Ausgabe 
1.12.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

e

Gardinen, en.

iche.

irsweg

ani'ant Roya]

836t

leicht verdaulicher Cacao, e Tafelchocolade feit liebsten Choeolade-

id Neujahr.

1369] bckSn möbliertes, erften Clock zu tiennitia ____UM iinfadi möbl. Aoo ' evtl. $enfion /dfenttofti i

Jin ?ltMir-'M Kost uni iss ' halten K erfr. Sonnen^

o fit 5-6 Pfnde mit te Hirn fttoften Boden, ptt v netm Vaud) als Loger N-

Küche und Killer per Näheres MS««cksich»,

ZftrdestaltLL

Sa» - * ®*i!'

S*rSet

iijlijrr NM

zavttliiW

*S.Ä

1698] öa" 61' giortonk gttdM-^"77

17^1

--TsA^AS-ch^6

76<6L®und)teii f

NW Js> *7 i-Slr?

Ml""

M 282 Zweites Klatt. Samstag den 1. Dezember 150. Jahrgang 19<M>

Gießener Anzeiger

Heneral-AnZeiger

Arzugspre!» vieruljähri. Mk. 2,20 monatlid) 76 'L>sg. mit Bringerlvdn; durch die Abholcstrlle» viertNjährl. MI. 1,9» monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 viertetjährt. mit Bestellgeld.

Alle Anzeigen-DermittlungSstellen M In« und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

lnOnt »vn Anzeigen zu der nachmittags für den setzend« Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

Weint ttsNch »it Ausnahme de»

Montag».

Sie Gießener ^leirtenlUftet Boten dem Anzeiger wechsel mitHeff. tahmirt- u. ^Blätter fd heff. Volkskunde- döchlll. 4 mal beigelegt.

Amts- rmd Anzeigeblcrtt fiiv den Ttveis Gretzen.

Utiihii», Lkpeditton und Druckerei:

-chnlstraße Ar. 7.

Adresse für Depefchm: Anzeiger Hisst«.

Fernsprecher Nr. 51.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblütter, Zer hessische Zandwirt, Klätter für hessische Volkskunde.

Der Krieg in China.

A» Peking ist man sehr beunruhigt darüber, daß fröliminar-Friedensartikel, welche Oie Gesandten 31 Peking abgefaßt haben, den chinesischen Korn- »issären noch nicht mitgeteilt worden sind. ES «hält sich daS Gerücht, wonach der russische Gesandte »GierS seine Zustimmung zurückziehen wolle, wenn aicht eine Aenderung der Bestimmung über die Be- -straßung der Schuldigen herbeigeführt werde. Sir Äobrrt Hart erklärte, daß er den chinesischen Staats- «Siuiern den Rat gegeben habe, die Dinge ruhig abzu- awirttn, denn das Warten sei für China die beste Politik. Ahm« könne die Eifersucht unter den Mächten ausnutzen, »» günstigere Bedingungen zu erlangen. Eine deutsche Ivtwort auf die jüngste amerikanische Note wegen llhinmS ist noch nicht erfolgt. Man meldet aber aus 8»nb»n: Die deutsche Regierung soll nach einer klmndard"-Meldung der Union mitgeteilt haben, daß sie Bntil sei, dem amerikanischen Vorschlag zu- giflimmen und die Forderung der Todesstrafen für dir hohen Beamten aufzugeben. Deutschland unter- tickm jedoch denl anderen Mächten die Frage zur Er- »SgMg, ob eS nicht ratsam sei, der Kollektivnote einen auf Ät msprüngliche Forderung der Todesstrafe bezugnehmenden Hrasgraphen hinzuzufügen. Die Mächte hegten jetzt den Wermnstimmenden Entschluß, die ganze chinesische Frage Wrii nigst zu beenden.

DaS Bureau Laffan hat aus Peking ein Telegramm »halsten, wonach Rußland bereit wäre, die Ueberreste liriaet in China weilenden Truppen zurückzuziehen und auch öiNahn von Shanhaikwan nach Tientsin den deutschen zu überlassen, allein die letzteren wären Wpfllichtet, die Eisenbahn den Engländern zu über- Aibe n. Die Verbündeten find genötigt, auf diese Bahn Mckficht zu nehmen, um die Verbindung mit einem eis- fttitm Hafen sicher zu stellen. Die an der Bahnstrecke »ötigtrn Reparaturen wurden aber noch nicht in Angriff ge« nwnjen. Die Bahnstrecke ist in ihrer ganzen Länge von 1.50 Km. noch zerstört.

