Ausgabe 
2.2.1900 Erstes Blatt
 
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erstatten denen nun wohl nichts anderes übrig bleibt, als das Geschäft deS Wolkentretens aufzugeben und auf den Boden der Wirklichkeit zurückzukehren. ES sieht da nicht sonderlich einladend aus, aber der Wahrheit werden die Herren vom Draht die Ehre doch endlich geben müssen. Reuter" fängt ja schon an. Das KriegSamt hat also vorbehaltlich seiner ersprießlichen Zensurgerechtigkeit nichts dagegen.

Das gleiche Telegramm meldet uns übrigens, daß die Beschießung Kimberleys fortdauere.

Um was kämpft England?

London, 29. Januar. Die Frage um Ziel und Ende dieses Krieges wirft heute, am Tage vor dem Zusammentritt des Parlaments, dasjenige englische Blatt auf, welches sich während dieser ganzen Krise als den ruhigsten,, sachlichsten und scharfsichtigsten Beobachter auf englischer Seite erwiesen hat, derMorning Leader", ob­wohl auch dieses Organ eine gewisse Tendenz, sich über offene Thatsachen hinwegzutäuschen, nicht ganz unterdrücken kann. Es schreibt:

Um was kämpfen wir? Das Parlament hat ein Recht zu roiffen, ob um die Beschwerden der Uitländer, oder um das Transvaal und seine Goldfelder zu annektieren. Die Führung des Krieges geht unsere Militärs an. Die Dauer desselben ist eine Frage für das Parlament und eine Frage, die nur beantwortet werden kann, wenn die Nation durch dasselbe erklärt hat, welches Ziel sie zu erreichen und welchen Ehrgeiz zu befriedigen sie sich vorgenommen Worauf es in Wahrheit ankommt in der gegenwärtigen Verwicklung, das ist die Regelung, welche wir nach der Beendigung des Krieges beabsichtigen. Aber eine Debatte über diesen Punkt (die Feststellung der großen Linien, auf denen diese Regelung stattfinden soll) involviert auch eine Kritik der Vergangenheit. Haben die Buren den Krieg gesucht, haben sie gegen das Reich konspiriert, dann können sie vielleicht nicht auf ein größeres Maß von Generosität rechnen (man sieht, daß selbst dieses maßvollste aller englischen Blätter an dem endgiltigen Siege der Engländer auch nicht einen Augenblick zweifelt und die Buren gerade wie der ärgste Jingo als von der bri. tischen Gnade abhängige Rebellen behandelt). Wenn aber im Gegenteil unsereDiplomatie" den Krieg provoziert hat, wenn wir über die guten Gründe für denselben getäuscht, wenn das ganze Jmbroglio das Resultat einer Agitation ist, hervorgerufen und bezahlt durch eine Clique von Kapitalisten, dann muß diese Entdeckung, wenn die Nation sie auch erst spät am Tage macht, auf die Friedensbedingungen zurückwirken. Selbst wenn es strenge Gerechtigkeit wäre, das Transvaal zu annektieren, so könnte diese Annexion doch höchst unpraktisch sein. Aber um diese Frage dreht sich eine andere. Das Parlament muß nicht nur entscheiden, welche Politik wir in Südafrika verfolgen wollen, sondern auch, wer sie ausführen soll. Die Frage kann es nicht beantworten, ohne die Ver­gangenheiten aufzuwühleti; wir können die Zukunft unseres Reiches nicht einem Manne anvertrauen, der sich von der Anklage nicht reinigen kann oder will, heimlich an dem Jameson-Einbruche beteiligt gewesen zu sein. In der letzten Session appellierte er an dieChose jag6e, dies­mal steht er vor einem neuen Faktum. Es ist nicht eine der geringsten Aufgaben der Opposition, aus Herrn Chamberlain eine Erklärung über den Hawksley-Dossier herauszupressen.

Aber derMorning Leader" selbst will von irgend einer eigentlichen Aktion gegen die Gesamtregierung Nicht­wissen, er begnügt sich mit dem Kopfe Chamberlains, wenn er ihn kriegen kann, was mehr denn unwahrscheinlich; denn die große Masse sieht in ihm immer noch den Retter in der Not, den Mann der Aktion und der entschlossenen Thal.

Deutsches Keich.

