Operette „Die Mütter" iw Bolkstheater fand eine regierungsfeindliche Demonstration statt. Die Gallertebesucher riesen: Abzug Banffy. (Sine für morgen anberaumte Protest-Versammlung der Studenten gegen da» Auftreten der Polizei wurde von den Behörden verboten.
Paris, 27. November. Kammer und Senat find infolge des Piequart-Prozesses in höchster Aufregung. Da« Vorgehen Zurlindeu» wird allgemein scharf getadelt. Eine M!nifterkrifiS am Montag ist nicht auSeeschloffen. Am Montag findet vor dem CaflationShofe die Co'.srovtation zwischen Picquarr und Gonse statt.
Athen, 26. November. Heute überreichten die Gesandten der vier Kreta-Mächte dem Prinzen Georg in feierlicher Weise die Ernennung zum Ober-Comwiffar von Kreta.
Charleston, 26. November. Die norwegische Bark E,Saftr" ist während eine» heftigen Orkane» in den Gewässern von Bahia gesunken. Bon 15 Matrosen d-r Besatzung find 10 durch Haifische verschlungen worden, fünf wurden gerettet.
CecaU» unb prooittsteUes*
Darmstadt, 26. November. Einer ergangenen Einladung Folge leistend trafen, (wie bereit» telegraphisch mitgetheilt. R-d.) heute Borwittag um 11 Uhr unter Führung deS Herrn KreiSrath» Dr. Wallau und ihrer mitgekommenen Bürgermeister die Frauen und Mädchen aus dem Kreis Lauter- bach im Neuen Palai» ein, wo ihrer ein Frühstück harrte. Ihre Königlichen Hoheiten unterhielten fich in leutseligster Weise mit dm Erschienenen, und war eS wirklich rührend, wie Prinzrßchsn Elisabeth eifrigst Butterbrode herbeibrachte, um fi; drn Mädchen zu geben und dieselben zum Biertrinken auf» zuforden. Hochentzückc und voll freudigen Stolze» verließen die Gäste au» dem Bchlitzerland da» PaiaiS. Unterwegs waren ihnen Großfürstin Sergiu» und Prinzessin Ludwig von Battenbürg begegnet. Dix Adrette der Mädchen, die in ihren hübschen Trachten gestern allenthalben, wo fie erschienen, die Heldinnen de» Tage» warm, treten vm 4 Uhr die Rückreise in ihre Heimath an, wo sie gewiß zeitlebens von den in Darmstadt verlebten herrlichen Tagen und ihrem „Besuch bei GroßherzogS" erzählen werden. Hoffentlich werden die schönen Trachten de» Schützer Lande» fick auch in Zukunft erhalten und nicht so bald der Alle» nivellirenden städtischen Tracht weichen. Bemerkt sei hier, daß fich verschiedene Photographen bemühten, die Mädchen zu bestimmen, fich gratis photographireu zu laffen. Wie verlautet, war da» Mädchen, da» gestern Ihrer Königlichen Hoheit der Groß Herzogin den Maiblumenstrauß überreichte, die Tochter de» KrerSamt-gebülfen Bechtold au» Lauterbach. N. H. B.
△ Mainz, 27. November. Ueber die schon vor längerer Zeit tzeplantru Veränderungen bei der hiesigen Garnison hegen jetzt die krieg-ministeriellen Bestimmungen vor. Darnach kommt da« ganze Feld-Artillerie-Regiment Nr. 27, von welchem Abteilungen außer hier, in Wiesbaden, Kastel und Gonsenheim liegen, von hier weg, und wird dessen Garnison Frankfurt a. M. und Umgegend sein. AIS Ersatz hierfür kömmt oa» gegenwärtig in Darmstadt garnisonirende Feld«Artillerie- Regiment Nr. 25 sowie noch zwei Escaoroneu Husaren nebst dem Stab de» Regiment» Nr. 13 hierher. Die hierher kommenden Husaren haben bisher tu Bockendeim tu Garnison gelegen. — DaS Kellneriuneu-Unwesen, welche» eben in vielen Wirthschafteu getrieben wird, hat den hiefigeu Gastwirtheverdand in seiner letzten Sitzung wieder bei Längeren beschäftigt. Im Jntereffe dr» soliden Gastwirlhgeschäfte» will man bei in Regierung vorstellig werden, strenge Maß- regeln gegen die Wirtschaften mit Damenbedienung, die sogen. Animirkneipru erlaffen. Neben scharfer Ueberwachuug dieser Wirthschafteu soll auch bei solchen Betrieben ähnlich wie in vielen Städten Norddeutschland» die Feierabeudstuude aus 10 Uhr verlegt und bereu Einhaltung strengsten» überwacht werden.
