Ausgabe 
26.8.1898 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 199 Zweites Blatt.

Freitag den 26. August

1898

Gießener Anzeiger

General-Mutiger

ea|mt ton Lnzrige» |n bet Nachmittag» für dru ßolgende» Lag irfchnncudr« Summer bi» Bonn. 10 Ubr.

Bei Pokdezug

9 Mark 50 Vft- vieNeljihrkich.

Alle Änjdgen»Benninlimg»8eflen bei In- nnb ÄuiUnM nehmen Anzeigen für den Gießener Lngerger retgtfOL

Aez»s»»ret- vterreljLhrllch

9 Mark SO W|.

Bwnatltd) 75 mit vrragrttoh».

04»w ueM MU Auinabme bei Montag».

Die Greßener HeeUteeirittCT »erben dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

Attits- und Zlnzeigeblatt für den "Kreis Gieren

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

dürfte sich

Monarchie Inniger zusammenzuschließen, denn e- bringt da- > Regierung!jubiläum de- Raiter« Franz Josef. Die Herrscher. |

am

Rebadion, Expedition und Druckerei:

Achnk-ratze Nr. 7.

Manen. ,

Anscheinend bestätigt e- sich, daß der österreichische RelchSrath im September wieder einbernfen werden wird. ®lr stehen im letzten Drittel de- August, und viel Zeit bleibt dem Grafen Thun nicht zum Ueberlegen, wie er fich den Deutschen gegenüber stellen soll. Will er die Fortsetzung des Kampfe- gut, unsere Land-leuie find gerüstet- aber dtr Ministerprästdent möge wohl bedenken, welchen Feind er

heraafbeschwvrt.

Auch bei den Kämpfen in Oesterreich ist der tertius gaadens vorhanden, der au- der Verlegenheit der Regierung «kapital schlagen will. Die Soeialdemokratie hat bekanntlich Hon bei den letzten Wahlen ziemlich erhebliche Gewinne zu verzeichnen gehabt, und e- ist uaau-bleiblich, daß ste au- der Unzufriedenheit, welche unter den Deutschen herrscht, au- dem allgemeinen Mißfallen, welche- die parteiische Haltung der Regierung erregt, ihren vortheN zieht. Da- laufende Jahr ift so recht geeignet, alle Völker der österreich-ungarischen

am Rhein" fingen, bi- die Munition heran «ar, nnb da- Feuern wieder beginnen konnte.

Dem Componisten derWacht am Rhein" gebührt daher mit Recht der Name eine- Helden von 1870 > Schlugen die Heere der Deutschen die Feinde mit den W:ffen, so half er fie schlagen mit seinen Tönen, mit feiner Leier, ein -weiter

tugenben diese- Monarchen werden ja von allen Parteien gleichmäßig anerkannt- aber muß e- nicht einen Stachel für die Deutschen bilden, daß ihre heiligsten Jntereffen an den Stufen de- Throne- verkannt werden, und muß da- Gefühl der Zurücksetzung ihre Festesfreude nicht ganz erheblich be- einträchtigen? Wa- wäre Oesterreich ohne die Deutschen, und auf welcher kulturellen Stufe stände e- ohne fie? Biel leichter ist ein Oesterreich zu denken ohne Lzechen, Polen, Slovaken, und wie die Abarten der Slaven sonst noch heißen mögen. Da- mögen fich Diejenigen gesagt sein lafien, welche heute die Gewalt in Oesterreich inne haben. Da- Deutsch- thum kann niernal- auSgerottet werden, dazu hat e- eine zu große Bedeutung und eine zu gewaltige Lebenskraft. Möchte doch bi- zur Wiedereröffnung de- Reich-rath- da- richtige Mittel gefunden werden und einen Au-gleich der wider» strebenden Elemente zu finden! Daun könnten fich die ge­treueren Untertanen de- greisen Kaiser- Franz Josef mit um so größerer Freude den Festen widmen, welche die Re- gierungSzeit unseres Verbündeten zu verherrlichen bestimmt find.

