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um hier Anschluß an die Limburger Bahnstrecke zu erhalten. Bon Erbenheim au- soll fich alsdann die Kleinbahn an die zunächst gelegenen Ortschaften anschließen und fich ringförmig nach Wicker, Hochheim und Kostheim ziehen und von da au» wieder in Kastel einmünden. Man glaubt, auf diese Weise den Verkehr auf der nach Limburg führenden Bahnstrecke leichter nach Mainz leiten zu können, während diese Bahn gegenwärtig nur in Wiesbaden einmündet und die Verbindung der au dieser Bahnlinie liegenden Ortschaften mit Mainz erschwert. Obengenannter Verein sucht zunächst die städtische Verwaltung und die hiesige Handelskammer für da- Project zu iuteresfiren.
△ Mainz, 27. Juni. 34. deutsche Tonkünftler- Bersammlung. DaS gestrige große Festcoucert in der Liedertafel begann um 5 Uhr Nachmittags und währte über 3’/s Stunden. ES nahm feinen Anfang mit einer neuen Symphonie von Wilhelm Berger, die namentlich nach dem ersten und letzten Satze lebhaften Beifall fand und den jungen Componisten auf das Podium brachte. Hofoperufänger H. Strahlmann - Weimar sang „Dietrichs Erzählung" aus dem „armen Heinrich" von Pfitzner, die dem Sänger und dem Eomponisten Beifall und Hervorrufe etntrugen. Fräulein Mavella Prect« Paris trug mit einschmeichelnder Sopran« stimme und durchgetftigem Vortrage drei französische Lieder vor. Herr Frederic Lamond spielte ein furchtbar laug« qeratheneS Clavier-Concert in G dur mit Op. 66 von Tschaikowsky und die städtische Capelle die große „Leonoren- Ouverture" unter Capellmeister Emil Steinbachs trefflicher Leitung. Die Schlußsceue des dritten Actes der „Meistersinger" beendete da- Programm. Die Chöre wurden von der Liedertafel und dem Damengesangveretu gestellt und die Soli von Fräuletu Preci sowie den Herren Sistermanns und Dr. Wiellner, der für den ausgetretenen Tenoristen Girhwetn eintrat, gesungen.
Au- der Zeit für die Zeit.
Vor 34 Jahren, am 29. Juni 1864, wurde durch den Prinzen Friedrich Karl von Preußen die Insel Alfen erobert, eine Kriegsthat, die dem Düppeler Schanzensturm an Kühnheit kaum nachstand. Auch dieser Waffengang nahm rasch für die Dänen einen ungünstigen Ausgang.
Vermischte».
• Ein Stellengesuch eines Kameruner Negerkaabeu. Der kaiserliche Bezirksamtmanu von Kamerun, Herr Dr. Friedl Martin, der Anfangs März nach feinem neuen Wirkung»« kreise abgereist ist, erhielt dort folgenden Brief eines vterzebn. jährigen Negerkuabeu: „Kamerun (Joßdorf), den 23. 4. 98. Hochzuverehrender Herr Dr. Martin! Ich, als der Unterzeichneter bitte hiermit, daß ich am früheren Tagen gehört habe, Sie wünschen einen Hausdiener, der allerdings etwa» Deutsch versteht und ziemlich gut sprechen- da ich auch in der Lage bin, Sie um die« zu erinnern, so bitte ich Sie freundlich, die von mir gebetene Stelle antreten laffen zu wollen. Ich bin einer der die RegteruugSschule hterselbst besucht, und tritt daselbst um 10 bi» 12 Uhr Vormittags, Nachmittags bin ich immer frei. Zu verschiedenen Weißen Liu ich auch schon gewesen, und habe meinen Dienst in stiehl« schweigendem Vollendung ohne keinen Grund gebracht. Wenn r» Ihnen um die» gefällig ist, so geben Sie mir bald- möglichster Antwort, da ich selber der Ueberbrtuger de» Briefe» bin. Mit gutem Anficht bleibe ich, daß ich die Stelle an Sie bekommen werd:. Mit freundlichem Hochachtend Ihr ganz ergebenster Diener Otto (Sion, Joßdorf." Der Brief bekundet, daß sein Schreiber „allerdings etwas Deutsch versteht und ziemlich gut sprechen". Die Schrift dagegen ist bestimmt und flüssig und würde jedem deutschen Schulknaben der Altersstufe de» BriefschreiberS Ehre machen.
