schrauben, daß der Tagelöhner mit Familie in der arbeitlosen Zeit vom Verdienst während der arbettreichen Zeit mitleben kann. DaS hielte der Landmann nicht aus und auch der Tagelöhner würde den guten Verdienst nur zu leicht ver- prafien und dann für die verdteustlose Zeit doch nichts haben. Sparen ist eben eine Kunst, die unsere Arbeiter nicht mehr recht verstehen. Auch kann man von den Landleuten nicht verlangen, daß sie Arbeiten machen lasten sollen, die sie sonst nicht machen ließen, nur damit die Landarbeiter etwa- verdienen. So etwas macht hin und wieder ein gut fituirter Landmann au- freien Stücken, aber zwingen kann mau dazu Niemand.
Ebensowenig kann man von den Landleuten verlangen, daß fie auf die wirthschaftlicheu Maschinen und ihre Verwendung verzichten sollen, damit der landwirthschastliche Arbeiter mehr Wochen im Jahre lohnende Beschäftigung habe. Im Gegentheil wird man bei der Lösung der Landarbeiterfrage damit zu rechnen haben, daß noch mehr Maschinen al- heute bet den landwirthschaftlichen Arbeiten zur Verwendung kommen. Bet dem Kampf um» Dasein, welcher tu allen Productionszweigen zum AuStrag kommt, hat der am meisten Aussicht auf Erfolg, der am billigsten producireu kann, und wenn die landwirthschastliche Maschine billiger und bester arbeitet als der landwirthschastliche Arbeiter, so ist der Landmann genöthigt, die Maschine in seinen Dienst zu stellen und kann darin von Niemand gehindert werden. Wir wollen nicht den Landwirth auf Kosten Anderer bevorzugen, wollen ihn aber auch nicht einseitig beuachtheiligen.
So spitzt sich denn Alles darauf zu, dem Arbeiter auf dem Lande während der arbeitlosen Zeit im Jahre lohnende Arbeit zu schaffen, ohne den Landmann damit zu belästigen. Ehedem war der HauSfletß für ihn eine Einnahmequelle. Er verfertigte Strohmatten und Strohseile, schnitzte hölzerne Löffel und machte allerlei landwirthschastliche- Geräth au» Holz, Besen au- Reisig wurden gebunden und Holzpantoffeln gemacht, die Frauen strickten und webten und war dergleichen mehr war. Wurde dabei auch keine Seide gesponnen, so wurden doch einige Groschen verdient, die mitzunehmen waren. Heute find dergleichen Künste weniger lohnend, al- je zuvor. Auch diese Artikel werden heute in den Fabriken mastenweise und mit Hülfe von Maschinen billiger gemacht, al- sie durch Handarbeit und auf dem Wege de- Hausfleißes hergestellt werden können, und da Fabrikarbeit in der Regel gefälliger au-fällt al- Handarbeit, so findet der Arbeiter, der mit solcherlei Sachen da- Salz zum Brod verdienen will, wenig Absatz. Freilich, wo noch ein solcher Zweig der Hau-fleiß- industrie lohnende Nebenbeschäftigung gewährt, da muß dem Arbeiter Gelegenheit geboten werden, fie in der arbeitlosen Zeit au-zuüben. Immerhin find die Arbeiten, auf welche die Landarbeiter angewiesen find, in erster Linie solche, die mit Feldbau und Viehzucht zusammenhängen. Und wenn er bei seinem Brodherrn nicht daS ganze Jahr solche Arbeit findet, so muß er fie aus seinem eigenen Acker finden. Soll der Landarbeiter seßhaft werden, so mache man ihn ansäsfig, so gewähre man ihm die Möglichkeit, selber Hau- und Land zu erwerben. Er gebraucht keinen ausgedehnten Landbesitz, nur ein Häuschen nebst Garten und einem Ackerstück, auf dem er eine Kuh griffen, und sich seine Kartoffeln, sein Brod- und Futterkorn, oder auch nur einen Theil desselben selber bauen kann. Die Arbeit auf solch einem kleinen Besitz wird vom Arbeiter so nebenher verrichtet, oder auch seine Familienmitglieder können helfen. Hat der Arbeiter aber selber Milch und Butter, selber Korn und Kartoffeln, eine freie Wohnung, selber ein paar Schafe oder Schweine, Gänse oder Hühner, so kann er nicht nur mit seiner Familie den größten Theil des Jahres von feinem eigenen Besitz leben, sondern hin und wieder auch etwa- au- der Wirthschaft verkaufen: ein Schaf, ein Schwein, einige Stieg Eier u. s. w. Er hat nicht nur, wa- er sich zusammentagelöhnert, sondern Ein-
Tyrtäu-! Darum geziemt eß sich auch, ihm ein gleiche- Andenken zu bewahren, wie jenen.
