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29.6.1898 Zweites Blatt
 
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1898

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Oberhessischer Obstbauverein,

AereinsöezirK Hießen.

Am Tonntag den 3. Jnli, Nachmittags 3 Uhr, findet in Kloster ArnSburg eine Versammlung statt, in welcher der Geschäftsführer des Verein», Herr K. Reichelt, Lehrer für Naturwissenschaften und Obstbau au der Großh. Obstbauschule in Friedberg, überObstverwerthung und Bekämpfung von Odstbaumschädlingen" berichten wird.

Die Mitglieder de» Vereins, sowie sonstige Interessenten werden zur Versammlung freundlichst eingeladen.

Gießen, den 27. Juni 1898.

Der Vorsitzende dr» Verein-bezlrk» Gießen de» Oderbesfiscben Obstbauvereins. Dr. Wallau.

Gießen, den 27. Juni 1898.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises.

Tie wollen Ihre Gkmetndeangehörigen in ortsüblicher Weise auf die obige Versammlung aufmerksam machen lassen, v. Gageru.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Juni. DaS StaatSmiutsterium trat heute Nachmittag 2 Uhr unter dem Borfitz des Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 27. Juni. Im Königreich Bayern haben nach einer Berechnung derGermania" bet der Reichstags« wähl am 16. d. Mt». das Centrum 85000, die Liberalen 47000 Stimmen verloren. Dagegen haben die Bauern« büudler 68000, die Soetaldemokrateu 11000 Stimmen ge­wonnen. Die Zahl der socialdemokratischen Stimmen hat »ach derSächsischen Arbeiterztg." im Königreich Sachsen em 16. Juni 299000 betragen. Für Candtdateo aller Adrigen Parteien seien 281000 Stimmen abgegeben worden. Die Cooservativen und Reichspartei haben nach einer Zu- ßammeustelluufl derLeipz. N. Nachr." 27287, die Deutsch- socialen 29466, die Deutschsreifinnigen 14 794 Stimmen Verloren, dagegen die Nationalliberalen 48922, die National- socialen 2859, da» Centrum 2756 und die Soetaldemokrateu 28 534 Stimmen gewonnen.

Berlin, 27. Juni. DerNordd. Allgem. Ztg." zufolge wurde TtaatSsrcretär v. PosadowSkh tu Dresdeu vom Könige von Sachsen in Audienz empsavgen. Hierauf stattete der Staatssekretär dem HandelSmtutster einen Besuch ab.

Berlin, 27. Juni. Heute Vormittag trat unter dem Vorsitz de» Direktors im Auswärtigen Amt Reichardt der AuSwauderungSbetrath zu seiner ersten Sitzung zu­sammen. Der Reichskanzler hat die Mitglieder für heute Abend zum Essen eingeladeu.

Berlin, 27. Juni. Der Oberbeamte der Firma Tiemens und Halske, HauS Ulrich stellte sich selbst der Staats­anwaltschaft mit der Anklage, der Firma in den letzten Jahren eine viele Tausende betragende Summe unter­schlagen zu haben.

Wien, 27. Juni. Die Verhandlungen der Quoten« Deputation find, wie vorauSzufehen war, resultatlo» ver­lausen. Die Ungarn propouirten da» Berhältntß 32 zu 68, waS von Oesterreich als unannehmbar abgelehnt wurde. Da nunmehr beide Regierungen einen BermitteluogS-Vorschlag auSarbeiten, so wurden die Verhandlungen abgebrochen und bis September vertagt.

Graz. 27. Juni. Gestern Abend kam eS wieder zu Straßenkrawallen. DaS Publikum «ah« Partei für einige Soldaten des 27. Regiments, welche durch Gendarmerie verhaftet werden sollten. Ein Soldat wurde durch einen Bajonnetstich eine» Gendarmen schwer verwundet. Biele Personen wurden verhaftet.

Lemberg, 27. Juni. Nach hiesigen Blättern haben am SamStag die Bauern in Alt-Sandec die jüdischen Häuser total ausgeplündert. Gestern haben auch in Neu« Sandec größere Unruhen stattgefunden, wo der Statthalter Graf Pouinski etngetroffen ist.

Pari», 27. Juni. Heute Nachmittag versammelte Brisson die Miuistercandidaten, um mit denselben eine Einigung über da» Programm herbeizuführen. Im Vordergründe stehen die Fragen der Einkommensteuerherabsetzung, der Getreide­zölle und die DreysuSaffaire. vtger hat sich für die Bei­behaltung deS 7 Francszolles ausgesprochen.

Locales und provinzieUer.

Nauheim, 27. Juni. Die Kaiserin von Oesterreich wird am 16. Juli zum Kurgebrauch hier eintreffen; vom Hosmarschallamt ist für sie eine Billa gemiethet worden.

