12000 M. an ihn, noch seiner Vermittelung bei einer Pceßstelle. Die „Leipz. Bolksztg.« weist darauf hin, daß für Ausgaben zu Preßzwecken der Zentralverband auch ohne weiteres seinen Preßfonds in Anspruch nehmen konnte, was er jedoch nicht that. Weshalb nicht? Das sozialdemokratische Blatt antwortet: . 3 .
Das Bittgesuch des ReichSamtS deS Innern, das in dem Bueck'schen Briefe vom 3. August 1898 behandelt wird, hat nichts mit dem PreßfondS zu thun, sondern wendet sich an die „Industrie" schlechthin. Die „zum Zwecke der Ag"a«on für den Entwurf eines Gesetzes zum Schutze des gewerblichen Arbeits- Verhältnisses" geforderten 12,000 Mk. werden aufgebracht nicht aus dem Preßfonds, sondern durch die Prtvatwohlthätigkett mehrerer Großindustrieller, unter denen Exzellenz Krupp sich mit den üblichen 5000 Mk. cinstellt. Aus allen diesen Erwägungen steint hervorzugehen, daß eS sich nicht um eine publizistische Agitation handelt, daß die 12,000 Mk. von 1898 für andere „agitatorische Zwecke gebraucht worden sind. „ , .. _
Die erstaunliche Angelegenheit würde, wenn sich diese Behauptungen bewahrheiteten, noch dunkler werden, als sie schon bisher erscheinen mußte. Hat in der That ein Be amter im Reichsamt deS Innern nicht nur im Jahre 1899, sondern außerdem auch im Jahre 1898 12,000 Mark vom Zentralverband deutscher Industrieller gewünscht und bezogen? Sind oben« drein wirklich Summen, die der Zentralverband, gern oder ungern, „aus naheliegenden Gründen" zahlte, zu anderen Zwecken als zur publizistischen Agitation verwendet worden? ES liegt im dringendsten Jntereffe der Regierung, darüber keinerlei Unklarheit bestehen zu lassen. Die öffentliche Meinung wird nur schwer glauben wollen, daß die Behauptungen der „Leipz. Bolksztg." richtig sein können.
Das letzte Wort über diese Borgänge läßt sich aber erst sagen, wenn der Sachverhalt geklärt und über die neuen Anklagen Gewißheit geschafft ist. Ist der Brief aus dem Jahre 1898, dann ist Herr v. Woedtke doppelt belastet. Und für das Verhalten des Direktors im Staatssekretariat des Innern ist am Ende deffen Chef, Graf Posadowsky, allein verantwortlich.
Zur Ernennung des Geh. Kommerzienrats Krupp in Essen zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat „Exzellenz" schreibt man aus Berlin:
Die Ernennung rief allgemeine Ueberraschung hervor, weil bis jetzt in Preußen noch niemals ein Industrieller zu dieser Würde berufen worden ist. Der Wirkliche Geheime Rat mit dem Prädikat „Exzellenz" war bis jetzt fast ausschließlich den in hohe Stellungen gelangten Zivil- beamten Vorbehalten: Unterstaatssekretäre, Ministerialdirektoren, Ober- Präfidenten, Oberlanvesgerichts-Präsidenten, Gesandte und die ihnen im Range gleichstehenden Beamten, nur ausnahmsweise wohl auch vortragende Räte waren diejenigen, die zu jener Würde gelangten. Von Nichtbeamten wurden höchstens einige Großgrundbesitzer und ganz ausnahmsweise Künstler und Gelehrte, wie Ranke, Graf Harrach, Menzel, damit bedacht. Krupp kommt dazu noch in jungen Jahren zu der Würde, die sonst fast nur ergrauten Herren verliehen wird. Er ist erst 46 Jahre alt; schon dadurch wurde er besonders ausgezeichnet, daß er seinerzeit den Titel als Geh. Kommerzienrat erhielt, ohne daß er vorher Kommerzienrat gewesen war. Sein Vater, der geniale Alfred Krupp, der das ererbte, kleine, unbedeutende Werk in die Höhe brachte und der Firma den Weltruhm erwarb, starb als Geh. Kommerzienrat. Bekannt ist, daß dieser mehrmals die Verleihung des Adelsprädikats abgelehnt hat und auch dem Sohne den dringenden und von diesem erfüllten Wunsch ausgesprochen hat, daß er keinen Adelstitel annehmen möge. Manche Industrielle, wie Stumm, Siemens, Kulmiz, Ruffer, haben in dieser Hinsicht anders gedacht. Die großen Werke Krupps werden durch ein schon von seinem Vater eingesetztes Direktorium vertreten, das aus Technikern, Kaufleuten und Juristen zusammengesetzt ist und unter der Leitung des Geh. Finanzrates Jencke steht.
