liche Meinung bei Landes in Betreff Aegypten! klären, und binnen Kurzem werde die öffentliche Meinung der Welt darüber einig sein, daß tu Europa und selbst in Frankreich die Ansicht sich stark verkette, die britische Besetzung diene dem allgemeinen Besten. Die Aussicht auf ernste Schwierigkeiten mit Frankreich sei jetzt viel weiter entfernt, all sie seit mehreren Jahren gewesen sei.
Rom, 20. November. Da im natürlichen Verlauf der Dinge tu naher Zeit eine neue Papstwahl zu erwarten steht, so werden zahlreiche Schriften über das Conclave, seine Vorbereitungen und Aussichten auf deu Markt gebracht. Die meisten dieser Veröffentlichungen sind all rein buchhäadlerische Spekulationen keiner Beachtung werth. Aufmerksamkeit verdient jedoch das soeben erschienene Buch „D Papa futuro“, all dessen Verfasser „Un cattolico italiano“ genannt ist. Hinter dieser Bezeichnung, welche in gleichem Maße den tta'ienischen Patriotilmul wie die katholische Rechtgläubtgkeit bei Berfafferl betonen soll, versteckt sich ein grünbltcher Kenner vatikanischer Verhältnisse, bet Schriftsteller Giovanni Berthelet. Aus ben Ergebnissen seines fesselnben Bachei mögen hier die bemerkeuswerthesteu in Kürze wiedergegebev werden. Unter deu Cardtuälev, die ihren Sitz bei der Curie haben und daher für die Vorbereitung einer Papstwahl am meisten in Betracht kommen, find drei getrennte Gruppen wahrzunehmen- die Mehrzahl wünscht, daß der künftige Papst völlig die politische Richtung bei gegenwärtigen detbehalte- eine zweite Partei vertritt die Ansicht, daß der neue Papst sich weniger um die besonderen Jntereffru der Staaten all vielmehr um dal allgemeine religiöse Gefühl zu kümmern habe, und eine dritte endlich möchte durch große Reformen tm Kirchenregiment dal Papstthum von allem Politischen Partei Jnterrffe lollösen und wieder seinen lautern Quellen zuführen. Diese drei Richtungen werden im künftigen Con- clave um die Oberhand kämpfen, und deu Ausschlag dürften dabei die Stimmen der nichtitalienischen Eardtoäle geben. Berthelet hält es für zweifellos, daß tm hl. Collegium Niemand von der Gewohnheit abweichen will, einen Italiener auf den Stuhl Petri zu setzen- die Zahl der all papabili tu Betracht zu ziehenden Cardinale beschränkt sich daher augenblicklich auf 28. Aul der Charakteristik, die Berthelet von idnen entwirft, geht hervor, daß insbesondere vier als papabili tm engern Sinne anzusehen find: der Patriarch von Venedig Giuseppe Sarto, der etner Versöhnung zwischen Vatikan und Italien zuneigt, der Generalvicar del Papstei Luctdo Paroccht, von welchem Berthelet glaubt, daß er nicht der Jnrranfigente sei, all er gewöhnlich verschrieen werde, der gemäßigte und bei den fremden Regierungen gern ge« sehene Serafiao Bannntellt, der el bil jetzt klugerweise verstanden hat, Allel zu vermeiden, was ihn politisch compro- mitttren könnte, und schließlich der General bei Carmeltter- Ordenl Girolamo Maria Gotti, bet gleichfalls sich dtS jetzt keiner für den ttalieuischeu Patriot SmuS verletzenden Kund« gebung schuldig gemacht hat. Bou den vichtitalieuischeu Car- btn&Ien, die ungesähr die Hälfte bei hl. Collegiums anl» machen, erwartet Berthelet bte ausschlaggebende Stellungnahme zu ben unter ben Carbtnälen bet Curie vorhandenen Richtungen- er glaubt aber auch, daß fie Allel aufbieten werden, um die Versöhnung der Curie mit Italien zu verhindern, und daß fie daneben sich bemühen werden, ohne viel Aussicht auf Gelingen allerdings, die Wahl eines Tadinall der Cnrte zu verhüten. Auf Grund langjähriger Beobachtung der vatikanischen Berhältniffe und der Beziehungen zwischen Vatikan und Qairinal kommt Berthelet endlich zu dem Schluß, baß bet künftige Papst, weicher Richtung er auch angehöre, sich vor die Nothwenbigkett gestellt sehen wird, mit der bisherigen Lage der Dinge zu brechen und zwischen zwei entgegengesetzten Wegen zu wählen: entgültige Versöhnung mit dem Königreich Italien oder ausgesprochene offene Feinb- srligkett unter Aufwendung aller verfügbaren KampfeSmittel. Auf beiden Seiten sei man von bet Unerträglichkeit der gegenwärtigen Lage Überzeugt, mit dem Unterschieb jedoch, daß der Vatikan auf die Lösung der Frage besier vorbereitet sei all bte italienische Regierung, und diese Vorbereituna sei wesentlich dal Verdienst der Klugheit nnd Lhalkraft Leos XIII. »Seine Arbeit und sein Beispiel", so schließt bet Verfasser, „werden sich seinem Nachfolger aufzwingen- er wird zwischen einem großen Coofltcr oder einer dem Papstthum zusagenden Versöhnung zu wählen haben." »Köln. Ztg."