* Sin Kriegsschiff als Motorwagen. Ein „genialer" amerikanischer Erfinder hat kürzlich eine Idee ausgeführt, die,
wie der „Pitttburgh Dispatch" meint, die „anziehendste aller ExcurstonSnovttäten" (The most attractive thing in Excuraion Novelties) bietet. Der kluge Uankee hat nämlich in Anbetracht der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten herrschenden Begeisterung für Kriegsschiffe eS für sehr gewinnbringend erachtet, die Motorwagen nach Ausflugsorten in — Kriegsschiffe umzugestalten. Da« „erste Trambahnkriegsschiff der Welt", da» bereit- in Fitchburg im Staate MaffachuffettS existirt, ist eine „möglichst genaue Nachahmung des Schlachtschiffe- „Brooklyn" und führt den Namen „Mac Kinley". E- ist selbstverständlich auch mit Geschützen versehen, führt auf beiden Seiten Rettungsboote mit, und hat wirkliche Rauchfänge. Die Anker find zum augenblicklichen Gebrauche bereit. Der Jnnenraum dagegen ist so practifch und comfortabel eingerichtet, wie der de» besten Motorwagens, der jemals durch die Straßen fuhr. Der Krieg-schiffmotorwagen ist 37 Fuß lang, 9 Fuß breit und 12 Fuß hoch und bietet Platz zur Beförderung von 100 Paffagieren. Zur practtschen Durchführung dieser „genialen" Idee hat sich bereits eine Gesellschaft gebildet, der die patriotischen Zeitungen große Erfolge versprechen.
Universitäts-Nachrichten.
— Der Director des Landes-Kranken- und EntbtndungshauseS in Graz, Dr. Victor Fasset, ist zum außerordentlichen Professor für Geschichte der Medicin an der Universität in Graz, und der Privatdocent Dr. Wladimir Mtlkowicz zum außordent- lichen Professor der Geschichte Ost-Europas an der Universität in Czernowitz ernannt worden.
Frankfurter Stadttheater.
Für die bevorstehende Herbst- und Fremden-Saison ist in den beiden Frankfurter Thea ern, welche am 1. August wieder eröffnet werden, für ein thunltchst interessantes und abwechslungsvolles Repertoir gesorgt worden
Im Opernhause wird ein CycluS von Werken Richard Wagners gegeben werden und zwar: „Der Ring des Nibelungen" (Rheingold, Walküre, Siegfried, Götterdämmerung), „Tristan und Isolde", „Rienzr", „Die Meistersinger". „Tannhäuser", „Lohengrin" und der „Fliegende Holländer". — Ferner werden die Werke der klassischen Meister (Gluck, Beethoven, Mozart, Weber) abwechselnd auf dem Rcpertotr erscheinen. Von Gluck wird besten „Armida" wieder ausgenommen werden. Neben den älteren italienischen und französischen Opern-Werken werden insbesondere die jungen Italiener (Mascagni, LSoncaoallo) vertreten sein, sowie Puccinis „Boheme" und Spinellis „A Basso Porto* zur Aufführung gelangen. Ferner werden die an anderen deutschen Bühnen noch nicht zur Darstellung gelangten Opern: „Ingo" von Bernhard Scholz, „Halling" von Eberhardt, „Das Erbe" von Friedrich v. Erlanger, gegeben werden. Endlich sind als Opern-Novitäten in Aussicht genommen: „Lobetanz" von Thuile Bierbaum, „Das Unmöglichste von Allem" von Urspruch, „Benvenuto Celltni" von Berlioz, „Die Abreise" von d'Albert (erste Aufführung in Deutschland) „Mudarra" von Le Born.
