Freitag de« 2. Februar
1900
Crstes Blatt.
Amts- unb Anzeigeblatt ffie den rlreis Gieße«.
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Deutscher Reichstag
Gießen, am 30. Januar 1900.
Stellen.
v. Bechtold.
Hand, denn
Lord Roberts
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Vierteljahr!. 9)it. 2,26 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn;
durch die Abholestelle» vierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Psg.
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Alle Anzeigen-LermittlungSstellen deS In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.
ReWhien, Expedition und Druckerei:
Kchntstratze Ar. 7.
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südafrikanischen Freistaaten gesandt werden, sich als wirkungslos erweisen. .
Die englische Thronrede umgeht die Wahrheit, sie verschweigt geflissentlich, daß die britischen Machthaber den Krieg heraufbeschworen haben, und deshalb verliert sie an Bedeutung und ist den Angriffen aller Parteien mehr ausgesetzt, als wenn sie offen den wahren Sachverhalt zugegeben hätte. Mer das hat auch wohl kaum jemand erwartet !
Bet r.: Die Ausführung des Jnvaliden-Versicherungsgesetzes; hier: Die Dienstanweisung für die mit Einziehung
Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hieß«« Fernsprecher Nr. 51.
lands gewaltige Anstrengungen von einem Erfolge gekrönt sein werden. Man denkt anscheinend in den maßgebenden Londoner Kreisen noch immer recht optimistisch über die gegenwärtige Situation und hält sie lediglich für einen vorübergehenden Mißerfolg der britischen Truppen, der wieder ausgeglichen werden kann. Ob diese Hoffnungen sich nicht als trügerisch erweisen werden? Wir wollen ja gerne glauben, daß die Opferwilligkeit des englischen Parlaments ohne Grenzen ist, daß es vor keiner Ausgabe zu- cückfchrecken wird, um das britische Ansehen wieder zu rehabilitieren, aber Geld allein kann in diesem Falle nicht helfen. Gold vermag wohl den Ausschlag zu geben, wenn es sich darum handelt, in Persien oder China die Oberhand an Einfluß zu gewinnen gegenüber einer anderen Macht, aber gegenüber der glühenden Freiheitsliebe der |i Buren wirkt das englische Gold nicht mehr als Spreu. Und I deshalb werde» alle Söldnerscharen, die gegen die beiden
Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den atgendea Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spatesten« abends vorher.
r Adami. ° Krumm. Wallenfels, »old II. Walter, rchnlhof. Noll IL ' Wallach. Naffamr.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen | nicht von an die mit Einziehung der Juvalideu-Verftche- rnugSbeiträge betrauten Stellen in den Landgemeinden des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 13. Januar d. Js. (Kreisblatt Nr. 12) noch nicht ent- sh rochen haben, werden an deren Erledigung erinnert.
* Die englische Thronrede.
Gsießen, den 1. Februar 1900.
ES war vorauszusehen, daß der Inhalt der Thronrede, mit welcher am Dienstag das englische Parlament eröffnet wurde, fast ganz den Ereignissen tn Südafrika gewidmet sein würde. Die Stellen in denen von den freund- schaftlichen Beziehungen zu allen Großmächten die Rede ist, sind hergebracht, und im gegenwärtigen Augenblick von -keinem zu großen Werte, da England sich nicht rühmen kann, heute die Sympathie irgend eines Volkes oder Staates zu besitzen.
