Ausgabe 
28.9.1898 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

London, 26. September. Wie ein hiesiges Blatt meldet, erklärte ein bekannter Diplomat, daß in dem englisch- deutschen vertrage beide Mächte über da« Vorkaufs­recht für ihre portugiesischen Besitzungen Übereingekommeu find. Der Vertrag bestatte die Jutereffen-Sphäre beider Bertragsmächte in diesen Colonien.

London, 26. September.Daily Mail" meldet au« Peking, daß Rußland allein für die jetzigen Unruhen der- antwortlich zu machen sei. Rußland habe immer die Kaiserin- Mutter zum Staatsstreich aufgesordert.

Petersburg, 26. September. Der Zar beglückwünschte die Kaiserin-Mutter von China telegraphisch zur Uebernahme der Regentschaft. Ueber Einzelheiten des Regiwe- wechselS wird au« Peking berichtet, daß derselbe hauptsächlich infolge der Drohung der mongolischen Bannerherreu erfolgt sei. Diese drohten nämlich, ihre Stellen utederzulegen, fall« da« Bündoiß mit Japan zu Staude kommen sollte.

von der Palastum'wälzung in Peking be­fürchtet man in diplomatischen Kreisen eine ernste Krtfi« im äußersten Osten in Folge der Nebenbuhlerschaft zwischen England und Rußland. Eine englische Quelle in Shanghai berichtet über eine Unterredung mit dem flüchtigen Reform­rathgeber de« Kaisers, Kang Ya-Wei, der fich au Bord eine« englischen Schiffe« gerettet hat. Er sagte, er habe Peking am Dienstag verlassen auf Grund einer geheimen Botschast des Kaisers, de.r ihn vor der ihm drohenden Gesahr warnte und ihm empfahl, den Beistand Jener zu erlangen, welche die Wohlfahrt China« iutereffirt. Die jüngsten Ereigniffe schreibt Kang dem Vorgehen der Mandschu Partei zu, au deren Spitze die Kaiserm-Wittwe, der Bceköaig Yung.tu und alle hochgestellten Mandschubeamteu stehen. Die Partei der Kaiserin stehe im Einvechäudniß mit den Ruffen, die fich gegen Förderung der russischen Jntereffeu verpflichteten, die Mandschu Herrschaft in China aufrecht zu erhaltru. Der Einfluß L.-Hung TschangS trete jetzt gegenüber demjenigen Yung-tus zurück und werde wahrscheinlich abuehmeu. Kang dringt auf britische Einmischung, um den Kaiser wieder auf den Thron zu setzen. Die Gesundheit des Kaiser« sei vor­züglich/ derselbe sei sür den Fortschritt eingenommen, doch überzeugt, daß e« unmöglich sei, den Widerstand ohne Eng­lands Beistand zu unterdrücken. Wenn die Opfer des Staatsstreiches nicht geschützt würden, werde er in Zukunft für jeden Eingeborenen unmöglich sein, die englischen Jäter- effen zu unterstützen. Au« diesen Darlegungen ergibt fich deutlich, daß Kang Ya-Wet tu englischen Diensten gestanden haben muß, deren Jntereffeu da« Mäntelchen der Reform- bestrebongeu umgehäugt ward. Eine Meldung auS Peking besagt, etwa« abweichend von jener Darstellung, Tschang- Viu-Huan, der Nebenbuhler Li Hung-TschaugS in Kanton, sei verhastet worden unter der Anschuldigung, Kang-Uu-Wet beherbergt zu haben, und werde aller seiner Aemter entsetzt werden. Hierdurch wachse die Macht Li-Hnng-TschaugS. Die Beamten begrüßten die Rückkehr der Kaiserin-Mutter zur Herrschaft, da« Volk dagegen sei gleichgiltig gegen dieselbe.

Konstantinopel, 26. September. Wie verlautet, willigte der Sultan nunmehr in die Abberufung der türkischen Truppen von Kreta. Die Einschiffung derselben soll Mitte October erfolgen.

Cocates rind ^provinzielle».

Gießen, 27. September 1898.