Berlin, 31. Januar. Zur Mission Beernaerts schreibt diePost": Wie wir erfahren, hat es sich als nicht angängig herausgestellt, die Grenzfragen zwischen Deutsch- Ostafrika und dem Kongostaat betreffs des Kiwusees auf Grund des vorliegenden Kartenmaterials zu einem Abschluß zu bringen. Es liegt daher die Notwendigkeit vor, eine Kommission auszusenden, damit sie an Ort und Stelle die Regelung der streitigen Fragen in die Wege leitet.

In der 19er Kommission des Reichstages wurde heute die zweite Lesung des Gesetzes über die Konsular- gerichtSbarkeit vorgenommen. An einigen Paragraphen wurden noch Aenderungen vorgenommen, während der Rest in der Fassung der ersten Lesung unverändert bestätigt wurde.

In der 21er Kommission deS Reichstages wurde heute die Beratung der Novelle zum Gewerbeunfall- versicherungsgesetz bis § 5 gefördert. Die Fassung der Vorlage wurde angenommen, bei den §§ 2 und 3 jedoch unter Zustimmung der Regierung mit einem vom Abg. Fischbach beantragten Zusatz, wonach durch Statut die Der- sicherungspflicht auf gewisse Hausgewerbetreibenden ausge­dehnt werden kann.

In der Budgetkommission des Reichstages standen heute die Titel des Etats des Auswärtigen Amts zur Ver­handlung, welche die Kolonien betreffen.

In der 20. Kommission des Reichstags wurde heute bei Beratung deS § 2 des Gesetzentwurfes über die Patent­anwälte beschlossen, daß im Falle der Versagung der Eintragung in die Lifte wegen unwürdigen Verhaltens des Antragstellers nur dieBeschwerde an das Ehrengericht zulässig, aber auch Berufung an den Ehrengerichtshof gestattet sein soll. Zu § 3 wurden verschiedene Amendements angenommen, wonach eine weitere einjährige praktische gewerbliche Thätig- keit neben der zweijährigen Thätigkeit auf dem Gebiete des gewerblichen Rechtsschutzes erforderlich ist.

Erzbischof Sim ar brachte beim Kaisergeburtstags­essen in Paderborn einen Trinkspruch auf den Kaiser aus, über dessen Inhalt dieRhein.-Wests. Zeitung" folgende Mitteilung macht:Er feierte in schwungvollen Worten den Kaiser als Führer des Volkes, dem wir als Unterthanen zu folgen verpflichtet seien, da wir wüßten, daß seine Ziele in aller und jeder Hinsicht auf das Wohl, die Größe und die Entwickelung des Reiches gerichtet seien. Deshalb sei es Pflicht eines jeden Patrioten, diejenigen Bestrebungen zu bekämpfen, welche auf den Umsturz der staatlichen Ordnung gerichtet seien und insbesondere die soziale Umwälzung beabsichtigen, also die der Sozialdemokratie. Es mache sich Zn Deutschland ein unverkennbares aus dem Volke her­auswachsendes Bestreben geltend, nach auswärts die Ehre des deutschen Namens zu tragen und die Deutschen, wo sie immer sich ansiedeln, unter den Schutz der deutschen

Flagge zu stellen. Der Kaiser trage uns die Fahne voran, und es sei unsere Pfliü)t, dem Mahnrufe des Kaisers zu entsprechen. Die Frage der Kosten könne nur in zweiter Linie in Betracht kommen, wiewohl sie zweifellos sich nach der Leistungsfähigkeit des Volkes richten müsse. Bei gutem Willen würde auch diese Frage gelöst werden, und er hoffe, daß, wie bisher, wenn es patriotischen Fragen gelte, auch in Deutschland allenthalben nur ein Ruf erschallen werde: Wir folgen unserm Kaiser!" Der Erzbischof hat mit diesen Worten dem Empfinden derjenigen großen katholischen Kreise Deutschlands Ausdruck verliehen, die es einfach nicht verstehen, weshalb die Zentrumspresse sick) in nationalen Fragen von einem vormärzlichen Radikalismus ins Schlepptau nehmen läßt, der komischerweise für Deutsch­lands Schwäche zu Lande und zur See schwärmt. Im Kreise von Katholiken aller Berufsstände kann man heute täglich die Bemerkung hören, kein verständiger Mensch be­streite, daß eine Verstärkung der deutschen Flotte notwendig sei. Wir rechnen es dem Erzbischof Dr. Simar hoch an, daß er dem Terrorismus der ultramontanen Presse zum Trotz die Empfindungen der patriotisch gesinnten katholischen Bevölkerung vertreten hat. (K. Z.)