Kopenhagen. 24. November. Sämmtliche hiesigen Stu- benten-Veretne beabsichtigen, sich au die deutschen Studenten anläßlich der Ausweisungen in Schleswig zu wendeu, um den deutschen Akademikern eine ausführliche Darstellung bet E> twickluug der nordschleswigschen Frage zu geben und ihre Sympathie für diesen Kampf um die Muttersprache zu erwecken.
Rußland. Wenn alle Deutschenhaffer er so machen wollten, tote der gefürchtete russische Journalist Fürst Meschtscherlki, nämlich das gehaßte Land an berQuelle zu studireu, ber Deutschenhaß würde bald nur noch kulturgeschichtliche Bedeutung Haden. Der Fürst hat sich längere Zeit in Frankreich und Deutschland aufgehalten, Land und Leute genau studirt, und dal Ergebntß seiner Studien tm „Grashdanin" ntedergelegt. Der fürstliche Journalist ist von seinem Haß gegen daS Deutsche völlig adgekowrnen und hat Frankreich gegenüber einen umgekehrten Wandel der Gesinnung durchgemacht. In Frankreich — so führt der zum scharfen Kritiker bet Franzosen geworbene Russe anl — flöfte daS lochte und politische Leden Abscheu und Ekel ein, die Intelligenten seien ohne sittliche Grundsätze, die Heer- führer nur auf ihren Vortheil bedacht, und Überall herrsche Anarchie. In Deutschland seien dagegen Zustände, die Jeder- mann Achtung und Bewunderung einfiößen müßten. Der Unterschied zwischen beiden Ländern sei ihm noch auf dem Heimwege recht klar geworden. Fürst Meschtscherlki schreibt: „Auf dem Heimwege von Parts durchlebt der Ruffe zwei psychische Ml-meute: den einen beim Berlaffen Frankreichs und Bttreten Deutschland!, wo man aus der französischen Sphäre der Anarchie und del BureaukratenthnmS, der wilden
Leidenschaften und der Corruption in eine'Welt der Stille, der Ordnung und ber Achtung vor bem Gesetze, zugleich aber auch bei Triumphe! der freien Arbeit und der Achtung vor jeder fremden Meinung tritt. Den zweiten psychischen Moment erlebt mau beim verlsffeu Deutschland! und Be- treten Raßlandl, wo einem die herrschende Todtevstille und die Armuth in allen ihren Formen schmerzlich in die Seele greift. In Deutschland hat jede kleine Stadt ihre Industrie, welche ihren Stolz und ihren Ruhm bildet. Die vuzähligen blühenden, reinen und wohleiugerichteten Städtchen Deutschland! bilden ein Wahrzeichen für seine Größe und geistige Uedermacht." Wie gesagt, die Wahrheit verdient e! schon, baß alle Deutschenhaffer der Welt el so machen, wie bet Fürst Meschtscherlki, unb sich durch eigene Anschauung von blinden Urtheilen frei machen. „Straßb. Post."
