhelm-Denk­mals wohnten u. a. auch der Finanzminister v. Miquel, Minister Freiherr v. Rheinbaben und mehrere hohe Mili­tärs bei. Kurz nach 4 Uhr fuhr das Kaiserpaar unter dem Jubel der Bevölkerung von Hildesheim wieder ab.

v: Aus Wernigerode wird telegraphiert: Der Kaiser ist heute abend hier eingetroffen.

Der p r e u ß i s ch e H o f legt heute für den Prinzen Christian Victor zu^chleswig-Holstein die Trauer auf 8 an.T

Der bisherige GouRrneur von Deutsch-Ostafrika, Generalmajor v. Liebert, soll demLokäl-Anzeiger" zu­folge unter Beförderung zum Generalleutnant die 5. Di­vision (Frankfurt a. £).), wo er bekanntlich früher als Oberst des 12. Infanterie-Regiments gestanden hat, an Stelle des Generalleutnant Köpke übernehmen.

Wie wir erfahren, befindet sich in Begleitung des Prinzen Christian von Schleswig-Holstein, der Dienstag abend nach London fahr, der General­adjutant des Kaisers, Generalmajor von Scholl, den der Kaiser beauftragt hat, der Königin von England sein Beileid anläßlich des Todes des Prinzen Christian Viktor auszusprechen. In englischen Hofkreisen erwartet man den B e s u ch des Kaisers bei der Königin Viktö'dE'Ä, falls die Kaiserin Friedrch den beabsichtigten Besuch in England auszuführen im stände ist.

Dem Bundesrate ging der Etat des Reichs- a in t es des Innern für 1901 zu. Die Einnahmen be­laufen sich auf 7 518 585 Mk., davon aus den Gebühren de-Z Patentamtes 5 250 860 Mk., aus den Einnahmen des Kanalamtes 2 212 500 Mark. Tie fortdauernden Aus­gaben betragen 54 432914 Mk.. die einmaligen Ausgaben o 112 500 Mk. Zur Beteiligung des Reiches an der inter­nationalen Erforschung der nordischen Meere im Interesse der Seefischerei werden 120000 Mk. gefordert. Zur För­derung der Ausbildung der Schiffsjungen und zur För­derung der Herstellung geeigneter Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte in den Betrieben und Verwaltungen des Reiches durch Gewährung von Bei­hilfen an Private sowie an gemeinnützige Unternehm­ungen sind 2 Millionen angesetzt. Als Beitrag, des Reiches zu den kosten des Ausbaues der Hohköniqsburq ist eine er^te Rate von 150 000 Mart eingestellt.

® 9a.1't, 31. Oktober. In ihrer heutigen

Sitzung, die teilweise geheim war, da der Minister-Prä- Nvent in derselben ein geheimes Aktenstück zur Ver- teiung brachte, hat die Kammer über die Frage des

f ? t 9? f e n Ersparnisrechtes beim

ÄnLt LQr Ltat 60 gegen 9 Stimmen einen Antrag hh JnibS b,ie Regierung aufgefordert wird, zu bringen^ Württembergs beim Reiche zur Geltung

worden. Die Zivilisten thaten, als kännten sie ihn nicht, als er durch die Stadt ging.

Daily Mail" meldet aus Tanger, in Marokko sei eine weitverzweigte Erhebung der Eingeborenen- Stämme gegen die Provinzialgouverneure ausgebrochen. Kaid Giluly bereitet mit 1200 Mann einschl. Kavallerie einen Angriff auf die Bergbewohner von MaknaffaS, 20 Meilen von Mogador, vor. Ein ernstes Gefecht werde erwartet. Die Stadt Sus sei neuerdings von den Truppen des Sultans geräumt.

Madrid, 31. Oktober. In karlistischen Kreisen wird erklärt, Don Carlos stehe der Bewegung in Katalonien vollkommen fremd gegenüber. Die Führer werden getadelt, weil sie die Bewegung, die zu nichts führen könne, so un­besonnen ins Leben gerufen hätten. Die Karlistenbande in Berga besteht aus 300 Mann und wird von 2 Bataillonen Jägern lebhaft verfolgt. Eine Schwadron des in Alsala HenareS bei Madrid garnisonierenden Kavallerieregiments erhielt Befehl, nach Katalonien abzugehen. Das Blatt Liberal" sagt, wenn heute ernste Nachrichten aus Kata­lonien eingehen sollten, würde die Regierung die konstitutio­nellen Garantien in ganz Spanien suspendieren.