Carl Wilhelm wurde am 6. December 1815 in Schmal- kalden geboren. Sein Vater war Organist an der dortigen Kirche und ließ seinen Sohn von den damals berühmten Tonkünstlern Aloyr Schmidt und Andrö in Frankfurt und dem Virtuosen Spohr in Cassel unterrichten. 1840 bis 1865 wirkte Carl Wilhelm als Director der Liedertafel in Crefeld. 1860 wurde er zum Kgl. preußischen Mufikdirector ernannt. Anläßlich der silbernen Hochzeit des nachmaligen Heldenkaiser- W.lhelm ließ er am 11. Juni 1854 von 100 Sangern seine „Wacht am Rhein" fingen, welche, seitdem vergessen, im Juli 1870 ihre große herrliche Auferstehung feiern und National- lieb des gesammten deutschen Volke- werden sollte. In stiller Zurückgezogenheit in seiner Geburt-stadt Schmalkalden lebend, wurde der Componist nach Beendigung de- glorreichen Krieges auf Grund seine- Liede- mit einer Ehrenpension von 3000 Reich-mark vom Reichskanzleramt bedacht. Nach feinem Tode wurde ihm in seiner Vaterstadt ein Denkmal errichtet.
Doch auch des Dichters jener begeisterten Verse wollen wir uns heute dankbar erinnern. Max Schneckenburger wurde am 17. Februar 1819 in Thalheim geboren. Die „Wacht am Rhein", das einzige Gedicht, welche- ihn überlebt und feinen Namen unsterblich gemacht hat, wurde bereit- 1840, als von Frankreich au- dem linken Rheinufer Gefahr drohte, gedichtet. Am 3. Mai 1849 starb der Dichter in Burgdorf bei Bern als Theilhaber einer Eisengießerei. Als der Krieg 1870 beendet war, wurde seinen Hinterbliebenen, der Wtttwe und zwei Töchtern, vom Reichskanzleramt ebenfalls eine Iahre-penfion von 8000 Mark ausgesetzt.
Nun genießt da- einige, starke, mächtige, deutsche Volk feit 27 Jahren de- Friedens reiche Segnungen- doch unaus« löschlich leben die gewaltigen Eindrücke jener glorreichen Zeit in den Enkeln Derer fort, die fie durchgemacht, und die „Wacht am Rhein" wird gesungen werden und begeisternd wirken, so lange noch ein Funken Patriotismus in der Nation glüht.
nahmen nebenher, die er durch Fleiß und gute Bewirth- » schaftung seiner eigenen Parzelle vermehren kann. Braucht I er während der Bestellzeit Pferdekraft, so wird ost genug I sein Arbeitgeber ihm ein Gespann ohne weitere Vergütung leihweise überlassen.
