Ausgabe 
1.12.1900 Zweites Blatt
 
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^seinerzeit schon dem gestern vernommenen whY1. ftelfer SbiHiia »itterafinifa hioh» ..... V .Wv

Die

Angeklagten v. Kayser und v. Schachtmeyer eine fängnisstrafe von je vier Monaten, die durch die erlitt

in einem freundschaftlichen und versöhnlichen Sinne. Ich betrachte es als einen Grund zur Dankbar­keit, daß ein solch guter Geist besteht und die Hoffnung auf eine rasche und glückliche Lösung der großen in Betracht kommenden Fragen giebt. Nach einigen weiteren Bemerkungen über Angriffe der deutschen Presse auf Amerika, die nach Ansicht des Botschafters von der Mehrzahl der Deutschen nicht geteilt werden, schloß er wie folgt: Obgleich Groß-Britannien allgemein als das Mutterland der Vereinigten Staaten bekannt ist und verehrt wird, ist doch Deutschland vom intellektuellen Standpunkte aus betrachtet mehr und mehr eine zweite Mutter der Vereinig­ten Staaten geworden. Deutschlands Einfluß kann auf allen Universitäten und technischen Hochschulen Amerikas beobachtet werden. Mehr als irgend ein anderes Land hat Deutschland an unserer Entwickelung mitgeholfen und sie zu dem gemacht, was sie sind: eine gewaltige Macht in der Entwickelung der ameri­kanischen Zivilisation. Ich fordere Sie daher auf, in Anerkennung dessen, was wir den beiden Nationen schuldig sind, zu trinken auf das Wohl des Präsidenten der Vereinigten Staaten und Sr. M. des Deutschen Kaisers.

Nachdem die Klänge des amerikanischen Nation al-Ge- sanges und der Wacht am Rhein verklungen waren, stellte der Botschafter den derzeitigen Rektor der Berliner Uni­versität, Prof. Harnack, vor, dessen Idee, wie White erklärte, einen tiefen Einfluß auf die amerikanischen reli­giösen Gedankenrichtungen ausübe.

In der W a h l p fu n g s ko m m i s s i o n des Reichstages sind heute die Wahlen der Abgg. Hennings (Ions.) und Schulze-Steinen (nl.) für giltig er­klärt worden.

nach Amerika zu übernehmen. Sie habe dabei voraus­gesetzt, daß Herr Sternberg sich nach) Beendigung der Reise sehr nobel gegen sie zeigen werde. Margarethe Fischer habe gesagt, sie könne und wolle Herrn Stern­berg entlasten, sie verlange aber dafür 20 000 Mark. That- ächlich sei mit der Woyda nichts passiert.

Kurt Fischer ist oft in der Wohnung seiner Schwester Margarethe gewesen, er hat wohl hin und wieder bemerkt, daß Herren dort verkehrten. Außer der Frieda hat er aber nie andere Mädchen dort gesehen. Er habe es schon für anstößig gehalten, daß ein junges Mädchen Herren massierte und habe der Schwester Vor­haltungen gemacht. Hätte er aber die Wahrheit gewußt, würde er schon Mittel gefunden haben, um dies zu inhibieren. Nach den Bekundungen des Zeugen hat er das, was in der Wohnung seiner Schwester Gräßliches massiert sein soll, erst durch Herrn Stierstädter erfahren, der ihn besuchte und ihm von den Dingen Mitteilung .machte. Er sei sehr erschrocken darüber gewesen und habe erklärt, daß er selbst nie etwas in der Wohnung der Schwester bemerkt habe, und ihr solche Tinge nicht zutraue. Herr Stierstädter habe darauf erklärt, Ihrer Schwester wollen wir gar nicht so viel anhaben, für uns handelt es sich nur um dengetauften Juden". Zeuge Stier st ädter bestreitet entschieden, diesen Aus- drilck gebraucht zu haben. Der Zeuge bleibt mit dergleichen Entschiedenheit aber dabei und beruft sich darauf, daß

Der .Harmlose» Prozeß.

Berlin, 29. November.

Ausland.

Brüssel, 29. November. Das offizielle Journal bestätigt die Meldung über das Bestehen eines Anarchisten­komplottes in Bouillon, wo drei weitere Verhaftungen stattgefunden haben. Ebenso sind Verhaftungen von Schülern der Militärschule in Lüttich vorgenommen worden.