Rom, 31. Oktober. In Neapel endete heute der lang­wierige Sensationsprozeß, der die Korruption in der Stadtverwaltung betrifft. Das Sozialistenblatt Propaganda" hatte enthüllt, daß die Stadtverwaltung vom Abgeordneten Casale und dessen Camorra beherrscht und die städtischen Finanzen ausgebeutet wurden. Casale klagte auf Verleumdung. Im Prozesse wurden aber derartige Schändlichkeitenbewiesen,daß diePropaganda" freigesprochen werden mußte. Die Sozialisten feiern das Urteil als einen Sieg ihrer Partei. Wahrscheinlich ist der Bürgermeister Neapels zur Demission gezwungen.

Budapest, 31. Oktober. Im Abgeordnetenhause legte heute der Ministerpräsident v. Szell im weiteren Verlauf der Debatte über die Ehe des Thronfolgers den auf die Eheschließungen bezüglichen Teil der habs­burgischen Hausstatuten vor, was die größte Sen­sation erregte. Die Statuten enthalten nichts Neues. Szell betonte, obwohl seiner Ansicht nach das ungarische Staats­recht keine morganatische Ehe kenne und er diese für einen mittelalterlichen Brauch halte, doch nachdrücklich, daß den Traditionen des Herrscherhauses Rechnung getragen werden müsse, umsomehr, als auch der Thronfolger für den durch die Hausstatuten vorgeschriebenen Vorgang die größten Opfer gebracht habe. Die Hausstatuten seien kein Gesetz, jedoch durch die Tradition geheiligt. Szell zählte sodann auf, daß in ähnlichen Fällen, bei morganatischen Ehen in Oesterreich-Ungarn, ^Deutschland und Italien das gleiche Vorgehen betreffend die Verzichtleistung auf die Erbfolge der Gemahlin und der Nachkommen erfolgte.

Konstantinopel, 31. Oktober. Hier wurden mehrere Bulgaren verhaftet, welche nach Angabe der Polizei zum macedonischen Komitee in Beziehungen standen. Der bulgarische diplomatische Agent unternahm entsprechende Schritte.

New-Nork, 31. Oktober. Bryan hielt gestern in verschiedenenen Orten des Staates New-Aork 31 An­sprachen.

Valparaiso, 31. Oktober. Das chilenische Kabi­nett ist wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsi­denten zurückgetreten.

Die neue» Bestimmungen über die medizinische Doktorpromotion.

Die Vereinbarung, die vor kurzem wegen der medi­zinischen Doktorpromotton zwischen den beteiligten deutschen Bundesregierungen getroffen worden ist und mit dem 1. Oktober d. Js. zu einer Aenderung der einzelnen Promotionsordnungen geführt hat, lautet in der Hauptsache wie folgt:

1. Die unterzeichneten Unterrichtsministerien haben sich dahin verständigt, daß eine Neuregelung der medizinischen Doktorpromottou nach Maßgabe der anliegenden Grundsätze erfolgen soll.

2. Die Grundzüge sind in die Promotionsordnungen der ein­zelnen medizinischen Fakultäten vollinhaltlich vorzunehmen. Dabei ist jedoch davon auSzugehen, daß es sich nur um Minimal­erfordernisse handelt, und es den einzelnen Promottonsord­nungen überlasim bleibt, die Anforderungen an die Promotion zu verschärfen.

3. Die erfolgten Promotionen sollen halbjährlich imReichs­anzeiger" in tabellarischer Form veröffentlicht werden. Zu diesem Zwecke werdm die beteiligten Ministerien die ausgefüllten Formulare bezüglich deS Sommerhalbjahres bis zum 1. Dezember, bezüglich des Winterhalbjahres bi« zum 1. Juni jeden Jahres an die Redaktion desReichSanzeiger" einsenden, welche dieselben sämtlich und baldigst zum Abdruck bringt.