+ Nidda, 27. Juni. Gestern wurde dahier das 17. ober- hessische Fen erwehrf est gefeiert. Morgen» fand toi GambriuuS" der Delegirtentag statt; dann folgte eine exaet auSgesührte Uebnng der Gesammtwehr Nidda, sowie daS Fest­mahl in der LndwtgShalle. Um 3 Uhr bewegte sich ein statt­licher Festzug, worin etwa 30 Wehren bezw. Vereine sowie unsere Corporattonen re. vertreten waren, unter Spiel und Musik durch die reich geschmückte Stadt nach dem als Fest­platz hergerichteten Gerneivdewiesen-Cornplex Hinterm Schloß- Hofe. Dort wurde von der Musik des Gießener Infanterie- Regiments Kaiser Wilhelm großes Concert anSgeführt, wäh­rend die weiter für den Nachmittag vorgesehen gewesenen BergnügnogSgelegenheiten wegen des eingetretenen Regen» unbenützt bleiben wußten. Gegen Abend gestaltete sich die Witterung wieder günstig um; es wurde nach Eintritt der Dunkelheit auf dem Festplatze durch einen Frankfurter Herrn ein hübsches Brillant-Feuerwerk abgebrannt, unb blieben viele Festtheilnehmer beim Scheine der mittel» einer durch die Hanauer elektrotechnische Fabrik hergestellten Acethleo-GaS« Werkanlage bewerkstelligten Beleuchtung in den WirthschaftS- zelten bi» zur späten Stunde vergnügt zusammen. Heute Nachmittag fand imGambriuuS" eine Schlußfeier mit Concert statt.

R. Rodenbach i. W., 26. Juni. Die Kir scheuernte hat bei nn» begonnen. Unsere Rodenbacher Kirschen find weit und breit berühmt, wir haben fast jede» Jahr befriedi­gende Erträge, doch dieses Jahr ist e» ein Neid- und Glück»- jahr d. h. manche Bäume haben fast nicht», während andere geschüttet voll hängen. Im Kletuverkauf kostet da» Pfund 20 Pfg., in größeren Mengen zahlt man 16 Mk. für den Gentner. Die Kirschen gehen in den Vogelsberg, nach Frank­furt, Gelnhausen und in die Wetterau. Die Früchte find recht schön ausgebildet, haben aber mehr Wasser und da» feine Aroma fehlt zum Theil, man findet den Mangel an Sonnenschein wohl heraus. Die Ernte der Spätkirschen, die sich besonder» zum Einmachen eignen, kann in etwa zwei Wochen erwartet werden.

B. Büdingen, 26. Juni. Außer dem früheren Zuschuß erhielt die hiesige landwirthschastliche Winterschule den weiteren namhaften Beitrag von 900 Mark au» der Haupt« staatSkasse.

Kastel, 25. Juni. Gestern gelang es der GenSdarmerie, ein Kümmelblättchen ausfindig zu machen und zu ver­haften; die Gesellschaft bestand auS drei Personen, welche hier unter vollständig falschen Namen Wohnung bezogen hatten; bei der Verhaftung gelang eS einem der Gesellschaft, zu entspringen, doch dürste auch dieser seiner Verhaftung nicht

Feuilleton.

Der WM des deutschen Geschichtsromaus. Sin Gedenkblatt zu WUtbald Alexi»' 100. Geburtstage am 29. Juni 1898.

Von Max Rupprecht.

(Nachdruck verboten.)

Walladmor", ein neuer Roman von Walter Scott, zog firn Jahre 1824 in den Berliner Buchläden die «nfmerk- lamkeit weiter Kreise auf sich. Der Einsiedler von AbbotS- fsord fiand damals im Zenith seines Ruhme», kein Wunder also, daß männtglich über da» jüngste Product seiner Muse ßerfiel und eS mit dem ganzen Wohlgefallen verschlang, mit welchem auch die deutsche Lesewelt die Geistesspenden de» ßtzottischen Schriftsteller» zu genießen pflegte. Und man war richt enttäuscht: der neue Roman war de» bewährten Ruhmes Seine» Verfasser» würdig. Interessant im Stoff, fesselnd in Itr Darstellung, zeigte er alle charakteristischen Schönheiten ter Scott'schen Schilderung, so daß man ihn ohne Zögern ten besten Werken de» Meister» an die Seite stellte. Wie »roß aber war das Erstaunen de» Publikum», al» man ssMer erfuhr, der allgemein bewunderte Roman sei gar keine Schöpfung Walter Scotts, sondern vielmehr da» Product eine» jungen deutschen Schriftsteller», der, angeregt durch die Nomaue de» englischen Autor», da» Vorbild derselben zur Schaltung eine» eigenen Stoffes mir ebenso viel Geschick DU Erfolg nachgeahmt hatte. Die kecke Mhstificativn er- reichte vollkommen ihren Zweck. Der Roman de» unbekannten Kutschen Jüngling» wäre unbeachtet geblieben, während der- jmige Walter ScottS die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich Unttc. Der Zweck heiligte daS Mittel/ und der Erfolg wiederum, wie in so vielen Fällen, so auch hier, den Zweck.