A Mainz, 27. November. Dir hiesige Bäckrrinnuug hatte vor einiger Zeit bei dem KrriSamt den Antrag etnge- bracht, für da» Bäckergewerbe de» Stadt- und Landkreise» Mainz eine Zwangsinnung zu errichten. DiettnAntrag hat die Bäckerianung jetzt wieder zurückgezogen nno zwar um deßwillen, weil bei einer Abstimmung unter den Landmeistern man fich durchweg gegen die Zwang-iuuung ausdrückte, die Mehrzahl der Mainzer Bäcker war für eine ZwaugAinunng, aber oa fich bei der Abneigung auf dem Lande ein gedeihliche» Zusammenwirken nicht erwarten läßt, hat man beschlossen, r» bei der bisherigen freien Innung zu brlaffen. — Die weithin bekannten Mainzer Lederwerke, vormals Mayer, Michel & Denntnger begehen am 5. December nächsthin da» Jubiläum ihre» 100 jährigen Brstehen».
Mainz, 25. November. Bei Ausgrabungen zum Zweck der Pflanzung von Bäumen wurden heute an der Stelle des früheren Gamhore» nach dem Kästrich zu werthoolle Bau- unb Sculprur-Fragmente au» der Römerzeit auf» gefunden. So wurden die Reliesbilder fitzender Figuren, allerdings nur in den unteren Hälften, erhoben. Bon außer» ordentlicher Bedeutung erwies fich die BloSleguug einer größeren Strecke einer Mauer, bevor fie völlig ausgebrochrn wurde. Hier zeigte fich offenkundig, mit welcher Abfichtlich» keit die Ban- und Scuiptur-Theile schonend vermauert worben waren: nach der Angrtffscite nicht ein Stück mit der Biloseire nach außen gekehrt, sondern alle nach innen oder mindesten» in den Lagerflächen verwendet. Man faud ferner Bogenfteine mit Architrav P^ofiie.a und Medaillon», die zu weiten Thoreingangen gehörten, Deckplarten und Pfeiler, Stücke von Wandpfeilern mit Cannelüreu und Kopitälen, aussteigende Flach Verzierungen, die au» Thyrsu»» staden, von Weinreben umwunden, gebildet find- end- lich einen figürlichen Relief, einen BachuS-Ruwpf mit einem Ziegenbock daneben. Die Inschrift ist mit Sorgfalt hergestellt und an den beiden (Inbtn durch Medaillon» mit Genien adgeschloffeu. Die Entzifferung wird nicht ohne Schwierigkeit sein, weil ein Quader fehlt; doch ist zu er» sehen, daß sich die Inschrift ans die Stadt Mainz bezieht.
Dir Stücke gehören natürlich nicht einem Bau an, der au dieser Stelle einmal gestanden hat,- e» find vielmehr Trümmer von römischen Bauten, die von den Bewohnern de» alten Mainz abgebrochen worden waren, um Material zur Befestigung der Stabt zu gewinnen. Die sculptirten Theile, wurden dabei zur Schonung nach innen gekehrt, weßhalb auch Inschriften und Verzierungen durchweg erhalten blieben.
Vermischtes.
* Die Ferber'sche UaiverfitätS Buchhandlung (C. Koch) in Gießen, Leltersweg 87 übersendrt uns soeben ihren dteSjährtgen elegant auSgeftatteteu Weihnachrscatalog. Das vornehme Werk ist mit größter Sorgfalt zusammengestellt und bringt besonder» alle Neuerscheinungen ouS sämmtlichen Gebieten der Literatur zur Kenntniß de» Publikum». Wer ein gutes Geschenk zu kaufen beabfichtigt, wird au» der Fülle der aufgrführten Erscheinungen leicht eine Paffende Gabe zu finden w ssen, mag dieselbe für Kinder, für reifere Jugend oder für Erwachsene bestimmt sein. Wie wir hören, gelangt die große Auflage de» Cotalog» in den nächsten Tagen zur Verbrettung au den Kundenkreis genannter Firma.
