Ausgabe 
26.4.1898 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ÜMlM tuet ptMriHjietU«.

ieftii, des 25. April.

Die alte Klinik. Die Jsterpellatiov, welche der Abgeordnete Metz-Gießen betr. des Neubaues einer ophthal- mologtscheu uud chirurgischen Klinik an Großh. Regierung gerichtet hat, hat folgenden Wortlaut: Bekanntlich ist daS UniverfitätSgebLude zu Gießen, tu welchem zur Zeit now die ophthalmologtsche uud chirurgische Klinik uurergebracht find, tm zweiten Deceovtum dieses Jahrhunderts als Kaserne ge- baut, und erst später in ein Krankenhaus umgewaudelt wordeu. Als die Regteruug im April 1885 den Stauden Vorlage wegen Errichtung neuer Gebäude für die mediciuische und die gynäkologische Klinik machte, wurde in der betreffenden Vorlage von der Regteruug auSgesührt, eS fet klar, daß eint vor etwa 70 Jahren erbaute Kaserne den heutzutage au ein Krankenhaus zu stellenden Anforderuugeu nicht eutsprecheu könne, und dies in noch höherem Maße von einem Kranken- hause gelte, daS zugleich als Lehranstalt für junge Aerzte dienen sollte. Es wurde in jener Vorlage weiter aner­kannt, daß daS fragliche Gebäude allen deu Anforderuugeu nicht entspreche, welche an jedes Krankenhaus bezüglich der Lage des Gebäudes, der Bodenverhältnisse, der Ventilationen re. gemacht werden müßten, und es wurde schon damals als in hohem Grade wünschenSwerth bezeichnet, daß an Stelle der im akademischen Hospital (eben dem fraglichen Gebäude) unter­gebrachten drei Kliniken, wie dies an den meisten Hochschulen geschehen sei, drei neue den Anforderungen der Neuzeit voll­ständig entsprechende Kliniken errichtet würden, und lediglich, um die Mittel des Staates nicht allzusehr in Anspruch zu nehmen, wurde zunächst nur der Neubau der iunereu Klinik als das dringendste Bedürfniß ins Auge gefaßt. Im Ein­zelnen wurde als eine, die Verwendbarkeit des Gebäudes zu einer jeden Krankenheilanstalt schwer beeinträchtigende Eigen­schaft die feuchte Beschaffenheit deS Gebäudes angeführt, die im Wesentlichen in der mangelnden Unterkellerung des Ge­bäudes ihren Grund habe. Als ein zweiter dem gesammten Krankenhause anhaftender Mangel wurde die unmittelbare Nähe deS RangirbahuhofS der oberhesfischen Eisenbahn er­wähnt, welcher die Kranken in hohem Maße belästige, wäh­rend neben verschiedenen weiteren Fehlern, in dritter Linie ein Mangel an genügender Ventilation behauptet und geltend gemacht wurde. ES war hiernach bereits bei der Vorlage, betr. den Neubau einer inneren Klinik, auch der Neubau einer ophtalmologischru und chirurgischen Klinik in Aussicht genommen; wie auch in den damals dem Landtag vorgelegten Plänen bereits das Gelände sür die Gebäude der chirurgischen und ophthalmologischen Klinik vorgemerkt (xmr, wenn auch später von dem Erwerb dieses Geländes abgesehen und an den be­treffenden Stellen die psychiatrische Klinik errichtet wurde. Nun hat aber neuerdings der oben erwähnte Mißstand der Nähe drS RangirbahuhofS in Folge des UebergangS des Be­triebs der Oderheffischen Eisenbahnen auf die preußisch- hefftsche Gemeinschaft und die dadurch herbeigeführte Ver­mehrung deS Personen- namentlich aber deS Güterverkehrs ganz außerordentlich zugenommen. Durch daS ständige Rangiren in unmittelbarster Nähe des Krankenhauses ist der durch die Eisenbahn verursachte Lärm, daS permanente Pfeifen und Qualmen der Lokomotiven so stark geworden, daß die Behandlung und Untersuchung der Kranken, die operative Thätigkeit und der klinische Unterricht in sichtbarem Grade Noth leiden. Hierzu kommt, daß die Zahl der Kranken, welche in der ophthalmologischen Klinik Unterkunft suchen, in den letzten Jahren außerordentlich zugenommen hat, indem z. B. 1890/91 61 Betten, 1896/97 dagegen 84 Betten vor- Händen waren. Die Krankenzahl hat in dem gleichen Zeit- ranm fich von 773 auf 847 vermehrt, die Summe der Ein­nahme an VerpflegungSgeldern von 16598 Mk. auf 21 641 Mk. vermehrt. Im Jahr 1897/98 find sogar in Folge der weiter gestiegenen Frequenz 93 Betten ersorderlich gewesen, 1017 Kranken verpflegt und 24323 Mk. BerpflegungSgelder vereinnahmt worden. Die Zimmer, welche für diese Kranken bestimmt find, find mit kaum 170 Cubikmeter Luftinhalt zu klein, um für die Dauer neun bis elf Kranke zu faffeu, und eS ist die Luft in den Krankenzimmern eine geradezu gesund­heitsschädliche. Hierzu kommt, daß eS nicht möglich ist, die Fenster derjenigen OperationS- und Krankenfäle, welche nach der Rückseite drS Gebäudes zu liegen, zu öffnen, weil die