Zwei erlauchte verwandte nufere« Großherzoglichen und de» russischen Kaiserhäuser werden in aller Kürze sür längere Zeit hier ihren Wohnsitz nehmen: Erb graf Alexander und Graf Victor von Erbach-Schön- berg, ersterer, nm Universität-Vorlesungen zu hören, letzterer, um fich unter Leitung von Herrn Dr. Roese für die Reife­prüfung des Gymuafium« vorzubereitrn. Bekanntlich ist die durchlauchtigste Frau Mutter der beiden Grafen, geb. Priu- zesfin von Battenberg, al« Tochter de« Prinzen Alexander von Heffen, eine leibliche Coufine de« hochsrligeu Großherzog« Ludwig IV., sowie de« verstorbenen Kaiser« Alexander III. von Rußland.

* Höhere« Schulamt. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 21. Sep­tember den LehramtSaffeffor Philipp Bitsch zu Alzey zum Lehrer au der Realschule nud dem Progymnafium daselbst zu rruenneu.

* * Au» dem Zustizdieust. Durch Entschließung Groß- herzoglichen Ministeriums der Justiz wurden dir Gerichts- affefforen Otto v. Pstster in Darmstadt und Dr. Ludwig Heß daselbst mit Wahrnehmung derDievstverrlchtungen eine« Amtsrichters bet den Amtsgerichten Darmstadt II, bezw. Darmstadt I beauftragt.

Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Am 16. Sep- tember wurde dem GerichtSaffeflor Friedrich Lu gisch au« Darmstadt die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft am Land­gericht der Provinz Oberheffen rrtheilt.

* * Zum Srotzh. Xurniuspecto, an Stelle de« verstorbenen Herrn Marx wurde HerrReallehrrr E. Schmuck tu Bingen (früher in Gießen) ernannt.

Da« städtische Freibad an der Lahn ist sür diese Saison geschlossen. Im Monat Mat wurde deS Hoch- waffer« wegen in demselben nur vereinzelt gebadet. Da« Bad zählte an Badegästen im Juni 3949, im Juli 5486, im August 7338 und im September 4008. Die stärkste TageSsrrqurnz hatte der 17. August, au welchem Tage daS Waffer 20, die Last 26 Grad R. hatte, eS badeten an diesem Tage 1600 Personen. Während de« Sommer« hatte der Bademeister Weidmann 46 Schülern Schwimmunterricht ertheilt.

Der Fall wegen Mord vor den Seschworeueu gegen die Wittwe Sänger ist um deßwillru ausgefallen, weil deren vertheidiger, Rechtsanwalt Men de Iso hu, die geistige Zu- rechnungSsShigkett der Angeschuldigten bezwetselt und dieser- halb deren Beobachtung bei Gericht beantragt hat. Da« Landgericht hat dem Anträge stattgegrbeu und wird die

Sänger, welche vor etwa vier Jahren wegen KindeSmord schon einmal abgeurthetlt wurde, wahrscheinlich der psychiatri­schen Klinik überwiesen werden.

Radsport. Franz verhetzen fiegte am Sonntag in Zürich gegen italienische und Schweizer Concurrenteu im Haaptfahren mit großer Urberlegenheit. Derosst startete am Sonntag in Lüneburg, ebenso Boggio, wahrend Opel und Duill im Tandemfahren in Mainz gegen die Gebrüder Albert fich al« Erste behaupteten. Im Amateur-Hauptfahreu wurde Opel gegen Paul Albert Zweiter. Gestern (Montag) betheiligte fich verhetzen am Rennen in Mainz, um oou dort fich nach Prag zu begeben, wo am Mittwoch Radwettfahrten stattfi^den. Sicber aber wird verhetzen sowohl wie Opel am Sonntag auf unserer Bahn fahren.

» GerstenanSfiellnng. Für Mälzer, Brauer und Land- wirthe wird e« von großem Jutereffe sein, zu erfahren, daß gelegentlich der NachmittagSfitzung de« Club« für Laudwirthe zu Frankfurt a. M. im RestaurantTaunus", große Bockeuheimerstraße, eine Ausstellung von einigen 20 au«- gewählten Proben verschiedener Gerfieusorten stattfiadrt. Sämmtliche Gerstensortrn find von hesfischen Landwirtheu gezogen und stellen Muster einer größeren Menge verkauss- bereiter Maare vor. ES ist Jedem gestattet, die Ausstellung von vormittags 9 Uhr ab zu besuchen.

s. Hessische Pfarreien. SS besteht der Plan, eine Beschreibung der hessischen Pfarreien in einem Buche zu veröffentlichen. Der WohlfahrtS-Aurschuß der hesfischen Pfarrverein« wendet fich darum an die hesfischen Geistlichen und ersucht sie, Beschreibungen ihrer Pfarreien zu liefern. Der Preis de« Buches soll höchsten« 7 8 Mk. betragen, wird aber bei allgemeiner Betheiligung mäßiger werden.

