Ausgabe 
28.4.1898 Zweites Blatt
 
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Freude anfzvckt, wenn die sieghafte Btrcblornftit ihre» Herrn und Sebieter» eine alte, marode Pumphose endlich wieder an de» Manu gebracht hat.

Wie mir da» Toben »ab Vrausey der Straßen gar zu betäubend in die Ohren gellt, flüchte ich au» dem bunten Wirrwarr tu den stillen Frieden eine» orientalischen Hause» in eint» der allrrvornehwften von Dama»ku», wozu mir der deutsche Lonsul die EiotrittSerlaudniß verschaffte. Die Siarichtung diese» Hause» ist so ungefähr ein Modell für alle hiesigen Häufer. . . .

Eia kühler, mit Marmorplatten belegter Hof. Alle» io tiefster Ruhe- nur im blumengeschmückteu Marmorbasfin leise» Gemurmel de» Wasser», und in hohen Wipfeln dunkler Eypreffen sauste» Säuseln . . . Wenige Schritte weiter und ich bin im Allerhetltgsten: im großen, prachtstrotzenden E«pfaag»salou, auf welchen mein muhamedantscher Wirth gauz besonder» stolz ist. Gleich beim Eingang»portal ein Springbrunnen, hoch darüber die dämmerige, von bunten Frustern magisch erhellte Kuppel. Dann zwei Stufen auf- wärt» der eigentliche Salon mit kostbaren Teppichen und seidenen Divan», auf deneu e» sich so herrlich ruhen läßt. Hohe Wände von buntem Marwormosatk und überall schwellende »kiffen, funkelnde Wafferpfeifen, kunstvolle Stickereien, Koran- sprüche, Silberschalen überschwenglichster orientalischer Vajra».

Ja einer Wandnische ist eine arabische Bibliothek unter- gebracht, aber wa» für eine! All die dicken, aufetoauder liegenden Bücher stecken in eleganten rothen Futteralen, und wie «ein liebenswürdiger Wirth eine» uach dem andera öffnet, sehe ich, daß nicht ein einzige» dieser Bücher gedruckt ist, daß vielmehr all die dicken Bände mit der Hand ge­schrieben stad. An großen, meisterhaft verschnörkelten Aafang»-

bachstaben, sauber gezogenen Goldltnien, grellfarbigen Arabe»keu wurde da keine»weg» gespart. Benn der Inhalt dieser Bücher so wunderschön ist wie die prunkvolle Au»stattung ach, bann bedauere ich auf» Innigste, daß meine Kenvtniß de» Arabischen zu gering ist, um fie lesen zu können!

Doch mein Wirth, der brave, genießt nach der Sitte de» Laude» all diese Pracht gauz allein. Die Frauen seine» Harem» betreten oiemal» diese prunkoolleu Räume, und Gesellschastgebeu im europäischen Sinne kennt der Orieutale nicht. Such ich komme mir hier vor wir ein etwa» dreister Eindringling. Saum sind die bläulichen Rauchwölkchen der mir angeborenen gastlichen Cigarette vor den Marworwändeu verduftet, so verdufte ich mich selber.

Jetzt hiuau» au» der Stadt.

Frisch den Pegasu» gezäumt, goldreiu die Leher gestimmt so haben in poetischen Weihestunden Dichter de» J»lam» die Garteupracht von Da«a»ku» besungen. Im Glanz ihrer aufsprüheoden orientalischen Phantasie wurden ein paar Himmel ineinander gerührt, etu halbe» Dutzend Frühlinge darauf- geträuselt, einige Morgenröthen htueivgeguirlt und verschiedene Regenbogen darübergehaucht. Wa» daun herauSkam ja, da» war freilich eine Pracht! . . .

Aber diese gefeierten Gärten bestehen nur au» Uumaffeu dicht zusammengedrängter, überschlanker, grauschaliger Pappeln, weitästiger Apfelbäume, blüthrnschwerer Mandelbäume, die sich fürchterlich geehrt fühlen, wenn sich ihnen hie und da eine dürftige Palme zugesellt ....

In jener dichterischen Verklärung kann nur der Wüsteo- reisende DamaSku» sehen, de« die Stadt mit ihrem Oasen­grün nach wochenlangen Strapazen, nach Durchquerung der gelben Unendlichkeit de» ewigen Sande», nach Schrecken»tagen quälenden Durste» unter glühender Tonne, nach Stunden

furchtbarer Erschöpfung tu Schaueröden, wie ein geliebte» Traumbild erscheint. Einem deutschen Herzen jedoch geht da» Empfiaden für diese poetilch herau»geputzre Damaöka».Herr­lichkeit gar bald flöten. Und wenn ich mir jetzt die trauten Bilder deutscher Saue vergegenwärtige: die rebengeschmückteu Höhen de» Rhein», da» weihevolle Wtpfelsausen de» Schwarz­walde», da» buchengrüne Thüringerland dann fliegt diese orientalische Gartenpracht ganz über den Haufen.

Run fitze ich mitten drin in einem solchen Sanen, wo über dicke, au» Flußschlamm gebildete Mauern große Blüthen- dolden hängen- wo man für die herbetströmenden Säfte Hunderte von rothgestreifren Divan» nebst kleinen, schmutzigen Marmortischchen heranschleppt; wo mehr und mehr Türken daherwatscheln, sich wuchtig auf die Divan» niederlaffen, die Lackschuhe von den Füßen schütteln und bann die Beine hin- aofzirhen auf da» Polster- wo im Schatten der Bäume weiße Ekel grasen und große Dtraßenhunde, die Ohren zer­fetzt von heißen Hundeichlachten, am Zuckerwerk der Ver­käufer herumschnuppern- wo buntgekletdeee Blumenhändler mit ihrer exotischen Waare auf dem »köpf vorüberbalanctren und schöne Bettlerinnen, so schön, al» wären fie eine» wohl­habenden Herrn entsprungen, von einen Tisch zum anderen laufen- wo all die bunten Erscheinungen echt orientalischen Volksleben» fich zu einem üppigschwellenden Strauß ver­einigen und ich mich al» einziger Europäer in «einem dunklen Retfeanzug ausnehmr, wie ein grauer »klex.

Wa» thut»! Ich trinke blurrothe Limonade dazu, ge­kühlt mit Schnee vom Libanon, und laffe eine Wasserpfeife zu «einen Füßen gurgeln ....

Und über Allem leuchtet au» hellste« Himmel die große Sonne de» Orient».

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Gießen, den 25. April 1898. Großh. Amtsgericht.

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