A Frankfurt a. M., 26. November. Die B i s o u oder amerikanischen Büffel, Thtere, welche seit über 10 Jahren dem hiefigeu Zoologischen Gart-n fehlten, find nunmehr wieder in einem wohlkutwickelreu jungen Paare angelaugt. Dsu riefigen Kopf, die zottige Mähne und da» ungebrrdige Wesen alter Büffel Haden fir freilich noch nicht, aber auch ohne diese Eigenschaften find e» zwei imponirende Gestalten, beten Erscheinung wohl noch von früher her im Andenken aller Besucher de» Zoologischen Garten» sein wirb.
• Hufbeschlag im Winter Jeber Pferdebefitzer kennt die Ueberanstrengungrn bet Pferde, wenn dieselben auf glattem Boden den Halt verlieren und auSrutschen. Diese Mißstände und die daraus entstehenden Unglücksfälle find durch eine । ep ochemachende Neuerung auf dem Gebiete de» Hus- beschlag» nunmehr beseitigt. ES find die fogen. H Stollen (Patent Neuß). Diese Stollen haben die Form eine» H, dessen Kanten stets scharf bleiben. Da» Pferd erhält dadurch selbst auf glatten Wegen einen sicheren Gang unü wird geschont- Verletzungen, wie solche durch andere Stollen so oft vorkommen, sind durch die H Stollen vollständig ausgeschlossen. Noch nie bat eine Neuerung einen solchen Anklang gesunden. D>e Fabrikanten dieser Stollen, Leonhardt & Co., mußten schon nach kurzer Zett ihre Fabrikräume bedeutend erweitern, um btr Nachfrage an» allen Welttheilen genügen zu können. Jetzt bat die Firma in Schöneberg bei Berlin, in unmittelbarer Nähe de» Bahngeleise», ein impvsantts Fabrik-Etablissement erbaut und mit den vorzüglichsten Maschinen eingerichtet. Dir Fabrikation wird jetzt in derartigen Mafien betrieben, bah der Herstellungspreis für die einzelnen Stellen fich billiger calculirt, weshalb auch der Verkaufspreis bedeutend ermäßigt wurde.
* Seltener Besuch. Aus Kiel schreibt man den t,Münch. N. Nachrlchten": Seit einigen Tagen treibt sich in unserem Hasen ein riesiger Walfisch herum. Bei einer Besichtigung de» TorpedvPanzerS »Aegir" hatten wir Grlegevhelt, das Thier, da- auch schon tu der Nähe der Anlegebrücken beim Sesgarteu und beim Aviso „Kaiseradler" beobachtet wurde, mit eigenen Auge^ zu scheu. Mau schätzt die Länge de» in der Kieler Bucht erschienenen seltenen Gaste» auf etwa zwanzig Meter.
• Sine kostbare Erwerbung Da» Museum de» Louvre hat kürzlich eine arabische Elsenbeiudose be» 10. Jahrhundert« von höchstem künstlerischem Werth erworben, viel- leicht die schönste Eisenbeinardeit, die je nach Europa gebracht worden ist. Die Dose ist mit verschiedenen Medaillon» geziert, deren eine» Mufikonten und Sänger, ein andere» einen zur Jagd gerüsteten Reiter mit dem Falken auf der Faust, ein dritte» Bogelnester ausnehmende Manner zeigt. Der Grund zwischen den Medaillon» ist ganz mit tief geschnittenem Laub- und Rankwerk im schönsten Stil auSgesüllt. Dazwischen befinden fich Löwen, die ihre Beute verschlingen und allerhand Thirre in reicher Pbantafie. Unterhalb de» Deckel» brsiiden fich folgende JnschristLn: „®en Segen Gotte» und seine Gaben, Freude und Gedeihen, dem Aimogneira, dem Sohn de» Beherrscher» der Gläubigen, dem Gott gnädig fet.* Verfertigt im Jahre 357. (967 n. I. Christ.) Almogneira war der Sohn Abderrahmans III., be» Chalifen von Cordova. Durch ihren hohen Kunstwerth verdient diese Arbeit dem eingelegten Broncebkcken, da» als Taufbecken be» heiligen Ludwig berühmt ist, an die Sette gestellt zu werden, und der Con- servator deS Louvre, M. Molinier, schätzt fich glücklich, ein durch Schönheit und Seltenheit gleich hervorregende» Kunstwerk der Staatrsammlung einverleibt zu haben.
