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Gießener Anzeiger
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Grasen und der Gräfin von Brandenburg einen Besuch ab« zustatten. Abend» gegen 11 Uhr reiste fie nach Berlin ab. Prinzeffin Heinrich war kurz vorher nach Ltvadia abgereist. — Wie der ,Xgl. Rdsch.* au» Rominten mitgetheilt wird, soll der Kaiser gelegentlich seine» jetzigen Jagdaufenthalte» daselbst gesichert haben, daß ihm da» etwa fiebeu Kilometer von Rominten entfernt liegende Jagdbude wegen seiner romantischen und idyllischen Lage an den Ufern der Rominte btffer gefalle, al» Theerbude. Au» diesem Grunde beabfichttgr der Kaiser, daselbst, also in der Nähe von Jagdbnbe, für seine Gemahlin und vielleicht auch für die kaiserlichen Prinzen eia Jagdschloß erbauen zu lassen. Die Kaiserin ist von der Romtnter Haide geradezu entzückt und hat geäußert, fie habe fich die Romtnter Gegend halb so herrlich vorgestellt, wie fie tu Wirklichkeit ist, und werde öfter nach Rominten kommen.
— Da» deutsch-engltscheAbkommen wird leider auf deutscher Sette mit der größten Sorgfalt gehet« gehalten- e» heißt, daß Überhaupt nur drei Personen Kenntniß von dem Inhalte hätten. Dagegen find von England schon viele Angaben darüber gemacht worden, und immer kommen noch Einzelheiten dazu. Auö ihnen lafien fich immerhin einige Schlüffe ziehen. Nach Mittheilungen von verschiedenen Seiten handelt da» neue Abkommen an erster Stelle von einer Thetlung der Verwaltung der Provinz Mosambik zwischen Deutschland und England, sodaß der nördliche Thetl bi» zu« Sambefi den Deutschen, der südliche den Engländern über« lafien würde. Die Richtigkeit dieser Angabe läßt fich zwar nicht feststellen, doch sprechen manche Anzeichen für ihre Wahr- sche'nliwkrft.
Ausland.
Wien, 26. September. Die heutige erste Sitzung de» Abgeordnetenhaufe» verlief ruhig. Dieselbe be- schäftigte fich zunächst mit etnrr Trauer-Vetleidtkundgebung anläßlich de» Ableben» der «aisertn Elisabeth und nahm sodann die Präfidenteowahl vor. Dr. v. Fuchs wurde Wiedern« zum Präfidenten gewählt.
Budapest, 26. September. I« Abgeordnetenhanse beantwortete heute Baron Banffy die Interpellation betreff» der von Rußland angeregten Friedens-Lonferenz. Banffy erklärte, die gemeinsamen Regierungen hätten diese bedenrung»- volle Jattiative der rusfischen Regierung mit besonderer Be« friedtgung und wärmster Sywpathie ausgenommen. Sie hätten die rusfische Regierung verständigt, daß Oesterreich- Ungarn bereit sei, an der Looferenz theilznnehmen und 6m rusfischen Vorschlag nach Möglichkeit zu unrerftützen, um dem Zustandekommen der Lonferenz keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen.
Rom, 26. September. Der Zwischenfall mit Eolumbien ist betgelegt. Die Regierung von Eolumbttn hat fich telegraphisch entschuldigt und die ganze Angelegenheit al» rin Mißverständntß bezeichnet.
— In Uebereinsttmmung mit dem bisherigen Au»we tsung»verfahren können die Au»gewiesenen ihr Anfenthalt»land frei wählen. Die Italiener dürften fich vor- nehmlich nach Frankreich und Belgien wenden. Man trug Bedenken, die italienischen Anarchisten an Italien abznschieben, weil zu besürchten stand, daß verschiedene, wenn fie In die Hände der italienischen Behörden geriethen, wegen politischer verbrechen bestraft würden. Ob die Eantone bet der Abschiebung der Italiener an dritte Staaten auf Schwierigkeiten stoßen, wird fich -eigen, von einer Strafverfolgung der Herau-geber und Verbreiter be» „Agitatore" wurde ab- gesehen, weil die betreffenden Handlungen nicht unter Art. 4 und 6 de» eidgenössischen Anarchtsteogesetze» fallen. Germavt und Genoffen kommen also mit der Ausweisung davon.
