Ausgabe 
2.9.1900 Erstes Blatt
 
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lichen Vorbildung des Osfizierkorps stetig vorwärts, nur fehlt es an genügender praktischer Schulung der Truppen durch, Uebungen im Gelände. Tie Bewaffnung steht auf der Höhe, und hie Lücken, die sich noch bemerkbar machen, würden rasch verschwinden, wenn die Geldnot des Staates nicht hindernd einwirtte.

Zu einer geordneten Finanzwirtschaft hat es die Türkei bis jetzt nicht bringen können, und der Streit zwischen den Ansprüchen an die Kassen und den Mitteln, die ver­fügbar sind, entscheidet sich immer noch zu ungunsten der dringenden Bedürfnisse, sobald Jildis Kiosk Forderungen stellt. An und für sich wäre die Verschuldung der Türkei mit 4 Franken cnuf den Kopf der Bevölkerung nicht hoch im Vergleich zu den bedeutend größeren Zahlen anderer Staaten, aber die Armut des Landes einerseits und das Mißtrauen der europäischen Börse gegen die finanzielle Gebarung anderseits haben die Kreditfähigkeit des Staates sehr herabgesetzt. Trotzdem würden die noch unverschlosse­nen Hilfsquellen ausreichen, um das Gleichgewicht zu er­zielen, wenn nicht der Krebsschaden des osmanischen Reiches, die Verderbtheit des Beamtentums, jede Besser­ung aushielte. Der Begriff der Pflicht gegen das Vater­land ist diesen Kreisen unbekannt, sie sehen in dem Amt nur das Mittel zur eigenen Bereicherung, und da der Staat oft genug seine Gehälter nicht zahlt, so sucht man sich auf andere Weise schadlos zu halten. Finanznot und Korruption bilden so einen circulus vitiosus, den zu durch­brechen noch keinem Willen gelungen ist. Um es zu thun. Müßte man sich auf die gesunden Kräfte stützen, besonders in ,der Armee und in den Provinzen, aber leider hat durch eine Verkettung von Umständen sich zwischen den Herrscher und die Unterthanen eine Mauer geschoben, welche die'gegenseitige vertrauensvolle 'Hingabe ausschließt.

Sultan Abdul Hamid ist aufgewachsen in einer Art Haft, die ihn von jeder Berührung mit weitern Kreisen fernhielt. Wohl sah er im Gefolge seines Oheims Abdul As.is auf der Reise zur Weltausstellung in Paris euro­päisches Wesen, aber vom eigenen Lande durfte er nichts kenne:: lernen, und auf seinem Gute im Thal der Süßen Wasser verbrachte er seine Tage, bis ein nicht erwarteter Umschwung ihn? 'auf den Thron führte. Und grade bei diesem Anlaß mußte er erkennen, welcher Art die Würden­träger seines Reiches waren, und in logischer Folge ent­wickelte sich das' Mißtrauen, das nun seine Handlungen, seine ganze Lebensgestaltung durchdringt. Selbstherrscher, zumal wenn sie es mit ihrer Aufgabe ernst nehmen, haben sich häufig gewöhnt, sm Laufe der Zeit in jedem ihrer Beamten einen Gegner zu erblicken, Friedrich der Große im Alter und der eiserne Zar Nikolaus geben deutliche Beweise davon, und wer dem Stambuler Effenditum gegen­überstehl, wird dieser Gefahr noch weit mehr ausgesetzt sein. Für Sultan Abdul Hamid, der seine beiden Vorgänger gewaltsam der Macht beraubt hat, war Vertrauen auf die Männer in den ersten Stellen des Reiches eine Unmög­lichkeit, und daraus entstand die jetzige Abgeschlossenheit im wirklichen Sinne hinter der dreifachen Mauer von Yildis, die stete Furcht vor Verrat, dem eine aufs höchste getriebene Spionenwirtschaft entgegenarbeiten soll. Daraus folgte auch die Zentralisation der ganzen Gewalt im Palast, welche die Minister und den Großvezier jeder Selbst­ständigkeit beraubte und sie zu ausführenden Werk­zeugen herabdrückte. Kein Wunder, wenn dem Sultan, bei allem Wunsch, die Wahrheit zu erfahren, doch vielfach die wirkliche Gestalt der Dinge unbekannt bleibt und ihm eine Verantwortlichkeit für Ereignisse zugeschoben wird, die er nicht gewollt hat und nicht gewollt hätte, wenn die Sachlage ihm vorgetragen wäre. So vergeht sein Leben in unausgesetzter Arbeit, wie sie keiner seiner Unterthanen in solchem Umfang auf sich nimmt; vorn frühen Morgen bis zum späten Abend erledigt er am Schreibtisch die Stöße einlaufender Berichte, und spärlich sind die Stunden der Erholung und Ruhe. Einfach in seinen Gewohnheiten und Bedürfnissen entfaltet er gegen andere eine wahrhaft orientalische Freigebigkeit und überhäuft fürstliche Be­sucher seines Hofes mit kostbaren Geschenken. In der Außenwelt erscheint der Sultan nur am Freitag, wenn er im feierlichen Aufzug zum Gebet in der Hamidieh- moschee fährt, und einmal im Jahr muß er in dem alten Palast in Stambul den Mantel des Propheten küssen. Die wenigen Europäer, die Gelegenheit hatten, Abdul Hamid II. näherzutreten, rühmen die ungemeine Liebens­würdigkeit des Herrschers, dem es eine Freude mgche, Aufmerksamkeiten zu erweisen, und sind einig darin, daß sie einem ungewöhnlich klugen Mann gegenübergestanden haben. Diese geistige Kraft hat er auch in den schwierigsten politischen Lagen bewiesen, und es verstanden, das Staats­schiff durch Klippen zu leiten, die den Untergang zu bringen drohten. Der Schwall von Flugschriften,' den die soge­nannten Jnngtürken verbreiten, enthält meistens unge­heuerliche Uebertreibungen, und während der Regierung von Abdul Asis war er noch weit größer als jetzt. That- sächlich schreitet die Türkei vorwärts und würde es in noch weit größerem Maße thun, wenn sie ohne willkürliche fremde Einmischung sich der Friedensarbeit widmen könnte.