** Im Juni 1899 wird in Frankfurt a. M. eine große Ausstellung brr deutschen LandwirthschaftSgesellschast statt- finden, auf welcher sür da« Vogelsberger Rind etwa 61 Plätze Vorbehalten find. Die Ausstellung muß im Kreis Gießen durch den Zuchtverein Gießen erfolgen. Anmeldungen find bi« 16. Octoder d«. IS an den Dtrrctor diese» Zucht- Vereins oder an den Präsidenten des landwirthschafllichen Verein« der Provinz Oberheffen zu richten. ES ist zu hoffen, daß die Züchter und Besitzer schöner Thtrre der Vogelsberger Raffe fich die günstige Gelegenheit, in dem nahen Frankfurt Preise und Anerkennung zu holen, nicht entgehen laffen. ES werden von einer Commisfion die schönsten Exemplare der angemeldeten Thiere auSgewShlt und zufamwengestellt. Die Mitglieder de« Zuchtvereins genießen den Bortheil, in den Sammlungen der Vereine und zugleich als LiuzelauSsteller concucrireu zu können. Dabei sei noch eine Bemerkung gemacht. ES ist mehrfach nach der VerbaudSauSstellung für Vogelsberger Vieh zu Gießen im Juli d«. Jahre« Unzufrieden­heit über den Ausfall der Prämitrung geäußert und.bemerkt worden, die kleinen Besitzer könnten mit den Zuchtoiehhöfen, die alle großen Preise erhielten, nicht concurrtren. ES ist richtig, daß z. B. dem Zuchlviehhof Bingmühle (E. Zimmer) im Ganzen zehn Preise zuerkannt wurden. Davon find ihm aber nur zwei ausbezahlt worden, während die übrigen acht im Gesammtbetrag von 545 M^ dem Comitü zur ander- weiten Verfügung bei der Prämitrung verblieben find, weil nach der Prämi'rungSordnung nicht mehr als zwei Preise all einen Aussteller gezahlt werden durften. Andrerseits darf man nicht übersehen, daß viele kleinere Laudwirthe mit Preisen von bis zu 120,150 und 260 Mk. bedacht wurden. Em Mittel, fich günstigere AuSfichten bet PreiSvertheiluugen zu sichern, ist der Anschluß an den BezirkSzuchtvereiu bezw. locale Zucht­vereine. Dadurch hat z. B. Großeu-Ltudeu schöne Erfolge erzielt. In Verbindung damit steht die Ankörnng sür daS Herdbuch. Laudwirthe, die den Bortheil der Reiuzuchr er­kennen und den Btehzuchrvereineu und der Herdbucheinrichtung beitreten, werden den Nutzen bald erfahren, der ihnen in der Berbefferung der Zucht und in der Thetluahme an der vom Staat dafür bewilligten Mitteln erwächst. ES wird z. B. beabsichtigt, Thierschauen ganz kleiner Bezirke von einem oder wenigen Gemeinden zu veranstalten und dabei Prämitrungen vorzunehmen, die gewiß nicht verfehlen werden, das Jutereffe an der Reiuzucht de« Vogelsberger Vieh« neu zu beleben.

