Ausgabe 
29.6.1898 Erstes Blatt
 
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Washington, 27. Juni. General Shafter telegraphirte an die Regierung, daß alle Truppen glücklich gelandet seien. Er bedauere, daß da- gelbe Fieber immer noch um fich greife und daß bereit- eine große Anzahl seiner Leute in» Lazareth gebracht werden wußte. Er versichert, Santiago werde binnen 48 Stunden eingenommen sein.

Santiago, 27. Juni. General Garcia mit 2500 Mann Insurgenten und durch amerikanische Truppen verstärkt, halt deu spanischen General Lina re», welcher mit Berstärkangs- truppen nach Santiago unterwegs ist, in Schach.

Stichwahlen.

Manche». Bei der Stichwahl in München I erhielt der vom Centrum unterstützte liberale Eaodtdat Schwarz 11,363, Birk (Soc.) 9802 Stimmen.

Würzburg. Lurz (Ceotr.) mit 2471 Stimmen Mehrheit gegen Eitztnger (Soc.) gewählt.

Regensburg. Lama (Centr.).

Zmmenstadt. Schmidt (Centr.).

Schweinfurt. Holzapfel (Eeutr.) 6871, Friedrich (v.) 6768 Stimmen. 10 Gemeinden fehlen noch. Voraussichtlich Holzapfel gewählt.

Locales unb ^provinzielles.

Gießen, 28. Juni 1898.

** Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog haben Allergnädtgst geruht, am 9. Juni dem Stein- drucker Christian Simon in Mainz das Allgemeine Ehreu­zrichen mit der InschriftFür treue Arbeit" zu verleihen.

* Aus dem Verwaltungsdienst. Durch Entschließung Großh. MlntstertumS des Jonero ist der RegierungSafleffor Dr. Ernst Merck in Heppenheim biß auf Weitere» mit Aushilfe bet Großherzogl. KretSamt Büdtngeo beauftragt worden.

* Lehrerheim Vogelsberg. Höchster Entschließung zufolge haben Seine Großherzogltche Hoheit Prinz Wilhelm von Hessen da» Protektorat über den VereinLehrer- hetw Vogelsberg" huldvollst übernommen. Der Vorstand diese- Verein», vertreten durch die Herreu Oberlehrer Backe» Darmstadt, Lehrer Ltuck-RudingShaia und Lehrer Trtokau»- Schotten, hatte am verflossenen Donnerstag die Ehre, von dem hohen Herrn empfangen zu werden, um Namen» de» Verein» ehrerbietigstem Danke Ausdruck zu geben. Mit sichtlichem Jutereffe nahm Seine Großherzogliche Hoheit die Meldung über deu gegenwärtigen Stand de» Lehrerhetm» Vogelsberg entgegen, wünschte der Stiftung eine gedeihliche Entwickelung und sprach die Absicht au», in diesem oder dem kommeodeu Jahre dem Lehrerheim einen Besuch abzustatteu. Möge dem Heim da» Protectorat zum bleibenden Segen gereichen!