— Der Gouverneur von Kreta. Unter dem Jubel Taufender von Kretern hielt — wie neulich au! Athen gemeldet wurde — der König von Griechenland eine Ansprache, worin er der felsenfesten Ueberzeugung Auldruck verlieh, binnen drei Tagen werde die Ernennung bei Prinzen Georg zum Gouverneur erfolgt sein. Diese Frist von brei hoffnuuglvolleu Tagen ist nun verstrichen, ohne baß die vier Garantiemächte bem Prinzen ba! ErnennungSbecret überreichten. Der zukünftige Prinz-Gouverneur wird sich wohl auch noch ein lange! Weilchen in Gebuld fassen müssen unb bann, wenn er die Insel betreten sollte, erst ein paar Wochen oder Monate al! eine Art Probe-Gouverneur zu fungiren haben. ES sieht augenblicklich gar nicht danach aus, all ob Rußland mit allen Mitteln auf die Pforte einen Druck aul» zuüben gesonnen sei, um ben Prinzen all thatsächen Gouverneur einzusetzrn, unb ohne solchen Druck wirb sich ber Sultan schwerlich aul freien Stücken beeilen, bem Prinzen bte Insel auszuliefern ober iHv bort hochwillkommen zu heißen.
Konstantinopel, 24. November. LI verlautet, bte Botschafter hätten in ihrer letzten Vorstellung beim Sultan hinsichtlich der Zustäube in Makedonien mit internationaler militärischer Besetzung ber Provinz bei wetteren Unruhen gebroht.
CecaUs und provinzielles.
n. Friedberg, 23. November. Line Hanptconfereuz für die Lehrer be! Kreisel Friedberg wurde heute in der Turnhalle bei Seminar! hier abgehalten. Von Seiten ber Krrüschulcommilfiov nahmen an derselben die Herren Geh. Regierunglrath Dr. Braden, Kreilschulinspecior Süß, Seminardirector Dr. Quendel und Decan Kalbhenn Theil. Ferner wohnten Herr Decan Meier und Herr Kreilamtmavn v. Bechtold bet Conferenz bei. Die Lehrer bei Kreisel waren selbstverstänblich fast vollzählig erschienen. Der Vorsitzende, Herr Geh. Regierunglrath Dr. Braden eröffnete mir einer warmen Begrüßung die Versammlung. Nach einem durch die Lehrer be! Butzbacher Bezirk! unter ber Leitung be! Herrn Ufinger voitgetragenen Chor! nahm Herr Sreilschultnspector Süß da! Wort, um 1. über die Personenveläaderungen, 2. die Arbeiten tu den Bezirksvereinen und 3. über die Jn- spectioul. unb Bifitationlverhältniffe in ben letzten drei Iahten Mittheilungen zu machen. Die Ergebniffe bet Arbeiten unb Berathungen in ben Bezirksconfetenzen waren von Herrtt Kteisschulinspector Süß zusammengestellt und wurden mit- getheilt. Die Zahl bet Schu-ktuder steigt. 1895 betrug fie 9449, 1896 9312, 1897 9533 und 1898 9748. Diese Kinder wurden in 73 Volksschulen, 4 höheren unb 6 Privatschulen unterrichtet. Bon den Volksschulen fiub 21 ein-, 35 zwei-, 6 drei-, 6 vier-, unb 5 sechs- unb mehrklasfig. An diesen Klaffen wirken 177 Lehrer und 3 Lehrerinnen. Herr Oberlehrer Kredel in Bad Nauheim hielt nun einen eingehenden Vortrag über das Thema: „Der Zeichenunterricht in der Volksschule".
△ Mainz, 24. November. Im Alter von 77 Jahren ist bexfloffene Nacht der weiteren ttreiseu bekannte hessische Forstinlpector Lick em eh er gestorben. Der Verstorbene war ein Neffe bei letzten kurmainzttchen Stabtcommanbanten Etcke- mehrr, ber nach ber am 21. Oktober 1792 erfolgten Hebet» gäbe von Mainz an bte Franzosen tu französische Dienste trat und dem man daher ben später hinlänglich wibetlegten Borwurf wachte, Mainz an bte Franzosen verrathen zu haben. — Der Mainzer Straßen bahnbetrieb wird binnen Kurzem ganz zum elektrischen Betrieb umgewanbelt werden- zwlschen der Stäbtischen Verwaltung unb bet Sübdeutscheu Eisendahugeselllchaft schweben schon biesbezügliche verhand- luugeu. In den engen Straßen soll die Bahn mit Accumulatoren eingerichtet werden, und in ben großen, breiten Straßenzügen soll Oderleitunglbetrieb in Anwendung kommen. Außerdem ist beabfichtigt, der ganzen Bahuanlage eine größere Ausdehnung zu geben und fie bil auf einzelne Vororte weiter zu führen.
Vermischtes.
