Ausgabe 
1.8.1900 Drittes Blatt
 
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einem an einem größern süddeutschen Theater aufgeführten Lustspiel großen Erfolg gehabt habe und nun einen Band Gedichte zu veröffentlichen beabsichtige. Bald vernahm man, daß bei der Hundertjahrfeier eines großen Vereins der Residenz Gedichte von *** gesprochen worden seien, und daß man den Autor einem Mitglied des regierenden Hauses vorgestellt habe. Selbst der regierende Fürst empfing darauf, wie es hieß, den jungen Dichter, und man konnte, als inzwischen dieKleinen Gedichte" erschienen waren, auch nichts Ungewöhnliches darin finden; denn diese Gedichte, ein schmales Bändchen, verrieten un­zweifelhaft Talent. Nun aber las man in den Zeitungen Besprechungen der Verse, von Professoren und mit adeligen Namen unterzeichnet, die den jungen Mann als die große Hoffnung der deutschen Litteratur bezeichneten, quasi als den neuen Goethe hinstellten. Da schüttelten vernünftige Leute die Köpfe, denn, mochte das Talent des Primaners auch unzweifelhaft sein, ebenso unzweifelhaft konnte man doch auf die jährlich in Deutschland erscheinenden zwei Dutzend Gedichtsammlungen nicht viel älterer und nicht minder begabter Lyriker Hinweisen. Also sprach man es offen aus, ld- eine solche Kritik das junge Talent in Grund und Boden verderben würde. Einige Wochen ver­gingen, in dem Gymnasium der Residenz sand die schrift­liche Miturientenprüfung statt, an der auch der Autor derKleinen Gedichte" teilzunehmen hatte, da vernahm man plötzlich, Haß der deutsche Aufsatz des Miturienten den offenbaren Größenwahn des jungen Dichters verraten habe, und daß er in einer Irrenanstalt untergebracht wor­den sei. Nun kam eine ganze Reihe unerhörter Dinge ans Tageslicht: Die Aufführung des Lustspiels an dem süd­deutschen Theater hatte niemals stattgefunden, die Be­sprechungen derKleinen Gedichte" waren von ihrem Autor selber verfaßt, dieser hatte schon Postkarten mit seinem Bildnis anfertigen, ja, sich halbnackt alsBüste" photo­graphieren lassen,. Diamanten gekauft u. s. w. Es mag sein, daß da einige Uebertreibung mit unterläuft, auf die Art und Weise, wie sich der Größenwahn äußerte, kommt es ja auch! nicht an. Kurz und gut, der Autor der Kleinen Gedichte" sitzt im Jrrenhause, und die deutsche Litteratur wird schwerlich wieder von ihm hören.

*EinArtikelausderFeder, oderviel Mehr dem Pinsel eines chinesischen V i z e k ö n i g s läßt Uns die ostasiatischen Zustände aus erster Quelle er-

I kennen. In diesem Artikel sagt der Vizekönig Chang-Chi- I Tung nach der ostasiatischen Monatsschrift folgendes: Die vielen Millionen von Einwohnern im Westen (Europa) haben eine Menge der verschiedensten Zeitungen, sowohl politische, als auch volkstümliche. Die politischen Zeitungen beschäftigen sich mit Angelegenheiten des Staates, die volkstümlichen mit den Angelegenheiten der Familie. Man kann sich da unterrichten über die Aufrechterhaltung des Staatswesens, über den gegenseitigen Verkehr der Länder, den Fortschritt oder Rückgang des Handels und Wandels, die Stärke der Land- und Seemacht, neue Wissenszweige und neue Lehrmethoden. Die Einwohner eines Landes treten sich dadurch nahe, wie die Glieder einer Familie, und Angehörige der fünf Erdteile unterhalten sich durch die Zeitung miteinander.....Der Taotai von Shang­

hai hat sich monatelana aus europäischen Zeitungen die neuesten Nachrichten übersetzen lassen und sie vor jetzt zwei Monaten dem Tsungliyamen und den Handelssuper­intendenten der nördlichen und südlichen Häfen einge­reicht;, aber was bei uns Anstoß hätte erregen können, das hat er einfach ausgelassen, und oadurch verliert seine Eingabe sehr an Wert..... Unsere auswärtigen Ver­

