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29.11.1898 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 29. November

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Nr. 280 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

General-Äinzeiger

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Fernsprecher Nr. 61.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. November. Dal Katserpaar ist heute vormtltag 11 Uhr wohlbehalten in Potsdam toieder eia- getroffen. Zn feiner Begrüßung waren der Reichskanzler, die Minister und fäwmtliche Staatssekretäre, mit Ausnahme del erkrankten Fiuanzmiuisterl v. M quel, in großer Sala- Uniform auf dem Bahnhöfe erfchteoeo. Zahlreiche Gebäude in Berlin und Potsdam haben Flaggenschmuck angelegt.

Berlin, 26. November. Der gestr gen Sitzung bei Staatsmio isteriuml, welche von 3 bis 8 Uhr bauerte, wohnten auch iämmtliche Staotsfecretäre bei.

Berlin, 26. November. DerReichlanzeiger" veröffent- licht eine kaiferliche Verordnuoq, fcatirt Baden Baden, den 26. November, wodurch der Reichstag zum 6. December eiuöerufen wird.

Berlin, 26. November. Der dem Reichstage zogehende Entwurf wegen der Verlängerung des Privilegiums

6. veeember zusammeuderusen wird. Hoffen wir, daß das nun beginnende politische Leben dem Vaterlande zum Segen gereichen wöge und rufen wir allen denen, welche in der Ehre und S'öße des Deutschen Reichs mi'zuwirken haben, den Wahr'pruch des Kaisers zu: »Mit Volldampf voraus!" ______(xx)

AusUrvd.

Wien, 26. November. Die Meldung nogarischer Blätter, daß der Hoovedmiulster Fejervary von de« Reichsraths- Abgeordneten Wolff beleidigende Briefe erhalten habe und nach Wien gereist sei, uw Äoiff zu fordern, wird von be- theiligter Seite als unbegründet bezeichnet.

Wien, 27. November. Im Abgeordneteohanfe ist die deutsche Volkspartei entschlvffen, in kürzester ßdt zu ihrer alten Taktik, nämlich zur Wiederaufnahme der Obstruktion, znrückzukehren.

Reichenrn, 26. November. Heute Nacht 2>/, Uhr wurde hier ein starkes Erdbeben, welches sich mit donoerähnlichew Rollen von Süden nach Norden erstreckte, verspürt.

Budapest, 26. November. Während der Aufführung der

Berlin, 26. November. DerReichsanzeiger" schreibt an der Spttze des nichtamtlichen Tbeiles in osficiölem Druck: Seine Majestät der Kaiser und König und Ihre Majestät die Kaiserin und Königin wurden bei Allerhöchst ihrer heute vormittag um 11 Uhr erfolgten Ankunft io Potsdam durch das gelammte Stoatsmioisterium begrüßt. Namens deffelbeo gab der Reichskanzler Fürst zu Hoheolohe der leb­haften Freude über die glückliche Heimkehr des erlauchten «atserpaares warmen Ausdruck. Seine Majestät der Kaiser nahm hierauf Anlaß, die Staatsmioister um stch zu ver­sammeln uod geruhte über die erreichten und für die Zukunft noch zu erhoffenden Ergeba'ffe Ihrer Orientreise, sowie über die augeobl'ckciche politische Lage am Mittelmeer unter de« Ausdruck Ihrer Befriedigung mit den erzielten Erfolgen de« Staatsmivisterium eingehende Mittheiluvgen zu «achen.

Berlin, 26. November. Wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, haben stch sämmtliche deutschen vuodesregieruogeo neuerdings über einheitliche Grundsätze beiUeberwachung der Aoarchistevbeweguvg geeinigt. Zur veschleuoi' guog des Nachrichtendienstes soll stch die Polizeibehörde künftig auf direkte« Wege bestimmte MtUheilungeo machen. Außerdem soll eine gemeinsame Sammelstelle für Nachrichten in Berlin eingerichtet werden.

Berlin, 26. November. Gestern Abend wnrde in einem hiesigen Wein-Restaurant der Amerikaner Franz Koaak verhaftet, weil er in einer Unterhaltung mit einer Dame eine krosse Majestätsdeleidigung ausgestoßen hatte. Ein in demselben Locale anwesender Herr ließ einen Schutzmann holen und den Amerikaner verhaften.

Berlin, 27. November. DerLocal-Aozeiger" kann auf Grund von Informationen, die ihm von angeblich gut unter­richteter Seite zogegaugea find, betonen, daß das Em- verstäodniß zwischen de« Kai'er und ben Bunbesfürsteu über den Fall Lippe hinaus eine »ieberkehr derartiger Diffe­renzen für die Zukunft unmöglich «acht. Es ist eine prtn- cipielle Uebereinsti«mnog dahin erzielt worden, daß t« Deutschen Reiche eine Behörde existiren «Affe, die zur Schlichtung von Sronstreitigkeiten nach Art der Lippe'schen zuständig ist, nvd wird in Kürze aller Wahrscheinlichkeit nach de« voodesrith in einer Form, die fernerhin allen Zweifel und allen Streit aosschließt, diese Zuständigkeit verliehen «erden.