(xx)

Lande stark im Schwinden und nicht allein durch Schuld der Arbeiter. Auch mancher Laudmann will lieber Herr sein als Hau-vater, und wenn seine Arbeiter nur ihre Arbeit thun, so kümmert weder er noch seine Frau fich darum, wa- fie in ihrer freien Zeit treiben. An Vergnügungen aller Art ist auf dem Lande durchaus kein Mangel, und der Luxus ist fast schon zu den weltfernsten Dörfern vor» gedrungen. Wenn der Landarbeiter in die Stadt zieht, so thut er e- nur, weil dort die Lohnverhältniffe befieie find. SS soll nun gar nicht bestritten werden, daß in den letzten Jahrzehnten die Lohnverhältniffe auf dem Lande bester ge­worben find, insofern nämlich al- nicht nur da- für festen JahreSlohu dienende männliche und weibliche Gestade mehr Lohn bekommt, in einigen Gegenden nahezu doppelt so viel, sondern auch die in Tagelohn arbeitenden Gelegenheitsarbeiter bekommen weit mehr Tagelohn. Aber die Kehrseite de- BildeS ist nur, daß die Arbeitsgelegenheit in noch höherem Maße zusammenschrumpft. Da- kommt daher, daß bet Laub- manu mehr unb mehr lanbwirthschastliche Maschinen in feinen Dienst stellt. Arbeiten, die sonst bem Taglöhner wochenlang Arbeit gaben, werben jetzt von der Maschine in wenigen Tagen erledigt. Wir erinnern nur daran, daß die wichtigste Winterbeschäftigung für die Tagelöhner noch vor einem Menschenalter da- Dreschen unb Dachstrohmachen war. Aber während man früher mit dem Dreschflegel etwa den ganzen Winter damit zu thun hatte, leistet die Dreschmaschine jetzt die Arbeit in wenigen Tagen und hinterher hat der Tage­löhner unfreiwillige Ferien. Unb fo geht eS mit manchen anbern Dingen. Wenn die Maschinen in Thätigkeit stnd, ver­dient der Arbeiter ja schönes Geld, aber doch nicht genug, um die ganze lange arbeitlose Zeit davon leben zu können, während, welcher ber Laudmann mit feinem Gestade allein Im Stande ist, die laufenden Arbeiten zu bestreiten. Und deshalb wandert er fort, dahin, wo er da- ganze Jahr oder doch den größten Theil des Jahres lohnende Arbeit findet. Selbst daß in festem Jahre-lohne stehende Gestnde wandert mit au-, weih eS do«, daß auch ihm mit den Jahren da- Loo- eine- Tagelöhner- zufallen muß.

Zur Lösung der Landarbeiterfrage ist nun natürlich In erster Linie erforderlich, daß man den Tagelöhnern lohnen­den Verdienst zuweift. Man könnte dabei zunächst an Lohn­erhöhung denken. Aber wir wiesen schon darauf hin, daß nicht der niedrige Lohn an fich da- Grundübel ist, sondern daß man vielmehr da- Grundübel darin zu sehen hat, daß der Landarbeiter zu viele arbeitfreie Tage hat. ES ist nun völlig unmöglich, den Lohn zu einer solchen Höhe emporzu.

Adrrflr für Depeschen: Anzeiger Kietze«.

Fernsprecher Nr. 5L

Die Deutschen in Oesterreich.

Am Sonntag hat In Asch eine Versammlung der Deutschen Böhmen- stattgefunden, durch welche wiederum dic prekäre- Lage, in welcher fich unsere Landsleute der Nachbar­monarchie befinden, in Erinnerung gebracht worden ist. »Rieder mit den Deutschen I" so ertönt auch jetzt noch unter Den Slavenvölkem Oesterreich- der Kampfruf, und mehr al- |( ist ci erforderlich, daß die germanischen Stämme fich gasammenschließen, um der Vergewaltigung, die man au innen au-üben will, wirksamen widerstand entgegenzusetzen. Scheint e- nicht, al- sei in dem Grafen Thun ein zweiter Vaden! auferstanden? Bi-Her hat man nicht- davon gehört, vaß der jetzige Mtnisterpräfident den gerechten Forderungen der Deutschen in etwa- nachgekommeu wäre, denn sonst hätte

Zur Landarbeiterfrage.

