Ausgabe 
28.10.1898 Zweites Blatt
 
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§ 12.

Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen diese- Statut­werden mit Polizeistrafe bi- zu 5 Mk. bestraft.

Gießen, den 19. October 1898.

Großherzogliche- Kreißamt Gießen.

____________________v. Bechtold.____________________

Blitzstrahlen.

Mau könnte die parlament-lose Zett, die nunmehr zu Ende gegangen, obwohl auch darin daS franzöfische Ministe­rium wahrlich nicht auf Rosen gebettet war, die Tage voo Aranjuez de- Tabinets Brisson neunen. Sie find nun vor­über, und wenn eS Sturm war, was bi» jetzt Frankreich bewegte, so herrscht von heute ab die atmosphärische Stim­mung, die den Orkan auküudigt. Er kann jeden Augenblick loSbrechen, da- unterste nach oben kehreu und die alte Ord­nung stürzen. Und wenn es unS auch im Grunde uicht- angeht, was und wie e- jene jeuseit der Berge treiben, so ist e- doch für den Nachbar immerhin nützlich, zu wiffeu, wie drüben der Wind geht. Die Vertretung de- souveränen Volkes, wie fie in der Deputirteakammer und im Senat zum Ausdruck gelangt, wird fortan wieder der Schwerpunkt sein, um den das politische Leben kreist und wirbelt. Und kaum hat fie ihre Thätigkeit wieder ausgenommen, kaum haben die Sturmvögel draußen begonnen, das Palais Bourbon zu um- krersev, so hebt drinnen daS Zucken und Wetterleuchten an und der erste Blitzstrahl fährt nieder. Gr hat da- Ministe­rium Briffou schwer getroffen und die Lage jäh beleuchtet,- denn jetzt, wo nach Cavaignac und Zurlinden auch General Ehauotne, sein dritter Kriegsminister, daS Cabioet ver- rathen hat und Brisson selbst tu die Bresche hat springen müssen, ist der Zwiespalt zwischen der bürgerlichen und mili­tärischen Gewalt offenkundig.

Selbst dem uubesangensteu Beurtheiler wird es schwer fallen, für daS Verhalten ChauotneS eine mildere Bezeich­nung als Verrath zu finden, denn wer monatelang einem Ministerium fich zurechnet, an dessen Berathungeu theilnimmt, dort als Ehrenmann und Offizier offenen Herzens empfangen wird und dann beim ersten Zusammensein der Volksvertretung erklärt, er sei von Beginn an Gegner dieses Ministeriums gewesen, ja sein Verhalten noch cyaisch damit begründet, er habe im Interesse der Armee handeln wollen, der ist eben ein Berräther.

Aber welche RegierungSzustäude enthüllt diese kurze AmtSihätigkeit des Generals Chanotne! Dem blödesten Auge müßte es seit dem Rücktritt CavotgnacS klar geworden sein, daß es fich bei dieser DreyfuSsache nicht um daS Wohl und Wehe eines einzelnen Manne- oder um einen der Justiz- irrthümer handelte, die sich wiederholen werden, so lange Menschen leben und irren, sondern d. mit dieser Angelegen­heit lediglich eine der Eiterbeulen getroffen war, von der der Staatskökper nur durch Amputation des ganzen Gliedes ge­heilt werden konnte. In den leitenden Kreisen de- Bürger- rhums hatte man die Krankheit, die die Armeeleituug er­griffen, längst erkannt, aber die bürgerlichen Gewalthaber hatten fich selbst zu viel vorzuwerfen, um al- strenge Sitten- rtchter den Stab brechen zu können, und da mau sich in dem Gedanken gefiel, mit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht Volk und Heer tu ein- verschmolzen zu haben, so mochte mau glauben, da- Urbel werde au-heilen. Als dann jedoch offenbar wurde, daß die Clique, die die Armee beherrschte, zu Fälschungen und Verbrechen ihre Zuflucht genommen, um den Schein zu retten und andere Verbrechen zu bedecken, da begehrte da- Volk-gewiffeu auf und sand seinen Dolmetsch in Zola. Schritt um Schritt brach fich die Wahrheit Bahn und fie schien da- Spiel gewonnen zu haben, al- der oberste Gerichtshof mit der Untersuchung über die Revision de- DreyfnSprozeffes betraut wurde. Jndeffen man hatte die J Kraft zweier Factoreu nicht genügend tn Rechnung gesetzt: die Solidarität, die die hohen OifisierSkreise verkettet und die tu drm Verhalten EhavoiueS aus'- Neue deutlich in die Erscheinung getreten ist, und den Characterzug eine- eitlen Volkes, der es treibt, die Armee zu einem Abgott zu stem­peln, an deffen glänzender Rüstung selbst der philosophische Zweifel abprallen soll.

