Nr. ISS Erstes Blatt. Samstag den 28, Mai
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Meßmer Anzeiger
Heneral-Anzeiger
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2lmtlid>cr Tyril.
Gießen, den 27. Mai 1898.
Betr.. Die ReichStagSwahlen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
au die Gr. Bürgermeistereien des Kreises.
Nachdem die Offenlegung der Wählerlisten mit dem gestrigen Tage ihr Ende erreicht hat, erinnern wir Sic noch- mal» an die durch unser Ausschretben vom 16. d. MtS. — Gießener Anzeiger Nr. 114. erste« Blatt — Ihnen auf« gegebene Berichterstattung. Bürgermeistereien, deren Berichte nicht am 31. d. Mts. in unseren Händen find, haben die Zusendung eine« Wartboten zu gewärtigen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
betreffend die Reichstagswahlen.
Nachdem der Unterzeichnete für die bevorstehenden Reichs« tagSwahlen zum Wahlcommiffär de« ersten Wahlkreise« de« Grohherzogthum«, bestehend au«:
1. Kreis Gießen;
2. Au« dem Kreise AlSfeld die Gemarkungen: 1. Atzen« bain, 2. BeruSfeld, 3. Ermenrod, 4. Flensungen, 5. Ilsdorf, 6. Ktrfchgarteo, 7. Lehnheim und Merlau, 8. Nteder-Ohmen, 9. Ober-Ohmen, 10. Ruppertenrod, 11. Wettfaafen, 12. Zrtlbach-
3. Au« dem Kreife Schotten die Gemarkungen: 1. Eichel«, dorf, 2. Gedern, 3. Glashütten, 4. Groß.Eichen, 5. Klein« Eichen, 6. Mittel-Seemen, 7. Nieder-Seemen, 8. Ober-Lai«, 9. Ober-Seemen, 10. Oder-Schwitten, 11. Steinbe.g, 12, Unter«Seibertenrod, 13. Bolkartshain-
4. Au« dem Kreise Büdingen die Gemarkungen: 1. Bellmuth, 2. Bergheim, 3. Berstadt, 4. Bingenheim, 5. Bisse«, 6. Berstädter»Maikwald, 7. Bletchenbach, 8. Blo. selb, 9. Reichelsheimer Antheil an Btngenheimer Mark, 10. Bobenhausen I., 11. Borsdorf, 12. Dauernhetw, 13. Dauern« Heimer Hof, 14. Schleifeld, 15. Echzell, 16. Echzeller Mark« wald, 17. Eckardsdoru, 18. Effolderbach, 19. Fauerbach, 20. GeiS-Nidda, 21/22. Gelnhaar (Jsenb. und Doman.), 23. Gettenau, 24. Heuchelheim, 25. Hirzenhain, 26. Kohden, 27. Harbwald, 28. Letdhecken, 29. L'hberg, 30. Michelnau, 31. Nidda, 32. Ober WtdderShetm, 33. Oltenberg, 34 Ran« ftadt, 35. Schwickartshausen, 36. Selter«, 37. Conradsdorf, 38. Uater-Schmitten, 39. Uater-WidberSheim, 40. Grund Schwalheim, 41. Usenborn, 42. Wallernhauseu, 43. Wippenbach ernannt worden ist, bringt derselbe hiermit zur öffeur« ltchen Kevntoiß. daß
Montag den 20. Juni 1898, Bormittags 11 Uhr in dem SttzungSsaale oeS RrgteruugSgebäude« zu Gießen die Protokolle über die Wahlen in den einzelnen Wahlbezirken durchgefeheu und die Resultate btr Wahlen zusammengestellt werden sollen. Da« Ergrbuiß wird sodann verkündet werden. Der Zutritt zu dem Local steht jedem Wähler frei.
Gießen, den 27. Mat 1898.
Der Wahlcommiffär: v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend die Erweiterung de« Bahnhof« Gießen.