Aus Ktadt und Land.

Gießen, den 1. September1900.

** Da? Regierungsblatt Nr. 63 vom 30. August ent tjdlt: 1. Die Verordnung, die organischen Bestimm­ungen der Landesuniversität Gießen betreffend. T". Bekanntmachung, die Anlegung von Mündelgeld bei Banken rm Falle des § 1808 des Bürgerlichen Gesetz­buchs betreffend.

Die Verordnung über stimmungenderLandesuniv

Ernst Ludwig von Gottes Hessen und bei Rhein rc. rc.

die organischen Be­ers ität Gießen lautet: Gnaden Großherzog von

Wir haben es für angezeigt erachtet, die Stellung der ordent- l,chen Professoren der Tierheilkunde an Unserer Landes- univ-rsitit Gi-ß°n -in°- Regelung ,u unteren. Zu diesem B-- Hufe haben Wir den nachstehend abgedruckten Abänderungen des Statuts über die Organisation der Landesrmiversität Gießen d. d. 26. November 1879 mit der Bestimmung Unsere Genehmigung erteilt, daß dieselben am 1. Oktober d. Js. in Kraft zu treten haben. Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrücktem Grobherzoglichen Siegels.

Darmstadt, den 22. August 1900.

(L. S.) Ernst Ludwig.

Rothe.

Abänderungen des Statuts über die Or­ganisation der Landesuniversität Gieße«.

I. z 23 Absatz 1 erhält nachstehende Fassung:

Der Engere Senat besteht aus dem Rektor, dem Exrektor, dem Kanzler und sieben vom gesamten Senat aus seiner Mitte für zwei Jahre zu wählenden Mitgliedern, von denen je eines der theologischen und der juristischen, zwei der vereinigten medi­zinischen Faknltät (S 32 Abs. 2.) und zwar mindestens eines von diesen der medizinischen Fakultät im engeren Sinn und drei der philosophischen Fakultät angehören. In jedem Jahre scheiden drei, in jedem zweiten Jahre noch ein viertes der ge­wählten Mitglieder aus und werden durch eine gleiche Anzahl neu zu wählender ersetzt, wobei Wiederwahl statthaft ist.

H. § 32 erhält nachstehende Fassung:

Die ordentlichen Professoren der theologischen, der juristischen und der philosophischen Fakultät bilden je ein Kollegium (die Fakultät im engeren Sinn), welches über alle Angelegenheiten der betreffenden Fakultät zu beraten und zu beschließen hat.

In der medizinischen Fakultät bilden die ordent­lichen Professoren der Menschen-Heilkunde ein Kollegium (die Fakultät im engeren Sinn), die ordentlichen Profes­soren der Tierheilkunde ein zweites Kollegium (das veterinär­medizinische Kollegium). Die beivc«Kollegien beraten und beschließen gesondert über ihre Angelegenheiten.