Jahre 1895 eine Länge von 127 240 Kilometer. Mitgerechnet sind hierbei 9745 Kilometer für unterirdische und unterseeische Kabel.

Die deutsche Handelsflotte zählte im Jahre 1895: 1043 Dampfschiffe mit einer Besatzung von 25000 Mann, und 2622 Segelschiffe mit 16000 Mann Besatzung.

Die Länge der gesammten Eisenbahnlinien betrug im Jahre 1895: 46000 Kilometer, die Fahrbetriebs­mittel setzten sich zusammen aus 16129 Lokomotiven, 31132 Personenwagen und 328023 Gepäckwagen und Güter­wagen.

Der Personenverkehr aus den Eisenbahnen ergiebt da» nette Sümmchen von 180 Millionen. Während nur 0,4 pCt. aller Passagiere die erste Wagenklaffe benutzte, stellt sich bei der zweiten Klasse der Verkehr schon aus 10,6 pCt. Die dritte Klasse mit 62 pCt. ist die am meisten frequentirte, während die vierte Wagenklasse nur von 27 pCt der Passa­giere befahren wurde. Hierbei muß jedoch berücksichtigt «erden, daß in Süddeutschland eine vierte Wagenklaffe über­haupt nicht eingeführt ist.

Deutschland besitzt 30 Großstädte, d. h. Städte mit über 100000 Einwohner. Dieselben sind nach ihrer Größe genannt: Berlin, Hamburg, München, Leipzig, Breslau, Dresden, Köln, Frankfurt a. M., Magdeburg, Hannover, Düsseldorf, Königsberg i. Pr., Nürnberg, Chemnitz, Stutt­gart, Altona, Bremen, Stettin, Elberfeld, Straßburg, Char- lottenburg, Barmen, Danzig, Halle, Braunschweig, Dortmund, Aachen, Crefeld, Essen und Mannheim.

zwei bis drei zur Kohlen- und Dafferaufnahme ständig auf­fahrenden Locomotiven neben den Raugirmaschinen die Last mit Qualm uud Ruß geradezu unerträglich machen. ES find ferner in der Augenklinik die Unterrichts- und ArdeitS- räume völlig unzureichend geworden, indem die Zuhörer­zahl von 21 und 22 Zuhörern in 1891/92 auf 33 uud 38 in der klinischen Vorlesung und dezw. dem Augen- spiegelkurS gestiegen find, sodaß ein ordnungsmäßiger klini­scher Unterricht, welcher durch Demonstrationen von Appa­raten, microscopischen Präparaten möglichst anschaulich zu gestalten ist, gar nicht wehr möglich ist. Endlich fehlen Räum­lichkeiten für die Unterbringung der Bibliothek und der werth- vollen optischen Apparate, und können nothwendige Instru­mente, die man in Privatkliniken hat, und die zur Eatser- nung von Fremdkörpern auS demAugeinnern unbedingt noth- wendig find, wie z. B. ein größerer Elektromagnet auS Mangel an Raum gar nicht beschafft werden. Sehnliche Zu­stände sollen auch in der chirurgischen Klinik herrschen, sodaß in beiden Kliniken ein Nothstand eingetreten ist, der nur durch einen Neubau beseitigt werden kann. Wenn dieLandeSuniverfität,dieseit einigen Jahren in stetem Aufschwung begriffen ist, in diesem erfreulichen Zustand und mit den Nachbarhochschulen coneur- reuzfähig erhalten werden soll, so ist eS unbedingt uothwendig, daß den einzelnen Unterrichtsanstalten die erforderliche Auf­merksamkeit gewidmet wird und dieselben in den Bedürf­nissen der heutigen Zeit und den Institutionen der übrigen deutschen Hochschulen entsprechender Weife eingerichtet werden. Unterzeichneter erlaubt fich nun, gestützt aus die vorstehenden AuSsührungeu, an Großh. StaatSregieruug die Anfrage zu richten:

Sind der Großh. Staatsregierung die vorstehend gerügten Mißstände in der ophthalmologischen und chirurgischen Klinik der LandeS-Univerfität bekannt, und beabsichtigt dieselbe nicht, baldigst den Ständen Vor­lage wegen eines Neubaues dieser Kliniken, eventuell, salls wegen der zu großen Belastung der Staatskaffe der gleichzeitige Bau beider Kliniken nicht auSsührbar erscheinen sollte, wenigstens zunächst der kleineren und einen geringeren Kostenaufwand erfordernden ophthal­mologischen, zu machen und insbesondere sofort die erforderlichen Schritte wegen Beschaffung eine» ge­eigneten Bauplatzes und wegen Ausarbeitung der Bau­plätze zu thun?

Soucert der Akademischen Gesangverein» am 3. Mai, Abends 7 Uhr, im Clubsaal. Neben der bedeutenden Sängerin Frau Wilhelmj, über die wir vor Kurzem berichteten, wird eine liebenswürdige junge Geigerin Mitwirken. Fräulein Mina Rode ist uns längst keine Fremde mehr, auch ist fie heute nicht mehr die begabte Anfängerin, als die fie uns vor wenigen Jahren gegenübertrat. ES war ein eifig kalter Tag, als wir ihre Bekanntschaft machten, eifig auf den Straßen, eisig im Cor.certsaal und eifig die Hörer. Hatte doch ein böser Stern Über die Vorbereitungen zum Coucert geschwebt. Zwei namhafter Geiger, Professor Barth und Profeffor Heermann, hatten krankheitshalber nach einander absagen müffen, und, als Ersatz hierfür, ein kleines, zartes Däm­chen fröstelnd das Podium betrat, da glaubte keiner der An­wesenden, daß ihr in wenigen Minuten alle Herzen zufliegen würden. Mit markigen Strichen und doch so süßem Ton feffelte fie Alles bis zum Schluß, stürmischer Beifall wurde ihr gespendet, daS Eis war gebrochen. Noch auf dem Podium erhielt fie eine freudig acceptirte Einladung des Coucert- Vereins-Vorstandes für einen der nächsten Abende. Seitdem hat Mina Rode wacker weiter gearbeitet, und aus der jungen Geigenfee ist eine auSgereifte Künstlerin geworden, die, wenn wir un» so deplacirt auSdrücken dürfen, mit der Geigeihren Mann steht". In dem vornehmsten Soncertsaal Berlins, in der Singakademie, hat fie den Beweis ihrer wahren Künstler­schaft geliefert, und mit Freude bringen wir nachstehend den Bericht eines vornehmen Blattes. DieNational-Zritung" schreibt: Die junge hier bereits Vortheilhaft bekannte Violin- virtuosin Mina Rode auS Frankfurt a. M. gab Donnerstag den 11. März ein Concert in der Singakademie mit dem Philharmonischen Orchester. Weibliche Zartheit ist der Grund­charakter ihres Spieles. Ihr süßer, anmnthvoller Ton, ganz im Einklang mit der jungfräulichen Bescheidenheit ihres Auf­tretens, schmeichelt sich freundlich in das Gemüth des Hörers. In SporS D-moll-Soncext, op. 55, mit der gediegenen Vir­tuosität ihrer Allegros und der schmachtenden Cantilene deS Adagios fühlte fich thr feiner mufikalischer Sinn so recht zu Hause. Ihr Vortrag voll Leben und Wärme ward im Adagio zum Gesang, im Allegro zur leidenschaftlichen Sprache. G-moll- Concert, op. 52, von Gustav Holländer stellte ihr eine ver­wandte Aufgabe. Auch darin fand im Adagio die sanfte Schweraeath, im Allegro bie lebendige Sprache ihres Künstler­naturells Gelegenheit zu wirkungsvollem AuSdrück. In Saint-SaenS Introduction et Rondo capriccioso zeigte fich die junge Künstlerin in der luftigen Technik deS modernen ViolinsatzeS vollkommen bewandert. Bet ihrer zarten Persön­lichkeit muß man staunen, daß sie auf diese großen Aufgaben noch eine Anzahl kleinerer Virtuosenstücke setzte.