4. Die Durchführung der Neuordnung ist so zu beschleunigen, daß sie auf alle sich nach dem 1. Oktober dss. JS. zur Promotion meldenden Kandidaten zur Anwendung gelangt.

In den vereinbarten Grundsätzen wird zunächst ausgesprochen: Der medizinische Doktorgrad darf nur ver­liehen werden auf Grund einer durch den Druck veröffent' lichten Dissertation und einer mündlichen Prüfung. Eine promotio in absentia findet unter keinen Umständen statt. Durch die Differtation soll der Kandidat sich darüber aus­weisen, daß er die Befähigung erlangt hat, selbständig wissenschaftlich zu arbeiten. Die Dissertation ist in deut­scher Sprache abzusassen. Die Anwendung einer anderen Sprache ist mit Genehmigung der Fakultät zulässig. Am Schluffe der Differtation ist der Lebenslauf des Kandidaten anzufügen. Die mündliche Prüfung besteht nach Ver­schiedenheit der Fälle entweder in einem einfachen Collo­quium oder in einem Examen rigorosum. Die Zulassung zur Promotion von Inländern darf in der Regel erst er­folgen, nachdem sie die Approbation als Arzt für das Reichsgebiet beigebracht haben. Ausnahmen können in be­sonderen Fällen durch einstimmigen Beschluß der Fakultät mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde zugelaffen werden, wo die Erfüllung jener Vorbedingung dem Kandidaten aus gewichtigen Gründen nicht zuzumuten ist. Auf Ausländer,

welche die ärztliche Approbation für das Deutsche Reich erlangt haben, finden bezüglich der Promotion dieselben Vorschriften Anwendung, wie auf die in gleicher Lage befindlichen Inländer. Ausländer, welche ärztliche Approbation für das Deutsche Reich nicht besitzen, haben sich bei der Fakultät behufs ihrer Zulassung zur Promo­tion darüber auszuweisen: 1. daß ihnen eine Vor­bildung zu teil geworden ist, welche in dem Staate, deffen Angehörige sie sind, für die Erwerbung deS medizinischen Doktorgrades und die Ablegung der ärztlichen Prüfung er­fordert wird; fehlt eS in dieser Beziehung in ihrem Heimat­staate an bestimmten Festsetzungen, so haben sie durch vor­gelegte Reifezeugniffe, nötigenfalls unter Beifügung inlän­discher Ergänzungszeugnisse mindestens eine Vorbildung nachzuweisen, welche den Anforderungen für das Zeugnis der Reife an deutschen Realgymnasien entspricht; 2. daß sie nach Erlangung dieser Borbildung a) so viel Semester, wie in Deutschland für die Zulaffung zur ärztlichen Prüfung vorgeschrieben sind, an einer gut eingerichteten medizinischen Fakultät ein geordnetes medizinisches Studium, ähnlich wie es in Deutschland üblich ist, geführt und b) mindestens eines dieser Semester an derjenigen deutschen Universität, bei welcher sie promovieren wollen, studiert haben. Bon letzterem Erfordernis kann, wenn der Kandidat der Fakultät genauer bekannt ist, mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde ausnahmsweise abgesehen werden. An Stelle der zur Ge­nehmigung ungedruckt vorzulegenden Differtation kann nach Ermessen der Fakultät auch eine bereits durch den Druck veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit des Kandidaten treten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 1. November.

** Personalnachrichten. Die Garderobelakaien Philipp Heeb und Philipp Huth wurden in Anerkenn­ung ihrer langjährigen treu geleisteten Dienste mit Wirk­ung vom 1. Januar 1901 in den Pensionsstand versetzt. In den Ruhestand wurde versetzt der Psandmeister für den Beitreibungsbezirk Babenhausen Georg Göckel in Baben­hausen unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers an unb. ihm aus diesem Anlaß die Krone zu dem Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver­liehen.

** Kun st verein. Wie bereits kurz mitgeteilt, ist vom Sonntag an die Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand wieder geöffnet. Die Aus­stellung umfaßt zirka 8 0 Gemälde, worunter sich aus hiesigem Privatbesitz auch einige Werke älterer Meister befinden. Diese, sowie ein Gemälde von Hans Koberstein- Berlin bleiben nur kurze Zeit ausgestellt.