Der Bund der Landwirthe und sein Anhang werden alle Hebel in Bewegung setzen, um die L-ndarbeiterfrage schon in der ersten Session de- neugewählten Reichstage- gesetzlich neuzuregeln, die Landarbeiter an die Scholle zu feffeln. Man kann da- mißbilligen, aber verstehen, denn die Auswanderung der Landarbeiter nach der Stadt und dem Jndustriebezirk hat in einigen Gegenden fo große Dimensionen angenommen, daß es den Landleuten nach­gerade unmöglich wird, für ihre Arbeiten genügend Arbeiter zu bekommen. Fielich findet in beschränktem Maße auch eine Rückwanderung statt, aber was zurückkommt, find nicht die besten Arbeiter- eS find größtentheiis Leute, die wegen Schwachheit ober Unanstelligkeit in der Stadt keine Arbeit finden ober die Überhaupt so weit verbummelt find, daß man ihnen keine Arbeit gibt. Mit solchen Leuten ist schließlich auch dem Landmann nicht gedient, er braucht bessere. Soll nun in der Landarbeiterfrage gesetzlich etwa- geregelt werden, so muß man zunächst wissen, worin die Auswanderung der befferen Landarbeiter nach der Stadt und dem Jndustriebezirk begründet ist. Unb da irrt man fich, wenn man meint, daß lediglich LvxuS- nnb Vergnügungs­sucht die Triebfeder ist ober daß man tu ber Stabt ein un- gebunbenere» Leben erhofft. Da- gepriefeue patriarchalische verhältniß zwischen Arbeitgebern unb Arbeitern ist auf dem

so soll fie fest stehen unb treu bi- an- Tube der Tage! Hurrah Germania I

Doch nicht allein mit bem Schwerte würbe gesiegt, auch mit der Leier würben Schlachten geschlagen. Mächtig begeisterte da- deutsche Volk fich durch die Hunderte von Liedern, welche gerade diese der Noth und Erwartung, der Freude unb Bangigkeit, ber Entzückung unb der Thränen, der Gottesfurcht nnb Verzweiflung in Menge den Dichtern entlockten!

vor allen Liedern aber war eins, das damals in mehr als tausendstimmigen Ehören erschallte bieWacht am Rhein". Hatten die alten Deutschen ihren .bardituß, besten Echo durch die gewaltigen Schilde in den Bergen nadjflang; so hatten die Deutschen von 1870 ihreWacht am Rhein", bereu Widerhall im Geklirr der Säbel unb dem Talven- proffeln des Gefechts weithin über den Rhein zurück in die Heiniath und von der Heimath wieder über den Rhein im Ohre der Reserve und Landwehr erklang.

DieWacht am Rhein" hat ihr Theil mitgeholfeu am Siege der Deutschen. Mit den Klängen derWacht Rhein" marschirte die Garde in den Kugelregen von St.Privat, die Bayern in da- Gemetzel von Bozaille-, die Württem­berger in den Granatenregen von Ehampignh, die Badenser über da- knisternde Ei- der Lifaine, die Sachsen in die Flanke des Feinde- bei Roncourt! Al- tu dem Gemetzel bei Ehateaudun eine Paule eintrat wegen Mangel- au Munition, ließ der Lieutenant Wiedemann von der bayerischen Batterie Olivier seine Leute auf bie Geschütze steigen unb dieWacht

Feuilleton.

Auch ein Keld von 1870.

Znm 25. Todestage Earl Wilhelm-.

f den 26. August 1873.

Don Dr. Rod. Lenz.

(Nachdruck verboten.) ,Zum Rhein'. Zum Rhein, zum deutschen Rhein! Wer will de- Strome- Hüter fetn?e

So brauste im Juli 1870ein Ruf wie Donnerhall, » e Schwertgeklirr und Wogenprall" durch da- gelammte »ratsche Vaterland. Der grenzenlose Ueberrnuth und die brennendste Eifersucht unsere- welschen Nachbar- hatte dem brutschen Volke den Fehdehandschuh zugeworfen.

Da zuckte e- schnell durch Handerttausende im Süden unb Norbeu und von den Alpen dl- -um Belt blitzten Aller Bugen hell, und ein einziger, gewaltiger, an- tiefstem Helden- herzen fich emporringender Schrei antwortete auf die Frage, bie bange, mit feste« Willen:Wir Deutschen, bieder, fromm mb stark, beschirmen die heilige Lande-mark!"