Berlin, 27. November. In der dem kommenden Reichs­tage zugehenden Militärvorlage ist nach derMünchen. Allg. Ztg." die Bildung eines brüten bayerischen Armeekorps vorgesehen. Als Sitz des Generalkommandos ist Nürnberg in Ausncht genommen. Das neue Armeekorps soll, wie ver- lautet, gebildet werden au» der fünften, sechsten, achten und elften Infanterie-Brigade, während das zweite Armeecorps in Zukunft aus bet siebenten, neunten, zehnten unb zwölften Infanterie Brigabe bestehen soll. Regensburg soll einen Divisionssitz er haften. Für bas neue Armeekorps wirb ferner ein Detachement Jäger zu Pferde gebildet.

Berlia, 27. November. In München ist zwischen dem Kaiser und dem Prinzregenten auch die lippische Frage be-

Heimgekehrt.

Glockkngeläute kündigte am Samstag in der kaiserlichen Residenz Potsdam und in der Re chshauptstadt an, daß der Kaiser wieder zurückgekehrt sei- Fahnenschmuck und Kranz« geeinbe versinnbildlichten die G'nuothuung und Freude da­rüber, daß die weite Reise des Reichsoberhaupts glücklich vollendet und erfolgreich verlaufen ist. Der Ka ser ist wieder an seine» Platz, inmitten seiner Ratbgeber- nun kann das politische Leben beginnen, es findet alle Mann an Deck. W r haben erst vor mehreren Tagen betont, daß so Manches der Klärung bedarf, daß die Reichsverfaffung eine Reihe von Lücken enthält, welche nothwendiger Weise ausgefüllt werden »Affen. Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir bei Be­sprechung des Falles Lippe vorfchlugen, zur Verhinderung derartiger, de« Ansehen des Reich'» schadender Diff renzen alle nur noch irgend möglichen Eorflictspuvke von vorneherein zu regeln. Der Anfang dazu soll nun in der That gemacht »erden, denn, wie von iuformirter Seite verlautet, ist man maßgebenden Orts zu der Urberz?uoung gekommen, daß im Deutschen Reich eine Behörde geschaffen werden »Affe, welche in allen Streitfällen nach Art des lipp scheu zuständig ist. Kommt hierübrr ein Einvernehmen der Regierungen iw R ich zu Stande, so ist künftig ernsteren So flicten ein für alle «al der Boden entzogen. Im Uebrigen scheint der Fall Lippe bereits seine Schärfe verloren zu haben.

Such in anderer Beziehung ist eine Klärung erfolgt, die auf bhectel Eingreifen des Kaisers zurückzuführeu ist. Noch immer stand die Entscheidung darüber aus, in welcher Weise das Rcservatrecht Bayerns mit den Bestimmungen der neuen Militärstrafprozeßordnung bezüglich des obersten Militär« gerichlshofes in Einklang gebracht werden könne. Die Angelegen­heit lag gar ntajt so einfach unb machte der, maßgebenden Faktoren viel Sorge. Wenn nun der Prinzregent von Bayern auf seinem Standpunkt beharrt hätte? Dann wäre eine Majorifirung Bayerns t» Bundesrath nothwendig ge­wesen, die, wenn fie zu Stande gekommen wäre, jedenfalls viel böses Blut gemacht und ben sübdeutschen Partikalarismus auch In seinen Auswüchsen erheblich gestärkt hätte. Durch bte persönliche Rücksprache des Kaisers mit dem P-inzregenten von Bayern hat die Sache einen für beide Theile befriedigenden Verlauf genommen.

Zwei Geschenke hat der Kaiser dem deutschen Reiche also mit nach Hause gebracht, welche nicht hoch genug ge­schätzt werden können. Denn der Fall Lippe, über welchen der Monarch mit dem süddeutschen Herrscher conferirte, war ganz geeignet dazu, die Reichsverdroffeuheit zu schüren, und die Einigung mit Bayern wegen des obersten Militärgerichts- Hofes kam auch zur rechten Zeit, um einem Zustande der Ungewißheit ein Ende zu machen. Daß die Reise des Kaisers aber auch in anderer Beziehung erfolgreich gewesen ist, dar« aus wird au offiziöser Stelle kein Hehl gemacht, denn es heißt in einer amtlichen Mtttheilnug, daß der Kaiser gleich nach seiner Ankunft in Potsdam den versammelten Ministern Kenntuiß gegeben habe von den erreichten und den noch zu erhoffenden Ergebniffeu der Orientfahrt unter Betonung seiner Befriedigung über das Erreichte. Wir haben ja bereits mehrfach unserer Ueberzeugung Ausdruck verlieben, daß die Orientfahrt des Kaisers über kurz oder lang Früchte tragen und nuferem Handel und unserer Industrie zu Gate kommen wird. .

