Ausgabe 
1.9.1900 Erstes Blatt
 
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i»cr Staatsstraße Vilbel-Kloppenheim drei dem Arbeiter­stand angehörige Personen beobachtet, von denen der ältere wie der Erschlagene geschildert wird. Von den beiden anderen soll der eine ca. 25 Jahre alt, etwa 1.70 Metjer groß, gesetzter Statnr, mit grauer Manchestermütze und dunkelgrauem Rock bekleidet, der Jüngere etwa 18 Jahre «lt, ca. 1.60 Meter groß, schmaler Statur und mit braunem Rock, braunem Hut beüeidet gewesen sein. Möglicherweise sind die beiden Letztgenannten die Thäter. Sie sollen sich mit dem Aelteren wegen des Bezahlens von Schnaps gestritten haben; an dem Thatort fand man eine leere Schnapsflajche. Am Thatorte sanden sich noch folgende Gegenstände, die möglicherweise dem oder den Thätern gehört haben: Frankfurter General-Anzeiger und Frank­furter Kleine Presse vom 14. August 1900;Kleines Witz­blatt" Nr. 33;Der Nachbar", Sonntagsblatt für Waldeck und Pyrmont vom 10. Juni 1900;Zuger Nachrichten" vom 10. Mai 1900; eine Hutdüte des Hutlagers von H. Klipper in Offenbach a. M., ein Lappen mit dem Aufdruck der Firma Gustav Schweiß, Sackgeschäft in Königsberg. Wir ersuchen um Ermittelungen, wann und in wessen Be­gleitung der Erschlagene zuletzt gesehen worden ist, sowie um Mitteilung aller Anhaltspunkte, die zur Ergreifung des Thäters führen können. Demjenigen, der zur Er­mittelung der oder des Thäters so beiträgt, daß Ergreifung und Verurteilung erfolgt, wird eine Beloh­nung im Betrage bis zu 400 Mark zugesichert."

** Nachweis der Befähigung zur Uebernahme eines Kirchenamt». lieber den Besitz der nach Artikel 1 und 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887, die Vorbildung und An­stellung der Geistlichen betreffend, zur Uebernahme eines Kirchenamts notwendigen Eigenschaften ist der Nachweis erbracht worden bezüglich der Kandidaten der evangelischen Theologie Ludwig Bernhard aus Großen-Linden, Adolf Goldmann aus Laubach, Georg Hoch aus Partenheim, Friedrich Marguth aus Michelstadt und Ernst Wagner aus Damstadt.

Beleuchtet die Treppen! Mit der Abnahme der Tage und dem frühen Eintreten der Dunkelheit werden sich als­bald wieder die Klagen über verspätete oder mangelhafte Beleuchtung der Haus- und Treppenflur erheben. Es sei daher zur Vermeidung von Polizeistrasen und empfindlichem Schadenersatz und Schmerzensgeldern darauf hingewiesen. Die Beleuchtung hat aus sämtlichen Treppenabsätzen und Fluren, die jedermann zugänglich find, also gleichsam dem öffentlichen Verkehr dienen, zu geschehen. Die Beleuchtung muß nach den Bestimmungen der Polizei eine derartige fein, daß ein deutliches Erkennen der beleuchteten Räumlichkeiten möglich ist. Für Unfälle, die durch Nicht- oder mangel­hafte Erfüllungen dieser Bestimmungen veranlaßt werden, ist der Hauswirt oder dessen Stellvertreter regreßpflichtig und kann einer empfindlichen Strafe verfallen.

-r- Klein-Linden, 30. August. In unserer Gemeinde ist eine große Anzahl von Kindern an Scharlachsieber erkrankt, ja sogar Erwachsene sind von der Krankheit be- fallen worden. Glücklicherweise tritt jedoch diese Haut­krankheit nicht in heftiger Form auf, sodaß bis jetzt noch kein Sterbefall zu beklagen ist. Der Vertreter des Kreis- gesundheitsamtes ist einige Male hier gewesen und hat strenge Verhaltungsmaßregeln vorgeschrieben.

-x- NiederBeffingeu, 20. Angust. In unserer Ge­meinde, sowie in den Nachbarorten ist in diesem Jahre der Ertrag der Gurken so groß, daß die hiesigen Ein­wohner ganze Wagenladungen verkaufen konnten, und zwar hauptsächlich nach dem höher gelegenen Teile Oberhessens. Teils wurden die Gurken nach Grünberg zur Bahn ge­fahren, teils auch von Bewohnern des Vogelsberges selbst per Wagen geholt. Ein schönes Stück Geld ist dadurch in die Gemeinden gefloffen.