Bei Promotionen zum Dr. med. vet. und bei Habilitationen für Fächer der Veterinärmedizin vereinigen sie sich zu einem Kollegium (die vereinigte medizinische Fakultät).

Jeder Professor muß den Doktorgrad seiner Fakultät, der Doktor der Theologie den Grad eines Lizentiaten, der Professor der Tierheilkunde den Grad eines Dr. med. vet. besitzen.

III. § 33 erhält nachstehende Fassung:

Den Vorsitz in der Fakultät führt der Dekan.

Das Dekanat dauert 1 Jahr, beginnt am 1. Januar und wechselt zwischen sämlltchen Mitgliedern des Kollegiums nach der durch die Anciennetät bestimmten Reihenfolge.

In der gleichen Weise wird für das veterinär-medizinische Kollegium ein Vorsitzender bestellt.

Die Anciennetät wird gerechnet von der ersten Erwerbung des Ordinariats an einer Universität Deutschlands. Den Univer­sitäten Deutschlands werden hierin die Universitäten Oesterreichs und der Schweiz mit deutscher Amtssprache gleichgestellt.

Das medizinische Dekanat wechselt nur zwischen den Mit« gliedern der Fakultät im engeren Sinn (§ 32 Abs. 2). Der Dekan der medizinischen Fakultät ist zugleich der Dekan der ver­einigten medizinischen Fakultät (§ 32 Abs. 2).

Ein Mitglied der Fakultät kann erst dann Dekan werden, wenn es dieser ein Jahr angehört hat. Trifft die Reihenfolge zum Dekanat ein Mitglied, welches seiner Fakultät noch nicht ein volles Jahr angehört, so wird es zwar für diesmal übergangen, wird aber im nächstfolgenden Jahr Dekan.

IV. Als § 39a wird neu eingeschaltet:

Die §8 3439 finden auf das veterinär-medizi­nische Kollegium entsprechende Anwendung derart, daß an die Stelle des Dekans der Vorsitzende und an die Stelle der Fakultät das Kollegium tritt

** Konzert. Anfang Oktober findet im Saale des Cafe Leib ein Konzert des erblindeten Pianisten Heinrich Hartung aus Eschwege unter Mitwirkung bewährter Kräfte statt. Ueber Herrn Hartung schreibt derWürzb. Gen. Anz." u. a., daß die Leistungen des vom Schicksal so schwer betroffenen Klaviervirtuosen sich nicht etwa, wie manchmal bei anderen erblindeten Konzertgebern, blos an das Mitleid des Zuhörers wenden, sondern sie beanspruchen wirkliche künstlerische Würdigung wie dies z. B. der fein empfundene Vortrag der Beethoven'schen As - dur - ©onatc zeigte. Eine Subskriptions-Liste ist in Gießen in Umlauf gesetzt. Das Nähere besagen die Inserate.

* Die Natioualliberalen Südwestdeutschlands wollen, wie durch die gestrige Annonce des hiesigen Vereins bekannt ge­worden ist, den diesjährigen Sedantag durch eine Partei­feier großen Stils zu Edenkoben in der Pfalz begehen. Außer der nachmittags 3 Uhr aus der Ludwigshöhe statt­findenden allgemeinen Feier, für die Dr. v. Bürklin die Festrede übernommen hat, enthält das Programm noch Be­ratungen der rührigen, den Pfälzer Nationalliberalen eigen- tümlichen Jugendvereine (810 Uhr), eine Gedenkfeier am Sieges- und Friedensdenkmal (11 Uhr) und Garten­konzert am Abend. Das Fest, an dem auch hiesige Partei­freunde teilnehmen werden, verspricht ein schönes und wür­diges zu werden.