Paris, 26. September. Sammtliche Minister beschlofien die Einleitung der Revision de» Dreyfu-pro« eesse». Präfident Fan re ist bereit» nach Pari» zurück« gekehrt.
Pari», 26. September, vom Senegal trifft die Meldung von einem großen Erfolge gegen die Truppen de» Sultan» Samory ein. Lieutenant Wölfel errang einen vollständigen Sieg. Samory» Unterfeldherr und mehrere tausend Mann wurden gefangen genommen und große Beute gemacht.
— Döroulöde hatte Sonntag in der DrrhfuSsache eine verfawmlung einbernfen und bei seinen Zuhörern wohl vielen Beifall gefunden, in der großen Bevölkerung aber FiaSco gemacht. Die Bonapartisten, welche das Haupt- contingent der Versammlung stellten,, verhalten fich in ihren BlSttern recht kleinlaut.
21mtlid?€t Th«il.
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur Kenntniß der Jntereffenten gebracht, daß die Königliche Verwaltung der Armee-Conferven« fabrif zu Mainz Angebote in Hülfen flüchten und zwar gelben (krbfeu, weiften Rund und Langbohneu, nnd Mittellinfeu
au» der letzten Ernte bis auf Weitere» entgegennimmt. Etwaige Angebote der Producenten find entweder der Fabrik direct oder an da» dem Verkäufer zunächst gelegene Königliche Proviantamt zu richten, besten Mitwirkung auf Wunsch des Verkäufer» auch bei Abfertigung der Sendungen in Anspruch genommen werden kann. Die Angebote müsten Angaben über die Menge der verkäuflichen Hülsenfrüchte, die Preisforderung frei Fabrik Mainz und die Lieferzeit enthalten, auch von Kochmustern begleitet sein. Behuf» der Preisbemessung wird angeführt, daß die Abrollgebühren vom Bahnhof Mainz bis zur Fabrik 14 Pfennig für 100 Kgr. betragen und daß diese vom Verkäufer zu tragen find. Bei der Einlieferung frei nächstgelegenen Proviantamtes find die entstehenden Abroll« gebühren von diesem zu erfragen. Bei directer Einlieferung an die Fabrik ist die Königliche Verwaltung zur Vermittelung der Spedition in Mainz bereit; Bedingung ist in diesem Falle aber, daß sich der Verkäufer mit Kürzung seines Guthabens um die Fracht« und Rollgelder-Auslage einverstanden erklärt. Magazinsäcke werden dem Verkäufer, wenn verlangt, auf seine Kosten zur Verfügung gestellt.
Die abzugebenoen Mengen müssen bi» spätestens den 81. Decembcr ds. Js. eingeliefert sein, da mit diesem Tage der Ankauf au» erster Hand eingestellt werden muß.
Gießen, den 24. September 1898.
Großherzogltche» KreiSamt Gießen, v. Bechtold.
Die Entscheidung.