11 Aus dem Wetterthale, 29. August. Endlich ist der milde Südwestwind, der uns so viel Regen brachte, und deshalb anfing, mißliebig zu werden, einem rauheren, aber auch trockeneres Wetter bringenden Nord-Ostwind gewichen. Von niemand wird der Witterungswechsel freudiger begrüßt als von dem Landmann, bet dem das trockene Einbringen der Ernte auf dem Spiele stand. Es ist ja leicht begreiflich, daß es nicht zu den Annehmlichkeiten der Landwirtschaft gehört, wenn man im Freien mit der Dresch­maschine arbeitet, alle Augenblicke mit einem störenden Platzregen überschüttet zu werden. Mag daS Wetter ost auch noch so ungünstig für den einheimsenden Landmann gewesen sein und ihm Grund zu Klagen gegeben haben, mit der Ernte selbst ist er zufrieden, und vor allem ist der Weizen so gut gediehen, wie seit Jahren nicht. Der lang­sam sich ankündende Herbst bringt ihm nun auch schon reifes Obst aller Sorten, vornehmlich aber Zwetschen in Hülle und Fülle. Leider ist an vielen Aepfelbäumen ein vorzeitiges Welkwerden und Abfaller; der Blätter zu be­merken, wodurch das Obst in Wachstum und Reife gestört wird. So bitter diese Thatsache für den Baumbesitzer ist, so kann er sich doch Heuer einigermaßen damit trösten, daß an anderen Bäumen, die gesund blieben, sich die Aeste unter der Last der reifenden Früchte tief herabbeugen und den Baumzüchter wieder ganz für die ausgewandte Mühe und Arbeit entschädigen.

Mainz, 29. August. DaSMzr. Tagebl.- erzählt: Ein köstlicher Witz ist kürzlich unserem, bekanntlich mit einem guten Stück Mutterwitz ausgestatteten Stadtoberhaupt passiert. Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner ging vor einigen Tagen spazieren und blieb, durch irgend etwas ge« fesselt, in der Nähe des Eisenbahnviadukts stehen. In einiger Entfernung standen drei Arbeiter, die sich eifrig über irgend etwas zu streiten schienen. Plötzlich löste sich einer von der Gruppe los, ging auf den Herrn Ober­bürgermeister zu und fragte im unverfälschtemMeenzer- Idiom:Sie, sage Se entöl, mir streite uns schun die ganze Zeit, fin Sie der Oberbürgermeister?" Da hier so hübsch sein Inkognito gewahrt, war, plagte unser Stadt- oberhaupt die Neugierde, was wohl herauskomme, wenn et die Frage verneine, und so sagte er kurz:Nein!" Gelt, ich hab' doch recht gehabt, ich hab' nämlich be­

hauptet, Sie wärn's nit, aber" eine kleine Panse gelt, Sie wärn'S doch gern!" Sprachs und schlug sich seitswärtS in die Büsche! Aus vollem Halse über die Komik der Situation lachend, setzte Herr Dr. Gaßner seinen Weg fort. ________________________________________

Verbandstag

der deutschen evangelischen Pfarrervereine.

X. D a r m st a d t, 29. August.

Pfarrer Soldan - Rödderau b. Kassel referierte nun über die^ Fürsorge für Pfarrertöchter ausführlich. In ein­zelnen Staaten hat man schon gute Resultate erzielt. In Hessen hat inan definitive Entscheidungen noch nicht treffen können, da es bisher an der nötigen ständigen Unterstützung fehlte; doch hat man in Darmstadt eine Erleichterung der Ausbildung der Töchter von Angehörigen durch Gewährung von Rabatt bei einzelnen Instituten erwirkt.

Es werden nachstehende Sätze otine Debatte ange­nommen :

1. Als das Wünschenswerteste erscheint es, daß der ganze Pfarrerstand einer Provinz, ganz abgesehen von der Zugehörigkeit zum Pfarrerverei j, sich zu diesem Unterstützungswerk zusamtnenschließt und nach festen Normen beiträgt, ohne daß geradezu ein gesetzlicher Zwang besteht, wie es in der Rheinprovinz der Fall ist (freiwilliger Zwang) und daß allen unterstützungs­bedürftigen Pfarrertöchtern die Fürsorge sich zuwendet.

