Der Prozeß Masloff in Könitz.
Am fünften Verhandlungstag wird Moritz Lewy ans dem Gefängnis vorgeführt. Er macht einen ziemlich guten Eindruck und giebt seine Aussagen mit voller Bestimmtheit ab. Früh am 11. März hat er das Pferd besorgt, das sein Vater besitzt, dann hat er eine Kuh aus Frankenhagen abgenommen; später ist er zum Barbier
Schwestern Hoffmann sich gar nich^t ähnlich sehen.
Nachtwächter Rust will beinahe jeden Abend Winter mit Lewy auf der Straße zwischen dem Hoffman'n'schen Wohnhaus und dem Wilhelmsplatz getroffen haben. Der Präsident stellt große Widersprüche zwischen der heutigen und den früheren Aussagen desselben Zeugen im Speisigerprozeß fest.
Bürgermeister Deditrus sagt aus, daß er mit dem Maurermeister und dessen Arbeitern, die die Synagoge renoviert haben, über die angeblichen Kellereien, die sich unter der Synagoge befinden sollen, gesprochen habe. Diese Sachverständigen haben dies stets abgestritten. Ueber den Leumund von Lübke sagt der Bürgermeister aus, daß dieser für einen Prahlhans und Renommisten gilt. Bezüglich des Nachtwächters Rust teilt er mit, daß dieser wegen Unzuverlässigkeit und Trunksucht im Dienste aus 5 Monate suspendiert worden sei. Gegen ihn schwebt ein Verfahren, über dessen Ausgang der Bürgermeister nichts anzugeben vermag. i
Kriminalschutzmann Beyer ist es bekannt, daß Gerüchte über die Kellereien in der Synagoge im Gange waren, er glaubt, daß diese von Lübke herrühren, ^er Zeuge hat seinerzeit Nagorra gebeten, ihm Mitteilungen über Verkehr zwischen Winter und Lewy zu machen, doch hat ihm dieser trotz seiner Bitte nichts darüber gesagt. Nagorra hat ihn dann an Heubner gewiesen, aber auch dieser wußte von einem Verkehr zwischen Lewy und Winter nichts.
Maurerpolier Mur ach hat im Jahre 1899 Reparaturen in der Synagoge ausgesührt. Er hat unter der Synagoge keinerlei unterirdische Gänge oder Gewölbe gefunden. Dem Lübke hat er nicht das mindeste von solchen Dingen gesagt, er hat nur zu ihm von ein Zoll starken Bleiröhren gesprochen. Aus diesen Bleiröhren hat Lübke dann die unterirdischen Gänge gemacht.
Bürgermeister Deditius sagt über seine Durchsuchung der Synagoge aus, irgend ein unterirdischer leerer Raum wurde nicht aefuniden. Zur Untersuchung sind Sachverständige des Maurer-, Zimmer- und Tischlergewerbes zugezogen worden. Auch beim Abklopfen der Baulichkeiten wurden keinerlei leere Räume gefunden, -öei der Untersuchung, die mit größter Peinlichkmt geftiyrr wurde, sind die Polizisten überall gewesen, im Sai)el)aiMe, auf allen Böden der Gebäude, im Schlachthaus '.c. ^n allen diesen Räumen und Gebäuden waren keinerlei-
waren die Polizisten. Von diesem führten faustdicke Röhren nach dem See, aus welchem das Wasser kommt und durch kleine Röhren erfolgt der Abfluß,
Gymnasiast Thurau wohnte mit Winter in einem Zimmer. Er weiß nichts davon, daß dieser über 10 Uhr ausgeblieben ist. Die Uhrkette des Mucker war funf- reihig und bestand aus Nickel. Gymnasiast B l o c z y n s k y, der andere Pensionsgenosse Winters, war ebenfalls ständig mit diesem zusammen. Er sagt, daß dieser selten länger als bis 10 Uhr ausgeblieben sei, so viel er weiß, nur drei- oder viermal. Nur in der Zeit der Tanzstunde war das vielleicht häufiger der Fall.
Gerichtssaal.