Infolge der Glätte, die der starke Schneefall mit sich brachte, sind wieder zahlreiche Personen verunglückt. In den Unfall- und Rettungsstationen mußten mehrere Arm- und Beinbrüche behandelt werden. In Schlesien war der Schneefall besonders stark. Der Verkehr mit Ober- schlesieu und Berlin ist gestört. Auch in Dresden sind be­deutende Störungen im Telephon- und elektrischen Straßen- bahnbeetrieb eingetreten und der Stadt- und Fernsprechver­kehr bis auf weiteres eingestellt.

Frankfurt a. M., 31. Januar. DieFrkf. Ztg." meldet aus München: Ueber die etwaige Einführung einer Reichserbschaftssteuer haben innerhalb der bairischen Regierung Erwägungen stattgefunden, und es ist wahrscheinlich nicht bei solchen geblieben, obgleich im Bundesrat die Deckungsfrage noch nicht verhandelt worden ist. Die bairische Staatsregierung steht augenscheinlich auf dem Standpunkte, daß man sich jetzt schon mit der Frage beschäftigen soll, welche Deckungsmittel in Aussicht genom­men werden könnten, wenn für den Flottenetat die laufen­den Einnahmen nicht ausreichen sollten. Eine Reichserb­schaftssteuer würde erheblich höher sein, als die einzel- staatlichen Besteuerungen sein müssen, da die Einzelstaaten keinen Einnahmeausfall erleiden wollen, was auch bei Er­höhung der Matrikularumlagen eintreten müßte. Die bai­rischen Erwägungen scheinen überhaupt auf eine Staffelung der Steuern hinauszugehen.

Ausland.

Budapest, 31. Januar. Beim Zusammenstoß zweier elektrischer Straßenbahnwagen wurden sieben Passagiere schwer, mehrere leicht verletzt.

Bern, 31. Januar. Die Gräfin Sch uw al off in Petersburg überreichte dem internationalen Friedensbureau in Bern eine Abschrift einer von 40,000 russischen Damen unterzeichneten Bittschrift an den Präsidenten Mac Kinley, worin derselbe um seine Friedensvermittelung im Transvaalkriege ersucht wird. Wie verlautet, werden sich die Frauen Hollands dem Vorgehen der Russinnen anschließen.

London, 31. Januar. Die Abendblätter veröffentlichen ein Telegramm aus Pietermaritzburg, wonach die gesamte Buller'sche Armee das Südufer des Tugela erreicht hat.Daily Mail" veröffentlicht nach­stehende Marktpreise aus Pietermaritzburg: Ein Dutzend Eier 9 Schillinge 6 Pence, ein Pfund Frucht­marmelade 6 Schillinge 6 Pence, ein viertel Pfund Pfeifen­tabak 30 Schillinge, ein BüchSchen kondensierte Milch 10 Schillinge. DerMorning Post" zufolge wurde die Cho ko la de, welche die Königin ihren Soldaten sandte, am Modderriver unter großer Begeisterung der englischen Krieger verteilt. Ein lebhaftes Bild bot das Divisions­postamt dar, wohin die Truppen nach Verzehrung der Chokolade strömten, um die leeren Blechbüchsen an Ver­wandte und Bekannte zu verschicken. Sie zu kaufen, ist fast unmöglich, da man die höchsten Preise dafür verlangt. Daily Chronicle" will erfahren haben, daß die am Samstag stattgehabte Sitzung des Verteidigungskomitees sich besonders mit der Mobilisierung der Flotte bt schäftigte. Es wurden jedoch keine festen Beschlüsse gefaßt, außer dem, daß die 8. Division nicht eher abgehen soll, als bis die Sicherheit der britischen Küsten durch Flotten­rüstungen garantiert ist.

Madrid, 31. Januar. Die unter Führung des Herzogs von Veragua stehende außerordentliche Gesandtschaft begiebt sich am Samstag nach Berlin, um dem deutschen Kron­prinzen die Insignien des Ordens vom goldenen Vließ zu überbringen.

Koustantiuopel, 31. Januar. Wegen der fortdauernden heftigen Artikel gegen den Sultan'ließ letzterer einen Prozeß wegen Verleumdung gegen die in Paris erscheinende Revue dEurope anstrengen.

