•alle Zugänge besetzt. Die Leiche des Königs wird nicht einbalsamiert und nur durch eine Injektion Formalin konserviert werden. Das Bulletin der Aerzte stellte fest: 1. Verwundung an der Spitze des Herzmuskels, 2. Verwundung über dem linken Schlüsselbein eindringend, mit Auslauf nach dem Rücken des linken Schulterblattes, 3. Verwundung zwischen der dritten und vierten Rippe. Die Kugel prallte auf der Rippe aus, glitt nach dem unteren Teil des Brustbeines über und blieb dort haften. Alle drei Wunden sind tätlich. Die Aerzte vermuten, daß die erste Wunde von einer Waffe kleineren Kalibers erzeugt sei, als die anderen. Bewahrheitet sich diese Vermutung, so waren es zwei Mörder, was nicht unmöglich ist. Die Leiche wird durch Eis- und Ventilatoren vor drohender Zersetzung bewahrt.
Das junge Königspaar landete am Dinstag abend in Reggio in Calabrien und traf um Mitternacht in Neapel ein, wohin ihm die in Rom anwesenden Minister entgegengefahren waren. Heute früh um 4 Uhr wurde die Reise ohne Aufenthalt in Rom snach Monza fortgesetzt. Der König empfing die erste Nachricht vom Attentat durch eine persönliche Depesche des Sultans, der sein tiefstes Mitgefühl sowie gleichzeitig seinen Glückwunsch zur Thronbesteigung ausdrückte. Die Behörden in Syrien empfingen die -Ordre, alles aufzubieten, um die Heimreise des Königspaares zu beschleunigen und zu erleichtern. Vor zehn Tagen verließ der Prinz von Neapel Konstantinopel nach zweiwöchentlichem Aufenthalte, wo er sich unter dem eingehaltenen Inkognito eines Grafen Romeo aufhielt. Die Bescheidenheit des Paares fiel allgemein auf und hinterließ den besten Eindruck. Wiederholt sah man das Paar Arm in Arm stundenlang am herrlichen Bosporusquai von The- rapia promenieren. Zu der Lieblingsbeschäftigung des Paares gehörte das Photographieren und. eine tägliche und ausführliche Berichterstattung über das Erlebte an die Eltern.
Das Römische Amtsblatt veröffentlicht einen Aufruf, worin die M i n i ster im Namen des Königs Viktor Emanuel III. sich an die italienische Nation wenden und ihr das schreckliche Ereignis mitt'eilen. Italien, so sagt die Botschaft, sei in seinem Teuersten getroffen worden. Wir zählen auf das italienische Volk zur Unterstützung des Hauses Savoyen. — Heute werden sämtliche Land- und Seetruppen auf König Viktor Emanuel III. vereidigt. — Sämtliche Minister haben ihre Demission in die Hände des Ministerpräsidenten gelegt, der die Entscheidung des neuen Königs erwartet. (
Der Papst ließ nach Erhalten der Meldung von dem Attentat für den Verstorbenen eine Messe lesen.
Die in Rom anwesenden monarchistischen Deputierten beschossen, alle Kollegen sofort nach Rom einzuladen. Die Abgeordneten der äußersten Linken nahmen eine Tagesordnung an, worin sie die Mordthat in Monza aufs schärfste verdammen.
Die Studenten durchzogen am Montag die Straßen Roms, indem sie dem Hause Savoyen akklamierten. Am Abend veranstalteten sie, begleitet von patriotischen Vereinen mit florumwundenen Fahnen, vor dem sozialistischen Blatte Avanti große Demonstrationen. Auf der Piazza Colonna wurden ganze Stöße des Blattes verbrannt. Im Quirinal (dem Königsschlosse) haben sich bereits tausende von Personen aller Stände in das dort ausliegende Kon- dolenzbuch! eingezeichnet.