♦ Frankfurt a. M., 24. November. Bei der Ent- hüllunglfeier del Denkmal! de! Großherzog! Ludwig IV. in Darmstadt wird ber Großh. Kreisrath Herr Dr. Wallau von Lauterbach heute mit einer Deputation bei Kreise! Lauterbach, beftebenb aus sämmtlichen Bürgermeistern bei Kreise! unb 200 Mädchen in oberhesfischet Volkstracht nach Darm- stabt reisen. Nachdem die vöaigl. Eisenbahndirectiou Frank- furt a. M. in dankenswerther Weise genehmigt hat, daß der von Lauterbach abgehende Exrrazug in Frankfurt a. M. Aufenthalt nimmt, wird ber genannte Herr bte Mädchen auf seine Kosten Mittag! in ben Zoologischen Garten führen. Die Ankunft in Sachsenhausen erfolgt heute 1281 Uhr Mittags unb die Abfahrt von dorten 730 Uhr Abend!.
* Geestemünde, 20. November. Unsere junge Hering!- nnd Hochseefischerei-Actiengefellschäft, bte vor einem halben Jahre ihren Betrieb mit fünf Dampfern auf- nahm, hat bereit! ben Verlust eine! ihrer Schiffe zu beklagen. Nach einem heute Morgen vorn Kapitän aul Delfztzl eingegangenen Telegramm ist ber Heringldampfer
„Fritz" in Folge einer Collifiou mit bem norwegischen Dampfer „Hamar" in der Nordsee gesunken. Die an! 22 Köpfen bestehende Maavschaft ist gerettet und in Delfzyl gelandet worden.
* Hamburg, 20. November. Der Hanseatischen Colonisations-Gesellschaft in Hamburg, an deren Gründung die Hamburg-Südamerikanische Dampfsch'ffiahrtl- Gesellschaft in Hamburg unb ber Norddeutsche Lloyd in Bremen beteiligt find, ist vom Reichskanzler untetm 14. November die Erlaubniß zur Anwerbung und Beförderung von Colontsten nach ihren in Santa Catharina, Süo - Brafilieo, angekauften Ländereien ertheilt worden.
* Paris, 20. Novemd. DerToddesWunderdoctor!. Paris Hai sein größtes medicinisches Original verloren, den Dr. Gruby; er starb vor wenigen Tagen im hohen Atter von 88 Jahren. Seltsam wie sein Leben, war sein Tod; er wünschte zu verschwinden, wie EmpedokleS, der sich in den Aetna stürzte; er verschwand auch, so zu sagen, einen Monat vor seinem Tode, schloß sich ab in sein Allerheiligstes, wohin selten ein Diener gedrungen, ließ sich, unsichtbar hinter einer Wand, einige Speisen hereinreichen, die er nicht berührte; und als er schließlich, vierundzwanzig Stunden lang kein Lebenszeichen von sich gegeben, brach die Polizei seine Thür aus und sand ihn, nur kümmerlich bedeckt, aus dem Fußboden liegen; um ihn herum Speisereste, zerbrochenes Geschirr, Stühle. Sein Bett hatte nur au» einer Anzahl Kopfkissen aller Art bestanden, bte er in einer Ecke des Zimmers aus- gehäust. Der sonstige Anblick des Zimmers war schaudererregend und soll sich der Beschreibung entziehen. Dem Schlafzimmer entsprach bas Speisezimmer, wo Bücher und Schriftstücke aller Art mannshoch aufgehäuft waren; seine Bibliothek, 15 000 Bände stark, füllte sein Haus di! auf ben Söller, in seinem Empfangszimmer waren kaum zwei Stühle frei von ihnen, daneben stritten sich Affen und Kanarienvögel um den verfügbaren Raum. Unb doch, sa wie er war, gehörte er zu ben gesuchtesten Heilkünstlern der Hauptstadt, hatte die berühmtesten Leute zu seinen Patienten unb verzeichnete die unglaublichsten Wunderkuren. Franz Lcht, die beiden Dumas, Heinrich Heine, Chopin, Ambrotse Thoma» und Daudet hatten ihn zu Rathe gezogen und glaubten an ihn, obgleich Daudet sich fernen wunderlichen Verordnungen . nicht fügen wollte. Seine Specialilät war die Krantheit bet Jahrhunderts, die Neurasthenie; er hellte fie aber nicht auf bem gewöhnlichen Wege, sonbern er bewog den Kranken durch die Macht seiner persönlichen Ueberredung zu allerhand seltenen Vornahmen. Erwähnen