Nr. 277 Erstes Blatt.
Freitag den 25. Novcmbcr
1808
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Zum 25. November.
Mas ganze Hcsscnland steht heute wieder ftcudig bewegt unter dem Zeichen des Doppelgeburtstages unseres erlauchten Hcnscherpaarcs Ihrer König!. Hoheiten des GroßherzagS und der Großherzogin. .... r ...., _ , , . , . „ . . „ — _
In alter rcichbewährter Hesjentreue wissen wir uns mit unserem Fürstenhaus an solch einem festlichen Tage ganz besonders nahe verbunden. Dies
Gefühl der Zusammengehörigkeit kommt gerade an dem diesjährigen hohen Geburtstag zum erhebenden Ausdruck. Sind doch heute Berater des ganzen Landes um unser geliebtes Fürstenhaus geschaart; denn gemeinsam soll das Andenken des Vaters unseres jetzigen Regenten, des unvergeßlichen Großherzogs Ludwig IV. geehrt werden in der Enthüllung seines Standbildes auf dem Paradeplatz zu Darmstadt. Die Erinnerungen an ruhmreiche und gesegnete Zeiten werden wach: Prinz Ludwig der muthige siegreiche Führer unserer hessischen Division in den Jahren 1870/71, Großherzog Ludwig IV., der milde, gerecht und leutselige Herr, der allseitig geliebte und verehrte Landesvater - so lebt sein Bild in unser Aller Herzen fort. Und rote zu dem Vater, so blickt das hessische Volk auch zu seinem Sohne, unserem jetzigen Regenten Großherzog Ernst Ludwig, sowie zu seiner hohen Gemahlin, mit unbegrenztem Vertrauen und treuer Siebe empor. Unser Großherzog hat es verstanden von dem ersten Tage seiner Regierung, zu welcher er nach Gottes Fügung schon tm .tltcr von 22 Jahren berufen wurde,
sich die Herzen feiner Hessen zu gewinnen durch die ernste Aussasiung feines hohen Amtes, durch fein warmes Interesse, ferne energische Förderung der
verschiedenartigsten Besttebungen im Lande sowohl nach der witthschaftlichen Seite hin wie auf den Gebieten der Kunst und Wissenschaft und nicht zum wenigsten durch feine unmittelbare Herzlichkeit im persönlichen Verkehr. Wie sich uns heute tm Rückblick auf das verfloßene Jahr ein Jahr frtebfantcr ffieiterenr
Wickelung — der Dank aus die Lippen drängt für alle dem Lande bewiesene, warm wohlthättgc Fürsorge von Allerhöchster Stelle aus, so knüpft sich daran
tm Ausblick auf die Zukunft der innige Wunsch aus dem Herzen tausender treugefinnter Untertanen: m
„®ott der Herr schütze und behüte, segne und geleite auch durch das kommende Jahr unseren Großherzog Ernst Ludwig und unsere Großherzogm
Victoria Melitta. _____
Deutsches Reich.
Darmstadt, 28 November. Seine Königliche Hoheit der Landgraf Alexis von Heilen traf mit feiatm N.ffrn Lhioüwtg heute Mittag zu B^uch der Allerhöchsten Herr ichaiten ein, nahmen au dem Sroßherzoglichen Laacheon The»! uni reisten tm Laufe de» Nachmurag» wieder ab. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und der Herzog von Sachsen- Loburg und Gotha begadeu st<1> tm -Laufe bei heutigen Nachmittag» zur Fasanenjagd in die Doru» Verger Fasanerie.
Berit», 28. November. Die wifseuschaftliche De. putatton für da» Medtetnalwesen ist heute unter dem Vorsitz de» Medicinal-Direktor» vr. o. Bartsch tm Eultulm'uisterium zusommeogetreeen. Die Sitzungen werden mehrere Tage in Anspruch nehmen. Auf der Tagesordnung steht unter Andere« die Frage, ob nicht den aReo.cmalbeamtcn bei der Errichtung und Veränderung gewerblicher Anlagen eine stäik^re Mitwirkung etazuräumea ist.
Berlin, 28. November. Die deutsche Bewegung in Belgien hat einen groben Slfolg zu verzeichnen. Dte Regierung hat nämlich angrordoet, daß in den deutschen Ortschaften der Provinz Luxemburg die Fahrpiäve und aüe anderen Kundmachungen io den Elsendahu-, Post' und Tele« gropheoämteru tu deutscher und französischer Sprache zu ver- öfflutlicheu find. Der deutschen Sprache ist sogar der vor. rang vor der frauzvfischea etnzuräuwen, während die letztere bisher dte Alletnhrrrschaft auSüdte. Wenn dte Regierung nun auch die Lrtheiluvg des Voiksjchuluvtrrricht» tu deut cher Sprache gewährt, so werden die deutschen Belgier jede weitere Agitation eiustellen, da dieser bei ihnen ja nicht, wie z. B. tu Deutschland bet den dänisch-gefiantru Nordschleswigeru, Lostreullungsdestr'bungeo zu Grunde liegen.