Was nun denjenigen Teil der Thronrede betrifft, welcher sich mit der Kriegsfrage beschäftigt, so sucht die englische Regierung auch bei dieser Gelegenheit wieder als Thalfache hinzustellen, daß ihr der Krieg von den Buren .mfgedrungen worden sei. Sie spricht von einer „Invasion" der südafrikanischen Kolonieen durch die Burenstaaten. Freilich ist es richtig, daß die Buren in die ersteren eingerückt sind, aber das geschah erst, als alle Nachgiebigkeit, alles Entgegenkommen Transvaals sich als nutzlos erwiesen hatte, und die Offensive, welche die Buren ergriffen, kann allgemein nur als ein Akt der Selbsterhaltung angesehen werden. Hätten sie noch weiter damit gezögert, so hätte England Gelegenheit gehabt, seine Rüstungen zu vollenden, und dem Feinde zuvorzukommen. Jeder Unbefangene weiß, daß, wenn auch Transvaal den Kriegsreigen eröffnete, die Schuld an dem Ausbruch der Feindseligkeiten auf Seiten Englands zu suchen ist, das die seinem Landsmann Jameson vor einigen Jahren bei Krügersdorp beigebrachte Niederlage nicht vergessen, und das Verlangen nach den Gold- und Diamantfeldern Transvaals nicht zu zügeln vermochte.
Von einer baldigen Beendigung des Krieges spricht deshalb die Thronrede auch nicht: Der Kampf um die Suprematie Englands in Südafrika soll zu einem siegreichen Ende geführt werden. Von vornherein dürfte also jede Einmischung irgend einer Macht zugunsten der Friedensvermittelung als vergeblich anzusehen sein, ehe nicht Eng-
* Bom Kriegsschauplatz
In England kann man sich unbedenklich schlafen legen, des Reiches Interessen liegen in sicherer und bewährter
des Abg. Müller-Sagan.(fr}. 53p.)
Direktor Sydow, es werde demnächst eine Bekannt- 1 machung dahin erscheinen, daß fortan Mehranschlüsse an eine und dieselbe Leitung zu billigeren Preisen gestattet sein sollen, sowie, daß die Herstellung dieser Mehranschlüsse auch der Privatindustrie übertragen werden dürfe.
Auf eine Anfrage des Abg. Stöcker (b. k. F.) erklärt
Staatssekretär v. Podbielski, es sei ein Irrtum, daß früher die mittlere Laufbahn höher hinausgereicht hätte, als jetzt. Vorredner irre auch darin, wenn er meine, daß die Ausführung der Anordnungen des Generalpostamts in den Nachgeordneten Stellen auf bureaukratlschen Widerstand stoße, sodaß es zur Kontrolle einer Revision durch Generalinspektoren benötige.
Beim Gehaltstitel: „Oberpostassistenten, Assistenten u s w beantragt die Kommission eine Resolution, den Reichskanzler zii ersuchen, durch einen Nachtragsetat die Gehaltsstufen für Bureau-Assistenten, Oberpost- und Post- Assistenten anderweit, und zwar von der zweiten bis zur vorletzten Stufe um je 100 Mark höher zu normieren.
Abg B i e l h a b e n (Antis.) beantragt, den Titel nebst Resolution an die Kommission zurückzuverweisen.
Staatssekretär v. Podbielski bemerkt, der Vorredner täusche sich, wenn er sage, etatsmäßige Stellen wären offen gelassen, .um die Gelder für Diätare zu verwenden, um, und zwar unter Lohndrückerei, um so mehr Diätare zu halten. Das hätte der Rechnungshof gar nicht zuaelassen, denn die Diätare ständen in einem anderen Titel, und an dem, wo der Reichstag mitbeschlossen, dürfe die Verwaltung nichts ändern.
Abg. Dasbach (Zentr.) empfiehlt die Annahme des Antrages Vielhaben. Aber die Kommission müsse ihre Beratung erst wieder aufnehmen, wenn ihr die Regierung eine ganz ausführliche Denkschrift vorgelegt habe. Erhalte dann die Kommission die Ueberzeugung, daß die Beamten ein Recht auf die eingeklagten Beträge haben, dann brauche Man nicht erst auf die eudgiltige richterliche Entscheidung womöglich noch Jahre lang zu warten.
Staatssekretär v. Podbielski meint, die Post- । Verwaltung könne doch die Beträge keinesfalls auszahlen, wenn nicht auch der Bundesrat zustimme. Da solle man doch die gerichtliche Entscheidung abwarten.
