Ausgabe 
25.11.1898 Drittes Blatt
 
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bei den in ihrer Hoffnung getäuschten Leuten. Und woher die- seltsame Stücklria von eigenmächtig willkürlicher Ab­weichung von der gesetzlichen Fahrordnung? Unter den am Ufer wartenden Paffagieren besaud sich die Frau bei Friedensrichters zu Ka^atschiuskoje, der den Lapitän desDjäduschka" seiner Zett mit einer Geldstrafe belegt hatte, und an ihr rächte fich der biedere Topstän nun, indem er eS ihr unmöglich machte, die beabfichrtgte Fahrt nach Kraßnojar-k auszuführen. Und dazu mußte nun dal ganze übrige völlig unschuldige Publikum um der Rache deS Cop'tänS willen mitbluten.

* TasGlück-kleeblatt" im Berschwinden. Wie aus der tonangebenden Modestadt jenseits de- Rheine! geschrieben wird, scheint da! vierblättrige Kleeblatt, daS im vergangenen Jahre noch für den wirksamst!» Talisman galt, der von den jungen Mädchen de! Bürgerstandes eigenhändig gepflückt und in die an langer Kette hängenden Trtlbhherzen gethau wurde, während ihn die eleganten Damen der Aristo- kratte in Form von kostbaren mit Brillanten geschmückten Imitationen als Broche trugen, jetzt vollkommen in Miß« credtt geratheu zu sein. Ueberall steht man an seiner Stelle ein anderes Blatt und zwar das des Kastanienbaumes auf­tauchen. Dieses so plötzlich in Mode gekommene Blatt prangt in Miniaturnachahmungen al- Eckoerzierung auf den beim weiblichen Geschlecht so beliebten länglichen Portemon­naie- und Bifitenkartenetuis- e- funkelt, in Gold und Edel­steinen ausgeführt, am Kragen oder Gürtel eleganter Taillen- ja, eS dient selbst den Kunststickeriunen als Motiv für die prächtigen Stickereien, mit denen fie die Ball- und Gesell­schaftsroben reicher Pariserinnen ausstatten. Eine weiße Atlastoilette in der vor einigen Tagen eine in der Bille Lum äre sehr bekannte Amerikanerin auf einem Ball bei der Gräfin de C . . . Aufsehen erregte, war ausschließlich mit künstlerisch in Seide und Ehenille ausgeführten Blättern,

Blüthen, Früchten und den stachligen Hülsen der gemeinen Roßkastanie geschmückt. Eine graziöse Guirlande von Blättern und glänzenden Früchten zog fich um den Saum de- Rockes, drffen Borderbahn en tablier mit den in Silberfaden und schneeiger Chenille gestickten Blüthen bedeckt war. Da- Ge schmeide, das zu dieser aparten Robe getragen wurde, be­stand in Kopfschmuck und Riviöre aus weißem Mosaik, von dem sich winzige, in grünem Email au-geführte Kastanlen- blätter äußerst wirkungsvoll abhoben.

* Mlt sarkastischem Humor würzt der Gemeinderath von Rorschach seine Strafbefehle. Schweizerische Blätter veröffentlichen folgende amtliche Kundmachung:ölu Kauf­mann aus Konstanz, der fich hier einen gewaltigen Schweizer »Fahnen" kaufte und mit demselben noch Nacht- 2 Uhr lärmend auf den Straßen herumschwankte, zahlt zur Erinnt« rung an diesen »Fall" und für da» freundliche Entgegen­kommen der Nachtwache, welche dem Gaste au» Kostnitz ein Nachtquartier verschaffte, 20 Franken. Ein anderer älterer Herr, der früher in fremden M'l tärdiensten stand und seit dieser Zeit viel an Durst leidet, wurde ebenfalls in gehobener Stimmung zu später Stunde auf der Straße aufgrlesen- er bezahlt zehn Franken als Find er lohn.

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Wohnung erwachsen. Besonders wird auf Mittel und Wege htnge- wtesen, der Feuchtigkeit unserer Wohnungen beim Bau vorzubeugen oder sie zu beseitigen. Auch diese Lieferuna zeigt, in wie hohem Grade der Derfaffer die Gabe besitzt, dm Stoff mit wtffenschaftlicher Gründlichkeit und doch anziehend und anschaulich zu behandeln. Wir können nur wünschen, daß das Bändchen eine recht große Verbreitung finden möge. __

Katechismus der Bauconstructionslehre von Walther Lange. Vierte, vermehrte und verbefferte Auflage. Mit 479 in den Text gedruckten Abbildungen und drei Tafeln. In Original- letnenband 4,50 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Der Verfasse, Director des Technikum« der freien Hansestadt Bremen, ist sichtlich bestrebt gewesm, alle Neuervngm auf dem Gebiete der Bauconftruction in der neuen Auflage vorliegenden Buches möglichst zu berücksichtigen. Den beiden ersten großen Abschnitten über Maurer- und Zimmerconstructtonen folgt ein dritter, in dem Thür- anlagen, Fenster constructtonen, Beschläge, Holzfußboden, Wandbe- kleidungen, Dachdeckungen, Verglasungen, Anstriche und Constructionm deS Schlossers behandelt werden. Ein vierter Abschnitt hat eS mit dm Reparaturen aus dem Gebiete der Zimmerer- und Maurer­arbeiten zu thun, während ein fünfter den Umbauten gewidmet ist. Langes Katechismus ist nicht nut für Bauhandwerker aller Art, sondern auch für Bauherren und Hausbesitzer ein sehr nützlicher und unentbehrlicher Rathgeber, dessen klare Sprache und tnstructive Jllustrtrung vorbehaltlose Anerkennug verdienm.

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Stuttgart, 21. Novbr. (Allgemeiner Deutscher Versicherungs- Verein.) Im Monat October 1898 wurden 924 Schadenfälle regultrt. Davon entfielen auf die Betriebs-Haftpflichtversicherung 386 Fälle und zwar 221 wegen Körperverletzung und 165 wegen Sachbeschädi­gung; auf die Haus-Haftpflichtversicherung 21 Fälle und zwar 10 wegen peroerlehung und 11 wegen Sachbeschädigung; aus dte Unfall- ; Versicherung 483 Fälle, von denen 4 den soforttgm Tod und 7 eine gänzliche oder theilweise Invalidität der Verletzten zur Folge batten. Von den Mitgliedern der Sterbekaffe sind 34 in diesem Monat gestorben. Neu abgeschlossm wurden im Monat Octob<r 4955 Versicherungen. Alle vor dem 1. August 1898 angemeldeten Schäden der Unfall-Versicherung (fnd. der TodeS- und JnvaliditälS- Fälle) sind bis auf die 126 noch nicht genesene Personen betriffenden Fälle erledigt.

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