x Bon der Rabenau, 25. September. In Climbach fand heute die Einweihung de« neuen Schulhauses statt. Bon Großh. Kret« Schulcommisfiou waren erschienen Herr Provinzialdirector v. Bechtold und Herr KreiSschul- iuspector Dr. Luciu«, al« Vertreter der Baubehörde die Herrn KreiSbauinspector Stahl und Kretsstraßenmeister Förster. Gesang der Schulkinder und eine durch Herrn Lehrer Räder gehaltene längere Ansprache über die Wichtig­keit de« SchulhauseS und der Schularbeit dienten al« Ab­schied von dem alten, äußerst engen Schulstübchen. Unter Borantritt der Kret«. und Gemeindebehörden geleitete Glocken- geläute die Anwesenden an da« Prächtige neue Schulgebäude. Hier hielt Herr Psarrer Weber die Weiherede, betonend: Schularbeit ist MtssionSarbett!" Nach Danke-worten des ersten Vertreter« der Baubehörde und Ueberreichung de« SchlüffelS von Seiten de« Vorsitzenden Großh. Krei,-Schul- commisfion hielt Herr Bürgermeister Stein eine Ansprache und öffnete das mue Hau«, worauf durch eine Rede de« technischen Mitglied« Großh. Kreis Schulcornm'.sfion und ein Hoch unter mehrstimmigem Gesang der Nationalhymne in dem geräumigen neuen Schulsaal die würdige Feier ihren Abschluß fand. von den acht Orten der Rabenau haben seit der neuesten Schulgesetzgebung bereü« sechs Neubauten für Schulzwecke errichtet- in den beiden noch rückständigen sollen solche im nächsten Jahre entstehen und zwar in Lon- darf ein neue« Schulhan« mit zwei Schulsälen nebst zwei Lehrerwohnungen und in Allert«hausen ein neuer Schulsaal. In Keffelbach wird mit October d. I. da« vor mehreren Jahren durch Neubau ersetzte alte Schulzimmer wieder tu Gebrauch genommen, weil die Bildung einer zweiten Schul- klaffe fich als nothwendig erwiesen hat.

n. Leidhecken, 25. September. Die von der Firma G. A. Jauch tu Leipzig hierher gelieferten neuen Kirchen­

glocken wurden heute eingeweiht. Ihr Geläute ist sehr schön, weich bei aller Tonfülle. Die große 381 Kilogramm schwere Glocke ist auf da« tiefe A, die kleine 187 Kilogramm schwere aus da« kleine Cis gestimmt.

? Groß-Felda, 26. Sepiember. Dem hiesigen Gall- Wirth F. wurde am Sam«tag von Leuten gesagt, daß fich auf der Straße nach feinem außerhalb de« Orte« gelegtetn Felsenkeller reichlich Cigarren verstreut befänden, die alttr- ding« durch die Straßenuäffe unbrauchbar geworden. E n sofortiger Besuch des Felscnkellers ergab, daß in demselben ein Einbruch stattgefunden. DaS Thllrschloß war gewalt­sam geöffnet, mehrere Cigarrenkistchen fehlten und e n Faß Bier war angesteckt und daran« getrunken word-n. Der Krahnen befand fich noch im Faß. Der verdacht fiel sosort auf zwei Buben der zur Zeit fich hier aufhaltenden Krfiel- und Schienfl cker« Lenz. Diese Jungen im Alter von 12 bezw. 10 Jahre waren so voll bezecht nach Hause gekommen, daß ihre Eltern, die als ehrliche Leute bezeichnet werden, darüber erstaunten. Die Buben gaben auf Befragen an, fich den Dusel bet der Dreschmaschine, bei der fie geholfen, ge­holt zu haben. Dem von dem Einbruch benachrichtigten Gendarmen Dörr au« Ruppertenrod gelang es, die jugend­lichen Diebe zu überführen und zum Geständviß zu bringen. Sie wurden von demselben verhaftet und in da« Gefängntß nach Ulrichstein gebracht.

§ Ruppertenrod, 26. September. Wie äußerst rentabel die Gemeinde-Obstbaumzucht ist, zeigt wieder einmal klar der Erlös, welcher hier aus Gemeindeobst erzielt wurde. Letzterer beziffert fich auf eine Summe von 200 Mk. Diese Summe muß um deßwillen als hoch bezeichnet werden, weil die Hauptanpflanzungen noch sehr jung find. Bor zwei Jahren wurde dieselbe Summe erzielt. Die Obstbäume rentiren somtt schon gleich einem Kapital von ca. 3000 Mk., wenn der JahreS- erlöS mit 100 Mk. beziffert wird. Auch an den früheren Staatsstraßen wurden au« den jungen Pflanzungen namhafte Beträge für Obst erzielt. In neuester Zeit scheint man auch auf dem Lande den hohen Werth deS ObstcS mehr zu schätz.u wie ehedem. Da« zeigen die Beträge, die man dafür a-s- gibt. DaS sollte nun aber auch Veranlassung sein, die Obst- baumzncht in den eigenen Gärten rationell zu betreiben.