wir einige Fälle. Ein Melancholiker meldete sich bei ihm; er litt an der Furcht vor dem Selbstmord. Auf welchem Stockwerke find Sie ein» quartirt? fragt Gruby. — Im Erdgeschoß. — Wie liegt Ihr Gemach? — Nach Nordosten. — Welche Farbe haben Ihre Tapeten? — Roth, braun und blau. — Gut; also suchen Sie sich eine nach Südwesten ausschauende Wohnung auf dem fünften Stocke, unb tapeziren Sie Ihre sämmtlichen Zimmer grün aus; aber jebes Zimmer in einer anberen Schattirung von grün. — Der Patient ging getröiiet ab, suchte brei Monate lang nach ber betreffenben Wohnung im fünften Stocke mit südwestlicher Aussicht, suchte drei fernere Monate nach den verschiedenen grünen Tapeten; darüber vergaß er seine Krankheit unb war nach sechs Monaten gehellt. Zweiter Fall. Eine Dame aus ben oberen Gesellschaftskreisen hatte burch bas aufreibenbe Saisonleben ihre Nerven zu Grunde gerichtet. „Gehen Sie", so verordnete ihr Dr Gruby, „jeben Nachmittag ins Hospital Tenon, fragen Sie nach ber Krankenwärterin A.; fie wirb Sie in ein weißgetünchtel Zimmer führen, wo Sie sich ihr eine Stunbe lang, ohne ein Wort zu reben, gegenüber setzen; dann kehren Sie burch die unb die Straße, über diesen und jenen Platz zurück." Und die Dame ward bald wieder gesund und glaubte an die Heilkraft der Wärterin und der weiß angestrichenen Stube. Hütte Dr. Gruby ihr die gewöhnlichen Rathschläge, Ruhe, Spazierengehen u. s. w. gegeben, so würde sie nicht an deren Wirkung geglaubt Haden. Er legte ihr und seinen übrigen Patienten daher die unglaublichsten Frohndienste auf und konnte mit Sicherheit auf deren pünktliche Befolgung rechnen. Unb babei war Dr. Gruby kein Charlatan im gewöhnlichen Sinne bes Wortes Er stammte aus Ungarn, fludirte in Wien Medizin und besonders Augenheilkunde, practicirte in Wien, Pest, London und Paris, warf sich am letzten Platze auf rnicrofcopifche Anatomie, hielt freie Vorlesungen, denen Leute, die später berühmt geworden, wie Berg, Lllienwalt, Magendie und Claude Bernard, beiwohnten unb ließ ber Akabemie ber Wissenschaften werthoolle Untersuchungen zukommen. Seit 1845 hielt er sich ganz an die Heilkunde unb sah bie hervorragendsten Mitglieber der Gesellschaft und der Diplomatie bei sich. Während ber Belagerung von Pari! richtete er verschiedene Ambulanzen ein unb entwarf ein zerlegbares Krankenbett, bas auf der Ausstellung von 1889 feine Stelle fand. Nach unb nach hatte er sich in ben Ruf ber Unsterblichkeit gebracht; fein hohes Alter leistete bem Rufe Vorschub; vielleicht mag er selbst burch Autosuggestion baran geglaubt haben. (K. Z.)
* Der Rheinfall im Dienste ber Slectticttät. Die großen Erfolge, welche man tu den Vereinigten Staaten und (Sanaba durch die Nutzbarmachung del Niagara für btt Electricttätl- Erzeug erzielt hat, haben in den Schweizer Rheiucantonen Pläne zur defferen Aulnutzung des Rheinfälle! im Interesse der Industrie und der Beleuchtung entstehen lassen. Die Borarbetteu find bereit! beendet. Man hat gesunden, daß mittel! zwanzig Turbinen (jede zu 800 Pferdestärken) fich aul bem Rheinfall noch 16,000 Pferbekräfte für Arbeits- zwrcke gewinnen taffen. Davon sollen allein 2000 Pferdekräfte der Aluminiumherstellung dienen. Die Schweizer Aln- mintum'Erzeugnvg, die heute an fich schon z'emttch beträchtlich ist, soll dadurch befähigt werden, stärker all bilher in de« Wettbewerb mit der amerikanischen zu treten. Ein »eitern größerer Bruchtheil der gewonnenen electrischen Kraft wird al! Antriebmittel auf der Bahn Frich-Aarau verwandt werden. Der Rest an Eleetricität steht bann benachbarte»