Gießener Lese« und Bücherhalle. Die HerstelluogS- arbeiten an dem Thorhau» am Seltersweg, dem künftigen Heim unserer Lesehalle, haben längere Zeit tu Anspruch ge- geuommeu, al» ursprünglich erwartet wurde. Daher ver­zögerte sich auch die Aufstellung der Bücher und die Aus­führung mancher BtbltothekSarbeiten, welche erst au Ort und Stelle vorgeuowmeu werden können. ES kann jedoch jetzt schon mit Sicherheit versprochen werden, daß Lesehalle und Büchersawmlung in der ersten Hälfte des Juli der all­gemeinen Benutzung zugänglich sein werden. Dem Aufruf um Ueberlaffuug von Büchern ist von vielen Seiten ent­sprochen worden. Namentlich verdienen mehrere größere Spenden besondere Hervorhebung, die der Herreu Dr. Hüter und Dr. Stammler, die beide sehr reichhaltige Sammlungen guter schöuwisirnschaftlicher Literatur stifteten, dann die von Herrn Prof. Dr. Noack, der un» eine ganze naturwtffeu- schaftliche Bibliothek überwies, und schließlich einige vierzig Bände der besten katholischen Schriftsteller das Geschenk einer auswärtigen Dame und eines Verleger» darunter die iämmtlicheu Schriften von Alban Stolz und HacSjakob. Neben diese Geschenke, deren jedes einen Werth von mehreren Hund Mark repräsentirt, stellt fich wohl zunächst dasjenige de» Herrn Fehsenseld, der der Lesehalle ein neue» Exemplar der in seinem Verlag erschienenen Gesawmrausgabe der Karl Moh'schcn Retseerzählungen zuweudete. Die übrigen, theil- weise beträchtlichen Spenden können wir hier nicht einzeln anführen, wir erwähnen nur, daß von Zeitschriften etwa zehn Jahre derDeutschen Rundschau" und viele Bände der Gartenlaube", de»Daheim", vonHebet Land und Meer" usw. vorhanden find. Auch find unsere Klassiker und Vieles von älterer auswärtiger Literatur, die Werke von Cervantes, Cooper, W. Irving, Walter Scott (diese sogar in drei Exem­plaren) u. A. vertreten. An Lesestoff wird c» sonach nicht fehlen. Dennoch find noch beträchlliche Lücken vorhanden. Fritz Reuter, I. Gotthelf, C. F. Meyer, W. Raabe, Mörike, O. Ludwig, M. Ebuer-Eschenbach, G. Frehtag, W. Alext», Moltke u. A. find nicht oder nicht genügend vertreten. Auch ist die historische Literatur, die einzige, die neben der schön- wissenschaftlichen fich in öffentlichen Bibliotheken reger Be­nutzung erfreut, bet Weitem noch nicht reichhaltig genug. Diese Lücke auSzusülleu, wird die nächste Aufgabe der Lese- Hallen-Commisfion sein. WünschenSwerth wäre eS, daß. ebenso wie es von katholischer Sette geschah, man auch anderwärts fich bemühen wollte, geistige Richtungen durch Werke, die sie würdig vertreten, in der Lesehalle darzustellen. WaS kann dankbarer uud lohnender für ben Freund eines Dichter» oder Buches sein, al» eia Cxrmp'ar eines LiebltngS-AutorS oder -Buches der allgemeinen Benutzung zugänglich zu machen und so ihm neue Freunde zuzuführen? ES soll dafür gesorgt werden, daß diese Schätze nicht vergraben bleiben, sondern sie durch öftere Hinweise der Beachtung empfohlen werden. Hat die Bitte um Zuwendung von Büchern Erfolg ge­habt, so ist eine andere, die um Ueberlaffuug von Zeitungen und Zeitschriften so gut wie wirkungslos geblieben. Wir legen sie daher nochmal» dringend unseren Mitbürgern ans Herz, indem wir betonen, daß hier ein LebenSintereffe auf dem Spiel steht uud da» ganze Gedeihen der Anstalt bet

ihrer Versagung gefährdet ist. Da» Beispiel mancher Lese­hallen wie z. B derjenigen in Freiburg t. B. har gezeigt, daß ohne eine reiche Auswahl von Zeitungen und Wochen- und Monatsschriften die Lesesäle veröden. Darum wird der periodischen Literatur allgemein und mit Recht große Aufmerksamkeit zugeweudet. Allein eS ist hier die Gefahr vorhanden, daß die nicht sehr großen Mittel, über die wir hier verfügen, hierbei aufgebraucht werden. Wir haben in diesem ersten Jahre große einmalige Ausgaben: für die erste Einrichtung, für Tische und Stühle, für da» Einbinden der geschenkten Bücher, für Mitglieder- uud BenutzunqSkarteu uff., fodaß für eigentliche BibliothrkSzwecke nur ein mäßiger Betrog übrig ist. Hab davon ist noch die Handbibliothek de» Lese­zimmers, mit CouverfatioriSlexikon, AtlaS, Nachschlagewerken ans allen WiffeuSgebieten ufw. zu beschaffen. Es wäre darum lebhaft zu wün'chm, daß bft Ausgaben für Zeitungen und Zeitschriften auf da» geringste Maß herabgesetzt würden und die übrigen Gelder für Anschaffung guter Bücher verfügbar biteben. Denn nur diejenigen Anstalten gedeihen wahrhaft und erfüllen ihren Zweck, die auf ben systematischen Ausbau der Büchersawmlung von Anfang an und unbeirrt ihr Augen­merk richteten, die nach und nach eine geistige Centralstelle schufen, wo jeder Bürger ohne Unrerschted de» Stande» und der Bildung den ihm zusagenden Lesestoff findet, und wo au» jedem Gebiete und über jeden Gegenstand einige der besten Werke vorhanden find, die darüber existiren. Auch in Gießen müffen wir ein solches Ideal anstreben. Es kann aber nur erreicht werden, wenn die Mitgliederbeiträge fich heben, wa» bei der Benutzung wohl schon geschehen wirb, unb wenn die vorhanbenen Mittel fast ganz zu Bücheranschaffungen verwandt werden. Darum bitten wir die Freunde de» Unternehmen», verfügbare Zeit­ungen und Zeitschriften nach der eigenen Benutzung der Lese­halle zu Überlaffen, eventl. gegen Verpflichtung zur Rückgabe. Die Zeitungen sollen Abend» fünf Uhr durch den Diener abgeholt werden, die Zeitschriften nach Vereinbarung. Aner- bietungen find an den Vorstand der Lesehalle, zu Händen des Herrn Hauptmann Kramer ober an bte Expedition be« Gießener Anzeiger" zu richten.

