Konsumvereine als geeigneten Boden betrachten, um für ihre Ideen Propaganda zu machen. Indem also die Beamten die Konsumvereine unterstützen und fördern, tragen sie dazu bei, die Existenz des Mittelstandes zu ruinieren und die Umsturzparteien zu fördern. Es sei hohe Zeit, daß daS Wort unseres Kaisers zur Wahrheit werde, ehe der Mittelstand, der das festeste Bollwerk von Thron und Vaterland bilde, vollständig verschwunden sei. Es müsse dahin gewirkt werden, gesetzliche Bestimmungen zu erlaffen, daß die Errichtung von Konsumvereinen von dem vorhandenen Bedürfnis abhängig zu machen sei, daß die Konsumvereine besteuert werden und denselben verboten werde, Dividende zu zahlen. Er ersucht, seinem Anträge zuzustimmen. (Beifall.)
Kaufmann Schulz (Magdeburg): Die Behörde habe auf eine Eingabe um Beschränkung der Konsumvereine ablehnend geantwortet und auf die Wohlfahrts-Einrichtungen und die Bibliothek der Konsumvereine hingewiesen. Der Magdeburger Verein habe darauf geantwortet, daß die Konsumvereine den Sozialdemokraten als Propagandastätte dienen, und daß in ihren Bibliotheken die sozialdemokratische Litteratur die erste Stelle einnehme. Die Konsumvereine tragen somit dazu bei, den sozialdemokratischen ZukunstS- staat zu fördern und den Mittelstand zu ruinieren. — Kaufmann Bogel (Breslau) führte auS: Wenn die Konsumvereine sich in bisheriger Weise weiter ausdehnen, dann sei die Zeit nicht mehr fern, wo der letzte Kaufmann genötigt sein werde, Lagerhalter und der letzte Bäckermeister Geselle zu werden. Er könne sich nicht denken, daß die Regierung noch länger müßig zusehen werde, wie der Mittelstand allmählig zu Grunde gehe. In der weiteren Besprechung wurde auch auf die „den gewerblichen Mittelstand in hohem Maße schädigenden" Beamten- und Offizier- Konsumvereine hingewiesen. — Senator Schulze (Gifhorn) bezeichnete die Ausbreitung der Konsumvereine als Unfug, dem mit aller Energie gesteuert werden müsse. Er sei geradezu erschrocken, als er vor einiger Zeit nach Görlitz kam und gefunden habe, daß dort im ganzen noch zwei Detaillisten vorhanden seien, alle anderen haben die Konsumvereine beseitigt. (Hört! Hört!) — Der Antrag Kaiser gelangte schließlich mit einem Zusatzantrage des Kaufmanns Neumann (Berlin), dem Anträge hinzuzusügen: „und Rabattsparvereine", einstimmig zur Annahme.
Auf Antrag des Kaufmanns Vogel (Breslau) gelangte danach folgender Antrag einstimmig zur Annahme:
„Der Verbandstag erblickt in einer gedeihlichen Fortentwickelung kLufmänntschen FortbtldungsschulwesenS eine wesent- ULe Förderung des Kletr Handels, und wünscht, daß die errichtet.n Focibtldungsschulen bestehen bleiben, jedoch obligatorisch und von der Königlichen Regierung, den städtischen Behörden und der Kauf- mannschäft die erforderliche Förderung zum Ausbau erfahren."
Eine sehr lange Erörterung veranlaßte ein Antrag des Vereins Dortmund: „Der Centralvorstand wolle mit allen Kräften dahin wirken, daß für die Vertretung der
Detaillistenkreise Detaillistenkammern geschaffen werden." Dieser Antrag begegnete vielfachen Widersprüchen. Es wurde bemerkt, daß dadurch Kaufleute zweiter Klasse geschaffen werden. Die Detaillisten müßten bestrebt sein, in den bestehenden Handelskammern eine Vertretung zu finden, nicht aber eigene Detaillistenkammern zu schaffen. Kaufmann Renner (Witten) bat um Annahme des Dortmunder Antrages. In den Handelskammern des Jnduftrie- bezirks werden die Detaillisten einfach überstimmt. Kaufmann Sch Wirker (Dortmund): Die Detaillisten seien von der Wahl zur Dortmunder Handelskammer so gut wie ausgeschlossen, da man dort die Zugehörigkeit zur Handels- kammer von 72 Mk. Gewerbesteuer abhängig gemacht habe. Senator Schulze (Gifhorn) ersuchte, das Beispiel in Hannover nachzuahmen. Dort sei es durch nachhaltige Arbeit gelungen, die Handelskammer in das Fahrwasser des Centralverbandes zu bringen.