Ans Stadt and Zand.
Gieße«, 31. Oktober 1900.
•• Theatervereiu. Wir wollen nicht versäumen, auf die Sammlung hübscher Bilder von Frau Prasch-Grevenberg aufmerksam zu machen, die seit Dienstag im Schaufenster der Frees'schen Hofbuchhandlung ausgestellt sind. — Fran Prasch ist ein vielbeschäftigtes Mitglied des Berliner Theaters in Berlin, und eben der Umstand, daß sie dort allabendlich in den „Strengen Herren" (die bekanntlich auch hier schon zweimal mit großem Erfolge aufgeführt sind) auftreten muß, stellte ihr Gastspiel im Theaterverein in Frage. Für Donnerstag find nun zur Ermöglichung ihres Gastspiels die „Strengen Herren" in Berlin einmal vom Repertoire abgesetzt worden. Frau Prasch fährt nach der Mittwochs-Vorstellung in der Nacht hierher, macht am Donnerstag früh die Generalprobe mit, spielt am Abend und fährt in derselben Nacht noch nach Berlin zurück. Fürwahr ein anstrengendes Gastspiel! Der ausgezeichneten Künstlerin aber wird unser Publikum für dieses Opfer an Bequemlichkeit sicherlich aufrichtigen Dank wiffen.
* Der berühmte Illusionist und
Hoskünstler Mellani, der vor kurzer Zeit hier Vorstellung gab, wird nochmals, wie bereits mitgeteilt, morgen, Donnerstag abend eine Soiree geben. Herr Mellani gehört mit zu den ersten modernen Zauberkünstlern, die ohne Hilfe und Einverständnis arbeiten. Er besitzt eine äußerst rx k T Kombmatwnsgabe, und seine Produktionen zeichnen sich durch Eleganz und sicheres Auftreten aus. Vor kurzem hatte der Künstler die Ehre, vor dem Großfürsten Michael von Rußland mehrmal seine Künste zeigen zu dürfen. Die Zusammenstellung seines Programmes ist eine äußerst ge- besuche'n ""lohnen dürfte, diese Vorstellung zu . ^*c P^rwaisenve.rein. 17- Oktober hielt t>er f ar r a i J en öe r ein für das Großherzogtum Hessen seine diesjährige General-und Delegiertenversammlung in der „Rosenau" ru Frankfurt unter dem Vorsitze des Prälaten D. Hadicht der Eröffnungsansprache wies der Vorsitzende u a darauf hin, daß auch im laufenden Jahre 1900 an besonderen Zuwendungen der Verein rund 150 Mk. erhalten habe daß aus dem Vertrag mit der Karlsruher Versoraungs- anstalt im gleichen Zeitraum dem Verein rund 300 Mk zugeflossen seien. Hierauf erstattete der Schriftführer, Lic Eger hier, den Rechenschaftsbericht für 1899, der ein
recht günstiges Ergebnis aufwies. Die Einnahmen betrugen nahezu 600 Mk. mehr als im Vorjahre, was wesentlich auf den Empfang mehrerer größerer Geschenke, zum Teil auch auf den Umstand zuriickzuführen ist, daß im Jahre 1898 nur 1 Semesterbeitrag der Karlsruher Versorgungsanstalt gegen 2 in 1899 verrechnet wurde. Die einzelnen Posten der Einnahme und Ausgabe beziffern sich wie folgt: die Eintrittsgelder betrugen 16 Mk. (im Vorjahre 26 Mk.), die Mitgliederbeiträge 1388 Mk. (1392.50), und zwar Superintendentur Darmstadt 521 Mk. (515), Gießen 619 Mk. (616), Mainz 248 Mk. (261.50). Die Zuwendungen von Kirchenfonds beliefen sich auf 360 Mk. (373), die Gaben bei Beförderungen auf 235 Mk. (185). Besondere Geschenke erhielt der Verein von Dekan i. P. Briegleb 200 Mk., Pfarrer Keller von Guntersblum 100 Mark, Kirchenrat Nebel von Groß-Gerau und Dekan Buchhold von Ossenheim je 50 Mk. Die Zinsen des' Vereinsvermögens betrugen 1030.92 Mk. (990), von der Karlsruher Versorgungsanstalt wurden an Vergütung für Versicherungsabschlüsse mit hessischen Geistlichen 301.85 Mk. (45.91) bezahlt. An Unterstützungen wurden 2100 Mk. verausgabt, neu ausgeliehen wurden 1527.25 Mk. (der Posten ist infolge der zum Kapitalisieren bestimmten Zuwendungen besonders hoch); die