In Peking traf ein reitender Bote ein mit dem Auf tfcige, einen Arzt zu dem verwundeten Oberst Dort -pirufen, der bekanntlich die deutschen Truppen in Kalgan 1 lomiti-inbiert. Der Oberst verbrachte eine sehr unruhige fWcht in einer einsamen Hütte, die nur durch ein offenes i^inet etwas erwärmt war. Den folgenden Morgen wurde liSlOberst besinnungslos aufgefunden. Graf Walder- fletwird sich nach Kalgan begeben, um die Kolonne des 1 Obersten Aork zurückzusühren.

Die aus China nach Marville zurückgekehrten franch- '8'ftheu Soldaten erzählen, auf. Befehl des Feldmarschalls «Stofen Waldersee hätten die deutschen Militärs lbei Brauch angenommen, ihre französischen rang- ,Stichen Kameraden zuerst zu grüßen. Die Be- jlitljungen zwischen Deutschen und Franzosen seien kQvthalben die angenehmsten. Nach Londoner Meld- iongen stehen bei Partingfu im Winterquartier 3000 Deutsche unter General Ketteler und 2000 Franzosen iiittc General Bailloud. Die Franzosen unternahmen «Editionen nach dem Süden, die Deutschen gegen ?Korden, um die Boxerdörfer zu bestrafen. Die Deutschen 1 Hilten den Westpaß nach Schansi besetzt, um sich I j'tfltn: angeblichen Anmarsch der chinesischen Truppen zu ^.cherv. Fetner liegen aus Paotinfu folgende Meldungen Ifior: Die Eingeborenen wohnten der bereits gemeldeten ^Hinrichtung der drei Mandarinen bei, ohne daß fW besonderen Eindruck machte. Die Kriegskontribution im 200000 Taels ist noch nicht bezahlt, obwohl man sich 1«l Mtwenfonds bemächtigte.

In Schanghai sind neue Ruhestörungen unter lick!! Truppen der Garnison vorgekommen.

Nach Schätzung des RIterschen Bureaus beläuft sich UL ungefähre Anzahl der fremden Truppen in Nord- hiiiL auf 7500 Engländer (auSschl. derjenigen in Schang- U-i umb Hongkong), 25000 Deutsche, 15000 Japaner, 150010 Franzosen, 3000 Russen (ausschl. berjenigen in ber ! ^Mschurel), 2100 Italiener, 1800 Amerikaner, 300 - Oeste'vreicher.

Nei ber Eroberung ber Peitangforts hat sich bte Feld- I MQenbatterie unter benTSommanbo bes Hauptmanns tttiemkow besonbers ausgezeichnet. Wie bieKreuzztg." 1 Hiit, hat baraushin ber Kaiser an ben Generalinspekteur Kußartillerie General ber Artillerie Ebler v. b. Planitz {HemdeS Telegramm gerichtet:

^Jch habe auf Vorschlag des Generalleutnants n. Lefsel Haupt­mann Kremkow von der schweren Feldhaubih-Abteilung den Orden Pour le mörite verliehen. Ich freue mich, daß die Fußartillerie sich so hervorragend hat bewähren können, daß ich einem ihrer Offiziere vor dem Feinde diese schönste Auszeichnung eines Soldaten verleihen konnte. Möge dies ein weiterer Ansporn zu frischer Thätigkeit für die gesamte Waffe sein. gez. Wilhelm R."

Telegramme deS Gießener Anzeiger-.

Peking, 30. November. Oberst Graf York ist am 27. vormittags 11 Uhr in Hiaihai an Kohlenoxyd Ver- giftung gestorben. Die Leiche trifft am->30. November in Peking ein. General von Gayl ist zur Uebcrnahme des Kom­mandos abgegangen.

Shanghai, 30. November. Ein hiesiger Konsul hat durch Dokumente bewiesen, daß der Statthalter von Shanghai jetzt Versuche macht, von reichen chinesischen Kaufleuten für Singanfu Geld zu erpressen, in­dem er ihnen als Gegenwert Titel anbietet. Auch wurden neue Likin-Steuern ausgeschrieben, die für den­selben Zweck erhoben werden. Tas Konsular-Korps erließ eine Proklamation, welche die Einfuhr von Material zur H e r st e l l u n g von Waffen und Munition verbietet. Der japanische Konsul Nahm jedoch auf Grund von Instruktionen aus Tokio seine Unterschrift zurück, weil die Proklamation der Einfuhr von Röhren- und Schwefelsäure aus Japan Einhalt zu thun beab­sichtige. Nachrichten aus Tientsin melden, daß 1000 Boxer dorthin zurückgekehrt seien. Tie Lage sei sehr beunruhigend. Aus Han kau wird die Ankunft Seymour's in ähnlicher Sendung als Dr. Knappe's Besuch bei Liukunyi gemeldet. Auch wird berichtet, daß die Nationalbank zu Tschung Hing Geld für Tungfuhsiang hergegeben habe.