Im Schauspielhause werden neben dem abwechslungsvollen Repertoir der deutschen klassischen Werke, die Shakespeare- sowie die Moltöre-Aufführungen durch wettere Neuetnstudirungen ergänzt werden. Das moderne Repertoir aber wird eine Auswahl der wirksamsten Dramen von Gerhard Hauptmann, Sudermann, Fulda 2c._ sowie von Ibsen, Björnson rc. bringen. An Novitäten sind tm L>Lausptel für den Herbst u. A. in Vorbereitung: „Cyrano de Bergerac" von Rostand (in der Uebertragung von Ludwig Fulda), „Die drei Retherfedern" von Sudermann, „Der Ungebetene" von Maeterltnk, in deutscher Uebertragung von Otto Erich Hartleben (erste deutsche Aufführung), „Johanna" von Björn Björnson (erste deutsche Aufführung), „Seele, stürme" aus dem Italienischen des Nant (erste deutsche Aufführung), „Wer frei ist von Schuld" von Ferdinand Groß; Vicomte o R Presber. Als heitere Novität für die Fremden-Saison wird das Lustspiel im „Weißen „Rößl" von Blumenthal und Kadelburg gegeben werden.
Verkehr, Land- rind Volk-wfrthschnft.
28. Juni. Marktbericht. Aus vcm hemigen Wochmmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. JL 0,90—1,00, Hühnereiei pr. 6L 6-6 A, 2 St. 11—00 4, Enteneier 1 St. 6—0 X Gänse, eiet pr. St. 10—11X Käse 1 St. t-7 X Käsematte pr. St. 3 4 Erbsen pr. Liter 20 4, Linsen pr. Liter 32 X Tauben pr. Paai vN. 0,70 biS 0,90, Hühner pr. Stück 1,00 bi« 1,60, Hahnen pr. Stüv •* 1,00—1,90, Enten pr. Stück X 1,80—2,20, Gänse pr. Pfun? X 0.00-0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 X «uh- und Rindfleis«! pr. Pfd. 62—66 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 64 bi» 72 4, Schweine
fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 76 X. Kalbfleisch pr. Pfd. 62-64 X Hammelfleisch pr. Pfd. 60—70 X Kartoffeln pr. 100 Kilo 10,00 bi« 0,00 X, Weißkraut pr. Stück 0—00 H, Zwiebeln pr. Tmtn« 9,60—ln.CO^, Milch vr. Liter 16 X Kirschen pr. Pfd. lb-2b X
Dauer der Marktzeit von 7 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.
GrLnderG, 25.Juni. Fruchtpreise. SBeijenX00,00—00,00, Korn X 17,80-18,50, Seifte X 00,00-00.00, Hafer 00,00-00,00, Erbsen X OJ,00-00,00, Linsen X 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00.00, Kartoffeln X 7,50-10,00, Samen X 00,00._______
Temperatur der Lahn und Luft
nach Reaumur gemeffen am 27. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 141/,0, Luft 13'/,°.
Rübsamen'sche Badeanstalt.
Ueueftc Nnchvicyten.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 28. Juni. Es sind nunmehr fämmtliche Wahlrefnltate bekannt. Gewählt wurden noch: In Hagenow Rettich (conf.), in München I. Schwarz (natl.), in Wasserburg Huber (Str.), in Regensburg Lama (Ctr.), in Schweinfurt Holzapfel (Ctr.), in Würzburg Lartz'(Ctr.) uvd in Jmmenstadt Schmidt ((Str.). Der neue Reichstag fetzt fich wie folgt zusammen: 59 Conservative, 20 Reichspartei, 47 Nationalltberale, 104 Centrum, 14 freisinnige Bereinigung, 30 freisinnige Bolkspartei, 8 süddeutsche BolkSpartei, ^Antisemiten, 56 Soctaldemokraten, 14 Polen, 9 Welfen, 1 Däne, 6 Bund der Landwirthe, 5 bayrischer Bauernbund, 9 Elfäffer, 1 Littauer, 1 Christlich-Socialer.