Verwaltungskosten betrugen 149.52 Mark. Das verzinslich angelegte Kapitalvermögen beläuft sich nunmehr auf 29 071.27 Mk. Im Anschluß an den Rechenschaftsbericht wurde wiederholt Klage darüber geführt, daß seitens einiger Dekanate der vorgeschriebene Jahresbeitrag von 3 Mk. nicht eingehalten wird, und wurde darauf hingewiesen, daß die Vorteile der Mitgliedschaft (Fürsorge für die hinterlassenen Waisen) satzungsgemäß an die Zahlung des vorgeschxiebenen Jahresbeitrags gebunden sind. Die sogenannten Beförderungsgaben wurden durch Beschluß der Generalversammlung bis auf weiteres auf 3 Mk. ermäßigt, dabei aber die Hoffnung ausgesprochen, daß nun auch alle in höhere Gehaltsklassen vorrückenden Geistlichen diese Gabe leisten; seither war immer eine Anzahl im Rückstand geblieben. — In der an die Generalversammlung sich anschließenden Delegierten Versammlung konnten nicht weniger als 2535 Mk. an Pfarrwaisen verteilt werden, gewiß ein höchst erfreuliches Resultat. Der seitherige Vorstand, einschließlich der Ersatzmänner, wurde wiedergewählt, mit der einzigen Aenderung, daß der bisherige Ersatzmann Dekan G r o s ch von Kastel an! Stelle des verstorbenen Geheimen Kirchenrats D. Walther zum Vorstandsmitglied und an seiner Stelle Pfarrer Schneider von Hochheim zum Ersatzmann gewählt wurde. Zum Präsidenten des Vereins wurde Prälat D. Habicht wiedergewählt.
(Darmst. Ztg.)
-e- Burkhards, 29. Oktober. Heute weilte hier ein Untersuchungsrichter aus Gießen und vernahm in der Schäfer'scheu Meineidssache eine Anzahl Zeugen.
-w- Glauberg, 29. Oktober. Gestern wurden unter den üblichen Formalitäten im Beisein von Vertretern der Kreisschulkommisfion Büdingen unsere beiden neuen Schulsäle eingeweiht. Sie find in der seitherigen Schul- hofraite an der Stelle von früheren Oekonomiegebäuden errichtet. Die Wohnungen für unsere beiden Lehrer sind im Schulhaus eingerichtet. Der Neubau war notwendig geworden, weil die Schülerzahl so zugenommen hatte, daß ein zweiter Lehrer angestellt werden mußte.
Mainz, 29. Oktober. Das 3. Großh. Infanterie- Regiment (Leib-Regiment) Nr. 117, hat an diejenigen ehemaligen Mannschaften des Regiments, welche sich seinerzeit freiwillig zum Eintritt in die ostasiatischen Regimenter zur Expedition nach China gemeldet hatten, am Samstag Weihnachtsgaben abgesandt. Die Gaben bestanden aus je einer Kiste Cigarren von 100 Stück, welche die Firma I. B. Heim jr. zu diesem Zwecke besonders preiswert geliefert hatte, einem Pfund Chokolade und als ein sinniges Zeichen — zur Erinnerung an den heimatlichen Weihnachtsbaum — einen grünen Tannenzweig.__________________________
Der Prozeß Masloff in Könitz.
Am vierten Verhandlungstag erhält zunächst der Geschworene Oberlehrer Meyer das Wort: Ich ersuche den Gerichtshof festzustellen: Wo der Fleischermeister Wolf Lewy am Nachmittage und am Abend des 11. März gewesen ist. Die Geschworenen sind erstaunt darüber, daß Lewy bei seiner Vernehmung am Samstag genau überfeine Thätigkeit und Aufenthalt am Sonntag den 11. März d. I. vormittags Auskunft gegeben hat, in Betreff des Nachmittags und des Abends hat er aber nur angegeben, daß er im Restaurant „Falkenberg" gewesen sei.
Erster Staatsanwalt: Die Stammgäste des Restaurants „Falkenberg" sind vernommen worden. Sie wissen nicht mehr genau, ob Lewy am Nachmittag und Abend des 11. März dort war, sie können sich auf den fraglichen Sonntag nicht mehr genau erinnern. Ich werde aber die Stammgäste laden.
Zeuge Aron he im sagt aus, daß er Adolf Lewy am Sonntag, den 11. März bet Falkenberg gesehen zu haben glaubt.