-l. Gießen, 30. Oktober. (Schöffengericht.) Das heutige Schöffengericht hat sich zunächst mtt emer Strafsache gegen einen wegen Diebstahls voroesrrafrci Maurergesellen aus Rödgen zu beschäftigen, der beschuldigt wird, im Oktober d. I. einem Mitgesellen emen -^urer- hammer im Werte von 3 Mk. weggenommen zu Habel. Der Angeklagte stellt die ihm zur Lafh gelegte Strasthat in Abrede und behauptet, von dem Sohn des Bestohlenen die Erlaubnis erwirkt zu haben, den betr. Hammer lechweise in Benutzung zu nehmen, eine Behauptung, die dieser Zeuge mit aller Entschiedenheit bestreitet. Das Urteil lautet auf eine Gefängnisstrafe von 3 Wochen. — Wegen Körperverletzung tm Sinne §§ 223 und 223a haben sich zwei hiesige Friseure zu verantworten, - die . dringend verdächtig sind, in der Nacht zum 18. Juli d. I. drei hiesige Studenten gemeinschaftlich körperlich mißhandelt und an der Gesundheit geschädigt zu haben. Der eine der Angeklagten giebt zu, sich gegen die drei Verletzten, nachdem diese ihn in der Wolkengasse. angeblich angerempelt hatten, mit seinem Stocke Mir Wehr gesetzt und auch einige Hiebe ausgeteilt zu haben. Der Mitangeklagte will seinem Kollegen, der uni Hilfe gemrfen habe beigesprungen s«in, sich indes zu einer Thatlichkeit nicht haben hinreißen lassen. Der letztere Teil seiner Behauptung wird aber durch Zeugen widerlegt. Eine voll- lündige Aufklärung des Thatbestanbes gelingt indes nickst. ES erfolgt deshalb Verurteilung der Angeklagten lediglich auf Grund des § 223 St.-G.-B. zu einer Geldstrafe von 30 bezw. 15 Mk. — Wegen Diebstahls erhält nunmehr ein vorbestrafter Weißbinder aus Watzenborn eine Gefängnisstrafe von 3 Wochen, weil er beschuldigt wird, in der Nacht zum 22. August aus einem Garten seines Heimat^ ortes zwei zum Trocknen dort aufgehängte Hemden sich rechtswidrig angeeignet zu haben. — Der Hausknecht eines hiesigen kaufmännischen Geschäftes hatte sich am 12. August d. I. in alkoholseliger Stimmung dazu hinreißen lassen, einen jungen Kaufmann, der damals in einem hiesigen Geschäfte thätig war, mit einem Stocke zu schlagen und ihm einen Stoß gegen die Brust zu versetzen. Er hat sich deshalb heute wegen Körperverletzung zu verant- worteii, bei welcher Gelegenheit er hochgradige Trunkenheit als Entschuldigungsgrund vorschützt. Das Gericht erkennt unter Annahme mildernder Umstände auf eine Geld
| strafe von 25 Mk. — Auf Beschluß des hiesigen ^chuwor- siandes war die 14 jährige Tochter eines hiesigen Schuhmachers nach erfolgtem achtjährigem Schulbesuche von der Schule nicht entlassen worden; sie sollte vielmehr zum Besuche des Unterrichts noch für die Dauer eines Jahres verbunden sein. Dieser Beschluß fand jedoch nicht die Billigung der Eltern, die denn auch, 'ttne aus der heutigen Zeugenvernehmung hervorgeht, denselben nach
Automatensprechstellen aus find nicht zugelafsen. Auto- .maten werden von der Postverwaltung auf Wunsch auch bei Privatpersonen, in Verkaufsgeschäften, Gasthöfen, Gast- wirtschaften re. kostenlos ausgestellt, sofern die Einrichtung durch das allgemeine Interesse begründet erscheint und die Inhaber der Geschäftsräume eine HaftpslM für oen Fall der Beschädigung u. s. w. übernehmen . ®enan: öie hiesige Stadt-Fernsprecheinrichtung angeschlossenen Teil- nehmern ist es gestattet, jederzeit die bei ^hren Sprechf stellen angebrack)ten Fernsprechgehaufe gegen Automaten auswechseln zu lassen. In diesem Falle wird die stihr- liche Anschlußgebühr nicht mehr erhoben; der Teilnehmer muß sich jedoch verpflichten, der Postverwaltung eine lahr- liche Minhesteinnahme von 170 Mk. aus dem Betriebe des Automaten zu gewährleisten. Diese T e il ne h m e r - Automatensprechstellen sind in derselben Weise, wie die gewöhnlichen Anschlüsse, zum Fernverkehr zugelassen. Die Gebäude, in denen öffentliche Automatenspreüsttellen eingerichtet sind, werden äußerlich durch emaillierte Fahnenschilder mit der Aufschrift „FernspreckMutornat" für das Publikum ersichtlich gemacht.