Wir zeichnen hier keine Jdealgebilde au- Wölkenkuckucksheim. Ja manchen bäuerlichen Gemeinden find in dieser Weise die Arbeiter seßhaft geworden, und Arbeiter und Arbeitgeber stehen sich gut dabei. Es find natürlich nicht die besten Acker- und Wtesenparzellen, die der Bauer seinem Arbeiter übertrug, im Gegentheil, die Parzellen waren manchmal sehr schlecht, manchmal Überhaupt noch nicht in Cultur, und der Arbeiter bekam fie für einen Spottpreis. Aber weil er in der arbeitlosen Zeit de» Jahre- Zeit hatte, an der Cultivirung zu arbeiten, bekam er fein Land, wie man sagt, in Schwung. Jedenfalls verdient solche- Vorgehen Nachahmung, und eS ist bedauerlich, daß die Großgrundbesitzer sich in den allermeisten Fällen nicht entschließen können, ihren Arbeitern solche Heimstätten zu geben. Hier ist mit der Sucht, allen Grund und Boden im GutSbezirk Eigenthum des Gutsherrn nennen zu können, stark zu rechnen. Aber der Gutsherr muß mit ihr brechen, und wo bei Fideicommißgütern der Nutznießer allein nichts ändern kann, muß die Gesetzgebung eintreten, wenn die Landarbeiterfrage gelöst werden soll. Wa- von einer Verkümmerung des Freizügigkeit-rechte- geredet wird, ist grausam. Man kann doch dem Arbeiter, der auf dem Lande von seinem Tagelohn nicht leben kann, weil er zu viele Tage im Jahre keine Arbeit hat, eß nicht erschweren, in die Stadt oder den Jndustriebezirk zu wandern. Es ist doch grausam, einen Menschen zu zwingen, für unzureichenden Lohn zu arbeiten, wenn er anderswo au-reichenden Lohn verdienen kann. Durch solche Maßregeln schafft man der Socialdemokratie dort Anhang, wo fie bisher keinen Eingang hat finden können. Giebt man dem Landarbeiter Gelegenheit, ein eigene- Hau» nebst Zubehör zu erwerben, so hat er doch in dem Stück einen Vorzug vor seinem Genossen in der Stadt, der nur in den seltensten Fällen e- so weit bringt, und das Bleiben auf dem Lande gewinnt in diesem Stück wenigsten- etwa» Verlockende-.
Ganz natürlich wird die Zahl der so geschaffenen Heimstätten für Landarbeiter eine beschränkte fein, einmal weil der Arbeiter mit Tagelöhnern etwa- hinzu verdienen muß, indem er von der Heimstätte allein nicht leben kann und die Arbeits- Gelegenheit auf dem Lande keine unbegrenzte ist, dann aber auch, weil der Landmann, heiße er nun Bauer oder Groß- befitzer, nicht eine unbegrenzte Anzahl solcher Parzellen hat, die er ohne größern Schaden für feinen Betrieb und zu einem für den Arbeiter erfchwingbaren Preis verkaufen kann. Auch der Bau- und Kaufschilling ließe fich ermöglichen. Vom Lohn des unverheiratheteu Gesinde- find Ersparnisse möglich, mancher Landarbeiter hat ein kleines elterliches Erbtheil, und wo beide» nicht ausreicht, würde ein AmortisationSdarlehen, das durch Zahlung einer jährlichen Rente in einer Reihe von Jahren verzinst und bezahlt wird, nachhelfen. DaS ist freilich leicht eivzusehen, daß nur fleißige, sparsame und solide Leute dazu kommen, fich eine eigene Heimstätte zu gründen. Aber wenn wir auch nur diese Elemente zu halten vermögen, soll eß uuß recht fein; um die andern werden wir keine Thräneu weinen, wenn fie abziehen. (Köln. Ztg.)
Deutsches Reich.
Berlin,24.August. Die Wahlen zum preußischen Landtage werden, wie ein Berichterstatter meldet, erst Ende October oder Anfang November stattfinden.
Berlin, 24. August. Die diplomatischen Verhandlungen zwischen Belgien und Frankreich in der Zuckerprämienfrage haben, wie dem „Berliner Tageblatt" au» Brüssel gemeldet wird, bisher kein greifbare- Resultat ergeben. Dieselben befinden fich noch im Stadium der allerersten Besprechung. Die gegenteiligen Meldungen anderer Blätter find daher al- verfrüht zu bezeichnen.
Berlin, 24. August. Wie der „Post" au- Hamburg gemeldet wird, erfolgte bei einem Feuerwerk, welches anläßlich eines Turnerfestes auf der Elbinfel Ounte abgebrannt wurde, eine Explosion, wodurch 15 Personen schwer und 57 leichter verletzt wurden.
Berlin, 24. August. Dem „Local-Anzeiger" au- London zugegangenen Telegrammen zufolge hatten die Mahd ist en ein Unternehmen geplant, da- indessen verunglückte. In Wadi Hamed in Ober-Aegypten berichteten eingeborene Spione, die Mahdisten hätten einen Dampfer auSgeschickt, um im Nil eine Mine zu legen. Der Dampfer hatte ein Boot mit einer Kiste Schießpulver im Schlepptau, die von einem tunefischen Gefangenen an einer Stelle versenkt werden sollte, welche englische Dampfer berühren. Die Kiste explodirte aber und sprengte sowohl da- Boot wie auch den Dampfer in die Luft, wobei die ganze Besatzung um- Leben kam.