Auf eine Bemerkung des Abg. Vielhaben (Antis.) entgegnet
Staatssekretär von Podbielski, entschieden verwahren müsse er sich dagegen, als ob seine Verwaltung an ihren Beamten spare für irgend welche andere Interessen. Seine Verwaltung verwende auch niemals Etatsmittel in einer nicht etatsmäßigen Weise.
Abg. Schmidt-Warburg (Zentr.) plaidiert für Zu rückverweisung, desgleichen
Mg. Singer (Soz.), welcher noch betont, es sei doch sehr bedauerlich, daß die verbündeten Regierungen sich in einer Frage, über die der Reichstag längst entschieden habe, sich noch immer auf juristische Tifteleien zurückziehe. Wenn der; Reichstag erklären würde: Wir bewilligen die Flotte nicht eher, ehe nicht diese Frage in unserem Sinne erledigt ist, dann würde die Frage sicher sofort gelöst sein.
Abg. Müller-Sagan (frs. Bp.) bemängelt die unterscheidlichen Urlaubserteilungen: in demselben Direktions-
hat dem Kriegsamt abermals — vorgestern abend — ein Telegramm gesandt, welches besagt: Die Lage ist unverändert. „Lieb Vaterland magst ruhig sein . . . —M Mittlerweile machen die Buren Versuche, Buller zu umgehen und einzuschließen, was für ihn, da er nicht auf lange hinaus mit Proviant versehen ist, ein höchst gefährliches Ding wäre. DundonaldS verschollene Reiterbrigade soll, wie das „Reuter'sche Bureau" erfährt, am Samstag sich am Südufer des Tugcla eingefunden haben. Amtliche Bestätigung bleibt abzuwarten. Ueber die Verfassung, in welcher die Truppe sich befindet, sagt „Reuter" nichts. Unverständlich ist die weitere Meldung des Bureaus,
Lyttletous Brigade
habe noch ihre ursprüngliche Stellung inne. Ja, wo denn? Einmal berichtete das Kriegsamt, die Brigade habe am 24. nördlich der Potgieters Drift gestanden, dann behauptete „Reuter", es sei nicht wahr, diese Truppe sei es vielmehr gewesen, welche am 23. den Spionkop gestürmt habe. Dieser aber ist doch vollständig von den Engländern geräumt! Oder sollte „Reuter" verblümt andeuten wollen, daß die Brigade Lyttleton am Spionkop von den Buren cerniert, resp. gefangen ist? Oder aber — und das ist wohl das richtigere — hat das Kriegsamt recht gehabt, und hat Lyttleton doch bei Potgieters Drift mit den Buren in heißem Kampfe gestanden? Das bereits mitgeteilte Telegramm, nach welchem die weiteren englischen Verluste bei der Operation am Tugela vom 20. bis 26. Januar 23 Tote und 278 Verwundete betragen, in welchen Ziffern die Verluste am Spionkop nicht eingerechnet seien, scheint darauf hinzudeuten.
Eine höchst ungünstige Wendung fangen die Dinge
bei Colesberg
im Norden der Kapkolonie für die Engländer anzunehmen.
Es wird berichtet:
Prätoria, 30. Januar. („Reuter« Bureau".) Aus ColeS- berg wird vom 27. dsS. MtS. gemeldet: Kommandant Delarey berichtet, daß er am Donnerstag eine starke englische Abteilung, die oorrückte, angegriffen und mit schweren Verlusten zurück- gelsch lagen habe. Auf Setten der Buren seien zwei Mann leicht verwundet worden. General Grobler berichtet, daß seit Tagesanbruch ein heftiges Gefecht im Gange sei. Die Engländer versuchten mit einer starken Streitmacht die Stellungen der Buren zu umfassen. Schömann, der auf der Hut war, kam Grobler zu Hilfe. Er kehrte um 8 Uhr abends zurück, und meldete, daß die Engländer geschlagen seien, und die Buren ihre Stellungen behauptet hätten. Der Verlust der Buren beziffert sich auf fünf Verwundete. Der ; Verlust der Engländer ist nicht bekannt, aber er muß be- ' deutend sein. Auch ein anderer Versuch der Engländer, die ' Stellungen der Buren zu umfassen, wurde vereitelt.