Auf Antrag des Kaufmanns Schulz (Magdeburg) gelangte schließlich folgende Erklärung zur Annahme: „Der Zentralverband möge dahin wirken, daß für die Vertretung des Kleinhandels in den Handelskammern ausgiebiger gesorgt werde, was schon dadurch geschehen kann, daß die Berechtigung zur Teilnahme an den Wahlen an einen niedrigeren Gewerbesteuersatz geknüpft wird, als es jetzt vielfach der Fall ist, oder eine Mindestzahl von Vertretern des Kleinhandels gesetzlich festgelegl wird." Auf Antrag des Vereins Soest wurde beschloßen: „Der Zentralvorstaud wolle dahin wirken, daß die Ausdrücke „Fabrik" und „Fabrikation" durch Gesetz genau festgelegt werden." — Auf Antrag des Vereins der Stettiner Kaufleute wurde beschlossen: „Der Zentralvorstand wolle, entgegen den Bestrebungen des Bundes deutscher Gastwirte, beim Reichstage und Bundesrat erneut dahin gehend vorstellig werden, daß dem Wunsche einer Einschränkung der Schankkonzessionserteilung, wie des Flaschenbierhandels, insbesondere unter Mitwirkung des Gastwirtsstandes nicht stattgegeben werde. — Eine längere Besprechung veranlaßte folgender Antrag der beiden Berliner Vereine der Kolonialwaren-Branche: „Der Zentralverband deutscher Kaufleute und Gewerbetreibenden erklärt die Aenderung des Nahr- uungSmittelgesetzes für dringend notwendig; im besonderen hält er es für geboten, daß bei Beanstandung von Waren, die zur Klageerhebung zwingen, nicht immer nur das Gutachten eines Chemikers, sondern auch das von Sachverständigen aus der Branche maßgebend dafür sein soll, ob Anklage zu erheben ist. (Schluß folgt.)
Vermischtes.
* Zum Kouitzer Mord. Justizrat Dr. v. Gordon aus Berlin, der in Gemeinschaft mit Rechtsanwalt Maschke aus Könitz am 8. September die Verteidigung des inhaftierten Händlers Jsraelski führen wird, ist zum Studium der
Akten und zur Besichtigung der Oertlichkeiten in Könitz eingetroffen. Nach umgehenden, zunächst unkontrolierbaren Gerüchten wird die Untersuchung in der Winter'schen Mordsache wieder nach einer bestimmten Richtung hin mit großem Eifer betrieben. — In der letzten Strafkammersitzung in Könitz wurde der Arbeiter Hugo Somnitz aus Trzebiatkowo, der in Gemeinschaft seines Bruders Franz einen jüdischen Handlungsgehilfen mißhandelt hatte, zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Franz Somnitz war zur Verhandlung nicht erschienen, eS wurde deshalb seine Verhaftung beschlossen.
* Aus den Bergen. Die Studentenbrüder Lampl, die einzigen Söhne einer Hoftatswitwe aus Graz, find bei Schladming, wo sie zum Sommeraufenthalte weilten, vom Kriegerzinken abgestürzt. Beide wurden tot aufgesunden.
* Von der Weltausstellung in Paris. Der französische Handelsminister hat infolge einer Anregung des Deputierten Pascal Grouffet eine Enquete über die Frage angeordnet, ob es sich empfehle, die Weltausstellung bis zum Frühjahr 1901 zu verlängern.