Lokales und Vroomzielles.

** Ch. Konzert deS Kronbauer'scheu Quartett-Vereins tm 4 Februar. Wie wir richtig voraussetzten, hat das Unter­nehmen des Quartett-Vereins in allen Kreisen der Bevölkerung freudige Zustimmung erfahren. Den Besuchern des Konzertes steht aber, neben der Genugthuung, an einem Werke der Mildthätigkeit mitgearbeitet zu haben, ein her­vorragender musikalischer Genuß in Aussicht. Das Quartett tritt wohlvorbereitet in Aktion, sein kunstsinniger Dirigent Herr Geller hat es verstanden, aus dem reichen Schatze der Männergesangs Litteratur eine Reihe herrlicher Ton- schöpfungen auszuwählen und in abwechselungsreicher Weise aneinander zu fügen. Neben schlichten ä. capella-(Stören, der eigentlichen Domäne des Männergesanges, birgt das Programm Kompositionen, die durch Begleitung des Piano­fortes farbenreicher sich gestalten können. Als am reizvollsten

für den Hörer dürften die Chöre zu bezeichnen sein, itt welchen eine Frauen st imme sich den Männerstimmen zugesellt. Zart und edel, und doch durch die hellere, und duftigere Klangfärbung, sich deutlich und vernehmbar ab­hebend, einem Goldfaden ähnlich, in kräftigeren, aber schlichteren Getveben. Als Vertreterin dieser Sopranpartie ist Fräulein Marie Dietz gewonnen worden; die junge Dame, welche mehrere Jahre unter uns lebte, hat in Frank­furt am Konservatorium mit schönstem Erfolge gesanglichen Studien obgelegen. Mit dieser jungen Künstlerin zugleich kommt ihr Lehrer, als Gast zu uns, um die Begleitung am Klavier zu übernehmen und durch einige Solovorträge am Klavier das Programm vorteilhaft zu erweitern. Herr Chr. Gerh. Eckel ist Lehrer am Konservatorium zu Frankfurt a. M., wo er als Nachfolger des nach hier be­rufenen Universitäts-Musikdirektors Traut mann eine ge­achtete Stellung einnimmt.

Groh Eichen, 31. Januar. Gelegentlich einer hiesigen großen Hochzeit, die dieser Tage hier abgehalten wurde, kam einer, der kein hochzeitlich Kleid an hatte, auf den Ge­danken, sich auch etwas aus dem großen Hochzeitsvorrat zu Gemüte zu führen. Er benutzte die Gelegenheit und stibitzte ein Kistchen Zigarren aus dem Hochzeitshause, wovon er unterwegs eine Anzahl verlor. Auch von einem Hochzeits­braten riß er einen Fetzen ab und hieß ihn mitgehen. Da. bei schnitt er sich aber in die Hand, besaß indes die Keckheit, sich im Hochzeitshause verbinden zu lassen. Sicherlich ist dieses Unternehmen als ein sogenannter, toller Streich auf­zufassen; er soll aber doch zur Anzeige gekommen sein.

§§ Vom höheren Vogelsberg, 30. Januar. Seit gestern hat sich das Land schafts bild hier wieder geändert. Nach Regen und Schneegestöber ist wieder mehr trockene- Wetter mit Frost eingetreten und dabei leichter Schneefall. Für die Wintersaaten ist diese Winterung gut. Auch die Holzhauer können ihre Arbeiten bei trockener und mehr ge­linder Witterung besser und bequem verrichten.