In diesem Falle erscheint auch die synodale An­gliederung in die Hereinziehung der Kirchenbehörde angemessen und förderlich, selbstverständlich dann, wenn von der Synode das Werk positiv gefördert und mit Mitteln unterstützt wird.

2. Tie Beteiligung aller Pfarrer oder doch weitaus der meisten wird indes nicht leicht zu erreichen sein. In diesem Falle empfiehlt es sich, daß der Pfarrerverein selbständig die Sache in die Hand nimmt, unvorgesehen, ob von Nichtmitgliedern etwas gethan wird.

3. Dabei gießt es drei Wege: Entweder die Für­sorge beschränkt sich aus die Töchter der Vereinsmit­glieder (Westpreußen, prinzipiell auch Kassel), dann ver­liert sie aber den Charakter der Wohlthätigkeit und nimmt den des erworbenen Rechts an; oder sie erstreckt sich auf alle hilfsbedürftigen Pfarrertöchter (in Sachsen) ohne Unterschied, ob die Väter dem Verein angehörten oder angehören könnten, oder nicht, oder die gemischte Form tritt ein, wie in Brandenburg und teilweise Kassel. Daß zwar die Fürsorge alle ins Auge faßt, aber die Töchter der Bereinsmitglieder in höherem Maße, mit dem Unterschiede, daß auch bei diesen entweder die Be­dürftigkeit in Frage kömmt, oder nicht. Die gemischte Form dürfte als die empfehlenswerteste gelten.

Wo es sich kirnt Schaffung von Rechtsansprüchen für die Töchter der Vereinsmitglieder handelt, ist die Festsetzung bestimmter Beiträge unerläßlich (Westpreußen und Kassel). Wo die Fürsorge den Charakter der Wohl­thätigkeit hat, ist die Freiwilligkeit der Beiträge das angemessene.

4. Die Ansammlung eines gewissen Fonds ist bei jeder Form der Fürsorge zu empfehlen.

Hierauf bespricht der Vorsitzende die Neuorganisation der Deutschen Evangelischen Pfarrervereine und nach einem Vorschläge des Vorsitzenden Sternberg sollen dem Vor­stände außer den fünf zu wählenden Mitgliedern auch die Vorsitzenden sämtlicher Landesvereine Sitz und Stimme haben. Reisekosten und Tagegelder werden aber nur dann vergütet, wenn diese Vorsitzenden im Interesse des Vor­standes berufen werden. Trotz verschiedener Widersprüche wird a uch dieser Antrag nach dem Vorschläge W a h l - Langen vorläufig auf ein Jahr angenommen. Ein Vorschlag zur Arbeitseinteilung im Verbände von Superintendent Hassen stein-Allenstein wird nach verschiedenen Widersprüchen dem Vorstand zur Erwägung überwiesen.

Der nächste Punkt betrifft das Verbands-Organ Deutsche P f a r r e r b 1 a 11" und den Pfarrerverein. Es wird ein Entwurf der von der in Stendal eingesetzten hessischen und nassauiscken Kominission vorgeschlagenen Satzungen vorgelesen uno einstimmig angenommen. Hier­bei wird der Kommission für die mühevolle und sachliche Arbeit, sowie dem Berbandssekretär Pasche für seine seitherigen Bestrebungen der Dank der Versammlung aus­gesprochen. Nach den neuen Satzungen führt der Verein den NamenDeutsches Psarrerblatt", einge­tragener Verein, und hat seinen Sitz in Dieskau mit dem Rechtsstand in Halle a. d. Saale. Man spricht die Hoff­nung aus, daß diese Satzungen auch ein äußeres festes Band für alle Vereine bilden.

Es folgt der Bericht über die Rechnungslegung des Kassenführers H a s en ger-Cladow; namens der er­nannten Prüfungskommission, bestehend aus den Pfarrern Röschen, Krolle, Tadt und H a s s e n st e i n , refe­riert Pfarrer Tadt und findet die Rechnung in Ordnung. Die Einnahme beträgtMk. 2367., die Ausgabe beträgt Mk. 1151.70; somit ist ein Kassenbestand von Mk. 1215.30 vorhanden. Dem Rechner wird Entlastung erteilt.