Eine Pfuscherei hätte den Namen de» jungen Manne» mit ewiger Schmach bedeckt, die gelungene Imitation verzieh man ihm nicht nur, sondern erh elt ihm auch für die Folge die Sympathien, welche sein Erstlingswerk ihm erworben hatte. Walladmor" wurde in mehrere Sprachen, sogar in das Englische übersetzt, dem er angeblich entnommen war.

Wer aber war nun der Verfasser? Niemand al» unser Wtltbald Alexi», oder, wie er mit seinem eigentlichen Namen hieß, Georg Wilhelm Heinrich Haeriug, der Abkömm­ling einer bretonischen Smigranteofamilie.Wtltbald Alexis", da» Pseudonym, unter dem er seine späteren Sachen erscheinen ließ, war die Latetnifiruog seine» Namen», der ursprünglich Harenc lautete, woraus nach der Ueberfiedelnng nach Deutsch­land Haering gemacht wurde. Da nun Haering im Lateinischen alec heißt, so führte der junge Haering in seiner Studenten­verbindung den Scherznamen Alexi», und diese» Pseudonym behielt er auch für seine schriftstellerischen Veröffentlichungen bei. Unser Dichter erblickte am 29. Juni 1798 zu Breslau da» Licht der Welt, seine Eltern fiedelten jedoch bald nach Berlin über, wo er die dortigen höheren Lehranstalten be­suchte. Der Ruf de» Vaterlandes rief auch den damals erst 17jährigen Jüngling zu den Waffen; als Freiwilliger zog er 1815 mit nach Frankreich und nahm an der Belagerung der Ardennenfestungen Theil. Nach feiner Rückkehr widmete er sich an den Universitäten zu Berlin und Breslau dem Studium der Jurisprudenz, nach dessen Beendigung er die SraatScarrisre einzuschlagen beschloß. Doch schon als Kammer« gerichtSrefereudar trug seine Neigung zum Schriftstellerberuf den Sieg davon, er entsagte allen künftigen Würden und Ehren und schlug die dornenvolle Laufbahn eine» deutschen Schriftstellers ein, die ihm allerdings, früher al» manchem mitstrebenden Zeitgenossen, erfreuliche und verdiente Erfolge brachte.

An sich war die Zeitlage einem Talente wie dem feinigen

nicht allzu günstig. Auf dem deutschen Parnaß herrschte da» junge Deutschland und beherrschte, wie tn der Gegenwart daS jüngste Deutschland, mit seinen socialen Problemen seine Zeit. Talent und Neigung verwiesen den jungen Haering indessen mehr auf die breite epische Darstellung im Genre seine» Vorbildes Walter Scott; er war kein himmelstürmender Poet, der seine Ideale in begeisterten Dithyramben zum hin­reißenden Ausdruck bringt, sondern ein behaglicher Kleinmaler von practisch-bürgerlicher Denkart, dem eS zwar durchaus nicht an politischem Idealismus fehlte, der sich aber von feinen edlen Zielen nicht zur Ueberschwänglichkeit hiuretßen ließ, sondern ihre Erfüllung auf dem Wege ruhiger Thätig- feit erstrebte. Mit seinem zweiten Roman,Schloß Avalon", stand er noch ganz im Banne deS schottischen Nationalbarden; nun begann er, sich der Ausgestaltung seiner eigenen Idee zuzuweuden. WaS der große Schotte seiner Heimath jenseits des Ozean» geworden war, das wollte er für Deutschland werden: der Erzähler seiner Geschichte, der Berherrlicher seiner Helden, der Sänger seiner Landschaften, der Chronist feiner glorreichen Thateu! Auch wir, dachte er, haben eine Vorzeit, die, reich au Kämpfen, unß nicht weniger interessant dünkt als die Vorzeit der Schotten, und ihre Geschichte liegt dem deutschen Publikum näher, sie muß ihm theurer fein; ihre Kenntniß stärkt und festigt in ihm den nationalen Ge­danken und webt da» festeste der Bande, die Liebe zum Vaterland! So entstand seinCabaniS" (erschienen 1832), ein treue» Cnltur- und Sittenbild der glorreichen Zett Friedrich» de» Großen, erfüllt von warmer nationaler Ge­sinnung und dem Zauber sch icht bürgerlichen Leben», wie eS uns in FrehtagSSoll und Haben" so anmuthsvoll eutgegentritt. Alle Verhältnisse der fridcriciantschen Zeit sanden ihre Rolle darin, der Leser wird sowohl hinauSgeführt in den Pulverdampf der Schlachten als hinein in die Bürger­häuser der Hauptstadt.