-dt Neu Ulrichstein, 1. Februar. Monats-Bericht der Arbeiter - Kolonie pro Januar 1900. Ende Januar 1900 befinden sich in der Kolonie stellen-, resp. arbeitslos insgesamt 70 Mann. Dieselben verteilen sich auf das Großherzogtum Hessen 12, Regierungsbezirk Kassel 6, Regierungsbezirk Wiesbaden 10, Provinz Sachsen 3, Provinz Ostpreußen 2, Provinz Brandenburg 1, Provinz Schlesien 5, Provinz Hannover 2, Provinz Rheinlande 6, Königreich Bayern 8, Königreich Sachsen 4, Großherzogtum Baden 4, thüringische Staaten 2, freie Stadt Bremen 1; Ausland: Oesterreich 2, Schweiz 2. Hiervon waren: Ar­beiter 33, Anstreicher 2, Barbier 1, Brauer 1, Bureau- gehilfe 2, Bäcker 2, Former 1, Gärtner 2, Glaser 1, Hutmacher 1, Kaufleute 3, Küfer 2, Kürschner 1, Metzger 1, Molkereigehilfe 1, Schlosser 3, Schneider 4, Schriftsetzer 1, Schweizer 1, Schuhmacher 3, Tüncher 3, Weißgerber 1. Die Kolonie verpflegte an 2155 Tagen, arbeitete an 1797 Tagen. Die Kolonie zählte für Beurlaubte 1 Tag. Arretierung wegen Kontroll-Hinterziehung 2 Tage, Krank­heitstage 70, Sonntage 285. Jrn Monat Januar 1900 wurden entlassen 17 Mann. Seit Bestehen der Kolonie wurden aufgenommen 3693, entlassen 3623; bleibt Bestand am 31. Januar 1900: 70 Mann.

§ Bleichenbach, 31. Januar. An unserer Station wurden vergangenen Herbst einige bauliche Veränderungen vorgenommen. Der frühere Warteraum wurde als Dienst- Zimmer für den Stationsvorsteher eingerichtet, und an oem Haus ein neuer Warteraum erbaut. Auch das alte Güterschüppchen wurde durch einen geräumigen Schuppen ersetzt. Doch fehlt unserer Station bis jetzt immer noch die Hauptsache eine Güterverladestelle. Schon wurde man von privater Seite aus in dieser Angelegenheit bei zuständiger Behörde vorstellig, allein ohne Erfolg. Während in der Gemarkung Bleichenbach mehrere Kalk-, -sowie zwei Sandsteinbrüche schon eine lange Reihe von Jahren im Betrieb sind, so hat man vor drei Jahren bei Bergheim (dreiviertel Stunde von Bleichenbach entfernt) ein rentables Basaltsteinwerk erschlossen. Das Rohmaterial aus genannten Betrieben muß sämtlich auf Station Stock­heim verfrachtet werden. Die Errichtung einer Güter­verladestelle auf Station Bleichenbach würden die Unter­nehmer genannter Betriebe freudig begrüßen, da ihnen dadurch Mühe, Zeit und Kosten erspart blieben. Fast alle Frachtgüter der Dörfer des Bleichthales, wie Bergheim, Usenborn u. s. w. werden, soweit es thunlich erscheint, an hiesiger Haltestelle verladen. Hoffentlich bringt die preu­ßisch-hessische Eisenbahnverwaltung dies schon längst er­sehnte Projekt bald zur Ausführung, zumal dem Baue einer Güterverladestelle durch die Lage unserer Station gar keine Schwierigkeiten int Wege stehen.

x Darmstadt, 31. Januar. Heute vormittag stürzte der Weißbindergehilfe Körner, bei Herrn Hofweißbinder Weber dahierHeschäftigt, von einem Gerüst des Dischinger- schen Felsenkellers und wurde anscheinend tot vom Platze getragen; nach wiederholten Bemühungen wieder zum Be­wußtsein gekommen, wurde er in da- städt. Krankenhaus ver­bracht; eine Lebensgefahr ist nicht zu befürchten, obwohl eine allerdings schlimme Kopfwunde vorhanden ist. Der Sohn des Rittmeisters im 24. Dragoner-Regiment von Geldern-Crispendorf, ein sonst aufgeweckter Junge von 13 Jahren, welcher das hiesige Gymnasium besucht, ist seit heute vormittag spurlos verschwunden, und vermutet man, daß er sich ein Leid angethan; derselbe hatte gestern wegen einer Ungehörigkeit eine Stunde Arrest erhalten; der Vater drohte mit einer Nachfrage nach dem eigentlichen Grund, und als er dieses Vorhaben heute früh in der Schule auSsührte, Hörle er, daß fein Sohn heute noch nicht in der Schule war; alle Nachforschungen sind bisher ver­geblich geblieben, und ist Ausschreibung erfolgt. Die Eltern sind sehr beunruhigt. Das eine halbe Stunde von hier auf der Eberstädter Straße liegende gutbesuchte Hotel und beliebter AusflugsortWaldfriede", das Herr Zimmer­mann vor ungefähr zwei Jahren für 108000 Mk. gekauft

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