Wir beraumen Verhandlungstermin auf Großh. Bürger« meisteret dahier zur Entgegennahme etwaiger Einwendungen gegen den vom 23. Mat bi« 4. Juni d«. I«. daselbst offen liegenden Plan über die Erweiterung de« Bahnhof« Gießen auf
Donnerstag, den 9. Juni ds. Js. BormittagS 10 Uhr au.
Gießen, den 27. Mat 1898.
Großherzogliche« Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Deutscher Reiche
Darmstadt, 27. Mai. Se. Köaigl. Hoheit der Groß« Herzog wohnten auch gestern vormittag der Befichtiguog de« Leibgarde-Regiment« durch den commandtreuden General v. Wittich auf dem Uebungöplatze bet. Ihre KSntgl. Hoheiten der Großherzog, die Großherzogin nebst der Prtozesfiu Elisabeth werden, laut „N. H- BolkSbl.", nächsten Sam«tag, den 28. d. M-, wieder von Schloß Heiltgenberg nach Darm« stadt tn« Neue Palais überziehen, um dann am 31. d. M.
auf ungefähr eine Woche zur Krooprtozeffin Stephanie von Oesterreich zu Besuch nach Laxenburg bet Wien zu reifen.
Berlin, 26. Mai. Der Kaiser ernannte nach de» ersten Vorbeimarsch bei der heutigen Parade die Kronprinzessin von Griechenland zum Chef de« Cltfabeth« Regiment«.
Berlin,26.Mat. Die diesjährige Frühjahrsparade hat den gewohnten Verlauf genommen. Um 8 Uhr 40 Mtu. traf der Katfer mit dem Kronprinzen von Griechenland in offenem Wagen tu der Kaserne de« 1. Garde-Dragoner« Regimeut« etn. Nach kurzem Aufenthalt ritt der Kaiser, welcher große Generals-Uniform trug, nach dem Tewpelhofer Felde, ihm zur Linken ritt der Kronprinz von Griechenland in der Uniform de« 2. Garde-Regimeut«. Kurz vor 9 Uhr brachte ein sech«fpäuuiger offener Wagen die Kaiserin und die Kronprinzessin von Griechenland auf das Paradefeld. Die ganze Parade befehligte der commaudtreude General de« Garde-Eorp«. Fünf Minuten vor 11 Uhr war die Parade zu Ende und unmittelbar darauf begann der Rückmarsch der Truppen. Die vom Kaiser abgehaltene Kritik hatte um 11 Uhr 25 Mtn. ihr Ende erreicht, worauf der Kaiser fich au die Spitze der Fahaeu-Compagute setzte und dieselbe daun in da« Königliche Schloß zurücksührte.
Berlin, 26. Mat. Da« Kaiserliche Hoflager wird auch während der Sommerzeit im Schlöffe zu Berlin bleiben, da bekanntlich da« Neue Palai« bei Potsdam in diesem Sommer nicht bezogen werden soll. Die Kaiserin selbst gedenkt im nächsten Monat, etwa am 6. oder 16. Juni, nach Wilhelm-Höhe bet Caffel abzuretsen.
Berlin, 26. Mat. Da« Kronprtuzeupaar von Griechenland ist gestern vormittag tn Berlin etngetroffen. Zum Empfange auf dem Bahnhöfe war der Kaiser mit großem mllüärischen Gefolge uebst den Prinzen de« König- ltcheu Hause« erschienen. Eine Ehreucompagute mit Fahnen hatte am Bahnhof Aufstellung genommen. Die Mufik spielte beim Etnlaufeu de- Zuge« die griechische Nationalhymne. Die Ehren'Eompagaie erwte« bei der Begrüßung militärische Ehrenbezeugungen. Hierauf begaben fich die Herrschaften zu Wagen nach dem Königlichen Schlöffe. Im ersten Wagen fuhr der Kaiser mit der Kronprinzessin, im zweiten Wagen der Kronprinz.