So steht heute die Armee Schulter au Schulter mit Dunkelmänuern, Antisemiten, Revancheschreteru und ihrem

und Vertrauensmann der deutschen Botjchast behauptete, e- sei bet dieser Gelegenheit au- Versehen ein Mann todt- getreteu worden. Der ganze Cornpttx war mit Polizei und Truppen abgesperrt, doch links von der Parade, ungefähr 20 Schritt vom Sultansfeoster drängte sich eine schwarze Maffe von besetzten Personen. Mau sagte, e- seien Palast­beamte. Plötzlich löste fich au- den ersten Reihen eine Person los, die mir und deu mir zunächst stehenden al- eine hohe schlanke, verschleierte Dame tu blauem Kleide erschien und, ein Papier hochhaltend, auf da- Fenster des Sultans zuetlen wollte, aber keine vier Schritte kam fie vorwärts, da stürzten fchon drei bis vier besternte Pascha- auf fie zu, packten fie bet der Hand und hielten fie fest, 6Iß die Polizei herbeikam, die die Person einfach zur Erde warf, wo fie im schwarzen Gewühl der Mafien verschwand. Trotzdem der Vorfall ketne Minute gedauert hatte, war er vom Kaiser doch bemerkt wordeu. Tütkischerseit- sagt mau, e- lei etu Schwarzer ge­wesen, der eine Bittschrift überreichen wollte, der Herr College aber, der ein persönlicher Vertraueu-mauu de- deut­schen Botschafter-, Baron von Marschall ist, behauptet au- Joformattouen der Botschaft zu wiffeu, daß der Maou, all er au- dem Geficht-krei- de- Publikum- verschwand, einfach todtgetreteu ist.

Nach Schluß der Parade zeigten fich beide Herrscher zu verschtedeueu Malen deu zusammeugeströmten Mafien und wurden jede-mal von einem Sturm von EuthufiaömuS begrüßt.

ganzen Schweif von lichtscheuem Gefiudel gegen da- liberale I Bürgerthum und ein Drumout, ein Dörouläde find ihre | Wortführer. Wie wird der Couflict enden? E- ist mißlich, I in der Politik Prophezeiungen zu wagen, doppelt mißlich, wenn e- fich um ein Staatsgebilde handelt, das fich die Weltgeschichte seit Menschengedevkeu sür ihre vulcautscheu Experimente erkoren hat- aber wenn nicht Alles trügt, ist die Saat der dritten Republik reif, um geschnitten zu werden.

Dem ersten Blitzstrahl ist ein zweiter gefolgt- da- Ge­witter hat fich entladen - da- Cabinet Briffou liegt am Boden. Die Drputtrteukammer hat die ersten Stunden ihre- Wteder- betsammenseiu- dazu benutzt, um da- Ministerium, da- fie fich erst vor vier Monaten selbst gegeben, iu- Unrecht zu setzen. Da- bedeutet dte-mal nicht wie sonst deu Uebergaug der Regierung von Partei zu Partei, von Person zu Person, nicht den üblichen Wechsel der Futterkörbe, sondern die be» gletteuden Umstände kennzeichnen den Sturz Briffou- al- die Waffeustreckuug de- Pekiu- vor dem Säbel, al- eine bewußte und gewollte Demütigung der Deputirteukammer, al- der Verkörperung der bürgerlichen Gewalt, vor der Mtlitärgewalt. Mit dem Programm, deu Vorrang der Civilgewalt vor der Militärgewalt zu behaupten, war da- Ministerium Briffou im Juni vor da- Parlament getreten, diese- Programm hatte e- auch gestern tn die erste Stelle der Erörterung gerückt, e- fand ferner Eingang in die Tagesordnung Rtbot- und wurde al- solche von der Kammer fast einstimmig gutgeheißev. Aber da- war eitel Spiegelfechterei einer zersetzten uud un­fähigen Volksvertretung, die zwar stets bereit ist, fich selbst Weihrauch zu streuen, aber den Muth uud die Kraft verloren hat, ihrer Ueberzeugung Achtung zu verschaffen. Denn wenn fie unmittelbar darauf der Regierung, deren Programm fie also gebilligt, ihr vertrauen verweigert die Mehrheit be­trug 32 Stimmen, so nimmt fie tu demselben Athem zurück, wa- fie vorher al- Leitsatz aufgestellt hat, uud offen­bart eine Mischung von bedieutenhafter Angst mit dünkel­hafter Gespreiztheit als ihre wahre Gesinnung.