Das Benehmen des Mörders Bresci ist fortgesetzt cynisch Er erklärte in einem Verhör, daß er bereit sei, bei Gelegenheit wiederum zur That zu schreiten. Es wurde eine Frauensperson Namens Cesiva Remella, mit der Bresci in Mailand verkehrte und deren Adresse er in der Tasche hatte, verhaftet. Im Augenblick der That war Bresci ruhig und kalt. Er schoß mit weiß behandschuhter Hand ohne eine Miene zu verziehen. Er leistete weder bei dem Ueberfall der Menge noch bei seiner Verhaftung Widerstand. Er wird fortwährend von zwei Karabinieri bewacht. Die Gesängniswache ist verstärkt worden. In Monza und Mailand wurden mehrere Personen verhaftet, meistens Leute, die mit dem Mörder in demselben Hause wohnten. Bresci war zur Zeit des Attentats gegen den Präsidenten Carnot in Paris und befand sich auch! unter den damals verhafteten Anarchisten, wurde aber nach direimonatlicher Untersuchungshaft wegen Mangels an Beweisen entlassen. Nach Meldungen aus Barcewna soll der Anschlag auf den König geplant worden sein. Bresci soll vor kurzem dort gewesen fein. Auch mehrere italienische Blätter glauben an ein Komplott, wozu besonders die Aussage eines Beamten der Pubblica sicurezza in Reggio-Kalabria berechtigt. Dieser will vor einigen Tagen Spuren eines Komplottes gefunden haben, das gleichzeitig gegen König Humbert und Kaiser Wilhelm operieren! sollte.
Aus einer Unterredung eines Journalisten mit Bresci sei folgendes mitgeteilt: „Seit wann habt Ihr nichts gegessen?" „Seit gestern abend sechD Uhr"'. „Wo habt Ihr gegessen?" „In einem Wirtshause, ich weiß nicht wo". „Seit wieviel Tagen seid Ihr in Monza?" „Seit zwei Tagen". „Woher kamt Ihr?" „Aus Amerika". „Seid, Ihr Euch Eurer Schreckensthat bewußt?" Verächtliches Achselzucken. „Ihr habt den König schwer verwundet". „Nein, nein, ich habe ihn getötet, ich habe gut gezielt und bin meiner Sache sicher". Bei seiner Gefangennahme soll er ausgerufen haben: „Schlagt mich nur tot! Ich habe ja nun meine Pflicht g e t h a n".
Hefter den Eindruck des Ereignisses von Monza auf den Kaiser Wilhelm äußerte sich Staatssekretär Graf Bulow einem Berliner Berichterstatter gegenüber, daß der Kaiser mit der größten Betrübnis und mit dem tiefsten Schmerze von dem furchtbaren Tode des Königs seines treuen Freundes und Verbündeten, Kenntnis genommen habe. Der Kaiser zweifle indessen nicht daran, daß die innige Freundschaft, die ihn mit dem verstorbenen Könige verbunden, auch, zwischen dessen Nachfolger dem König Viktor Emanuel und ihm fortbestehen werde. Der Kaiser hat seinem Schmerz über den Verlust seines königlichen Freundes unmittelbar nach dem Eintreffen der Trauerkunde in längeren Kondolenz-Telegrammen an König Viktor Emanuel und die Königin Margherita Ausdruck gegeben. Von beiden sind sehr herzliche Antworten eingegangen. Auf Befehl des Kaisers ist an Bord der Hohenzollern und ihrer Begleitschiffe die italienische Flagge Halbstock gehißt worden. Der preußische Hof legte für den
König von Italien die Trauer auf drei Wochen an. Ein römisches Telegramm besagt, Kaiser Wilhelm habe der Königin Witwe seine Absicht kundgegeben, an der Leichenfeier teilzunehmen. Wie es heißt, dürfte auch der aKiser von Oesterreichs wahrscheinlich persönlich an dem Leichen - Begängnis teilnehmen. Außerdem nimmt auch Erzherzog Rainer an demselben teil.
Das Offizierkorps des Marburger Jägerbataillons hat an die erlauchte Inhaberin des Bataillons, an die Königin- Witwe von Italien, ein Beileidstelegramm gerichtet.
Die Wirren in China.