Petersburg, 29. November. Abgesichts der Erkrankung des Zaren beschäftigt man sich allgemein mit der Frage, wann sich der jüngere Bruder des Zaren, der Großfürst- Thronfolger Michael, verheiraten werde, um so die Mög- kichkeit der Geburt eines männlichen Thronerben in gerader Abstammlung von Alexander III. zu verstärken. Als die­jenige Prinzessin, welche am meisten Aussicht habe, von dem Großfürsten Michael auserkoren zu werden, wird die Prinzessin Cecilia von Mecklenburg-Schwerin be­zeichnet, deren ältere Schwester vor zwei Jahren den prä­sumtiven Thronfolger von Dänemark geheiratet hat.

Livadia, 29. November. Der Kaiser verbrachte den gestrigen Tag gut und schlief während des Tages eine Stunde. Abends 9 Uhr war die Temperatur 36,4, der Puls 68. Nachts schlief der Kaiser sehr gut und fühlte sich munterer. Die Kräfte nehmen zu. Morgens 9 Uhr war die Temperatur 36,2, der Puls 60.

Kapstadt, 29. November. Durch einen erfolgreichen Eilmarsch gelang es dem englischen General Knox, De Wet in der Front zu fassen und sich zwischen ihn und den Oranjefluß zu schieben. De Wet steht an der Spitze von 3000 Buren und wird noch durch Rebellen der Kap- kolonie unterstützt. Roberts telegraphiert: Oberst Barker sand auf dem Marsche nach Dewetsdorp die Buren in starker Stellung. Er griff nicht nachdrücklich an und verlor drei Mann. Oberst Plumer griff 500 Buren nord­östlich von Dewagendcift an und umging ihre rechte Flanke. Die Buren zogen sich zurück und ließen 3 Tote auf dem Platze. Eine andere englische Abteilung marschierte am 23. November auf Bethlehem und fand die Buren in starker Stellung von Tigerkloof. Nach scharfem Gefecht wurde die feindliche Hauptabteilung von den Scots Guards genommen. Die Engländer hatten zwei Tote, darunter einen Leutnant, und drei Verwundete, darunter einen Major. Eine weitere Depesche Roberts vom 28. November meldet: Dewets­dorp wurde am 21. von den Buren angegriffen und am 24. übergeben, am 26. wurde es durch General Knox wieder besetzt. Knox verfolgt jetzt die Buren. Einzelheiten find noch nicht bekannt.

Hierauf wird in die Fortsetzung der Beweis­aufnahme eingetreten. Zeugin Frau Suchurd ist seinerzeit mit der Margarethe Fischer bekannt gewesen und eines Tages von dem mehrfach erwähnten Ebstein und Herrn Luppa aufgefordert worden, nach Amerika zu reisen, um die Margarethe Fischer aufzusuchen und von ihr eine eidesstattliche Versicherung zu erlangen.

Margarethe Fischer habe ihr, als sie noch hier war, niemals gesagt, was in ihrer Wohnung passierte. Sie habe in mehreren Briefen aus Amerika den Wunsch nach. Geld ausgedrückt und dann die Bitte vorgetragen, daß doch Herr Sternberg das Geld hergeben möchte, um ihren Hund nach Amerika zu schaffen. Herr Sternberg habe ich ablehnend gegen jede Unterstützung verhalten. Sie habe brieflich wieder und wieder gebeten, und schließlich habe Sternberg das Geld zur Beförderung des Hundes hergegeben. Sie selbst habe sich bereit erklärt, die Mission