Das au verwegener Rücksichtslosigkeit und politischer Rohheit unübertroffene Benehmen des General- Chanoiue setzte diese Characterlofigkett der sranzöstscheu Volksvertretung erst iu da- rechte Licht. Diesen Mann, der tu offeukuudtger Verhöhnung der Verfassung, de- Recht- und de- gewöhn­lichen Austaude- vor dem Laude erzählte, wie er fich tu dem Mtuisterium Brtfiou nur al- Lockspitzel der Mtlttärpartet ge­fühlt habe, lohnte die Kammer mit einer dröhnenden Bei- fall-salve - fie küßte deu srechen Reiterstiefel, der fich ihr so­eben auf den Nacken gefetzt hatte. Wie widerlich dieser An­blick war, wie unsterblich lächerlich fie fich machte, al- fie trotz der gar nicht mtßzudeutenden Situation immer wieder neue Schmeichel- und Kosenamen für die Armee, diesetreue Beobachterin der republikanischen Gesetze" auf die Tage-- ordnuug brachte, dafür scheint dir Vertretung de- souveränen frauzöfischen Volke- ganz da- Gefühl verloren zu haben. Aber es war dafür gesorgt, daß auch dieser verächtliche Knecht-fiuu iu die gehörige Beleuchtung gerückt wurde. Dem Jasttzmtutster Sarrieu, der selbst da- bekannte Ruudschreibeu gegen die Beleidiger der Armee veranlaßt und uuterzeichnet hat, ging e- denn doch über die Hutschnur, daß diese Ver­sammlung noch deu krampshaften Versuch wagen wollte, ihre Angst und ihre Ohnmacht mit dem Vorwurs zu bemäutelu, daß er und seine Collegeu die Armee e- beliebt nun einmal den Leuten, stet- die Armee mit einer Clique zu ver­wechseln, die sie iu ihre Verbrechen verquicken möchte, daß er die Armee ungestraft habe beschimpfen laffeu.

Angesicht- diese- Vorwurfs nahm er leinen Anstand, zu enthüllen, daß der General Chanoine, dem die Kammer so­eben Beifall geklatscht, in der That nur die Rolle de- Lock­spitzel- im Ministerium gespielt hat. Denn ander- kann man die Haltung diese- General-, seine hartnäckige Weigerung, von den Waffen, die ihm seine Collegeu gegen die Beleidiger der Armee au die Hand gegeben, Gebrauch zu machen, kaum bezeichnen. Die Beleidigungen selbst waren ihm willkommen, um die Armee, d. h. in diesem Falle stet- die Helden vom Schlage Henrys, du Paths uud BoiSdeffreS, in den Augen eines verblendeten Volke- al- die leidende und verfolgte Dulderin erscheinen zu laffeu. Aber er hütete fich, diese Be­leidiger vor die Gerichte zu ziehen, weil er wußte, daß daun da- Kartenhaus zusammeubrecheu, die armen Dulder fich als Wölfe im Schafspelze entpuppen uud dem Volke die Schuppen von deu Augen fallen würden in der Erkeuutniß, daß es fein Vertrauen, feine Vergötterung an Unwürdige verschwendet habe. DaS Alles liegt dem unbefangenen Zuschauer ebenso klar vor Augen wie der unvermeidliche Conflict zwischen der bürgerlichen und militärischen Gewalt, und man sollte meinen, daß, wie die Dinge nun gediehen find, hier der Hebel zur Lösung des Wirrwarr- und da- Radicalmittel der Heilung angefetzt werden müßten.