Wir machen auch an dieser Stelle auf die nächsten Mittwoch vormittag auf einige Stunden erfolgende Ab­sperrung der Wasserleitung auf dem Selterßweg usw. auf­merksam. (S. Inserat.)

Cine neue Serie Postkarten eie Gießen hat die v. Münchow'fche Hof- und UniverfitätSdrnckerei (O. Kindt) hier herauSgegeden. Die Karten zeichnen fich durch klare Farbenwirkung aus und find in allen hiefigeu Buchhandlungen zu haben.

Fnßporthien. Zu den beiden dankenSwerthen Artikeln über Ausflüge in den Krofd orferwald wäre wohl noch für Freunde schöner Waldwege einiges Weitere hinzu- zufügen. Der Weg von Krofdorf zum WaldhauS auf der Chaussee ist etwas einförmig, auch hübsch. DaS Fehbachthal bietet mehr Abwechslung, nur ist dies im Sommer nicht sehr schattig. Wer einen ruhigen Gang durch schönen Salb machen

will, der gehe den markirren Weg Über LaunSbach, den schwarzen Punkten nach. Will «an daS Gleiberger Forst- hauS besuchen, so verläßt «an die Markirung do, wo fie dre Straße WißmarGleiberger ForsthavS, Crumbach über­schreitet und folgt dieser chansfirten Straße- nahe bet dem Gleiberger ForsthavS stößt dieser Weg aus die Chaussee von Krofdorf, auf welcher «an in */i Stunde daS ForsthauS er­reicht. Bom ForsthauS führt die Wegmark,rungrotheS Kreuz" durch schöne Waldwege am Altenberg vordet nach Ruttershausen, von wo Staufenberg und Lollar leicht erreich­bar find. Den Altenberg versäume man nicht zu besteigen, er bietet sowohl in die Nähe wie weit hinein inS Land eine der schönsten Aussichten unserer Umgebung. Die durch rohe Menschen zerstörte Markirung in dem Wald zwischen Forst­hauSAltevberg wird in nächster Zeit durch bie Section Gießen deS deutsch-österreichischen Alpen-vereinS wieder neu hergestellt werden. Doch kann man auch jetzt noch der Mar­kirung mit einiger Aufmerksamkeit ganz gut folgen, da die Ueberreste der zerstörten Zeichen deutlich Überall bemerkbar find, ebenso empfiehlt eS fich aber auch den schwarzen Punk­ten weiter zu folgen und den Weg bis zur Schmelz in dem idylischen Salzbödethal fortzusetzen, um von dort weiter nach Frohnhausen zu wandern, oder Über Salzböden inS Lahnthal zu maschireu. Die steile Stelle an diesem Weg, die in daS kleine Bechthal hinabführt, hat früher vielleicht manchen Wanderer einige Schweißtropfen gekostet. Die Section Gießen hat in diesem Frühjahr einen hübschen und leicht ersteigbaren Fußpfad dort anlegen lassen, welcher Dank dem freundlichen Entgegenkommen der Oberförsterei Krofdorf und der guten Unterstützung des Försters Schulz zu Salzböden bereits fertiggestellt ist und nun auch hoffentlich recht bald benutzt wird. Der ganze Weg von den sieben Hügeln dis Frohn­hausen führt durch den großen Krofdorfer Wald und erinnert mit seinen schönen Beständen in seiner manigfachen Abwechsel­ung vielfach an den Speffart. Anzurathen ist jetzt, wo die Lust zum Wandern sich wieder regt, die Anschaffung einer Karte der mit Farbenzeichen versehenen Wege in der Um­gegend von Gießen, Wetzlar und Weilburg. Die Kosten find nur geringe und au Hand der Karte lasten fich die schönsten Touren ausführen. Der aus dem verkauf fich ergebende kleine Nutzen wird zur Erhaltung und Verbesserung der Weg- markirung verwandt.