Herborn, 30. Oktober. Die Unzufriedenheit über die am 28. Mai in Kraft getretene Vieh-Quaran- taine-Ordnung für den Regierungsbezirk hatte bekanntlich auf der Stelle einen erfolgreichen Protest aus der Herborner Gegend zur Folge. Jetzt hat eine vom Vorsitzenden des deutschen Viehhändlervereins geleitete und von Interessenten aus dem ganzen Regierungsbezirke besuchte ^Versammlung den Beschluß gefaßt, beim Regierungspräsidenten wegen Aufhebung der Verordnung vorstellig zu werden, die Händler und Landwirte gleicherweise belästige, ohne ihren veterinärpolizeilichen Zweck zu erfüllen. Die Küsten des büreaukratisch eingerichteten Ueberwachungsdienstes würden notgedrungen vom Händler auf den Landmann abgewälzt. Die Schädigung, auch der Gewerbetreibenden, an den Viehmarktplätzen habe den Schaden der Seuche selbst schon um ein mehrfaches überschritten, und die Verdächtigungen, die der Departementstierarzt Ausstein kürzlich in einem Vortrag im Landwirtschaftlichen Klub zu Frankfurt a. M. gegen den Viehhändlerstand im allgemeinen geschleudert habe, ständen mit der Wirklichkeit nicht in Einklang. Gegen zweckentsprechende Vorkehrungen zur Abwendung der Seuchengefahr, etwa nach dem Muster der Landes- Viehversicherung in dem kleinen Dänemark, hätten aud)i unsere Händler nicht das mindeste einzuwenden. — Man befleißigte sich, wie betont sein mag, in der Versammlung einer durchaus sachlichen Tonart. Nebenbei erwähnt, ist eine gleiche Protestbewegung auch im Regierungsbezirk Koblenz im Gang.
x. Limburg, 31. Oktober. Nach der soeben im „Militärwochenblatt" veröffentlichten amtlichen Verlustliste Nr. 2 ist der Kanonier Georg Belzer aus Langendernbach, Kreis Limburg, (vom ostas. Batl. schwerer Haubitzen, früher im Fußart.^Regt. Nr. 3 in Mainz) am 14. September im Peiho ertrunken.
Kassel, 30. Oktober. Auf der Bahnstrecke Altenbeken- Soest wurde in der gestrigen Nacht in der Nähe des Dorfes Ehringhausen bei Geseke von dem Kasseler Schnellzuge eine Heerde Schafe überfahren. Die Schafe waren aus der Hürde ausgebrochen und ohne daß der Schäfer etwas davon wußte, auf den Bahndamm geraten. Neber vierzig Stück Schafe wurden überfahren und zermalmt.
gegangen, hat Mittag gegessen und daun in der Stadt von den Kunden Geld eingezogen. Nach Tische ist er nach Tunkershagen gegangen, hat dort einige Besuche gemacht, und schließlich kam er nach der Wilhelminenhöhe. Später gegen 6 Uhr ist er zurückgegangen und hat Fräulein Freitag besucht. Dann war er von neuem zu Hause, wartete auf seinen Bruder, um ihm ausspannen zu helfen, worauf die ganze Familie gemeinsam Abendbrot gegessen hat. Nach dem Abendbrot ging er nochmals zu Fräulein Freitag. Gegen halb elf Uhr kehrte er nach kaufe zurück Nach halb elf Uhr hat er nachgesehen, ob alle Thüren zu Hause geschlossen seien. Nunmehr ging er zu Bett. Als nach einigen Tagen die Leute davon sprachen, daß die Juden den Winter ermordet hätten, hat der alte Lewy den Zeugen darauf aufmerksam gemacht, daß er sich genau alles merken möchte, was er am 11. März gethan hat. Auf die Frage, ob er Ernst Winter gekannt habe, giebt er mit voller Be- Antwort: „Ich habe meines Wissens Ernst Winter nicht gekannt."
Dienstmädchen Franziska Hoppe will Ernst Winter bei seinem Verkehr mit Anna Hoffmann gesehen haben. erkennt die Photographie des Ernst Winter aber nicht wieder, als der Präsident ihr mehrere Photographien hintereinander vorlegt.