wickelungen und Aenderungen der politischen Lage mehren sich mit jedem Tage, aber die wichtigsten Entschließungen und Staatsaktionen zu ihrer Bekämpfung vollziehen sich im Verborgenen, und kein Mensch wagt> sie zu erörtern. Indessen haben die ausländischen Zeitungen unsere Maß­nahmen bereits längst über die ganze Erve verbreitet . . . Wenn man heute eine europäische Zeitung zur Hand nimmt und darin liest, wie sie China tadeln und nichts Gutes an ihm lassen, wie sie von ferner Trunkenheit und Morschheit reden und sich gegenseitig im Tadeln zu überbieten suchen, so muß man unbedingt in höchsten Zorn geraten. Nun frage ich: Genügt es, in Zorn zu geraten? Chu-Ko hatte nichts dagegen einzuwenden, wenn sein Haus offen ange­griffen wurde, aber Chou-Tse scheute die schleichenden Krankheiten, die den Körper töten. Ein altes Sprichwort sagt: Ein Gebildeter braucht einen Freund, der ihn zurecht­setzt. Wäre es nicht auch angebracht, wenn man heute sagen wollte: Ein Land braucht einen Nachbarn, der es zurechtsetzt?" Nun, diesenNachbarn, der es zurechtsetzt" hat China in Gestalt der solidarischen, gebildeten Welt gefunden. Möge der eigene Wunsch des chinesischen Vize­königs voll und ganz in Erfüllung gehen! Der Industrie, dem Handel und Wandel der Erde wäre es nur zum Segen.

Auszug ans -en KirchrntrSchrra irr Stadt Gieße*.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

MittbSuSgemeinde.

Den 21. Juli. Georg Wilhelm Karl Zimmermann, Drechsler in Biedenkopf, und Amalie Möckel, Tochter deS zu Ortenberg ver­storbenen LandgertchtsdtenerS t. P. Kari Möckcl.

Den 24. Juli. Adolf Theodor Bramm, Kaufmann zu Witten a. d. Ruhr, und Johanna Luise Karoltne Kühne, Tochter deS Hotel- befitzerS Heinrich Kühne zu Gießen.

JohanneSgemeinde.

Den 21. Juli. Karl Heinrich Joseph Belz, Tapezier und Deko­rateur zu Gießen, und Karoltne Wilhelmine Löber, Tochter deS FrtedhofSaufsehers Friedrich Löber zu Gießen.

Getaufte.

MatthiiuSgemeinde.

,, , Den 22. Juli. Dem GerichtSdiener-Substitut Ludwig Wald- schmtdt ein Sohn, Heinrich, geboren den 4. Juli.

n_r Denselben. Dem Kutscher Heinrich Prinz eine Tochter, Emmi Elisabeth, geboren dm 6. Juni.

MarkuSgemeinde.

Den 22. Juli. Dem Bremser Valentin Ruppel ein Sohn, Otto Heinrich, geboren den 13. Mai.

LukaSgemeinde.

Den 22. Juli. Dem Kaufmann Wilhelm Jullmann eine Tochter, Anna Margarethe, geboren den 19. Juni.

Denselben. Dem Schmied Heinrich Becker eine Tochter, Marie Elise Minna Emma, geboren den 24. Juni.

Denselben. Dem Friseur Karl Muhl eia Sohn, Wilhelm, ge­boren den 21. Juli.

Denselben. Dem Taglöhner Hermann Vogel eine Tochter, Anna Maria, geboren den 14. Juli.

JohanneSgemetnde.

Den 22. Juli. Dem GerichtSassesjor Dr. Georg Moritz Hansult eine Tochter, Brunhtlde Auguste Ottilie Natalie, geboren den 19. Mai.

Beerdigte.

MarkuSgemeinde.

Den 25. Juli. Julie Hellmold, Tochter deS verstorbenen Post­schaffners Martin Hellmold und dessen verstorbenen Ehefrau Marie, geb. Schäfer, 31 Jahre alt, starb den 22. Juli.

JohanneSgemetnde.

Den 23. Juli. Ernst BooS, Schuhmacher, 36 Jahre alt, starb den 21. Juli.

Schluss

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