** Stadttheater. Tie gestrige Volksvorstellung Maria Stuart" wurde vor gänzlich aus ver­kauftem Hause gegeben. Die Dankbarkeit der Dar­steller zeigte sich dem Publikum gegenüber denn auch in einem Eifer und einer Hingebung im Spiel, wie wir es bisher hier noch nicht bewundern konnten. Vor allem, freut es uns, konstatieren zu können, daß Herr Ram­sey e r als Graf Leicester gestern seine Atolle gut be­herrschte und ihr auch mit dem erforderlichen Tempera- menr gerecht wurde. Frl. Scyoelermann haben wir ja noch nicht anders als ist ihrem ganzen Auftreten, in Hal­tung, Mienen- und Gestenspiel gleich geschickte Schauspielerin kennen gelernt, wie es auch gestern wieder in ihrer Rolle als Königin Elisabeth besonders in der Parkszene zutage trat, in der uuch Frl. Korn als Maria sich keineswegs mehr­befangen zeigte und somit das bei Gelegenheit der erst­maligen Darstellung dieser Rolle über sie gefällte Urteil um ein wesentliches verbesserte. Die Darstellung des Bur- leigh und des Mortimer konnte kaum in besseren Händen als in denen der Herren Liebscher und di B a l t h y n i liegen. Da auch die übrigen Rollen gut besetzt waren, und jeder seinen Platz nach besten Kräften auszufüllen suchte, war der andauernde Beifall des Pubblikums, der sich nickst: nur am Schlüsse, sondern auch nach den einzelnen Akte/i lebhaft kundgab, ein in jeder Beziehung gerechter und wohlverdienter.

** Aerztliche Mission. Im großen Saale be$ Hotel Einhorn" hielt gestern abend der Sekretär des Ver­eins für ärztliche Mission, Dr. Liebendörfer -Stutt­gart einen! Vortrag. Es ist bedauerlich, daß er vor einer- relativ kleinen Gemeinde sprechen mußte, und daß das größere Publikum bis jetzt solchen Veranstaltungen fern­bleibt. Nickst ein einziger Arzt, nicht ein einziger Studieren­der der Medizin hat durch sein Erscheinen sein Interesse bewiesen. Es herrscht in dem zurWeltmacht" strebenden deutschen Vaterland noch recht wenig Verständnis für die. von der ärztlichen Mission betriebene praktische Liebes- arbeit. Wie sind uns darin die Engländer und Ameri­kaner über. Etwa 900 Missionsärzte haben sie draußen stehen, während es das Volk der Dichter und Denker erst auf 12 gebracht hat. Daß hier ein Wandel geschaffen wer­den muß, das wurde den zum Vortrag Erschienenen durch die interessanten Ausführungen des Redners klar. Seine Schilderungen entnahm er zumeist dem Leben in Ost-- indien, wo er selbst in Kalikut, der Hauptstadt der Provinz Malebar, viele Jahre lang als Missionsarzt und Leiter eines Aussätzigenspitals gewirkt hat. Wenn man denkt, daß es dort in Indien über 400 000 solcher Aussätziger giebt, wie Cholera, Pest und Hungersnot geherrscht haben und wie heidnischer Kastengeist jede Hilfe für die armen Kranken verhindert hat, dann kann man ermessen, wie notwendig Missionsärzte sind. Sie sind es gewesen, die durch ihr praktisches Wirken die Gebiete der wider­spenstigsten Radschas dem Eindringen des Christentums erschlossen haben, sie lindern täglich die Not von Hun­derten. 180200 Kranke kamen ost an einem Tage zu dem englischen Arzt Dr. E m s l i, der unter den größten Entsagungen in der fernen Provinz Kaschmir wirkte. Aehnlich sind die Zustände in China, wo z. B. einmal 50 Blinde aneinandergeseilt in weitem Marsch aus dem Innern zum Missionsarzt kamen, um sich? operieren zu lassen. Wer bei Darlegung solcher Verhältnisse kalt und verständnislos bleibt, der will kein Verständnis dafür haben. Interessant war es, zu hören, daß der alte Fuchß Li-Hung-Tschang viele Jahre lang tausende von Mark als.