Pfarrer Fritsch-Ruppertsburg nimmt hierauf das Wort, um die mannigfachen ungerechten Angriffe der Presse gegen die evangelische Mission in energischer Weise zurück­zuweisen. Es wird nachstehende Resolution beschlossen:

1. Anläßlich der chinesischen Wirren sind in einer großen Anzahl deutscher Zeitungen die Missionen, beson­ders die evangelischen in einer überaus gehässigen Weise angegriffen und sogar mit der Anklage belastet worden, die Hauptschuld an ihnen zu tragen.

2. Der Berbandstag evangelischer Pfarrervereine weist diese Angriffe unter schmerzlicher Bewegung über den feindlichen Geist, dem sie entflammen, energisch zurück, denn sie beruhen entweder auf Unbekanntschaft mit der Geschichte, den Aufgaben, dem Betrieb und dem Erfolg der evangelischen Mission oder sie sind einem Hasse gegen die Mission und Feindschaft gegen das Evan­gelium , welches die Mission zur Pflicht macht, ent­sprungen.

3. Die heutige Versammlung wendet sich daher an alle Träger des geistlichen Amtes in deutschen Kirchen mit der ebenso herzlichen wie dringenden Aufforderung, sowohl durch mündliches Zeugnis, wie durch Benutzung der Presse, besonders der lokalen, soweit sie ihnen zur

Verfügung steht, das evangelische Bol? über PfliM und Wesen der evangelischen Mission mehr als bisher aufzuklären, die gegen jene Angriffe erschienenen Schriften, besonders Prof. D. Warn eckDie chine­sische Mission im Gericht der deutschen Z e i t u n g s p r e s s e" massenhaft zu verbreiten. Dies ist um so nötiger, da große Preßorgane parteiisch die evan­gelische Mission nicht zu Wort kommen lassen.

Angesichts der großen Verluste an Missionseigen- tum, welche deutsche Missionen in China, Süd-Afrika und Assanta erlitten haben, muß es den Geistlichen, als Hauptträgern des Missionsgedankens in der »eimat, gerade jetzt heilige Pflicht sein, alles aufzubieten, um die Liebe zur und die Opfer für die Mission kräftig zu steigern.

Es kommt noch die militärische Stellung der Geistlichen im Mobilmachungsfalle zur Sprache, doch soll, ehe man weitere Schritte in der Sache thue, durch den Vorstand zunächst genaue Aufklärung und Feststellung des gegen­wärtigen Zustandes erfolgen.

Auch ein Antrag, nach dem den Militärgeistlichen die Dienstzeit mit in Anrechnung kommen und denjenigen Pfarrern, die erst später zur Anstellung kommen, die Zeit vom Tage ihres zweiten Examens an gerechnet werden soll, wie es jetzt schon in Hessen geschieht, wird denk Vorstand zur Erledigung überwiesen.

Es wird noch beschlossen, den beiden hessischen Vor­standsmitgliedern des hessischen Pfarrervereins, die zur Regelung der Tagesordnung re. der letzten Vorstands­sitzung beigewohnt haben, den neuen Satzungen ent­sprechend die Reisekosten zu vergüten. Zum Schluß wird noch durch Zettelwahl der Vorstand bestimmt: Vorsitzender: Superintendent Sternberg -Selchow mit 58 Stimmen^ Beisitzer: Superintendent Pillmann-Uehrde mit 58, Super­intendent Deißmann-Nassau mit 57, Pfarrer Köppel- .Sachsendorf mit 51 und Pfarrer Meyer-Sachsen mit 37 Stimmen. Durch Zuruf werden als Ersatzmänner die Herren: Soldan, Köhler ünd Wahl bestimmt. Hierauf wird die Abgeordnetensitzung nach 2 Uhr geschlossen.

Alsdann folgten Mittagessen, Besichtigung der Stadt und um 6 Uhr Gottesdienst in der Stadtkirche. Die Predigt hielt Superintendent a. D. Meyer-Sachsen. Von 8 Uhr ab war zwanglose Vereinigung im Kaisersaal. Morgen findet die Hauptversammlung statt.

Generalversammlung des ZeutralverbaudeS deutscher Kaufleute und Gewerbetreibenden.

(Fortsetzung aus Nr. 196.)