Berlin, 23. November. Die «tat» für dte Aeuderuugeu tu der Orgautsattou des Retchshrrres find dem Bundes rath zugegangeu nebst etner Uederficht der Statsstärke des deutschen Heerr» nach den für 1899 geplanten O ganiiations- Aeuderungea. Für Preußen werben dadurch mut dauernde Ausgaben, von etwa 5 Millionen, einmalige Ausgaben von etwa 28 Millionen bedingt, für Sachsen l1/* b?zw. 10 Millw- ncn. ®i wtrdeu v. S. neue Kasernen gefordert für Allen Lein (1100000 Mk.), Guwbtnnen, Trier und Dt..Eylau tie 1 Mtlltou), für Hanau (2 400000 Mt.) und für Lang- fuhr bei Danzig (2 Millionen). Zunächst find nur dte ersten Raten von je 400000 Mk. eingesetzt. Ferner erhält Leipzig eine FelbarrMerie Regimeuts-Kaserue (2400000 Mk) und eine Train-Bataillons Kaserne (1 200000 Mk.), sowteWurzen eine Kaserne für eto Artillerie-Reg wen, (2200000 Mk), Shemmtz für ein Jnfanterte-R-giment (2400000 Mk) und Riesa für ein Ptouier-Bataillou (1300 000 Mk.) Auch hier werden wie üblich zunächst our die ersten Raten augesetzt. In Dresden soll dte Train- Lompagoie Kaserne erweitert »erden für eine fahrende Lbtheilong der Feloartillerie. In Leipzig wird infolge Verstärkung der Garnison nm ein Feld. «rttllerie'Regimeot und ein TratN'Bataillon dte Grwetteruvg des Exerztrplatze» erforderltch.
Berlin, 23. November. Coloniales. Die Tra» clrungsa,beiten für dte Eisenbahn Swakopmnnd-Sind
hoek find durch Prem.-L'. Kecker von der Eisenbahn Brigade beendet. Dte Länge der Bahn beträgt im Ganzen 880 9 Rilo* wtttx. Die Bahn geht über Nontdo» (10 Kilomeier), Rlchthofeo (20 km.), 919 flog <40 Km.), durch den «hanflutz von 64—57 km., nach Jakulswater (96 Km ). Dann tu nordöstitcher Richtung nach Okangava (187 km ) nördlich von Oihtmdtngwr. Oihimbtngwe selbst kann nicht berührt werden, weil ein benutzbarer Zugang durch die Berge fehlt. Bet 260 Kilometer wird dann die Bahn dte Straße O htmbingwe. Okowbahe schartdeu, bei 803 Kilometer erreicht die Bahn Okahandja, bei Osoua wird fie durch den Swakop gehen, der hier 400 Meter beit ist. Es folgen bann dte Flüsse — Reviere nennt man fie In der Burensprache — Okapunka, Brakwater, bts bet 380,9 Kilometer Windhoek erreicht ist. Der Bahnhof soll auf btm Hübeozuge westlich von Windhoek errichtet werden. Zar Zeit find die Bauarbeiieu, die Lieute- nant Schultze leitet, bis 76 Kilometer beendet, der Betrieb findet bi» zum «ahnfluß statt. Der Fertigstellung der ganzen Strecke bi» Windhoek dürfte binnen zwei Jahren entgegen- g-sehea werden. Dte Bahn wird bekanntlich in einer Spurweite von 60 Lenttmeter gebaut. Der ordentliche Betrieb stader jetzt nur noch mt Dompf statt, Maulthierbetrted kommt nur aushilfsweise vor. Die zur Anwendung kommenden Maschinen find dte bet der Eisenbahntrupp: für Kriegszwecke etngrführteu Zwlllltrgsmaschioen. «s find zwei kleinere Ma. schmen derart zusammengekoppelt, daß die Führerstände za. sawmenstoßeu. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt vorläufig 12 Kilometer tu der Stunde, kann aber bis 16 Kilometer grstcigert werden. Die Bahn Ist derart angelegt, daß durch- schniitlich alle 20 Kilometer Ausweichen vorhanden stad, so daß am Tage 8 Züge fahren können. Mit jedem Zage können 10 Wagen zu 7 Ton» (wovon 2 Ton» auf da» Gewicht der Wagen kommen), also zusammen 50 Tons Güter besördert werden. Die mögliche Tagesleistung würde also 400 Tons — 8000 Ltntner betragen.
ArrvUrnd
Wie», 23. November. Graf Goluchowsky ist an das Hkflager nach Budapest abgereist.