Das Büreau Lassan empfing ein Telegramm aus Tientsin von Freitag abend, das folgende vom 21. Juli datierte Depesche aus Peking wiedergiebt:
„Erste Nachrichten von außerhalb kamen 18. Juli. Mißlingen der Entsatzexpedition machte Belagerung weit gefährlicher. Am 19. Juni brach, Damen Beziehungen ab, am 20. Juni erklärte China Krieg. Deutsche Gesandte Baron Ketteler und Francis James, ein englischer Professor, wurden ermordet. 400 Nichtkombattanten nahmen in englischer Gesandtschaft Zuflucht. Ich hörte, daß Bekehrten nördliche Kathedrale besetzt halten. Tausend Flüchtlinge nahmen Zuflucht im Palast des Prinzen Lu gegenüber der britischen Gesandtschaft. Waffenstillstand begann 17. Juli nach 26 tägiger heftiger Beschießung. Eine Nacht dauerte die Beschießung ununterbrochen 6 Stunden an. Vier Versuche wurden gemacht, englische Gesandtschaft in Brand zu setzen. Zwei der Versuche hatten das Resultat, daß Hanlin-College zerstört wurde. Feigheit der Chinesen machte erfolgreiche (Ästürmung unmöglich. Gesamtzahl der Getöteten oder Gestorbenen ist: 10 Deutsche, 10 Japaner, 11 Franzosen, 5 Engländer, 4 Russen, 4 Oesterreicher, 7 Amerikaner, 7 Italiener, 9 Bekehrte, zusammen mit Verwendeten 98. Korrespondenten Morrison, Reid, Te- menty sind krank. Wenigstens 2000 Chinesen sind getötet. Amerikaner halten eine starke Stellung auf Stadtmauer besetzt. Nahrungsmittel sind noch ausreichend und Hospital- einrichtungen ausgezeichnet. Feder ist von beständiger Arbeit sehr erschöpft. Die kaiserlichen Edikte haben die Boxer gelobt, den Missionaren befohlen, das Innere zu verlassen und allen Vizekönigen befohlen, Peking zu helfen. Aber das Edikt vom 18. Juli befiehlt Schutz und verspricht Entschädigung." Laffans Korrespondent fügt zu, der Bericht von einer großen Entsatztruppe habe den Wandel herbeigeführt.
Der en g Hf che Gesandte in Peking telegraphiert vom 31. Juli: Die Gesandtschaft leistete bis zum 15./16. Juli den chinesischen Angriffen Widerstand. Seit j)em 16. Juli ist ein Waffenstillstand geschlossen. Ein dichter chinesischer Kordon umschließt die Gesandtschaft. Sämtliche Frauen und Kinder sind in der japanischen Gesandtschaft. Die englischen Verluste betragen 62 Tote und Verwundete.
Dieser sowie der gestern mitgeteilte Bericht des deutschen Konsuls in Tschifu sowie ähnliche neueste Berichte des Vertreters von Japan und eine italienische Meldung stellen fest, daß die Auslän derin Peking sich wunderbarerweise gegen die Angriffe der chinesischen Soldaten — denn diese and nicht nur die Boxer werden übereinstimmend als Angreifer genannt — wenn auch unter schweren Verlusten haben halten können. Was insbesondere die Meldung des deutschen Vertreters betrifft, so ist ein Zweifel an ihrer Echtheit und Zuverlässigkeit ausgeschlossen, und sie deckt sich auch inhaltlich mit englischen und japanischen Berichten. Trotzdem entschließen sich ganz unverantwortlicherweise die Truppen der Mächte noch! immer nicht zum Vormarsch Es sind aber auch andere Betrachtungen, die sich, aufdrängen. Alle chinesischen Nachrichten stellen sich jetzt in vollster Klarheit, abgesehen von dem einen Punkte, daß die Gesandten noch leben, als frecher Schwindel heraus, und die Behauptung, daß sie den Schutz der Regierung genössen und sich unter ihm voller Sicherheit erfreuten, wird als eine bewußte Lüge erkannt. Es zeichnet sich! ferner auch, schon mit genügender Klarheit ab, daß die Kaiserin von China und ihre Ratgeber ihren guten Anteil an dem Verbrechen haben und nicht nur die revolutionär-anarchische Bewegung unter Führung des Prinzen Tuan und seinen Boxern. Man sieht also, wer die Verantwortung zu tragen hat und wen die Strafe für die Gefangenhaltung der Gesandten und die Ermordung eines Teiles der Schutztruppen wird treffen müssen. Außerdem aber kann man aus den Berichten entnehmen, daß in Peking die Angriffskraft der Chinesen außerordentlich gering gewesen fein muß, da die 500 Mann Schutztruppe, denen doch in der .Hauptsache die Verteidigung obgelegen hat, den Hauptteil der chinesischen Armee aufzuhalten vermochten. Vom 13. Juni bis 16. Juli, an dem letzteren Tage wurden die Angriffe eingestellt, haben sie in ununterbrochenen Kämpfen der chinesischen Armee und den Boxern erfolgreich widerstanden, teilweise vielleicht unter offensivem Vorgehen, da sich anders nur schwer erklären läßt, wie sie sich die notwendigen Lebensmittel haben verschaffen können. Man sieht also, daß sich in Peking der alte Satz bestätigt hat, daß eine an Zahl kleine europäische Truppe ausreicht, um einer um das Hundertfache überlegenen und unzivilisierten Masse die Spitze zu bieten, während im Gegensatz hierzu vor Tientsin 10000 Europäer die denkbar größte Mühe hatten, mit einem chinesischen Heere fertig zu werdn, das aller Wahrscheinlichkeit nach etwa 50000 Mann stark gewesen sein dürfte. Die Truppen, über die wir jetzt in Tientsin verfügen, genügen jedenfalls, um den Vorstoß auf Peking zu wagen, eine Auffassung, die ja auch in Tientsin selbst von den befehlführenden Offizieren geteilt wird.