Die Generalversammlung beschäftigte sich hieraus mit dem Ausverkaufs- und Auktionswesen. Von allen Rednern wurde übereinstimmend hervorgehoben: Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb habe wohl dem Aus­verkaufs- und Auktionsunwesen einige Schranken gezogen, das Gesetz werde aber noch vielfach umgangen. Ein Aus­verkauf dürfe nur gestattet werden, wenn es sich um wirk­liche Auflösung des Geschäfts oder um einen Konkurs handle. Die Ausverkäufe müssen außerdem auf eine gewisse Zeit beschränkt und eS müsse bei Gefängnisstrafe verboten werden, einen Nachschub von Waren herbeizuschaffen. Ferner sei eine Gesetzbestimmung notwendig, die denjenigen mit Ge­fängnisstrafe bedrohe, der unter dem Kostenpreis verkaufe und dann in Konkurs gerate. Kaufmann Müller (Soest) ersuchte im Namen des Verbandes der vereinigten Kauf­leute für Rheinland und Westfalen, auszusprechen, daß auch allen Zwangsversteigerungen Beschränkungen auferlegt werden, daß insbesondere öffentlich bekannt gemacht werden müffe, für wen die Versteigerung vorgenommen werde. Kaufmann Tripp (Kassel) bezeichnete diese Forderung als zu weit­gehend. Es genüge, wenn bei der Behörde angegeben werde, für wen die Versteigerung geschehe. Es gelangte schließ­lich folgende von Tripp (Kassel) beantragte Erklärung ein­stimmig zur Annahme:

Die Versammlung beauftragt den Vorstand des ZentraloerbandeS, der Regierung Mittel und Wege vorzuschlagen, die geeignet find, die Ausverkäufe durch Konzessionierung auf Zeitdauer zu beschränken und die Nachschübe von Waren zu verbieten.*

Kaufmann Kaiser (Breslau) befürwortete danach folgenden Antrag: . f n t

Der Verbandstag spricht nach wie vor seme feste Ueberzeugrmg dahin aus, daß Konsumvereine jeder Art e»nersertS den alle Lastrn tragenden legitimen Handel schwer schädigen, daß andererseits, wie leicht nachweislich, der durch die Konsumvereine angeblich entstehende wirt­schaftliche Vorteil in den allermeisten Betrieben nur em scheinbarer tft.

Der Redner bemerkte: Er komme aus der Stadt, m ber sehr viele Leute wohnen, die den Bestrebungen deS Centralverbandes naturgemäß feindlich gegenüberstehen und dessen Oberbürgermeister im preußischen Herrenhause den Mittelstand aufs schärfste angegriffen habe. Auf der vorigen Generalversammlung deS Vereins für Sozial-Politik in Breslau habe Prof. Dr. Sombart einen Ausspruch gethan, ber nicht in Zeitungen gestanben habe, ben er (Redner) aber der Oeffentlichkeit mitteilen wolle. Professor Som bart sagte nach seinen (beß Rebners) Aufzeichnungen Man verlangt bie Erhaltung beß Mittelstandes. Der Mittelstand steht aber nicht mehr auf ber ökonomischen Höhe, er kann baher auch nicht weiter erhalten Heroen, auch nicht aus Gründen der Sittlichkeit und ®erec9ttQteit. Wollte man einen Stand, der den ökonomischen Fortschritt hindert, aus Sittlichkeitsgründen erhalten, so wäre baß ber Anfang vom Ende aller Kultur. (Rufe: Pfui. Hört Hört!) Die Konsumvereine tragen allerdings dazu bei, daß ber gewerbliche Mittelstand immer mehr verschwinde. Der Umsatz des Breslauer K°nsumvere.nS der57F,l.alen m der Stadt unterhalte, beziffere sich ans saft 12 Millionen Mn» im ^abre er verteile eine Dividende von 11 vom Hundert, «ehnlich Dürften die «-rMniss- überall liegen. Dabei habe unser Kaiser gesagt:Ich wünsche, daß der Mittelstand erhalten und gekräftigt werde." Es habe aber den Anschein, als werde selbst von den Beamten diesem Kaiserworte keine Beachtung geschenkt. Die Konsumvereine werden selbst von hohen Beamten begünstigt. Es werde dabei nicht beachtet, daß die große Mehrheit der Konsum- vereinrmitglieder aus Sozialdemokraten bestehe, die die