Noch vor wenigen Tagen hieß es, die Buren seren ver Colesberg enger und enger umfaßt, und machten vergebliche Anstrengungen, sich aus der Umarmung General French s zu befreien. Das waren Phantasien englischer Bericht-
Amtlicher Teil.
Bekanntmachnna.
betreffend: Maul- und Klauenseuche.
In Bettenhausen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen, und Aufhebung der Sperrmaßregeln verfügt
Gießener Anzeiger
General -"Anzeiger
Hrschetnl täglich mit Ausnahme des
Montag-.
Die Gießener AamikienStättcr »erden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess, gandwirt" h. „Blätter Kr heff. Volkskunde' »bchtl. 4 mal beigelegt.
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139. Sitzung vom 31. Januar. 1 Uhr.
Tages-Ordnung: Fortsetzung der Beratung des Postetats. Titel Unterstaatssekretär.
mCl; ^i.n|tuuu,vMH„a ---------------- . Mg. Stöcker (b. k. F.) stellt fest daß ein subalterner
der Invaliden-Versicherungsbeiträge beauftragten I Scherz, der bei einem Fest anläßlich der Einweihung des
* neuen Postgebäudes in Straßburg über Baiern gefallen sei, weil Baiern sich einer Einheitspostmarke widersetze, vv,i einem Postbeamten gemacht, sondern aus dem Munde eines für die Feier engagierten Komikers gekommen sei. Den Staatssekretär bitte er, auf eine bessere Orthographie hinzuwirken, sowie auf Verringerung des Postwagenfahrens an Sonntagen.
Staatssekretär v. Podbielski entgegnet, die Postverwaltung sei bezüglich der Sonntagsheiligung schon sehr weit vorgeschritten. Aber alles habe sich doch im Interesse des Verkehrs noch nicht erreichen lassen. Was die bessere Orthographie anlange, so seien die Ressorts bereits durch den Reichskanzler angewiesen worden, ihre Sprache derjenigen des Bürger!. Gesetzbuches anzunähern.
Bei einem weiteren Titel erklärt auf eine Anregung
'vordem
Gießen, den 1. Februar 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kmdwirt, Klätter für hessische Volkskunde. ________________
bezirk der eine Beamte drei, der andere zwei Wochen. Der- Staatssekretär habe gestern von den Zeitungsschreibern abfällig gesprochen. Nun, diese seien doch wohl klüger, als der Staatssekretär glaube.
Staatssekretär von Podbielski antwortet darauf, daß die Bestimmungen über den Urlaub lauten : für die etatsmäßigen Beamten 14 Tage, für die nicht etatsmäßigen: 10 Tage. Wenn die Presse Mißstände bespreche, so sei ihm das nur angenehm. Aber wenn der Postverwaltung vorgeworfen werde, sie habe es zum „System", jetzt schlechter zu bestellen, so könne man das doch nicht für richtig zu- aeben.
Der Titel wird bewilligt; die Zurückverweisung ist demnach abgelehnt. — Ueber die Resolution der Kommission soll erst in dritter Lesung abgestimmt werden. — Bei einem weiteren Titel empfiehlt
Abg. Dasbach (Zentr.) den Bau von Dienstwohnungen für Unierbeamte angesichts der Wohnungsnot in Berlin. , . r
Staatssekretär v. Podbielski spricht sich dagegen aus, weil dies in großen Städten zu sehr auf Kasernierung hinauslaufen würde. f
Abg. Singer (Soz.) wünscht Erhöhung des, Wohnungsgeldzuschusses für Unterbeamte und bekämpft das System der Stellenzulagen. Weiter empfiehlt Redner auch der Post- und anderen Zivilverwaltungen, ebenso tote dies die Heeresverwaltung thue, Umzugskosten zu gewähren.
Es erfolgt Vertagung. — Nächste Sitzung morgen 12 Uhr. ^ages-Ordnung: Extraordinarium, dann Etat ; der Reick)sdruckerei. Schluß 5 Uhr 45 Min.
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