Budapest, 23 November. Nachdem die gestrige Sitzung des Abgeordnetenhauses verhältnißwäßig ruhig ver. laufen ist und auch dte Straßencrawalle fich Sbrnds nicht wiederholten, beschloß die Regierung, von einer Vertagung des Adgeordnetenhaases vorläufig noch abzuseheu. Wenn die Studentencrawalle fich wiederholen sollten, dann wird die Untverfilät gesperrt werden. Die Studenten hielten gestern eme stark besuchte Versammlung ab, in welcher fie gegen das Vorgehen der Polizei protestirten.
Budapest, 23. November. Ja der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses interpellirte die Oppofiiio» die Resierung wegen der gestrigen Ueberschrettuogev der Polizei. Plötzlich verbreitete fich das Gerücht, daß die Polizei einige technische Hochschüler maffacrtrt habe. Die Opposition erhob hierauf einen Höllenlärm, weshalb die S tzung auf 10 Minuten unterbrochen wurde. Mittlerweile stellte fich die Unwahrheit | des Gerüchtes heraus und dte Debatte konnte fortgesetzt | werden. Um 12 Uhr kam eS vor der UniversttLt zu einem
Zusammenstoß zwischen Studenten und der Poitzei. Letztere wachte von der blanken W-sfe Gebrauch. Aut beiden Setten gab c» Verwundete. Nactdem die Rädelsführer verhaftet waren, konnte dif Rude wieder hergeüellt werden.
Po la, 23. November. Das deutsche «atserpaar ist heute f.ÜH 7’/4 Uhr wohlbehalten hier eingenoffen. Uat 11 Uhr befand fich boffdbe noch an Borb der ^Hohenzollern^. Ls dürfte nur an Laub gehen, um den Besuch de» Erzherzogs Karl Stephan zu erwidern, vielleicht dürften auch die Kriegsschiffe Maria Theresia und Bidapest durch das Katserpaar besichtigt werden. Der deutsche Hofzug, welcher das Katserpaar nach Deutschland zurücksrtugen wird, wird scharf bewacht, ebenso die Bahnstrecke, welche der Zug durch» fährt.
Rom, 23. November. Der ttalientsche Anarchist Gino, der kürzlich aus der Schweiz ausgewiesen wnrbe, «st tn St. Ludwig tm Glaß verhaftet worden. Mau fand bei ihm einen langen scharf geschaffenen Dolch. Ls wird der- mnthet, Gino habe seiner Zeit Lnccheut zur Ermordung der Kaiserin von Oesterreich angesttstet.
PariS, 23. November. W chtig sür die «ffaire Picquart ist BotSdefsreS gestrige Vernehmung vor dem Lassa- ttonshose. Boisdeffre gestand nämlich zu, daß er alle Schritte P cq larts gegen dfterboin gekannt und gebilligt habe.
Cecelea tm* 4>rovinzi«Ues.
Vietze», 24 November 1898.
•• Empfang. Se. Söaigl. Hoheit der Großherzog empfingen den Premierlteutenant v. Hahn vom Großh. Feld-Artillerie Regiment Nr. 26 (Großh. Art llerie-Lorps), ben Prälat D. Habicht, ben Professor Dr. Weinsheimer von ber Oderrealschnle, den Professor für Geodäsie an der Technischen Hochschule Fenner, den Kreisrath Jrle von Büdmgeu; zum Vortrag den Präfidenten des Ministerin»»» ber Finanzen «üchler, den Oberstallmeister Rtedesel Frhrn. zu Eisenbach, ben Eabtnettsrath Römh elb, den Hoftbeaterdirector Werner. c
•• Dieasfttachrichte». Se. «önigl. Hoheit der Groß- Herzog Haden Allergnädigst geruht, den Steuereinnehmer des Steueramts Viernheim Adolf Hansult zu« Districts- einnehmer der Dtstrictseionehmeret Gießen I zu ernennenden Haupsteuerawtsasfistemeu bei dem Hauptsteueramt Mainz Johann Georg Btugmann, mit Wirkung vom 1. Ja- nnar 1899 an, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen.
•• Die Königliche Eisenbahndireeti», Fraakfart ». ». theilt mit soeben eingttrvff mm Schreiben vom 21. d. Mts. mit, daß sie nach ben bestehenden Bestimmungen nicht in der Lage sei, den einzelnen Personen, welche den Enthüllungs- feierltchkeiteu am 25. b. Mts. tn Darmstadt beiwohnen wollen, eine Fahrvergünstigung zu gewähren. Jedoch kann bei gemeinschaftlicher Fahrt von mindesten» 30 Personen oder bei Lösung von mindestens 30 Fahrkarten für die L, 2. oder 8. Klaffe eine Ermäßigung bi» -» 50 pLt. des gewöhnlichen Fahrpreises der einfachen Fahrt zugebilligt werden. Die Benutzung von Schnellzügen ist hierbei In der Regel ausgeschlossen. Entsprechende Anttäge


