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26.11.1898 Zweites Blatt
 
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Nachmittags 4 Uhr: Wsk. - Djit.

Der Vorstand.

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Samstag den 26. November

Nr. 278 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Zlints- unb Anzeigeblatt für den Tiveis Gieren.

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>4»sckratze Ar. 7.

Verwehrung der Bevölkerung tm Verhältnis, h'nausgtheudc Verwehrung der vtehdestände tm Deutschen Reiche unb der Fleilchrinfuhr tu da» Reich»,edtrt stattgefunden hat? 4. Ist der Herr Reichskanzler bereit, dem Reichstage gesetzgeberische Maßnahmen in Vorschlag zu bringen, weiche geeignet er­scheinen, den derzeitigen hohen Bankdiskont ber brut­sch en Retchsd ank aus einen bem Bankdiskont anderer Länder entsprechenden Stand herabzubrücken, um dadurch zu, Verbesserung der Eoncurrenzlage ber gelammten nationalen Production des Deutschen Reiche» gegenüber dem Äullanbt drizntragen?

Balte, 24. November. Die Lonserenz gegen bti Anarchisten wird nach brr ^Magd. Zig.* ungesähr vterzi, Mitglieder zählen. Ihre Arbeiten dürsten vor Weihnachten beendigt sein. Den einzelnen Delegirten ber Regterungee wird es srrtstehen, Anträge einzubringen unb Fragen anzu. regen, die sich nicht in bem Vorschlag ber italienischen Re- gierung b,staben. Da» «öntgspaar wirb die Looferenz- theilnehmer empfangen, jeboch wirb iw Hinblick ans bni ernsten Charakter ber Lonferenz von den sonst üblichen Fest­lichkeiten abgesehen.

der Orbevßgüter. Auch sogenannte Laptllani oder Priester hatte ber Orben, sowie auch Cavalieri di divotione ober weltliche Rater von hohem Ansehen und weift fürstlich« Ranges, welche auch das goldene Kreuz trugen. Daneben gab es Donaii ober Haldkreoze, Männer von unbescholtene» Ruse, die zwar geloben mußten, dem Orden neu unb seiner Befehle gewärtig zu sein, ober dabei weltlich blieben. Sie wurden als Verwalter der Herbergen angestellt, durften aber nur halbe Kreuze tragen.

So war aus bem ,Senfkörnleiu* bald ein stattlicher Baum geworden.

Die internationale Lage.

Wohl selten ist btt internationale Lage eine so unsichere unb Verworrene gewesen, wie jetzt. Wir haben vor einiger Zeit anszusühren Gelegenheit gehabt, baß auch bte Gntldhall- Rebe M» englischen Premierministers keine Gärung gebracht hat, baß vielmehr noch heute alle Welt im Dunkeln toppt über bte F.age: »Was wirb geschehen.* England hat seine Rüstungen noch ntcht eingestellt, und man darf kaum an» nehmen, daß es so große Anstrengungen und Aufwendungen macht, gegen etnen imaginären Feind. Uad ohne jeden Hintergedanken hat stch Lord Chamberlain ntcht vor Kurzem Gewalt augethan und einem engeren Anschluß Englands an Deutschland bas Wort gerebet.

Freilich sucht bas britische Reich schon lange nach einem zuverlässigen Bundesgenossen, unb in London möchte man so gerne den großen Fehler wieder gut machen, baß England heute isolirt im Rathe der Böker dasteht. «eine Macht ist gegenwärtig tn der Lage, eines Bundesgenossen entrathen zu können. Das hat unser großer Bismarck wohl etngesedm, als er unter den schwierigsten Umständen den Dreibund bildete und damit ein Vorbild gab, welches tm Laufe der Jahre von anderen Setten nachzuahmen versucht wurde, aber bisher noch unerreicht dasteht.