BellersheimObbornhofen oder ObbornhofenBellers­heim. Der Streit um die Bezeichnung der zwischen dm beiden obengenannten Gemeinden gelegenen Stationen der Bahnlinie FriedbergHungen scheint noch nicht beigelegt zu sein, denn der Ortsvorstand zu Bellersheim hat fich mit einer neuerlichen Eingabe an die zweite Kammer gewendet wie folgt: In einer am heutigen, den 30. März l. I. ab­gehaltenen Gemeinderathssitzung wurde von einem der an­wesenden Mitglieder des Gemeinderaths auf einen Artikel im Gießener Anzeiger Nr. 74 zweites Blatt aufmerksam ge­macht, nach welchem von dem Ortsvorstande zu Obbornhofen an die hohe zweite Kammer eine Eingabe eingereicht, nach welcher bte BellerSheimer beschuldigt werden,Unwahrheiten und Uebertreibungen" in der an hohe Kammer eingereichten Eingabe vorgebracht zu haben. Gegen eine solche Beschul­digung müffen wir unS im Namen der Gemeinde Bellers­heim ausdrücklich verwahren und weifen den Vorwurf ent- schieden zurück. Obgleich die erste Eingabe nur von einem Theile des GerneinderathS und die zweite von keinem Mit- gliche desselben unterzeichnet war und wir nur durch uns im Druck zugekommene vom Wortlaut derselben Kenntniß erhalten, so können wir nicht umhin, der Wahrheit zu Ehren, Folgendes zu erklären:Die Verhältnisse sind ganz richtig vorgetragen. Der über die Abänderung des Wortlauts an dem Bahnhofsgebäude befindlichen Aufschrift befragte Bürger­meister Bopp erklärte, daß er am 28. September 1897 bei seiner Rückkehr als GeländeerwerbScommisfionSmitglied zur Nebenbahn FriedbergHungen von noch rückständigen zu erledigenden Taxirungen auf der Strecke FriedbergBer­stadt, noch am Bahnhofsgebäude die AufschriftBellersheim Obbornhofen" gesehen habe, und er aber während seines kurzen Aufenthaltes auf der Station gesehen habe, daß ein Arbeiter, wahrscheinlich ein Weibbindergeselle, die Aufschrift mit Bimstein wegradirt habe. Der Arbeiter, hierüber be­fragt, konnte keinen näheren Aufschluß geben, wer dieses veranlaßt habe. Andern Tags war zu lesenObbornhofen Bellersheim", wovon fich der Bürgermeister Bopp eben­falls überzeugte. Derselbe war über diese Abänderung ver­blüfft. Weshalb diese Abänderung, ober der Grund hierfür ist un» unbekannt. Die sämmtlichen Bahnhof»gebäude stehen in der Gemarkung Bellersheim, nur die Rangirgeleise er­strecken fich in die Gemarkung Obbornhofen. Die Bahnhofs­gebäude find im Brandcataster der Gemarkung Bellersheim eingetragen. Der Bahnhof ist in administrativer Beziehung der Gemeinde Bellersheim zugetheilt. Die hiesige Gemeinde hätte sonach, was bei de« derzeitigen Inhaber der Bahn- Vorsteherstelle nach unserer Ansicht nicht Vorkommen kann, müßte aber bei später vorkommenden UnterstützungSwohafitz- Snsorderuugcn auch für diese aufkommen. Bellersheim be­zahlt von Geländeerwerbskosten einen weit höheren Beitrag als Obbornhofen, Bellersheim hat eine größere Einwohner­zahl als Obbornhofen und einen bedeutend größeren Bohn- verkehr, was Bahnvorsteher Schmidt, wenn aufgefordert, würde nachweisen können. Bei anderen Stationen ist der größere Ort immer vorangestellt worden, und hier daS Um­gekehrte. Wenn die Aufschrift nach dem Alphabet erfolgt wäre, so wäreBellersheim" ebenfalls vorn hingekommen. Da nunmehr die Sache soweit gekommen ist, so glauben auch wir, daß Bellersheim gewiffermaßeu berechtigt ist, für Abänderung einzutreten. Auch wir richten deshalb an hoch­verehrte Kammer die ganz ergebenste Bitte, dahin hoch- geneigtest Mitwirken zu wollen, daß bie Aufschrift vom Bahn­hofObbornhofenBellersheim" inBellersheimObborn- Hofen" umgeänbert werde, und zeichnen in dieser Hoffnung hochachtungsvoll Die Semeinderäthe." (Folgen die Unter­schriften.)