Indessen, die dritte Republik hat fich daran gewöhnt, vom Schein und von der Unwahrscheinlichkeit zu leben, fie wird auch heute, wo die republikanische Partei aller Färbungen den Umuhestiftern aller Färbungen unterlegen ist denn eS ist kein Zweifel, daß die gestrige Minderheit der 254'au» allen ernsten Männern der republikanischen Partei von rechts und link- zusammengesetzt war, während die Mehrheit der 286 Alle- umschließt, wa- die Kammer an Umstürzlern auf« weist, Socialisten, Monarchisten, Nationalisten, Antisemtten uud wilde Streber, fie wird auch jetzt noch versuchen, in dem ausgetretenen Geleise mit Halbheiten, Vertuschungen und Redensarten weiter zu wursteln, und wird so den Staat ein Stück weiter hinabgleiten laffeu dem drohenden Abgrunde zu. Wie weit der Weg bis dahin noch ist, wie lange eS dauert, bi- er abstürzt, uud wa- inzwischen au- der Revision und dem einsamen Manne auf der TrufelSiusel werden wird, deffen rächender Arm so gewaltig an den Grundfesten de- modernen Frankreich- rüttelt, da- Alles liegt im Schooße der Götter. Wahr aber und al- Kennzeichnung de- Gesummt- churacterS der französischen Nation zutreffend bleibt auch heute noch, wa- der große Patriot Alexander de Tocqueville vor dreißig Jahren niederschrieb:Diese siebzig Revolutton-jahre

haben unsere freudige Zuverficht, unseren Muth, unser Selbst vertrauen, unseren Gemeinstem, sowie, wenigstens in bet großen Mehrzahl der höheren Klaffm, unsere Leidenschaften ertödtet, mit Ausnahme der gemeinsten und selbstiüchtiqsten: Eitelkeit und Begehrlichkeit." Köln. Ztg.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. October. Da- deutsche Katserpaar ist Nachmittag- lx/t Uhr an Bord derHohenzollern" vor Haifa eingetroffen und um 4 Uhr Nachmittag- gelandet.

Berlin, 26. October. DerReichSanzeiger" schreibt: Anläßlich der Pesterkrankungen in Wien hat fich an« chetnend im Publikum die Befürchtung verbreitet, daß durch ähnliche Verhältniffe auch hier eine Ausbreitung der Krankheit herbeigeführt werden könnte. Zu einer derartigen Beunruhi­gung liegt kein Anlaß vor. Versuche mit Pestbacilleu an lebenden Thieren find fett langer Zeit weder im kaiserlichen Gesundheitsamt noch im königlichen Institute für Insertion-» krankheiten, noch im hygienischen Institute der hiefigeu Uni­versität au-gesührt worden. Solche Versuche stehen auch nicht in Aussicht und find um so weniger uothwendig, al- bie einschlägigen Fragen durch die in Indien augestellteu Untersuchungen hinlänglich geklärt find, und al- die im vorigen Jahre von Reich-Wegen nach Indien zur Erforschung der Pest abgesandte Tachverständigen-Cornmisfion Gelegenheit gehabt hat, verschiedene Studien Über die Pest, besonder- Über die Art der Verbreitung und die zur Bekämpfung der Krankheit geeigneten Maßnahmen zu machen.

Berlin, 26. October. Wie die Abendblätter berichten, wird in maßgebenden politischen Kreisen angenommen, daß der Reichstag am 29. November durch den Kaiser im weißen Saale de- königlichen Schlöffe- eröffnet werden wird. Der Rückkehr de- Kaiser- wird zum 20. November entgegengesehen.