Arbeiterfrau Medoch: Am 11. März tst Fletsch er- meister Lewy bei mir gewesen und hat ein Kalb gekauft. Weder Sonntag noch Montag hat sie Auffälliges bet Lewy bemerkt. Zeuge Hermann Feddeck war am Sonntag, den 11. März bei Krause in Wilhelminenhöhe utib hat dort Moritz Lewy mit zwei kleinen Mädchen getroffen. Er kaufte Rum mit Zucker und gab einem der Mädchen davon. Schneiderlehrling Otto hat am Sonntag nachmittag in Grabau Hugo Lewy getroffen. Es ist ihm nichts an Lewy ausgefallen. Kaufmann Simon Busse ist am Abend des 11. März in einer größeren Gesellschaft gewesen. Auf dem Rückwege gegen 11 Uhr ist er an den Fenstern des Lewy'schen Hauses vorbeigegangen, hat aber nichts gesehen oder gehört. Kaufmann und Landwirt Isidor Fleischer hat am Nachmittage des 11. März bis gegen Abend Besuch gehabt, ist alsdann zu Cohn gegangen, und hat weder auf dem Hinwege noch auf deut Rückwege gegen 11 Uhr int Lewy'schen Hause etwas Auffälliges wa'hrgenommen. Hausbesitzer Laß hat, als er um einhalb 12 Uhr durch die Danzigerstraße ging, int Keller Licht gesehen. Er glaubte, der Bäcker hätte schon aufgemacht. Er habe nicht darauf geachtet, aber er ist der Meinung, daß es bet Anger gewesen sei. Han
delsmann Scheel hat dasselbe gesehen, er hat auch bett Eindruck gehabt, daß das Licht im Bäckerkeller war. Die beiden Zeugen können sich nicht völlig einigen, bleiben aber dabei, daß sie beide sofort gesagt hätten, das Licht sei int SMfer des Bäckers. Barbierfrau Döring wohnt gerade gegenüber von Lewy. Als sie ihrer Gewohnheit gemäß vor dem Schlafengehen sich in der Nachbarschaft umsah, fand sie am Sonntag, den 11. März bei Lewys alles finster und ebenso bei Anger. Das war um die 11. Stunde.
In der Nachmittagssitzung machte es großes Aufsehen und ruft vielfache Kritik hervor, daß der Präsident sämtlichen jüdischen Zeugen vorhält, sie dürften die-Aussage verweigern, wenn sie sich dadurch selbst belüften würden. Den christlichen Zeugen ist diese Vorhaltung in keinem Falle gemacht worden, dagegen befragen heute die Geschworenen alle christlichen Alibizeugen für Lewy, ob sie von diesem beeinflrrt seien. Sämtliche Zeugen weisen in ihren Antworten jede Art von Beeinflussung von sich. Man schließt aus dieser Fragestellung, daß auch die Geschworenen den Alibibeweis Lewys durch christliche Zeugen als erbracht betrachten und daß sie nur feststellen wollen, ob etwa Beeinflussungen vorgekommen sind.
Schuhmacher Bennewitz ist durch die Danzigerstraße spazieren gegangen zwischen 4 und 9 Uhr. Am Lewy'schen Hause hat er nichts gesehen, dagegen will er zwischen 6 und 7 Uhr die Eheleute Lindenstrauß, Fuhrmann Spielsky und Kürschner Mosseck erkannt haben. Er wird mit Frau Lindenstrauß, Fuhrmann Spielsky und Kürschner Mosseck konfrontiert und bleibt bei seiner Aussage, trotzdem alle anderen Zeugen ihm widersprechen. Gerichtsassistent Pulinski weiß, daß zwei Söhne des Sekretärs Kurland gesehen haben, daß Winter mit Fräulein Hoffmann spazieren ging.
Der gerichtliche Sachverständige Dr. Bischoff aus Berlin berichtet über den Befund an dem ihm übersandten Inhalt der Speiseröhre. Er fand eine milchige Flüssigkeit, in der sich Kartoffeln, Gurken und Fleischreste unterscheiden ließen. Bei normaler Verdauung mußte dieser Zustand der Speisen in drei Stunden durch die Verdauung erreicht fein, bei normaler Verdauung dürfte eine Zeit von 5—6 Stunden anzunehmen sein, bezüglich des Befundes von Chloroform kann der Sachverständige nur sagen, er habe nichts gefunden, doch sei bei > der überaus flüssigen Natur des Chloroforms immerhin ein Verschwinden vor der Untersuchung möglich. Da der Inhalt der Speiseröhre in Alkohol aufbewahrt wurde, so ist eine Untersuchung auf die Wirkungen von Bier und Schnaps unmöglich geworden.