* Radsport. Resultat der BereiuSdauerfahrt des Gau 9 nach Gießen am 18./19. Juni er.:

*) Radf. Quartett Frankfurt a. M. unb R. V. Lauterbach loosten um den 3. Preis unb fiel derselbe dem R. V. Lauterbach zu.

Gemeldet zur DereinS-Dauerfahrt hatten 35 Vereine, am Ziel angekommen find 28 Vereine. Für Gruppe E wurde von einem Gaumitglted ein 4. Preis gestiftet. Die­jenigen Vereine, die keinen Preis bekommen konnten, erhalten ein Gau-Diplom in Anbetracht der guten Leistungen. Zum PreiS-Eorfo waren 23 Vereine gemeldet, es beteiligten fich 21 Vereine. Der R. V. unb dieWanderer" Gießen fuhren außer Concurrenz.

Name des Vereins.

aktiven glieder.

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R. V v. 91 Marburg . .

9

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16,300

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1.

393er.

R. 93. Wanderlust Weisenau

8

4

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101/ 104,f

19 200

77 <

2.

R. C. d. 85 Marburg . .

6

4

4

>14,800

67?

3.

B.

R. 93. Nidda.....

17

8

8

125,115,770

83/»

1.

558er.

R. C. Butzbach . . .

18

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9

105814,100

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2.

R. 93. Lollar.....

19

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16,000

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3.

R. 93. Weilburg . . . .

10

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7

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15,900

63/<

R. 93. Victoria Cronberg .

10

7

7

102

9,790

63/4

B. C. Biebrich . . . .

11

8

8

96,

13,500

6V8

C.

R. 93. Vorwärts Frks. a/üDl.

29

14

14

133,

17,000

103/s

1.

693er.

R. C. Idstein.....

23

15

15

110,

11,400

93/«

2.

I. Rs. Quartett Frks. a/M.^)

24

14

13

1

132,

12,730

8%

R. 93. Lauterbach') . . .

29

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«2

110,312,900

87g

3.

R. C. Dillenburg....

28

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102,2| 14.700

R. V. Germania Höchst .

24

14

13

1

112,812 520

77fl

D.

93. Radsport Frks. a/M. .

36

15

15

140,516,210

10"8

1.

7 93er.

R. V- Germania Frks. a/M.

45

22

22

104,012,310

97/«

2.

R. 93. Gießen.....

34

19

19

103,2 14,000

974

3.

93. C. Frks. a/M. . . .

43

17)17 1818

120,8 13,620

97«

Post-R. C. Frks. a/M. . .

38

90,6 15,330

87g

V. C. Moguntia Mainz .

49

13113

91 7

103,0 15.100

7

R. C. v. 92 Nauheim . .

37

2

100,8 14 300

47-

E.

B. C. Frkf. a/M. . . .

158

61 61

103

12,880

1978

137.

1.

693er.

B. C. Darmtiadt. . . .

160

4242

110,

10,000

2.

93. V. Höchst.....

57'36 34

99 29 28

2

U2,(

11,900 12V8

3.

R.-Gesell. Wanderer Gießen

1

144,

114,30011

4.

R. 93. Wiesbaden....

159 23 22

77 19 19

1

100/

: 8,880

67,

-

R. 93. Darmstadt ....

90.

