Ausgabe 
30.3.1898 Erstes Blatt
 
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Wie», 28. Marz. Heute Nachmittag wurde die Leiche der Erzherzogin Natalie in der Kapuzinergruft bei- gesetzt

Madrid. 28. März. Ja einer Conferenz, welche di- Königin«Regentin im Palai« mit Ta gast a sowie mit den Ministern des Aeußern und der Colonien hatte, wurde beschlossen, Marschall Blanco zu befehlen, sofort einen Marine- Offizier mit einem SitnationSbericht der spanischen Maine- Commission, welcher die Ursachen der Katastrophe beschreibt, nach Washington zu entsenden. Die spanisch? Regierung gibt die Hoffnung noch nicht gänzlich auf, die Action Mac Kinleys eine Zeit lang oufhalten zu können.

Rewyork. 28. März. DerNewyork Tribüne" wird aus Washington telegraphirt, der jetzige Stand der Unter« Handlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Spanien habe im Sinne der Ausrechterhaltung drö Frieden« gute Fortschritte gezeitigt.- Einer Depesche deSNewhork Herold" zufolge hat der spanische Gesandte die Bereinigten Staaten ersucht, jede Action in der Cuba-Frage zu ver- schieben, da Spanien billige und liberale Vorschläge machen wolle, die die Vereinigten Staaten und Cuba befriedige» würden. Andererseits habe der spanische Gesandte gestern erklärt, Spanien werde seine SouveränitätSrechte auf Cuba nicht ausgeben.

CocaUs rrrrd ptotHttaielles

Gießen, 29. März 1898.

** Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben «llergnälizst geruht, nm 22. März den außerordentlichen Professor bei der philosophischen Facultät der LandeSuniverfität, Dr. Carl GrooS in Gießen, auf fein Nachsuchen auS dem Staatsdienste zn entlassen.

* Tagesordnung für die Sihnng der Stadtverordneten. Berfammlnng Frertag den 1. April 1898, Nach« mittags 3/2 Uhr. 1. Holzabgaben aus der Hand für das Rechnungsjahr 1897/98. 2. Verkauf von Hospitalge- lände an der Hosmannstraße. 3. Vermiethung der vorhinigen Stallmetstrrwohnuug; hier: MiethSpatronat. 4. Baugesuch deS L. Seultng für die Wallrhorstraße. 5. Die Verbesserung der Beleuchtung deS LudwigSplotzeS und der anschließenden TheilS der Grüubergerstraße. 6. Verbesserung der Beleuch­tung in der Bergstraße. 7. Auswechselung der Gasleitung nebst Candelaber tu der Moltkestraße. 8. Bemesserung der Beleuchtung am westlichen Eingang der Nordanlage. 9. An­lage erhöhter Trottoirs; hier: Arbeitsvergebung a) für die Dammstraße zwischen Nordanlage und Wallthor,- b) für den SelterSweg -wischen Kreuzplatz und Maigass-- c) für da« Versetzen von Bordsteinen in der Lonyftraße. 10. Er­weiterungsbau des RealgymnafiumS; hier: Vergebung ter Röhrenlieferung. 11. Herstellung einer fahrbaren Straße gegenüber der Löwengaffe nach der Südanlage- hier: Ab« änderung der Bestimmung über die Anlage von Vorgärten. 12. Den Sradtbauplan- hier: a) denGroßen Steinweg", b) Gesuch des L Seuliug, die Anlage einer Straße von der MoUkrftraße nach dem Steinweg betreffend, c) Gesuch des Karl Stohr, die Eintheilung seines Gartens daselbst in Bauplätze betreffend. 13. Ausleihung von Geldern aus der Plockischen Stiftung an die Baugenoffenschaft des evangelifchen Arbeitervereins.

** Erledigte Lehrerstelleu. Erledigt find: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu RüddingShausen, Kcet« Gießen. Mit der Stellen ist Organisten- und Lectorendlenst verbunden. Eine mit einem evangl. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Flomborn, Kreis Alzey. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende.Lehrerftelle an der Gemeinde- schule zu Freimersheim, Kreis Alzey. Mtt der Stelle ist Organiftendienst verbunden. Sämmtlich mit dem gesetzlichen nach dem Dienstalter sich bemeffrnden Gehalte.