* Die deutsch.franzöfische Waffenbrüderschaft in China wird auch durch folgenden Vorfall beleuchtet, den ein Unteroffizier Kordes vom 3. ostasiatischen Jnfanterie-Regiment, der sich zur Kit mit auf dem Dampfer „Rhein" auf der Ausreise nach China befindet, feinen in Vlotho wohnenden Eltern von Port Said aus berichtet hat. Bei der Begegnung mit einem französischen Panzerkreuzer am 13. August spielte zur Begrüßung sowohl die deutsche wie auch die französische Kapelle. Letztere spielte das Lied „Ich bin ein Preuße". „Dieses Lied, von einer sranzösischen Militärkapelle gespielt, erweckte in uns", so schreibt der deutsche Unteroffizier in seinem Brief, der von den Blättern abgedruckt wird, „ganz sonderbare Gedanken. Mit abgenommenen Hüten fuhren wir an dem französischen Schiff vorbei."
SchMnachrichte«
Norddeutscher Lloyd. Vertreten in Gießen durch die Agenten: Carl Loos und I. M. Schulhof.
Bremen, 20. August. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Schnellpostdampser Kaiser Wilhelm derGroße, Capt. H. Engelbart, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 10 Uhr vormittags wohlbehalten in New-Dork angekommen.
P. P.
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Markus Bauer.
Anfertigung noch Mass in eigener Werkstätte.
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wird aus essigsaurem Kalk
der meistens aus Holz, Holzabfällen etc. gewonnen wird, hergestellt.
4634 Die Abwelirkommisslon des Deutschen Essigfabrikanten-Verbandes.
Bekanntmachung,
betreffend: Städtisches Elektrizitätswerk.
Um die Abgabe von Elektrizität für den Bedarf des Stadtgebietes bis zum 1. April 1901 bewirken zu können, ist es j tzt schon erforderlich, die Verteilung elektrischer Energie in diesem Gebiet festzustellen. Das Wer wird im Gleichstrom-Dreileitersystem 2 mal 220 Volt ausgeführt. Die Stärke der Leitungen und die Führung derselben wird in den Straßen entsprechend dem voraussichtlichen Bedarfe an elektrischer Energie für die einzelnen Bezirke bestimmt. Wird dabei auch Spielraum für einen über den Rahmen der »ersten Anmeldungen hinausgeheuden Verbrauch vorgesehen, so können durch nachträgliche Anmeldungen den Abnehmern Schwierigkeiten und besondere Kosten erwachsen. Es wird deshalb dringend gebeten, den voransfichtlicheu Bedarf an elektrischer Energie bis znm 1. Oktober bS. Js. auf den dafür in dem Büreau des städtischen Elektrizitätswerkes (Reumühle) und bei der Großherzoglichen Bürgermeisterei unentgeltlich zur Verfügung stehenden Formularen auzumeldeu.
Die Bedingungen für den Bezug elektrischer Energie sind ebendaselbf erhältlich Die Aufforderung zur Stellung definitiver Anträge auf Anschluß erfolgt dann später. Zur Erläuterung sei bemerkt, daß jedes Grundstück in der Regel nur einen Anschluß an die elektrische Leitung erhält, daß aber die verschiedenen Gebäude eines Grundstückes oder die verschied nen Stockwerke eines Gebäudes durch besonderen, mietweise überlaffenen, Zähler in ihrem Verbrauche kontrolliert werden können.
Bei der Anmeldung ist getrrnnt anzugeben der voraussichtliche Bedarf an elektrischer Energie:
a) Beleuchtungszwecke durch Bezeichnung der Art, Stärke und Zahl der Lampen,
b) für elektrische Motoren nach Pferdestärken des Elektrometers, c) für sonstige Zwecke unter Beschreibung der Verwendung, die beiden letzten Angaben mit Zufügung der Tageszeiten und Stunden, in welchen der Betrieb voll und beschränkt stattfindet.
Jede gewünschte weitere Auskunft erteilt der Betriebsleiter des städtischen Elektrizitätswerkes, Herr Mulert, auf der Neumühle in den Stunden von 11 — 12 Uhr vormittags und 5—6 Uhr nachmittags
Gießen, den 27. August 1900.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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