-11- Als Zeichen erfreulichen Aufschwunges eines Gemeinde- wesens ist immer die Bauthätigkeit zu betrachten, zu­mal dann, wenn sie aus solider, lediglich den Bedürsnisien entsprechender Grundlage beruht und nicht vorwiegend Spekulationsgelüsten entspringt. Eine Spekulation liegt indeß wohl jedem privaten Bauwesen zu gründe, denn es wird niemandem einsallen, zu bauen, um sein Geld los zu werden, sondern die Aussicht auf früher oder später sich ergebenden Vorteil, sei er materieller oder idealer Natur, wird die Baulust anregen. Befruchtend auf die private Bauthätigkeit wirkt das Vorgehen von Staat und Gemeinde. Wo immer ein öffentlichen Zwecken dienendes Bauwerk ent­steht, erhält es bald Nachbarschaft von Privatbauten in Form von Geschäfts- oder Wohnhäusern, Gastwirtschaften u. s. w. Blicken wir speziell auf die Bauthätigkeit hin, die in den letzten 25 Jahren in Gießen entfaltet wurde, so wird die Richtigkeit obiger Annahme klar. ES wurden an Staats-, Gemeinde- und Korporationszwecken dienenden Gebäuden seit 1875, in welcher Zeit sich, nebenbei bemerkt, die Einwohnerzahl der Stadt nahezu verdoppelt, errichtet: das Justizgebäude mit Provinzial -ArresthanS, das Uni­versitätsgebäude mit dem chemischen Laboratorium und dem physikalischen Institut, das Gymnasium, die Realschule und das Realgymnasium nebst dazu gehörigen Turnhallen, zwei Volks-Schulhäuser nebst Turnhallen, das Gebäude der höheren Töchterschule nebst Turnhalle und Schuldiener­wohnung, die Kleinkinderschule, zwei Schwesternhäuser, zwei Kasernen für je ein Bataillon Infanterie, eine (von der Stadt erbaute) Kaserne für zwei Kompagnien, das Garnison­lazarett, das Wachtgebäude an der alten Kaserne, der Neubau von Unteroffizierswohnungen daselbst, das Schlachthaus, das Feuerwehrgerätehaus, die medizinische, die Frauen- und die Jrrenklinik, das physiologische Institut, die Johanneskirche, der Konfirmandensaal an der Stadtkirche, die Synagoge in der Steinstraße, das Volksbad, die Werkstätte der Ober- hessischen Eisenbahnen, der Erweiterungsbau des Postamts I, die Herberge zur Heimat, das Schützenhaus, die Gewerbe­bank, das Kaufmännische VereinShaus, die Turnhalle des

Turnvereins, fünf Studentenkneipen, die Wasserleitung, die Bieberthalbahn, vier Wieseckbrücken, drei Denkmäler. Die hier angeführten Baulichkeiten dürsten nach oberflächlicher Schätzung 12,000,000 Mk. an Baukosten verursacht haben. Was an Privat-Baukapital in dem angegebenen Zeiträume aufgewendet wurde, ist schwer zu schätzen, man geht aber wohl nicht fehl in der Annahme, daß mindestens die oben angeführte Summe erreicht, wenn nicht überschritten wird. Neben den zahlreichen Neubauten von großen Fabrikanlagen Gasthäusern, Villen, Geschäftshäusern und Wohngebäuden (die Zahl der bewohnten Gebäude hat in dem Zeiträume von 25 Jahren allein um 700 zugenommen) erforderten Hunderte von mitunter recht kühn ausgesührten Umbauten, sowie die Anlage neuer und die Verbreiterung und Gerade­legung älterer Straßen gewaltige Summen, deren Zusammen- ziehen ohne Zweifel eine achtstellige Ziffer ergiebt.

H. Grüuiugeu, 1. September. Gestern verließ uns nach kurzer Thätigkeit unser seitheriger Schulverwalter Dietz, um seine neue Stelle in Heimertshausen bei Romrod zu übernehmen. Sein Nachfolger, Lehrer Jung von Heimerts­hausen, ist bereits in seinen Dienst eingeführt worden. Am Abend seines Einzuges wurde ihm durch den hiesigen Ge­sangverein ein Ständchen dargebracht.

- i- Kinzenbach, 1. September. Wie aus dem Inseraten­teil ersichtlich, begeht man morgen hier das diesjährige Kirchweihfest. ES wird alljährlich am ersten Sonntag im September gefeiert; denn zu diesem Zeitpunkte pflegt das Getreide eingeerntet zu sein, und unsere Landwirte gönnen sich nach den Tagen ernster Arbeit auch zwei Feier­tage, zu denen die Kapelle des Artillerie-Regiments Nr. 47 jtt Fulda engagiert ist. Diesmal findet hier zum ersten Male wieder in zwei Wirtschaften Tanzbelustigung statt.

- r- Rodheim a. d. B., 30. August. Der Mühlenbesitzer A. Mandler von der Amtmannsmühle war gestern mit dem Einfahren von Hafer beschäftigt. Infolge der naffen Witterung schnitten die Wagenräder tief in den Acker ein und daS Pferd vermochte die Ladung nicht fortzuschaffen. Daher war Mandler genötigt, sich nach Vorspann um­zusehen, den ihm auch ein anderer Landmann, Georg Bender von hier, mit seinem Pferde leistete. Allein die Pferde zogen nicht gleichmäßig an, wodurch daS vordere Pferde ungeduldig wurde und unversehens ausschlug. Dabei traf eS den Müller an der Brust, daß er besinnungslos zu Boden stürzte. Dann schlug es auch noch seinem Herrn ein Bein entzwei. Der Müller scheint weiteren Schaden nicht genommen zu haben, er kam mit dem bloßen Schrecken davon.