Gleich nach der Rückkehr bei Kaiserl ist auch die Frage der Einberufung del Reichstagei entschieden worden- noch an demselben Abend veröffentlichte der Reichsanzeiger die be­treffende Eadinetsordre, durch welche der Reichstag auf den

Ihr »trgmrr »aMtkieaststter Wersen brm Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

sprachen worden. Weiter wird derMünch. Allg. Ztg." aul Stuttgart telegraphirt, infolge der persönlichen Rucksprache des Kaiser» mit König Wilhelm von Württemberg unb btm Prinzregenten Luitpold in München sei in der lippiscken Frage eine Wendung eingetrelen, welche allen Vaterlands- freunden zur Befriedigung gereichen könne. Zwischen dem Kaiser unb ber Mehrzahl der größeren Bunbc»iürsten sei Uebereinstimmung dahin erzielt, baß auch in ber Behanblung dieser Frage die großen nationalen Gesichtspunkte den Aus­schlag geben müßten, denen gegenüber kleinere Divergenzen zurückzutreten hätten.

Berlin, 27. November. Heber den bevorstehenden Besuch des Grobherzogs von Baden in München erklärt die Süddeutsche Reich-correspondenz":Der Grobherzog folgt mit seiner Reise nach München lediglich dem lange gefühlten Bedürfnib, dem Prinzregenten einen infolge von Krankheit verschobenen Besuch abzustatten und für die Verleihung des bayerischen Regiment» zu danken, durch welche dem Grob­herzog seiner Zett in der entgegenkommendsten Weise eine freudig empfundene Aufmerksamkeit erwiesen worden ist."

Berlia, 26. November. Drei Genrral-Mojore und acht Stabs-O fiztere darunter zwei Regiments Eommaodeure, find zur D Spofitiou gestellt, reipeklive Haden ihren erbetenen Abschied erhalten, veradichiedet wurde auch der be- kannte Militär Schriftsteller Robert Reim, der an der ver- tbeibigung der Eapriv.'scheu Militär-Vorlage im Jahre 1893 wesentlich beteiligt war.

Zur Frage der Fleischversorguug schreibt dieSüdd. Reichscorr." au» Baden:Die auf Veranlassung des Reichskanzlers auch in Baden vorgenornrnenen amtlichen Erhebungen über die Fleischversorgung haben ergeben, daß von einerFlei'chooth* hier nicht gesprochen werden kann. Die beim Ministerium des Innern bis jetzt eingelanfenen Berichte stellen fest, daß im weitaus größten Theil des Groß- herzogthuml der Fleischverbrauch sowohl in den S'ädten, als . im größten Theil der lanbwirthschaftlicheu Bevölkerung in steigendem Maße zuuirnmt. Bezüglich der Höhe der Fleisch­preise, die je nach der Landesgegend mannigfache Schwan- taugen aufweiseu, wird festgestellt, daß eine absolute Steige­rung nicht beobachtet worden ist, abgesehen vorn Schwein,fleisch, das in einigen größeren Städten nicht in allen theurer geworden ist- doch ist trotz dieser vereinzelten Preiserhöhung keinerlei Eiu'chränkuug der Kaufkraft oder Verminderung des Eousums beobachtet worden. Machenschaften unter den Händ­lern, die auf eine Preistreiberei hätten schließen lasten, wurden nicht wahrgennmrneu. ES wird nach btm E gedniß ber Erhebungen angenommen, baß bic inländische Production au Groß- und Kleinvieh genügt, um den Bedarf tm Groß- herzogthu« zu decken, umsomehr, als der Bestand und die Production, sowohl Rindvieh als Schweine, zum nicht geringen Theil tu Folge der Seitens der Regierung unb der Selbst- verwaltuugskörper hierfür aufgetoenbeten Mittel in steter Zunahme begriffen ist.

München, 27. November, von verläßlicher Seite wirb berichtet, daß ber Prinz Regent bei der Besprechung mit dem Kaiser, betreffend bal Militär-Strafgesetzbuch, nicht gleich seine Zust mmvug gab, sondern erst nach einer Hüter- redung mit dem Ministerpräsidenten unb dem Prinzen Ludwig. Nach des Kaisers Abreise soll bann die Zustimmung nach Baden-Baden telegraphirt worden sein. Die Errichtung des bayerischen Senats soll versuchsweise auf fünf Jahre gelten.

München, 27. November. Der Direktor Oertl, Eigenthüme' des deutschen Theaters, ist gestern verhaftet worden wegen Hnzucht vorschnbleistnngeu. Außer ih« find noch mehrere andere Personen in Haft genommen worden. In ben bevorstehenden Scanbal Prozeß find, wie dasBerl. Kl. Jnurv.^ meldet, vo"nebwe P-Uonen v-rw'ck-lt.__________

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öff li tten K unrniß gebracht, daß dem Earl Loos zu Gießen iür seine Person die Erlanbn'ß, bei ber Beförderung von Auswanderern nach oußerdeu'schen Ländern als Agent der Dampischifffahrts-Gesellschaft ,Nord- deuticher L ryd tu Bremen^ durch Vorbereituag, Vermittelung oder AdlchlNh von Besörderungsvertrögen nach Maßoabe des Reichsgesetzes über das Auswanderungswesea vom 9. Juni 1897 und der Bestimmungen des vundesraths vom 14. März 1898 innerhalb des Kreises Gießen gewerbsmäßig mitzu- toiifen, er heilt worden ist.

Gießen, den 22. November 1898.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

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