**H. Stadtlhealer. Im Vergleich zu dem fragwürdigen Genuß der Vorstellung des Sonntag Abend« bot die gestrige einen guten Ausgleich. Zur Aufführung kam Rudolf Knetsrl« VolksstückDie Lieder de« Musikanten", ein Stück, das zwar denmodernen" Anforderungen nicht entspricht, jedoch in seiner schlichten Handlung dennoch eine mächtige Sprache redet und von eindrucksvollster Wirkung ist. Man hat sich heuizutag beinahe abgewöhnt, sentimental zu sein, ein ergreifender Vorgang darf nicht mehr wie ehedem zu Thränen rühren, sondern dem guten Ton zufolge muß man dabei ewpftadungSloS bleiben, besser gesagt, man verlangt die Selbstoerleugnung der Gefühle, also unnatürlich zu sein. Und doch sehnt sich so manche« Opfer der Convenance und ©tquette nach jenen Stunden, wo man al« Kind über das Schicksal eine« liebgewordenen armen, kranken Nachbarkinde« aufrichtige, natürliche Thränen vergossen, der StandeSunterschiede und so vieles Anderen nicht gedenkend. Wie im Kleinen, so auch als Spiegelbild im Großen. Man hört bei diesem DolkSstück räfonniren über Butterftimmung, übertriebene Sentimentali' tüt usw. und bleibt der packenden Wirklichkeit und Wirkung gegenüber empfindungslos. Da« Stück wurde hier schon mehrmals aufgesührt, ist also seinem Inhalt nach wohl be­kannt. Die Vorstellung wurde zum Benefiz für Fräulein Berner gegeben, welche in der Rolle der Christine Gelegen­heit fand, ihr schönes, vielversprechende« Talent nochmals zu zeigen und zu bestätigen. In ihrem Fache als sentimentale Liebhaberin bot fie im Laufe der Saison mehrere recht be- achtenSwerthe Leistungen. Mit der Verkörperung ihrer Christine zeigte fie gestern, daß fie Flügel hat, welche sie tragen werden im unternommenen Fluge nach Idealen, nach dem Wahren und Schönen, nach dem Vollendeten in der Kunst. Ihr Spiel zeigte Begeisterung, Leidenschaft und un- gesuchte Natürlichkeit, so daß fie ebenso rührend in der Scene des Wiederfindens ihres Vaters, al« innig liebend, schalkhaft und entschlossen im Zusammensein mit ihrem geliebten Erhard fia, zeigte. Und wie reizend und herzerfreuend anmulhig, wie natürlich und keusch berührend war der Abschied vom Geliebten, da«Gute Nachf-sagen. Wahrlich eine durchaus

einwandsfreic Wiedergabe. Der jungen Künsterin, welche an da« Düsseldorfer Stadttheater ferner verpfl chtet ist, wünschen wir alle« Glück für die Zukunft und ein von künstlerischen Impulsen getragene« BorwärtSstreben und Weiterschreiten auf den eingeschlagenen Pfaden der Kunst. Der beliebten Bene- fizicmtin wurden mehrfache Blumen- und Kranzspenden sowie lebhafter, anerkennender Beifall al« Ehren des Abends zu Theil. Außerdem hatten wir Gelegenheit, unseren Mit­bürger und frühere« Mitglied de« hiesigen Theaters, Herrn Max JaSkowSky in der Rolle de« fahrenden Mufikanten Lebrecht Winter auftreten zu sehen. Trotz mehrjährigen Fern- seins von der Bühne bot Herr JaSkowSky immerhin eine achtunoswerthe Leistung. Die ersten ©eenen zeigten sich etwa« pathetisch gekünstelt, die folgenden fesselten durch natürliche« Spiel und wirkten stimmungsvoll- die Gesangseinlagen kamen von ihm recht ansprechend zu Gehör. Auch ihm wurden leb- hafte Beifallskundgebungen gebracht. Von den übrigen Mitwirkenden bot Herr Liebscher eine glanzvolle Charakter­leistung mit seinem Martin Winter, dem, seinen Bruder als Vagabond und Straßenmusikant verachtenden reichen Bauern. Herr Janson al- dessen Sohn Erhard, der au« seiner Liebe zu der armen Mufikantentochter kein Hehl macht, war gut in jeder Beziehung, desgleichen Herr Doser in seiner Amt- mannswürdc. Eine schwierige Rolle hatte Fräulein Na tusiu« mit ihrer Haushälterin Barbara, doch sührte fie diese mit bestem Gelingen durch. Herr Albrecht als DvrfmufikuS, Herr Fritz schier al« Knecht Jobst, Herr Forsch als Invalide Puff bewährten fich in bekannt guter Weise. Da« HauS war recht gut besetzt