• Um das lenkbare Luftschiff des Grafen v. Zeppelin zu erproben, läßt die Gesellschaft für Förderung der Luftschifffahrt in Stuttgart, der ein Kapital von einigen hunderttausend Mark zur Verfügung stehen soll, demnächst, laut dem „Staatsanzeiger für Württemberg", in der Nähe der Domäne Manzell einen schwimmenden Schuppen von riefigen Größen- Verhältnissen Herstellen. In diesem Schuppen soll unter Leitung eines Stuttgarter Maschinentechnikers das lenkbare Luftschiff hergestellt und mit diesem alsdann Flugversuche über den Bodensee gemacht werden.
* Die «nfkichtuvg brt Obelisken, jener Steinkoloffe ander Pharaonenreit, muß den alten Aegyptern ganz außerordentliche Mühe gemacht haben, weil ihnen keinerlei für diesen Zwrck brauchbare Hilfsmittel zur Verfügung standen. Man hat sich lange Zeit darüber gewundert, daß den Aegyptern überhaupt die Bewältigung einer solchen Aufgabe gelungen ist und daher viele Muthmaßungen aufgestellt, welcher Mittel und Wege sie sich bedient Haden. Eine sehr hübsche Lösung des Problems glaubte Arnoudeau gefunden zu haben, der annahm, daß die Aufrichtung so gewaltiger Steinmassen den Aegyptern nur mit Hilfe der Auftriebskraft des Wassers möglich gewesen wäre. Nach seiner Ansicht wurde der Obelisk an seinen Standort gebracht und dann eine Art von Umfriedung rund herum errichtet, die so hoch
. gemacht wurde, bis sie die Höbe des Obelisken annähernd erreichte. An dem oberen Ende des liegenden Obelisken wurden nun große Schwimmer aus geeignetem Material angebracht und dann das „Bassin" mit Wasser gefüllt. Natürlich hoben nun die Schwimmkörper den oberen Theil des Obelisken in die Höhe, sodaß er sich aufrtchtete und nun auf seinen Sockel gesetzt werden konnte, worauf man das Wasser ablaufen ließ und da» Bassin beseitigte So geist- reich erdacht auch diese Theorie ist, so läßt sie fick doch in vielen Punkten angreifen, denn es ist sehr unwahrscheinlich, daß den alten Aegyptern Baustoffe zur Verfügung standen, aus denen sie so große Behälter wirklich dicht berstellm konnten, dann aber war auch die Füllung eines so kolossalen Bassin» für sie nahezu unmöglich. Sehr viel wahrscheinlicher ist die neuerdings von Krusemann-Hartem ausgesprochene Ansicht, daß die Ausrichtung der zumeist dicht vor den Tempeln, und Palästen der Pharaonen stehenden Obelisken unter Mtt- wirkung dieser Bauten erfolgt ist, indem man einfach einen starken Damm unmittelbar vor dem festgesetzten Obelisk errichtete, der annähernd die Höhe drs Obelisken hatte und mit einer steil abfallenden Kante ausgestattet war. Auf diesen Damm wurde der Obelisk gehoben und man ließ ihn dann einfach, mit dem Untertheile zuerst, von der steilen Kante heruntergleiten, wodurch er auf dem Sockel stand, während von dem Tempel aus die Aufrichtung unterstützt wurde. Thatsächlich ist diese Erklärung so einleuchtend, daß man sie wohl als die richtige ansehen darf.
• Kaiserin Elisabeth und Heinrich Heine. Au« Hamburg wirb ber „N. Fr. Pr." geschrieben: Unlängst wurde berichtet, daß Kaiser Franz Josef der hier lebenden 98jä-rigen Schwester Heinrich Heine», Frau Charlotte Em'sdcn, ver- schiebene im Nachlasse ber Kaiserin Vorgefundene Manuskripte und Briese Heine» (alle noch ungebruckk) habe znrücki'chicken laffen. Jetzt hat auch Prinzesfin Gisela an die ® reifte m t gleichzeitiger Uebersenbung weiterer hanbschrifttichLr Ans- zeichuungen Heme» ein sehr liebenswürdige» eigenhändige» Schreiben gerichtet.
• PalastinWahrer. Die Theilnehmer ber beiden Karl Stangen'schen Sonberfahrten nach dkm Orient mit den österreichischen Lloyddampfern „Bohrrn>a" und „Thalia^, die au» Anlaß ber Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem veranstaltet wurden, sind jetzt wohlbehalten in die Helmath zurückgekehrt. Beide Reisen sind, trotz der Dchwieri^keiteu, die fich dem Unternehmen in verschiedenen Fällen entgegengestellt haben, ohne Zwischenfall von Anfang bi» zu Er be programmmäßig anSgeführt worden. Herrn Karl Stangen wnlde am Schluffe ber Reise von beu Theilnehmern btr „Bohemia" Fahrt ein in sehr warmen Worten gehaltene» Anerkennungsschreiben Überreicht.