-iRosina Simanowsky, jetzt in ^er4Ucrr ^utze der Haussrau in einer Fischerkneipe, unb Lewy und hat sie miteinander sprechen Ä' ^voller Bestimmtheit bestreitet dies der Zeuge Lewy. Im April soll ihr von sremden Juden Geld geboten sem, wenn sle für die Juden aussage. Auch ein gewisser Heinrich ^nedlander soll ihr Geld geboten haben 4m Oktober habe er angeblich gesagt, die Juden müssen Blut brauchen. Aus die Frage der Zeugin erwiderte Fried- l uiqtm aiuumcu uuu linder, man brauche eben bei den Anden »tut. Zeugin nehmbare Veränderungen zu senden. »rum en
hat ihm gesagt, sie wolle nach Berlin sahren worauf '------- fl,hrten 'auffdicke
Friedländer geantwortet, er fahre auch dahin, und nunmehr hat Friedländer ihr Geld geboten, wenn sie keine Aussagen über Moritz Lewy mache. Der E r st e Staatsanwalt konstatiert, daß die Zeugin vor dem Kriminal- inspektor Braun ganz anders ausgesagt hat. Die Zeugin behauptet, sie habe von Friedländer 6 Mk. erhalten. Die Zeugin Simanowski verwickelt sich fortwährend in Widerspräche über die einzelnen Vorgänge.
Kriminalinspektor Braun hat die Zeugin über den Verkehr des Moritz Lewy mit Ernst Winter vernommen. Dabei hat sie ihm auch erzählt, daß die Juden dem Hoff
mann einen Arm auf das Dach geworfen hätten. Em Schornsteinfeger habe ihn geftinden, die Geschichte fet aber sofort unterdrückt worden. Die Zeugin bestätigt, daß sie dies gesagt habe. Braun bekundet ferner, daß dre Zeugin ihm erzählt habe, sie fürchte sich vor den Juden. Friedländer habe sie nach einer Straße bestellt und ihr dort Geld angeboten, wenn sie ihre Aussagen gegen Moritz Lewy abändern wollte.
Hierauf wird die Oesfentlichkeit ausgeschlossen. .
Bei Beginn der Nach mit tags sitz ung wird bekannt, daß in der nichtöffentlichen Sitzung der Simanowski wiederum Widersprüche nachgewiesen worden sind. Zeuge Heinrich Friedländer bestreitet entschieden,,die von der Simanowski ihm in den Mund gelegten Aeußer- ungeit gethan zu haben.
S1 o l l ist mit einer größeren Anzahl von Juden in einem Abteil vierter Klaffe von Schchchau nach, Könitz gefahren. Sie schienen ihm alle sehr erregt und erfreut zu sein.
Rahmel, Gymnasiast, sagt aus, er sei der beste Freund Winters gewesen, weiß aber nichts von einem Verkehr Winters mit Lewy, ebenso wenig weiß Hans Bo eck, der andere intime Freund Winters, etwas von einem solchen Verkehr. Die beiden Schulfreunde Winters sagen ferner aus, daß Winter stets mit ihnen über feinen sonstigen Verkehr gesprochen habe. Auch habe er ihnen über seine verschiedenen Liebeleien mit den Fräulein Tuchler, Caspary, Anna Hoffmann und Angelika Wissotzki jedesmal Mitteilung gemacht. — Gymnasiast M i k u l s k i bat im Sommer 1899 an einem Wochentage um die Zeit der großen Ferien Winter und Moritz Lewy zusamnien spazieren gehen sehen. Sie gingen nebeneinander, anhere Personen waren nicht dabei. Mikulski glaubt, die Beiden noch ein zweites Mal zusammen gesehen zu haben.
Auf wiederholte Vorhaltungen des Präsidenten erklärt Moritz Lewy noch einmal nachdrücklich er habe feinen Verkehr mit Winter gehabt.
Schlichter, Klempnergeselle, hat einmal Lewy mit Winter zusammen gesehen, auch gehört, daß sie sich unterhielten; er glaubt auch, nock ein zweites Mal dasselbe gesehen zu haben. — Hilfsgefangenenaufseher Nagorra will Winter und Lewy wiederholt miteinander gehen gesehen haben. Lewy bestreitet dies und sagt, daß der Zeuge schon einmal eine falsche Anzeige gegen ihn erstattet habe, bei der er freigesprochen wurde. Nagorra bestreitet dies. Dieiistmädchen Tuchik will W. wiederholt mit Moritz Lewy gesehen haben und auch einmal bemerkt haben, wie die Beiden miteinander sprachen. Lehrling Hellwig hat ihn mit Lewy zusammen gesehen.
Maurerpolier Lübke will ebenfalls Lewy und Winter zusammen gesehen haben. Er ist derjenige, der die Anzeige gemacht hat, daß unter der Synagoge geheime Kellereien sich befänden. Er weiß dies aber nicht aus Eigenem, sondern hat es von einem anderen Polier Mora gehört.
Untersuchungsrichter Dr. Zimmermann erklärt, daß ihm Lübke damals mit voller Bestimmtheit die Martha Hoffmann als die Dame bezeichnet hat, mit der Winter zusammen gewesen sein soll. Da die Martha Hoffmann in Rußland gewesen ist, so mutz der Zeuge, Lübke sich irren. Der Staatsanwalt hebt hervor, daß die beiden
Eingesandt.