Auf die Frage des Staatsanwalts erklärt Geh. Sanitätsrat Dr. Mittenzweig, daß eine Beförderung der Speisereste in die Speiseröhre durch anämische Krämpfe erfolgt sein kann. Das ist aber sowohl bei Erstickung wie bei Verblutung möglich. Er konstatiert, daß eine absolut sichere Diagnose der Todesursache zu stellen nicht möglich ist, dennoch halte er fein erstes Gutachten auf Verblutung als wahrscheinliche Todesursache aufrecht. Er kommt auf die merkwürdigen Stellen an den Wangen zu sprechen, die man sich zuerst als durch Annagen von kleinen Tieren hervorgerufen erklärt hat. Der Sachverständige glaubt, diese Stellen auch als eine Wirkung des Verblutungstodes erklären zu können. Er fuhrt ferner an, daß bei dem Halsschnitr mindestens zwei Schnitte gemacht sein müssen.
Dr. Puppe: Wären die Speisereste durch Erbrechen beim Verblutungstode in den Rachenraum gekommen, so hätte man sie auch in den Luftwegen finden müssen. Erhält seine Ansicht aufrecht, daß Winter wahrscheinlicher an Erstickung, als an Verblutung gestorben ist. Die für die Verblutung sprechenden Erscheinungen und Thatsacheit sind unsicher, die für Erstickung dagegen viel sicherer. Die Halsschnittwunde ist nicht anders als die Wunden an den anderen Theilen. Sie hat auch keine vitale Reaktion, wie schon das Medizinalkoltegium von Westpreußen hervorgehoben hat. r.... .
Maurermeister Herrmann bestattgt, daß eine der beiden Damen den Geruch wahrgenommen haben will, lieber das Licht weift er ebensowenig toie feine Fran etwas zu bekunden. Am 3. oder 6. April hat er den Fleier- meister Lewy in der Nähe von Wtlhelmtnenhöhe spazteren gehen sehen. Das Schlachthaus liegt in der Nähe. Der Zeuge wundert sich, daß Adolf Lewy an einem Wochentage spazieren gehen könne. Der O b e r st a a t s a n w.a l t. weist darauf hin, daß Lewy feit der Zeit des Mordes keine Geschäfte habe machen können, weil ihn die andern Fleischermeister auf dem Markte verhöhnten und dort nicht duldeten. Zeit zum Spazierengehen hätte er also gehabt. Zeuge Herrmann giebt dies zu. Auf eine Frage des Oberstaatsanwalts erklärt er, nicht bemerkt zu haben, von welcher Stelle der Geruch gekommen fei, ob au5 der Synagoge oder aus den vielen kleinen Wohnungen in der Nähe. Ter Zeuge hebt hervor, daß Lewy gleich nach Bekanntwerden der Notiz zu ihm gekommen fei, um ihm zu sagen, daß er sich irren müsse. Auf Befragen erfiärt er, daß Lewy keinerlei Beeinflussung auszuüben versucht habe.
Frau Putzmacher R e i cb a u kam mit dem letzten Zuge aus Danzig an, und ging an den Lewy'schen und Augerschen Häusern vorüber. In einem der Keller sah sie Licht, in welchem, weiß sie nicht. Buchhändler Wie- z o r i w i c z hat an dem Lewy'schen Hause und an der Familie Lewy nichts Auffälliges bemerkt. Arbeiter August Mayfarth hat sich bei dem Auspacken der Leichen- teile beteiligt. Er hat auch die Schlächtermeister Hoffmann und Lewy dabei gesehen, jedoch nichts an ihnen bemerkt. Frau Kreisschulinspektor Rohde bekundet, daß sie am Mordtage um 11 Uhr abends« beim Heraustreten aus der Logenthür einen Geruch nach verbrannten Lumpen wahrgenommen hat. In der Synagoge hat sie ein Licht gesehen, das nicht das Mondlicht war. Bei der Vernehmung" der Zeugin durch Kriminalkommissar Wehn habe dieser das Licht mit dem Brennen der ewigen Lampe erklärt. Sie beklagt sich über Wehn, der ihr gesagt habe, daß die Untersuchung an dem albernen Märchen von „Ritualmord" scheitert. Sie kaufe nur bei Hoffman«. Frau Maurermeister Herrmann hat ebenso wie Frau Rohde den unangenehmen brenzligen Geruch wahrgenommen.
Frau M i w i e r r a beginnt ihre Aussagen damit, oasz