Ohm Krüger.

Die französische Kammer nahm am Donnerstag einstimmig den Antrag des Abg. Denis an, in dem sie den Präsidenten Krüger anläßlich seines Besuches in Frankreich ihrer achtungsvollen Sympathie versichert. Die Nationa­listen begaben sich »dann unter Führung des Deputierten General Jacquey zu Klüger, um ihm das Resultat rnit- znteilen. Krüger war sehr gerührt.

Krüger verläßt, so wird aus Paris geschrieben, am am Samstag mittag Paris und wird sich direkt nach Köln begeben, wo er bis Montag vormittag verbleiben wird. Von dort aus reist Krüger nach Magdeburg, wo er übernachtet und Dienstag vormittag dann direkt nach Berlin fährt. DieKöln. Ztg." bestätigt, daß Krüger nächsten Sonntag in Köln etntreffen und Montag" seine Reise nach Berlin forisetzen wird. lieber die Pläne und Aussichten Krügers, die Einsetzung eines Schiedsgerichts durchzusetzen schreibt dasselbe Blatt, diesen Gedanken habe früher bereits Murawtew gehabt, aber sofort aufgegeben, als England erklärte, diesen Vorschlag als eine unfreund­liche Haltung ansehen zu muffen. Seit jener Zett hätten sich die Verhältnisse nicht geändert, eher sei das Gegenteil eingetreten. Die chinesischen Verwicklungen, die Beschränk­ung der militärischen und diplomatischen Aktionsfreiheit der Mächte durch sie, die Fortschritte der englischen Waffen in Transvaal, die Erklärung der Einverleibung durch Lord Roberts sowie die Krankheit des Zaren, das alles seien Momente, die eine derartige Forderung noch aussichts­loser machten als damals. Wenn nun noch von militär­ischen Möglichkeiten gesprochen werde, bie Krüger sowie seine Umgebung in Rechnung stellen, so dürften sie sich über die Aufnahme täuschen, die ihrer Pläne in Berlin wartet.

* »

Telegramme des Oietzener Anzeiger-.

Berlin, 30. November. Dr. Leyds hat gestern die Nachricht hierher gelangen lassen, daß Krüger nach> den letzten Reisedispositionen am Dienstag den 4. D e z e m b e r in Berlin eintreffen wolle. Ein Empfangs-Komitee ist hier in der Bildung begriffen. Heute wird es über die Art der Empfangsfeierlichkeiten für Krüger entscheiden und über die Veranstaltungen zu Ehren des Gastes ein Pro­gramm aufstellen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Präsident alle Kundgebungen bei seinem Eintrefsen ab­lehnt. Es schweben hierüber noch, Verhandlungen mit der Regierung. Ein Empfang des Präsidenten durch den Reichskanzler Grasen Bülow ist nicht ausgeschlossen.

Berlin, 30. November. DerBörsen-Courier" will mit aller Bestimmtheit erfahren haben, daß Krüger deutsches Gebiet nicht weiter als bis Köln und auf seiner Weiterreise bis Holland betreten wird.

Paris, 30. November. Aus der Umgebung Krügers verlautet, daß zwischen Paris, Berlin und Livadia