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Zur Gehaltsfrage der Pensionäre iu Hefseu.
Bezugnehmend auf den in Nr 247 des „G. A " erschienmm Artikel zur obigen Frage, dürften sich die, welche vor der letzten Gebalts-Aufbesserung der BolkSfchullehrer pensioniert worden sind, wohl erlauben, ihre Bitten auch an dieser Stelle auszusprechen, und zwar dahin, daß diesen Pensionären ihr Penstonsgehalt — natürlich tm Verhältnis zu ihrer Dienstzeit — nach der letzten BtsoldungS- Aufbesserungs-Skala - erhöht werde. Es ist tief traurig, daß einige der ältesten Pensionäre nicht einmal an der vorletztm Aus- besierung partizipieren. , , ,,
Die ausgesprochenen Bitten dürften um so bescheidener erscheinen, als die alten Pensionäre die früheren schlimmW! Zeit« milgemacht, und zwar mit einem Anfangsgehalte von lo^Gulden. Jetzt sind einige von diesen in die Stadt verzogen, da sie hier für die noch kurze Zeit ihres früheren mühevollen Lebend noch eimge ruhige und hoffnungsvollere Tage verbringen möchten und auch für eine bester- Zukunft ihrer Kinder mehr Aussichten zu erbaltm gedenken; allein wenn dieser Aufenthalt Verlockendes hat, fo ist er auch wieder mit mehr Sorgen verknüpft, da die Miete, sowie das ganze Leben in den Städten sich kostspieliger gestaltet.
Von den alten pensionierten Volldschullehrern in Gießen ist einer, der bereits d«S 90, ein anderer, der das 86., ein dritter, der das 80. und einige andere, welche anfangs der 70er und die Mitte der 70er Lebensjahre überschritten. Eine verhältnismäßige Aufbesserung der geringen Pension dieser alter Herren würde gewiß dm Lebensabend derselben noch erheitern, wenn auch nur für kürzere ZeU. Und so geben sich diese, deren bisheriges Leben gewiß muhe, voll und sorgenschwer gewesen, der Hoffnung hin, daß auch für ne noch ein Bruchteil für die Erhöhung ihres Pmsionsgehalles abfau.n dürfte.__________________________m,__
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Limburg a. d. Lahn, 31. Oktober. Frucht markt. Durchschnittspreis pro Malter. Roter Weizen, alter, 00.00 Mk., neuer 12.93 Mk., Weißer Weizen 12.74 Mk., Korn 00.00 Mk., neues Korn 11.42 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer, alter, 8.00 M., neuer 6.00 Mk., Erbsen —Mk., Kartoffeln?—.— Mk.
Zeuge Gr abowitz aus Frankenhagen weiß nur zu bekunden, daß Hugo Lewy am 4. Itärz bei ihm war, um eine Kuh zu handeln. Frau Gr abowitz bestätigte im allgemeinen die Angaben ihres Mannes. Auch sie sagt aus, daß Laskowski, wenn er Schnaps getrunken hat, gerne viel redet. Geglaubt hat ihm die Zeugin nicht alles; aber sie hat gedacht, es müßte doch etwas wahres daran sein.
Universität und Hochschule.
— Aus Marburg wird geschrieben: Dr. Doutrepont, Lektor der französischen Sprache an der hiesigen Universität, hat einen Ruf als Profeffor der Rhetorique frangaise von der militärischen Akademie zu Namur erhalten und angenommen. Die von Dr. Doutrepont bereits angesagten Vorlesungen für das Wintersemester werden von ihm nicht mehr abgehalten. — Am pharmakologischen Institut der Universität Bonn wurde, der „Köln. Ztg." zufolge, als „freiwillige Assistentin" Fräulein Toni F e l l m e r angenommen, nachdem sie zuvor bereits ein Jahr an akademischen Instituten in Breslau erfolgreich thätig gewesen war. — In der philosophischen Fakultät der Universität Bonn hat sich am 25. ds. Dr. phil. et med. I. Rülfs aus Memel mit einer Vorlesung über „Das Verhältnis der Philosophie zu den exakten Wiffenschaften' habilitiert. — Archivrat Dr. Becker in Koblenz wurde zum Direktor des Archivs in Stettin ernannt. — Wie die „Köln. Ztg." berichtet, begingen die Theologen Karl Siegfried und Karl Rudolph © ey er I en dieser Tage ihr 25jähriges Jubiläum als o. Profefforen der Jenaer Universität.