11,300

67-

* 'ck. Hebet das 25. Gauturnfest i» Lauterbach geht un» nachträglich folgender Bericht zu: Die für Samstag Abend vorgesehene Gedächtnißfeier zu Ehren de» Begründers de» deutschen Schulturnens, Adolf Spieß, bei deffen Geburts­haus verlief in schönster, würdiger Weise. Herr KreiSschul- inspector Andre» hob die Verdienste, die fich der leider zu früh verstorbene Ad. Spieß um die Turnfache Überhaupt sowie besonder- um da» Einführen des Turnen» in den Schulen und da» Turnen der Mädchen erworben Hot, hervor unb schloß mit einem dreifachenGut Heil" auf Schul« und VereinSturnen. Nach Schluß der Feier zogen die Turner nach dem herrlich gelegenen Festplatz, woselbst fich bald ein fröhliches Leben unb Treiben entwickelte. Das Wettturnen fand am Sonntag Vormittag bet günstiger Witterung statt. ES errangen hierbei: Emil Marx-Gießen (T.-V.) den 1. Preis mit 68 Punkten, Joseph Helmer-Marburg (T.-V.) den 2. Preis mit 65 Punkten, C. Linsenmeher-Wetzlar den 3 Preis mit 641/, Punkten, W. Löwe-Marburg (T.-V.) und H. Pieper-Gießen (T.-V.) den 4. P'ei» mit 59% Punkten, A. Bechlhold-Marburg (T.«V.) ben 5. Preis mit 58*/, Punkten, I. Gröger-Marburg (Turngem ) und Fritz Gold-Marburg (T.-B.) den 6. Preis mit 56V« Punkten, Hrch. Brauer- Marburg (T.-D.) den 7. Preis mit 54V, Punkten, W. HeneS- Bad-Nauhcim den 8. Preis mit 54% Punkten, H. Peter- Marburg (T--V.) den 9. Preis mir 53% Punkten, Chr. Rössing-Marburg (T.-v.) den 10. Preis mit 53% Punkten, K. Hölltsch-Hungen den 11. Preis mit 51% Punkten, Ludw. Noll-Gießen (T.«B.) den 12. Preis mit 51% Punkten. Leider regnete es am Nachmittage nach Eintreffen des Fest­

zugeS auf dem Festplatze derart, daß das vorgesehene Turne» der Musterriegen auSfallen mußte.

Die 6. Landes-Versammlung des Hessischen Fechi. VereinsWaiseaschntz", welche am Sonntag in Stein» Saal­bau stattfand, war überaus zahlreich besucht. Der Bericht über die Entwickelung unb den Stand des Vereins ließ erkennen, daß seine Bestrebungen im Großberzogthum immer mehr Boden gewinnen. DaS vorhandene Baarvermögen be­tragt 5645 Mk. 64 Pfg. gegen 3577 Mk. 73 Pfg. de» Vorjahre». Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin hat im abgelaufenen BereinSjahre dem Verein wiederum eine Spende im Betrage von 50 Mk. übermitteln lasten. Die Dom Ministerium für die Zwecke de» Verein» genehmigte Lotterie, deren Loose flotten Absatz finden, wird einen Reingewinn von 30,000 Mk. erbringen unb damit der Gedanke der Er­bauung eine» Kinderasyl» im Hestenlande um einen wesent- lieben Schritt der Verwirklichung nähergerückt. Al» Ort der Tagung der nächsten LandeSverfammlung wurde Darmstadt bestimmt. Auf Vorschlag der Oberfechterei wurde der Ober­bürgermeister von Mainz, Dr. Gaßner, welcher fein In- tereffe für den Verein mehrfach betätigt hat, zum Ehren­mitglied ernannt. An der gemeinsamen Mittagstafel, weiche sehr animirr verlief, beteiligten fich etwa 40 Personen. Während derselben wurde an den Landesherrn ein Ergebenheit»- grüß entsendet, der herzliche Erwiderung fand. Trotz bet Regen» wurde die projectirte Fahrt nach dem Windhof und Gleiberg au»geführt. Nach der Rückkehr bildete ein Tänzchen und Feuerwerk den Schluß der festl chen Veranstaltung.

* Das Resultat der Reichstagswahl in Heffen ist nun Folgendes: Die Nationalliberalen Haden die Wahlkreise WormS-Heppenheim und Friedberg-Büdingen bebalten, den Wahlkreis BenSheim-Erdach gewonnen, dafür Darmstadt- Groß-Gerau verloren. Das Centrum hat Mainz Oppenheim, die freisinnige BolkSpartei Bingen-Alzey behauptet. Die Antisemiten haben Gießen-Grünberg und Alsfeld-Lauter­bach behauptet, aber BenSheim-Erbach verloren. Die Sozial­demokraten haben Offenbach Dieburg behalten unb Darmstadt- Groß-Gerau gewonnen. Die Nationalliberalen (3), Gentrum (1) und freisinnige Bolkspartei (1), in Heffen zählen bahn gleich viele Abgeorbneten wie im letzten Reichstag, die Sozial­demokraten (2) einen mehr, die Antisemiten (2) einen weniger.