Was die Vorgänge in Peking selbst anlangt, so ist noch immer unklar, oft die Europäer, wie es zuerst hieß, sich alle nach der englischen Gesandtschaft geflüchtet und dort verteidigt haften,' oder oft sie sich in ihren Gesandtschaftshäusern gehalten haften. Jetzt, wo der hermetisch schließende Ring wenigstens für Nachrichten durchbrochen zu fein scheint, wird es wohl nicht lange dauern, bis wir auch darüber nähere und ausführlichere Nachrichten bekommen werden. Hinzuweisen ist noch darauf, daß die Gesandten selbst mit allem Nachdruck um Entsatz bitten. Damit wird die Vorspiegelung Li-Hung-Tschgngs hinfällig, der in einem Borrücken der europäischen Truppen eine schwere Gefahr für die Gesandten erblicken will, denn wenn
eine solche vorhanden wäre, so würden die Gesandten selbst,, die darüber an Ort und Stelle doch ein Urteil haben müssen und so sehr persönlich daran interessiert sind, nicht zu einem Schritte drängen, der ihnen selbst gefährlich werden konnte. Ueber die Lage in Peking wird von franzö- »ifchen Agenten aus Shanghai telegraphiert, daß die Angriffe auf die Gesandtschaften feit einigen Tagen haben. Vollständig zerstört seien die österreichische, spanische, italienische und niederländische Gesandtschaft, die französische nur teilweise, der Kaiser und die Kaiserin seien in Peking. — Der französische Admiral Courejolles telegraphiert am 26. Juli: Die Ruhe beginnt in Peking wieder einzukehren. Ein kaiserlicher Erlaß enthält die Erklärung, die Regierung sei nicht verantwortlich für die bedauerlichen Vorkommnisse, sie: mache alle Anstrengungen, den Frieden wiederher--^ zustellen und den Verträgen gemäß die Fremden zu schützen.
Ein Telegramm aus Shanghai vom 30. Juli meldet^ 7??/ Hung-Tschang habe auf eine Anfrage der chinesischen Regierung erklärt, er werde die Gesandten als Geiseln behalten, um den Vormarsch der Alliierten auf Peking zu verhindern und günstige Bedingungen für die Kaiserin-Witwe zu erzwingen.
Preßburg, 31. Juli. Das Unpäßlichsein der Erzherzogin Henriette ist nur ein ganz leichtes und gefahrloses.
* •
Der Auslauf der deutschen Dampfer Aacheu und Straßburg hat Dienstagnachmittag in Bremerhaven stattgefundeu. Trotz der stürmischen See wohnte der Kaiser dem Auslauf bei. An Bord der Hohenzollerw befand sich das Kaiserpaar, die Prinzen und Graf Bülow.. Die Aachen führt ca. 500 Mann mit sich, nämlich eine Sanitäts-Kompagnie, eine Feldbäckerei-Kolonne und eine halbe reitende Feldhaubitzen-Munitions-Kolonne. Die Straßburg hat 1500 Mann an Bord, nämlich das erste Bataillon dies ostasiatischeu Infanterie-Regiments Nr. 2. Den mit der Aachen abgehenden Truppen rief der Kaiser Ast- „Lebt wohl, Kameraden. Betragt Euch gut und macht mir Ehre. Adieu, Kameraden!" Eine Ansprache erfolgte nicht. Die Schüsse fahren soeben halb fünf aus dem Hafen. — Der Kaiser hat dem Chef des deutschen ostasiatischenl Expeditionskorps, Generalleutnant v. Lessel, den Rang eines kommandierenden Generals verliehen.