Ja den letzten Tagen ist wieder viel von Gruppirungen der Mächte gesprochen worden, ja, die Ehamberlain'sche Rede hatte hflOT zu einer Meldung von einem neuen Dreibünde für Okiasien Anlaß gegeben: Deutschland, England und die Bereinigten Staaten tollten sich vereinigen znm Schutze ihrer ostafiatttchrn Interessen. Daß man Deutschland in diesen Bund ve'flocht, wachte die Meldung gleich von vorvh'rein unwahrscheinlich. Denn unsere Interessen im fernen Osten stad bereit» sestgelegt, und eine Weiterau»dehnung unserer Btsttzverhältniffe daselbst dürste kaum im Plane der deutschen Regierung liegen, deren Augenmerk jetzt darauf gerichtet sein muß, da» Siantschongebiet sür nn» zu festigen ucb e» den beabsichtigten Zwecken dienstbar zu machen. Ueberhaupt wird sich Deutschland schwerlich binden wollen, sondern Verewig­ungen mit anderen, dem Dreibünde fern stehenden Mächten nur von Fall zu Fall etngeheu, wie e» bereit» in der chinr- fisch japanischen Angelegenheit und gelegentlich der Orient- wirren mehrfach geschehen ist.

Die internationale Lage ist heute darum so verwickelt, weil Niemand die Absichten der zumeist tn Betracht kommenden Regierungtu Rußlands, England» und Frankreich» kennt. Da» l'tz'ere scheint ja tn den Fragen der großen imernatio- oalrn Politik sich reservirt halten zu wollen, bi» seine inneren

Hal».

Rach den Ballivi folgten die Eomthute, die Verwalter

Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze».

Fernsprecher Nr. 61.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. November. Da» StaatSmiuisterium ist heute Nachmittag 3 Uhr unter dem Vorsitz de» Reichs­kanzler» Fürsten Hohenlohe in seinem Dienstgebäude zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 24. November. Finanzmintster vr. v. Miquel muß wegen eine» Bronchial-Latarrh» da» Zimmer hüten.

Berlin,24. November. Der Bund der Landwirthe läßt folgende Interpellationen veröffentlichen, welche bem Reichstag sofort nach seinem Zusammentritt zugehen sollen: 1. Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft dar- Über zu geben, ob und wie der zur Zeit in Berlin ohne da» Vorhandensein einer staatlich beaufsichtigten Produktenbörse stat'fiadende Setreideverkehr mit den Bestimmungen de» Rrichsbörsengesetze» vom 22. Jaul 1896 vereinbar ist? 2. Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft darüber zu geben, ob es ihm bekannt ist, daß an der unter der Aufsicht des Königlich Preußischen vörsencommiffars für die Berliner Börse stehenden Effektenbörse in Berlin fortgesetzt börsen­fähige Termingeschäfte in solchen Werthpapiereu stanfwden, für welche nach den Bestimmungen des Reichs- BörsengesetzeS vom 22. Juni 1896 diese Form deS Handel» verboten ist? 3. Ist der Herr Retch»kanzler bereit, Aus- kauft darüber zu geben, ob die zur Zeit in verschiedenen deutschen Bunde»staaten stattfiudenden Erhebungen über vor- handenirtn und Au»dehnung einer angeblichen Fleischnoth von ihm veranlaßt worden find, und wenn dies der Fall, qu» welchen Gründen- gegenüber der Thatsache, daß nach btn Ergebnissen der reichsamtlichen Statistik eine über die

größte Ehrfurcht.

Fort und fort vergrößerte fich der Orden durch glück­liche Feldzüge. Ein merkwürdiges Beispiel, In welchem außerordentlichen, hohen Ansehen er stand, war, daß Alphon» I. von Aragonien, der fich SSoig von Spanten uavnte, die Johanniter zu (hben seine» Reiche» einsetzte.