und nahm die Aufführung mit allen Zeichen sichtlichen JntereffeS beifallsfreudig auf. Dem gestrigen Referat Uber die Aufführung vonEin Besuch im Panoptikum" sei, zur Vermeidung von Mißdeutungen und irrigen Auslegungen eine Berichtigung nachgetragen, denn in dem Satze: Unser genügsames Theaterpublikum rc. (rrste Spalte, 10. Zeile von unten) müssen hinterBesserem" die vergessenen Wortein diesem Genre" (nämltch Schwank« Genre) eingeschaltet werden, sodaß der Nachsatz richtig lautet: da es mit Besserem in diesem Genre nicht allzusehr ver« wöhut wird. Ferner fehlt in der gleichen Spalte, 25. Zeile von unten, hinterAufnahme an anderen Bühnen" das Wort vereinzelt".

** Etadtiheater. Donnerstag Abend findet die letzte Vorstellung dieser Saison statt. Gegeben wirdRomeo und Julia" mit Herrn Hofschauspieler Hacker von Darm­stadt in der Titelrolle und Frl. Mariosf als Julia. Ueber Herrn Hacker alsRomeo" schreibt diePfälz. Bolksztg.": Herr Hacker hat, seit wir ihn zuletzt alsRomeo" gesehen, eminent gewonnen. Schon damals bot er Vorzügliches, das nur von Wenigen Überboten werden konnte, heute aber schafft er ein Bild des jungen Veroneser« von ungetrübter Idealität, das einfach nicht zu übertreffen ist. Schon seine äußere Erscheinung stimmt so wunderbar zu seinem Helden, daß das Publikum in lauten Beifall ausbrach, als er die Bühne betrat. Und ganz und gar im Einklang mit diesem äußeren ©ilöe steht die Entwickelung be« CharacterS durch den Künstler. Die schwermürhige Liebe zu Rosalinde, das Anflodern der wahren Liebe zu Julia, das süße Geflüster am Balkon, da« Ausjubeln bei der ersten Begegnung in der Zelle be« Lorenzo, dann dir Verzweiflung bei der Nachricht von der Verbannung und schließlich der SchmerzensauSbrnch an der Leiche der Julia das Alle« kam ebeso lebenswahr als warm zum Ausdruck und war vom Zauber bestrickender Jugendlichkeit. Somit sehen wir einem genußreichen letzten Theaterabend entgegen.

** Theaterverein. Die 7. Vorstellung am Mittwoch dea 30 b. M. wirb ein Stück bringen, da« die LachmnSkeln der Zuschauer ununterbrochen in Bewegung hält.Niobe" ist zwar kein neuer Schwank mehr, hat aber dafür den Vorzug, ein wirklich guter Schwank zu sein, waS man von den neuen Stücken diese« Genre« selten behaupten kann. Seitdem Blumenthal da« Stück au« dem Englischen in« Deutsche über­tragen hat, gehört e« dem Rsperloir der meisten Bühnen noch am letzten Sam«tag wurde cfl beispielsweise in Wie«, baden gegeben. ES ist wirklich die au« der Mythologie be# kannte Niobe, die uns in diesem Stück eutgegentritt, und fie wirb sogar toieber lebendig nach vieltausendjährigem Schlaf dort nur im Traume. Die Hauptrolle liegt in den Händen des Herrn Helm, dem Fräulein Würdig fecun- dirrn wirb. Die Rolle zählt zu den besten de« Herrn Helm, in welcher er öfters gaftirt hat, und seine vielen Verehrer werben e« ihm gewiß banken, baß er am Schluffe ber Saison noch einmal in einer großen Rolle auftritt. Im Uebrtgen denken unsere einheimischen Künstler am Mittwoch dem Theaterverem zu beweisen, daß fie auch ohne Zuziehung eine« gefeierten Gast s wohl im Stande sind, ein gutes Stück gut zu spielen. Noch wollen wie darauf aufmerksam machen, daß wegen Wegfälle« eines Gasthonorar« die Preise an der Tages ! affe erheblich ermäßigt werben konnten.