Berlin, 24. August. Die Dortmunder Handelskammer hatte in ihrem Jahresbericht für 1897 aus dem Wortlaut des Absatz 2 im Artikel I des deutsch-russischen Handelsvertrag- gefolgert, daß auf Grund dieser Clausel während der Dauer des Vertrag- „einzelne vertraglich gebundene Zollsätze oder zugestandene Zollfreiheiten abgeändert werden können, wenn fich herau-stellt, daß die Vorau-fetzungen, von denen mau bei Abschluß de» Vertrag- au-gegangen ist, fich al- irrthümlich erweisen oder wenn Ereignisse eintreten, die die Lage wesentlich ändern und infolgedessen die Vertragsbestimmungen dem einen Contrahenden Schaden thun würden". Daraufhin hat der Handel-Minister die genannte Kammer auf die offensichtliche Unrichtigkeit ihrer Ansicht hingewiesen. Artikel I des erwähnten Vertrag-, so schreibt der Minister, behandelt, wie sich sowohl au- dem Wortlaut dieser Bestimmung, al- insbesondere au- der Anordnung des Stoffe» im Vertrag ergibt, ausschließlich die perjönliche Stellung der beiderseitigen Staatsangehörigen. Die Angehörigen de» einen Lande» sollen im Gebiet de- anderen Theile» keinen höheren oder anderen Abgaben unterworfen sein al» Inländer und
dieselben Rechte im Handel»- und Gewerbebetrieb genießen wie diese. Der letztere Grundsatz, welcher fich auf die Zulassung zum Betrieb von Handel und Gewerbe und die Ausübung dieser Thätigkeit bezieht, erfährt im Absatz 2 eine Einengung. Der Inhalt dieser Bestimmung ist, daß Deutsche in Rußland und Russen in Deutschland durch Gesetze oder Verordnungen in Beziehung aus den Betrieb von Handel und Gewerbe Beschränkungen unterworfen werden können, denen die Inländer nicht unterliegen, sofern solche Bestimmungen auf alle Ausländer Anwendung finden. Auf die Behandlung der Waaren im Handelsverkehr bezieht fich der § 1 nicht. Der Güterverkehr von Land zu Land ist vielmehr in den Artikeln 5 ff. geregelt, und e» kann nach Artikel 7 keinem Zweifel unterliegen, daß die vertragsmäßig zugestandenen Zollfreiheiten und Bedingungen für die Dauer bei Vertrag» festgelegt find. Wenn die Dortmunder Handelskammer tm verfolg ihrer irrigen Ausführungen über den Artikel I des Handelsvertrag» eine Clausel als empfehlen-werth hinstellt, welche den (Son» trahenten die Möglichkeit läßt, die Bestimmungen de» Vertrage» und insbesondere die darin festgesetzten Zollfreiheitetr und Zollsätze zu ändern, so erscheint e» mindestens zweifelhaft, ob einem Vertrag, der thatsächlich nur die Ungebundenheit der Contrahenten feststellt, irgend welcher Werth bei- gemeffen werden kann. Jedenfalls darf nach Anschauungen^ die in den Berichten der Handelsverträge deutlich zum Ausdruck gelangen, angenommen werden, daß die von der Dortmunder Kammer empfohlene Abrede, welche wir felbstverstäud- lich auch gegen uns Deutsche gelten taffen müßten, den Bedürfnissen und Wünschen unserer Ausfuhrindustrie und unseres Ausfuhrhandels nicht entsprechen würde. Diesen Ausführungen de» Minister» können wir in ihrem ganzen Inhalt nur zu» stimmen.