♦ Palästina Eegenrmnnzen fteb in Silber und in Thaler- größe geprägt worden und gelangen jetzt in Berlin zcr Ausgabe. Auf ber Hauptseitr befindet sich das Bild dc» Kaisers mit dem Tropenhelm. Die Umschrift lautet: „Wilhelm II. Deutscher Kaiser." Die Kehrfette zeigt zwei verschiedene Prägurgen- auf derselben steht man bei ber einen Münze bie Darstellung der Erlöserkirche und die Worte: ^Einwrihung der Eriöserkirche in Jerusalem am 31 Octodrr 1898"; bei der anderen daS Bild brr ^Hodenzollern", sowie die Umschrift: „S. M. U »Hohenzoll rn". Diientretie 1898*. Auf dem Rande beider Münzen steht tingeprägt: „Palästina- SegenSmÜnze." Von jeder Sorte werden nur je 1500 Stück und zwar mit Slempelgionz anSgegeben. Die Prägung ber Münzen erfolgte in ber Oertei'schen Münzstätte, Berlin.
• Die erste Weltausstellung iu — Japan ist für das Jahr 1902 geplant. Die japanische Regierung schickt fich bereits an, die ersten vorbereitenden Schritte zu thuv. Zunächst handelt e» fich darum, den Ort zu wählen, wo b e Ausstellung abgehalten werben soll. Im nächsten Frühjahre schon dürste, wie man dem „Internationalen Technischen Courier" schreib:, die Ankündignug der Ausstellnogsabsicht an die europäischen Regierungen erfolgen.
* Acetylen. AIS vor kaum 4 Jahren der kürzlich verstorbene Armrn Leuner die Entdeckung des Acetyleu- LichteS von Amerika herüberbrachte, hat außer ihm wohl kaum ernstlich Jemand an die fast beispiellos dastehende Entwicklung der Carbid- und Acetylcn-Jndnstrie, w e fie in den letzten 2 Jahren ftattfaud, geglaubt. Da» Acetylen ist bekanntlich ein Ga», da» in geeigneten Brennern mir einer so hell leuchtenden Flamme verbrennt, wie fie selbst durch daS Garglühlicht nicht annähernd so hell erzeugt werden kann. ES hat vor allen anderen brennbaren Gasen den Vorzug der leichten und einfachen Herstellung, da es bekanntlich durch Einwirkung von Waffer auf einen festen Stein (Calcium- catbib) entsteht. In Folge deffen kann e» Überall mit Leichtigkeit entwickelt werden. Diese bestechenden Eigenschaften waren für Berufene und Unberufene Veranlassung, fich aiS- bald mit großem Elfer auf die industrielle Ausbeutung dieses „neuen Lichte» der Zukunft" zu werfen. L-.ider waren die Unberufenen anfänglich In allzu großer Zahl vorhanden. Die Folgen davon find bitannt. Wie viele brennbare Gase, so kann auch da» Acetylen unter gewissen Bedingungen zu mehr oder weniger heftigen Explofiontn gebracht werden. Da diese Bedingungen bei der Neuheit der Acetylenverwendung nicht genügend ftubirt waren, konnte man bald überall von ; zum Theil sehr hesügeu Acetyleu-Explofionen hören, die leider oft genug den Tod von Menschenleben bewirkten. Die Folge davon war, daß, wie in vielen Ländern, so auch in Deutsch- land, drakonische Gesrtze und Polizeiverordnungeu erb ffen wurden, welche die Anwendung von Acetylen derartig erschwerten, daß man in weiten Kreisen, zumal bei der übergroßen Aengstlichkeit de» Publikum», über da» gefährliche Acetylenlicht zur Tagesordnung Überging. Die Möglichkett seiner allgemeinen Einführung schien auSgeschloffen. Diese Unterdrückung sollte dem Actylen zum Segen gereichen. Eine gar nicht so kleine Schaar begeisterter und berufener Anhänger arbeitete im Stillen eifrig an der technischen Ausbildung der E.zeugvng und Berw-rthung be» Acrtyienlichts. E» gelang bald, die Beengungen feiner rationellen An-