** Kaufmännische Fortbildungsschulen iu Hessen. Ein der Zweiten Kammer unterbreiteter Antrag ber Abgeorbneten M e tz und Genossen lautet: In den ©tobten Darmstabt, Gießen, Offenbach, Worms unb Bingen bestehen seit einigen Jahren von den kaufmännischen Vereinen daselbst unter Mit­hilfe ber Städte unb befi HandelSstandeS bezw. ber Handels­kammern gegründete Schulen für die fachmännische Fort­bildung junger Kaufleute. Diese Schulen haben fich seither recht erfreulich entwickelt unb »erben biefelben sämmtlich von einer großen Anzahl junger Kaufleute betucht, welche je in mehreren (34) Klössen im Rechnen, Geographie, modernen Sprachen, Buchhaltung und HanbelSwissenschajten unterrichtet werben. Die Erfahrung hat nun aber gezeigt unb liegt eS in der Natur der Sache, baß ans die Dauer der Fortbestand unb die Weiterbildung dieser Schulen nur möglich ist, wenn denselben ein angemessener Staatszuschuß gewährt wird, wie einen solchen mit vollem Recht die landwirth chaftlichen und gewerblichen Fortbildungsschulen in hohem Maße erhalten. Gelegentlich der Babgetberathung ist in diesen Tagen von |

£>errn Geh. Rath Emmerling Namen« der Großherzoglichen Regierung in dankenswcrther Weise erklärt worden, baß die Regierung gerne bete t sei, eine solche Unterstützung zu be- mtfltgen unb bte Interessenten fich nur zu spät gemeldet hätten und deshalb ihre Wünsche bei Ausstellung be« ©ubget« bltfeö Mal nicht hatt'n berücksichtigt werden können. Mit Rücksicht auf diese Erklärung der Grohherzoglichen Regierung und die weitere Thatsache, baß die betreffenden Schulen da» größte Interesse daran haben, baß ihnen schon sitzt, spätesten« aber mit bem 1. Octofeer I. I. eine Beihilfe gewährt wird, damit sie ihre Stundenpläne für den nächsten ötnter den dringend heroorgetretenen Bedürfnissen gemäß neu anfstrlletr können, beantragen wir:die Kammer wolle die Großherzog, liche Regierung ersuchen, den Landständen baldigst eine Vor­lage zu machen, wonach den kaufmännischen Fortbildungs­schulen zu Darmstabt, Gießen, Offenbach, Worm« und Bingen ein angemessener jährlicher StaatSzufchuß bewilligt wird unb die Mit?el dazu in einem Nachtrag zum dermaligen Staats­budget eingestellt werden."

* OmuibnS.Gefellfchaft. Wir machen nufere ßrfer unk Interessenten auf die morgen Mittwoch Abend 8»/9 Uhr in bett oberen Räumen be« RestaurantBavaria" (Feidel) stakt- findenüe G eneralverfamm lang ber hiesigen Omnibus« Gefellschaft noch befonber« aufmerksam- ber Vorstanb wird ben Jahres- und Geschäftsbericht erstatten, die Jahresbilanz vorlegen unb Neuwahl be«felben stattfinden. Auch können Wünsche unb Anträge, brn Betrieb und das ganze Unter­nehmen betreffend, daselbst vorgebracht werden.

Gießener Volttbad. Wie im Jnseratrntheil bekannt gemacht wird, findet die Ordentliche Generalver- sammlung ber Actionäre am Mittwoch Nachmittag i/,4Uhr im Sitzungsfaale ber Bürgermeisterei statt. Wir machen bir Beteiligten mit Rücksicht auf bie Wichtigkeit ber Tages- orbnung hierauf befonber« aufmerksam.

* * Befitzwechfel. DerKaiserhof" ging für bea Preis von 125000 Mk. an Herrn Friseur Stier über. Die Beivirthschistung befi Kriserhof« übernimmt ber bisherige Restaura eur be«Hess. Hofe«", H-rr Lubwig Spuck.

* Hessische Offiziere. DemW. T." wirb au« Darm« stabt geschrieben: Am 1. April feiern wieber zwei berbiente höfische Offiziere den Tag, an bem fie vor 50 Jahren in die Armee eintraten. E« finb bieS der Genera «Major z. D. Friebrich Frhr. v. RotSmann, zuletzt persönlicher Abjutant de« Prinzen Alexander von Hessen, seit 1888 zur DiSpofition, und der General-Major z. D. August v. Hers, ber 1869 Flügelabjutant deS Großherzogs wurde und, nachdem er 1886 verabschiedet, noch heute al« Großh. Hess. Flügelabjutant ä la Buite geführt wirb.