dächtigungen voraufgegangen, von denen der erste im August an den Staatsanwaltschaftsrat Dr. Romen ge­richtete leise Andeutungen darüber enthält, daß man be­strebt sei, ihm die Sache aus den Händen zu nehmen. Der zweite vom 30. Oktober war an Herrn v. Tresckow gerichtet und enthält die gleichen Behauptungen und zwar mit Nennung der Damen, die sich Einwirkungen zu Gunsten Sternbergs erlaub! haben sollen. Wie immer an solchen elenden Verdächtigungen ein Körnchen ist, um das sich das andere krystallisiert, so ist es auch hier. Es würde banal sein, wollte ich nun noch näher darauf eingehen, daß ich es gewagt haben sollte, meine Ansichten .über den Prozeß dem Reichsgericht aufzudrängen. Ich würde mit einem solchen Beginnen sofort die schroffste Zurück­weisung erfahren. Unumstößliche Thatsache ist es, daß ich seit etwa 16 Jahren nicht in Leipzig war. Ich kenne keinen einzigen der Richter des betr. Reichsgerichts-Senats, ich habe weder schriftlich noch mündlich ein Wort mit ihnen gewechselt. Die Gründe, weshalb das erste Urteil aufgehoben wurde, liegen klar zu Tage, sie beruhen auf formalen Verstößen, die das Reichsgericht für ausreichend erachtet hat, um das erste Urteil aufzuheben. Ob ich das gewünscht oder nicht gewünscht hätte, wäre dem Reichs­gericht und dem hiesigen Landgericht furchtbar gleichgiltig gewesen. Es handelt sich also bei der Andeutung in dem Artikel um eine niederträchtige Verleumdung, die vollständig grundlos ist. Ich habe bisher den Stolz gehabt, in meiner langjährigen Wirksamkeit noch nicht in die Lage gekommen zu sein, für mich einen Straf­antrag zu stellen. Da es sich hier aber darum handelt, daß meine Ehre und mein guter Name geschändet werden soll, so habe ich und mein höchster Vorgesetzter gegen die Urheber und Verbreiter der niederträchtigen Verleum- d-'ngen, soweit deren Ermittelung gelingt, den Strafantrag I

üellt. Das Verfahren ist bereits anhängig.

Rechtsanwalt Fuchs I. beantragt, den Oberstaats­anwalt Wächter, sowie sämtliche sieben Mitglieder des Strafsenats des Reichsgerichts als Zeugen darüber zu laden, ob sie durch Anerbieten von Geld oder sonstigen Versprechungen angegangen worden sind, auf den Prozeß Sternberg einzuwirken. Oberstaatsanwalt Dr. I s e n b i e l erklärt diese Beweiserhebung für völlig unerheblich. Oberstaatsanwalt Wachler stehe der ganzen Sternberg- Sache völlig fern.

Rechtsanwalt Dr. Wert hau er erbittet sich hierauf das Wort zu folgender Erklärung: Soweit der Artikel derStaatsbürgerzeitung" mich inkriminiert, ist er voll­ständig unrichtig. Was die Beziehungen des Fräu­lein Platho, des Herrn Luppa, des Herrn X untereinander I betrifft, so gehen sie mich nichts an und sind mir nicht I bekannt. Jch_ halte deutsche Richter und Beamte für zu I hoch, als daß der Gedanke, sie zu beeinflussen, je anders I als absurd aufgefaßt werden kann.

Staatsanwalt Braut: Durch Beschluß des Gerichts I ist dem Rechtsanwalt Dr. H a l p e r t gestattet worden, den Verhandlungen beizuwohnen, Don welcher Erlaubnis er, I soviel ich gesehen, nur selten Gebrauch gemacht hat. Er I hat diese Erlaubnis mißbraucht, um eine Broschüre zu I verfassen, in der er in unerhörter Weise sowohl die I mitwirkenden Personen, als auch die Zeugen kritisiert, | um zu Gunsten Sternbergs zu wirken. Ein näheres Ein- I gehen auf dieses Schreibwerk kann ich mir wohl ver- I sagen. Ich überlasse es Herrn Dr. Halpert, sich damit I abzufinden, daß er sich sein schwarzes Ehrenkleid dadurch | schmutzig g ein acht hat, daß er während eines schwebenden I Prozesses eine solche Broschüre erscheinen läßt, aber es I ist für mich nicht gleichgiltig, zu erfahren, ob diese Bro- I schüre mit Vorwissen des Angeklagten Sternberg oder I seiner Verteidiger erschienen ist.

Rechtsanwälte Fuchs I. und Dr. Werthauer er- I klären, daß sie der Broschüre ganz fern stehen und von ihr vor dem Erscheinen ihnen nichts bekannt war. Die I gleiche Erklärung geben die Rechtsanwälte Heine-I mann und Dr. Mendel ab. Der Vorsitzende er I klärt, daß er die Broschüre nicht kenne.

Prozeß Sternberg.

Berlin, 29. November.