Ans der Wetterau, 27. Juni. Die gestrige Aus­führung des Münzenberger Kirchenchor» verlief bei überfüllter Kirche in glänzender Weife. Auch viele auswär­tige Gäste waren erschienen. E» wurde denn auch hervor­ragend Schönes geboten. Da» schier überreiche Programm mit seinen 18 Nummern enthielt lauter gute und beste Corn« Positionen. ES war äußerst geschickt unb abwechselungSreich zusammengeftellt, sodaß keine Ermüdung eintrat trotz bei eineinhalbstündigen ununterbrochenen Zuhörens. ES verdient nur Bewunderung und Dank, daß der Münzenberger Kirchen« chor, abgesehen von feinen eignen trefflichen Leistungen, immer wieder solche reichhaltigen Aufführungen zu Stande bringt und treffliche Solisten zu gewinnen weiß. Den Grundton der gestrigen Aufführung schlug gleich die erste Nummer an, die charaktervolle unb schöne Phantasie unseres tüchtigen Alt­meister» und LanbSmann» Rinck. Schon bei blefer ersten Nummer zeigte sich Herr Lehrer Kammer von Butzbach al» hervorragender Meister auf feinem Instrument, al» den er sich auch in feinen drei übrigen Vorträgen unb feinem bi»- creten Accompagnement bewährte. Souveräne Beherrschung der Technik, feinsinniger Gebrauch der Register, Schwung und Kraft de» Vortrag» bezeichnen fein Spiel. Möchten wir eS noch öfter hören. Ebenso war auch der Eindruck der Ge- fangeSfolisten auf die Hörer ein sichtlich tiefgehender. Zn ben bereits von früher vortheilhaft bekannten Damen au» Lich gesellte fich ebenbürtig Fräulein Küchel von Butzbach mit ihrer kräftigen, vollen unb fympatischen Sopranstimme. Bei solchen Leistungen verstummt die Kritik. Der Dilettant, der au» vollem, aber unbefangenem Herzen gtefct, wa» er hat, bietet einen viel erfreulicheren Genuß, als der Virtuos, der mit kühler Berechnung Effect machen will. ES würde zu weit führen, alle Nummern de» Programm» zu besprechen. Jede war schön in threr Art. Mendelssohn war wie immer und verdientermaßen reich vertreten. W r freuten un» aber auch, Hiller, Emmerich und Mergner zu begegnen, die wohl verdienen mehr gesungen zu werden. Der Chor war mit fünf Nummern behelligt. Er leistet unter den gegebenen Verhältnissen wirklich Bewunderungswürdiges. Er hat fich gegen früher noch vervollkommnet in Tongebung, Aussprache und Nüancirung. Durch den meisterhaften Vortrag schöner und schwieriger Composttionen, wobei der letzten im gestrigen ProgrammAch, daß die Hülse au» Zion käme" die Palme gebührt, hat er wieder eine glänzende Probe seine» Können» abgelegt. Zum Schluß erübrigt un», im Namen der Zu­hörer allen Mitwirkenden Anerkennung und Dank zu sagen, daß sie ihre schönen Gaben so selbstlos in den Dienst der guten Sache gestellt haben.

Darmstadt, 27. Juni. Die Großh. Garde Unteroffizter»- Compagnte begeht am 5. Juli d. I. da» Jubiläum ihre» 275jährigen Bestehen». Au» diesem Anlaß findet am Dienstag, 5. Juli, Vormittags 11 Uhr eine Parade der Garde-HnteroffijierS'Compagnie im Glockenhofe de» Residenz- schlöffe» statt. Zu der seltenen Frier sind Einladungrn an sämmtliche Offiziere, die im Laufe der Jahre zu dieser Lom- pagnie commandirt waren, sowie an die Spitzen der Behörden ergangen.

A Mainz, 27. Juni. Der Großherzog von Hessen traf heute Abend von Schloß WolfSgarien hier ein und begab fich direct in da» Festconcert de» deutschen Musik- verein», der unter der Protection des Großherzogs steht- Im Vestibül de» ConcerthauseS der Liedertafel fand großer Empfang statt. Zwecks einer besseren VerkehrSver- bindu'ng mit den rechtsrheinischen Orten vor Wiesbaden hat der Verein Mainzer Kaufleute ein Project aulgearbeitet, eine Kleinbahn zu erbauen, welche von Kastel im Anschluß an die Mainzer Straßenbahn nach Erbenheim suhlt,