§ Nieder Gemunden, 28. März. Vorgestern fanb hiev im Södler'schen Gasthaufe bie Frühjahr«,Conferenz ber Lehrer be« CovserenzbezirkS Nieder-Gemünben statt. Der Vorfitzende, Herr Krei«schulinspector Mathe«, eröffnete die Conferenz zur festgesetzten Zeit. Aus ber TageSorbnung stauben:Wie ertheile ich meinen Schönschreibeunterricht?* Referent Herr Lehrer Sprengel-Ruppertenrod unbDie prac- tische Bedeutung ber Raumlehre in der Volksschule", Refe­rent Herr Lehrer Schwartz-Ober Ohmen. Beiden Referenten sprach ber Vorsitzende ben Dank aus für ihre fleißigen, wohl- durchbachteu Arbeiten. Die lebhafte Discusfion, welche ber Vorfitzende anzuregen wußte, unb bie Im verlaufe berfelben von ihm rnitgetheilten methobifchen Fingerzeichen ließen ben prominenten Fachmann erkennen. Nach verfchiebenen amt­lichen Mittheilungen unb Festsetzung der Tagesordnung zur nächsten Conferenz schloß der Dorfitzende ben amtlichen Theil ber Conferenz, bem eine gemeinsame Mittagstafel folgte.

A Mainz, 28. März. Die gerichtliche Voruntersuchung über ote in bem hiesigen städtischen Gaswerk vorge­kommenen Unterschleife ist jetzt fo gut wie beendet. Von den verhafteten Beamten ist am verflossenen Samstag wieder einer in Freiheit gesetzt worden und befindet sich jetzt nur uoch ber Kassier in Hast. Letzterer hat eingeftonben, einen Betrag von ca. 17 000 Mk. veruntreut zu haben, nun ist eS aber komischer Weise trotz mehrwöchentlicher Untersuchung ber Bücher weder Mitgliedern der Oberrechnungskammer noch dem Gerichte gelungen, zu finden, auf welche Weise ber Kassier bie Unterschlagungen bethätigt hat. Außer kleinen Differenzen wurden weder in ben Büchern, noch in ber Raffe irgend» tote Unregelmäßigkeiten entdeckt. Soviel steht bereit« fest, daß die ganze Sache, die Anfang« diese« Jahre« hier mächtigen Staub aufgewirbelt hat, anfänglich sehr übertrieben wurde, und efi im Interesse de« Ansehen« unserer städtischen Verwaltung besser gewesen wär-, bei Wahrnehmung der Un­regelmäßigkeiten mit mehr Ruhe unb Besonnenheit unb weniger Uebereifer zu Werk zu gehen. Aus ber Mette be« RheiniS hier hat man letzter Tage einen Unterichlupf für alle« mögliche DiebSgesindel entdeckt. Nämlich in dem gedeckten, fich durch die Bogen hinziehenden Gange unter der hiesigen Straßenbrücke. In dem nur mit großer Lebensgefahr zu erreichenden Gange hatte fich männliches und weibliche« Ge­sindel ganz häuslich eingerichtet und eS fich, wie die zurück­gelassenen Speisereste unb leeren Flaschen bewiesen, in dieser gefährlichen Situation wohl sein lassen. Durch vorüber« fahrende Schiffer wurde Geräusch wahrgenommeu und als­dann durch die Polizei da« Gesindel fortgetrieben.

Die neuere Mittheilung an die Mitglieder der Johannes-Gemeinde

vermag nicht, die Bedenken zu beseitigen, welche die beabsichtigte Gründung einer besonderen kirchlichen Armen- und Kranken­pflege In weitesten Kreisen hervorgerusen hat. Das Rundschreiben erbringt keineswegs den Beweis, daß diese« Unternehmen sich durch einen bestehenden Nothstand, dem die Fürsorge des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege allein nicht gewachsen wäre, rechtfertigen ließe.

Vielmehr geht ou« dem Circular deutlich hervor, daß es fich in dieser Angelegenheit, unter Verkennung dessen, waS unü einen sollte, hauptsächlich um Motive persönlicher Natur, die Sicherung der leitenden Stellung» welche den amtlichen Organen unserer Johannes-Gemeinde von Seiten de« alten Vereins nicht zugestanden