Wie sehr der Orden dieses sein wachsendes Ansehen verdiente, beweist auch seine damalige Verfassung. Die bloße Thetlung tn Klassen genügte bei de« enormen »lieber- zawach» bald nicht «ehr. R yvund du Pay änderte dieselbe bahrr tm Jahre 1120 in die in ihren G-undzügen noch in dem modernen Johonniierordeu vorhandene Bersaffung um. Rach dieser wurde der Orden nach den Ländern, au» denen seine Glieder herstammten, in acht sogenannte .Nationen* oder .Zungen* eingrthe'lt: Provence, Auvergne, Frankreich, Italien, Aragonien, Kastilien, Deutschland und England.

3M|Bg»rreU DirrtcUäbrli*

2 Malt 20 Pfß- monatlich 75 Ps^ tu Brmgrrlab».

vri Poftdrzntz 2 Mark 50 Pfg.

virrtrljshrlich.

Budapest, 24. November. Der Kaiser hat heute vor­mittag Ban sfy unb den Eorps Eowwandanten Lobkowitz in längerer Audienz empfangen. Der Rctchskltegsmintster «rteg»hammer verharrt auf seiner Demiifion

Paris. 24. November. Mehrere Blätter berichten über einen Zwischenfall, der fich gestern tm Eoffatioushofe abgespielt hat. Der Anwalt Labort wollte mit Picqwrt zu einer Verhandlung zngelcssw werden. Er erhielt ober von dem Präsidenten Löw deu Bescheid, er könne mit Ptcqamtt nur tm Gcsängntß verkehren.

Arras, 24. Novtmder. Unter den Truppen de» 18. In­fanterie R gimem» tst angeblich der Typhu» ansg.broche». Zahlreiche Soldaten find bereit» erkrankt nvd drei Umer- osfiziere gestorben.

London, 24. November. Die ägyptische Frage sucht jetzt ein Mitglied de» britischen Cadmets al» möglichst harmlos htnznstellen. Zu Edinburgh hielt der Vchatzkanzler Sir Michael E. H cks-Beach eine Rede, tu der er sagte, es sei kein Grund vorhanden, daß bte englische Regierung fich nicht mit ber französischen Regierung in vollkommen freund­schaftlichen Unterhandlungen behufs gegenseitiger Abgrenzung bei Rechte und Pflichten der beiden Mächte und Aegyptens begegne. Die Vorgänge der letzten Zeit würden die öffent-

Generol der Infanterie gehörte stets der Zange Auvergne an. Der Hospttalier oder Aussetzer Über die Wohlthätizkeits- anstalten war ein Glied der Nation Frankreich. Der Admiral oder Oberbesehlshaber zur See gehörte Italien an. Der Drapier oder Minister des Ionern war ein Aragonier. Der Tu»kopulier oder General der Eavallerte wurde ans der Zange England gewählt. Der Großballet oder Aufseher Über dte Festuugsbauten war ein Deutscher, unb ber Groß- kanzler ober Minister des Auswärtioen ein Eastilier.

Alle zusammen hießen .Ballivi conventualeB* und bildeten den geheimen Rath der Großmeister. Außer diesem waren die Prioren bte höchsten Behörden ihrer Provinz. Unter ihnen standen die .Ballivi capitularee* unb die Ehrenballtvi, welche den Tuet einer Ballet führten, ohne daran Thetl zu haben. Dte Prioren, wie dte Großwütden- träger trugen als Abzeichen neben bem leinenen Kreuz tut bet linken Schulter noch ein großes goldenes Kreuz n»

Erscheint Ußttch bu Ausnahme des

Montags.

Dir Gießener >eBint*»Citter Werden b-m Anzeiger Wdchcutiich viermal beigelegt.

Feuilleton.

Kreuz und Schwert.

ti* 6ebentblett zur Ctiftwg bei Zohaunitermdenl vor 860 Jahren.

Von Dr. Ludwig Wald.

(Schluß.)

