* Wie läßt sich der Heizverth der Steinkohle« erhöhe»? Viel mehr »och al» im Haushalte, wo es sich nur um einen verhältnißmäßig kleinen Consum handelt, kommt bei einer großen Fabrikanlage die Frage nach der möglichst vollständigen Ausnutzung der Steinkohlen in Betracht. Man hat daher neben der Verbesserung der FeuerungSan- lagen, selbst auch versucht, durch bestimmte Zusätze oder auch durch die Form der Kohlen dahin zu wirken, daß ein recht hoher Holzwerth erzielt wird. Bei einigen Kohlensorteu hat man eS nun mit Erfolg versucht, durch Anfeuchten derselben den gewünschten Effect zu erreichen. Theoretisch ist das Begießen der Kohlen mit Waffer unzweckmäßig, weil bei der Verbrennung der naffen Kohlen ein bestimmtes Wärmequantum für die Verdampfung desselben verbraucht wird, also voll' ständig für die Heizung verloren geht. Thatsächlich ist aber der Heizeffect bet genäßten Kohlen ein bedeutend besserer, wenn nur ein genügend starker Zug vorhanden ist, und die Menge der zugeführten Luft im richtigen Verhältniß steht. Namentlich wenn es fich um die Verfeuerung sogenannter „magerer6, also mittelmäßiger Kohle» handelt, ist das An- seuchte» von hohem Werth, weil dadurch daS specifische Gewicht derselben erhöht wird und ein Zusammenbacken der Kohlen im Feuer eintritt, sodaß ein ähnliches Verhalten wie bet der Verbrennung von Steinkohlen erzielt wird. Bet jeder Heizanlage ist die möglichst vollständige Verbrennung des Heiz Materials anzustreben, denn je vollständiger die Verbrennung ftatt» findet, um so größer ist der erzielte Heizeffect. Daß unsere heutigen FenerungSanlagen aber in keiner Weise auch nur annähernd daS Brennmaterial vollständig auSnützen, wird am Besten durch den starken Rauch bewiesen, der unseren Scborn- steinen entströmt, und der nicht» anderes ist, als unter» brannte Kohle.
* Marine. Nach einer Bekanntmachung des ReichS- marineamts find die einzelnen Stücke der neuen, für daS MarineJnfanterie-Batnillon in Ktautschou versuchsweise einzusührenden Tropenuniform von solgender Beschaffenheit: a) Rock. Ungefütterter Rock von gelbem Chacahdrell mit Umlegekragen von demselben Stoff, der durch Haken und Oese» geschloffen wiro. Glatter, jacketart-ger Schnitt bis über das Gesäß hinreichend, mit ausgearbeiteter Taille, hinten mit einem 10 Gentimenter langen Schlitz. Aermel ohne Aufschläge. Zwei aufgenähte Seitentaschen, welche durch je eine eckig geschnittene Klappe und einen glatte», kleinen Britanniakoopf geschloffen werde». Auf de» Schulter» je eine Schlaufe und ein Britannia-Nummerknopf zur Anbringung der Schulterklappen. Schulterklappen wie beim Waffenrock der Marine-Infanterie, jedoch mit der BataillonSnummer III und mit Futter von Chacahdrell, sowie mit einer Vorrichtung zum Abnehmen »ersehen. Vorn herunter in einer Reihe sechs glatte Britanniaknöpse. Hinten zwei Britanniataille»* hake» zum Tragen de» Leibriemen». Die Knöpfe find sämmt- lich zum Eiuschäkel» mittelst Springriugen eingerichtet. Die Abzeichen der Feldwebel und Unteroffiziere bestehen au» weißer, schwarz und roth gestreifter, baumwollener Borde, welche ringsum auf dem Rande des Kragens angebracht ist. Die Auszeichnungsknöpfe für Feldwebel, Sergeanten und Gefreite von Britanniametall find in den Kragenecke» angebracht. b) Hose. Von gelbem Chacahdrell nach dem Schnitt der Arbeitshose der Marine-Infanterie. Abnehmbare Schnalle von weißem Metall, c) Tropenhelm. Helm mit Vorder- und Hinterschirm au» weißem Gummistoff. Decoration ähn* lich wie am Tschako, jedoch aus Neufilber und in kleinerer Form, darunter die schwarzweißrothe Cocarde von lackirtem Blech. Höhe de» Helmkopfes 11,55 Gentimeter, größte Länge des Borderschtrme« 8 Gentimeter, des Hinterschirme» 10 Gentb Meter. Im Helmkopf oben eine metallene BentilationSschraube mit breitem, stoffbezogenem Kopf, unten ein VentilatwnSkreuz au« Steifleinen mit Schweißleder. Braunlederner Sturmriemen mit Zugschnalle und zwei Befestigungs'ingen.