Eröffnung der Sitzung giebt der Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel eine Erklärung ab, mit Bezug auf den auch in derFranks. Ztg." erwähnten Artikel de?r J-a atsbürgerzeitun g", in dem erzählt wird, daß Rechtsanwalt Werthauer einer nicht genannten einfluß­reichen Persönlichkeit nahegelegt habe, sich bei den Ober- staatsanwälten Wachler und Jsenbiel zu bemühen, daß die Revision in dem letzten Prozeß Sternberg Erfolg habe und Staatsanwalt Romen versetzt werde. Weiter wird angedeutet, daß ein Sternberg befreundetes Frl. P. durch eine mit der Familie des Oberstaatsanwalts Jsenbiel näher bekannte Frau v. Giallerlei erreicht und ihre Beein-- l l u s s u n g s v e r s u ch e bis auf das Reichsgericht ausgedehnt habe. Hierzu bemerkt Oberstaatsanwalt $^^fenbieI\9lul-^len Wickel, der die gröbsten Ver­dächtigungen der höchsten Richter, Beamten, der Staats­anwaltschaft und speziell meiner Person enthält und dessen Verfasser sich ui der bekannten Weise, wie man sich gegen Beleidigungen zu schützen pflegt, zu decken sucht habe ich eine kurze Erklärung abzugeben. Obschon nach der Mein­ung jedes Einsichtigen diese Verdächtigungen den Stempel der Lüge an der Stirn tragen und sie nur Don einem wahnsinnigen Hirn entsprungen sein tonnen, halte ich es im Interesse der Beamten und Richter für geboten Dor dem Gerichtshöfe, Dor allen Anwesenden und Dor jedem anständigen Menschen der Welt zu erklären, daß die Be­hauptungen, soweit sie mich und den Staatsanwaltschafts­rat Dr. Romen betreffen, infame und nichts wür­dige Lügen sind. Dem Artikel derStaatsbürger- Zeitung" sind zwei anonyme Briese mit gleichen Per

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Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück uni der Vorsitzende publiziert: Die Ansicht des Gericht Hofes, daß der Zweck des Wegganges des Luppa gewescr ist, sich durch die Flucht der weiteren Teilnahme an in Verhandlung zu entziehen, ist in keiner Weise erfdnittui worden, und deshalb lehnt der Gerichtshof dn Antrag des Verteidigers ab. Hierauf wird tu Frage erörtert, ob der dritte Herr, mit dem Herr LuM seinerzeit« bei der Hausmann erschienen war, der Kom­missar Thiel gewesen ist. Zu diesem Punkt wird Her: Thiel aus dem Untersuchungsgefängnis vorgefühtt w» der Callies gegenübergestellt. Diese erklärt, bnß natb ihrer Meinung Herr Thiel der betr. Mann nicht fei. tfr sehe ihm ähnlich, aber er sei doch nicht so dick unb etwas großer als Thiel. Auch Frau Hausmann edlckti, bat Herr Thiel ihr bekannt Dorfomme, daß er auch dem Mann- ähnlich sehe, den sie durch ein Loch in der Thüre hi Gespräch mit der Callis in ihrem Zimmer gesehen habe, daß sie aber nicht bestimmt sagen könne, ob es derselbr Mann sei. Frau Hausmann wurde in allen Punkten Von Frl. Brauer unterstützt.

Hierauf werden Don Rechtsanwalt Dr. Mendel eint ganze Reihe von Fragen an die Zeugin Hausmann gerichtet. Dr. Mendel will beweisen, daß Herr Stierftäbtei zu der Zeit, als er mit der Hausmann unzüchtigen Per- kehr gepflogen, amtlich ihr einen Besuch abgestattet habt Fran Hausmann verweigert über diesen Punkt die Aus sage, ebenso die Antwort auf die Frage, ob sie sich mit Herrn Stierstädter geduzt hat. Frau Hausmann und Fräu­lein Brauer werden vereidigt. Die Callis wird in eint sofort zu vollstreckende Haftstrafe von drei Tagen genom­men, weil sie der Hausmann zugerufen, daß sie einen Meineid geleistet habe.

Nachdem Staatsanwalt Braut den anwesenden tretet derStaatsbürgerzeitung" ersucht hat, sich nach dem Namen des in dem Artikel bezeichneten Herrn zu er­kundigen und ihn morgen zu nennen, wird die Sitzung aus Freitag vertagt.

steller Julins Rittershaus diese Aeußerung des Sh" städter mitgeteilt habe. Zeuge R i 11 e r s h a u s bestä dres. Zeuge Stier städter bleibt dabei, daß er m V non brmgetauften Inden" gesprochen haben könne bet er habe vielleicht einen 'Ausdruck wieKerl" oder b? gleichen gebraucht. Der Zeuge erklärt sich entschi^ gegen diese Darstellung und behauptet noch, daß Stierstädter ihm gesagt habe, er sei ganz auf ciaS Faust gegen Herrn Sternberg Dorgegangen, feine (tDr gesetzten hätten nichts daDon -gewußt. Auch diese % Häuptling bestreitet Herr Stierstädter ganz entschied