Ueber die Theilnahme des jüngeren Ge. chlechts am politischen Leben schreibt dieKöln. Ztq.": Nicht nur in der Presse, sondern auch aus dem letzten rheinischen Delegirtentage der nationalliberalen Partei ist n it Recht darüber geklagt worden, daß sich unter der jüngere« Generation des national und liberal gesinnten Bürgerihums ein Mangel an politischem Verständniß und Eifer zeigt, der für die Zukunft höchst vechängnißvoll werden kann. Während der Ultramontanismus sich in demWindthorstbund" ein äußerst wirksames Mittel geschaffen hat zur politischen Schulung des jüngeren Geschlechts, und die Socialdemokratie gerade die Mgen Leute für ihre Ziele begeistert und als rührige Agi- tatoren in die Häuser und Versammlungen schickt, glaubt ein großer, ja der größte Theil der jüngeren Elemente tn den gebildeten und besitzenden Klaffen dem politischen Leben gegen­über unter allen Umständen eine vornehme Zurückhaltung beobachten zu müssen. Die Gründe sind nicht nur persön­licher, sondern auch geschichtlicher Art. Solange das liberale Bürgerthum um seine sociale Stellung und um die Anerkennung der Volksrechte gegenüber einer absoluten Regierungsgewalt ringen mußte und solange es unter vieler Verkennung seinem höchsten Ideale, der Einigung des deutschen Vaterlandes, nachjagen und in schweren Kriegszeiten die Probe seiner Treue und Tüchtigkeit bestehen mußte, hat es in allen seinen Gliedern fich wacker geregt und den Fragen der Politik und des Gemeinwohls freudig seine Zeit und Kraft geopfert. Wer aber die große Zeit des letzten Krieges nicht mit glühen- der Seele persönlich durchlebt, vielmehr von Jugend auf in der Lust politischer Freiheit geathmet hat, dem fehlt leicht die lebendige Empfindung für den hohen Werth politischer Er­rungenschaften. Weil man erreicht hat, was die Väter er­sehnten, schwelgt man träge in dem Gefühl des Besitzes und vergißt darüber, daß die Aufgabe, Erstrittenes zu wabren und täglich neu zu erobern, zu den unabweisbaren Pflichten jedes denkenden und pietätvollen Menschen gehört. Die Träger unserer zukünstigen politischen Entwickelung sind natürlich mit vielen rühmlichen Ausnahmen einem kurz­sichtigen Egoismus verfallen, der in feiner täglichen Berufs­arbeit und in feinem behaglichen Lebensgenuß bei Spiel und Sport, bei künstlerischer Unterhaltung und anregender Ge­selligkeit sich durch politische Dinge nicht stören lassen mag. Man spielt höchsten- gelegentlich die traurige Rolle de» kanne­gießernden Philisters. Wenn Industrie, Handel und Gewerbe blühen, warum soll man sich dann in die staubige Arens der politischen Kämpfe hineinbegeben, in der doch kein Geld und kein Vergnügen zu holen ist? Die Weisheit und Tugend dieser jungen Philosophen findet iyre systematische Begründung schließlich in dem ödesten Manchefterchum. Aus thörichter Furcht, eigensinnig, schroff und unduldsam zu erscheinen, opfern diese guten Leute aus lauter Höflichkeit und Liebens­würdigkeit ohne Bedenken ihre politische Ueberzeugung und überliefern sich damit einem characterlosen Jndifferentisrnu- oder einem hoffnungslosen Pessimismus. Die Zahl der nationalltberalen Männer, die dem politischen Leben fern bleiben, weil unter ihren Angestellten, Kunden und Arbeitern sich auch ultramontane und socialdemokratische Wähler be­finden, ist nicht gering. Sie mögen nicht Farbe bekenne, denn die Leute, mit denen sie zu thun haben, find ja mle, alle ehrenwerthl Die Wahrung der politischen Jntereffen bleibt somit den Professoren und Berufspolitikern, den Juristen, Theologen und Philologen zum größten Theile überlassen. Die Männer des practischen Lebens schelten dann wohl übet die luftigen politischen Theoretiker, geben fich aber zumeist mit dem bloßen Gange zur Wahlurne zufrieden, falls fir nicht ganz wegbleiben. Bleiben die jüngeren Kräfte aber der politischen Arbeit fern oder verleugnen sie gar ihre politische« Anschauungen und Grundsätze, so geht der Zusammenhang der höheren mit den unteren Volksschichten allmählich ganj verloren, der Ultramontanismus wird immer kecker, die social- demokratische Propaganda immer wirksamer. E» sind bitte« Wahrheiten, die hier ausgesprochen sind, aber fie find aut dem Herzen vieler nationalgesinnter und erprobter Partei- genossen geredet, und es ist unmännlich und unnütz, sich Übet