Bad Ranheim, 22. September, vom 16. bi« 22. Sep­tember find angekommen 269 Badegäste, verabfolgt wurden 5191 bezahlte Bäder und 290 Freibäder. Die Zahl der vom 1. April bis 22. September angekommenen Bade­gäste beträgt 19,270, der verabfolgten Bäder: 239,616 be­zahlte Bäder und 11,625 Freibäder. Auf Anregung des Herrn BadecommiffärS, Obersten v. Hofmann, wird die Stadt Bad Nauheim an d:r Villa Kracht, in welcher Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich int Lause dieses Sommers sechs Wochen wohnte, eine Gedenktafel anbringen laffen.

Aus Oberheffen, 24. Sepiember. Auf der am 1. Oktober zu eröffnenden Bahnstrecke Bad SalzschlirfSchlitz wird an Stelle eine« schon veröffentlichten Fahrplan« ein neuer Fahrplan zur Anwendung kommen. Danach find sieben Züge täglich in jeder Richtung vorgesehen, davon je drei versuchs­weise, d. h. dieselben werden bei ungenügender Benutzung wieder aufgehoben werden.

Darmstadt, 26. September. Am SamStag war auf dem kleinen Exerzierplatz reges Leben, MufikcorpS spielten ab­wechselnd und der große Platz war ungewöhnlich dicht mit Soldaten und auch Civilisten, die fich die Abspeisung der Großh. Hrff. Regimenter Nr. 116, 117, 118, 168 und deS Hess. Pionier Bataillon- Nr. 11 anfthen wollten, bevölkert. Die Maffenspeisung anS der westlich vom Exrrzierhans stehen­den Feldküche, wo große Reffei dampften und eine aus Fleisch, Gemüse und Kartoffeln zusammengesetzte sehr schmack­hafte Suppe lieferten, ging in befriedigendster Weise vor fich - die Offiziere speisten im genannten Lxerzierhau«. Nach 4 Uhr wurden die Truppen mit Extrazügen in ihre Garnisonen zurückbefördert.

Mainz, 26. September. Das hiesige Schwur- geeicht verurtheilte heute den 27jährigen Postgehülfen Heinrich Hummel von hier, zuletzt auf dem Postamt in Wöll­stein beschäftigt, wegen Unterschlagung zu 2 Jahren und 3 Monate Zuchthaus. Hummel hat 8 Werthbriefe und 10 Postanweisungen im Gesammtbetrag von Mk. 10,900 unterschlagen. Der Defraudant war nach dem Elsaß ent­flohen, wurde aber alsbald in Mühlhausen verhaftet. Bi« auf Mk. 450 fand man noch die ganze unterschlagene Summe in seinem Besitz. Auf dem Bahnhof in dem nahen Kastel stürzte verfloffene Nacht eine soeben von Frankfurt ge­kommene Locomotive eine« Schnellzuge« in Folge falscher Weichenstellung in den Unterbau der Centraldrehschetbe. Der Locomotivsührer und der Heizer konnten fich noch durch Ab­springen retten und kamen mit dem Schrecken davon. Da die Locomotive unmittelbar vor der allgemeinen Maschinen­halle zu Fall kam und dieselbe wegen ihrer Schwere nur stückweise aus der Tiefe geschafft werden kann, so ist durch daS Borkowmniß eine große Verkehrsstörung entstanden, indem keine Locomotive weder nach noch ans der Halle kann. Bon einem Lokalboot zwischen hier und Griesheim stürzte fich gestern Abend ein junger Mann nach einem vorher­gegangenen Wortwechsel mit seiner ihn begleitenden Brant in den Rhein und verschwand für immer in den Wellen.

Ar«» öet Kett für die -ett.

Vor 39 Jahren, am 28. September 1859, starb al» Professor in Berlin der berühmte Geograph Karl Ritter, neben Humboldt der Schöpfer der allgemeinen vergleichenden Erdkunde. Von Humboldt angeregt, hat er durch seine Geographie von Asien die Wissenschaft der Erdkunde gänzlich umgestaltet; er war es auch, der die Geschichte des Menschen­geschlechtes aus den natürlichen Bedingungen des Erdenleben« entwickelte. Ritter wurde am 7. August 1779 zu Quedlinburg geboren.