Nach kurzer Pause Derkündet der Vorsitzende, daß Gerichtshof den Antrag der Verteidigung, den Lberstaau anwalt Wachler und die sieben Reichsgerichtsräte t laben, abgelehnt habe, da diese Vernehmung mit ol hier zu entscheidenden Schuldfrage in keiner Beziehuis stehe. Der Gerichtshof hat inzwischen Don der Brosckch Kenntnis genommen. Er entzieht deshalb dem Rechts anwalt Dr. jur. Halpert die Erlaubnis, dieft» Verhandlungen beizuwohnen.

R.-A. Fuchs teilt mit: An den Verteidiger te Angekl. Luppa, Hrn. Dr. Heinemann, ist ein Briest letzteren eingegangen, der aus London datiert ist. L< schreibt darin, er sei weggegangen, weil er geistig unb körperlich Dollständig erschöpft war. In einem Mfr» Zustande sei er zur Bahn gegangen, ohne zu M warum und ohne zu wissen, wohin er wolle. lfi nach London gekommen und habe sich dort sofort ir ärztliche Behandlung begeben müssen. Der Arzt habest, jedwede Aufregung dringend oerboten und zum dessen lege er das Attest des Oberarztes des deutsch Hospitals Dr. zum Busch bei. Rechtsanwalt Fuchs b< antragt im Anschluß hieran, das Verfahren gegen Lupva auszusetzen. Staatsanwalt Braut widerspricht diesem 'in trage. Es sei gar kein Zweifel, daß Luppa sich vorsätzlut entfernt habe.

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Heute wurde noch eine Reihe Don Zeugen vernommen, I die jedoch nichts wesentliches aussagen können. Hieran nimmt Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel das Wort;: seinem Plaidoyer, in dem er sich zuerst dem Angeklagten v. Kayser zuwendet. Er rechnet demselben nach, daß es ihm unmöglich gewesen sei, einen solchen Lebenswandel zu führen, wie es geschehen, wenn er nicht seinen Erwerb aus dem Spiel bezogen haben würde. Wenn der An­geklagte v. Kayser behaupte, daß es ihm nur baruni zu- thun gewesen sei, den abwechselnden Kampf mit der Glücks­göttin aufzunehmen, so wolle er ihm erwidern:Nein, Herr v. Kayser, es giebt einen Kamps um d«'" Mammon, wie ihn jeder ehrliche Gewerbe­treibende in ehrlicher Arbeit tagtägl'® führt, aber es giebt auch einen unehrliche" Kampf um den Mammon, das ist der Kampf- den der Hehler, de,r Wucherer, die feileDirve und der gewerbsmäßigeSpieler führt. & Oberstaatsanwalt kommt zu dem Schlüsse, daß v. sich des gewerbsmäßigen Spiels schuldig^' macht habe. Er wendet sich dann dem Angeklagten v. Schachtmeyer zu. Auch gegen ihn spreche die Tlial- fache, daß er weit über seine Verhältnisse gelebt W* Der Angeklagte fei eigentlich recht undankbar, daß er rita» anerkennen wolle, daß er zwei Jahre lang durch das Spr» ein recht angenehmes Leben geführt habe. Sein Bildungs- grad und seine Stellung berechtigen ihn doch keinesweg- dazu; er würde, wenn er bei der Arbeit geblieben wäre, vielleicht Subaltern-, Versicherungs- ober Bankbeamte mit höchstens 3600 Mark Einkommen geworden stitz- u Zweifel, daß auch v. Schachtmeyer des gewerbsmäßrge^ Glücksspiels schuldig sei, könne nicht aufkommen. Sobanr geht der Oberstaatsanwalt zur Kennzeichnung des Ang 1 klagten Wolff über. Dieser sei ein getverb»' mäßiger Sp i eler gewesen, sei es nochun werde esanch bleiben sein ganzesLebenlang Bei der Strafabmessung sei zu berücksichtigen, daß o beiden ersten Angeklagten von jetzt an den Kamp' dem Dasein aufzunehmen hätten. Er beantrage gegen o < Angeklagten v. Kayser und v. Schachtmeyer eine

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