ein lebhafter Depeschenwechsel über eine Vermittel­ungs-Aktion betreffend Südafrika.stattfindet.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. November. Der Kaiser hörte heute morgen im Neuen Palais die Vorträge des Kriegs-Mi­nisters und des Chefs des Militärkabinets. Der Kaiser und der Kronprinz reisten dann mittels Sonderzuges nach Haemerten ab. Dort traf der kaiserliche Sonderzug um 1 einhalb Uhr ein, wo sich Oberpräsident v. Bötticher und General Klitzing eingefunden hatten. Der Kaiser be­stieg mit dem Kronprinzen und dem Gefolge den Elb- dampferFreya" und fuhr nach Tangermünde, wo der Dampfer um 2.20 Uhr an der Landungsbrücke anlegte. Bei der Entgegennahme des Ehrentrunkes vor dem Rat­hause sagte der Kaiser etwa folgendes: Er freue sich, daß der heutige Tag ihm Gelegenheit gegeben habe, die alte Stadt in ihrer alten Bedeutung im märkischen Lande zu zeigen. Die Lage derselben und ihre ganze Ent­wickelungsgeschichte habe schon im Mittelalter den römischen Kaiser deutscher Nation so gefesselt, daß er vom schönen Süden in das unwirtliche Nordland ge­kommen sei und hier die glänzende Pfalz erbaut habe. Wir seien es der wunderbaren Begabung dieses Kaisers für Fragen, die eigentlich jetzt erst uns modernen Menschen beschäftigen, schuldig, daß wir sein Andenken wieder aus der- Vergangenheit emporheben. Hier am Ufer der großen Stromader der Elbe, möge der Kaiser oft den Plan erwogen haben, ein nordisches Reich zu schossen, dessen Basis die Elbe werden sollte. Daß er ernste Absichten in dieser Richtung hatte, beweisen seine Verhandlungen mit der Hansa. Möge der heutige Tag auch das Interesse der Tangermünder Jugend er­wecken für die Geschichte der Vergangenheit der Stadt. Nur im Studium der Geschichte und in der Pflege der Traditionen stärke sich das Bewußtsein der Nation. Sein Wunsch gehe Hahin, daß das, was Kaiser Karl IV. für Tangermünde erdacht habe, unter seiner oder seiner Nach­folger Regierung sich verwirkliche. Nach der Enthüllung des Tonkmals Kaiser Karls IV. reiste der Kaiser nach Letzlingen ab.

Zum Nachfolger des Fürsten M ü n st e r auf dem Botschafterposten in Paris ist der Botschafter in Peters­burg, Fürst R a d o l i n , ernannt. In politischen Kreisen wird unter den Persönlichkeiten, die für die Nachfolge des Fürsten Radolin auf dem Petersburger Botsck>after- posten in Betracht kommen, Fürst Herbert Bismarck genannt. (?)

Nach einer Meldung aus Coburg wird die Er­nennung des bisherigen Direktors der Verwaltung des Fürsten Fürstenberg, Dr. H e n t i g, zum Staats-Mi­nister in Sachsen-Coburg-Gotha amtlich bestätigt.

Zum 18. Januar 1901 soll eine größereAnzahl Standes-Erhebungen und anderer Ehrungen zu erwarten sein. Uns wird gemeldet, daß etwa neun Erhebungen zu Fürsten stattfinden sollen. Unter den alten preußischen Geschlechtern, die so ausgezeichnet werden sollen, nennt man uns u. a. die Grafen Arnim- Boitzenburg, Maltzahn-Militsch, Dönhoff. Es heißt auch, daß eine besondere Ehrung den Söhnen des Fürsten Richard Dohna zuteil werden dürfte.

Die amerikanische Kolonie feierte heute im großen Saale des Hotel Kaiserhof Thanksgiving Day (Dank­sagungstag) durch ein Festmahl, dem der amerikanische Botschafter White präsidierte. Im Laufe seiner Ansprache an die Festversammlung kam der Botschafter auf die politischen Beziehungen zwischen Deutsch­land und Amerika zu sprechen und sagte hierüber folgendes:

Ich möchte Sie daran erinnern, daß wir großen Grund zur Dankbarkeit haben für die guten Be­ziehungen, die zwischen unserem geliebten Heimatlande und allen andern Mächten, besonders aber Deutschland bestehen. Obgleich die Vereinigten Staaten getreu ihrer Tradition sich in keinerlei Allianz mit anderen fremden Mächten haben verwickeln lassen, haben sie doch mit ihnen gemeinsam gehandelt und cooperieren noch heute mit ihnen ernstlich und ganz in dem größten Versuche, der je unternommen wurde zur Ausbreitung und zum Schutz der Zivilisation im fernsten Osten. Ich kann zum mindesten sagen, daß während der ganzen langen Zeit der gemeinsamen Operationen in China die f r e u n d s ch a f t l i ch st e n Gefühle zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bestanden haben und ich kann hinzufügen: noch bestehen. In allen Ver­handlungen, die zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland stattfanden hinsichtlich der besten Methode, einen Frieden herbeizuführen, der für China und die Welt der Anfang einer neuen großen Aera sein soll, hat jede der beiden Mächte sick) nur bestrebt gezeigt, dasjenige zu thun, was wirklich das beste ist, aber stets