e Die Herkunft der HnuSthiere. Man ist bisher gewöhnt, die meisten unserer Hausthiere als au« Asien nach Europa eingewandert zu betrachten. Dieser allgemeinen Ansicht tritt jetzt der bekannte Zoologe G. Keller in den Archives des Sciences physiques et naturelles entgegen, indem er behauptet, daß gewisse Thierraffe» nicht au» Asien, sondern vielmehr au» Afrika zu uns herübergekommen seien. Da«
soll zum Beispiel bei einzelnen Raff.n deS Hunde» der Fall sein. Scho» zur Steinzeit kam der Hund in Europa al» Begleiter de» Menschen vor, wenn auch nur i» einer Form, dem Torfhuude, al» dessen Abarten späterhin die Dachs- und Wachtelhunde, sowie die Sp'tze und P.nscher auf traten. Der Ursprung dieser Rasse läßt sich nicht mit Sicherheit angeben. Zur Broncezeit finden wir bann einen zweiten größeren Hund vor, von dem unter anderen auch unsere heurigen Bernhardinerhunde abstammeu. Daß diese Rasse ihre» Ursprung in Mitrelafien hat, ist kaum zu bezweifeln- dagegen | find unsere heutigen Windhunde ganz entschieden au» Asrcka »ach Europa gekommen. Scho» vor viertausend Jahren bediente man fich in Egypten zur Antilopenjagd einer Art von Windhunden, und bte Abbildungen von Jagdicene», die wir auf den alten eghptischeu Baudenkmälern finde», zeige» uni, daß dieser Hund eine große Aehnlichkeit mit dem heutigen russischen BarzoiS und den schottischen Windhunde» hatte. Die Egypter haben ihre Jagdhunde au» Gentralafrila und vom oberen NU her eingefühtt, wo man auch noch heute einige Spielarten antrifft. Der europäische zahme Esel soll ebenfalls aus Afrika stammen. Zwar ist der wilde Esel Mittelasien«, der Kiang ober Kulan, in vorgeschichtlicher Zeit auch in Europa heimisch gewesen, boch läßt e» fich kau« arnehmen, baß unser HauSesel von btefem abstammt. Man kann eß vielmehr al» sicher betrachten, baß bet europäische Asinus domesticus eine Abart bes afrikanischen Steppen, esels ist, ber fich in allen Steppenländern östlich vom Nil, namentlidb am Flusse Atbara und in den Barkaebeuen vor- findet. Wa» die Herkunft des Rindes anbelangt, so kann man annehmen, daß die verschiedenen europäischen Mafien Kreuzungen zweier ehemaliger Stammformen sind, deS Los primigenius und de» Bos brachyceros. von letzterem be- hauptet nun ber erwähnte Zoologe, daß er au» Afrika noch den Ländern Südeuropas herübergekommen fei. In der That weist auch da« afrikanische Rind, Bos africanus, viele Sehnlichkeiten mit Bos brachyceros auf, auch finden wir in Egypten Abbildungen von Kühen, die den heutigen Kühen unserer Alpe» sehr ähnlich sehen. Ein weiterer Beweis do. für, daß die alten Psahlbaubewohner der Schweiz ihre Rinder, rasse au» Nordaftika erhalten haben, ist kürzlich gefunden worden- in einem Pfahlbau fand'man einen vollständig er haltenen Rinderschädel, der weder Hörner besaß, noch die entsprechenden Knochenzapfen aufwieS. Eine solche Raffe gab es aber früher in Egypte», wie zahlreiche Abbildungen beweisen. Daß Asrika die Heimath unserer Hauskatze ist, steht jedenfalls zweifellos fest, und zwar ist sie al« eine Abart der Falbkatze zu betrachten, die in Oft- und Jnnerafrcka vorkommt. Die Falbkatze wurde von den alten Eghptern gezüchtet und galt dort bekanntlich al« das heiligste Thier. Wer eine Katze töbtete, wurde unerbittlich mit dem Tode bestraft. Die Göttin Bast, der die Katze heilig war, wurde mit einem Katzenkopf abgebildet, und in der nach ihr benannten Stadt Bubastis wurden alle tobten Katze» nach sorgfältiger Einbalsamirung beigesetzt.