Wie man aüs Rom meldet, soll der Papst die Veröffentlichung einer Encyklika beabsichtigen, worin die Stellung des Vatikans gegenüber den Vorgängen in China? klargestellt wird. Der Papst wird darin nachweisen, daß er schon seit geraumer Zeit nichts unterlassen habe, die Regierungen auf die drohende Gefahr aufmerksam zu machen.
• * •
Telegramme beS Gietzerrer Anzeigers.
Berlin, 1. August. Infolge des zweimaligen Aufrufs zur Meldung Freiwilliger für die China-Expedition haften sich, wie nachträglich bekannt wird, weit über 120,000 Mann und nicht weniger als 3650 Offizier e gemeldet. Für die ostasiatischen Reiter-Regimenter find die Meldungen weniger zahlreich eingegangen.
London, 1. August. Eine Meldung aus Peking vom 21. Juli über Tientsin besagt: Die ersten Nachrichten von außen erreichten uns am 18. Juli. Das Scheitern des Seymour'schen Entsatz-Versuches verschlimmerte unsere Lage bedeutend. Am 19. Juni hatte bereits das Tsung-li-Damen die Beziehungen zu uns formell abgebrochen nnd am 20. Juni den Krieg erklärt. Die britische Gesandtschaft nahm mehr als 400 Nicht-Kombattanten auf. Tausend Flüchtlinge fanden Schutz in dem Palast des Prinzen Tsching. Nach 26tägigem heftigem Kampfe kam es endlich zu einem Waffenstillstand. Die Amerikaner behaupten eine starke Stellung auf der Stadtmauer. Alle sind sehr erschöpft. Die hier eingetroffenen Nachrichten von den unterwegs befindlichen starken fremden Truppenteilen haben sehr heilsam gewirkt. Trotzdem sollten die Mächte auf ihrer Hut sein.
London, 1. August. Nach den neuesten Meldungen soll die Kaiserin von China sich bereits in Sian-Fu aushalten. Die Erklärung dieser Stadt als Hauptstadt soll bevorstehen.
Brest, 1. August. Die Artilleristen des ExPeditionS- Korps für China schifften sich gestern hier unter den Hochrufen einer großen Volksmenge nach Boulogne ein.
Der Krieg in Südafrika.
Die Meldung von der Kapitulation des Bure n- führerS PrinSloo blieb in London fast unbeachtet. Der Krieg in China und besonders der Mord in Monza nehmen dort wie überall das Haupt-Jnteresse in Anspruch. Alle englischen Blätter drücken ihre größte Teilnahme für das italienische Königshaus und Volk aus.
Prinsloos Uebergabe könnte aber doch in London al- große Herzenserleichterung wirken, besonders nach der neuerlichen Enttäuschung darüber, daß es nicht gelungen war, die in Sicht befindliche Artillerie und den Troß Bothas aftzufangen. Man hofft in London, daß demnächst Christian Dewet, der bei seinem Versuch sich durchzuschlagen mit 1500 Mann, hauptsächlich Kolonialrebellen, den Vaak bei Vredefert erreicht hat, ebenfalls zur Uebergabe gezwungen werde. Seine Absicht, sich Delarey anzuschließen, der Baden-Powell in Rustenburg noch immer im Schach hält, gilt als gescheitert und der Rückzug aus seiner Stellung als nahezu aussichtslos.
Dem Reuter'schen Bureau wird aus Zeerust vom 29. v. Mts. gemeldet: Es geht das Gerücht, daß die Buren gegen Zeerust vorrücken. Alle Regierungsvorräte wurden nach dem Lager geschafft, das sorgfältig hergerichtet worden ist. Die Transportzüge nach dem Elandsfluß sind eingestellt worden. Späher des Feindes wurden im Distrikt bemerkt. Ein eingeborener Späher berichtet, daß 400 Buren in Steenboksontein lagern. — Demselben Bureau wird aus Fouriesberg vom 30. gemeldet: Die Buren, die sich Hunter ergaben, bestanden unter andern aus dem 550 Mann starken Kommando von Ficksburg und dem 450 Mann.