BreSlan, 26. Mai. Wie vr. Lambert tu Namur dem „BreSl. Geu.-Anz." mitthetlt, har er tn einer chemischen Substanz ein neue«, sicher wirkende« Heilmittel gegen die Tuberkulose gesunden. Die Substanz wird in reinem Zustande, uud zwar al« Injektion, angewendet. Dr. Lambert hat bei den verschiedensten Arten der Tuberkulose, insbesondere bet Lupu«, Bauchfellentzündung, wie auch bet der eigentltchen Lungenschwindsucht mit seinem neuen Mittel geradezu wunderbare Erfolge erzielt. Er schreibt wörtlich, daß nach seiner Anficht mit diesem Mittel jede Tuberkulose, auch in den schwierigsten Fällen, geheilt werden kann und theilt au»- führltch die KrankhritSgeschtchte eine« 3*/,jährigen Kinde- mit, welches an tuberkulöser Bauchfellentzündung litt und dessen Ableben stündlich erwartet wurde. Schon nach zweitägiger Behandlung, die am 5. Mat begann, schwanden die beunruhigenden Erscheinungen, und heute ist da» Kind saft gesund.
München, 26. Mai. Der „Allgemeinen Zeitung" zufolge erklärte der Krt^g-mintster im Finanzausschuß, die Militär« strafproceßordnuug sei im Bunde-rath gegen die Stimmen Bayern- zur Annahme gelangt. Die Frage de» obersten Milttärgerichtshofe« befinde sich noch im Stadium der Unterhandlungen der beiden Regierungen bezw. de- Kaiser- und de« Prinzregenteu. Er könne constatiren, daß Bayern an der Behauptung seine» Reservatrecht« nach wie vor festhalten werde. Weitere» könne er zur Zeit nicht wittheilen.
ArrsLavd
Budapest, 26. Mai. Der ehemalige Finanzcontroleur Zahary überfiel den Staatssrcretär im Finan-winifterium, Graeutzeustein, in dessen Bureau und mißhandelte ihn. Erst nach längerem Handgemenge wurde der Uebersallene befreit und Zahary in» Gefängniß gebracht.
Wahlbewegring.
* Mainz, 26. Mai. Der von der natioualltberalen Partei aufgestellte Reich-tag-candtdat,Landwtrth Dettweiler von Laubenheim, hat auf eine Anfrage hin nunmehr die be« stimmte Erklärung abgegeben, im Falle seiner Wahl der freisinnigen Bereinigung beitreten zu wollen, woraus der
recht-strhende Flügel der htestgen Deutschfreifinnigen beschloffen hat, für Dettweiler einzutreten. Nach den „Münchener N. Nachr." wird der Bund der Laudwirthe im hiefigen Wahlkreise seine Stimmen auch auf Dettweiler vereinigen. — Wie die Mainzer Nachr." wiffen wollen, soll gestern der engere Ausschuß der Eentrum-partei beschloffen haben, an dem seitherigen Abgeordneten Dr. Schmitt, trotz dessen geringer Neigung, eine Wahl anzunehmen, festzuhalten. Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzuwartrn.
♦ «u» dem Wahlkreise Biogen-Alzey, 26. Mai. Nach verschiedenen Zaschtisten an das „Mainzer Journal" (Organ der Eentrum-partei) ist man in vielen CentrumSkreisen be» diesseitigen Wahlkreises mit dem Beschluß des AuSschuffeS des EentrumS, schon im ersten Wahlgang für den Candidaten der Deutschfreifinnigeo, Dr. Schmidt-Elberfeld, einzutreten, durchaus nicht einverstanden.
Die Verstaatlichung der Reichsbauk.
(Fortsetzung.)