* Si» plastisches Schlachteobild ist gegenwärtig im großen Saale des Wiener Milüärcafino» zu sehe». ES stellt eite der blutigste» und bedeutendsten Schlachten de» deutsch fron- zöfischen Kriege-, die Schlacht von Saint-Privat (Gravelotte) in ihrem großartigsten Augenblick, in der achten Abendstunde de» 18. August 1870, bar, in dem bie preußischen Garden und die Sachsen in einem umfassenden und wuchtigen Stoße nach manchen Schwankungen des Schlachtenglücke» die Entscheidung brachten. Die Schöpfer dieser Darstellung, R tt- meister Georg Frhr. ». Kometer zu Dübeln von den Erz- Herzog Albrecht-Dragonern Nr. 9 unb Oberlieutenant Greger des militär-geographischen Institut», haben da» Gelände der Schlacht genau nach der Wirklichkeit hergestellt und Tanseode von Soldatenfiguren, Geschützen, Pulverkarren, Trainsuhr- werken, in peinlicher Genauigkeit den Vorbildern nachgeahmt, gießen lassen. Man sieht ganz genau, wie fich die preußisch- sächfischen Schützenkette» immer dichter an die Franzoitn heranschieben- in dem Orte Saint-Privat de la Montagne aber, dessen rothe Dächer weithin sichtbar find, ballen sich bereit» preußische Garden und Franzosen iw furchtbaren Nahkampfe zusammen. Wirkungsvoll zeigt fich der Anmarjch der sächfischen Bataillone und der Gardereiter unter dem
entgehen. Die Berhafteie» wurden auch von anderwärts verfolgt.__________________________________________________
Vermischtes.
• An8 Baden, 26. Juni. In Wallburg, Amt Ettenheim, wurde der zwölfjährige Knabe des Müller» Wehbach vom Blitz erschlagen. Der Knabe saß auf einem Heu- wagen, in den der Blitz schlug, ohne zu zünden.
• DaS »»glück bei« Stapellauf der „Albion". Noch niemals hatte der Stapellauf eines so großen Schiffe» auf den Themsewerken stattgefunden, wie dasjenige de» Panzerschlachtschiffe» „Albion6, eine» Schwesterschiffe« de» „Canopu«" von 390 engl. Fuß Länge, 74 Fuß Breite und 13000 t Wasserverdrängung. Der Bau diese» GoloffrS hatte im Ganzen 15 Monat in Anspruch genommen. Eine ungeheure Menschenmenge war seit früher Morgenstunde auf de» Beine», um einen guten und sichere» Ausblick auf de» imposante» Vorgang zu gewinnen. Die Direction der Thame» Jronwork» und Shipbuilding Gompany, auf deren Werft in Backwall ber Stapellauf vor fich ging, hatte ihre Vorsicht«* maßregeln getroffen, ba e» genau zu berechnen ist, welch eine Waffermenge ein bestimmter Schiffskörper in einem bestimmten Fahrwasser beim Ablauf an» Ufer treibt. Auch hatten fich schon ähnliche UnglückSfälle wie ber gegenwärtige ereignet, n. A. beim Stapellauf der „Daphne" in Clyde, Juli 1883, wo 124 Menschenleben verloren gingen. Die Punkte, welche die aufgetriebene Welle beim Abläufen de» Panzercoloffe» voraussichtlich berühren würde, waren der Polizei von der Direction vorher bezeichnet worden. Trotzdem war e» den Polizeimannschaften nicht möglich gewesen, die herandrängende, quecksilbergleich in jede» freien Winkel strömende Menge von einem dicht daneben belegenen Baugerüst der Themsewerke fernzu- halten, da» ein im Entstehen begriffene» japanische» Kriegsschiff umgab. Nun war unglücklicher Weise die gerade herrschende Fluth noch besonders hochgestiegen. Die zurück- strömende Welle erhob sich nach späteren Berechnungen etwa toter Fuß über den ohnehin hohen Wafferstand, überflutete da» Baugerüst des japanischen Schiffe» und riß fast alle darauf befindlichen Personen — etwa zweihundert an ber Zahl — in ba» Themsebett hinunter. DaS Gerüst war sehr leicht und gebrechlich gebaut, und viele kräftige Männer, die fich an seine Stützen klammerten, wurden mit diesen zusammen hinabgeschwemmt. Im Waffer begann ein Kampf auf Leben und Tod. Din junger Mann, ber glücklich ans Laub geschwommen war, sprang fünf Mal wieder zurück, um ber» sinkende Frauen und Kinder zu retten. Mr. I. Hilling, ein Beamter