Berlin, 28. Juni. Wie da- „Kleine Journal" an» Luxemburg meldet, ist der Zustand de» Großherzog» hoffnungslos. Staat-Minister Ehschen verläßt da» Krankenztmwer nicht mehr.
Wien, 28. Juni. Da- Amt-blatt publicirt eine kaiserliche Verordnung, nach welcher da- Budget«Provisorinm biS Ende December dieses Jahre» verlängert wird.
Prag, 28. Juni. Sämmtliche russische Gäste habrn infolge dringender Aufforderung der Polizeibehörde Prag verlaffen.
Budapest, 28. Juni. Der Führer der Budapester Socia« listen, Gabados, wurde von den Geschworeren von dem Verbrechen der Aufreizung freigesprochen.
Budapest, 28. Juni. Die Ernte hat bereit» begonnen, ohne daß bisher Störungen vorgekowmen wären. Bon der befürchteten agrar-foctalistischen Agitation ist bisher vichr» bemerk: worden-
Rom, 28. Juni. Gestern früh 5 Uhr 37 Mim bar hier ein starke» Erdbeben stattgefunden, welche» sieben Sekunden anhielt. Es ist bisher nicht festgesttllt, ob und welche Verwüstungen daffelbe angerichtet hat.
Pari», 28. Juni. Nach Meldungen aus Madrid verleugnet die Regierung die von ihr thatsächlich bereits etnge- leiteten Friedensverhandlungen nur deshalb, um keinen Sturm im Lande hervorzurufen. Alle maßgebenden spanischen Persönlichkeiten sind für den Frieden.
London, 28. Juni. Au» Sevilla auf Cuba wird hierher gemeldet, die Amerikaner hätten am Sonntag Morgen Sevilla besetzt, ohne auf Widerstand zu stoßen. Die Spanier seien abgezogen.
Madrid, 28. Juni. Nach Depeschen vom cabauischen Kriegsschauplatz rücken die Amerikaner mit 15000Mann Infanterie, 100 Kavalleristen und zahlreicher Artillerie unablässig nach Santiago vor. General LinareS verfügt nur über 8000 Mann, erwartet jedoch stündlich 5 Bataillone, 3 Schwadronen und Artillerie.
Ueberrascht war bisher jedes Mädchen von dem schönen Glanz, den Krebs-Wichse erzeugt und sollte man daher nicht versäumen, dieselbe zu probiren. 5354
Vergebung von Bauarbeiten.
Die zur Erbauung eines Doppelhauses für Dienerwohnungen und eines Thierhäuschenr bei dem Ana- tomiegebäude zu Gießen nölhigen Arbeiten nebst Materiallieferungen nämlich: Maurer-, Steinhauer-, Zimmer«, Dachdecker-, Schreiner-, Schloffer-, Glaser-, Weißbinder-, Spengler- und Pflasterarbeit, sowie die Ti ägerlieserung, werden hierdurch unter Hinweis auf den Minister al- erlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf d m Submissionsweg ausgeschrieben.
Die Ausführungs »Bedingungen Zeichnung«n und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslocal zur Einsicht offen und können letztere, mit Vordruck zu den bezüglichen Angebots-Vermerk versehen, daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden.
Angebote sind bis zum 6. Juli l. I, Bormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift, portofrei an uns abzugeben.
Zuschlagsfrist 4 Wochen.
Gießen, den 25. Juni 1898.
Großh. Hochbauamt.
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Gießen, den 27. Juni 1898.
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