DaS Ministerium Brisson hat den Muth gehabt, da» Gesuch um Revision de» Dreyfnß-Procesfe» dem obersten Gerichtshöfe br» Landes zu unterbreiten, obwohl ihm die Milttälpartei mit Auflehnung drohte, obschon Dörouläde und Rochefort fich anschicken, die , Straße* in Bewegung zu setzen, und der JusttzauSschuß ihm ans seine Frage, ob daS Gesuch juristisch begründet sei, die Antwort schuldig blieb. Wenn man fich au« der Vorgeschichte de» DreyfuShandel» erinnert, welch ein erbitterter Kampf länger als ein Jahr um diesen Entschluß getobt hat, wle alle versuche, L-cht in daS Dunkel zu bringen, an dem Bollwerk der ros judicata, hinter dem das Eabinet Möltne mit dem Scheine des Recht» fich verschanzt hatte, abprallten, wie General Billot sechs oder fieben Mal öffentlich versicherte, daß Dreyfu» nach Recht und Gesetz vernnheilt sei, wie in den Proceffen Esterhazy und Zola eben diese» Recht und diese» Gesetz geknebelt und einer Partei zum Zweck gelegt wurden, wie zwei weitere Krieg»mtnister die Flinte in» Korn warfen, wie der Chef de» Großen Generalstabe» sein Amt niederlegen mußte, weil unter seine« Commando der eine al» Verbrecher entlarvt und andern die MaSkr gelüstet wurde, wenn man daran denkt, welch schmählichen Handel die Militärpartei mit Pie- quart zu treiben wagte, und daß der Präfident der Republik selbst gegen sein Ministerium Stellung nahm, so wird man diese« Muthe seine Anerkennung nicht versagen können. Der Beschluß de» Mtnisterrath» geht zwar nur dahin, dem SaffationShof da» Gesuch um Wiederaufnahme des Verfahren» vorzulegen, in Wirklichkeit aber bedeutet er die Reoifion selbst und den versuch, die Dreyfu».Angelegenheit endlich dem (Betriebe der Parteien zu entlüden und auf da» Gebiet der richterlichen Beurteilung znrückzusühren, von de« sie fich wohl in keinem andern Cnltursiaate jemals entfernt haben würde. Da» Gesuch bedeutet nämlich insofern wenigstens den Anfang der Revision selbst, als der CaffationShof, um zu ermitteln, ob die in dem Gesuch angeführten Thalsachen nach Absatz 5 deS Artikels 443 — denn eS ist anzunehmen, daß er fich auf diesen Paragraphen stützen wird — solche find, die die Reviflon begründen, Einsicht in sämmtliche Acten nehmen und so die Sache von Grun^ auf klaren muß. Zu diesen Acten gehören aber nicht nur die deS ersten ProceffeS DreyfuS, sondern auch die der Proceffe Esterhazy und Zola und nicht zuletzt die Grundlagen der verschiedenen Klagen gegen Picquart, die deS Civilgericht» wegen des angeblichen Verstoßes gegen da» Spiouagegefetz sowohl wie die des Militärgericht» wegen Fälschung de» petit bleu. Bei dieser
Untersuchung de» Caffatton»hofe» wird fich daher vermuthlich bald ausweisen, tote weit die Militärpartei ihren Widerstand gegen die bürgerliche Gewalt zu treiben wagt, ob fie auch fernerhin mit den Dunkelmännern der Gaffe gemeinsame Sache machen und in offenkundiger Mißachtung de» obersten Gerichtshöfe» de» Lande» den Proceß gegen Picquart auf eigene Faust weiterführen wird, statt achtungsvoll dessen Spruch abzuwarten. Die Befugniffe de» Caffationshofe» aber find, bi» auf die UrtheilSfällung, geradezu unbeschränkt, fall» er da» Revision»- geluch al» begründet anerkennt und die Angelegenheit, tote im Falle Dreyfu», nicht spruchreif ist. Dann hat er nämlich laut Artikel 445 „direct oder mittel» einer Commisfion alle Untersuchungen von Grund au», die Gegenüberstellung, da» verhör und alle Mittel, die geeignet find, die Wahrheit darzuthun, selbst vorzunehmen." ES ist daher eine schwierige Aufgabe, die den Richtern de» Caffationshofe» obliegt. Um- stürmt und nmbrandet von politischen Leidenschaften, die keine Schranke kennen, sollen fie nach dem Gesetz und ihrem Ge- toiffen allein den Weg suchen, der zu dem so lange verschleierten Bilde der Wahrhett führt- ja noch mehr, fie sollen diese» Bild enthüllen, ohne zu zucken und zu zaudern, selbst wenn ihnen darin da» verbrechen in noch ungeahnt schreckhaften Zügen entgegengrinsen sollte. Werden fie diese Probe bestehen? Und wenn fie ihr nicht erliegen, wird da» Volk ihnen glauben, daß fie fie bestanden haben? So wird zugleich der Spruch be» CaffationShof» zu einem Prüfstein bafür werben, ob Frankreich ba» durch die Vorgänge der letzten Jahre von Grund au» erschütterte vertrauen zu seinen Richtern wiederfindet ober ob bie Leidenschaften ber Politik auch vor ber höchsten richterlichen Stelle be» Laube» nicht Hakt machen, foabern über fie Hinwegschreiten werden zu neuen Kämpfen, vielleicht zum Bürgerkrieg und zur Selbst- Vernichtung.____________________________________(Kö'n. Ztg.)