Dieses Princip aber führt die Reichsbauk nicht nur der Landwirthschaft, sondern ebenso auch der Industrie und dem Handel gegenüber mit einer wahrhaft klassischen Unparteilichkeit durch und mit einer Strenge gerade dem Handel gegenüber, die schon häufig Unzufriedenheit erweckt hat. Ein Wechsel mag die Unterschrift von drei allerersten Banken tragen; er wird von der Reichsbank nicht diecontirt, wenn er daraus hindeutet, daß er lediglich zu dem Zwecke der „Geldmacherei" ausgestellt ist. Nichts wäre verkehrter, wenn, fei es der Handel, sei es die Landwirthfchaft der Reichsbank hieraus einen Vorwurf machen wollten. Ebenso wenig wie für die Reichsbauk die Einräumung eines Vlanco Eredit« in Frage kommen kann — hierüber waren sich bei Berathung des Bankgesetzes im Jahre 1875 alle Parteien einig —, ebenso sehr ist eS eine Lebensfrage für die Reichsbank, sich ein völlig liquides Wechselportefeuille zu erhalten. Ihr großes Wechfelportefeuille soll nicht nur häufig ein Theil der Roteudeckung fein, sondern auch eine mit Sicherheit ein« gehende Deckung für die großen Giroguthaben bilben. Wohin die Reichsbauk gelangen würde, wenn sie von diesem Princip bei ihren WechseldiScontirungen abgehen wollte, wird erst recht klar, wenn man sich die Abänderungswünsche der Land« wirthschaft vor Augen führt. Die Vorwürfe von dieser Seite begannen schon vor der ersten Verlängerung des Prwilegium». Schon im Jahre 1883 wurden die Forderungen der Land- wirthschaft in einer Schrift des früheren Regierungsraths und jetzigen Landwirths Herrn Gamp codificirt. Ich muß Herrn Gamp hter wörtlich citiren, weil er unter den Agrariern für eine Autorität gilt. Er tritt zunächst dafür ein, daß dem Grundbesitz gegenüber die Bestimmung aufgehoben wird, wonach die Reichsbank nur Wechsel mit drei oder zwei Unterschriften discontiren darf, und schreibt dann: „Sind die au» dem Wechsel Verpflichteten nicht zweifellos zahlungsfähig, so wird allerdings durch Vermehrung der Zahl derselben die Sicherheit der Rückzahlung erhöht, da nach den Grundsätzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht anzunehmen ist, daß alle Verpflichteten zu gleicher Zeit zahlungsunfähig werden. (Heiterkeit.) Soll also auch tn diesem Fall (d. h. also dem Grundbesitz gegenüber) die Reichsbank genöthigt fein, Wechsel mit nur einer Unterschrift anzunehmen, so muß ihr auf andere Weise für den Verzicht auf die zweite Unterschrift ein Ersatz geschaffen werden, da sonst ihre Verluste eine entsprechende Steigerung erfahren würden. Diesen Ersatz finden wir darin, daß für Wechsel, die nur eine, und zwar nicht absolut sichere Unterschrift tragen, (Heiterkeit) der Zinssatz um so viel erhöht wird, als das gesteigerte Risico der Reichsbank bedingt, daß die Reichsbank also zugleich mit der Gewährung von Darlehen auch die Versicherung derselben gegen Ausfall zu einem dem Risico entsprechenden Prämiensatz übernimmt." (Heiterkeit.) Es folgt sodann noch folgender Satz: „Richt Diejenigen, die sich in einer so günstigen Vermögenslage befinden, daß die von ihnen ausgestellten Wechsel eine unbedingte Sicherheit genießen, sondern Diejenigen, die eine solche Sicherheit nicht zu bieten vermögen, haben in erster Reihe Anspruch auf staatliche Unterstützung bezüglich Befriedigung ihres Ereditbedürfniffes." Und Herr Gamp sagt endlich: „Aber auch gegen die der Reichsbank zu ertheilende Ermächtigung, ausnahmsweise Wechsel mit einjähriger Verfallzeit annehmen zu dürfen, möchten ernstere bankpolitische Bedenken nicht wohl zu erheben sein, (Heiterkeit.) wenn dieselbe auf die eigenen Wechsel des Grundbesitze« beschränkt wird." (Aha!) Arme Reichsbank! Sollte sie wirklich solchen Bankpolitikern ausgeliefert werden?! Eine große