Im Jahre 1073 entrissen bte Türken den Kalifen bet ganze heilige Land. Dte «lagen über die Mißhand­lungen der Wallfahrer mehrten fich in empörender »eHe. dln Mönch, feurig Im Glauben und in der Rede, kehrte Nom heiligen Grabe entrüstet zurück, durchzog das Abend- lavd unb predigte dermaßen gewaltig und Überzeugend, daß di, gesummte Ehristenheit es wie ein göttlich Feuer durch ihre Adern zucken und fich verpfl chtet fühlte, «st bem Schwerte in der Hand das heilige Grab den übermü'htgen Ungläubigen zu entreißen. Peter von Amiens war dieser Prediger, und das Zeitalter der Kreuzzüge der Erfolg seiner Botte Untet Gottfried von Bouillon zog etn gewappnetes fceet von 90 000 Mann nach dem Motgenlande, eroberte, genau 50 Jahre nach der Gründung des Johannsterordens, 1099 Jerusalem und befreite das heilige Grab von seinen E^*Jm"Büßerhemde zog der Sieger in die Stadt ein unb gesuchte auch ble nunmthr mit den Verwundeten der Schluchten unb Kämpfe ungefüllten Herbergen mid das Krankenhaus für die Pilgrime. Der Vorsteher

Gerhard von Martigues empfing ihn, unb der «»blick des Elendes und der selbstlos dienenden Liebe rührte und de. geisterte den frommen Helden dermaßen, daß er viele seiner besten Ritter zu dem Entschluß brachte, «itzuwirken an dem heiligen Werke der Barmherzigkeit. Der Patriarch von Zerns al em vollzog die Einsegnung der Schaar und nahm

Das aus allen Würdenträgern bestehende Glueialcapstri I besaß gesetzliche Gewalt. Der Großeomthur war der Prä- I fttent der Schatzkammer und wurde au» der Nation der Der Großmarschall, Kriegsminister und

Angelegenheiten geregelt find, aber diese Zurückhaltung dürste I doch nur von begrenztet Zeitdauer sein. Dagegen hat Ruß laud keinen Gtund zut Rcsetoe, und wir find fest davon übetzengt, daß es tm gegebenen Augenblick ebenso schlagfertig ist wie England, welches seine Rüstungen nut getäuschvollet betreibt. Letztere» möchte seine« Rivalen ganz gerne ein» versetzen, aber e» fühlt fich allein zu schwach dazu. Und ob Uncle Sam fich jemals in englische» Schlepptau nehmen lassen wird, ist auch noch fraglich.

In der nächsten Zeit finden mehrere europäische Eon- ferenzen statt diejenige wegen Bekämpfung de» Anar- chismu» und die Abrüstungskonferenz, vielleicht treten dabei die Mächte einander näher und e» folgt eine Klärung der politischen Situation, vorläufig muß die letztere aber iwmer noch al» sehr dunkel angesehen werden. (xx

ihnen Allen a« Fuße de» heiligen Grabes die Gelübde der Srmuth, Keuschheit unb des Gehorsames ab. Nach der Ein fegnuug überreichte er den Rittern ihr zukünftige» Orden», armanb- einen schwarzen Mantel mit einem weißen leinenen Provence gewählt. Rreuie an bet linken Schultet. Popst Paschall» II bestätigte mtt Freuden den neuen Orden und Gottfried von Bouillon schenkte ihm große Besitzungen im heiligen Laude.

Der Nachsolger Gottfried», w:lchet tm Iahte 1100 starb, war Balduin, bet ben stolzen Titel »König von Jerusalem* annah« unb auch den Orden seine Hätte sehr oft fühlen ließ. Dennoch wuch» da» Ansehen der Johanniter im Abendlande. Paschalt» II. befreite fie von allen Abgaben nnb der bischöflichen Gerichtsbarkeit. Auch Kaiser Friedrich L, b,r unsterbliche Held, stellte den Orden unter den Reichs schotz und sprach dessen Mitglieder und Gütet von allen Steuern, Diensten n. f. w. los und ledig. Die Übrigen Kaiser bestätigten nicht nur, sondern verwehrten ble Privi­legien und bezeugten dem Meister des Hospital» stets die