Deutsche» Reich.
Berlin, 26. September. We»halb Reichskanzler Fürst Hohenlohe im Amt bleibt. Der „Münchener Allgem. Ztg." wird anscheinend officiö» ans Berlin geschrieben: „Erst die Zukunft wird vielleicht zeigen, welche großen Verdienste fich Fürst Hohenlohe in unserer Zeit der latenten Gegensätze erwirbt. Wer fich noch ein gerechte» .Unheil bewahrt hat, muß e» al» einen Act be» höchsten Patriotirmu» betrachten, baß ber Fürst Reichskanzler, welcher alle Süßeren Ehren errungen, die im deutschen Vaterlande ein Unterthan erringen kann, in seinem hohen Alter noch mit so seltener Pflichttreue dem Dienst be» Reiche» und Staate» seine Kräfte wibmet. Nur wahrhafter Patriotismus unb ein abgeklärte» Unheil über Menschen unb Verhältnisse können einen Mann in bieser äußeren Lage unb in solch hohem Alter zu einer derartigen persönlichen Opferfreudigkeit befähigen.
Berlin, 26. September. Der Ernteertrag an Winterroggen im Deutschen Reiche ist nun vom Statistischen Amt auf Grund vorläufiger Schätzung berechnet worden. DaS Ergebniß ist 15,3 Doppelcentoer auf den Hectar, im verfloffenen Jahre waren e» nur 13,8 Doppelcentner. So hoch wie in diesem Jahre ist der Ertrag an Winterroggen, soweit nn» die Zahlen vorliegen, seit 20 Jahren nicht gewesen.
— Palästinareise des Kaiser». Der „Aegypt. Ruder* schreibt: Zn Ehren de» Kaiser» werden bekanntlich auch zwei Galavorstellungen in der viceköuiglichen Oper zu Kairo gegeben werden. Zn diesem Zwecke werden bedeutende AuSbefferung»arbeiten innerhalb de» Theater- gebaude» in Angriff genommen. Die Feftvorstellungen sollen am 20. und 21. November statlfinden- gespielt wird „Othello* von Verdi und „La Bohöme* von Puccini. Außer zwei Festmahlen soll, wie verlautet, auch der alljährlich stattfindende Hofball diesmal während der Anwesenheit deS Kaiserpaares gegeben werden. Zn Ehren des Kaisers werden die diesjährigen Rennen des Alexandria Sporttng Club entsprechend verlegt werden, um dem hohen Besuch die Theinahme zu ermöglichen. ES ist der Vorschlag gemacht worden, bei der Gelegenheit auch durch tüchtige beduinische Reiter ein Kameel- rennen verbunden mit arabischer Phauiafia u. s. w. zu veranstalten.
— Die Kaiserin Friedrich fuhr Sonntag Mittag in BreSlau bei dem Fürstbischof Cardinal Sopp vor, besuchte darauf in deffen Begleitung den Dom und nahm um 1 Uhr bei dem Cardinal da» Frühstück ein, an welchem auch der König von Sachsen, der Erbprinz und die Erbpriuzeffin und Prinz Emst von Sachsen-Meiningen, sswie der OberprSsident Fürst Hatzfeld und daS Domcapitel theilnahmen. Die Kaiserin Frieddch begab sich um 31/, Uhr nach Domauze, um de«