Doch wa- gab dem deutschen Volke, dem deutschen Recken ben Muth und ba- Selbstvertrauen, gegen einen Fe'nd zu marschiren, der al- der mächttgste in ganz Europa galt? Sie blickten hinauf in Himmel- Blauen, dorthin, von wo Sorte, doch ewig lebende Helden niederschauen, dorthin, wo ber weilt, der einst nicht kam,den Frieden zu bringen, sondern da- Schwert", und doch für feine Feinde beten tonnte, dorthin, wo ste weilen, alle die Helden von 1813, 1814, 1815, die vereint zu einem gewaltigen Heere und geeint in dem einen Wunsche, frei zu fein von Franzosen» fisteln, über den Rhein zogen nnb in Pari- den Frieden Wctirten, dorthin schauten die Deutschen von 1870 hin unb schwur« begeistert in stolzer KampseSlust, daß der Rhein »entsch bleiben solle, wie ihre eigene Heldenbrust.

eS schon In feiner Macht gelegen, die Eztchen, Polen n. f. w. U die ihnen gebührende Stellung znrückzuweifen. Aber er steint ollzu sehr auf die Loyalität der Deutschen zu bauen nnb fich der Hoffnung hinzngeben, daß diese eS doch nicht zum Aeußersten kommen lasten würden. Darin dürfte fich jedoch Graf Thun geirrt Haber, und die Beschlüffe de- Ascher Parteitage- haben gezeigt, daß die Erbitterung unter den Deutschen Oesterreich- denn doch zu groß ist, um ein Nach- geben oder Einlenken derselben wahrscheinlich sein zu lasten. ^Etst Aushebung der Sprachenverordnungen, dann Verhand- laugen mit der Regierung," so lautet heute der Wahlspruch der Deutschen, nnb daran dürfte nicht mehr gerüttelt werden

In alle Winde hin erklang der Schwur, und die löwen­starken Bayern, begeistert durch da- ritterliche Vorgehen ihre- HeldenkönlgS, die Württemberger in ihrer handfesten Körperkraft und «u-dauer, die Badenser und Heflen in ihrer unerschütterlichen Kampfbegierde für die Sicherheit ihre- herrlicheu Rhein-, die Sachsen mit ihren kernigen Fäusten nnb doch so leutseligen Herzen, endlich die wackeren Preußen, alle, alle standen auf wie ein Mann, gewappnet, gerüstet und marschbereit.Hoch flatterten die Fahnen im Winde". Wir Alle wollen Hüter sein!" so klang e- au- «ehr denn dreimal hunderttausend Kehlen,Zum Rhein!" so donnerte e-,Zum Rhein, zum deutschen Rhein!" und hinein ging» in- Land ter Feinde.

Schreckliche Schlachten! Schlachten, denen die ganze zweite Hälfte diese- Jahrhundert- keine ähnlichen entgegen- zusetzen vermag, wurden siegreich geschlagen. Znm Himmel dampfte daS Blut -erristener Schlagadern, zur Erde sanken Elternhoffnungen, Brautwünsche zertrat der Huf dahin- sanseuder Roste, krepirende Granaten zerriffen die heiligsten Familienbande- doch fo lange noch ein Tropfen Blut in den Adern glühte, wurde gekämpft, so lange noch eine Faust im letzten Todeskampfe den Degen ziehen und ihn in die Ein­geweide de- Gegner- bohren konnte, ja, so lange noch ein Arm die Büchse spannen und ein Finger den Drücker zurück- reißen konnte, wurde gerungen, bi- kein Feind mehr übrig war, der mit den Waffen in der Hand den heiligen Strand hätte betreten können.

Nach sieben Monde langem Gemetzel endlich flehte ter Besiegte um Frieden. Heimwärts lenkten fich die Schritte der Sieger- Lorbeerkcänze schmückten ihre Schläfe und be- schatteten die Narbe auf ihrer Stirn, wie fie daherzogen nrtt rauschender Musik und schallendem Gesang.

Lieb Vaterland, magst ruhig fein:

Fest steht und treu die Wacht am Rhein!"

Bei Gott, fie hat fest und treu gestanden! Will- Gott,