— Hebet Ortskrankenkassen und Sozialdemokratie lesen wir in der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung": Im Verlaufe der Jahre ist e» vielfach zu verzeichnen gewesen, daß das Bemühen der Sozialdemokratie, die Vorstände der Ortskrankenkassen mit „Genossen" zu be« setzen, in den größeren Städten und den Judustriebezirkea von nur allzu großem Erfolge begleitet war. Aber nicht darauf allein zielte die Sozialdemokratie ab, sondern fie wollte ihre Macht allen Interessenten erkennbar documentiren und deshalb wurde die in der Kassenverwaltung eroberte Machtstellung regelmäßig mißbraucht, indem der neugewählte Vorstand die alten Kaffenbeamten entließ und andere anstelltr, wobei dann natürlich deren sozialdemokratische Gesinnungstüchtigkeit mehr in» Gewicht fiel, al» Erfahrung und Schulung in den Kassengeschäften. Beamte, die oft ein Lebensalter in einer Kasse thätig gewesen waren und sich nichts hatten zu Schulden kommen taffen, wurden auf die Straße geworfen, um Platz für Leute zu schaffen, welche fich in der Arbeiterschaft des KaffrngewerbeS agitatorisch hervorgethan hatten. So wurden die Krankenkaffenbearnten zu Belohnung-Posten für der sozialrevolutionären Umsturzpartei geleistete agitatorische Dienste. In diese „Idylle" greift ein Erlaß beß Handel-Minister» vom 2. Juli mit rauher Hand ein, indem er den Oberpräsibeuten folgende Anweisung ertheilt: „Bon den Vorständen oder Generalversammlungen der Ortßkranken- kaffen wird mit den Angestellten der Kaffen willkürlich verfahren, indem diese namentlich anläßlich der Neuwahlen beß Vorstände» ohne Grund enttaffen werden, um anderen zum Theil ungeeigneten Personen Platz zu machen. Diese» Vorgehen bedroht und schädigt nicht nur die Existenz zahlreicher in den Geschäften der Kaffen erfahrener Personen, sondern entspricht auch nicht dem Interesse der Kaffen selbst, denen an der Erhaltung eineß ordentlich vorgebildeten Personals und eines gleichmäßigen Geschäftsganges gelegen fein muß. Ich ersuche Sie daher, durch die Aufsichtsbehörden die Vorstände der Ortskrankenkaffen Ihre» Bezirks darauf hinzuweisen, und zu veranlassen, daß mit den Angestellten brr Kaffen gehörige Dienstverträge abgeschloffen werben, in denen die Gründe der Kündigung und angemessene Kündigungsfristen bestimmt werden. Dabei empfiehlt es fich, in diesen Dienstverträgen die Bestimmung vorzusehen, daß eine Kündigung de» Personals durch den Vorstand nur bei groben und wiederholten Verletzungen der Dienstpflichten zuläsfig fei, und daß über die Frage, ob diese Voraussetzungen zutreffen, im Streitfälle ein Schiedsgericht oder die Auffichtsbehölde entscheiden solle." Die Rheinisch-Westfälische Zeitung" bemerkt dazu: „Man braucht sich nur der immerhin zahlreichen Fälle zu erinnern, in welchen sozialdemokratische „VertrauenS"- Personen ihnen anvertraute Gelder unterschlugen, um schon im Hinblick daraus den Anordnungen deS Herrn Brefeld Beifall zu zollen. Aber hierüber und über die in seinem Erlasse erwähnten Gründe hinaus wird eS in weiteren Kreisen dankend empfunden werden, daß au» diesem Ressort eine Maßnahme berichtet werden kann, welche den sozialdemokratischen Führern wenigsten» eine Gelegenheit zur Bekundung ihrer „Macht" entzieht, welche fich ihnen in der Zeit feine» Vorgängers eröffnet hatte."
München, 23. August. Die „M. N. Nachr." schreiben: Die Orientreise de» Kaiser» beschäftigt nach wie vor die GemÜther und beherrscht die pnblicistische DiScnffion fast noch mehr im An-lande al» im Jntande. Dabei wird vielfach eine Kritik laut, die, soweit fie da» innere Unbehagen verräth, wie in der franzöfiichen und der cteiicalen österreichischen Presse, nicht tragisch genommen zu werden braucht. Denn an dem Wohlwollen der Franzosen oder der österreichischen Clericalen ist nicht» gelegen. Ander» ist eß mit jener Art von Kritik, die in einzelnen Blättern laut wird und vom deutschen Standpunkte aus die Reise nicht recht verständlich und Die» und Jene» an dem Project auSznsetzen findet. Dagegen wäre doch zu bemerken, daß nicht abzusehen ist,- warum ein Kaiser von Deutschland, unter dessen Abwesenheit die wohlorganifirte Regierungsmaschinerie nicht leidet, nicht die Freiheit haben sollte, Reifen in» Ausland zu machen, wie jeder andere geistig regsame Mensch, der am Reisen seine Freude hat, weil eß ihm neue Anregungen bietet und ihm
I Gelegenheit gibt, schöne Gegenden, historisch berühmte Stätten,.