- 6- Aus dem Kreise Wetzlar, 1. September. Am Mon­tag findet für die Lehrer des Kreises Wetzlar die diesjährige Kreis-Lehrerkonferenz im Beisein des Geh. Regie- rungs- und Schulrats Anderson-Koblenz statt. Dabei wird folgendes von der Königlichen Regierung gestellte Thema erörtert werden:Durch welche Unterrichts- und Erziehungsmittel kann die Volksschule im Sinne der A. K.'O. vom 1. 5 1889 die Kinder zur richtigen Auf­fassung und Wertschätzung der heutigen wirtschaftlichen, gesell­schaftlichen und staatlichen Einrichtungen anleiten."

Schotten, 30. August. Die Feldarbeiten der Kom­mission zur Ausarbeitung eines Generalkultur­plans für den hohen Vogelsberg haben ihren An­fang genommen. Ausgabe dieser Kommission ist die Prüfung der Frage, wie die Bodenwirtschast im hohen Vogelsberg zweckmäßiger und ertragsreicher gestaltet und damit die wirtschaftliche Lage seiner Bewohner gehoben werden kann. Das Arbeitsgebiet der Kommission umfaßt im Kreise Schotten in 26 Gemarkungen 17 978 Hektare und im Kreise Lauter­bach in 19 Gemarkungen 12 555 Hektare, zusammen in 45 Gemarkungen 30 533 Hektare aber 122 132 Morgen Fläche, Im Kreise Schotten handelt es sich um die Ge- markungen Köddingen, Stumpertenrod, Helpershain, Ober- Seibertenrod, Ulrichstein, Rebgeshain, Bobenhausen II, Wohnseld, Kölzenhain, Feldkrücken, Altenhain, Betzen­rod, Götzen, Rudingshain, Michelbach, Breungeshain, Busenborn, Eschenrod, Burkhards, Kaulstoß, Sichen­hausen, Herchenhain, Hartmannshain, Volkartshain, Ober- Seemen und Gedern. Aus dem Kreise Lauterbach find beteiligt die Gemarkungen Engelrod, Hörgenau, Eichenrod, Eichelhain, Herbstein, Lanzenhain, Ilbeshausen, JlbeShäuser Wald, Altenschlirf, Grebenhain, Vettshain, NöSbertS, Weid­moos, Bannerod, Bermutshain, Crainfeld, Nieder-MooS, Metzlos und Ober-Moos. Die Kommission besteht aus dem Vorsitzenden der Ministerialabteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, Ministerialrat Braun als Vor­sitzenden, den Kreisräten Geh. RegierungSrat Schönfeld zu Schotten und Dr. Wallau zu Lauterbach, dem Ober­forstrat Dr. Walther - Darmstadt und Oberförster Diesen- bach-Schotten, als Vertreter der Forstbehörde, Landes­kulturrat Dr. Kl aas-Darmstadt, Meliorationsbaurot Wißmann-Gießen und Kreiskulturtechniker Kunz- Lauterbach als kulturtechnische Mitglieder, sowie den Land­tagsabgeordneten Weidner-Herchenhain und Schmal­bach-Crainfeld als landwirtschaftliche Mitglieder.

Darmstadt, 31. August. Der Gesandtschafts Sekretär in Kopenhagen, Johnstone, ist an Stelle Buchanans zum englischen Geschäftsträger hier ernannt worden.

Frankfurt a. M., 28. August. Ein Jahr ist vergangen, seitdem Frankfurts Bürgerschaft, alt und jung, von den Heroen des Geistes- und Kunstlebens bis zum schlichten biederen Handwerker, in rauschenden Festesklangen dem An­denken des großen Dichtergenius, des größten Sohnes unserer Vaterstadt, Johann Wolfgang Goethe, huldigte. Ein Jahr schwer an Kämpfen war eS für die Freiheit der deutschen Kunst. Dunkle Gefahren drohten den Ideale«, für die der Dichter so machtvoll gestritten, Freiheit und Wahrheit! Und sein Geist siegte! Unter seinem Pamer haben sich in den deutschen Gauen Schutz- und Trutzbüud- nisse gebildet, und, den leuchtenden Namen auf dem Banner, treten wackere Kämpen für die freie deutsche Kunst bei.