der Great Tastern Railway Compagnie, hatte eine fremde Frau und ihr Baby in seine Arme gepackt und suchte mtt dieser Last den Strand zu gewinnen, wäre aber doch fast ertrunken, da eine weitere Frau sich an seine» Nacken klammerte. Nur seine große Körperkrast und seine Fertigkeit im Schwimme» befähigte ihn, außer seinem eigenen Leben die drei anderen in Sicherheit zu bringen. Einige Personen waren in da» Holzwerk des Baugerüstes hinein- geschleudert morde» und wurden dort zwischen den Pfosten und Bohlen umhergetrieben, bis die zurückflutheuden Woge» sie mit blutende» Köpfen und gebrochene» Gliedmaße» liegen keße». Die Untersuchung, ob bestimmte Persönlichkeiten für de» entsetzliche» Umfang der Katastrophe verantwortlich zu machen find, ist im Gang.
• Jubelfeier einer deutschen Stadt in Amerika. Reading, bie schöne Hauptstadt von Berk» County in Pennsylvanien, deren Bevölkerung zum größten Thell au» Deutschen besteht, hat am 7. Juni bie Feier be» 150. Gedenktages seiner Gründung durch einen großartige» Umzug und durch andere Festlichkeiten in imposanter Weise begangen. Reading wurde im Jahre 1748 von Thomas und Richard Penn angelegt. Die Bevölkerung bestand von jeher hauptsächlich au» Deutschen, die aus Württemberg und der Pfalz einwanderten. Die Deutschen prägten dem Platz feinen entscheidenden Charakter in Gewohnheiten und Sprache ans und noch jetzt wird »ie deutsche Sprache al» pennsylvanisch deutscher Dialekt viel benutzt. Reading zählt nicht weniger als 27 bi» 30 deutsche Logen und Vereine. Unter den in der Stadt erscheinenden deutschen Blättern befindet fich der „Adler", eines der ältesten Blätter ber Vereinigten Staaten.
Damit hatte der Verfasser den erste» kühne» Versuch unternommen auf dem Gebiete, auf dem er bald so Schöne» und Mustergültige» leiste» sollte. Er hatte zum ersten Male einen vaterländischen GeschichtSroma» geschaffen, wie ihn die Franzosen und Engländer längst besaßen. Leider entsprach der Erfolg nicht sogleich den Erwartungen deS Verfassers. Die Lesewelt stand zunächst dem Unternehmen kalt und fremd gegenüber, sodaß fich Wilibald Alex!» entmutigt zuvörderst anderen Aufgaben zuwandte. Er klagte fich selbst bitter an, daß er seine Zeit nicht verstehe, und gab fich Mühe, ihren Spuren zu folgen. Seine lyrische» Gedichte, seine Bühnen- spiele und Novellen find treffliche Arbeiten, die indessen keine dauernde Bedeutung erlangen konnten, dagegen gehören die unter dem jungdentschen Einflüsse auSgesührten Romane: „DaS Haus Düsterweg" (Leipzig 1835) und „Zwölf Nächte" (Berlin 1838) zu feinen geringwerthigsten Schöpfungen. Die Kraft und Unerbittlichkeit bet Polemik mangelte ihm. ®o blieb ihm, nachdem er diese Erkenntniß erlangt, nicht» übrig, als fich dem vaterländischen Roman wieder zuzuwende». Er wählte zum Glück seine weiteren Stoffe aus einer ferner liegenden Zeit, wodurch bas Interesse be» Publikum» in höherem Maße gefesselt wurde. „Der Roland von Berlin", „Der falsche Waldemar", „Die Hosen de» Herrn von Bredow", „Der Wärwols", „HanS Jürgen und Hans Jochem" waren seine nächsten und zugleich besten Erzeugnisse ans diesem Ge- biete, Romane, welche man al« deutsch-bürgerliche im edelsten Sinne des Worte« und zum Theil den Frthtag'schen Schöps- nage» wohl an die Seite stellen dars. „Die Städte und Dörfer ber Mark", rühmt ein Literarhistoriker von ihm, „ihre weite», son»eubeschie»ene» Haibe», ihre bunflen Kiefern-
Wälder, ihre stillen, schilfbewachsenen Seen weiß er nn« mit allen characteristischen Elgenthümlichkeiten und Einzelheiten so plastisch vor Augen zu führen, daß un« bei der Lectüre oft ist, al« wanderten wir selbst über da» weite, mit Erika überwucherte Blachfeld, umsummt von emsigen Bienen, ober schritten wir selbst durch den Walb, umweht von dem srisch- kräftigen Dufte be« Kiefernharzes."
Erst jetzt, nachdem biese Romane großen unb wohlverdienten Beifall gesunden, wagte e« Alexi«, wieder neueren Stoffen fich zuzuwenden, in denen er den Anhängern ber beutsch-nalionalen Idee, welchen ba« Jahr 1848 eine so schwere Enttäuschung gebracht, wieber Muth einzuflößen gebuchte. Darum behandelte er in den Romanen „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht" und „Isegrim" (Berlin 1852 und 1854) Deutschland« tiefste Erniedrigung unb nationale Erhebung und entw cf eite Gedanken in ihnen, durch welche er sich nicht zu unterschätzende Verdienste um bie Entwickelung des deutsch nationalen Werke« erworben hat. Allerdiqg« hafteten seinen Romanen hie und da einige Mängel im äußeren Aufbau an, auch geht bte Breite der Darstellung oft zu weit, al« baß der veränderte Geschmack unserer Zeit »och unbedingte« Wohlgefallen an ihnen finden sollte, trotzdem besitzt Haering, dank ber Schönheit unb Treue seiner Sitten- unb Naturschilberung, ber Schärfe seiner Charakteristik, ber aufgeklärten Tendenz seiner Darstellung, noch eine zahlreiche, ihm mit warmer Verehrung anhängende Gemeinde, bie seine Romane ebenso wie eine gerechte unb objektive Kritik, die fich von ber Beeinflussung ber Mode freizuhaltew weiß, zu den besten und edelsten deutschen Schaffen« zählt.
Außer seiner literarische» hatte Alexi» auch eine eifrige
| redaktionelle Thätigkeit entwickelt, indem er baß „Berliner । Conversationßblatt" redigirte. Auch an Specnlatioaen be* theiligte er fich, wenn auch nicht immer mit Glück. To verdankt ihm da« nach ihm benannte Heringsdorf seine 6nt» stehung. Auch „Der Neue Pitaval", die bekannte Sammlung interessanter Criminalfälle, rief er laß Leben, die noch Immer al» ba« beste Wert ihrer Art gilt. Im Iahe« 1857 sand zum großen Schmerze seiner Anhänger und Verehrer sein fruchtbare« Schaffen für immer ein Tode, ein Gehirnschlag verwandelte den rüstig arbeitenden Manu mit einem Male in einen unheilbaren Kranken, deffin Geist niemals wieder Blüthen treiben konnte. Die Hoffnung, in einer anderen Umgebung, in der gewürzreichen, belebenden Lust der Thüringer Berge, wieder zu gesunden, trieb ihn 1859 noch Arnstadt, wo er noch 12 Jahre q lalvollen Siech'dnm« Hw- brachte. Dort starb er am 16. Decernbrr 1871, in oem Jahre der Wiedererstehunq Deutschland«, dem Jahre der Erfüllung de« nationalen Sehnen«, an dessen Entwickelung, Belebung und Erhaltung er so treu und eifrig mitgearbtitet hatte. Seine Nachfolger, die seine Schöpfung, den Datei* ländlichen Roman, fich zu eigen machten, haben ihn nicht erreicht, sodaß sein Tod auch eine literarische Lücke gerissen hat. DaS deutsche Volk wird ihn — ob auch ZeÜ, Geschmack und Richtung wechseln — immer ehren al« einen echten deutschen Manu und einen seiner beste» Erzähler, dem el nicht nur fesselnde Unterhaltung, sondern auch politische und sittliche Anregung verdankt.


